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WESTERN-COLT, Band 50: DIE WINTERLINIE: Die Abenteuer der härtesten Männer des Westens!

WESTERN-COLT, Band 50: DIE WINTERLINIE: Die Abenteuer der härtesten Männer des Westens!

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WESTERN-COLT, Band 50: DIE WINTERLINIE: Die Abenteuer der härtesten Männer des Westens!

Länge:
345 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
May 17, 2021
ISBN:
9783748783077
Format:
Buch

Beschreibung

 Ein Jahr nach dem Start der Reihe  Western-Colt  erscheint mit Band 50 die erste Jubiläums-Ausgabe, die es zweifellos in sich hat: Für die Anthologie  Die Winterlinie  (zusammengestellt und herausgegeben von Christian Dörge)  wurden Kurzgeschichten und Erzählungen mehrerer  Western-Colt -Autoren zusammengetragen: Neben den vollständigen  Campfeuer-Stories  von Alfred Wallon und sämtlichen  Trail-Geschichten  von R. S. Stone enthält der Band das Juwel  Begegnung in San Francisco  von Leslie West sowie - jeweils als deutsche Erstveröffentlichung - die Erzählungen  Eine Falle für Lee Jackson  von John F. Beck und Marten Munsonius,  Dahkeya  von Aylin Carrington und die Kurzgeschichte  Die Winterlinie  von Christian Dörge.  
 Diese Anthologie (erhältlich als E-Book, Paperback und als exklusives Hardcover ) möchte die mitunter vernachlässigte Tradition von Kurzgeschichten und Erzählungen im Western-Genre neu beleben und neugierig machen auf die nächsten 50   Western-Colt  -Bände - auf weitere Abenteuer der härtesten Männer des Westens! 
Herausgeber:
Freigegeben:
May 17, 2021
ISBN:
9783748783077
Format:
Buch

Über den Autor


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WESTERN-COLT, Band 50 - Christian Dörge

Dörge

Das Buch

Ein Jahr nach dem Start der Reihe Western-Colt erscheint mit Band 50 die erste Jubiläums-Ausgabe, die es zweifellos in sich hat: Für die Anthologie Die Winterlinie (zusammengestellt und herausgegeben von Christian Dörge)  wurden Kurzgeschichten und Erzählungen mehrerer Western-Colt-Autoren zusammengetragen: Neben den vollständigen Campfeuer-Stories von Alfred Wallon und sämtlichen Trail-Geschichten von R. S. Stone enthält der Band das Juwel Begegnung in San Francisco von Leslie West sowie - jeweils als deutsche Erstveröffentlichung - die Erzählungen Eine Falle für Lee Jackson von John F. Beck und Marten Munsonius, Dahkeya von Aylin Carrington und die Kurzgeschichte Die Winterlinie von Christian Dörge.

Diese Anthologie (erhältlich als E-Book, Paperback und als exklusives Hardcover ) möchte die mitunter vernachlässigte Tradition von Kurzgeschichten und Erzählungen im Western-Genre neu beleben und neugierig machen auf die nächsten 50 Western-Colt-Bände - auf weitere Abenteuer der härtesten Männer des Westens!

EINE FALLE FÜR LEE JACKSON

von John F. Beck & Marten Munsonius

Als der Schuss fiel, schaute die mexikanische Köchin erschrocken auf, behielt das Schälmesser aber in der Hand, als sie aus dem Haus stürzte.

Die Farm von Lee Jackson lag etwas abgelegen, mehr als eine Meile von seinem nächsten Nachbarn und nicht weit dahinter von einem Armeeaußenposten entfernt, umgeben von saftigen Weidegras, und einer frischen Quelle, welche die Farmer in der Umgebung mit klarem Wasser versorgte.

Sie kam nicht weit – nur ein paar Schritte, dann starrte sie in die Mündung eines auf sie gerichteten Colts.

Sie war allein, der Stallbursche war im Auftrag von Mr. Jackson in die Stadt hinter den Hügeln im Osten geritten und Mr. Jackson selbst wurde von ihr erst in frühestens einer Stunde zurück erwartet.

Sie kannte den Mann nicht, dessen Waffenmündung direkt auf sie zeigte.

Er war groß und hager und hatte hervorstehende Wangenknochen, einen ungepflegten Oberlippenbart und tückisch blitzende Augen.

Er legte den Zeigefinger seiner linken Hand über die Lippen und schüttelte den Kopf.

»Einfach fallenlassen!«

Er hatte eine unangenehm tiefe Stimme, die ein bisschen heiser klang.

»Schrei ruhig, wenn Du magst.«

Er machte mit den Armen eine theatralische Geste.

»Hört dich ja doch keiner hier mitten im Nirgendwo.«

Der Colt zielte jetzt wieder ruhig auf ihren Oberkörper.

Sie ließ das Messer los.

»Gute Wahl.«

Er grinste dünn und riskierte einen Blick über die Schulter.

»Schaff das verdammte Vieh beiseite, Sam. Er muss ja nicht gleich wissen, was ihn anstatt einer warmen Mahlzeit erwartet, wenn er zurückkehrt.«

Sam, der nah bei der Scheune im Schatten stand, gluckste lachend.

Es klang schmierig. Hinterhältig.

Ein kleiner, fülliger Kerl löste sich aus seiner Deckung. Er hatte seinen Hut tief ins Gesicht gezogen. Er spuckte angewidert aus, bevor er den toten rotbraunen Mischlingshund packte und an seinen Hinterläufen über den staubigen und sonnendurchglühten Ranch-Vorhof hinter die Scheune zog.

Seine Waffe hatte er achtlos am Rücken in den Hosenbund geschoben. Er trug keinen Holster. Er kehrte zurück und verteilte den Sand über die Stellen, wo das Tier angefangen hatte zu bluten.

»Was... wollt ihr. Hier gibt es nicht viel zu holen?«, brachte die Frau mühsam über die Lippen.

Der Schrecken stand ihr noch ins Gesicht geschrieben.

»Nichts von Dir.«

Der Mann mit den hohen Wangenknochen hieß Jeff Bancroft und er packte die Köchin hart am Oberarm.

Er beugte sich vor.

»Mach keine Zicken. Zurück ins Haus – hinein mit dir in die Küche.«

Sein Atem roch unangenehm.

»Sei froh, dass unser Besuch nicht dir gilt, sondern dem ach so ehrenwerten Ex-Deputy Marshal Lee Jackson!«

Er lachte hämisch, obwohl es mehr wie ein Gackern klang.

Der ganze Mann war... einfach unangenehm. Und mit dem anderen stand es wohl nicht viel besser. Sie überlegte verzweifelt, was sie tun konnte, um Mr. Jackson zu warnen, aber der Mann mit der unangenehm tiefen Stimme hielt sie weiter fest gepackt und schob sie zurück ins Haus.

»Denke nicht nach – denke am besten überhaupt nicht. Dann bleibst Du...«

»...am Leben!«, vollendet der andere Kerl und wischte sich die blutigen Hände an ihrer Schürze ab.

Die Köchin war noch eine Spur blasser geworden.

Sie wehrte sich nicht, als Bancroft sie zurück in das niedrige, aus roh zugehauenen Balken gezimmerte Ranchhaus zur Feuerstelle zerrte.

Der andere Mann blieb im Türrahmen zurück.

Er hatte jetzt wieder seinen .45er Colt in der Hand und beobachtete seinen Kumpanen, wie er die Frau an einem Stuhl fesselte.

»Der Teufel wird ihn gleich holen«, zischte er und seine Augen nahmen einen wütenden Ausdruck an.

Bancroft schnürte sie hart. Und er stopfte einen Lappen in ihren Mund, ehe er ihr ein längliches Halstuch vor den Mund band.

Sie sollte keine Chance haben, einen Laut von sich zu geben und Lee Jackson vorzeitig zu warnen.

Der andere Mann namens Sam Gillespie blieb vor der Tür und seine Stimme klang gedämpft, als er sagte:« Er kommt, der Mistkerl.«

Der Reiter, den er meinte, Lee Jackson, war vielleicht noch eine Viertelmeile entfernt und ritt über eine leichte Anhöhe und war mit einer leichten Staubwolke hinter sich herziehend, gut sichtbar, vor dem blauen, fast wolkenlosen Himmel.

Die Sonne stand noch wenige Handbreit über den westlichen Horizont und es war immer noch so heiß, wie zur besten Mittagszeit.

Gillespie schwitzte.

Er schaute zu dem Windrad auf dem hohen Brunnengerüst, das sich nicht bewegte.

Kein Windhauch der Abkühlung am Nachmittag versprach.

Auf der Farm war es gespenstisch still.

»Hoffentlich entdeckt der den toten Köter nicht, bevor wir ihn in der Zange haben«, sorgte sich Gillespie.

»Er wird über den Koppelweg kommen, ehe er bei der Scheune ist. Das sollte dich nicht beunruhigen. Wir werden ihn gebührend empfangen.«

Bancroft lachte kurz und trocken.

»Er geht doch nicht hinter die Scheune. Was soll er dort? Pinkeln?«

Sie verteilten sich über den Hof um ihn von zwei Seiten in die Zange nehmen zu können, wenn er auf das Ranchhaus zuhielt.

Sie tauchten in die verschatteten Ecken des Nebengebäude und belauerten den Mann, der gemächlich einen langgestreckten grasbewachsenen Hang herabritt und seinem Braunen erwartungsgemäß zum Korral lenkte.

Ihre eigenen Pferde hatten sie im Stall versteckt.

Wenn er sie bemerkte, war es längst für ihn zu spät.

Lee Jackson war ein großer Mann, drahtig, der müde nach vorn geneigt im Sattel seines Braunen saß.

Seine Schläfen waren leicht angegraut. Er trug das immer noch volle dunkle Haar kurz und sein Gesicht war glatt rasiert.

Er trug die landestypische derbe Reiterkleidung: ein festes aber nicht zu dickes Baumwollhemd, vorn ein paar Knöpfe offen, eine Levishose und hochhackige Stiefel ohne Sporen.

Der Colt im Holster an seiner rechten Hüfte war etwas nach hinten gerutscht. So war sie nicht wirklich griffbereit, wenn es darauf ankam.

Ein weiteres Indiz für die beiden Kerle auf der Farm, das der Mann der da auf sie zukam, arglos war.

»Hab einen Bärenhunger, Dolores«, rief er quer über den Hof, als er nah genug war, dass sie ihn hören musste.

»Aber erst bringe ich meinen Vierbeiner in den Korral, ehe ich mir deine Mahlzeit schmecken lasse.

Ich mache mich am Trog nur noch kurz frisch.«

Gillespie, der sich kurz ins Haus zurückgezogen hatte, klapperte absichtlich laut mit dem Kochgeschirr.

Er beobachtete den Mann durch das Fenster und näherte sich wieder der Tür.

»Na endlich«, dachte er gehässig und frohlockte in seinem inneren Monolog weiter, »jetzt zahlen wir dir die Jahre heim, die wir in den Steinbrüchen verbrachten, bevor uns die Flucht nach Mexiko gelungen ist.«

Gillespie zog es nach draußen. Er versuchte stets im Schatten zu bleiben.

Ein paar Schritte weiter stand sein Partner.

»Pass auf, er führt seinen Gaul durchs Gatter«, flüsterte Bancroft, dessen Oberlippenbart voller glänzendem Schweiß war.

»Will ihn scheinbar später erst absatteln und versorgen. Knall ihn bloß nicht einfach ab. Keine Überraschung! Er soll wissen, wer ihn zur Hölle schickt.«

»Amen«, kicherte Gillespie und seine Wangen zitterten voller Vorfreude.

Ein halbes Dutzend Pferde befanden sich in der Umzäunung, alle von Lee Jackson gezüchtet und zugeritten, ein nicht zu verachtendes Zubrot für ihn und den Unterhalt der Ranch, wenn er sie an den Army-Außenposten verkaufte.

Die Männer dort kannten ihn und schätzten seine Tiere. Die Offiziere wussten, dass er ein fairer Handelspartner war.

Wiehernd und schnaubend drängten sich die Tiere um ihn und dem vierbeinigen Neuankömmling, sein Reitpferd, so dass von Jackson für die lauernden Mörder nur mehr die Hutkrone zu sehen war.

Als sich das Durcheinander endlich auflöste, war Lee Jackson aber verschwunden.

Sein breitkrempiger Stetson thronte festgestopft auf dem mit Jacksons Halstuch umwickelten Sattelhorn des Braunen, auf dem er gekommen war.

Sam öffnete lautlos den Mund, doch es war Bancroft, der fluchte: »Verdammt, wieso hat der Bastard Verdacht schöpfen können?«

»Er ist aus dem Korral gekrochen und abgehauen«, vermutete Sam, der seine Stimme wiedergefunden hatte.

»Der bestimmt nicht.«

Ihre Blicke suchten den Hof, die Scheune, den Korral, selbst das Brunnengerüst, das aber nur spärlich Deckung geben konnte – vergeblich. Selbst die Stallfront lag verlassen in der brütenden Hitze.

Schließlich hielt Gillespie die Stille und Reglosigkeit nicht länger aus.

»Gib mir Feuerschutz. Sobald sich irgendetwas rührt, halte drauf, was der Colt hergibt.«

»Bist du verrückt? Wir sollten lieber...«

Doch Sam Gillespie war ein Mann, der keine Geduld besaß. Das hatte ihn oft in Schwierigkeiten gebracht.

Ein Sprung brachte ihn in die Nähe des Stalls. Sofort ließ er sich fallen und robbte sich seitlich an der Wand entlang Richtung Ecke, ohne das etwas geschah.

»He, Jackson! Zeige dich, dann tragen wir beide das wie Männer aus.«

Auf der Ranch blieb es still – selbst die Pferde im Gatter verhielten sich abwartend, als wüssten sie, was auf der Ranch geschah.

Nichts rührt sich.

Sam überlegte, was er weiter tun konnte, um den Ex-Deputy Marshal aus der Reserve zu locken. Immerhin waren sie zu zweit und er war ein Mann jenseits seiner besten Jahre und aus der Übung.

Dann hörte Gillespie aus dem Ranchhaus ein Geräusch wie von einem dumpfen Fall. Sein Partner war nicht mehr zu sehen.

Sam vermutete, dass er sich ins Haus zurückgezogen hatte und über irgendetwas gestolpert war.

»Die Sache gerät außer Kontrolle«, dachte er wütend.

Ein Netz feiner Schweißperlen erschien auf seiner Stirn.

»Jeff, was ist los? Melde dich, verdammt noch mal!«

Im Haus blieb es jetzt ruhig.

Auf der Ranch lastete eine trügerische Stille. Sam versuchte seinen eigenen Atem zu kontrollieren, der seine Nervosität verriet.

Er beobachtete seine Umgebung genau und blieb regungslos im Schatten.

Eine weitere Minute verstrich, dann wiederholte er: »Jeff!«

Überrascht zuckte er zusammen als er Lee Jacksons kühle Stimme vernahm: »Jeff schläft.

Dein Kumpan hat nicht gut genug aufgepasst. Ich bin von der Rückseite in eines der hinteren Fenster eingestiegen und mein Colt war ein bisschen zu hart für seinen Kopf.

Immerhin hat er jetzt noch die Chance lebend vor ein Gericht zu kommen.

Es liegt an dir, ob du sie ebenfalls bekommst.«

»Leck mich.«

Sams Frustration war unüberhörbar.

Wütend gab Gillespie mehrere Schüsse ab. Aber woher genau Jacksons Stimme gekommen war, blieb ihm ein Rätsel.

Aus dem Haus selbst jedenfalls nicht. Da war er sich sicher.

Dieser Hundesohn musste geschmeidig wie ein alter Panther wohl dauernd die Stellung wechseln, um ihn zu verwirren.

Panik erfasste ihn. Er versuchte so wenig Geräusche als möglich zu machen, als er rasch seinen Colt nachlud.

Er leckte sich über die trockenen, rissigen Lippen. Er hatte sich entschieden und dann rannte er los.

Als wäre der Teufel selbst hinter ihm her und nicht ein ausrangierte Ex-Deputy Marshal.

Er rannte so schnell, wie man es ihm bei seiner Figur gar nicht zutrauen würde. Lief zu dem Stalltor, das halb offen stand.

Hineingeschlüpft – ein erleichterter Seufzer aus seinem Mund.

Wie gut, dass sie die Pferde nicht abgesattelt hatten.

Er kniff die Augen zusammen.

Nach der gleißenden Helligkeit brauchte Gillespie einen Moment um die Gestalt des Mannes zu erkennen, der ihn bereits erwartet hatte.

»Da bist du ja, Sam. Ich konnte mir denken, dass du nicht versuchen würdest, ins Haus zu kommen und deinen Partner zu retten – das du lieber feige abhauen willst!«

Die Verachtung in der Stimme des Ex-Deputy Marshal war nicht zu überhören.

Gillespie war drauf und dran den schlimmsten und sicher auch letzten Fehler zu begehen und zu versuchen, den Colt hochzureißen und abzudrücken.

Doch auch bei einem ruchlosen Mann wie ihm, macht das Herz manchmal was es will und in einem unerklärlichen Anfall von jäher Schwäche entglitt ihm die Waffe aus seinen kraftlos werdenden Fingern.

»Das ist gut so, Sam«, sagte Jackson mit ruhiger Stimme.

»Tritt noch einen Schritt zur Seite, weg vom Colt.«

Der Mann dem er eigentlich reinlegen und töten wollte, stand abwartend im Halbdunkel. Ein Schemen unter Schatten.

»Wie zum Teufel hast du gewittert, das hier eine Falle auf dich wartet?«

»Ein alter Freund hat mich nicht begrüßt – Rusty! Aber du weißt ja wahrscheinlich gar nicht, was ein echter Freund ist? Habe ich recht?«

In der Stimme Lee Jacksons schwang ein wenig Traurigkeit mit.

»Wer ist Rusty?«, fragte Gillespie begriffsstutzig.

»Mein Hund, den ihr Mistkerle einfach erschossen habt. Ein treuer Freund – bis in den Tod. Aber davon verstehst du nichts.«

ENDE

  CAMPFEUER-STORIES

  von Alfred Wallon

Ein eisiger Winter hat Texas fest im Griff. In der Brasada, am Rande des Comanchen-Landes, toben Schneestürme über das Land und lassen auch die Cowboys von Rancho Bravo ihre harte Arbeit unterbrechen. Während der Sturm seinen Höhepunkt erreicht, sitzen die Männer vor einem Feuer und erinnern sich an markante Geschichten aus ihrer eigenen Vergangenheit. Während sie auf des Ende des Sturms warten, erzählen sie sich gegenseitig folgende Geschichten:

Allein in der Wildnis

Cadburns Rückkehr

Dr. Ledbetters Wundermedizin

Todesschatten über Rose Hall

Isaac Hanrahans Racheschwur

Am späten Nachmittag hatte es zu schneien begonnen. Zuerst waren es nur einzelne, kleine Schneeflocken gewesen, die vom graublauen, wolkenverhangenen Himmel gekommen waren. Ein Wind kam auf, der wie tausend kleine Nadelstiche im Gesicht biss.

Bis zum Abend hatte sich schließlich ein dichter, weißer Teppich über die Brasada gelegt, und der Wind, der jetzt draußen um die Ranch pfiff, trug noch sein Übriges dazu bei, jeden Winkel mit weißem Pulver zu füllen, das dort nicht sehr schnell abtauen würde. Der Winter hatte seinen Einzug in Texas gehalten, und es würde ein strenger Winter werden.

Im Kamin des Ranchgebäudes brannte ein Feuer und erhellte den Raum, verbreitete behagliche Wärme – ganz im Gegensatz zu den eiskalten Temperaturen da draußen.

»So ein Hundewetter!«, schimpfte der rothaarige Gus, der gerade die Tür hinter sich zugeschlagen hatte und sich nun den nassen Schnee von der Kleidung klopfte. Wind war hereingekommen und hatte das Feuer im Kamin unruhig angefacht – jedoch nur so lange wie die Tür offen war. Es knisterte laut, und Gus war froh, dass er endlich im Gebäude war.

»Sieht wohl ganz danach aus, als wenn wir morgen früh eingeschneit sind«, meinte der blonde Tully, nachdem er einen nachdenklichen Blick aus dem Fenster riskiert hatte, wo dichte Schneeflocken tanzten und die Sicht nicht einmal mehr bis zu den Ställen reichte.

»Worauf du dich verlassen kannst«, meinte Gus und machte es sich nun am Kamin bei den anderen Cowboys gemütlich. Er nickte dem jungen John Calhoun kurz zu, der sich daraufhin erhob, nach dem Gewehr griff und dann das Ranchhaus verließ. Bis Mitternacht würde er draußen beim Palisadenzaun Wache stehen. Er beneidete den Mann nicht, doch die Arbeit musste getan werden.

John zog sich eine dicke Felljacke und Handschuhe über, denn der Wind war schneidend kalt. Aber darüber durfte sich auch John nicht beklagen, denn was für die Cowboys von Rancho Bravo galt, das galt auch für den Sohn des Ranchers. Tom Calhoun machte keine Unterschiede zwischen John und den Männern und verlangte von ihm das, was auch die übrigen Männer leisten mussten. Auch wenn sich die Männer im Ranchhaus etwas unwohl fühlten, so mussten sie sich zumindest in nächster Zeit damit abfinden, dass immer einer der Leute ein wachsames Auge hatte.

Angesichts der Comanchen-Gefahr hatte Tom entschieden, dass auch die Cowboys die Nacht im Ranchhaus verbrachten, denn die Ranch war von einem stabilen Palisadenzaun umgeben, den die Männer in harter Arbeit errichtet hatten. Ein sicherer Schutz gegen plötzliche Comanchen-Überfälle, von denen es in der Vergangenheit schon einige gegeben hatte. Der Boss war jetzt vorsichtiger geworden, zumal er und seine Männer letztendlich hier draußen auf sich allein gestellt waren. Zwar kamen die Texas Rangers regelmäßig vorbei und suchten nach Comanchen-Spuren in der Nähe der Ranch, aber darauf durfte sich Tom Calhoun nicht verlassen. Das düstere Schneetreiben verwischte vielleicht zu schnell ihre Spuren und im entscheidenden Moment waren sie allein.

Rio Shayne blickte hinüber zur Tür, wo sich der Boss in seinem Arbeitszimmer aufhielt. Tom Calhoun hatte sich zurückgezogen und hatte vorgegeben, noch einige Papiere durchsehen zu müssen. Aber Rio und seine Kameraden wussten, dass der Boss seinen Kummer vor den Männern nicht zeigen wollte. Jetzt, wo es draußen schneite und sich alle im Haus aufhielten, spürten sie, wie sehr ihnen der kleine Billy fehlte. Die Comanchen hatten ihn vor einigen Monaten entführt, und alle Versuche, ihn zu finden und wieder sicher zurückzuholen, waren bisher fehlgeschlagen.

Es nagte an den Männern. Zwar wussten Tom, John und die Cowboys mittlerweile, dass Billy noch am Leben war, aber das war auch schon alles. Wie es dem Jungen wirklich erging, darüber konnten sie nur Mutmaßungen anstellen – aber sie führten alle zu nichts, genau wie Toms Versuche, den Jungen suchen zu lassen. Dabei hatte es nur jede Menge Ärger gegeben, doch an den Jungen waren sie nicht wirklich herangekommen, noch hatten sie ihn befreien können. Es war einfach eine fatale, fast aussichtslose Situation.

Die Cowboys wussten, dass der Boß deshalb ab und zu mürrisch war. Er wirkte dann niedergeschlagen und wollte einfach einen Moment in Ruhe gelassen werden. Aber das hatten sie längst akzeptiert, denn sie wussten, was in dem Rancher vorging – und sie hofften, dass es den Rangers gelang, Billy wieder lebend zurückzuholen. Denn andere weiße Gefangene der Comanchen waren auch wieder bei ihren Angehörigen. Allerdings hatten sie viele Jahre bei den Comanchen zubringen müssen und sich in dieser Zeit sehr gewandelt. Sie sprachen nur noch den Dialekt der Comanchen und hatten ihre weiße Vergangenheit fast schon vergessen. Ein schrecklicher Gedanke, wenn so etwas auch mit Billy Calhoun geschah!

Dave Harmon hatte drüben in der Küche Kaffee gekocht und kam jetzt mit einer Kanne des dampfenden Gebräus zurück. Rio Shayne verschwand kurz im Arbeitszimmer des Ranchers, um auch ihm eine Tasse Kaffee zu bringen, doch er kam schon wenige Sekunden später wieder zurück, mit einem Achselzucken und Falten auf der Stirn. Das sagte den Männern mehr als viele Worte. Dann ließ auch er sich wieder in der Nähe des Kamins nieder und nahm einen Schluck von dem starken Kaffee ohne ein Wort zu sagen.

»Mein Gott, was für eine Brühe!«, beklagte er sich dann eine Minute später doch noch bei Dave. »Da bleibt einem ja fast das Herz stehen...«

»Umso wacher bist du, wenn du John nach Mitternacht da draußen ablöst«, grinste Dave zurück. »Du wirst mir noch dankbar sein dafür, Rio.«

Der weißblonde Texaner murmelte etwas vor sich hin, was die anderen nicht verstanden. Aber er trank den Kaffee, ohne sich darüber noch weiter zu beschweren.

»Dieses Wetter da draußen geht mir auf die Nerven – und der Winter beginnt erst...«, meinte Bob Rennington. »Nur hier sitzen und abwarten, bis es wieder Tag wird – Mann, ich wünschte mir, dass wir endlich mal wieder normal arbeiten können. Und alles wegen dieser Comanchen...«

Seine Stirn schien umwölkt. Er mahlte mit den Zähnen.

»Was ist in diesen Zeiten schon noch normal, Bob?«, erwiderte Rio Shayne daraufhin. »Immerhin haben wir ein Dach über dem Kopf und ein warmes Feuer, das unsere Knochen wärmt, oder?«

»Das ist aber auch alles«, gab der schwarze Cowboy zu bedenken, der als einer der letzten nach Rancho Bravo gekommen war. Er schaute zu Boden. »Ich will mich aber nicht beklagen – schließlich gibt es noch genügend andere, denen es noch dreckiger geht als uns...«

»Komisch«, murmelte Dave Harmon, nachdem er sich eine zweite Tasse Kaffee eingeschüttet hatte. »Manchmal gehen einem die eigenartigsten Dinge durch den Kopf, wenn man am Feuer sitzt und vor sich hin grübelt. Haltet mich jetzt nicht für verrückt, aber ich muss gerade wieder daran denken, wie sehr ich mich damals nach der Kälte sehnte, als ich im Backofen der kalifornischen Wüste schmorte. Verdammt komisch – wie die Welt sein kann.«

»Davon hast du uns ja bisher noch gar nichts erzählt, Dave«, meinte Gus erstaunt.

»Das ist mir eben erst jetzt wieder durch den Kopf gegangen«, antwortete Dave daraufhin. Er leckte sich mit der Zunge über die immer noch kältetrockenen Lippen. »Sind auch nicht gerade angenehme Erinnerungen, wisst ihr? Aber wenn ihr wollt, erzähle ich euch gerne davon.«

Er hob den Kopf und neigte ihn zum Feuer am Kamin. Seine Augen schweiften in die Ferne ab. Seine Finger zuckten, als durchlebte er einen Albtraum.

»Immer noch besser als die Gassenhauer von Gus ertragen zu müssen«, meinte Chris und handelte sich dafür einen wütenden Blick des rothaarigen Cowboys ein. »Also fang schon an, Dave. Spann’ uns nicht weiter auf die Folter.« Dann hielt er einen Moment inne. »Rede es dir von der Seele!«

Keiner der Cowboys sagte etwas. Alle starrten auf Dave. Im Kaminfeuer knackte es  – das Feuer loderte durch einen heftigen Windzug aus dem Kamin auf.

»Gut«, meinte Dave und lehnte sich etwas zurück. »Angefangen hat die ganze Sache viel früher – nämlich in einem kleinen Kaff in der Nähe von Phoenix, Arizona. Sechs Jahre ist das jetzt her, Frühsommer und schon ziemlich heiß für diese Jahreszeit, aber ich sehe wieder alles so deutlich vor mir, als wäre es erst letzte Woche passiert. Ich war so dumm und ließ mich auf eine Sache ein, die mich fast Kopf und Kragen gekostet hätte – aber hört selbst, was dann geschehen ist, dann werdet ihr es umso besser verstehen...«

Allein in der Wildnis

Er hatte Carrizo Springs am frühen Morgen verlassen und befand sich jetzt auf dem Weg nach Norden. Die dünnen Wiesenhalme waren noch feucht von der Nacht. Sein Ziel war der Süden Kaliforniens, wo er hoffte, einen Job finden zu können. Kalifornien war nach den Unruhen der letzten Jahre ein junges, aufstrebendes Land und brauchte Männer, die fest zupacken und hart arbeiten konnten. Dave Harmon war jung genug, um hier einen neuen Anfang zu wagen, und deshalb hatte er beschlossen, Arizona den Rücken zu kehren.

Sie hatten ihm gesagt, dass es ein gewisses Risiko war, jenseits der bekannten Wagenstraßen zu reiten, weil man in dieser Gegend immer mit Apachen rechnen musste, die einem das Leben zur Hölle machen konnten, wenn man nicht aufpasste. Aber Dave schien zum Glück einen guten Schutzengel zu haben, denn er war bisher in dieser Einöde noch keiner Menschenseele begegnet – geschweige denn den Apachen.

Das änderte sich aber schlagartig, als er weit oben am stahlblauen Himmel plötzlich die kreisenden Bussarde bemerkte. Neugierig geworden, dirigierte er sein Pferd auf die betreffende Stelle zu und hielt gleichzeitig seine Flinte schussbereit.

Das Land war ein wenig hügelig. Überall Steine. Das Gras wurde weniger. Er brauchte nicht lange, um die Stelle bei den Felsen zu erreichen, wo einige der Bussarde schon dabei waren, sich auf ihre Opfer zu stürzen und reiche Beute zu halten. Dave Harmon roch den süßlichen Geruch von Eisen, von Blut und von Rauch in der Hitze des aufkommenden Tages. Und er würgte, als sich seinen Augen ein Bild bot, das seinen Magen ziemlich durcheinander brachte.

Es war noch nicht einmal später Mittag. Er hatte noch keine Rast gemacht, nichts gegessen, nur ein paar Schlucke aus der Feldflasche.

Sein Magen begann sich zu rühren. Tote Tiere, Rinder, Schafe – das war das eine, aber wenn Cowboys starben... er hatte seine Augen weit aufgerissen und hielt sich die Hand vor dem Mund.

Es waren sechs Tote, die unweit voneinander im Staub lagen. Pfeile und Lanzen steckten in ihren geschundenen Körpern.

Überall war Blut! Auf dem Boden, an den Männern. Die Wagen, mit denen sie gekommen waren, hatte man ausgeplündert und dann in Brand gesteckt. Da das ganze Holz schon völlig verkohlt war, schloss Dave daraus, dass die Männer bereits einige Stunden tot sein mussten. Es musste noch vor Anbeginn der Morgendämmerung geschehen sein. Wahrscheinlich hatten sie gar nicht bemerkt, dass sie in einen Hinterhalt der Apachen geraten waren. Und als sie es mitbekommen hatten, da war es wohl schon zu spät für sie gewesen. Apachenkrieger kannten keine Gnade, wenn es darum ging, Weiße oder Mexikaner zu töten, denn dies hier war ihr Land, und sie verteidigten es mit allen Mitteln gegen Eindringlinge.

Hier konnte er nichts mehr tun. Die Toten unter die Erde zu

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