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Perry Rhodan - Die Chronik: Biografie der größten Science Fiction - Serie der Welt (Band 1 von 1961-1974)

Perry Rhodan - Die Chronik: Biografie der größten Science Fiction - Serie der Welt (Band 1 von 1961-1974)

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Perry Rhodan - Die Chronik: Biografie der größten Science Fiction - Serie der Welt (Band 1 von 1961-1974)

Bewertungen:
4/5 (1 Bewertung)
Länge:
693 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
28. Feb. 2011
ISBN:
9783854453550
Format:
Buch

Beschreibung

Die Romanserie PERRY RHODAN ist die erfolgreichste Science Fiction-Reihe der Welt.
Erstmals wird die Biografie dieser Serie nun als Buchreihe veröffentlicht. Band 1 schildert die Jahre 1961 bis 1974, als Verleger Rolf Heyne mit den Autoren Karl-Herbert Scheer und Walter Ernsting (besser bekannt als Clark Darlton) diese neuartige Science Fiction-Serie zu einem Erfolg in Deutschland, Japan, den USA, Holland und sogar in Israel machten.
Zahlreiche Anekdoten und Geschichten hat Autor Michael Nagula akribisch recherchiert und dokumentiert. Die Anekdoten um die Autoren, intime Blicke hinter die Kulissen des Moewig Verlages, die Aktivitäten der Fanclubs. Diese ungewöhnliche Biografie einer Romanserie wird ergänzt durch wichtige Meilensteine in der Romanhandlung, die der Chronologie des Buches folgen.
Herausgeber:
Freigegeben:
28. Feb. 2011
ISBN:
9783854453550
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Perry Rhodan - Die Chronik - Michael Nagula

Titel.jpg

Biografie der größten

Science Fiction-Serie der Welt

von Michael Nagula

Band 1

Geburt und Siegeszug eines Phänomens

(Die klassischen Jahre 1961–1974)

Mit Einführungen von

Klaus N. Frick, Uwe Anton, H. G. Ewers und Hans Kneifel

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www.hannibal-verlag.de

Impressum

Originalausgabe

© 2011 by Hannibal

Hannibal Verlag, ein Imprint der Koch International GmbH, A-6604 Höfen

www.hannibal-verlag.de

ISBN 978-3-85445-355-0

Auch als Hardcover-Buch erhältlich: ISBN 978-3-85445-326-0

Der Autor:

Michael Nagula ist freiberuflicher Autor, Übersetzer, Herausgeber und Verleger. Seit 1975 veröffentlicht er über PERRY RHODAN. Von 2001 bis 2007 war er festes Mitglied des Autorenteams. In dieser Zeit schrieb er 13 Romane der Serie und betreute redaktionell die ATLAN-Miniserie OMEGA CENTAURI, die Heyne-Taschenbuchreihe PERRY RHODAN: ODYSSEE und die Sammler-Edition der klassischen PLANETENROMANE in 26 Bänden des Weltbild-Verlags. Seine PERRY RHODAN CHRONIK beruht zu großen Teilen auf persönlichen Gesprächen und bisher unveröffentlichtem Material der an diesem Welterfolg beteiligten Personen.

Autor und Verlag bedanken sich bei dem PERY RHODAN-Team der Pabel-Moewig Verlag GmbH, Rastatt, für die freundliche Unterstützung.

PERRY RHODAN ®, ATLAN ® und Mausbiber Gucky ® sind eingetragene Warenzeichen der Pabel-Moewig Verlag GmbH, Rastatt

Lektorat: Hermann Urbanek, Wien; Eckhard Schwettmann, Gernsbach

Korrektorat: Otmar Fischer, Münster

Layout und Satz: www.buchsatz.com, Innsbruck

Coverdesign: bürosüd, München

Coverfoto: Johnny Bruck, © VPM/Pabel-Moewig Verlag GmbH

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlags nicht verwertet oder reproduziert werden. Das gilt vor allem für Vervielfältigungen, Übersetzungen und Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Zitat

Einführungen

1961

1962

1963

1964

1965

1966

1967

1968

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1970

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1974

Rückschau und Danksagung

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»Henry George sagte einmal: ›Kultur ist Zusammenarbeit.‹ Wenn das stimmt, haben das Team der PERRY RHODAN-Autoren und alle anderen Mitarbeiter an dieser Serie in Kultur die Note Eins verdient. Auch wenn es vielleicht nur der Erfolg ist, der Individualisten zusammenhält.«

William Voltz in PERRY RHODAN 500

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Zeitreisen in zwei Richtungen

von Klaus N. Frick, Chefredakteur von PERRY RHODAN

Schaue ich auf fast fünfzig Jahre PERRY RHODAN zurück, wozu der vorliegende CHRONIK-Band eine wundervolle Möglichkeit bietet, ist das gleichzeitig eine Zeitreise in meine eigene Vergangenheit – und ein bisschen weiter zurück – sowie eine Zeitreise in eine Zukunft, über die ich genauso wenig weiß wie jeder Leser dieses Buches.

Als die PERRY RHODAN-Serie startete, in jenem September 1961, war ich noch nicht einmal geboren. Als ich rund zwei Jahre später das Licht der Welt erblickte, erfand die erste Autorengeneration gerade so wundersame Planeten wie Drorah, Mechanica oder die Hundertsonnenwelt.

Und als ich im Sommer 1977 erstmals einen PERRY RHODAN-Roman las, ohne zu wissen, wie diese Begegnung mit einem Heftroman mein Leben verändern sollte, drang die Serie mit den Romanen um BARDIOC und die Kaiserin von Therm in bislang unerreichte Höhen vor. Seither ist viel geschehen; die Serie erscheint nach wie vor mit ungebremster Ideenfreude der Autoren und zur Lesefreude der Fans – und ich bin stolz, dass ich daran mitwirken darf.

Die Serie hat sich in all den Jahren verändert – sie wird es auch weiterhin tun. Alle Mitwirkenden, seien sie Autoren, Zeichner oder Redakteure, leben von den Einflüssen, die sie von der Gesellschaft rings um sich herum erhalten. Sie existieren nicht in einem luftleeren Raum, und sie können sich nicht befreien von den Vorstellungen ihrer Umwelt. Das erklärt, warum die Serie in den Sechzigerjahren so anders wirkte als in den Achtzigerjahren – und warum wir heute PERRY RHODAN wieder völlig anders schreiben und veröffentlichen, als dies beispielsweise 1975 der Fall war.

Längst ist PERRY RHODAN mehr als »nur« eine Heftromanserie. Spätestens seit dem Start der SILBERBÄNDE am Ende der Achtzigerjahre hat sich dieses Bild in der Öffentlichkeit gewandelt. Seither kamen zahlreiche Publikationen hinzu, und seit einigen Jahren ist es für manchen Fan völlig selbstverständlich, sich den wöchentlichen Roman als Download-Hörbuch zu Gemüte zu führen oder sich eine digitale Version auf sein Mobiltelefon zu laden.

Das ist aber nur die eine Dimension, jene der Veröffentlichung. Die Serie hat im Verlauf der Jahre ein anderes »Standing« außerhalb der Szene gewonnen.

War es zu meiner Schulzeit in den Siebziger- und Achtzigerjahren völlig normal, dass man von Klassenkameraden wegen seiner Lektüre belächelt oder von Lehrern wegen des »Schunds« unter der Schulbank bestraft wurde, findet man heute überall Menschen, die mit PERRY RHODAN sozialisiert wurden: Beim Arztbesuch entpuppt sich der Orthopäde als ehemaliger Leser, im Urlaub erweist sich ein mitreisender Amtsrichter als langjähriger Abonnent, bei einer Begegnung mit dem Geschäftsführer einer großen Werbeagentur »outet« sich dieser als Fan.

PERRY RHODAN ist längst in der viel beschworenen Mitte der Gesellschaft angekommen. Journalisten berichten wohlwollend, Literaturwissenschaftler erforschen seit Jahren die Art und Weise, wie ein mehrköpfiges Autorenteam gemeinsam das größte fiktive Universum der Menschheit erschafft.

Das vorliegende Buch wagt einen Rückblick auf die ersten vierzehn Jahre der Serie, auf die frühen Gehversuche und die spannenden Zyklen der Sturm-und-Drang-Zeit. Schaut man sich die Berichte jener Tage an, gewinnt man einen Eindruck davon, wie kreativ und unverwüstlich die Autoren waren: Neues wurde ausprobiert, und zahlreiche Handlungselemente wurden eingearbeitet, ohne an »Zielgruppen« zu denken – so entstand aus Träumen und Phantasien das Perryversum.

Ich wage nicht ernsthaft, in die nahe oder gar in die ferne Zukunft zu blicken. Als Prophet sehe ich mich nicht, als seriöser Futurologe tauge ich kaum. Aber in einem bin ich sicher: PERRY RHODAN wird es auch in der nahen Zukunft geben. Ob es in zwanzig Jahren noch Heftromane geben wird, weiß derzeit niemand – dann aber wird man die Serie anderweitig lesen oder hören. Ich bin mir sicher, dass PERRY RHODAN in einer sich rapide ändernden Medienwelt seinen Platz haben wird.

Und ich bin mir vor allem sicher, dass den Autoren ihre guten Ideen nicht ausgehen werden. In den letzten Jahren haben einige neue Kollegen mit ihrer Arbeit angefangen. Ihre Impulse machen sich schon jetzt bemerkbar und werden das aktuelle Team auch in Zukunft beleben.

Das Schöne bei dieser Zeitreise: Ich kann dabei sein, kann sie begleiten. Entweder als Mit-Macher und Redakteur oder als Zuschauer … beides ist spannend.

Seit 1961 ist PERRY RHODAN ein wichtiger Bestandteil im Leben von vielen Menschen, ist die Serie bereichernd und belebend. Das soll sie auch künftig bleiben. Ich bin sicher, dass dies den Autoren gelingen wird.

Auf die Zukunft!

»Da kommt Perry Rhodan!«

von PERRY RHODAN-Exposéautor Uwe Anton

1961, in dem Jahr, in dem die eigentliche Berichterstattung dieser Chronik beginnt, wurde ich fünf Jahre alt. Von PERRY RHODAN hatte ich noch nie etwas gehört und sollte ich auch einige Jahre lang noch nichts hören. Frühe Kindheitserinnerungen sind mit der Kubakrise verbunden, bei der ich aus Angst vor einem Atomkrieg weinend Trost bei den Eltern suchte, und zwei Jahre später mit dem Attentat auf den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy. Ich weiß noch, wie ich an einem tristen Novembermorgen im Jahr 1963 voller Besorgnis mit hängendem Kopf zur Schule schlich, nachdem ich die Nachricht im Radio gehört hatte. (Passend zum vorliegenden Buch die historischen Einschätzung: Die Fernseh-Sendezeit war damals, so unvorstellbar es heute auch anmutet, auf einige Stunden am Tag beschränkt, Privat- und Frühstücksfernsehen gab es in Deutschland noch nicht, und gerade hatte sich ein zweites staatliches Programm zum bislang einzigen gesellt – die ARD bekam »Konkurrenz« vom ZDF!)

Man kann sich heutzutage kaum vorstellen, welche Bedeutung diese Nachricht damals für die Menschen auch in Deutschland hatte, keine zwanzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, während der Kalte zum Heißen Krieg zu werden drohte. Kennedy war tot. Was sollte nun werden?

Die Serie PERRY RHODAN wurde während ihres fast fünfzigjährigen Bestehens stets vom Zeitgeist beeinflusst, und auch ihre Autoren sind »Kinder ihrer Zeit«. Was für Karl-Herbert Scheer gilt, den ersten Chefautor von PERRY RHODAN, trifft also auch für den heutigen zu, der dann wohl ein Kind der Zeit des Kalten Krieges zwischen den Supermächten ist. Denn natürlich steht keine Literatur und kein Literaturschaffender isoliert da. Das gilt besonders für ein Team-Werk, an dem im Verlauf eben dieser fast fünfzig Jahre weit über zwei Dutzend Autoren mitgewirkt haben.

PERRY RHODAN selbst lernte ich ungefähr 1966 kennen. Meine Großmutter, eine Frau, die sehr viel las, brachte mir irgendwann einen Schwung Heftromane mit. Western oder Liebesromane interessierten mich weniger. Stattdessen faszinierten mich auf den ersten Blick die phantasievollen, mitreißenden Titelbilder »unserer« Serie. Um Band 250 stieg ich ein – und war sofort rettungslos verloren. Über eine Kleinanzeige in der örtlichen Tageszeitung bot jemand an, die komplette Serie zu verkaufen, und ich schlug zu. Ich trennte mich sogar von meinen bis dahin heißgeliebten Karl-May-Büchern, um Platz für mein neues Hobby zu schaffen – und etwas Geld für meine immer größer werdende Science-Fiction-Sammlung zu bekommen. Denn bei mir war es wie bei vielen anderen Lesern auch: PERRY RHODAN war eine »Einstiegsdroge«, der die gesamte Science Fiction in Deutschland sehr viele Leser verdankte.

Auf dem Gymnasium fand ich schnell Gleichgesinnte, die sich ebenfalls für PERRY RHODAN und Science Fiction interessierten. Wir spielten »Perry-Rhodan-Quiz«: Aus den Angaben in den Personenkästchen mussten wir raten, welche Hauptperson des Romans gemeint war. Das war natürlich ziemlich einfach, wenn es etwa hieß: »Der Großadministrator trifft eine Entscheidung«, konnte manchmal aber auch recht knifflig sein. Und wir waren – wie es sich für Science Fiction-Leser gehört – natürlich tolerant. Sogar die damalige Konkurrenz-Serie REN DHARK lasen wir!

Unsere Begeisterung blieb jenen Mitschülern, die – nun ja – mit dem Lesen nicht so viel am Hut hatten, natürlich nicht verborgen. So war ich eines Tages mit meiner Mutter auf dem Weg zum Zahnarzt, als wir einem jener Mitschüler begegneten. »Da kommt Perry Rhodan!«, rief er mit breit feixendem Gesicht.

So peinlich mir dieser Satz damals war, so sehr sollte er Programm werden. PERRY RHODAN ließ mich auch als Erwachsener nicht mehr los. Ich blieb der Serie treu, las sie manchmal mit größerer, manchmal mit etwas geringerer Begeisterung. Nachdem ich über zwanzig Jahre meinen Lebensunterhalt als Schriftsteller und Übersetzer verdient hatte, ohne dass es jemals zu einem beruflichen Kontakt mit »der größten Science-Fiction-Serie« gekommen war, erhielt ich schließlich das Angebot, ein PERRY RHODAN-Taschenbuch zu schreiben.

Ich verspürte sofort wieder dieselbe Begeisterung, mit der ich als Jugendlicher die Serie gelesen hatte – nun aber eine Begeisterung praktisch von der anderen Seite des Schreibtisches aus. Ich konnte einen Beitrag zu dem weltgrößten in sich geschlossenen Science Fiction-Universum schaffen! Ein Gefühl, das noch eine Steigerung erlebte, nachdem ich dann als Serienautor meine ersten »richtigen« PERRY RHODAN-Romane schrieb.

Diese Begeisterung hat mich bis heute nicht losgelassen, und sie ist sicher auch mitverantwortlich für den gigantischen Erfolg, den PERRY RHODAN nun seit fast fünfzig Jahren verbuchen kann. Denn, da bin ich mir sicher, nicht nur ich verspüre sie, sondern alle an diesem Phänomen Mitwirkenden: die Autoren, Titelbild-Künstler und Risszeichner sowieso, aber auch die zahlreichen Gestalter im Hintergrund, die Lektoren und das Redaktions-Team, das die »Kreativen« betreut. PERRY RHODAN ist eben ein Team-Werk.

So gesehen bin ich ein zu bedauernder Mensch: Ich habe kein Hobby mehr, da ich es zum Beruf gemacht habe. Andererseits kann ich mich nur glücklich schätzen: Hätte man dem kleinen Jungen, der mit seinen Freunden das Rhodan-Quiz spielte, gesagt, dass er als Erwachsener PERRY RHODAN mitgestalten würde, hätte er es wohl kaum geglaubt.

Und, ja, ich würde meinem ehemaligen Mitschüler, der mich damals in diese peinliche Lage gebracht hat, heute gern noch einmal begegnen und ihm bestätigen, wie recht er gehabt hat: »Da kommt Perry Rhodan!« Vielleicht nicht in Person, aber die Faszination, die die Serie auf mich ausübt, ist bis heute ungebrochen.

Und die Begeisterung, die sie hervorruft, hoffentlich ebenfalls.

Sehnsucht nach dem Erwachen

von PERRY RHODAN-Autor H. G. Ewers

Was »zwang« mich eigentlich dazu, an PERRY RHODAN mitzuschreiben? Vordergründig war es die Faszination, die diese Serie auf mich ausübte. Ich war gerade erst aus der DDR geflohen – und hatte dort meinen ersten Science Fiction-Roman verbrannt, weil ich sonst nicht mit der Reichsbahn nach Berlin hätte reisen können, sondern noch im Zug verhaftet worden wäre, wie zahlreiche andere Frauen und Männer und Kinder, die ich nach der Kontrolle »verloren« auf dem Bahnsteig stehen sah, die Verhaftung und Einkerkerung wegen »versuchter Republikflucht« vor Augen …

In Köln angekommen und in einer Dachkammer bei meinen dort lebenden Eltern untergebracht, schrieb ich diesen Roman als fünfteilige Serie noch einmal neu – und sah mich draußen in der Stadt nach Produkten von Verlagen um, weil ich einen Abnehmer für mein Mammutwerk suchte.

Es war wie eine Explosion, als ich dabei auf die ersten Hefte der PERRY RHODAN-Serie stieß – ein Ungeheuer in mir, von dem ich bisher nichts gewusst hatte, erwachte, und es gierte nach immer mehr von PERRY RHODAN: die Hefte eins, zwei, drei und vier – und so weiter. Ich verschlang sie – und spürte die immer stärker werdende Sehnsucht danach, an dieser fiktiven Geschichte einer erwachten Menschheit mitzuarbeiten, sie mitzugestalten und die in mir schlummernde Phantasie freizusetzen.

Aber gemach! Zwar wurde mein Werk von dem Verlag, der auch PERRY RHODAN herausbrachte, angenommen, gedruckt und verkauft (ein Doppelband für ein Honorar von 800 DM – aber wer fragte schon danach – damals …). Und der Boss des Moewig Verlages, Herr Bernhardt, an den ich mich nur mit größter Sympathie erinnere, obwohl wir einige Kämpfe ausgefochten haben, wollte mich auch sofort einbinden – doch der Chefredakteur von PERRY RHODAN ließ mich aus strategischen Gründen noch einige Zeit warten, als SF-Papst des deutschsprachigen Raumes und »erster Zuchtmeister der SF-Schreiber«, gab dann aber doch bald den Startschuss für meine Beteiligung.

Meine Begeisterung kannte keine Grenzen.

Ich stürzte mich in die Arbeit und wuchs dabei über mich hinaus. Zwar hatte ich mich schon in der DDR mit Fragen über das Universum und vor allem über diesen grandiosen »Zufall« der Entstehung von Leben beschäftigt, doch bei PERRY RHODAN wuchs ich mehr und mehr in das Wissen und das Verständnis über das Multiversum und die universelle Entstehung des Lebens hinein. Dabei vergaß ich nicht einen gewichtigen Grund, der mich beim Schreiben von SF antrieb: Ich wollte auf der Erde das Wissen über unser Multiversum verbreiten und die Menschen so für den Weltraum gewinnen, dass sie ihrem Drang zu kriegerischen Auseinandersetzungen »abschworen«. (Das ist mir und den anderen PERRY RHODAN-Autoren zwar bei unseren Fans gelungen, aber leider Gottes hat sich die Masse der Menschen bisher noch als unfähig erwiesen, das verbrecherische und staatlich sanktionierte Morden zu verhindern.)

Meine Autorenkollegen schnitten in dieser einen Beziehung nicht besser ab als ich. Aber das hinderte unsere Fans nicht, die PERRY RHODAN-Serie – und später auch die ATLAN-Serie – von Supererfolg zu Supererfolg zu führen. Ihnen allen möchte ich an dieser Stelle von ganzem Herzen danken, denn meine Leistungen waren einzig im Zusammenklang mit ihren Leistungen überhaupt möglich. Nicht zuletzt, und nicht weniger herzlich, danke ich dem »Vollstrecker« des Ganzen, meinem lieben Freund (und manchmal törichterweise auch Feind) Karl-Herbert Scheer, den manche Leser für einen Verherrlicher von Gewalt hielten. Dabei tat er nichts anderes, als der Menschheit einen Spiegel vorzuhalten. Er kannte eben seine Pappenheimer.

Was ich alles in meine Romane hineingepackt habe, geht wahrlich auf keine Kuhhaut. Meine Gründe waren verschieden: Einmal musste ich meine Überzeugung darlegen, dass alles Leben im Multiversum verwandt ist, nicht nur aufgrund des Quantengedächtnisses, und dann wollte ich Handlungen der Serie ab und zu auch auf dem Niveau einzelner und nicht immer genialer Menschen und anderer Intelligenzen schildern.

In letzter Zeit arbeite ich zwar nicht mehr direkt für PERRY RHODAN, aber ich bin immer noch im All unterwegs und habe einen Roman in Fortsetzungen über die erste bemannte Expedition zum Mars geschrieben, für die Internetseite der Mars Society, und gerade bin ich dabei, diesen Roman auf ein höheres Niveau zu bringen – vorerst für die Mars Society, aber später hoffentlich auch für einen geeigneten Verlag …

Dazu muss ich erklären, dass der Mars seit Jahrzehnten mein Lieblingsplanet ist. In der PERRY RHODAN-Serie ließ ich Handlungen oft auf und um den Mars spielen. Zur Vorbereitung meines Marsromans mit dem Titel »Asylwelt Roter Planet« habe ich sehr stark mit der NASA zusammengearbeitet, denn »meine« Marsexpedition spielt nur kurz nach unserer Jetztzeit, so dass ich alle technischen und wissenschaftlichen Details nicht erfunden, sondern erlernt habe. Außerdem bereitete ich mich bei einer simulierten Marsexpedition in der Wüste Utah auf den »Ernstfall« vor. Der Mars ist unser nächstes Ziel, und im Universum gehen die Sonnen noch lange nicht unter.

Vergesst nie unser Motto: Es werde Licht …!

Versuch einer Betrachtung

von PERRY RHODAN-Autor Hans Kneifel

Der Versuch einer solchen Betrachtung ist ebenso faszinierend wie müßig. Müßig, weil die Überlegung am einzigartigen Erfolg nichts ändert, und faszinierend, weil für alle heute Beteiligten und sicherlich für ganz viele Leser nach fünfzig Jahren die Erinnerungen reizvoll, einzigartig und vielleicht überraschend sein dürften. Was hätten vor mehr als vier Jahrzehnten die Erfinder, Verantwortlichen, die Autoren und die Verlagsleute gedacht und gesagt, wenn ihnen um das Jahr 1961 ein Alien aus einer fernen galaktischen Sternenprovinz das gesamte Ausmaß des Erfolges der Heftserie PERRY RHODAN prophezeit hätte? Drei Fragezeichen – mindestens.

Kurt Bernhardt und G. M. Schelwokat und die Redaktion des Moewig Verlags waren sicher, dass die Serie (auf ca. 25, maximal 50 Hefte geplant) kein längeres Leben an den Kiosken haben würde. Die Überraschung schlug ein wie ein Riesenmeteorit. Karl-Herbert Scheer, selbstbewusst und kampfstark, war vom größeren Erfolg überzeugt, aber an 2500 Hefte dachte er nicht … da reichte weder seine überbordende Phantasie noch die von Walter »Clark Ernsting« Darlton, dem Perry-Miterfinder der ersten Stunde und Ziehvater Guckys (der bis auf den heutigen Tag zahllose literarische Mordanschläge überlebt hat), und einem der optimistischsten Kollegen, die ich erleben durfte. Willi Voltz glaubte an Rhodans Erfolg und den unaufhaltsamen Weg der Terraner zu den Sternen, aber auch er, Klaus Mahn/Kurt Mahr und Horst Gehrmann-Ewers, trotz geradezu pathologischer Begeisterung, zähen Fleißes und der Bereitschaft, edle bis skurrile, abenteuerliche und von kosmischer Bedeutung strotzende Protagonisten zu erschaffen, dachten nicht in kühnsten Sternenträumen daran, dass die Serie das reife Alter von 40 (und mehr!) Jahren erreichen würde.

Und niemand dachte an die verschiedenen »Ableger« der Heftserie und deren utopisch lange Lebensdauer. Ich weiß, wovon die Rede beziehungsweise Schreibe ist – als Autor der ersten PERRY RHODAN PLANETENROMANE (als Student hätte ich die strengen Deadline-Vorgaben der Heftserie nicht einhalten können) zitterten meine Kollegen und ich in Quartalsabständen, weil wir befürchteten, die Auflage würde unter das Limit sinken und (wie so vieles andere) eingestellt werden.

Winfried Scholz (4 Hefte zwischen Band 6 und Band 31), Kurt Brand (38 Hefte), Konrad Schaef (3 Hefte, 3 Taschenbücher, 1 Hardcover) – sozusagen Autoren der ersten bis dritten Generation – waren zwar am Wohlergehen und einer theoretischen Unsterblichkeit der Heftserie dringend interessiert, verfolgten den rasanten Auflagen-Lift-off aber bald als Zuschauer; und auch ich, dritte Generation, Start mit Heft 352, bin heute nur noch als Heft-Gastautor gelegentlich zu lesen.

Aber: Ahnungen und Wünsche sind eine Sache, die Wirklichkeit eine andere. Kurt Bernhardt (damals bereits pensioniert) soll, bestätigten Gerüchten zufolge, bei Erscheinen des ersten SILBERBANDES in Freudentränen und -schreie ausgebrochen sein. Es sprengt meine Vorstellungskraft, wie sich Scheer, Ernsting, Schelwokat und all die anderen der »ersten Stunde« zu den weiteren Erfolgen, 2., 3., 4. und 5. Auflagen, Rhodan-Comics, Übersetzungen, zu den vielfältigen Erscheinungsformen von Atlan-Abenteuern, unterschiedlichen Rhodan-Zyklen, Atlan-X bei Fanpro, Rhodan bei Heyne, Atlan und Rhodan in Frankreich und Japan, Jubiläumsbänden, Lizenzausgaben, Weltbild-Versionen, Lexika, Kalendern, Risszeichnungsbänden, Hörspielen, Hörbüchern und so weiter geäußert hätten. Niemand – ich wiederhole: niemand und keiner von uns – hat sich damals, in den Sechziger- und Siebzigerjahren, diese nicht abreißen wollende Kette der Erfolgsmeldungen vorstellen können, trotz unserer nachweislich viel strapazierten Phantasie.

Als H. G. Francis, Ernst Vlcek, Marianne Sydow, Peter Terrid, Peter Griese und Horst Hoffmann zum Team gestoßen waren, galt die Serie bereits als so etabliert und stabilisiert, dass ihr Erfolg keine Überraschung mehr darstellte. Auch dass Rhodan auf mehreren Cons von Tausenden Fans gefeiert wurde, ist in diesem Zusammenhang nicht mehr überraschend.

Von den Akteuren jener ersten Aufbruchsjahre, von jenen Kollegen, die sozusagen die Fundamente dieser einzigartigen Erfolgsgeschichte legten und ihre Gewölbe errichteten, sind viele nicht mehr am Leben, und so fiel mir auch aus geriatrischen Motiven heraus die Aufgabe zu, der RHODAN-CHRONIK ein Vorwort zu schreiben. Die beschriebenen verlegerischen und schriftstellerischen Initialzündungen haben vor 50 Jahren stattgefunden, vor einem halben Jahrhundert also, und ich glaube nicht, dass sich ein solches Abenteuer in seiner gesamten glücklichen Größe und Dynamik wiederholen lässt. Alle Umstände – die Ideen, die Macher und die Begeisterung der Erstleser, der viel strapazierte Zeitgeist – waren damals an einem Punkt und zur besten Zeit auf das Glücklichste zusammengetroffen. Ich bin stolz, dass ich an Bord berufen wurde und eingestiegen bin; und dass ich den Lesern der Chronik etwas aus der »fernen Vergangenheit« berichten konnte.

Ich wünsche der PERRY RHODAN-CHRONIK, ihrem Verfasser und dem Verlag viel Erfolg und freue mich, ein wenig daran mitgewirkt zu haben.

Was PERRY RHODAN vorausging

Die Welt war traumatisiert. Sie hatte gerade den bislang größten und verheerendsten Konflikt in der Menschheitsgeschichte hinter sich gebracht, den Zweiten Weltkrieg, bei dem sage und schreibe sechzig Millionen Menschen ums Leben gekommen waren, fast die damalige Bevölkerungszahl Deutschlands. Beinahe sechs Jahre lang hatte der Krieg gedauert, der in Europa im September 1939 mit den Angriffen des Deutschen Reiches und der Sowjetunion auf Polen begann und am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation der Wehrmacht endete, aber die politischen und gesellschaftlichen Folgen für die gesamte Welt sollten noch Jahrzehnte später deutlich zu spüren sein.

Niemand war von dem Krieg verschont geblieben. Im Holocaust hatte das Dritte Reich zehn Millionen Menschen in Konzentrationslagern getötet, sechs Millionen Juden und vier Millionen Angehörige anderer Volksgruppen. Es war zu einer millionenfachen Entwurzelung in Form von Emigration, kriegsbedingter Flucht und Vertreibung ganzer Bevölkerungsgruppen gekommen. Alle Kriegsteilnehmer hatten immer neuartigere Waffen eingesetzt – zuletzt die noch von den Deutschen mitentwickelte Atombombe, die amerikanische Bomber auf Hiroshima und Nagasaki fallen ließen.

Die Sowjetunion gab in den folgenden Jahren über eine Million Kriegsgefangene frei, aber es dauerte bis 1955, ehe die letzten Zehntausend nach Deutschland heimkehrten. Sie fanden ein Land vor, das von vier Besatzungsmächten kontrolliert wurde: der Sowjetunion, den USA, Großbritannien und Frankreich. Und die Städte glichen noch immer Trümmerlandschaften, weil der Wiederaufbau nur mühsam vorankam.

Bei den Supermächten Sowjetunion und USA hatte das Kriegsende nicht gerade zu einem Ende globaler Machtansprüche oder einem Nachlassen ideologischer Zwangsvorstellungen geführt. Für beide war der jeweils andere des Teufels, und so polarisierten sich die weltanschaulichen Gegensätze und Machtinteressen im so genannten Kalten Krieg, der sich rasch auch auf den Weltraum ausdehnte. Der Weltraum war das neue Grenzland, in dem zunächst wenigstens symbolisch eine neue Vormachtstellung errungen werden konnte. Gleichzeitig war er der Inbegriff grenzenloser Freiheit, weil er noch völlig unerschlossen von Machtinteressen war.

Aber das sollte sich nun ändern. Am 4. Oktober 1957 begann mit dem Start von »Sputnik I« das Raumfahrtzeitalter, und die »Russen« hatten die Nase vorn. »Sputnik I« war der erste künstliche Erdsatellit. Zwei Jahre später, am 13. September 1959, war »Lunik II« der erste künstliche Flugkörper, der gezielt auf der Mondoberfläche aufschlug. Und am 12. April 1961 sollte mit dem ersten bemannten Raumflug von Juri Gagarin die Sowjetunion endgültig zur führenden Raumfahrtnation werden.

In dieser Situation, mitten im Kalten Krieg, suchte die USA nach einem Gebiet der Raumfahrt, auf dem sie ihren Konkurrenten schlagen konnten. Bereits im Juli 1960 hatte in Washington eine Konferenz stattgefunden, auf der die NASA und verschiedene Industriebetriebe einen Langzeitplan für die Weltraumfahrt erarbeiteten. Geplant war eine bemannte Mondumrundung – von einer Landung war zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Rede. Sie verabschiedeten ein Projekt, das den Namen Apollo trug – nach dem Gott der griechisch-römischen Mythologie, der als treffsicherer Bogenschütze galt.

Was blieb den USA jetzt, nach Gagarins erfolgreicher Erdumkreisung, noch übrig, um den »Russen« ihre Führungsposition in der Raumfahrt spektakulär wieder abzujagen? Nur die Landung auf dem Mond. Am 25. Mai 1961, eineinhalb Monate nach dem großen Erfolg der Sowjetunion, hielt der neue US-Präsident John F. Kennedy vor dem amerikanischen Kongress eine berühmte Rede, in der er eine Vision formulierte: »Ich glaube, dass diese Nation sich dem Ziel verschreiben sollte, noch vor Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen und ihn sicher zur Erde zurückbringen zu lassen. Kein einziges Weltraumprojekt wird die Menschheit in dieser Zeit mehr beeindrucken und wichtiger für die Erforschung des entfernteren Weltraums sein; und keines wird so schwierig zu erreichen sein und so kostspielig werden.«

Nicht einmal vier Monate später lag an den Kiosken in Deutschland das erste PERRY RHODAN-Heft aus. Es handelte von vier entschlossenen Männern, die diese Vision leben und 1971 von Nevada Fields ins neue Grenzland aufbrechen – und die auf dem Mond in den Besitz einer fortgeschrittenen Technologie gelangen, die es ihnen ermöglicht, der Welt als »Dritte Macht« endlich den lange ersehnten Frieden zu bringen.

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Kurt Bernhardts Überlegungen

In München brütete ein beleibter Redakteur, der nicht gerade für seine Sanftmut bekannt war, über einer neuen SF-Serie im Heftformat. Kurt Bernhardt, Jahrgang 1916, war schon ein alter Hase im Verlagsgeschäft. Lange Jahre hatte er beim Rastatter Heftverlag Pabel, dem Erzkonkurrenten des späteren PERRY RHODAN-Verlegers Moewig, die dortige Science Fiction-Sparte betreut – in Deutschland die erste ihrer Art! 1959 war er dann zum Wilhelm Heyne Verlag gewechselt, wurde dort als Cheflektor für den wachsenden Taschenbuchsektor tätig und betreute zudem die Heftreihen des angeschlossenen Moewig Verlags. Jetzt machte er sich Gedanken über die Zukunft – und die lag für ihn im Romanheft.

Der Hunger der Deutschen nach Unterhaltung wuchs nämlich zusehends. Stillen konnten die Menschen ihn aber, zumindest aus heutiger Sicht, bestenfalls notdürftig. Das Fernsehen steckte noch in den Kinderschuhen, Dutzende von Kanälen und Dauerberieselung schienen pure Science Fiction, Reisen und teure Hobbys kamen nur für wenige Begüterte in Frage. Dem Durchschnittsbürger blieben bescheidene Freuden: der gelegentliche Kinobesuch, das Radio und natürlich das Lesen.

Doch selbst hier mussten die meisten auf den Pfennig sehen: Gebundene Bücher waren sündhaft teuer, das Taschenbuch gerade erst erfunden und öffentliche Bibliotheken dünn gesät. Lesehungrige gingen stattdessen in die überall zu findenden gewerblichen Leihbüchereien. Für einige Groschen pro Woche konnte man dort Unterhaltungsware aller Art mieten, so genannte Leihbücher. Auf dickem, minderwertigem Papier gedruckt, mit grellen, effektheischerischen Titelbildern versehen, hatten sie aber im strengen und moralischen Klima der Fünfziger- und Sechzigerjahre etwas Anrüchiges. Viele Leihbücher wurden sogar indiziert.

Aufmerksamen Beobachtern wie Kurt Bernhardt entging nicht, dass die Leihbüchereien ihren Zenit bereits überschritten hatten. Im Aufstieg begriffen war hingegen der Heftromanmarkt. Zahllose Titel wetteiferten an den Kiosken um die Aufmerksamkeit der Leser. Ob Western, Heimat- oder Liebesroman, kaum ein Genre der Unterhaltungsliteratur wurde ausgelassen.

Im Bereich des Science Fiction-Hefts bestritten zwei Verlage den Löwenanteil der Publikationen, der Rastatter Erich Pabel Verlag mit UTOPIA und UTOPIA GROSSBAND sowie der Münchner Arthur Moewig Verlag mit TERRA und TERRA SONDERBAND. All diese Reihen waren zwischen 1953 und 1958 gestartet, und vom Konzept wie vom Design her ähnelten sich die Produkte. Man hatte anfangs auf meist gekürzte Übersetzungen englischer und amerikanischer Autoren gesetzt und später auf Nachdrucke deutscher Autoren aus den Leihbüchern. Dazu gesellte sich inzwischen eine immer größer werdende Anzahl deutscher Nachwuchsautoren, die versuchte, mit ihren angloamerikanischen Kollegen gleichzuziehen.

Was es noch nicht gab, waren Serien mit längeren, über zwei oder drei Hefte hinausgehenden Handlungsbögen. Der erste Versuch in diese Richtung, die Abenteuer des Weltraumhelden JIM PARKER, war bereits im Jahre 1957 eingestellt worden – nach immerhin 59 Ausgaben in nur vier Jahren. Die Qualität der Ideen hatte mit der englischsprachigen Konkurrenz einfach nicht mithalten können.

Es waren eher hausbackene Erlebnisse gewesen, die der forsche Titelheld und Raumfahrer, der mit seinem Kumpel Fritz Wernicke seinen Geburtstag zwischen Erde und Venus mit Waldmeisterlikör feierte, als Abenteuer verkauft hatte. Selbst in den spießigen Fünfzigern konnten sie niemanden so recht vom Hocker reißen. Außerdem unterschieden sie sich von Band zu Band nur unwesentlich, was auch daran lag, dass die Serie von einem einzigen Autor geschrieben wurde. Er nannte sich Alf Tjörnsen und hieß bürgerlich Richard J. Rudat. Später übernahmen Axel Nord – ein noch unaufgedecktes Pseudonym – und Bert Horsley, hinter dem sich Walter Spiegl verbarg, die Serie, konnten ihr aber auch keinen Auftrieb mehr geben.

Kurzbiografie: Kurt Bernhardt

Der 1916 geborene Kurt Bernhardt betreute schon beim Erich Pabel Verlag die erste deutsche SF-Heftproduktion der Nachkriegszeit: JIM PARKERS ABENTEUER IM WELTRAUM und den daraus entstandenen UTOPIA-Zukunftsroman, der 1954 durch den UTOPIA GROSSBAND ergänzt wurde. Fünf Jahre später wechselte er zum Wilhelm Heyne Verlag nach München. Dort wurde er Cheflektor für die Taschenbuchreihen sowie für den Romanheft-Bereich beim angeschlossenen Moewig Verlag. Mit Unterstützung Ernstings startete er als Antwort auf die eigenen früheren Reihen im Frühjahr 1957 die Reihe TERRA, ab Heft 3 betreut von Günter M. Schelwokat, im nächsten Jahr gefolgt vom TERRA SONDERBAND, der mit Band 100 zur Taschenbuchreihe wurde.

Der passionierte Pfeifenraucher gilt heute als Initiator von PERRY RHODAN: Er übertrug den beiden damals erfolgreichsten deutschen SF-Autoren, K. H. Scheer und Clark Darlton, die Entwicklung einer neuen Serie. Außerdem regte er die Mitarbeit von Kurt Mahr und Kurt Brand an. Im Laufe der Jahre betreute er das Perryversum verlagsintern und gab immer wieder entscheidende Impulse, etwa zur Entwicklung einer eigenen Serie für die Hauptperson Atlan und die Entstehung der SILBERBÄNDE, die er sich als Karl-May-Edition von PERRY RHODAN vorstellte, aber auch für zahlreiche andere Serien in Heft und Taschenbuch wie SEEWÖLFE, VAMPIR, DÄMONENKILLER, RONCO, LOBO, DIE KATZE, TERRA FANTASY, UTOPIA CLASSICS und PLUTONIUM POLICE. Der PERRY RHODAN-Serie blieb er bis zu seinem Tod im Jahre 1983 verbunden. Seinem aufbrausenden Temperament hat K. H. Scheer in der Gestalt von Curt Bernard, dem Zahlmeister von Rhodans Flaggschiffen CREST II und III, bereits früh ein Denkmal gesetzt. Der Zeichner H. J. Bruck verewigte ihn auf dem Titelbild von PERRY RHODAN 300 als Sergeanten, der vor Roi Danton salutiert, einer Figur, die Scheer auf seine Anregung hin erschaffen hatte.

Doppelter Erfolg hält besser

Ungeachtet dieses Misserfolgs war Bernhardt aber von dem Konzept einer fortlaufenden Serie überzeugt. Man musste das Projekt nur richtig anpacken – statt auf einen Autor wie bei JIM PARKER auf ein ganzes Team setzen, auf bessere Qualität und inhaltliche Stringenz achten. Nur, wer konnte diese liefern?

Kurt Bernhardt geriet ins Grübeln: Vor sechs Jahren, 1954, hatte der damalige Spätheimkehrer Walter Ernsting unter seiner Regie die Reihe UTOPIA GROSSBAND etablieren können, die immer noch erschien. Zwar hatte es zwischen Ernsting und ihm immer gewisse Reibereien gegeben, aber dass der Filou ihn mit dem Pseudonym »Clark Darlton« genarrt hatte und ihm eigene Romane als angebliche Übersetzungen aus dem Amerikanischen untergeschoben hatte, war längst vergeben und vergessen.

Walter Ernsting alias Clark Darlton brachte aus der Sicht des Lektors zwei besondere Vorzüge mit. Er war fleißig und seine Romane kamen bei den Lesern gut an. Er vermittelte überzeugend die Atmosphäre des Wunderbaren in Raum und Zeit, das Gefühl erhabenen Staunens angesichts der Unendlichkeit des Alls, den »Sense of Wonder«, wie die Amerikaner es nannten. Außerdem hatte er mit dem Science Fiction Club Deutschland (SFCD) bereits 1955 ein Sammelbecken für begeisterte SF-Leser geschaffen, unter denen sich immer wieder das eine oder andere hoffnungsvolle Jungtalent finden ließ. Neue Autoren waren für jede Chance dankbar und würden den Verlag nicht viel kosten – stets eine wichtige Erwägung.

Auch aus dem schrumpfenden Leihbuchsektor kamen Zulieferer in Frage. Seit Jahren tummelte sich dort der unermüdliche Karl-Herbert Scheer. Mit seiner Serie ZUR BESONDEREN VERWENDUNG um zwei Staragenten der nahen Zukunft hatte er sich an die Spitze der deutschen actionbetonten SF geschrieben. Natürlich waren sechs Romane in einem Jahr, wie Scheer sie 1957 für seine Serie vorgelegt hatte, für eine Heftserie noch viel zu wenig. Selbst monatliches Erscheinen war völlig undenkbar. Das hatte er schon einmal gegenüber Ernsting klargestellt. Jeder wollte doch gleich weiterlesen!

Von JIM PARKER war damals alle zwei Wochen ein Roman erschienen …

Also wenn schon, dann – »jede Woche einen!«

Aber war das zu leisten? Erst vor wenigen Monaten, am 14. August 1959, hatte er mit Scheer einen Vorvertrag über eine Reihe namens TERRA FANTASY unterzeichnet, die ausschließlich deutsche Science Fiction bringen sollte … Und es hatte sich als Problem herausgestellt, dass nicht genug gute Autoren zur Verfügung standen.

Vielleicht sollte es eine Serie werden – keine Reihe? Vielleicht sollte er einfach Ernsting und Scheer in die vorderste Reihe stellen, die beiden beliebtesten deutschen SF-Autoren? Und vielleicht sollte er die beiden knappe Handlungsentwürfe schreiben lassen, die talentierte Kollegen von ihnen dann zu Romanen umsetzten?

Zugegeben, Ernsting und Scheer arbeiteten ihrer persönlichen Lebenseinstellung nach sehr unterschiedlich: Der eine war eher versöhnlich ausgerichtet und fabulierte mit fast schon naiver Begeisterung über die Unendlichkeit von Zeit und Raum, wobei er auch gelegentlich die Naturwissenschaft der zu erzählenden Geschichte opferte, während der andere, wie bereits erwähnt, knallharte Actionromane schrieb, die einigermaßen stimmige physikalische Ansätze aufwiesen und in einem feindseligen Universum spielten, dessen Protagonisten sich ständig der Bedrohung durch Aggressoren menschlicher oder nichtmenschlicher Herkunft ausgesetzt sahen.

Aber wie beliebt konnte eine fortlaufende Serie werden, die von beiden gemeinsam gestaltet wurde? Jeder Roman aus ihrer Feder würde ein Hit sein.

Und doppelter Erfolg hält besser!

Kurzbiografie: Clark Darlton

Der am 13. Juni 1920 in Koblenz geborene Walter Ernsting wuchs – bedingt durch die Scheidungen und Ehen seiner Mutter – in Essen, Lüdenscheid und Bonn auf, besuchte bis zur elften Klasse das Gymnasium und hielt sich als Dackelzüchter über Wasser. Sein Vater war Martin Ernsting, der als technischer Zeichner für Aral arbeitete und sich für Atomphysik und neue Erfindungen interessierte. 1940 wurde Ernsting zwangsweise zur Wehrmacht eingezogen, wo er in einer Nachrichteneinheit diente. Über Polen, Königsberg, Norwegen, Frankreich und Riga kam er 1945 ins Kurland und geriet in Gefangenschaft. Ein Mitgefangener denunzierte ihn bei den Behörden, so dass er 1947 zu fünf Jahren Straflager in Kasachstan verurteilt wurde. 1950 kehrte er schwerkrank nach Deutschland zurück und wurde 1952 als Dolmetscher bei den britischen Besatzungsbehörden tätig.

In seiner Jugend hatte Ernsting die Werke von Hans Dominik, Rudolf Heinrich Daumann und TARZAN-Erfinder Edgar Rice Burroughs verschlungen, ganz zu schweigen von den Heftserien SUN KOH, DER ERBE VON ATLANTIS und JAN MAYEN, DER HERR DER ATOMKRAFT, die zusammen fast dreihundert Ausgaben umfassten. In den Soldatenläden entdeckte er nun die britischen und amerikanischen SF-Magazine, die ihn auf Anhieb begeisterten. Mit einer Flasche Gin bewaffnet sprach er bei Erich Pabel vor, der ihn an Kurt Bernhardt verwies. Dieser betraute ihn mit der Aufgabe, geeignete Materialien auszuwählen, zu übersetzen und für die deutsche Heftveröffentlichung vorzubereiten. So wurde er 1954 Herausgeber, Übersetzer und Redakteur des UTOPIA GROSSBAND. Die Veröffentlichung eines eigenen Romans lehnte Bernhardt – unter dem Eindruck des Misserfolgs von JIM PARKER – jedoch ab: Niemand interessiere sich für SF-Romane deutscher Autoren. Und so schmuggelte Ernsting seinen Erstling »UFO am Nachthimmel« als Übersetzung getarnt und unter Pseudonym in die Reihe ein.

Als Clark Darlton – für zwei Romane auch als Fred McPatterson – wurde Ernsting zu einem der produktivsten und beliebtesten deutschen SF-Autoren der Fünfzigerjahre. Im Frühjahr 1955 begründete er den Science Fiction Club Deutschland (SFCD), den er 1958 in den Science Fiction Club Europa (SFCE) umbenannte. Sein Haus im oberbayrischen Irschenberg war längst zu einer Art Pilgerstätte für die Fans geworden, die ihn fast jedes Wochenende aufsuchten. 1961 entwickelte er mit K. H. Scheer zusammen PERRY RHODAN, für den er 193 Hefte und 24 Taschenbücher verfasste, und wirkte ab 1973 zusätzlich an den Serien ATLAN und DRAGON mit. Unter seinem bürgerlichen Namen entstand etwa ein Dutzend Jugendbücher und 1979 der auf den Theorien seines Freundes Erich von Däniken fußende Roman »Der Tag, an dem die Götter starben«. Hinzu kamen drei Dutzend Kurzgeschichten und rund siebzig Romane, die er als Clark Darlton außerhalb von Serien schrieb, darunter »Die neun Unbekannten« (1983), in dem der unsterbliche Graf Saint Germain sich gegen einen Geheimbund stellt, der die Geschicke der Menschheit lenkt. 1992 beendete er seine Laufbahn als Schriftsteller.

Bereits 1981 war Ernsting, der zuletzt in Österreich gelebt hatte, für mehrere Jahre nach Irland gezogen, wo er nahe Cork am Rande einer Klippe lebte. Er starb am 15. Januar 2005 in Salzburg. Nach seinem Tod wurde ein Asteroid nach ihm benannt.

Interview: Ganz privat mit Clark Darlton – Ein Interview von Hans Gamber

Wie hat mit der SF in Deutschland eigentlich alles angefangen?

Für mich persönlich fing alles 1929 an, als ich in einer Zeitschrift eine Geschichte mit dem Titel »Hochzeitsreise in den Weltraum« oder so ähnlich las. Sie fesselte mich ungemein, und ohne es zu ahnen, war ich mit neun Jahren ein SF-Fan geworden. Zu den üblichen Festtagen bekam ich die gewünschten Bücher: Dominik, Daumann, Sieg und andere. Mit vierzehn Jahren wurde dann SUN KOH gelesen, eine für damalige Zeiten relativ tendenzfreie Zukunftsliteratur. Und schließlich kamen mir auch die ersten anglo-amerikanischen Autoren unter die Finger beziehungsweise Augen. Der Krieg unterbrach meine Laufbahn als Fan, aber 1950 war ich wieder dabei. Ich bedauerte es, Science Fiction nur in englischer Sprache lesen zu können, und dachte daran, wie viel »Sense of Wonder« jene entbehrten, die dieser Sprache nicht mächtig waren.

Und das brachte Sie auf die Idee …?

Richtig! Eigentlich war es jedoch die 1953 im Verlag Erich Pabel erscheinende Serie JIM PARKER, die mich auf die Idee brachte, ausländische SF müsse in deutscher Sprache erscheinen. Bücher schienen mir zur Einführung ungeeignet zu sein, wie das Beispiel des Verlages Rauch eindeutig bewies. Also eine erschwingliche Heftserie. Eben so etwas wie JIM PARKER. Ich übersetzte daher einfach einen englischen Roman, der mir geeignet erschien (den späteren UTOPIA GROSSBAND Nr. 1: »Invasion aus dem Weltraum«), und brachte ihn zum Pabel Verlag, zusammen mit meinen Vorschlägen für eine SF-Reihe ausländischer Autoren. Ich landete vor dem Schreibtisch des Cheflektors Kurt Bernhardt, der JIM PARKER gestartet hatte und sich als sehr aufgeschlossen für neue Projekte erwies. Weil ich unerfahren war, befand sich in meiner Aktenmappe auch eine Flasche Gin. Ich stellte mir vor, dass es sich bei einem Gläschen besser plaudern und überzeugen ließ. Das war dann auch tatsächlich der Fall.

Noch heute behauptet Kurt Bernhardt allen Ernstes (allerdings mit einem deutlichen Augenzwinkern), dass die Herausgabe von UTOPIA und das Entstehen des SF-Fandoms, überhaupt die Einführung des Begriffs »Science Fiction« und die heute vorhandene Popularität dieser Literatur, im Grunde genommen nur einer Flasche Gin zu verdanken sei. Kurz und gut: Knapp ein Jahr später erschien der erste UTOPIA GROSSBAND mit meiner Übersetzung. Das war also der zweite Anfang.

Wie ging es dann weiter?

Der dritte Schritt nach JIM PARKER und UTOPIA GROSSBAND war der UTOPIA SONDERBAND, das erste SF-Magazin in Deutschland. Es enthielt SF-Kurzgeschichten, wissenschaftliche Artikel und Filmberichte. Nun kamen auch deutsche Autoren zu Wort, und einige von ihnen sind noch heute als solche tätig. Das Fandom entwickelte sich, aber die typisch deutsche Vereinsmeierei sorgte dafür, dass es nicht so groß wurde, wie ich es mir gewünscht hatte.

Und die anderen Verlage? Sahen die nur zu?

Alles, nur das nicht! Lassen wir die Namen beiseite, aber so viel sei gesagt: Andere Heftserien entstanden und verschwanden wieder. Taschenbuchreihen erschienen, und einige von ihnen existieren noch heute. Aber bleiben wir bei den Heftserien, die einen wirklichen Einfluss auf die Entwicklung hatten und heute noch haben. UTOPIA kam aus den Kinderschuhen heraus und brachte auch bereits bekannte Autoren, und diesem Beispiel folgte dann der Verlag Arthur Moewig, zu dem ich später wechselte – und Kurt Bernhardt hinter dem Schreibtisch des Cheflektors wiedertraf. Das Schicksal hatte uns untrennbar verbunden. Wir brachten die Serie TERRA heraus, der sofort der TERRA SONDERBAND folgte. Zu dieser Zeit stieß dann auch Günter M. Schelwokat zu uns, der bald die Redaktion übernahm, was mir wiederum endlich Zeit gab, mich voll und ganz dem Schreiben zu widmen.

(aus: PERRY RHODAN Sonderheft Nr. 3, August 1978)

Kurzbiografie: K. H. Scheer

Karl-Herbert Scheer wurde am 19. Juni 1928 in Harheim geboren, einer damals ländlichen Gemeinde am Rande von Frankfurt. Sein Vater Karl war Feinmechaniker für Arzt- und Zahnarztbedarf, seine Mutter Susanne, geborene Steubesandt, arbeitete als Verkäuferin in einem Juweliergeschäft. Begeistert las er in seiner Jugend Kurd Laßwitz, Hans Dominik und Jules Verne, die sein Interesse an Technik und Naturwissenschaften weckten, aber auch die Hornblower-Romane von Cecil Scott Forester. In der Schule besserte er sein Taschengeld auf, indem er für säumige Mitschüler Hausarbeiten und Aufsätze verfasste.

Im September 1944 meldete sich Scheer freiwillig zur U-Boot-Waffe, um Marine-Ingenieur zu werden, erhielt eine Grundausbildung und nahm an Übungsfahrten teil, ging jedoch nie auf Feindfahrt. Nach Kriegsende gründete er mit Freunden eine Swing-Band (er selbst spielte Gitarre und Saxophon) und trat in den amerikanischen Offiziersklubs um Frankfurt auf, wobei er auch dem Pianisten Paul Kuhn begegnete. Nebenher begann er ein Maschinenbau-Studium, das er jedoch wegen Überanstrengung abbrach. Parallel dazu entstanden drei oder vier nicht erhaltene Manuskripte utopischer Romane, bis er 1948 in Zeitschriftenfortsetzungen seinen ersten Roman veröffentlichte, »Piraten zwischen Erde und Mars«, dem rasch viele Leihbücher folgten – neben vier Bänden der Piratenserie um ROBERT TAGMAN als Diego el Santo sowie neun um REINHARD GONDER als Pierre de Chalon auch die zwölfbändige Abenteuerserie KLAUS TANNERT, die als Vorläufer der ZBV-Serie gilt, sechs Romane um den Abenteurer ROGER KERSTEN und zwei Krimis für die FBI-Serie JOE BRAND. Den überwiegenden Rest bildeten seine actionbetonten SF-Reißer.

Bei einem Clubtreffen 1956 lernte Scheer Walter Ernsting alias Clark Darlton kennen. Auch wenn nie echte Freundschaft daraus entstehen sollte, verband die beiden in den nächsten Jahren doch hoher gegenseitiger Respekt. Ab 1957 schrieb Scheer die ersten Romane seiner SF-Agentenserie ZBV, und zwei Monate nach Ernstings Umbenennung des SFCD in SFCE gründete er die SF-Interessengemeinschaft »Stellaris«, bei der auch der Offenbacher Fan Willi Voltz Mitglied wurde. 1959 wurde Scheers Roman »Octavian III« mit dem »Hugo« geehrt, dem damaligen deutschen SF-Preis. Auf dem Höhepunkt seiner Beliebtheit entwickelte Scheer mit Ernsting die Serie PERRY RHODAN, deren Exposé-Redaktion er bis Band 647 innehatte. Auch für ATLAN erarbeitete er das Konzept.

In seiner mehr als zehnjährigen Schaffenspause bei PERRY RHODAN zwischen dem Jubiläumsband 500 und seinem »Comeback« mit Heft 1074 – genau tausend Romane nach dem Einstieg von William Voltz – kümmerte er sich gemeinsam mit seiner Gattin Heidrun vorwiegend um neue Romane für seine neu aufgelegte und fortgesetzte ZBV-Serie, die es auf fünfzig Bände brachte, und die Bearbeitung seiner gesammelten SF-Werke für die Reihe UTOPIA BESTSELLER in 44 Bänden. Am 15. September 1991 (er war bereits wieder ständiger und beliebter Autor der von ihm mitgegründeten Serie) verstarb Scheer überraschend an den Folgen einer Lungen- und Rippenfellentzündung.

Interview: Ganz privat mit K. H. Scheer – Ein Interview von Wolfgang J. Fuchs

Wie entstand eigentlich die Serie PERRY RHODAN?

Nun, der Ausgangspunkt war die Idee, eine denkbare Zukunftsgeschichte der Menschheit zu entwickeln. Das ist ein ziemlich weit gesteckter Rahmen, weil es unendlich viele Möglichkeiten gab und gibt, diesen Rahmen zu füllen. Ich hielt es deshalb für angebracht, von zeitnahen Gegebenheiten auszugehen, und habe in meinem ersten Vorschlagsexposé die damals noch utopisch anmutende bemannte Mondlandung als Handlungsgrundlage gewählt. Das war Ende 1960. Anfang 1961 erhielten Walter Ernsting und ich von Cheflektor Kurt Bernhardt beim Moewig Verlag in München grünes Licht für den Start einer »SF-Serie mit feststehendem Helden«. Zum Grundkonzept gehörte, dass sämtliche Fakten der SF mitverarbeitet und neue hinzuerfunden werden sollten und dass die Handlung chronologisch abzulaufen habe. Nach Kurt Bernhardts vorsichtiger Schätzung sollte eine so konzipierte Reihe »mindestens die ersten fünfzig Bände überleben«. Nach den vielen Pleiten anderer Verleger und Verfasser war diese Schätzung eigentlich sogar sehr gewagt. Das gequälte Lächeln unseres damaligen Seniorverlegers Wilhelm Heyne war deshalb nur allzu verständlich. Aber davon war unsere Begeisterung für dieses Projekt nicht zu bremsen.

Die Entwicklung PERRY RHODANS hat ja alle Erwartungen weit übertroffen. Welche Gründe gab es dafür?

Der entscheidende Grund für den dauerhaften Erfolg war wohl der Vorschlag, die neue Romanserie nach Exposés schreiben zu lassen, die einer oder höchstens zwei Autoren verfassen sollten, während ein Autorenteam für die Ausarbeitung der Geschichten zuständig war. Auf diese Weise konnte ein großer Fortsetzungsroman entstehen, der trotz Teamarbeit in sich geschlossen und einheitlich war.

Und wie sahen die ersten Exposés aus?

Sie gingen vom Konzept der stufenweisen Entwicklung aus, beginnend mit der Mondlandung. Dabei stand für mich die Realität des Jahres 1961 mit den bereits bekannten technischen Nutzanwendungen im Triebwerks- und Zellenbau plus Elektronik weit im Vordergrund. Schließlich sollte der Serienbeginn denkbar und für jedermann verständlich und akzeptabel sein. Walter Ernsting und ich diskutierten zunächst über die Namen der handelnden Personen und über Umrissfragen, die dann im Exposé und im Roman konkretisiert wurden.

Im Gegensatz zu über sechshundert nachfolgenden Handlungsexposés waren die ersten drei Exposés allerdings nicht bis ins Detail ausgearbeitet. Die exakte Aufschlüsselung der Grunddaten, die für sämtliche späteren PERRY RHODAN-Romane maßgeblich wurden, erfolgte bei der Niederschrift des ersten Romans mit dem Titel »Unternehmen Stardust«. Auf den darin festgelegten Details aller Art bauten dann die Bände zwei, drei, vier und so weiter auf.

Ab Band vier schrieb ich

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