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Sophienlust Extra 39 – Familienroman: Wirbel um Lilofee
Sophienlust Extra 39 – Familienroman: Wirbel um Lilofee
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eBook136 Seiten1 Stunde

Sophienlust Extra 39 – Familienroman: Wirbel um Lilofee

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Über dieses E-Book

Das Kinderheim Sophienlust erfreut sich einer großen Beliebtheit und weist in den verschiedenen Ausgaben der Serie auf einen langen Erfolgsweg zurück. Denise von Schoenecker verwaltet das Erbe ihres Sohnes Nick, dem später einmal, mit Erreichen seiner Volljährigkeit, das Kinderheim Sophienlust gehören wird.
Die neue Ausgabe Sophienlust extra wird alle Freunde und Sammler dieser Serie begeistern. Sämtliche Romane, die wir in dieser neuen Ausgabe veröffentlichen, sind Kelter-Erstdrucke. So haben alle Leserinnen und Leser die Möglichkeit, die Lücken in ihrer Sophienlust-Sammlung zu schließen.

Susanne Paulsen betrachtete sich kritisch in dem runden Spiegel über ihrem winzigen Frisiertisch. Ich sehe blass aus, stellte sie fest. Na ja, kein Wunder bei der anstrengenden Arbeit in der Klinik. Es war ja in jedem Herbst so: Fing erst einmal die kühle Jahreszeit an, gab es eine Menge kleiner Patienten, die betreut werden mussten. Aber Susanne machte die Arbeit auf der Kinderstation der Klinik Spaß. Sie beschwerte sich auch nicht über die häufigen Überstunden. Und wenn die Oberschwester ihr anbot, diese Überstunden fallenzulassen, dann lachte Susanne bloß. "Die Kinder brauchen mich doch", pflegte sie dann meist zu erwidern. "Und mir macht es wirklich nichts aus, wenn ich am Abend mal ein bisschen länger bleiben muss." Jetzt nahm Susanne den Lippenstift von ihrem Frisiertisch und fuhr damit den­ geschwungenen Bogen ihrer Lippen nach. Noch ein wenig Make-up, besonders auf die leicht bläulichen Schatten ihrer mandelförmig geschnittenen graugrünen Augen, dann war Susanne mit ihrem Spiegelbild zufrieden. Sie drehte sich um und verließ das kleine Schlafzimmer im Dachgeschoß des Zweifamilienhauses. Es war eine richtige Miniaturwohnung, die sie hier besaß. Aber sie fühlte sich wohl darin. Die zwei Zimmer mit der Kochnische und dem Duschbad genügten ihr. Viel wichtiger war für sie: Hier war sie ihr eigener Herr, hier konnte sie tun und lassen, was ihr gefiel, hier konnte sie empfangen, wen sie wollte. Im Schwesternhaus des Krankenhauses war dies natürlich nicht der Fall. Als es an der Wohnungstür klingelte, zuckte Susanne zusammen. Ob das schon Gunther war?
SpracheDeutsch
HerausgeberKelter Media
Erscheinungsdatum1. Juni 2021
ISBN9783740981372
Sophienlust Extra 39 – Familienroman: Wirbel um Lilofee
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    Buchvorschau

    Sophienlust Extra 39 – Familienroman - Gert Rothberg

    Sophienlust Extra

    – 39 –

    Wirbel um Lilofee

    Wird ihre Welt wieder heil?

    Gert Rothberg

    Susanne Paulsen betrachtete sich kritisch in dem runden Spiegel über ihrem winzigen Frisiertisch. Ich sehe blass aus, stellte sie fest. Na ja, kein Wunder bei der anstrengenden Arbeit in der Klinik. Es war ja in jedem Herbst so: Fing erst einmal die kühle Jahreszeit an, gab es eine Menge kleiner Patienten, die betreut werden mussten. Aber Susanne machte die Arbeit auf der Kinderstation der Klinik Spaß. Sie beschwerte sich auch nicht über die häufigen Überstunden. Und wenn die Oberschwester ihr anbot, diese Überstunden fallenzulassen, dann lachte Susanne bloß. »Die Kinder brauchen mich doch«, pflegte sie dann meist zu erwidern. »Und mir macht es wirklich nichts aus, wenn ich am Abend mal ein bisschen länger bleiben muss.«

    Jetzt nahm Susanne den Lippenstift von ihrem Frisiertisch und fuhr damit den­ geschwungenen Bogen ihrer Lippen nach. Noch ein wenig Make-up, besonders auf die leicht bläulichen Schatten ihrer mandelförmig geschnittenen graugrünen Augen, dann war Susanne mit ihrem Spiegelbild zufrieden.

    Sie drehte sich um und verließ das kleine Schlafzimmer im Dachgeschoß des Zweifamilienhauses. Es war eine richtige Miniaturwohnung, die sie hier besaß. Aber sie fühlte sich wohl darin. Die zwei Zimmer mit der Kochnische und dem Duschbad genügten ihr. Viel wichtiger war für sie: Hier war sie ihr eigener Herr, hier konnte sie tun und lassen, was ihr gefiel, hier konnte sie empfangen, wen sie wollte. Im Schwesternhaus des Krankenhauses war dies natürlich nicht der Fall.

    Als es an der Wohnungstür klingelte, zuckte Susanne zusammen. Ob das schon Gunther war? Er hatte doch erst kurz vor neun kommen wollen …

    Susanne warf noch einen raschen Blick auf den gedeckten Tisch im Wohnzimmer, auf die appetitlich angerichteten Brote, die Rotweinflasche in ihrer geflochtenen Korbwiege, die schimmernden Gläser und das funkelnde Silber, dann ging sie hinaus, um zu öffnen.

    Es war tatsächlich Gunther Martens. Susannes Herz machte einen freudigen kleinen Sprung. »Ich hab erst in einer knappen Stunde mit dir gerechnet«, begrüßte sie ihn ein wenig atemlos. Jedes Mal, wenn sie ihn sah, war es so wie beim ersten Mal. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen, und die Handflächen wurden ihr feucht. Dabei waren schon zwei Jahre vergangen, seit sie ihm zum ersten Mal begegnet war. Damals war Susanne als junge Kinderpflegerin in das Krankenhaus gekommen, in dem Dr. Gunther Martens als Assistenzarzt arbeitete. Bei Susanne war es Liebe auf den ersten Blick gewesen. Und sie zweifelte keinen Augenblick daran, dass es Gunther damals genauso ergangen war wie ihr. Weshalb hätte er sonst sofort von Verlobung und Ehe sprechen sollen? Allerdings hatte er das später kaum noch getan. So waren sie jetzt – nach genau zweijähriger Bekanntschaft – weder verlobt noch verheiratet. Doch Susanne war trotzdem zufrieden. Es lag ja noch eine so lange, gemeinsame Zukunft vor ihnen. Gewiss wollte Gunther erst dann heiraten, wenn er eine eigene Praxis eröffnen konnte. Sie selbst, Susanne, würde ihn dabei natürlich nach Kräften unterstützen.

    Gunther beugte sich vor und drückte einen hastigen Kuss auf Susannes Schläfe. »Ich kann nicht lange bleiben, Schäfchen«, sagte er hastig. »Ich muss einen Kollegen vertreten, der heute Nachtdienst machen soll. Der Ärmste hat sich mit seiner Braut verkracht und möchte sich heute Abend unbedingt mit ihr wieder versöhnen. Probleme haben die Leute, man glaubt es manchmal nicht.« Gunther lachte und ließ sich an dem gedeckten Tisch nieder. »Ah – lecker schaut das aus«, sagte er und griff nach der Rotweinflasche.

    Wie herzlos er das eben gesagt hat!, schoss es Susanne durch den Kopf. Ich selbst finde das Verhalten dieses Kollegen, der sich mit seiner Braut wieder unbedingt versöhnen möchte, völlig richtig. Gunther dagegen … Ob er nicht zu mir käme, wenn wir beide einmal Krach hätten?

    Erst jetzt fiel Susanne auf, dass Gunther sich in der letzten Zeit immer seltener bei ihr hatte blicken lassen. Und meist war er nicht sehr lange geblieben. Jedes Mal hatte er eine andere Ausrede parat gehabt. Einmal hatte er nach seiner Mutter sehen müssen, die sich nicht wohlgefühlt hatte, dann wieder hatte er die Nachtdienstvertretung für einen erkrankten Kollegen übernehmen müssen. Susanne konnte nicht nachkontrollieren, ob er sie belog; denn Gunther arbeitete auf einer anderen Station. Und sie wollte ihm auch nicht nachspionieren.

    Zum ersten Mal kam Susanne jetzt der Verdacht, dass Gunther sie vielleicht betrüge. Krampfhaft zog sich ihr bei diesem Gedanken ihr Herz zusammen. Das durfte nicht sein. Sie liebte ihn doch!

    Ihre Blicke glitten über seine schlanke Gestalt, seine blonden Haare, seine lebhaften blauen Augen. Gunther war ein Typ, auf den die Frauen flogen. Und er wusste das auch recht gut.

    Ob er … Ob er eine andere hat?, schoss es Susanne durch den Kopf. Sie fühlte, wie sie bei diesem Gedanken unter dem sorgfältig aufgetragenen Make-up totenblass wurde.

    »Was ist los mit dir?«, erkundigte er sich nun mit gerunzelter Stirn und schaute zu Susanne auf, die neben seinem Stuhl stand. »Hast du keinen Hunger? Ach ja, da fällt mir ein, Schwester Toni, die mir vorhin auf der Treppe begegnet ist, sagte, dass du schon um vier Uhr gegangen bist. Wegen unerträglicher Kopfschmerzen oder so. Was ist los mit dir, Mädchen? Du wirst doch nicht am Ende wirklich krank werden?«

    Susanne dachte, er hat das leichthin gesagt und keineswegs so, als ginge ihm eine mögliche Erkrankung sehr nahe. Er macht sich nichts mehr aus mir! Er kommt nur noch aus reiner Gewohnheit her. Und ausgerechnet heute muss ich das feststellen, heute, wo mir der Arzt gesagt hat …

    Susanne ließ sich am Esstisch nieder und räusperte sich. Dann begann sie: »Das mit den Kopfschmerzen, das war nur eine Ausrede.«

    Gunther trank sein Glas auf einen Zug leer. Dann sagte er grinsend: »Ich hab es mir gleich gedacht. Wolltest wohl mal ein paar Stunden nichts von der Klinik sehen und hören, wie? Kann ich, weiß Gott, verstehen.« Er griff nach einem belegten Brot und biss herzhaft hinein.

    Susanne musste sich abermals räuspern, ehe sie fortfahren konnte: »Ich war heute Mittag beim Arzt, aber ich wollte mit keinem darüber reden. Ich … Ich war nämlich bei einem Frauenarzt, weißt du.« Sie atmete auf. Gott sei Dank, nun war es heraus.

    Gunther betrachtete sie unter gerunzelten Brauen. »Was wolltest du denn dort, um Himmels willen? Du hast doch hoffentlich nichts Ansteckendes?« Er betrachtete die schlanke junge Frau in dem hochgeschlossenen dunklen Kleid wie ein ekelhaftes Insekt.

    Brennende Röte schoss Susanne ins Gesicht. Mit belegter Stimme fragte sie: »Was denkst du eigentlich von mir? Nein, es ist nichts Ansteckendes. Insofern kann ich dich beruhigen.« Bitter fügte sie hinzu: »Es sei denn, das Kinderkriegen ist neuerdings eine ansteckende Krankheit. Du, als Arzt, musst das ja schließlich wissen.«

    Gleich darauf biss Susanne sich auf die Lippen. Sie hatte sich hinreißen lassen. Dabei hatte sie es Gunther ganz anders sagen wollen. In einem zärtlichen Augenblick. Bei einer Flasche Rotwein und leiser Musik. Früher hatte er immer von Kindern gesprochen. Möglichst viele hatte er haben wollen. Am liebsten gleich ein halbes Dutzend.

    Gunther Martens zog die Augenbrauen hoch und setzte sein Glas mit einem harten Ruck auf den Tisch zurück. »Was willst du damit sagen?«, herrschte er die junge Frau an.

    Betont ruhig antwortete Susanne: »Ich war heute beim Frauenarzt und habe mich untersuchen lassen. Er konnte es noch nicht mit Bestimmtheit sagen, aber er ist doch ziemlich sicher, dass ich ein Kind erwarte.«

    Sie verstummte und ließ den Kopf sinken. Sie ertrug es einfach nicht länger, in Gunthers entgeistertes Gesicht zu blicken. Sie hatte gehofft, dass er sich über diese Nachricht freuen würde. Statt dessen las sie blankes Entsetzen in seinem Blick.

    Er macht sich überhaupt nichts mehr aus mir, dachte Susanne benommen. Wo habe ich nur in den letzten Wochen und Monaten meine Augen gehabt? Ich liebte ihn und war so sicher, dass er meine Gefühle erwidere …

    Gunther schenkte sich mit zitternden Fingern von neuem das Glas voll und leerte es auf einen Zug. Dann antwortete er mit erzwungener Leichtigkeit: »Wenn mein Herr Kollege noch nicht ganz sicher war, dann bleibt uns ja immerhin noch eine geringe Chance, mit einem blauen Auge davonzukommen. Mensch, hast du mir vielleicht einen Schrecken eingejagt, Mädchen. Hättest du mir das nicht etwas schonender beibringen können?«

    Er denkt nur an sich, überlegte Susanne mit zusammengepressten Lippen. Wie mir zumute ist, danach fragt er nicht.

    Sie zwang sich abermals zur Ruhe und fragte: »Und wenn er sich nicht getäuscht hat? Wenn ich tatsächlich ein Kind erwarte? Dein Kind, Gunther?«

    Er hieb mit der flachen Hand auf den Tisch, dass die Gläser klirrten.

    »Dann lässt du es eben abtreiben, zum Donnerwetter noch mal!«, rief er unbeherrscht. »Stell dich doch nicht so an! So etwas passiert schließlich hundertmal am Tag.«

    Mit spröden Lippen und weit aufgerissenen Augen fragte Susanne: »Du verlangst tatsächlich von mir, dass ich das Kind abtreiben lasse? Das … Das kann doch nicht dein Ernst sein, Gunther. Bitte, sag, dass es nicht stimmt.«

    Der junge Arzt betrachtete sie aus schmalen Augen. »Sag mal, du willst mir doch nicht etwa Schwierigkeiten machen?«

    Völlig außer sich rief Susanne: »Wer redet denn von Schwierigkeiten, Gunther? Ich liebe dich doch! Und ich freue mich auf das Kind. Wir haben doch so oft davon gesprochen, dass wir später einmal Kinder haben wollen. Viele Kinder. Und wenn nun das erste ein wenig früher kommt als geplant – das ist doch gar nicht so schlimm, wie du jetzt vielleicht annimmst. Ich kann arbeiten bis sechs Wochen vor der Geburt und …«

    »Du wirst dieses Kind nicht bekommen, hörst du?«, unterbrach er sie mit gefährlich leiser Stimme. »Du wirst es abtreiben lassen. Gleich morgen werde ich mich bei den Kollegen nach einem geeigneten Arzt umhören. Notfalls kannst du immer noch nach England fliegen. Zum Glück hast du ja etwas Geld gespart.«

    Susanne musste sich

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