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Die Implizite Ordnung - Grundlagen eines ganzheitlichen Weltbildes

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Die Implizite Ordnung - Grundlagen eines ganzheitlichen Weltbildes

Länge:
385 Seiten
7 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
6. Okt. 2020
ISBN:
9783861911678
Format:
Buch

Beschreibung

David Bohm gilt heute als einer der genialen Vordenker einer neuen Interpretation der Quantenphysik. Seine Gedanken über eine „implizite Ordnung“ oder eine holistische Interpretation wissenschaftlicher Erkenntnisse gelten als bahnbrechend.
Bohm beeinflusste mit seinen Ausführungen eine ganze Generation von Naturwissenschaftlern und erschloss durch seine enge Freundschaft sowohl mit Krishnamurti als auch mit dem Dalai Lama weite spirituelle Kreise für seine Ideen einer neuen Physik.
Gerade die neuesten naturwissenschaftlichen Erkenntnisse bestätigen auf eindrucksvolle Weise, wie weitblickend Bohms außergewöhnlicher Ansatz war. Es zeigt sich immer deutlicher, welche geheimnisvolle Ordnung hinter allen Geschehnisse waltet und dass eines inzwischen feststeht: Gott würfelt nicht!
Eines jener genialen Werke, die Geschichte geschrieben haben – und noch immer schreiben!

Herausgeber:
Freigegeben:
6. Okt. 2020
ISBN:
9783861911678
Format:
Buch

Über den Autor


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Die Implizite Ordnung - Grundlagen eines ganzheitlichen Weltbildes - David Bohm

Einleitung

Dieses Buch ist eine Sammlung von Aufsätzen (siehe Danksagung), die die Entwicklung meines eigenen Denkens über die letzten zwanzig Jahre widerspiegelt. Daher scheint eine kurze Einleitung sinnvoll, die die zu diskutierenden Grundfragen sowie ihre Zusammenhänge erläutert.

Ich würde sagen, dass das Hauptanliegen meiner wissenschaftlichen und philosophischen Arbeit stets darin bestanden hat, das Wesen der Wirklichkeit im Allgemeinen und des Bewusstseins im Besonderen als ein kohärentes Ganzes zu verstehen, das niemals statisch oder abgeschlossen ist, sondern einen endlosen Prozess der Bewegung und Entfaltung darstellt. Wenn ich daher zurückblicke, erkenne ich, dass ich schon als Kind fasziniert war von dem Rätsel, ja dem Mysterium, der Natur der Bewegung. Wann immer man an etwas denkt, scheint man es entweder als statisch oder als eine Folge statischer Bilder wahrzunehmen. Doch in der direkten Erfahrung der Bewegung empfindet man ein ununterbrochenes, ungeteiltes Fließen, zu dem sich die Abfolge statischer Gedankenbilder verhält wie eine Serie von Standbildern zur Realität eines fahrenden Autos. Diese Frage wurde philosophisch im Grunde natürlich schon vor mehr als 2000 Jahren in Zenons Paradoxien aufgebracht; allerdings kann man nicht behaupten, dass seitdem eine zufriedenstellende Lösung gefunden wurde.

Dann gibt es da noch die Frage nach der Beziehung zwischen Denken und Wirklichkeit. Sorgfältige Betrachtung zeigt, dass sich das Denken selbst in einem Prozess der Bewegung befindet. Das heißt, man kann eine Art von Fließen im „Strom des Bewusstseins verspüren, nicht unähnlich zu dem Fließen in der Bewegung von Materie allgemein. Kann daher das Denken nicht sogar Teil der Realität insgesamt sein? Was würde es dann jedoch bedeuten, dass ein Teil der Realität einen anderen „kennt, und inwieweit wäre das überhaupt möglich? Vermitteln uns Gedankeninhalte einfach nur abstrakte und vereinfachte „Momentaufnahmen" der Realität, oder können sie darüber hinausgehend irgendwie die eigentliche Essenz der lebendigen Bewegung erfassen, die wir in der konkreten Erfahrung wahrnehmen?

Wenn man über das Wesen der Bewegung sowohl im Denken als auch im Objekt des Denkens reflektiert und nachdenkt, stößt man unweigerlich auf die Frage nach Ganzheit oder Totalität. Die Ansicht, dass der Denkende (das Ego) zumindest im Prinzip vollständig getrennt und unabhängig von der Realität ist, über die er nachdenkt, ist natürlich tief in unserer gesamten Tradition verankert. (Diese Ansicht wird fast ausnahmslos im Westen akzeptiert; allerdings gibt es im Osten eine allgemeine Tendenz, dies verbal und philosophisch zu leugnen, doch durchzieht dieser Ansatz ebenso dort wie im Westen den Großteil des Alltags.) Eine Erfahrung wie oben beschrieben, verbunden mit einer fundierten modernen wissenschaftlichen Kenntnis der Natur und der Funktion des Gehirns als Sitz des Denkens, legt dringend nahe, dass eine solche Unterscheidung nicht konsistent aufrechterhalten werden kann. Doch dies stellt uns vor eine sehr schwierige Herausforderung: Wie können wir eine einzelne, ungebrochene, fließende Wirklichkeit des Daseins in ihrer Gesamtheit gedanklich erfassen, die sowohl das Denken (Bewusstsein) als auch die äußere Realität beinhaltet?

Dies bringt uns dazu, über unsere Weltanschauung im Allgemeinen nachzudenken, die sowohl unsere Allgemeinbegriffe hinsichtlich des Wesens der Realität sowie der Ordnung des Universums, d.h. der Kosmologie, betreffen. Um den anstehenden Herausforderungen gerecht zu werden, müssen unsere Ansichten über die Kosmologie und das allgemeine Wesen der Realität weit genug gefasst werden, um eine konsistente Berücksichtigung des Bewusstseins zuzulassen. Umgekehrt müssen auch unsere Vorstellungen von Bewusstsein weit genug sein, um zu verstehen, was es eigentlich bedeutet, dass der Inhalt des Bewusstseins „Realität in ihrer Ganzheit" ist. Diese beiden Anschauungen sollten daher zu einem Verständnis dafür führen, wie Realität und Bewusstsein zusammenhängen.

Dies sind natürlich gewaltige Fragen, die sich wohl niemals endgültig und vollständig lösen lassen. Dennoch ist es mir immer wichtig gewesen, dass die Ansätze, die darauf ausgerichtet sind, die hier dargelegte Herausforderung zu befriedigen, fortlaufend geprüft werden. Natürlich richtete sich die gängige Tendenz in der modernen Wissenschaft gegen ein solches Vorhaben, und war in der Regel hauptsächlich auf relativ detaillierte und konkrete theoretische Voraussagen ausgerichtet, die zumindest irgendwann einmal eine Form pragmatischer Anwendung versprechen. Daher scheint es mir angebracht zu erklären, warum ich mich so nachdrücklich gegen die vorherrschende Meinung der Wissenschaft stelle.

Abgesehen von meinem tiefen Interesse an solch fundamentalen und tiefgründigen Fragen, möchte ich in diesem Zusammenhang auf die allgemeinen Probleme der Fragmentierung des menschlichen Bewusstseins aufmerksam machen, was wir ersten Kapitel besprechen werden. Dort wird angeregt, dass die weit verbreiteten und alles durchdringenden Abgrenzungen der Menschen gegeneinander (Rasse, Nation, Familie, Beruf und vieles mehr), die die Menschheit heute davon abhalten zum Wohle aller und das gemeinsame Überleben zusammenzuarbeiten, ihren Ursprung in Gedanken haben, die Dinge als inhärent divergent, getrennt und in jeweils kleine Bestandteile „zerfallen" zu betrachten. Jedes einzelne Teil wird prinzipiell als unabhängig und für sich selbst existierend angesehen.

Wenn ein Mensch so ein Bild von sich hat, wird er unweigerlich dazu tendieren, die Bedürfnisse eines eigenen „Egos" anderen gegenüber zu verteidigen; und er wird auch eine Gruppe, der er sich eventuell zugehörig fühlt, in ähnlicher Weise verteidigen. Er wird dann kaum die Gesamtmenschheit ernsthaft als grundlegende Realität ansehen, deren Ansprüche Vorrang haben. Selbst wenn er die Bedürfnisse der Menschheit einzubeziehen versucht, tendiert er dazu, Menschheit und Natur als getrennt anzusehen − und so weiter. Was ich hier vorschlagen möchte, ist, dass die allgemeinen Anschauungen eines Menschen von der Totalität, also sein Weltbild, wesentlich sind für die Gesamtordnung des menschlichen Bewusstseins selbst. Wenn er die Totalität als zusammengesetzt und fragmentiert ansieht, wird sein Bewusstsein dementsprechend operieren. Wenn er allerdings alles kohärent und harmonisch in ein gesamtes Ganzes einschließen kann, das ungeteilt, ungebrochen und ohne Grenzen ist (denn jede Grenze ist eine Teilung oder ein Bruch), dann wird auch sein Bewusstsein ähnlich arbeiten, woraus ein geordnetes Handeln innerhalb des Ganzen erwachsen wird.

Wie ich bereits erwähnt habe, ist unsere Weltanschauung nicht der einzige Faktor, der in diesem Zusammenhang wichtig ist. Wichtig sind auch Faktoren wie Emotion, körperliche Aktivitäten, menschliche Beziehungen, soziale Organisationen und so weiter, aber vielleicht weil wir gegenwärtig keine kohärente Weltanschauung haben, gibt es eine weit verbreitete Tendenz, psychologische und soziale Einflüsse auf diese Fragen weitgehend zu ignorieren. Ich möchte hier anregen, dass heutzutage eine angemessene Weltanschauung einer der wesentlichen Grundfaktoren für die Harmonie des Einzelnen sowie der gesamten Gesellschaft darstellt.

In Kapitel 1 wird gezeigt, dass die Wissenschaft selbst eine neue, nichtfragmentierte Weltsicht erfordert, insofern als die gegenwärtige analysierende Vorgehensweise, die die Welt in unabhängig voneinander existierende Teile zerlegt, nicht sehr gut für die moderne Physik geeignet ist. Es wird erläutert, dass sowohl für die Relativitätstheorie als auch für die Quantentheorie Ansätze, die von einer ungeteilten Ganzheit des Universums ausgehen, eine wesentlich geordnetere Art und Weise der Betrachtung der allgemeinen Natur der Realität ermöglichen würden.

In Kapitel 2 widmen wir uns der Rolle der Sprache bei der Fragmentierung des Denkens. Es wird herausgearbeitet, dass die Subjekt-Prädikat-Objekt-Struktur moderner Sprachen impliziert, dass jede Handlung von einem separaten Subjekt verursacht wird, das dann auf ein separates Objekt oder reflexiv auf sich selbst einwirkt. Dieses alles durchziehende Schema führt überall im Leben dazu, dass die Gesamtheit der Existenz in separate Einzelteile zerlegt wird, die ihrem Wesen nach als grundsätzlich stabil und fixiert angesehen werden. Wir werden dann untersuchen, ob es möglich ist, mit neuen Sprachformen zu experimentieren, bei denen dem Verb (dem Prädikat) die tragende Rolle zugesprochen wird und nicht dem Subjekt. Diese Sprachformen hätten eine Folge von Handlungen zum Inhalt, die ohne scharfe Trennungen oder Brüche ineinander fließen und miteinander verschmelzen. So wäre die Sprache sowohl von der Form her als auch dem Inhalt nach in Harmonie mit der ungebrochenen, fließenden Bewegung des gesamten Daseins.

Hier wird keine eigentlich neue Sprache vorgeschlagen, sondern ein neuer Modus der Sprache der Rheomodus¹ (fließender Modus). Wir entwickeln diesen Modus, um mit der Sprache zu experimentieren, was hauptsächlich dazu dienen soll, die zergliedernde Funktion der gemein üblichen Sprache zu erkennen, nicht dagegen um eine neue Form des Sprechens in der allgemeinen Kommunikation anzubieten.

In Kapitel 3 wird dieselbe Frage in einem unterschiedlichen Kontext gestellt. Es beginnt mit der Diskussion, wie die Wirklichkeit im Grunde genommen als ein Gefüge von Formen in einer zugrunde liegenden universellen Bewegung oder in einem universellen Prozess angesehen werden kann, um dann zu erläutern, wie unser Wissen auf gleiche Weise betrachtet werden kann. So könnte ein Weg für ein Weltbild erschlossen werden, für das Bewusstsein und Wirklichkeit nicht voneinander getrennt sind. Diese Frage wird intensiv diskutiert, wobei wir zu dem Ergebnis kommen, dass unser generelles Weltbild selbst eine allumfassende Denkbewegung ist, die dahingehend tragfähig sein muss, als die Gesamtheit der Handlungen, die ihr entspringen, generell harmonisch sind, sowohl in sich selbst als auch in Bezug auf die gesamte Existenz. Eine solche Harmonie kann nur dann als möglich angesehen werden, wenn das Weltbild selbst an diesem unendlichen Prozess der Entwicklung, Evolution, und Entfaltung teilnimmt, der sich als Teil des universellen Prozesses einfügt, der den Grund aller Existenz darstellt.

Die nächsten drei Kapitel sind eher fachbezogen und mathematisch. Jedoch sollten weite Teile auch für den Laien verständlich sein, da die fachlichen Abschnitte nicht unbedingt für das Verständnis notwendig sind, obgleich sie einen wesentlichen Beitrag für jene beisteuern, die fachlich folgen können.

Kapitel 4 beschäftigt sich mit den verborgenen Variablen der Quantentheorie. Quantentheorie ist momentan der gebräuchlichste Ansatz in der Physik, die universellen Grundgesetze der Materie und ihrer Bewegung zu verstehen. Als solcher muss er selbstverständlich bei jedem Versuch, eine allgemeine Weltanschauung zu entwickeln, in Betracht gezogen werden.

Wenn wir uns damit auseinandersetzen wollen, stellt uns die gegenwärtige Quantentheorie vor eine große Herausforderung, denn innerhalb dieser Theorie gibt es keine konsistente Vorstellung von der Wirklichkeit, die der universellen Beschaffenheit und Struktur der Materie zugrunde liegt. Wenn wir daher versuchen, das vorherrschende Weltbild zu verwenden, das auf dem Teilchenbegriff beruht, entdecken wir, dass die „Teilchen" (wie zum Beispiel Elektronen) sich auch als Wellen manifestieren können, dass sie sich diskontinuierlich bewegen, dass es keine Gesetze gibt, die sich im Einzelnen auf die tatsächlichen Bewegungen der individuellen Teilchen beziehen, und dass sich ausschließlich statistische Vorhersagen über eine große Anzahl solcher Teilchen machen lassen. Wenn wir stattdessen jedoch ein Weltbild anwenden, in dem das Universum als kontinuierliches Feld angesehen wird, erkennen wir, dass dieses Feld auch diskontinuierlich sein muss, Teilcheneigenschaften aufweist, und in seinem tatsächlichen Verhalten ebenso unbestimmt ist, wie man es für ein Beziehungsganzes von Teilchen annehmen muss.

Es scheint somit klar, dass wir einer tiefen und radikalen Fragmentierung sowie einer alles durchdringenden Konfusion gegenüberstehen, wenn wir darüber nachdenken, was das für eine Realität sein könnte, auf die sich die Gesetze der Physik beziehen. Momentan vermeiden Physiker dieses Problem, indem sie davon ausgehen, dass unsere übergreifenden Ansichten zur Realität der Natur für ihre Arbeit unwichtig seien. Was allein für die physikalischen Theorien wichtig sei, ist die Entwicklung mathematischer Gleichungen, die uns erlauben, das Verhalten großer statistischer Aggregate von Teilchen vorherzusagen und zu kontrollieren. Ein solches Ziel wird nicht nur aus pragmatischen und technischen Gründen angestrebt, vielmehr werden die meisten Arbeiten in der modernen Physik unter der Maßgabe erbracht, dass sich menschliches Wissen auf diese Art der Voraussage und Kontrolle allein beschränkt.

Voraussetzungen dieser Art stehen tatsächlich im Einklang mit dem Zeitgeist, aber mein Hauptanliegen in diesem Buch ist, dass wir nicht einfach auf eine allgemeine Weltanschauung verzichten dürfen. Denn wenn wir so vorgehen, werden wir erkennen, dass wir mit solchen (meist unzulänglichen) Weltbildern vorlieb nehmen müssen, die zu dem Zeitpunkt gerade verfügbar sind. Tatsächlich sieht man auch, dass Physiker sich nicht wirklich nur auf Berechnungen zu Vorhersage und Kontrolle beschränken. Sie halten es für erforderlich, Bilder zu verwenden, die auf irgendeiner allgemeinen Vorstellung der Wirklichkeit beruhen, wie zum Beispiel „die Teile, die die Bausteine unseres Universums sind". Allerdings sind diese Vorstellungen bereits äußerst verworren, da diese Teilchen sowohl diskontinuierlich als auch wellenförmig sind. Kurzum, wir sehen uns hier mit einem Beispiel konfrontiert, das das tiefgreifende und starke Bedürfnis nach irgendeiner Vorstellung von Wirklichkeit widerspiegelt, mag diese auch noch so unvollständig und verworren sein.

Ich würde vorschlagen, dass die korrekte Abfolge der Gedanken eine Vertrautheit mit sowohl formalen, logischen und mathematischen Begriffen als auch mit der Intuition und dem bildlichen, gefühlsmäßigen und poetischen Sprachgebrauch erfordert. (Vielleicht könnten wir auch sagen, dass dies die Harmonie zwischen der linken und rechten Gehirnhälfte ausmacht.) Diese Art des umfassenden Denkens ist nicht nur eine ergiebige Quelle neuer theoretischer Ideen, es ist auch wesentlich für das menschliche Bewusstsein, um auf harmonische Art und Weise zu funktionieren, was dann wiederum zu einer geordneten und stabilen Gesellschaft führen könnte. Wie jedoch in vorhergehenden Kapiteln ausgeführt wurde, erfordert dies eine kontinuierliche Weiterentwicklung unserer allgemeinen Vorstellung von der Realität.

Kapitel 4 beschäftigt sich dann damit, einen Anfang zu machen, um eine einheitliche Sichtweise zu entwickeln, was für eine Form der Realität überhaupt als Basis für die korrekten mathematischen Voraussagen dienen könnte, die in der Quantentheorie erzielt wurden. Derartige Ansätze stießen bei Physikern generell auf Irritation, denn es wird weithin angenommen, dass, wenn es schon irgendeine allgemein gültige Weltsicht gäbe, diese auch als die „verbindliche und „endgültige Vorstellung vom Wesen der Realität angesehen werden sollte. Meine Einstellung war dagegen stets, dass sich unsere Vorstellungen von der Kosmologie und dem allgemeinen Wesen der Realität in einem kontinuierlichen Entwicklungsprozess befinden, und man mit Ideen beginnen muss, die eine Verbesserung zu dem sind, was bisher möglich war, um von dort zu anderen, besseren Ideen vorzustoßen. Kapitel 4 beschäftigt sich mit den tatsächlichen und schwerwiegenden Problemen, mit denen jeder Versuch konfrontiert wird, eine schlüssige Vorstellung von der „quantenmechanischen Realität" zu entwickeln, und präsentiert einen vorläufigen Ansatz für eine Lösung dieser Probleme in Form von verborgenen Variablen.

In Kapitel 5 wird ein anderer Ansatz für dasselbe Problem erkundet. Es handelt sich um eine Untersuchung der grundsätzlichen Ordnungsbegriffe. Ordnung ist in ihrer Gesamtheit natürlich letztlich undefinierbar, in dem Sinne als alles, was wir sind und tun, von Ordnung durchzogen ist (Sprache, Gedanken, Gefühle, körperliche Handlungen, die Kunst, praktische Tätigkeiten usw.). In der Physik jedoch ist die Grundordnung seit Jahrhunderten das cartesische lineare Koordinatennetz (in der Relativitätstheorie leicht erweitert in ein krummliniges Koordinatennetz). Seit seiner Einführung hat die Physik eine enorme Entwicklung mit vielen radikal neuen Attributen durchlebt, aber die grundsätzliche Ordnung ist im Grunde gleich geblieben.

Die cartesische Ordnung eignet sich zur Analyse der unabhängig voneinander existierenden Teile der Welt (wie zum Beispiel Teilchen oder Feldelemente). In diesem Kapitel wenden wir uns jedoch dem Wesen von Ordnung in größerer Allgemeinheit und Tiefe zu und stellen fest, dass die cartesische Ordnung sowohl für die Relativitätstheorie als auch die Quantentheorie zu ernsten Widersprüchen und Verwirrungen führt. Dies liegt daran, dass beide Theorien für den jeweiligen Zustand von einer ungebrochenen Ganzheit des Universums ausgehen und diesen nicht in unabhängige Teile zerlegen. Allerdings unterscheiden sich die beiden Theorien in ihrem Begriff von Ordnung radikal voneinander. In der Relativitätstheorie ist Bewegung kontinuierlich, kausal bedingt und gut definiert, während der Begriff in der Quantentheorie diskontinuierlich, nicht kausal bedingt und nicht gut definiert ist. Beide Theorien haben sich auf ihre eigenen Begriffe von grundsätzlich statischen und fragmentarischen Existenzzuständen festgelegt (die Relativitätstheorie auf unabhängige Ereignisse, die sich durch Signale miteinander verknüpfen lassen, und die Quantentheorie auf klar definierte Quantenzustände). Damit stellen wir fest, dass eine neue Theorie nötig ist, die diese Grundvoraussetzungen fallen lässt und höchstens einige Grundansätze der alten Theorien als abstrakte Formen von einer tieferen Realität ableitet, in der eine ungebrochene Ganzheit existiert.

In Kapitel 6 gehen wir dann noch weiter und beginnen mit der konkreten Entwicklung eines neuen Ordnungsbegriffs, der für ein Universum ungebrochener Ganzheit geeignet ist. Dies ist die implizite oder eingefaltete Ordnung. In der eingefalteten Ordnung sind Raum und Zeit nicht mehr länger die bestimmenden Faktoren zur Festlegung von Abhängigkeiten und Unabhängigkeiten verschiedener Elemente untereinander. Stattdessen ist eine vollkommen andere Art der grundlegenden Verbindung von Elementen möglich, von der unsere herkömmlichen Begriffe von Raum und Zeit und damit auch von unabhängig voneinander existierenden materiellen Teilchen als Formen einer tieferen Ordnung abstrahiert werden können.

Die Implizite Ordnung wird in Kapitel 6 allgemein vorgestellt und im Anhang mathematisch diskutiert. Das siebte und letzte Kapitel ist jedoch eine weiter ausgeführte (obgleich nicht fachspezifische) Darstellung der Impliziten Ordnung und ihrer Beziehung zum Bewusstsein. Dies führt zu einem Ansatz, mit dem es möglich sein könnte, den dringenden Herausforderungen für eine Entwicklung einer zeitgemäßen Kosmologie und allgemeiner Konzepte für das Wesen der Realität gerecht zu werden.

Zuletzt bleibt noch zu hoffen, dass das bereitgestellte Material dem Leser dabei helfen wird zu verstehen, wie sich das Thema selbst eigentlich entfaltet hat, so dass das Format dieses Buches gewissermaßen ein Beispiel dafür ist, wie die Entwicklung von Inhalt vonstatten geht.


¹ Rheo aus dem Griechischen für fließen. (Anm. d. Ü.)

1 Fragmentierung und Ganzheit

Dieses Kapitel trägt die Überschrift „Fragmentierung und Ganzheit. Heutzutage ist es besonders wichtig, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, denn Fragmentierung ist nicht nur in unserer Gesellschaft weitverbreitet, sondern dies gilt auch für jeden Einzelnen und führt zu einer allgemeinen geistigen Verwirrung, die dann wiederum eine endlose Kette von Problemen verursacht und die Klarheit unserer Wahrnehmungen so massiv beeinträchtigt, dass wir die meisten von ihnen nicht mehr selbst lösen können. Daher sind Kunst, Technologie und menschliche Arbeit im Allgemeinen in Spezialgebiete aufgeteilt, die im Wesentlichen als voneinander getrennt angesehen werden. Als man mit diesem Zustand unzufrieden war, definierte man interdisziplinäre Themengebiete, die die jeweiligen Spezialgebiete zusammenfassen sollten; doch diese neuen Themengebiete führten letztlich nur zu weiteren Fragmenten. Zudem entwickelte sich die Gesamtgesellschaft dahin, dass sie sich in einzelne Nationen und unterschiedliche religiöse, politische, ökonomische, rassische und andere Gruppen aufspaltete. Dementsprechend wird nun die natürliche Umwelt des Menschen als eine Ansammlung getrennt voneinander existierender Bereiche aufgefasst, die von verschiedenen Menschengruppen ausgebeutet werden. Auf ähnliche Weise wird jedes menschliche Individuum, entsprechend seiner jeweiligen Bedürfnisse, Ziele, Ambitionen, Loyalitäten, psychologischen Charakteristika und so weiter, dergestalt in zahlreiche verschiedene und widersprüchliche Schubfächer gestellt, dass ein gewisser Grad von Neurose als nahezu unvermeidlich akzeptiert wird, während zahlreiche Individuen, die die „normalen Grenzen der Fragmentierung überschreiten, als paranoid, schizophren, psychotisch oder dergleichen abklassifiziert werden.

Die Annahme, dass alle diese Zergliederungen unabhängig voneinander existieren, ist offensichtlich eine Illusion, die nur zu endlosem Konflikt und Verwirrung führen kann. In der Tat hat das Bemühen, dieser Annahme entsprechend zu leben, heutzutage zu sich häufenden äußerst bedrohlichen Krisen geführt. Es ist wohlbekannt, dass diese Lebensweise zu Umweltverschmutzung, Zerstörung des natürlichen Gleichgewichts, Überbevölkerung, weltweitem ökonomischen und politischen Chaos und zu globalen Lebensbedingungen führt, die für die meisten Menschen, die dem ausgesetzt sind, weder physisch noch geistig zuträglich sind. Angesichts der überwältigenden Masse unterschiedlichster sozialer Zwänge, die außerhalb der Kontrolle und selbst des Fassungsvermögens der darin gefangenen Menschen liegen, hat sich bei den meisten ein Gefühl von Hilflosigkeit und Verzweiflung entwickelt.

Tatsächlich war es bis zu einem gewissen Grad für die Menschen notwendig und angebracht, Dinge gedanklich zu zergliedern und aufzuteilen, um ihre Probleme auf überschaubare Proportionen zu reduzieren; denn wenn wir uns in unserer technischen Arbeit mit der Realität als Ganzes auf einmal beschäftigen wollten, wären wir selbstverständlich überwältigt. Daher waren in gewisser Weise die Schaffung spezieller Forschungsbereiche und die Arbeitsteilung ein wichtiger Schritt vorwärts. Zu einer früheren Zeit war auch die Erkenntnis des Menschen, dass er nicht mit der Natur identisch ist, ein entscheidender Schritt, denn dieser ermöglichte eine Autonomie des Denkens, die es ihm zuerst in seiner Vorstellung und letztlich bei seiner praktischen Arbeit erlaubte, über die Grenzen der Natur hinauszureichen.

Dennoch führte diese Fähigkeit des Menschen, sich selbst von seiner Umwelt abzugrenzen und die Dinge zu zergliedern und aufzuteilen, letztlich zu einer Vielzahl negativer und zerstörerischer Ergebnisse, denn der Mensch verlor das Bewusstsein für das, was er tat, und weitete so den Prozess der Zergliederung über die Grenzen hinaus aus, für die dies angebracht war. Im Grunde ist der Vorgang des Teilens ein bestimmter Ansatz, um bequem und sinnbringend über Dinge nachzudenken, die in den Bereich praktischer, technischer und funktioneller Aktivitäten (z.B. die Aufteilung von Land in verschiedene Felder, auf denen Nutzpflanzen angebaut werden sollen) fallen. Wenn diese Art des Denkens allerdings breiter angewendet wird, wie auf das Bild, das sich der Mensch von sich selbst und von der Welt, in der wir leben, macht (d.h. sein Selbst-Weltbild), dann empfindet er die dabei entstehenden Teilungen nicht mehr nur als sinnvoll oder bequem, sondern beginnt, sich selbst und seine Erfahrungen als tatsächlich getrennt existierende Fragmente zu sehen. Indem er sich von einem fragmentierten Selbst-Weltbild leiten lässt, handelt er so, als würde er es geradezu darauf anlegen, sich selbst und die Welt zu fragmentieren, so dass alles mit seiner Denkweise im Einklang steht. Der Mensch erhält so einen scheinbaren Beweis für sein fragmentiertes Selbst-Weltbild, obgleich er natürlich übersieht, dass er durch seine Denkweise selbst diese Fragmentierung erst hervorgebracht hat, die nun eine autonome Existenz zu haben scheint, unabhängig von seinem Willen und seinen Wünschen.

Die Menschen waren sich seit uralten Zeiten dieses Zustandes der scheinbar autonom existierenden Fragmentierung bewusst und haben oftmals Mythen aus einem noch früheren „Goldenen Zeitalter" projiziert, als der Bruch von Mensch und Natur sowie von Mensch und Mensch noch nicht vollzogen war. Tatsächlich strebte der Mensch stets nach Ganzheit – mental, physisch, sozial und individuell.

Es ist interessant, dass das englische Wort „health (Gesundheit) auf dem angelsächsischen Wort „hale² beruht, was „ganz („whole) bedeutet: Das heißt, um gesund zu sein, muss man auch ganz sein. Und dieses „ganz entspricht meines Erachtens auch dem hebräischen Wort „shalem. Das englische Wort „holy sowie das deutsche Wort „heilig gründen sich auf derselben Wurzel wie „whole" (ganz). All dies deutet darauf hin, dass der Mensch stets gespürt hat, dass Ganzheit oder Integrität eine absolute Notwendigkeit für ein lebenswertes Leben sind. Doch im Laufe der Zeitalter hat der Mensch meistens in einem Zustand der Fragmentierung gelebt.

Sicherlich verdient die Frage, wie es dazu gekommen ist, größte Aufmerksamkeit und sorgfältige Betrachtung.

In diesem Kapitel werden wir unsere Aufmerksamkeit auf unsere Denkschemata lenken, die eine subtile, aber doch entscheidende Rolle für die Beibehaltung der Fragmentierung und für den Widerstand gegen unseren tiefsitzenden Drang nach Ganzheit und Integrität spielen. Um unserer Diskussion eine konkrete Grundlage zu geben, werden wir bis zu einem gewissen Grad Terminologien der modernen Wissenschaft verwenden, ein Feld, das mir sehr vertraut ist. (Obgleich natürlich die allgemeine Bedeutung der zu diskutierenden Fragen stets mit bedacht wird.)

Wir werden zuerst im Bereich der wissenschaftlichen Forschung und später in einem mehr allgemeinen Zusammenhang herausarbeiten, dass die Fragmentierung immer wieder durch die fast universelle Gewohnheit herbeigeführt wird, den Inhalt unserer Gedanken für „eine Beschreibung der Welt, wie sie ist" zu halten. Wir könnten es auch so ausdrücken, dass wir annehmen, unsere Gedanken stünden in direktem Kontakt mit der objektiven Wirklichkeit. Da unsere Gedanken jedoch von Gegensätzen und Differenzierungen durchzogen werden, folgt daraus, dass eine solche Gewohnheit dazu führt, dass wir diese nun für wirklich existierende Aufspaltungen halten und die Welt so als tatsächlich zerstückelt angesehen und erfahren wird.

Die Beziehung zwischen den Gedanken und der Wirklichkeit, über die diese Gedanken gedacht werden, ist tatsächlich wesentlich komplexer als eine banale Korrespondenz. Daher besteht in der wissenschaftlichen Forschung ein Großteil unseres Denkens im Aufstellen von Theorien. Das Wort „Theorie stammt von dem griechischen Wort „theoria, das sich von derselben Wurzel ableitet wie „Theater, und „anschauen oder „ beobachten" bedeutet. Daher könnte man vielleicht sagen, dass eine Theorie in erster Linie eine Art von Einsicht ist, d.h., eine bestimmte Art die Welt anzuschauen, nicht dagegen ein Wissen davon, wie die Welt ist.

Im Altertum hatten die Menschen zum Beispiel die Theorie, dass die Himmelsmaterie grundsätzlich verschieden sei von der Erdmaterie, und dass es durchaus natürlich sei, dass die Objekte auf der Erde nach unten fielen, während es für die Himmelsobjekte, wie zum Beispiel den Mond, natürlich sei, am Himmel zu bleiben. Mit dem Anbrechen der modernen Zeit begannen Wissenschaftler jedoch, die Ansicht zu entwickeln, dass es keinen wesentlichen Unterschied zwischen der Erdmaterie und der Himmelsmaterie gäbe. Dies bedeutete natürlich, dass Himmelsobjekte, wie zum Beispiel der Mond, eigentlich herunterfallen sollten, doch für lange Zeit ließen die Menschen diese Folgerung unbeachtet. Durch eine plötzliche Eingebung sah Newton dann, dass, genauso wie der Apfel fällt, dies auch alle anderen Objekte tun. Dies führte ihn zur Theorie der universellen Gravitation, der zufolge alle Objekte in Richtung auf verschiedene Zentren fallen (z.B. die Erde, die Sonne, die Planeten usw.). Dies war eine neue Art der Anschauung des Himmels, bei der die Bewegungen der Planeten nicht mehr durch die antike Brille betrachtet wurden und es auch keinen essenziellen Unterschied zwischen Erdmaterie und Himmelsmaterie mehr gab. Stattdessen behandelte man diese Bewegungen in Bezug auf die Fallgeschwindigkeiten aller Materie, Erden- sowie Himmelsmaterie, in Richtung verschiedener Zentren; und wenn man dabei irgendetwas nicht erklären konnte, suchte man – und fand auch oftmals – nach unbekannten Planeten, auf die die Himmelskörper zufielen (und demonstrierte so die Relevanz dieser Anschauung).

Die Newtonsche Sichtweise hat für einige Jahrhunderte hervorragende Dienste geleistet, aber führte letztlich (genau wie die griechischen Ansichten, die ihr vorausgingen) zu unklaren Ergebnissen, wenn man sie auf neue Bereiche anwendete. Für diese neuen Bereiche wurden neue Sichtweisen (die Relativitätstheorie und die Quantentheorie) entwickelt. Diese vermittelten ein radikal anderes Weltbild verglichen mit dem Newtonschen (obgleich letzteres immer noch in begrenztem Rahmen als gültig erachtet wurde.) Wenn wir annehmen, dass Theorien ein wahres Wissen von der „Realität, wie sie ist" darstellen, müssen wir daraus schließen, dass die Newtonsche Theorie bis etwa 1900

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