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Riviera-Rettungsmission: Riviera Security - Romantische thriller, #1

Riviera-Rettungsmission: Riviera Security - Romantische thriller, #1

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Riviera-Rettungsmission: Riviera Security - Romantische thriller, #1

Länge:
269 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 10, 2021
ISBN:
9798201186852
Format:
Buch

Beschreibung

Ein amerikanischer Soldat.

Eine französische Polizistin.

Ein gemeinsamer Fall, der so viel mehr enthüllen könnte als einen Menschenhändlerring …

Kenneth Dylan kehrt nach einem Einsatz in ein leeres Haus zurück. Seine Schwester, Madison, die er nach dem Tod ihrer Eltern allein großgezogen hat, ist eine Woche vor ihren Abschlussprüfungen verschwunden. Ein Mann namens Arkady hat sie auf eine Traumreise nach Frankreich mitgenommen. Nur verwandelt sich dieser Trip allzu bald in einen Alptraum. In ihrer letzten Nachricht an ihren Bruder schildert sie ihm völlig aufgelöst, dass sie jetzt Arkadys Gefangene ist und nicht mehr weiterweiß. Kenneth und sein bester Kumpel, Jimmy, setzen sich sofort ins nächste Flugzeug nach Frankreich.

Elodie Cossa ist eine Polizistin in Cannes. Nachdem sie den falschen Leuten auf die Füße getreten ist, wurde sie von ihren Vorgesetzten zu Schreibtischarbeit verdonnert. Obwohl sie sich bereits auf dünnem Eis befindet, zögert sie nicht, ihren Job zu riskieren, um Ken und Jimmy bei der Suche nach Madison zu helfen.

Obwohl Ken sofort von der jungen Polizistin fasziniert ist, weiß er, dass das nicht der richtige Zeitpunkt ist, um sich zu verlieben. Und während sie als amerikanisch-französisches Team Arkady Ouchkine - dem russischen Gangster, der Madison gefangen hält - hinterherjagen, fühlt sich auch Elodie immer mehr zu ihrem neuen, gutaussehenden Partner hingezogen.

Könnte es eine gemeinsame Zukunft für die beiden geben, nachdem alles überstanden ist?

Herausgeber:
Freigegeben:
May 10, 2021
ISBN:
9798201186852
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Riviera-Rettungsmission - Tamara Balliana

Kapitel 1

Ken

Sobald das gelandete Flugzeug anhält, stehe ich auf und greife nach meiner Tasche. Die Flugbegleiterin hebt eine Augenbraue. Das Anschnallzeichen leuchtet noch. Dennoch sagt sie nichts, als ich mich zusammen mit meinen zwei Kollegen auf den Weg zur Ausgangstür mache. Wir waren wochenlang fort, getrennt von unseren Familien und Freunden … Unsere Ungeduld und Erschöpfung sind uns klar anzusehen. Als die Tür zum Gateway endlich aufgeht, lässt sie uns daher einfach heraus und verabschiedet jeden von uns mit den Worten: „Danke für Ihren Dienst."

Wir gehen nickend an ihr vorbei. Ich weiß nie, was ich darauf erwidern soll. Für mich ist es einfacher, mit Leuten umzugehen, die sich über unsere Uniform lustig machen, als mit solchen, die sich dankbar zeigen.

Mouss, Jimmy und ich rauschen durch die Passkontrolle und den Zoll. Zwei Minuten später sind wir draußen. Mit seiner überdurchschnittlichen Körpergröße schaut Jimmy über die Köpfe der Leute hinweg und sucht die Menge nach einem vertrauten Gesicht ab. Mouss und ich tun dasselbe von unserer etwas niedrigeren Perspektive aus. Ja, wir sind nur gut ein Meter achtzig groß. Ein aufgeregtes Kreischen ertönt, und wir drei drehen uns um. Es ist die Mutter von Mouss, die unter Freudentränen ihr Glück mit der Welt teilt. Ihr Sohn ist zurück! Mouss schüttelt seufzend den Kopf. Egal, wie oft wir ihr auch versichern, dass wir unserer Arbeit hauptsächlich in Büros nachgehen und nicht an der Front, fällt es seiner Mutter schwer, das zu glauben. Ihr Leben steht jedes Mal still, wenn ihr Sohn irgendwo anders hinbeordert wird.

Während Mouss sein Bestes versucht, seine Mutter zu beruhigen, suche ich nach Madison. Sie ist nirgendwo zu sehen. Als könnte er meine Gedanken lesen, tröstet Jimmy mich.

„Marie ist auch nicht hier. Einige Nachrichten müssen unterwegs verloren gegangen sein."

„Sicher, das muss der Grund sein."

Ich stimme ihm zu, glaube meinen Worten aber selbst nicht. Wenn die Mutter von Mouss hier ist, bedeutet das, dass unsere Familien über unsere Rückkehr informiert wurden. Sie ist die Einzige hier, weil Marie und Madison unsere Rückkehr nicht für wichtig genug erachtet haben, um ihre Zeitpläne zu ändern.

Aber ich will meine Schwester nicht vorschnell verurteilen. Immerhin könnte sie gerade irgendeinen Test schreiben. Ihr Community College würde sie niemals davon freistellen, nur weil ihr Bruder zurück nach Hause kommt.

Für Marie fallen mir jedoch keine Ausreden ein. Wahrscheinlich, weil ich gesehen habe, wie sie einen Tag vor unserer Abreise mit einem unserer Kollegen geflirtet hat. Eines Tages wird Jimmy nach Hause kommen und einen anderen Kerl in seinem Bett vorfinden. Wenn dieser Tag kommt, wird er bei mir seine Wunden lecken. Für solche Fälle habe ich ein Schlafsofa.

Wir quetschen uns in Fatimas altes Auto, um heimzufahren. Unterwegs erzählt Mouss‘ Mutter uns, was in letzter Zeit alles in ihrer Großfamilie passiert ist. Einige arabische Worte tauchen in ihren englischen Sätzen auf. Aber das ist es nicht, was es schwierig macht, ihr zu folgen. Nein, wenn wir nicht ganz hinterherkommen, liegt das daran, dass Mouss viel zu viele Cousins und Cousinen hat, um die Übersicht zu behalten.

Pflichtbewusst gratulieren wir jedes Mal, wenn sie uns von einer neuen Geburt erzählt. Wir wissen, worauf das hinausläuft. Es ist immer dasselbe Lied. Fatima will Großmutter werden, und Mouss ist ihr einziger Sohn. Er ist ihre einzige Chance, an dem Wettrennen teilzunehmen, in dem ihre Schwägerinnen bereits gestartet sind.

Ich schließe die Augen und versuche mir vorzustellen, was meine Mutter sagen würde. Vergeblich. Meine Eltern waren beide Einzelkinder. Auch nur das Konzept von Geschwisterrivalität wäre ihnen fremd. Ihre Definition, was eine Familie ausmacht, war so begrenzt, dass ich mich oft frage, ob Madison nicht durch Zufall in dieser Welt gelandet ist.

Lächelnd höre ich Mouss dabei zu, wie er sich verteidigt. Aber es ist aussichtslos.

„Warum hältst du Ken keinen Vortrag darüber?, fragt er „Er ist älter als ich und …

„Bei Kenneth ist es etwas anderes, meint sie. „Er hat bereits eine Familie geerbt.

„Also ist er mehr als bereit!", protestiert Mouss.

Jimmy rollt mit den Augen. Er hat gesehen, wie ich mit achtzehn Jahren zum Ersatzvater für meine kleine Schwester geworden bin. Er weiß, dass mir nicht der Sinn danach steht, eine neue Familie zu gründen. Jeglicher Drang, den ich danach verspürt haben mochte, selbst Vater zu werden, wurde von Madisons Teenagerjahren im Keim erstickt. Doch er weiß auch, dass ich nichts ändern würde, wenn ich die Chance hätte, noch einmal von vorn anzufangen.

Ich bereue nichts. Zwar wurden meine Nerven auf jede erdenkliche Art und Weise strapaziert, aber nichts davon würde ich missen wollen.

Stille. Nur für ein paar Sekunden. So leicht gibt Fatima nicht auf. Sie plappert unermüdlich weiter von einem anderen Familienzweig, was sie beschäftigt, bis wir zu Hause ankommen.

Sobald wir da sind, bedanken Jimmy und ich uns bei ihr und eilen schnell aus dem Auto raus und auf unser Doppelhaus zu.

„Bis später, Bro", sagt er und kramt seinen Schlüssel aus seiner Tasche heraus.

Ich gebe auf dem Zahlenschloss, das meine Tür sichert, die Ziffernfolge 14071789 ein. Irgendwann habe ich mich damit abgefunden, dass Madison niemals aufhören wird, ihren Schlüssel zu verlieren. Immerhin gibt mir das die Gelegenheit, ihr wichtige historische Daten beizubringen, wie den Sturm auf die Bastille.

„Madison, ich bin zu Hause!"

Stille.

Ich öffne die Tür zu ihrem Schlafzimmer. Dort drinnen herrscht so ein Chaos, dass ich bis zum Bett gehen muss, um mich zu vergewissern, dass sie nicht darin schläft.

Dann wird sie in der Uni sein.

Es gibt genug, womit ich mich bis zu ihrer Rückkehr beschäftigen kann. Ich fange mit dem Briefkasten an. Er ist voll. Sie hat wohl vergessen, ihn zu leeren. Warum überrascht mich das nicht? Zügig beginne ich, die Umschläge durchzusehen und lege sie dann auf dem Esszimmertisch ab. Nichts, was nicht warten könnte. Ich bringe meine Tasche in mein Zimmer und nehme mein Handy vom Nachttisch, um es einzustöpseln.

Eine warme Dusche, und danach werde ich mich eine Stunde ausruhen, während es lädt.

Einige Stunden sind länger als andere.

Als ich die Augen wieder öffne, ist es stockfinster. Mir war gar nicht bewusst gewesen, wie müde ich war. Der Wecker auf meinem Nachttisch sagt mir, dass es zehn Uhr abends ist. Und Madison ist immer noch nicht zurück.

Ich schalte mein Handy an, und die Minute, die es zum Starten braucht, fühlt sich wie eine halbe Ewigkeit an.

Das Handy brummt, um mich wissen zu lassen, dass ich Nachrichten habe, aber ich ignoriere das zunächst.

Als Erstes rufe ich Madison an.

„Hey, du willst mit mir reden, aber ich kann gerade nicht. Du weißt, was du zu tun hast", meldet sich ihre Mailbox-Ansage.

„Madison, ich bin’s, Ken. Ich bin zu Hause. Es ist zehn Uhr. Wo bist du?"

Ich lege auf und will gerade meine eigene Mailbox abhören, als die Vordertür aufgeht.

„Madison?", rufe ich und stehe auf.

„Tut mir leid, Ken, ich bin’s nur", antwortet Jimmy.

„Was machst du hier?", frage ich und geselle mich im Wohnzimmer zu ihm.

„Hast du nicht einen alten Macallan?", fragt er und durchsucht meinen Schnapsschrank.

„Habe ich, oder zumindest hatte ich einen, als wir aufgebrochen sind, antworte ich und trete näher, um ihm beim Suchen zu helfen. „Aber du hast mir immer noch nicht gesagt, was du hier machst. Ich hätte gedacht, dass ihr …

„Sie ist fort."

„Fort?"

„Fort, umgezogen, verschwunden, hat sich aus dem Staub gemacht …" Er hört auf, als wären ihm plötzlich die Alternativen ausgegangen.

„Oooookay", sage ich gedehnt und überlege dabei, was ich dazu sagen soll.

„Zusammen mit dem Fernseher, dem Sofa, dem Computer, der im Wohnzimmer stand, und der Xbox."

„Sie hat auch die Xbox mitgenommen?"

Mein Zorn ist echt. Das ist ein schweres Vergehen!

Es überrascht mich nicht, dass sie ihn sitzen gelassen hat. Das hat er verdient. Nicht weil wir in den letzten zwei Jahren kaum zu Hause waren. Immerhin wusste sie, dass er ein Soldat ist, ein Geheimdienstler, der oft fort sein würde. Das wahre Problem lag darin begraben, dass selbst wenn wir zurück waren, Jimmy nicht wirklich ganz da war und in die Beziehung investiert hat.

„Jepp, auch die Xbox, sagt er und holt die Flasche, die er gesucht hat, mit einem breiten Grinsen aus dem Schrank heraus. „Aber es könnte schlimmer sein.

„Es gibt noch viele Fische im Meer."

Ich hole ihm ein Glas.

„Was ist mir dir? Lässt du mich allein trinken?"

„Ich würde dir ja gerne Gesellschaft leisten, aber ich muss erst einmal noch etwas anderes erledigen."

„Und zwar?"

„Ich muss zuerst Madison finden."

Er runzelt die Stirn und stellt die Flasche ab, ohne sich einzuschenken.

„Ich habe sie angerufen und bin direkt bei der Mailbox gelandet."

Jimmy schaut auf seine Armbanduhr und verzieht das Gesicht.

„Es ist in der Tat etwas spät, aber sie ist über achtzehn, und in ihrem Alter haben wir es auch schon mal erst gegen Morgengrauen nach Hause zurückgeschafft."

Ich winke seine Erklärung mit einer Hand beiseite. Inakzeptabel. Wir reden hier von einem hübschen, unschuldigen Mädchen und nicht von den zwei Idioten, die wir früher waren. Ich kann nicht leugnen, dass wir damals nicht sehr klug gewesen sind, aber die paar fehlenden grauen Zellen haben wir mit unserer Muskelmasse wieder wettgemacht.

„Hast du deine Nachrichten gecheckt?"

„Das wollte ich gerade, als du reingeplatzt bist."

Jimmy gießt sich ein kleines Glas seines Lieblingsdrinks ein, und wir setzen uns beide aufs Sofa. Ich beginne mit den drei Textnachrichten und lese sie in chronologischer Reihenfolge laut vor.

Die erste ist eine Woche alt.

„Hey, Bruderherz, ich weiß, dass dich das aufregen wird, aber ich habe jemanden kennengelernt, der mich auf ein kleines Abenteuer eingeladen hat. Ich werde dich auf dem Laufenden halten, aber mach dir keine Sorgen, wahrscheinlich bin ich vor dir wieder zurück."

Die zweite Nachricht kam zwei Tage später.

„Du wirst nie erraten, von wo ich dir gerade schreibe. Ich bin in Paris. Ist das nicht abgefahren? Arkady hat mich nach Paris entführt! Wir sind zusammen shoppen gegangen. Ich bin so glücklich. Alles ist so cool."

Die nächste Nachricht ist voller Emojis. Ein Haufen Herzchen in allen Farben des Regenbogens, was mich die Augen verdrehen lässt.

„Ich bin in Cannes! In Cannes, wo sonst die Filmstars hingehen. Ich laufe über die La Croisette. Ich kann das Meer von meinem Zimmer aus sehen. Arkady ist so süß. Ich weiß, dass er der Richtige ist. Ich kann es nicht erwarten, ihn dir vorzustellen."

Jimmy steht auf und stellt sein Glas ab, ohne es angerührt zu haben.

„Das war’s? "

„Ich habe noch ein paar Sprachnachrichten", sage ich und senke das Handy auf den Tisch. Ich schalte den Lautsprecher an.

„Sie haben elf neue Nachrichten", verkündet die künstliche Stimme.

Eine ist von meinem Zahnarzt, der mich daran erinnert, dass ich bald einen Termin für meine jährliche Kontrolle vereinbaren sollte.

Ein halbes Dutzend Werbeanrufe. Einen von unserer Putzfrau, einen von einem Nachbarn, der sich über den Lärm beschwert, den meine Schwester und ihre Freunde machen, während ich weg bin. Ein paar weitere Werbeanrufe und dann bin ich auch schon beim letzten verpassten Anruf angekommen.

Eine Nachricht von Madison. Von heute Morgen.

Sie wispert so leise, dass ich Schwierigkeiten habe, sie zu verstehen.

„Ken. Ich habe Angst. Ich glaube, ich habe einen großen Fehler gemacht. Arkady will mich nicht gehen lassen. Er hat mir meinen Reisepass weggenommen und ich kann meine Kreditkarte nicht finden. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Ruf mich bald zurück. Ich bin in Zimmer 320 im Hotel …" Der Hotelname ist unverständlich.

Jimmy ist auf den Beinen, bevor die Nachricht geendet hat.

„Ich habe noch nicht ausgepackt, und du?", fragt er.

„Ich auch nicht."

„Gib mir zwei Minuten, um meine Sachen zu holen, dann können wir los."

„Bist du sicher?"

„Natürlich. Ich hatte sowieso noch keine Pläne für unseren Urlaub und wollte schon immer mal die Riviera besuchen."

Sein Tonfall klingt unbeschwert, aber ich weiß, dass er ebenso besorgt ist wie ich.

Kapitel 2

Elodie

Ich schlage wieder und wieder gegen den Sandsack. Meine Fäuste verpassen ihm eine gute Abreibung. Obwohl die Klimaanlage mit voller Stärke läuft, beginne ich zu schwitzen. Als ich schließlich innehalte, um zu Atem zu kommen, ist Franck an meiner Seite.

„Wow, du hast nach deinem Arbeitstag immer noch viel Energie übrig!"

Ich antworte meinem Muay-Thai-Trainer nicht. Stattdessen bedeute ich ihm, dass ich bereit bin, an meinen Tritten zu arbeiten. Er versteht, was ich will, und hält ein paar Minuten den Sandsack, während er mir Tipps gibt.

All meine Energie und Gedanken sind auf meine Tritte gerichtet. Das ist der Grund, warum ich herkomme. Ich muss meinen Kopf freimachen, ein Ventil für all die Energie finden, die ich bei meinem Job nicht verbrauchen kann.

„Ich glaube, das reicht für heute", beschließt Franck.

Ich nicke und gehe in die Ecke des Zimmers, wo ich meine Wasserflasche und mein Handtuch zurückgelassen habe. Während ich trinke, bemerke ich, dass mich einige Kerle anstarren. Vor fünfzehn Jahren, als ich noch ein wütender Teenager war, hätte ich sie gefragt, was ihr Problem ist. Aber jetzt bin ich erwachsen und mir ist egal, was sie denken.

Einige der Kerle arbeiten auf derselben Polizeiwache wie ich. Francks Fitnessstudio liegt gleich auf der anderen Straßenseite. Deshalb besteht die Hälfte der Kundschaft aus Polizisten. Die andere Hälfte ist ebenfalls regelmäßig im Revier anzutreffen, allerdings mit Handschellen an den Handgelenken und nicht am Gürtel.

Franck bleibt etwas länger als üblich in meiner Nähe. Ich weiß, warum. Meine Vermutung bestätigt sich, als er versucht, mich auf ein Date einzuladen.

„Elodie, ich bin für heute mit meinen Kursen fertig und Vince schließt den Laden ab. Ich hatte gedacht, du und ich, wir könnten vielleicht …"

„Nicht heute, Franck."

Sein Lächeln verblasst und er nickt, als wäre es okay, dass ich Nein sage. Vor ein paar Monaten haben er und ich das Fitnessstudio ein paarmal zusammen verlassen, für eine Art privates Wrestling.

Franck ist ein süßer Kerl. Nun, ich bin mir nicht sicher, ob „süß" das richtige Wort für einen Mann ist, der mehrere Turniere gewonnen hat, indem er seine Konkurrenz k.o. geschlagen oder ihr die Knochen gebrochen hat. Aber wie bei allen Männern gilt seine Loyalität zuallererst sich selbst. Er betrachtet jede Situation von dem Gesichtspunkt aus, was für ihn drin ist.

Ich schwäche die Abfuhr mit einer Erklärung ab.

„Ich habe meinem Vater versprochen, dass ich mit ihm essen würde."

Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich die Tür damit offenlasse, obwohl sie was mich betrifft endgültig zu ist. Aber ich mag Franck. Jedes Mal, wenn ich es brauche, kann ich herkommen, selbst außerhalb der Öffnungszeiten. Und zu den wenigen Gelegenheiten, als ich einfach alles vergessen wollte und auf der Suche nach Trost und Wärme war, ist er für mich da gewesen.

Ich gehe zügig in die Umkleide und unter die Dusche. Gerne würde ich mir unter dem warmen Wasser mehr Zeit lassen, aber das geht nicht. Es ist bereits spät, und niemand lässt Oberstleutnant Cossa warten, nicht einmal seine Tochter. Pünktlichkeit ist eine der zehn Regeln, auf die mein Vater besteht. Ich bin auch so. Wie man so schön sagt, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Etwas später parke ich mein Auto ein paar Kilometer von Cannes entfernt im Garten eines Hauses. Die pinken Farbtöne des Gebäudes stechen selbst im dämmrigen Abendlicht hervor. Ich bin hier nicht aufgewachsen, habe nur kurzzeitig in diesem Haus gelebt. Meine Umgebung hat während meiner Kindheit zusammen mit der Arbeitsstelle meines Vaters immer wieder gewechselt. Die einzige Konstante war der Rhythmus der Veränderungen. Alle zwei Jahre, beinahe punktgenau, kam ein Umzug, eine neue Schule und ein neues Leben. Es blieb nie genug Zeit, um an irgendeinem Ort feste Freunde zu finden oder Wurzeln zu schlagen. Wir erreichten die Riviera, als ich im letzten Jahr der Highschool war. Das ist bereits zwölf Jahre her. Mein Vater hat mich mit der Ankündigung überrascht, dass wir von jetzt an unser eigenes Haus haben würden. Bis dahin hatten wir immer in der Kaserne gelebt. Er hat es nie gesagt, aber ich glaube, dass er es so einfacher mit mir hatte. Ich bin mit den anderen Kindern zur Schule gegangen. Und oft habe ich die Abende in den Nachbarshäusern verbracht, bis er heimkam.

Jetzt gehe ich durch den Garten ums Haus herum, bin mir fast sicher, dass er zu dieser Zeit hier draußen sein wird. Und wie erwartet sehe ich seine Silhouette vor dem Olivenbaum stehen. Selbst ohne seine Uniform und mit einem Wasserschlauch in der Hand strahlt Oberstleutnant Cossas Körperhaltung den Stolz eines Mannes

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