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Ein Walross macht noch keinen Spätherbst: Aus dem literarischen Nachlass von Gottlieb Ingolstadt
Ein Walross macht noch keinen Spätherbst: Aus dem literarischen Nachlass von Gottlieb Ingolstadt
Ein Walross macht noch keinen Spätherbst: Aus dem literarischen Nachlass von Gottlieb Ingolstadt
eBook57 Seiten34 Minuten

Ein Walross macht noch keinen Spätherbst: Aus dem literarischen Nachlass von Gottlieb Ingolstadt

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Über dieses E-Book

Der Titel ist eine Reverenz an John Lennons "A Spaniard In The Works". erschienen im Jahr 1970 in einem kleinen Münchner Verlag, später vom bayrischen Alternativ-Verleger Friedl Brehm übernommen, sind diese frühen Texte Beleg für eine deutschsprachige Pop-Literatur, die ihre Wurzeln in den Sprach-Experimenten der "Wiener Gruppe" um H. C. Artmann und Konrad Bayer ebenso hatte wie in der musikalischen Pop-Kultur der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre.
In kleinen und Kleinstverlagen erschienen damals die ersten Texte von Jelinek, Wondratschek, Brandner, Miene, Brinkmann, Hübsch - um nur die später bekanntesten zu nennen. Ein weiterer Einfluss waren die amerikanischen Beatniks von Kerouac und Ginsberg bis Burroughs. Es ging darum, Sprache, Formen und Inhalte an die Grenzen des nicht nur technisch Möglichen in der Vor-Computer-Zeit zu treiben. Dass sich dieser avantgardistische Anspruch gegen das massenverwerterische reaktionäre Konzept des "esmusswiedereinfacherzähltwerden" nicht durchsetzen ließ, war schnell klar. Es gab zwei Möglichkeiten: angepasster ("verständlicher") zu schreiben oder sich ein anderes Medium zu suchen.
Reichert entschied sich für Letzteres, machte 1970 seine erste Radiosendung und schrieb sein erstes Hör-Spiel, nachdem ihm Peter Ladies "Fünf Mann Menschen" von Mayröcker und Jandl vorgespielt hatte. "Das kann man nicht senden", telegraphierte er. "Darum machen wir es!". Ein weiterer Beweis für die Wirklichkeitsnähe des "Du-kannst-wenn-du-nur-wilst" - Spiels! In diesem Zusammenhang stehen auch Reicherts wieder häufig gesendetes und als ein Meilenstein des Pop-Hör-Spiels verortetes Hörspiel "Spielverderber unerwünscht" (SWF 1970) und seine ab 1969 zusammen mit Michael Furt unter dem gemeinsamen Pseudonym Benno Höllteuffel publizierten Mundart-Gedichte.
SpracheDeutsch
HerausgeberFuego
Erscheinungsdatum19. Aug. 2011
ISBN9783862870172
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    Buchvorschau

    Ein Walross macht noch keinen Spätherbst - Carl-Ludwig Reichert

    cover.jpg

    carl-ludwig reichert

    ein walross macht noch keinen spätherbst

    aus dem literarischen nachlass von gottlieb ingolstadt

    fuego

    pressestimmen:

    „ein buch wie jedes andere"

    lunatic, new york

    „abgründige zwielichtigkeit - offene geheimnisse. wo fängt das eine an, hört das andere auf?"

    birkelbacher rundschau, birkelbach

    „wer war gottlieb ingolstadt? carl-ludwig reichert läßt nicht nur diese antwort offen. die unerfreulichste neuerscheinung seit den ,kinderspielen‘."

    white power gazette, kapstadt

    „wer dieses buch kauft, macht sich seiner verbreitung mitschuldig."

    landesprüfstelle für sittlich gefährdetes schrifttum

    „einfach herzerfrischend"

    anonymer leserbrief

    nachruf auf gottlieb ingolstadt

    er war ein pseudo-genie. eine persönlichkeit aus zweiter hand. nichts an ihm war fertig, nichts hatte endgültig form gewonnen, als er ging. ging, weil er gehen mußte in einer zeit, die, dem ungewöhnlichen abhold, der genialität nichts zubilligt als den abstieg ins lächerliche.

    er mußte gehen, weil er unzufrieden war von natur aus. mit sich selbst, mit dem was er tat, dachte & schrieb. er war unzufrieden, weil er nichts erreichte. er konnte nichts erreichen, denn nichts zu erreichen war der tiefste wesenszug seiner pseudo-genlalität, zu der er sich restlos bekannte.

    enthusiastischer dilettantismus, eine vielseitige halbbegabung zeichnete ihn aus. er konnte wohl nicht anders als diese schwäche vor sich selbst zu seiner stärke erklären. auf diese weise trieb er sport, politik, aß, trank, studierte, versuchte sich bald in der bildenden kunst, als schauspieler, im schreiben & in der liebe.

    er existierte in einem durch seine person geprägten pseudo-milieu. stets auf der suche nach wesensverwandten charakteren, umgab er sich kurzfristig mit ihnen, nachdem er sie gefunden hatte. so fühlte er sich noch am wohlsten. (bezeichnend war sein hang zur trivialität, zum kunstgewerbe) veränderungen fürchtete er in dem maße wie er ihre notwendigkeit einzusehen vorgab. an entschlossenheit mangelte es ihm entschieden. der weltanschauung nach materialist, fühlte er sich doch dem unheimlichen, a-logischen & absurden wie magisch verbunden. seine texte legen davon zeugnis ab.

    er wußte natürlich, daß er alles andere war als ein poet. er hätte es zumindest wissen können. denn obwohl er verbissen um jedes wort kämpfte (er hatte große vorbilder), ihnen wieder & wieder den letzten schliff zu geben sich bemühte, gelang es ihm nie, auch nur eine zeile zu veröffentlichen. es hat ihn nicht entmutigt & dieses buch gibt ihm nachträglich recht. er hätte sich wohl kaum darüber gefreut, es eher als selbstverständlich betrachtet.

    ein pseudo-genie bis zur letzten konsequenz, nahm er sich nämlich zeitlebens ungeheuer wichtig. das half ihm, über die unzähligen fehlschläge, enttäuschungen, mißerfolge, ablehnungen, diskriminierungen, verdächtigungen, intrigen & demi-sensationen halbwegs hinwegzukommen. freilich lebte er stets mit der quälenden gewißheit, irgendwo, sei es hier oder dort, versagt zu haben.

    der hauptgrund dafür dürfte in seiner profunden unfähigkeit zu suchen sein, nebensächliches von wesentlichem zu unterscheiden. das war schon so, als wir noch gemeinsam die schulbank drückten & wurde später keinesfalls besser.

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