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Noch mehr Sommer Killer 2021: Sechs Krimis Top Spannung
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eBook998 Seiten11 Stunden

Noch mehr Sommer Killer 2021: Sechs Krimis Top Spannung

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Über dieses E-Book

Noch mehr Sommer Killer 2021: Sechs Krimis Top Spannung

von Alfred Bekker, Pete Hackett, Thomas West

 

 

 

Dieses Buch enthält folgende Romane:

 

Thomas West: Triebfeder Hass

Pete Hackett: Trevellian und der Tod in Chinatown

Alfred Bekker: Tod eines Schnüfflers

Alfred Bekker: Killer ohne Skrupel

Alfred Bekker: Tot und blond

Alfred Bekker: Der Kommissar und die blutigen Hände

 

 

Ein Gangster hat ein geniales Programm, mit dem man fast perfektes Falschgeld erzeugen kann. Leider gibt es gleich mehrere Parteien, die sich dafür interessieren und angesichts der immensen Gewinne auch keine Hemmungen haben, dafür über Leichen zu gehen. Ein harter Brocken für FBI-Agent Jesse Trevellian und seine Kollegen.

SpracheDeutsch
HerausgeberAlfred Bekker
Erscheinungsdatum20. Mai 2021
ISBN9798201344368
Noch mehr Sommer Killer 2021: Sechs Krimis Top Spannung
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Autor

Alfred Bekker

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.

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    Buchvorschau

    Noch mehr Sommer Killer 2021 - Alfred Bekker

    Noch mehr Sommer Killer 2021: Sechs Krimis Top Spannung

    von Alfred Bekker, Pete Hackett, Thomas West

    ––––––––

    Dieses Buch enthält folgende Romane:

    Thomas West: Triebfeder Hass

    Pete Hackett: Trevellian und der Tod in Chinatown

    Alfred Bekker: Tod eines Schnüfflers

    Alfred Bekker: Killer ohne Skrupel

    Alfred Bekker: Tot und blond

    Alfred Bekker: Der Kommissar und die blutigen Hände

    ––––––––

    Ein Gangster hat ein geniales Programm, mit dem man fast perfektes Falschgeld erzeugen kann. Leider gibt es gleich mehrere Parteien, die sich dafür interessieren und angesichts der immensen Gewinne auch keine Hemmungen haben, dafür über Leichen zu gehen. Ein harter Brocken für FBI-Agent Jesse Trevellian und seine Kollegen.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch

    © by Authors

    © dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    ––––––––

    Zum Blog des Verlags geht es hier:

    https://cassiopeia.press

    Alles rund um Belletristik!

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    Triebfeder Hass

    Krimi von Thomas West

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 111 Taschenbuchseiten.

    Eine Reporterin verschwindet, aber vorher konnte sie noch mitteilen, woran sie arbeitete. Eigentlich recherchierte sie über uneheliche Kinder, doch etwas anderes war herausgekommen: Ein geplantes Attentat im Basketballmilieu. Ein heißes Eisen! Das Verschwinden der Reporterin ruft das FBI auf den Plan. Jesse Trevellian, eigentlich schon im Urlaub, wird von einer alten Freundin um Hilfe gebeten und nimmt sich der Sache an.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    1

    Caren Snyder trat auf die Straße, es war längst dunkel. Sie bereute, den Termin so spät angesetzt zu haben. Aber hatte sie ahnen können, dass dieser Freak sie stundenlang in Beschlag nehmen würde?

    Kein Licht brannte hinter den Fenstern im Haus gegenüber. Unbewohnt wahrscheinlich. Merkwürdig – als sie am Nachmittag hier aus dem Taxi gestiegen war, hatte sie die zerbrochenen Scheiben nicht bemerkt.

    Sie fischte ihr Handy aus der Felljacke und lief los. Richtung Atlantic Avenue, weg von dem Haus, so schnell wie möglich auf eine belebte Straße. Über ihr im zweiten Stock hing jemand in einem dunklen Fenster. Sie spürte die Blicke auf ihrem Scheitel.

    Sie lief an einem alten Chevy vorbei – sieben, acht Kids drängten sich in der Kiste. Caren sah Bierdosen in ihren Fäusten, hörte den hämmernden Bass aus dem Wageninneren.

    Scheußliche Gegend! Weg hier! Ein Taxi muss her!

    Sie sah hinter sich – flüchtig, nur nicht auffallen – Caren hätte schwören können, dass jemand sie verfolgte, aber da war keiner.

    Sieben Anrufe in Abwesenheit – verriet das Display ihres Handys. Jesus, hatte der Kerl sie voll gequatscht! Und was er gesagt hatte, war verrückt, war absolut verrückt ...

    Caren schwankte innerlich: Ihr Ehrgeiz verlangte eine brandaktuelle Story, ihr Pflichtbewusstsein einen Anruf bei der Polizei.

    Aber zunächst musste ein Taxi her, keinen Augenblick länger wollte sie in dieser heruntergekommenen Gegend bleiben. Akku leer, behauptete das Display. Caren blieb vor Schreck stehen. „Shit!"

    Das passte ja! Weiter, ein bisschen schneller – selbst in Bedford-Stuyvesant musste es ja wohl eine funktionierende Telefonzelle geben.

    Caren bewegte sich jetzt im Laufschritt der Atlantic Avenue entgegen. Je länger sie unterwegs war, desto ausdauernder kreisten ihre Gedanken um den Freak und um das, was er gesagt hatte.

    Und wenn er nun doch kein Wahnsinniger war? Wenn sein blutrünstiges Gequatsche doch ernst gemeint war?

    „Er ist verrückt ... Caren sprach mit sich selbst. Die ganze Sache wühlte sie auf. „... du bist unprofessionell!, schalt sie sich.

    Okay, er ist verrückt!

    In ihr arbeitete es. Sie dachte an seine Stimme, sie dachte an sein Gesicht. Hörte man nicht täglich von Verrückten, die ihre irrsinnigen Vorstellungen in die Tat umsetzten?

    Bei dem Gedanken wurde ihr übel. Ihr Konflikt zwischen persönlichem Ehrgeiz und staatsbürgerlichen Pflichten, ja sogar ihre Sehnsucht nach einem Taxi verblasste angesichts der Drohung dieses Wahnsinnigen.

    Sie überquerte eine Seitenstraße. Da – eine Telefonzelle! Keine zwanzig Schritte entfernt.

    Caren bog in die Seitenstraße ein, kramte ihre Brieftasche aus der Aktenmappe und suchte nach ihrer Kreditkarte.

    Der Hass macht ihn wahnsinnig, dachte sie, der Hass ...

    Endlich die Telefonzelle, Caren nahm den Hörer ab. Ein Münztelefon – Mist!

    Sie durchwühlte die Taschen ihrer Hose und ihrer Pelzjacke nach Münzen. Einen Quarter fand sie, und zwei Dimes. Das reichte.

    Sie schob den Quarter in den Münzschlitz und vorsichtshalber auch noch die beiden Zehn-Cent-Stücke. Wenn ihre Chefin am Apparat war, konnte es länger als nur fünf Minuten dauern.

    Das Taxi hatte sie auf Rang zwei ihrer inneren Prioritätenliste geschoben. Erst einmal diesen ganzen Dreck loswerden, sollte doch ihre Chefin entscheiden, ob sie erst eine Story draus machte, und dann die Cops alarmierte, oder umgekehrt.

    Caren wählte also die Nummer ihrer Redaktion.

    Genauso gut hätte sie die Taxizentrale anrufen können, oder das Polizeirevier von Bedford-Stuyvesant – beides hätte ihr ebenso wenig genützt, wie der Anruf in der Redaktion.

    Als der Anrufbeantworter die Stimme ihrer Chefin abspulte, sah sie einen braunen VW-Bus vor die Einmündung der Seitenstraße rollen und halten.

    Es war nur ein VW-Bus, weiter nichts, eine alte Schüssel, wie man sie häufig in bestimmten Stadtteilen sah. Doch Caren fror bei seinem Anblick, obwohl es erst Anfang September war und sie eine warme Felljacke über Lederhosen trug. Ja, sie fror, und die kalten Schauer hörten nicht mehr auf ihr über Nacken und Schultern zu rieseln.

    Endlich verstummte die Frauenstimme, und der Piepton ertönte. Der VW-Bus bog in die Seitenstraße ein und beschleunigte. Er fährt vorbei, dachte Caren, mach dir nicht ins Hemd, selbstverständlich fährt er vorbei ...

    „Caren hier, ich komme gerade von einem Interview! Mit einem der Typen, die ich erwähnt habe! Ein Verrückter, ehrlich wahr, ein richtiger Freak! Stell dir vor, was der Typ behauptet: Am dreizehnten September will er ..." Sie hörte Bremsen schreien, und fuhr herum.

    Der VW-Bus stand nur zwei Schritte entfernt am Straßenrand. Zwei Schatten sah Caren hinter der Seitenscheibe der Fahrerseite. Beide Türen wurden gleichzeitig aufgestoßen, der Anblick des Fahrers raubte Caren die Sprache: Es war dieser wahnsinnige Freak.

    Mit einem Knüppel oder was holte er aus. Caren holte Atem, um schreien zu können. Doch der Schlag traf sie so heftig an der Schläfe, dass sie das Bewusstsein verlor, und ihr nur noch ein Seufzer entfuhr.

    2

    Es war am einem Mittwoch im Spätsommer.

    Ein Mausklick, und der Drucker sprang an. „Das war’s. Ich lehnte mich in meinem Bürosessel zurück und verschränkte die Hände hinter dem Kopf. „Mein letzter Akt. Der Drucker sprang an.

    „Ich weiß gar nicht, wie du das aushalten willst – vier Wochen!" Milo saß mir gegenüber an seinem Schreibtisch. Er tippte noch fleißig: Ermittlungsberichte, Verhörprotokolle und so weiter. Der übliche Schreibkram eben für die Staatsanwaltschaft und das Hauptquartier, wenn wir einen Fall abgeschlossen hatten.

    „Vier Wochen ohne die Federal Plaza, vier Wochen ohne Mandys Kaffee, vier Wochen ohne Stress ..."

    „Vergiss mein Auto nicht: Vier Wochen ohne meinen Sportwagen." Ein Blatt nach dem anderen spuckte der Drucker aus.

    „... vier Wochen ohne Zeitung und Pizza, vier Wochen ohne eine vernünftige Kneipe, vier Wochen ohne mich ..."

    „Mit heißem Herzen werde ich dich vermissen, ich schwöre es. Und Kneipen gibt’s in Kanada auch."

    „... vier Wochen als Privatmann mit einem Dutzend anderen Privatleuten im Wald. Und im Wald gibt’s garantiert keine Kneipen. Da gibt’s nur Bären, Elche, Seen und reißende Flüsse. Milo schüttelte sich. „Das hältst du doch gar nicht aus, gib’s endlich zu.

    Mein Partner schien seinen Text auswendig gelernt zu haben. Nicht ein einziges Mal sah er auf, während er versuchte mir den bevorstehenden Urlaub madig zu machen.

    „Du bist ja nur neidisch."

    Der Drucker stellte seine Arbeit ein. Mein Teil des Ermittlungsberichts und das Anschreiben an die Staatsanwalt lagen im Ausgabeschacht. Ich zog die Papiere heraus, setzte meine Unterschrift darunter und legte sie in einer Klarsichthülle in den Postausgangskorb.

    „Neidisch? Blödsinn. Besorgt!" Jetzt lehnte sich auch mein Partner zurück, der Drucker sprang erneut an und druckte Milos Tagesproduktion.

    „Ich kenne dich, Partner, und deswegen mache ich mir Sorgen. Er grinste. „Du könntest mich ein bisschen beruhigen, indem du mir heute zum Abschied ein Bier ausgibst.

    „Na gut."

    Noch ein Mausklick, das Programm schloss sich, und ein letzter: Der Computer fuhr herunter. „Vier Wochen rühre ich jetzt keine Tastatur mehr an."

    Ich stand auf und ging zur Tür. Dort hatte ich mir schon zwei Monate zuvor ein Poster aufgehängt. Als Urlaubsverheißung sozusagen. Auf dem Bild stieg ein schwarz-weiß gescheckter Wal aus dem dunkelblauen Meer und zog eine Fontäne von Gischt und Wasser hinter sich her.

    „Ich werd’ meinen Orca von dir grüßen", sagte ich.

    „Von mir aus kannst du ihm auch einen Kuss von mir geben. Milo schaltete den PC aus und zog sein Jackett von der Sessellehne. „Aber lass dich fotografieren dabei.

    Es zog mich nach Kanada, in die Wälder und an die Küste Nordkanadas, um genau zu sein. Eigentlich seit zwei oder drei Jahren schon.

    Ich hatte eine Sehnsucht nach unberührter Natur, die mir selbst unerklärlich war. Wälder und Seen wollte ich sehen, Bären und Elche beobachten, Lachse fangen und in der Hudson Bay den Orca mit eigenen Augen sehen, den sogenannten Mörderwal.

    Auf der letzten Silvesterfeier im North Star Pub hatten wir einen kanadischen Indianer kennen gelernt, einen ehemaligen Holzfäller und Ranger aus der Gegend von Thompson, Manitoba. Der Mann organisierte seit einigen Jahren Privattrecks zwischen dem Winnipegsee und den Northwest-Territories; Trecks in relativ kleinen Gruppen. Genau die Art von Urlaub, von der ich geträumt hatte.

    Einen Tag brauchte ich noch, um ein paar Angelegenheiten in New York City zu erledigen, einen Tag Puffer zusätzlich, und dann, am Samstag, würde es losgehen. Ich hatte einen Pan Am-Flug nach Thompson, Kanada vom La Guardia Airport aus gebucht.

    Ich schnappte mir meine Jacke, warf noch einen letzten Blick auf meinen Schreibtisch. Milo schloss das Büro ab. „North Star Pub?"

    „Ich hab Hunger, lass uns lieber ins Mezzogiorno gehen." Das Mezzogiorno in der Grand Street war unsere Pizzeria Nummer eins.

    Während wir auf einen der Aufzüge warteten, vibrierte das Handy in meiner Hemdtasche. „Trevellian?"

    „McCain, sagte eine raue Frauenstimme. Ich glaubte erst einmal, mich verhört zu haben. „Hey, Jesse! Hat es dir die Sprache verschlagen, oder wie?

    „Linda? Du ...?"

    Es war lange her, dass ich mit Linda McCain gesprochen hatte. Ein Jahr? Anderthalb Jahre? Und damals hatte sie nicht so geklungen, als würde sie sich je wieder melden.

    Linda und ich waren über viele Monate ein Liebespaar gewesen.

    „Ich muss mit dir reden, Jesse, sagte sie. „Dienstlich, nicht privat.

    Ich war nicht sicher, ob ich das bedauern oder begrüßen sollte. Linda war es gewesen, die unsere Beziehung beendet hatte. Nie werde ich einen der letzten Sätze vergessen, den sie mir zum Abschied sagte: „Dein Job und ich, wir passen nicht zusammen.‟

    „Ich dachte, du wärst längst an der Westküste oder in Florida?" Die Aufzugtür schob sich auseinander. Wir traten ein, Milo drückte auf den untersten Knopf.

    „Falsch, Jesse. Ich bin in der Stadt geblieben, war die ganze Zeit hier. Wenn du meine Zeitung auch nur ein einziges Mal aufgeschlagen hättest, wüsstest du das."

    Linda war damals Chefredakteurin eines Frauenmagazins gewesen. Und wie es sich anhörte, war sie es noch immer. „Du hast mich gezwungen, mir alles aus dem Gedächtnis zu reißen, was mich in dich erinnert. Glaubst du im Ernst, dann kaufe ich mir ein Magazin, wo mich gleich auf Seite zwei dein Bild anlacht?"

    „Schon okay, G-man. Ich brauch dich, als Bulle, wie gesagt. Kannst du in meine Redaktion kommen?"

    „Ich bin nur noch drei Tage in Manhattan, danach ist Urlaub angesagt."

    „Dann komm schnell, am besten noch heute Abend."

    „Und was liegt an?" Federnd bremste der Aufzug ab.

    „Ich vermisse eine meiner freien Mitarbeiterinnen."

    „Seit wann?" Wir traten aus dem Aufzug in die Tiefgarage. Unsere Schritte hallten an den Betonwänden wider.

    „Seit drei Tagen."

    „Das ist nicht lange. Es gibt viele Leute, die sich ein paar Tage absetzen, um Ruhe zu haben."

    „Ich glaube an ein Verbrechen, Jesse. Sie war an einer Loch-im-Kopf-Story; außerdem hat sie mir eine merkwürdige Nachricht auf Band gesprochen."

    „Loch im Kopf ...?" Milo lehnte schon gegen meinen Sportwagen.

    „Gefährliche Recherchen, noch nie gehört? Komm heute Abend, bitte. Ich will dir das Band vorspielen."

    „Heute Abend ... Ich sah auf meine Armbanduhr, es war kurz vor sieben. Mit einer knappen Geste bedeutete mir Milo, dass ich ihm ein Bier versprochen hatte. „Wie lange bist du in der Redaktion?

    „Bis gegen zehn."

    „Okay. Ich komme zwischen neun und zehn."

    Ich steckte das Handy weg und öffnete die Zentralverriegelung. „So, so, grinste Milo. „Linda McCain also. Hat sie Sehnsucht nach dir?

    „Kann ich nicht beurteilen. Der Motor meines Sportwagens sprang an, sein sattes Brummen erfüllte die Tiefgarage. „Sie glaubt, eine ihrer Reporterinnen sei Opfer eines Verbrechens geworden.

    „Vergiss es, Jesse. Milo winkte ab. „Soll sie sich doch an die Cops wenden. Geh lieber nicht zu ihr, am Ende musst du noch deinen Urlaub stornieren; ich kenn’ dich doch, Partner.

    3

    „Caren!"

    Er hielt ihr Kinn fest und drehte ihren Kopf nach links und nach rechts. „Caren! Wie ein Gebet murmelte er ihren Namen, wie eine magische Formel, wie das Schlüsselwort eines Codes. „Caren!

    Es war das erste Mal, dass sie ihn sah, seit er sie an der Telefonzelle niedergeschlagen hatte. Wenigstens redete er mit ihr. Der andere war stumm geblieben, hatte nur Wasser und Sandwiches hingestellt; und ihr wehgetan. So weh ...

    „Schade, Caren, wie schade ..."

    Neben Carens Matratze brannte eine Petroleumlampe. In ihrem schummrigen Licht hatte die Haut des jungen Burschen die Farbe von Milch, in die man einen Schuss Kaffee gegossen hatte.

    Seine Augen schienen ihr die Augen eines alten Mannes zu sein. Das matte Licht der Petroleumlampe spiegelte sich in ihnen, und sie schimmerten ein bisschen wie die Murmeln, mit denen Caren als kleines Kind gespielt – blau und grün.

    Merkwürdig, dass ihr die Murmeln plötzlich einfielen. Aber was war ihr nicht alles durch den Kopf gegangen in den zurückliegenden Horrortagen.

    „Schade, Caren, schade um dich ..."

    Ihr Unterkiefer zitterte; obwohl er ihn festhielt. Die Tränen strömten ihr ununterbrochen über die Wangen. Schon seit er vor wenigen Minuten ihren Kerker betreten hatte – Bilder aller möglichen Bestialitäten, die er gleich mit ihr anstellen würde, überschwemmten ihr Hirn.

    „Warum wolltest du mich verraten, Caren?" Er hatte eine weite Hose an, grau, verwaschen und vom Bund bis zum Aufschlag voller Taschen. Unter seiner schwarzen Jeansjacke trug er ein rotes Muskelshirt. Die Jeansjacke hatte einen Kragen aus Leder. Über der rechten Brusttasche sah Caren einen Aufnäher, einen gelben Totenkopf, über der linken ein Namensschild, wie man es von der Army kannte.

    „Ich wollte dich nicht verraten, flüsterte sie. „Ganz bestimmt nicht.

    Der halbdunkle Raum roch nach Schweiß, Schimmel, Urin und Hamburgern. Der Freak hatte eine Tüte mitgebracht. Sie lag jetzt neben dem aufgeschnittenen Ölkanister, den sie ihr für ihre Notdurft neben die Matratze gestellt hatten. Zwischen seinen Knien klemmte eine Flasche Cola. Hunger und Durst quälten Caren.

    „O doch, Caren, das hast du. Seine Stimme klang sanft und tief, fast als würde er summen; oder die Toten beschwören. „Ich weiß, dass du es getan hast. Sein Kraushaar war blond, fast gelb. Gefärbt, vermutete Caren.

    „Nein, nein ... ich, ich wollte ein Taxi rufen, ein Taxi, ehrlich ..."

    Er packte ihren Nacken, riss sie zu sich hinauf und rammte seine Stirn an ihre. Sie stieß einen unterdrückten Schrei aus; nicht so sehr wegen der Schmerzen – in den letzten drei Tagen hatte sie viel Schlimmeres ertragen müssen – sondern weil sie erschrak.

    Alles erschreckte sie, seit sie in diesem Kerker ausharren musste: Eine Maus im Abfall, der den Boden des kleinen Raumes bedeckte; das Summen einer Schmeißfliege.

    Selbst ein Knacken in den Wänden und den vernagelten Fenster brachte sie nach diesen schrecklichen Tagen schon zum Zittern und Weinen; so ruiniert waren ihre Nerven bereits.

    „Warum lügst du?!, fuhr er sie an. „Lügen ist böse! Du wolltest kein Taxi rufen, du hast deine Zeitung angerufen! Er zischte böse.

    Ungläubig starrte sie ihn an.

    „O ja, Caren, ich weiß Bescheid. Übergangslos wechselte er wieder in sanften, beschwörenden Tonfall. „Ich habe einfach die Wiederholungstaste gedrückt. Und wer meldete sich? Der Anrufbeantworter deiner Fuck-Zeitung!

    Er nahm ihr Gesicht zwischen beide Hände und schob es ein Stück von sich weg. Als wollte er ihre Gedanken lesen, bohrte sich sein stechender Blick in ihre Augen.

    Es war nicht schwer, Carens Gedanken zu lesen, sie dachte nicht mehr viel, und was sie dachte, hatte sich tief in ihr sonst so liebliches Gesicht eingegraben: Angst, Angst, Angst!

    „Du musst sterben, Caren, das weißt du doch, oder?"

    Sie starrte ihn an, ihr Unterkiefer zitterte wieder. Besser sterben, als noch einmal dem anderen in die Hände fallen.

    „Ich ... ehrlich, ich konnte nichts verraten ... weil ..., ehe ich sprechen konnte, wart ihr da ..."

    Er wischte ihr die Tränen von der Wange. „Allein der Versuch war böse, Caren. Er ließ sie los, Caren sank auf die Matratze. „Iss, trink. Er löste ihre Handschellen, öffnete die Cola-Flasche, und schob die Tüte neben sie.

    Wie eine ausgehungerte Katze machte Caren sich über die Cola und die Hamburger her. Und genau so belauerte sie ihn auch, während sie aß und trank.

    Und er? Er hockte im Schneidersitz und beobachtete sie: Neugierig, zufrieden, amüsiert; wie einer, der seine Katze füttert.

    Der Raum war nicht groß, vielleicht zwei auf drei Meter. Eine ehemalige Küche – an einer Wand stand eine alte Spüle, und neben der Tür hing ein Regal an der Wand, in dem ein paar Tassen und Gläser standen.

    Auch einen Stuhl gab es und einen umgekippten, dreibeinigen Tisch. Und Abfall, wie gesagt: Leere Bierdosen, zerbrochene Topfpflanzen, zerknüllte Milchtüten, Stapel alter Zeitungen, Plastiktüten, aus denen es stank, als würde Brot in ihnen verrotten.

    Das einzige Fenster war mit Brettern vernagelt. Manchmal hörte sie Kinderstimmen, sehr weit weg, und manchmal das Geräusch eines auf Beton aufschlagenden Balles.

    Caren nahm an, dass man sie im obersten Stockwerk einer Miethausruine gefangen hielt. Wahrscheinlich das verlassene Haus, das ihr vor drei Tagen nach dem Interview aufgefallen war.

    Dieses Interview, dieses verdammte Interview ... Manchmal, wenn sie im Halbdunkeln auf der Matratze lag und betete oder weinte, beschlich sie die Ahnung, ein Dämon könnte sie zu dieser Reportage veranlasst haben.

    Caren konnte nicht weglaufen, weil ihre Handschellen mit einer Kette an einer Wasserleitung befestigt waren. Sie konnte nicht schreien, wenn sie die fernen Kinderstimmen hörte: Ein Knebel verschloss ihr den Mund.

    Und sie wagte nicht zu schreien: Über ihrer Matratze an der Wand hing ein Babyphon. Die Kerle überwachten sie rund um die Uhr, davon war sie überzeugt.

    Am ersten Tag ihrer Gefangenschaft, als sie zu sich gekommen war, hatte sie die Wand vor lauter Panik mit den Füßen traktiert und gestöhnt. Keine fünf Minuten vergingen, und dann stand er in der Tür, der andere ...

    Der Gedanke an ihn, und an das, was er ihr angetan hatte, verschloss ihr den Magen. Sie würgte, warf sich bäuchlings auf die Matratze und übergab sich.

    Der junge Bursche mit dem gelben Haar sprang auf, machte ein besorgtes Gesicht, kniete neben ihrem Kopf. „Schmeckt es dir nicht, Caren?"

    „Doch. Sie hustete und spuckte in ihr Erbrochenes. „Es ist nur ... mir – mir ist so schlecht ...

    Mit einer Mischung aus Fürsorge und Neugier betrachtete er sie: Ihren großen, schlanken Körper, ihr feuchtes Gesicht, ihr von Speichel, Tränen und Blut verklebtes, langes Blondhaar. Ihre Augen waren blau, und ihre Nase klein und rund; sie hatte breite, volle Lippen.

    Caren erzitterte unter seinem Blick. Sie glaubte zu wissen, was er dachte, aber sie täuschte sich. „Trink Cola, sagte er. „Das ist gut für den Magen. Er reichte ihr die Flasche. „Du hast so große Ähnlichkeit mit meiner Mum. Wie alt bist du?"

    „Neunundzwanzig."

    Er verdrehte die Augen, runzelte die Stirn, und schnitt eine Miene, als würde er angestrengt nachdenken. „Hey, sagte er dann. „Du könntest meine große Schwester sein.

    Caren gab sich alle Mühe, sein Lächeln wenigstens andeutungsweise zu erwidern. Langsam, ganz langsam wagte sie, ihrer Intuition zu glauben: Dieser hier war nicht so wie der andere.

    „Vielleicht werde ich dich doch nicht töten, sagte er leise. „Wenn du mich verraten hast und mein Plan daneben geht, muss ich das natürlich tun, das verstehst du doch. Wenn aber alles so klappt, wie ich es dir erklärt habe, dann lass ich dich leben.

    4

    Der Vollmond stand über der Bucht. Wind trieb graue Wolkenfetzen an ihm vorbei. Manche schwebten auch durch seine große, milchige Scheibe; wie Rauch in einer großen, erleuchteten Kugel sahen sie dann aus.

    Nigel Cellery sah es nicht, obwohl die Jalousien der Glasfront zur Terrasse noch nicht herabgelassen waren. Auch das Rauschen der Brandung an der knapp eine halbe Meile entfernten Küste hörte er nicht. Dabei stand die Terrassentür weit offen, und der Wind wehte aus dem Osten, also vom Meer her.

    Nigel Cellery hing in seiner schwarzen Ledercouch und verfolgte mit leuchtenden Augen ein Basketballspiel.

    Er trug einen weißen Morgenmantel aus Seide. Auf dessen linker Seite prangte ein stilisierter Basketball, rot, ausgefüllt von einem großen M, auf dessen linkem Balken ein weißer, breitkrempiger Hut hing: Das Emblem der letzten Mannschaft, für die er gespielt hatte.

    Ihr Name stand in Balkenbuchstaben auf dem Rücken des Morgenmantels: Dallas Mavericks.

    Nigel selbst war nicht ganz so schwarz wie seine Couch; aber so lang, dass seine schwarzen Unterschenkel fast die gesamte Breite des niedrigen Glastisches ausfüllten, auf den er seine Beine gelegt hatte.

    Über die Mattscheibe flimmerte ein Spiel der im vergangenen April abgelaufenen Saison: Die Dallas Mavericks gegen die New York Knicks. Es stand gerade 70 zu 65.

    Nigel wusste, dass die Mavericks gewinnen würden; selbst das exakte Ergebnis kannte er: 101:89. Es war das achte oder neunte Mal, dass er sich das Spiel ansah.

    Er zeichnete sämtliche Spiele der NBA mit dem Videorekorder auf. Und in der saisonfreien Zeit, also zwischen Anfang Mai und Ende September, sah er sie sich an, wieder und wieder.

    Er hatte sich damit abgefunden, nicht mehr persönlich in eines der amerikanischen Stadien reisen zu können, in denen er seine besten Jahre verbracht hatte.

    Seit fünfzehn Jahren lebte Nigel Cellery hier an der Südküste von New Brunswick in einem westlichen Vorort von Saint John. Zusammen mit seiner kanadischen Freundin. Bis zur Grenze der Vereinigten Staaten waren es nicht einmal fünfzig Meilen, aber Nigel fuhr so gut wie nie nach Maine hinüber.

    Zu gefährlich.

    Zwar hatte er sich zusammen mit der kanadischen Staatsbürgerschaft auch einen neuen Namen zugelegt, aber sein Gesicht mochte vielen Amerikanern noch aus seinen glorreichen Zeiten bekannt sein. Wenn einer der Grenzbeamten ihn identifizierte, würde Nigel Cellery unweigerlich ins Gefängnis wandern.

    Es gab ein paar Leute jenseits der Grenze, denen er eine Menge Geld schuldete.

    Scheinwerferkegel glitten über das mannshohe Schilfgras im Garten, über das Sprungbrett des Pools und die Hollywoodschaukel. Nigel nahm es nur flüchtig wahr. Die Autoscheinwerfer beunruhigten ihn nicht – es war zwar einsam hier draußen, aber ein paar Nachbarn hatte er doch. Und der Chefarzt, dessen Haus etwa zweihundert Meter von seinem entfernt lag, kam häufig erst zur späten Abendzeit aus der Klinik nach Hause.

    „Sehr gut! Nigel klatschte in die Hände. „Endlich mal ein sauberer Jump hook!

    Die Mavericks hatten gepunktet, durch ihren deutschen Flügelmann. Der über zwei Meter große Junge spielte seit drei Jahren bei Nigels ehemaligem Verein, ein schneller Bursche mit reichem Entwicklungspotential.

    Ihn beobachtete Nigel mit besonderem Interesse. Seiner Meinung nach müsste er noch an seinen Passfähigkeiten und seiner Wurftechnik arbeiten. Nigel wüsste schon, was er ihm sagen würde, wenn er sein Trainer wäre.

    War er aber nicht. Nigel war überhaupt niemandes Trainer. Dabei hätte ein Altstar wie er gute Chancen in diesem Geschäft.

    Die Saint John University zum Beispiel würde ihn mit Kusshand als Trainer ihrer Basketballmannschaft engagieren. Dazu müsste er allerdings seine Identität lüften; und regelmäßig zu Turnieren in die Staaten reisen. Und dort waren ein paar Klagen gegen ihn anhängig, wie gesagt.

    Außerdem war Nigel Cellery auf keinen Job angewiesen. Geld gehörte für ihn zu den Dingen, an die er sein ganzes Leben lang nicht mehr denken musste.

    Wenn ihn von Zeit zu Zeit die Lust auf Ball und Korb übermannte, fuhr er einfach nach Saint John hinein. In eines der Viertel, wo die ärmeren Leute wohnten. Dort – in Hinterhöfen, auf Sportplätzen – fanden sich immer ein paar Kids, die unter einem Korb mit einem Ball herumtobten.

    Die Werfer der Mavericks überrannten schon wieder die Abwehr der New York Knicks. Dem großen Jungen aus Germany gelang ein Millimeterpass vom rechten auf den linken Flügel, genau in die Hände seines Spielmachers, Clive Nash. Der legte zwei Riesenschritte hin, hob ab und Zack! Schon rotierte der Ball im Korb.

    „Prächtig! Nigel schnalzte mit der Zunge. „So muss das laufen!

    Draußen im Garten raschelte es im Gebüsch, ein Ast brach. Nigel griff zur Fernbedienung und drückte auf Pause. Das Standbild flimmerte über die Mattscheibe: Eine Pyramide aus schwarzen und weißen Männern und einem Basketballkorb.

    Nigel starrte durch die offene Terrassentür in den Garten hinaus.

    Etwas flog durch sein Blickfeld und klatschte in den Pool, etwas Großes, Orangefarbenes. Die Bewegungsmelder links und recht der Terrasse flammten auf, und Wasser spritzte über den Beckenrand.

    Blitzartig fuhr Nigel hoch. Sekundenlang stand er stocksteif. Die schwarze Stirn in hundert Falten gelegt, die Augen zu schmalen Schlitzen verengt lauschte er.

    5

    Der abendliche West Broadway war ein Strom aus Lichtern. Ich fuhr nach Greenwich hinein bis hinauf zum Washington Square Park. Die Straßentische vor dem „Blue Prince‟ waren alle besetzt.

    In diesem Bistro am Washington Square East hatten wir unser erstes Rendezvous gehabt, Linda und ich.

    Wehmütige Erinnerungen beschlichen mich.

    Kurze Zeit später parkte ich vor dem Bürohochhaus, in dem der Redaktionssitz der „Female‟ lag – so hieß Lindas Frauenmagazin. Ein lauer Wind fegte durch die Straßen. Ostwind – ein Vorbote schlechteren Wetters. Der Wetterbericht hatte ein Tief angekündigt, das die Ostküste vom Atlantik her heimsuchen würde.

    Die Aussicht auf drei verregnete erste Urlaubstage gefiel mir nicht. Nun gut – der September in den nordkanadischen Wäldern sollte angeblich mit schönem Wetter gesegnet sein; in der Regel. Ich war optimistisch.

    Mit dem Aufzug fuhr ich in den fünfzehnten Stock hinauf. Die Lifttür schob sich auseinander, es roch nach Zigarettenrauch und Kaffee. Vertrauter Duft – ich kam mir vor wie einer, der nach langer Zeit mal wieder zu Hause vorbeischaut.

    Und ein vertrautes Geräusch hörte ich: Eine klappernde Tastatur, eine einzige. Linda schien wie immer die letzte zu sein, die hier oben noch die Stellung hielt.

    Chefredakteurin, stand auf einem Schild neben ihrer Tür; und: Mrs. Linda McCain. Die Tür war angelehnt, ich klopfte.

    „Komm rein, Jesse."

    Ich konnte nichts dafür, aber mein Herz schlug schneller, als ich die Tür aufdrückte. Linda saß hinter einem Monitor. Ihr schönes, schmales Gesicht blickte mir neugierig entgegen. Noch immer die blonde Löwenmähne, noch immer die bernsteinfarbenen Augen. Und noch immer rauchte sie.

    „Setz dich. Sie nahm die Zigarette aus dem Mund. „Kaffee?

    Ich nickte und nahm auf einem Stuhl neben ihrem Schreibtisch Platz. Wie oft hatte ich auf diesem Stuhl gesessen! „Viel verändert hat sich nicht hier."

    „Sieht nicht so aus, was? Sie drehte ihren Sessel um, langte einen Porzellanbecher aus dem Regal hinter sich und schenkte mir Kaffee ein. „Manche Veränderungen sieht man nicht sofort.

    „Wie geht es dir?"

    Sie zuckte mit dem Schultern. „Danke. Nicht schlecht eigentlich. Und selbst?"

    Eine der Fragen, über die ich so gut wie nie nachdenke. „Gut, danke."

    Linda speicherte ihre Dateien und schaltete den Computer aus. Das Gespräch ging stockend hin und her. Für einen Smalltalk kannten wir uns zu gut, und zu persönlich wollte ich nicht werden – aus Furcht, alte Wunden aufzureißen. Ich vermutete, dass es ihr genauso ging.

    Zwischen Aschenbecher und Tastatur lag eine Schachtel Benson & Hedges. Sie bot mir eine an, und ich griff zu. „Hat dein Verleger noch immer nicht das Rauchen am Arbeitsplatz verboten?"

    „Der will gute Texte und ein Magazin, das sich verkauft. Linda gab mir Feuer. „Außerdem raucht er selbst.

    Eine Zeitlang rauchten wir schweigend. Sie musterte mich, als suchte sie vertraute Spuren in meinem Gesicht. „Du siehst gut aus, G-man; immer noch der alte."

    „Schon möglich. Manche Veränderung sieht man nicht sofort. Ich rang mir ein Grinsen ab. „Das Leben geht nicht spurlos an einem vorbei. Und eine Frau wie du schon gar nicht.

    Sie lächelte, ein wenig wehmütig fast. „Lass uns lieber zum Punkt kommen. Sie schnippte den Aschenkegel in den Aschenbecher. „Danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Die Frau heißt Caren Snyder, ich mache mir große Sorgen um sie.

    „Was ist das für eine Loch-im-Kopf-Geschichte, an der sie arbeitete?"

    „Eine Reportage im Basketball-Milieu."

    „Das klingt weder gefährlich, noch nach deinem Magazin, wunderte ich mich. „Ich dachte, die Female unterhält seine Leserinnen in erster Linie mit Sex und Lifestyle. Habt ihr das Konzept geändert?

    „Nein. Es ist eine Frauen-Story. Caren wollte über Frauen schreiben, die uneheliche Kinder von Basketballstars haben. Linda zog eine Schublade auf, griff hinein und reichte mir ein Foto. „Das ist auch schon fast alles, was ich weiß. Caren ist eine freie Journalistin, wie gesagt. Häufiger als ein Mal in der Woche war sie nicht in der Redaktion. Das meiste haben wir telefonisch abgeklärt.

    Eine junge Frau, höchstens fünfundzwanzig, lachte mir von dem Foto entgegen. Sie war blond und hatte eine niedliche Stupsnase. „Das ist sie?"

    „Das ist Caren Snyder. Neunundzwanzig Jahre alt. Gute Reporterin, ein bisschen verträumt, und manchmal auch ein bisschen leichtsinnig. Aber sehr gut. Sie wohnt in SoHo."

    „Gut und schön. Ich verstand immer noch nicht ganz. „Jetzt musst du mir noch erklären, was an Frauen, die Kinder mit Basketballern machen, so gefährlich ist.

    „Caren ist bedroht worden. Lindas Brauen wanderten nach oben. „Sie war ein paar Mal im Madison Square Garden. Dort trainieren die New York Knicks hin und wieder für die anstehende Saison. Natürlich hat sie dort ein paar von den Spielern interviewt, die auf ihrer Liste standen.

    „Was für eine Liste?"

    „Sie hat recherchiert – schon seit Monaten – und hat sich ein paar Spieler der NBA ausgeguckt. Stars, auf die die Groupies besonders scharf waren, und von denen Caren wusste, dass sie uneheliche Kinder von Groupies hatten."

    „Basketballmannschaften werden von Groupies begleitet? So wie Rockbands?"

    „Was denkst du, was sich da hinter den Kulissen abspielt. Linda grinste müde. „Hast du nie von Magic Johnson gehört? Der behauptet, mit tausend Frauen geschlafen zu haben. Anfang der Neunziger haben sie Aids bei ihm festgestellt.

    Ich erinnerte mich. „Der diese Aids-Stiftung gegründet hat?"

    „Korrekt. Und jetzt reist er durch die Staaten und warnt seine jungen Kollegen vor allzu wildem Sex."

    „Ups. Das Gefährliche an Caren Snyders Job ist also die Ansteckungsgefahr."

    „Quatsch! Eine Zornesfalte grub sich zwischen Lindas Brauen ein. „Mach keine dummen Witze, Jesse. Die Sache ist ernst. Nachdem Linda ein paar Mal im Madison Square Garden bei den Knicks war, rief ein Mann bei ihr an, mitten in der Nacht. Wenn sie gesund bleiben und in Frieden alt werden wolle, soll sie sich bei Basketballspielern nicht mehr blicken lassen.

    6

    Nigel holte eine Stablampe aus der Küche. Schon von seiner Couch aus leuchtete er durch die Terrassentür in den Garten hinaus. Nichts tat sich dort mehr. Auf seinem großen Flachbildschirm flimmerte noch immer die Spielertraube unter dem Basketballkorb.

    Nigel Cellery war kein Feigling, weiß Gott nicht. Aber seine Villa lag in einer abgelegenen Gegend, wie gesagt. Der nächste Nachbarjunge in dem Alter, in dem man Leuten tote Fische oder Feuerwerkskörper in den Swimmingpool wirft, wohnte fast vierhundert Meter entfernt.

    Schritt für Schritt bewegte Nigel sich auf die Terrassentür zu. Der Lichtkegel seiner Lampe wanderte über die Terrassenstühle, die Hollywoodschaukel, die Beckenränder und das Schilfgras hinter dem Pool. Nichts zu sehen, nichts zu hören.

    An sich hörte man selten von Einbrüchen in den Villengegenden am Stadtrand von Saint John. In den meisten Häusern gab es Hunde, und so gut wie alle waren mit Alarmanlagen gesichert.

    Nigel mochte keine Hunde. Allerdings war auch seine Villa mit einer Alarmanlage ausgestattet, mit einer ziemlich teuren sogar. Bloß schaltete Nigel sie nur ein, wenn er das Haus verließ.

    Er trat auf die Terrasse. Der Wind blies ihm unter den Saum seines Morgenmantels. Einen Augenblick spielte er mit dem Gedanken, in sein Schlafzimmer zu gehen und seine Beretta aus dem Nachttisch zu holen. Doch der Lichtstrahl seiner Lampe glitt schon über die Wasseroberfläche des Pools und erfasste etwas, das dort nicht hingehörte: Dunkle Schlieren, die sich durchs Wasser zogen.

    Nigel lief zum Pool und trat an den Beckenrand. Der Lampenschein bohrte sich durchs Wasser und fiel auf einen orangefarbenen Basketball. Er lag am blauen Grund des Beckens.

    Jemand hatte ihn aufgeschnitten, und aus den auseinanderklaffenden Rändern quoll eine rote, ölige Flüssigkeit.

    „Shit!" Im ersten Moment dachte Nigel an Blut, an was sonst? Aber es war eine Spur zu hell für Blut, und auch zu dick. Vielleicht Ketchup, oder eine Farbe. Rote Schlieren schwebten im Wasser und lösten sich nur langsam auf.

    Plötzlich kroch Nigel ein Gedanke ins Hirn, der ihm Angst machte. Der Gedanke, jemand könnte den Eindruck beabsichtigt haben, dass dort unten im Wasser Blut aus dem Basketball quoll.

    Er wollte sich umdrehen, um nach diesem jemand zu suchen. Aber etwas fuhr hart, scharf und schmerzhaft zwischen seine Schulterblätter. Er schrie auf, verlor das Gleichgewicht, und stürzte in seinen Swimmingpool.

    Wasser schlug über ihm zusammen. Reflexartig wollte er mit den Armen rudern, wie es jeder getan hätte, der schwimmen konnte. Doch der Schmerz im Rücken lähmte ihn schier. Er versank, schluckte Wasser, spürte den Beckengrund unter seinen Fußsohlen und stieß sich ab. Selbst das tat höllisch weh.

    Endlich tauchte er auf, drehte sich, und sah einen Burschen mit einem Spaten am Beckenrand stehen; einem Spaten aus Nigels Gartenwerkzeugschuppen. Der Kerl war ein Afro, wie Nigel selbst, und er trug einen frackartigen Mantel aus schwarzem Leder, eine Wollmütze und eine altmodische Brille.

    Nigel versank erneut, schluckte wieder Wasser, stieß sich noch einmal vom Grund ab. „Ich sauf’ ab!", brüllte er, als er zum zweiten Mal auftauchte. Der Bursche mit dem Spaten stand breitbeinig und beobachtete ihn neugierig. Die Außenbeleuchtung reflektierte sich in seinem kurzen, fettigen Kraushaar und warf seinen langen Schatten auf Nigel.

    Untertauchten, Wasser schlucken, abstoßen, auftauchen – der Pool war nicht sehr breit, und irgendwie schaffte Nigel es auf diese Weise bis an den Beckenrand.

    Er legte die Hände auf die Marmorfliesen des Beckenrandes, eine Bewegung, die er mit unsagbaren Schmerzen bezahlte. Der Bursche mit dem Spaten trat auf seine Hände und blickte auf ihn herab. Etwas in seinem Gesicht kam Nigel vertraut vor, so vertraut, dass ihm der Atem stockte.

    „Himmel, Junge ... Hilf mir raus, um Gottes Willen, hilf mir raus!"

    Der Bursche hob den Spaten und stieß zu, wieder und wieder

    7

    „Am nächsten Morgen rief sie bei mir an. Sie war ganz aus dem Häuschen, richtig aufgekratzt. Linda drückte ihre Zigarette aus. „Ruf die Polizei an und lass die Finger von der Story, sagte ich zu ihr. Aber Caren ist eine Anfängerin, weißt du? Und ein kleiner Trotzkopf dazu.

    Linda seufzte und schüttelte ihre blonde Mähne. Sie schien sich Vorwürfe zu machen. „Dass jemand sie bedrohte, empfand Caren als eine Art Anerkennung, als Bestätigung, wenn du verstehst, was ich meine. Ich bin einer heißen Geschichte auf der Spur, sagte sie, da gebe ich doch nicht auf halbem Wege auf! Kurz: Die Drohung bewirkte bei ihr so eine Art Jetzt-erst-Recht-Effekt. Typisch für Anfänger."

    „Hast du irgendeine Erklärung für die Morddrohung? Lindas Schilderung machte mich ein wenig ratlos. „Ich meine – eine Journalistin unterhält sich mit Basketballern, fragt sie wahrscheinlich nach ihren unehelichen Kindern und so weiter – okay, war den Sportlern vermutlich peinlich. Aber warum sollte jemand in der Szene gleich derart nervös werden, dass er die Frau mit Morddrohungen unter Druck setzt?

    Linda zuckte mit den Schultern. „Ich hab nach Carens Anruf meine Quellen in der New York Post und der New York Times angezapft. Gute Freundinnen von mir arbeiten da."

    Sie zündete sich die nächste Zigarette an. O, Baby, dachte ich, du rauchst ja noch immer Kette. Daran hatte sich jedenfalls nichts geändert.

    „Du glaubst gar nicht, wie viele Basketballer mit X unehelichen Kindern von X Frauen es gibt. Wahrscheinlich weißt du, wie gut diese Leute verdienen, die könnten hundert Kinder großziehen und auf die Universität schicken, wenn sie wollten. Aber nicht alle wollen für ihre Dummheit zahlen. Zur Zeit sind über ein Dutzend Unterhaltsklagen gegen Basketballer in den Vereinigten Staaten anhängig."

    „Donnerwetter!"

    „Du solltest mehr Boulevard-Blätter lesen, G-man. Dann wüsstest du zum Beispiel, dass das Durchschnittsgehalt in der NBA zur Zeit bei etwas mehr als vier Millionen Dollar im Jahr liegt. Und da in unserem Land die Höhe des Kindesunterhalts vom Einkommen des Vaters abhängt, kommt leicht ein fünfstelliger Betrag pro Kind und Monat zusammen."

    Ich pfiff durch die Zähne. „Die Mütter dieser Kinder brauchen sich also keine Sorgen zu machen?"

    „Keine Sorgen?! Linda lachte. „Die beziehen Einkommen, von denen unsereiner nur träumen kann! Und so was spricht sich ’rum, verstehst du?

    „Du meinst ...? Allmählich begriff ich, warum ein Frauenmagazin wie das „Female‟ sich für so ein Thema interessierte. „Willst du damit etwa sagen, dass manche Groupies ... Ich meine, dass manche Frauen absichtlich ...

    „Na endlich! Mister G-man kapiert langsam. Linda winkte ab. „Caren hat mir Stories erzählt, da schnallst du ab. Von Frauen, die den naiven Jungs durchstochene Kondome offerieren, bevor es zur Sache geht, von Frauen, die gebrauchte Kondome ihrer Stars einfrieren, bis sie ihre fruchtbaren Tage kriegen, und so weiter, und so weiter. Nun ja, und das lässt sich natürlich nicht jeder Mann gefallen.

    „Klingt ein bisschen nach Stoff für eine Seifenoper." Ich staunte nicht schlecht.

    „Wie gesagt, lies öfter mal ein Boulevardblatt. Linda zog eine Schublade auf und holte eine Minikassette heraus. „Im Übrigen bietet das halbe Leben Stoff für Seifenopern.

    „Das Band mit Caren Snyders Nachricht?" Ich deutete auf die Kassette in ihrer Hand.

    „Richtig. Linda legte sie in ein Diktiergerät. „Zum Glück benutze ich noch einen analogen Anrufbeantworter aus dem letzten Jahrhundert. Auch das war typisch für sie: Ob Fernseher, Musikanlage oder Staubsauger – nur, was wirklich nicht mehr zu reparieren war, warf sie weg.

    So ähnlich war sie auch mit unserer Beziehung umgegangen. Wie oft hatten wir es noch einmal versucht, wieder und wieder. Ich hatte andere Frauen gehabt, Frauen, die früher aufgegeben hatten. Die Erinnerung an Lindas hartnäckige Liebe schnürte mir das Herz zusammen. Ich verdrängte das Gefühl und konzentrierte mich auf das Band.

    „Hör gut zu, Jesse." Sie spulte das Band ein Stück zurück und drückte dann auf Play. Ich drückte meine Zigarette aus.

    Es rauschte, ein Piepton ertönte, und schließlich eine hohe Frauenstimme, „Caren hier, ich komme gerade von einem Interview! Mit einem der Typen, die ich erwähnt habe ... Die Frau sprach schnell und irgendwie atemlos, im Hintergrund hörte man einen Wagen vorbeifahren. „... ein Verrückter, ehrlich wahr, ein richtiger Freak! Stell dir vor, was der Typ behauptet: Am dreizehnten September will er ...

    Bremsen quietschten im Hintergrund, dann ein paar undefinierbare Geräusche, die Stimme stieß ein erschrockenes Seufzen aus, wie jemand, dem der Atem stockt, während er gerade einatmen will. Irgendetwas krachte, irgendetwas raschelte, die Verbindung riss ab.

    Ich starrte das Diktiergerät an. „Das klingt nicht gut, das klingt ganz und gar nicht gut."

    Lindas Züge waren hart, ihre Augen schmal geworden; schmal und feucht. Angst und Entsetzen hatte sie gepackt, das sah ich ihr an."

    „Was waren das für Typen, die sie erwähnt hat?"

    „Ich glaub, sie hat ein paar uneheliche Kinder von Basketballspielern ausfindig gemacht, genau weiß ich es selbst nicht."

    „Um wie viel Uhr rief sie an?"

    „Keine Ahnung. Linda hob die Schultern und schnitt eine bedauernde Miene. „Ein altes Ding, mein Anrufbeantworter, wie gesagt; einer, der die Nachrichten ohne Zeitangabe aufnimmt. Ich habe ihn am Sonntag gegen fünf Uhr Nachmittag von zu Hause aus abgehört. Um die Zeit hatte sie noch nicht angerufen. Und dann leider erst wieder am Montagmorgen, kurz nach zehn, als ich in die Redaktion kam. Und dann hörte ich ihre Nachricht.

    Ungefragt griff ich zu ihren Benson & Hedges, Linda gab mir Feuer. „Noch mal."

    Sie spulte zurück und spielte Caren Snyders letzte Nachricht ein zweites Mal ab. „Caren hier, ich komme gerade von einem Interview! Mit einem der Typen ..." Ich achtete auf das Motorengeräusch, je näher es rückte, desto gehetzter sprach die Frau. Irgendwann veränderte es sich, wurde leiser, klang höher, näherte sich erneut.

    „... stell dir vor, was der Typ behauptet: Am dreizehnten September will er ..." Aus den vielen Geräuschen kurz vor der Unterbrechung glaubte ich Schritte und einen Schlag heraus zu hören.

    „Gib mir das Band mit, wir haben ein paar Stimmenspezialisten in der Federal Plaza." Mir fiel ein, dass ich mein FBI-Office erst in viereinhalb Wochen wieder betreten wollte.

    Linda holte die Kassette aus dem Diktaphon. „Der dreizehnte September ist übermorgen, der Freitag."

    Das wusste ich auch so. Seit Monaten wusste ich, was für ein Wochentag der dreizehnte September sein würde. Schließlich wollte ich am vierzehnten, am Samstag, nach Thompson, Kanada fliegen.

    8

    Rockets Jungs tobten in der Halle herum. Vier oder fünf Bälle flogen durch die Gegend, klatschten gegen die Hallenwände und die Brüstung der Empore, von der aus Rocket dem Treiben seiner Mannschaft zusah: Ein chaotisches Hin-und-Her war das, ein Gebrüll und Gelächter, so richtig nach Rockets Geschmack. Manchmal rauschten drei Bälle kurz nacheinander ins Netz.

    Es war kein reguläres Training, was sich da unten in der Trainingshalle der New York Knicks abspielte. „Tobt euch aus", hatte Rocket seinen Jungs gesagt. Ein Fototermin stand an, der Sponsor wollte Werbebilder machen und verlangte Spieler, die entspannt und topfit aussahen.

    Die Hallentür öffnete sich, ein Mann in weißen Jeans und mit weißem T-Shirt erschien im Türrahmen – der Chef der Werbeagentur. Er fuchtelte mit einem Stapel Papier zu Rocket hinauf und deutete auf die Uhr.

    Rocket beugte sich über das Geländer. „Kommt zum Ende, Jungs! Noch fünf Minuten!"

    Die zurückliegende Saison hatten die New York Knicks gründlich in den Sand gesetzt. Rocket hatte fünf neue Leute in die Mannschaft geholt, und nach der Sommerpause war das Training verheißungsvoll gelaufen. Doch die Anspannung angesichts der bevorstehenden Testspiele und der in zwei Wochen beginnenden Saison zerrte allen an den Nerven. Gut, wenn die Jungs sich ein wenig abreagierten vor so einem wichtigen Fototermin.

    Meistens hingen die Augen des schwarzen Coachs an einem hageren Athleten mit einem Rastazopf und einem halben Dutzend Ringen in jedem Ohr: Randy Stafford, einer von vielen Söhnen Rockets. Aber der einzige, der in die Fußstapfen seines Vaters trat. Und fast der einzige, den er mehr oder weniger regelmäßig zu Gesicht bekam.

    Rocket war stolz auf Randy. Manchmal, wenn er den Einundzwanzigjährigen durch die Halle flitzen und mit dem Ball zaubern sah, musste er an den Beginn seiner eigenen Karriere denken. War er nicht genauso schnell, so zielsicher und genauso bedingungslos in den Sieg verliebt gewesen wie Randy?

    Die New York Knicks hatten Randy am Ende der vorletzten Saison den Washington Wizards abgekauft. Für eine horrende Summe, die nur dem engsten Führungskreis der Beteiligten bekannt war.

    Rocket hatte auf den Erwerb des wurfstarken Flügelstürmers gedrungen. Der Junge musste also was bringen, Rockets Ruf als Trainer stand auf dem Spiel. Aber der Coach zweifelte nicht daran, dass die Investition sich auszahlen würde.

    „Okay, Jungs!, brüllte er von der Empore hinunter. „Macht Schluss! Wir sammeln uns auf der Treppe vor der Halle!

    Er stieß sich vom Geländer ab und schlenderte über die Empore, vorbei an den Umkleidekabinen und Duschen bis zur Treppe. Rocket war zuversichtlich: Er hatte eine kampfstarke und technisch versierte Mannschaft zusammengeschmiedet. Die New York Knicks brauchten sich nicht zu verstecken. Vor den Testspielen der nächsten Wochen nicht, und auch nicht vor der neuen Saison. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn sie es diesmal nicht in die Playoff-Runde schafften.

    „Na los, raus mit euch!" Mit beiden Armen rudernd durchquerte er die Halle und steuerte den Ausgang an. Ein halbes Dutzend seiner Spieler rangelten am linken Korb noch immer um einen Ball. Natürlich war Randy unter ihnen. Verspielt, wie ein junger Hund, der Bursche.

    „Bis du taub, Randy!?, brüllte Rocket. „Weg mit dem Ball! Raus auf die Treppe! Jede Minute kostet uns Geld!

    Schon von der Halle aus hörte er den Applaus, das Gekreische und Gebrüll der Fans, vorwiegend weibliche Stimmen. Als Rocket hinaus auf die Vortreppe trat, schwollen Applaus und Geschrei an. „Rocket! Rocket! Rocket!", skandierte ein Chor weiblicher Fans.

    Der schwarze Coach winkte nach allen Seiten. Schon sieben Jahre her, dass er vom Spielfeld auf die Trainerbank wechselte, aber noch immer liebten ihn seine Anhänger. Missmutig registrierte er, dass die Hälfte seiner Jungs an den Zäunen bei den Fans klebte und Autogramme verteilte, statt sich auf der Treppe zu sammeln.

    Der Direktor der Werbeagentur sprang im Viereck. „Bitte, William, bitte! Bring endlich Ordnung in diesen Saustall! Ich hab noch ein paar andere Termine heute!"

    Mit richtigem Namen hieß Rocket William Stafford. Doch so nannten ihn nicht einmal der ehemalige Bürgermeister, oder die Cops, wenn er sich mit ihnen wegen seiner zahlreichen Strafmandate für überhöhte Geschwindigkeit oder falschen Parkens stritt.

    Nur die Anwälte gewisser Frauen, die Finanzbehörde und der Familienrichter des Bezirksgerichts Manhattan sprachen ihn mit „Mr. Stafford‟ oder „William Stafford‟ an. Und eben diese Pappnase von den Werbefritzen.

    Sonst nannte jeder, der ihn kannte, ihn Rocket. Jeder, der auch nur einen blassen Schimmer von seinen glorreichen Zeiten bei den Chicago Bulls und den Denver Nuggets hatte, als er am Korb höher stieg, als jeder andere; Rocket – Rakete.

    Er ließ ein paar wüste Flüche vom Stapel, sein Gebrüll schallte über den Vorplatz der Halle, und endlich bequemten sich seine Jungs zur Treppe. Der Mann von der Agentur wies jedem den Platz zu, den er auf einem seiner Papiere eingezeichnet hatte.

    Und schließlich verließen auch die letzten Spieler die Halle. Noch einmal Applaus und kreischendes Geschrei, als Randy über die Schwelle trat. Er riss die Arme hoch, winkte seinen Verehrerinnen zu, und machte Anstalten zum Zaun zu laufen.

    Rocket hielt ihn am Arm fest und zog ihn zu seinem Platz auf der Treppe. „Bleib mir bloß von den Weibern weg, Junge!"

    Die Kameramänner hatten längst Stellung bezogen, Scheinwerfer flammten auf, hinter dem Zaun zuckten Blitzlichter. Der Werbefritze schrie und fuchtelte, bis auch der letzte Spieler an dem Platz stand, den er in seiner unergründlichen Weisheit für ihn bestimmt hatte.

    Und plötzlich flog ein Ball in die Menge der Spieler. Der kleine Sohn eines Fotografen hatte ihn geworfen. Und wer fing ihn und warf ihn in hohem Bogen aus der fotogenen Spielerstaffel in einen der Körbe am Zaun? Randy Stafford natürlich, wer sonst, und wieder brüllte die Menge der Fans hinter dem Zaun.

    „Kindskopf!", rief Rocket. Er musste sich Mühe geben, wütend zu klingen, denn der Wurf gefiel ihm. Was für ein Junge! Sein Fleisch und Blut, verdammt noch mal!

    Endlich kehrte ein bisschen Ruhe ein, die Fotografen konnten ihren Job machen. Nach zehn Minuten war alles vorbei.

    Die geordnete Spielerstaffel auf der Treppe löste sich auf, einige der Jungs winkten und liefen in die Halle zurück, andere gingen zu den Fans an den Zäunen.

    Ein paar Sicherheitsleute öffneten eines der Tore am Zaun. Rocket erkannte seinen Manager bei ihnen, der winkte ihn zu sich. Die Presse wollte ein paar Extra-Krümel von der Fotosession abbekommen; nichts Besonderes, gehörte zum Geschäft. Im Laufschritt eilte der Coach zu seinem Manager.

    Blitzlichter zuckten, ein halbes Dutzend Mikrofone schwebten plötzlich vor Rockets Gesicht, und die Reporter schossen die üblichen Fragen ab: „Wie lief das Training? – „Haben sich die Neuen in die Mannschaft integriert? – „Wie stehen die Chancen für die Testspiele?", und so weiter, und so weiter.

    Rocket antwortete brav, streute ein paar Scherze ein, wie man es von ihm erwartete, behauptete, die New York Knicks würden sich in der kommenden Saison so stark präsentieren, dass den Konkurrenten aus der NBA noch die Ohren klingeln würden.

    Hinter den Reportern drängten sich die Fans, ein einziger Mann war darunter, und nur deswegen fiel der Kerl mit der Wollmütze und der komischen Brille Rocket überhaupt auf. Ein einziger Kerl unter all den Weibern.

    Warum glotzte der Bursche ihn unentwegt an? Und was für Augen der hatte – Augen wie stumpfe Glasmurmeln. War der Kerl bekifft?

    Plötzlich tauchte Randy neben dem Coach auf, augenblicklich stürzten sich die Reporter auf ihn. Wie er sich fühle in New York City, ob er sich mit einem Coach vertrage, mit dem er verwandt ist, und ob er stolz sei, unter seinem berühmten Vater trainieren und spielen zu dürfen.

    „Natürlich ist er stolz! Und ich erst! Rocket legte den Arm um die Schulter seines Sohnes. „Neben der Meisterschaft mit den Bulls ist er das Beste, was ich je an Qualität abgeliefert hab!

    Natürlich hatte er die Lacher auf seiner Seite, und die Schlagzeilen der Boulevardblätter für den nächsten Tag standen fest. Gekreische unter den weiblichen Fans, Autogrammkarten streckten sich Randy entgegen.

    Auch der Afro mit der Wollmütze und der Brille wollte ein Autogramm. Von Vater und Sohn. Rocket unterschrieb sein Konterfei widerwillig.

    Der Kerl trug einen lächerlichen Lederfrack, stank nach altem Schweiß, und war eher grau als schwarz im Gesicht. Als hätte er einen Marathonlauf hinter sich; oder einen Horrortrip. Und wie er Rocket und Randy mit seinem stechenden Blick durchbohrte ...

    „Hab ein Auge auf die Schwuchtel mit der Brille", raunte Rocket einem der Sicherheitsleute zu.

    Warum warnte ihn sein Instinkt vor diesem Kerl? Ein Privatschnüffler womöglich? Arbeiteten Suzy, Kathleen und Martha jetzt mit Detektiven? Oder war er der Reporter einer dieser Klugscheißer-Zeitungen? Doch warum stellte er dann keine gottverdammten Fragen?

    Junge Mädchen begrapschten Randy und drohten ihn zu einzukesseln. Ein Meer von Autogrammkarten streckte sich ihm entgegen. Die Sicherheitsleute drängten die Frauen ab.

    Rocket zog seinen Sohn von der Menge weg zur Halle zurück. „Sei bloß vorsichtig mit den Weibern, Junge, brummte er. „Ich kann’s dir nicht oft genug sagen.

    Er sah zurück. Der Kerl mit der Wollmütze und dem Lederfrack stand noch immer neben dem Tor und klammerte sich am Zaun fest. Als könnte er sich nicht satt sehen, glotzte er Rocket und Randy an.

    „Gefällt mir nicht, der Wichser", knurrte der Coach.

    „Was sagst du, Dad?"

    „Du sollst dich vor den Weibern hüten!"

    9

    Glück gehabt: Der Regen zog nach Süden ab, strahlend blauer Spätsommerhimmel über Manhattan am Donnerstagvormittag. Wenigstens das.

    Ansonsten begann mein erster Urlaubstag stressiger, als ich es mir gewünscht hätte. Für zwölf Uhr war ich mit Linda vor Caren Snyders Apartment verabredet, sie wollte versuchen, einen Schlüssel zu besorgen.

    Ich stand also früh auf und versuchte die nötigen Besorgungen in die Zeit zwischen neun und zwölf zu pressen. Ein neuer Schlafsack musste her, Kochgeschirr, eine robuste Thermojacke, Filme für meine Kamera, und dergleichen. In meiner Branche kommt man selten zum Einkaufen.

    Am Abend zuvor hatte ich die Cops des 1. Polizeireviers angerufen. Das Erste ist für SoHo zuständig.

    Linda hatte mich darum gebeten; sie glaubte, es würde den uniformierten Kollegen ein wenig Dampf machen, wenn außer ihr noch ein Special Agent wegen Caren zum Telefon griff.

    Wenn sie sich da mal nicht täuschte. Aber wie gesagt: Ich rief an, und die Cops nahmen den Anruf zu Protokoll. Was tut man nicht alles für alte Freundinnen.

    Das meiste konnte ich bei Macy’s besorgen. Es war halb zwölf, als ich aus der Tiefgarage des Kaufhauses fuhr und meinen Sportwagen über die 7th Avenue nach Süden Richtung SoHo steuerte.

    Wahrscheinlich wäre es vernünftiger gewesen, die Subway zu nehmen, aber ich wollte vor meinem Abflug nach Thompson so viel Zeit wie möglich mit meinem Sportwagen verbringen.

    Albern? Schon möglich, aber jeder hat seine Vorlieben; und seinen ganz speziellen Spleen.

    Jedenfalls dauerte es seine Zeit, bis ich mich an der chronischen Rushhour vorbei nach SoHo und in die Walker Street gemogelt hatte. Dort wohnte Caren in einem jener alten Häuser mit den berühmten gusseisernen Fassaden. Ich könnte nicht in einem Haus aus Eisen wohnen. Aber gut, Geschmackssache.

    Linda wartete schon vor dem Hauseingang. Natürlich sah sie auf die Uhr, als ich meinen roten Freund auf der anderen Straßenseite in eine Parklücke rangierte. Sie selbst war wie immer mit der U-Bahn unterwegs.

    „Hast du die Cops angerufen?" Sie zog den Schlüssel aus der Tasche.

    „Ja. Du auch?" Wir liefen das Treppenhaus hinauf. Carens Apartment lag im dritten Obergeschoss.

    „Was glaubst du? Sie haben zumindest eine Vermisstenanzeige aufgenommen. Und bei dir?"

    „So ähnlich. Wo hast du den Schlüssel her?"

    „Von ihrem Lover."

    „Sie hat einen Freund? Wie verkraftet der die Sache?"

    Endlich standen wir vor der Apartmenttür. Linda schloss auf. „Ist fix und fertig. Telefoniert gerade sämtliche Verwandten und Freunde durch. Und will danach auch zur Polizei gehen."

    Sie schloss die Apartment-Tür hinter uns und ging gezielt ging auf eine Zimmertür zu, die nur angelehnt war. Dahinter: Carens Arbeitsraum. Linda schien nicht zum ersten Mal hier zu sein.

    „Wie gehen wir vor? Linda betrachtete das Chaos auf dem Schreibtisch. Papiere lagen kreuz und quer über aufgeschlagenen Magazinen; Bücher stapelten sich neben dem Monitor, Notizblöcke vor der Tastatur. „Hausdurchsuchungen gehören doch zu deinem täglichen Brot.

    Ich griff nach einem der Notizbücher. „Zu meinem täglichen glücklicherweise nicht. Übernimm du den Computer, ich sichte die Papierkatastrophe."

    Linda zog sich den Schreibtischsessel heran, zündete sich eine Zigarette an und fuhr den PC hoch. Ich nahm mir Notiz- und Adressbücher vor. Wir arbeiteten schweigend und konzentriert.

    Hunderte von Adressen fand ich, doch wie sollten wir die herausfiltern, die im Zusammenhang mit Carens Story standen? Ich suchte den Schreibtisch nach einem Kalender ab, nichts.

    Dafür ein Zettel mit den Initialen M.S. und einem Datum dahinter. „Hier, ich zeigte Linda die Notiz. „Achter September – das war der Sonntag. Sagt dir das Datum was?

    Linda starrte den Zettel an. „Und ob! Carens Nachricht auf meinem Anrufbeantworter – die stammt von Sonntagabend!"

    „Ein Anhaltspunkt, immerhin. Finden wir also heraus wer sich hinter M.S. verbirgt."

    Weiter – Linda durchforstete die Dateien auf Carens Festplatte, ich das Durcheinander auf ihrem Schreibtisch.

    Ein Buch fiel mir in die Hände: Die Biografie eines Basketballers – Magic Johnson, My Life.

    Mit den aufgeschlagenen Seiten nach unten lag es auf losen, vollgekritzelten Blättern. Ich nahm es hoch, eine mit rotem Marker eingefärbte Passage fiel mir ins Auge.

    „Die Lebenserinnerungen von Magic Johnson. Hör dir das an." Ich las vor.

    „... sie lud ihn zu sich nach Hause und bat ihn, als Gegenleistung für diese Nacht signierte Basketballschuhe mitzubringen. Als sie dann ihren Schrank öffnete, um die Schuhe hineinzustellen, fiel der Kerl fast in Ohnmacht. Da standen ungefähr einhundert Paar Schuhe, alle signiert und alphabetisch geordnet ..."

    Ich klappte das Buch zu und musste lachen. „Dichtung und Wahrheit – wie weit liegen die bei Johnson wohl auseinander?"

    „Überhaupt nicht, sagte Linda trocken. „Außerdem kapier ich nicht, was daran so witzig sein soll.

    Das Blatt, auf dem das Buch gelegen hatte, war mit zwei Namen überschrieben, die mich neugierig machten: New York Knicks und Rocket. Ich sah es mir genauer an. Ein paar Daten über den Coach des New Yorker NBA-Teams waren relativ gut lesbar aufgelistet: Alter, Stationen seiner Karriere, Anzahl der Kinder, und so weiter.

    „Ein Art Dossier über Rocket."

    „Rocket? Linda runzelte die Stirn. „Keine Ahnung.

    „Ein in die Jahre gekommener Basketballstar, trainiert unsere Mannschaft, heißt mit richtigem Namen William Stafford. Soll angeblich vier uneheliche Kinder haben und nur für eins zahlen. Das steht hier jedenfalls. Hat drei Vaterschaftsklagen am Hals. Hier sind die Namen der Mütter aufgelistet ..."

    Ich ging die Namen durch: Suzy Bradley, Kathleen Hornfield, Martha Spencer. „Martha Spencer – M.S.; gib den Namen mal in ein Suchprogramm ein."

    „Gut, G-man, sehr gut. Steck das Papier ein." Lindas Finger flogen über die Tastatur.

    „Geht nicht. Ich bin privat hier, der Fall geht das FBI nichts an. Ich sah mich nach einem Scanner um und fand einen kleinen Kopierer. „Ich kann den uniformierten Kollegen keine Beweismittel wegnehmen. Ist so schon hart an der Grenze, was ich hier treibe. Ich warf den Kopierer an und ließ das Notizblatt durchlaufen."

    „Treffer! Linda klatschte in die Hände. „Martha Spencer, mit Adresse und Telefonnummer! Sie kritzelte die Daten in ihr eigenes Notizbuch. „Eine Adresse in Bedford-Stuyvesant. Ich ruf gleich mal an." Sie drückte ihre Zigarette aus und griff nach Carens Telefon.

    „Halt!" Ich lief zu ihr und legte meine Hand auf ihre und das Telefon. Für einen Moment sahen wir uns an. Bis jetzt hatten wir es vermieden, und zu nahe zu kommen, und plötzlich diese unverhoffte Berührung. Ganz still war sie auf einmal, sah mich einfach nur aus ihren bernsteinfarbenen Augen an. Und ich fühlte die Wärme ihrer Haut unter meiner Hand.

    Ich hätte sie gern geküsst.

    „Lass den Hörer, wo er ist, sagte ich stattdessen. „Wir fahren hin.

    10

    Der vierte Tag ihrer Gefangenschaft. Zusammengekauert lag sie auf der Matratze und starrte die Tür an. Ihre Handgelenke schmerzten, Durst quälte sie, Bilder des Schreckens marterten ihr Hirn.

    Die Tür – bald würde sie einer aufschließen; bald würde einer eintreten, und der Schrecken würde Wirklichkeit werden.

    Der vierte Tag eines Albtraums, den Caren bislang nur in Filmen für möglich gehalten hatte.

    Der Wind wehte Fetzen von Musik und Stimmen zum Bretterverschlag vor ihrem Fenster hinauf. Irgendwo da draußen auf dem Hinterhof hielten sich wieder Kids auf.

    Gott, wenn sie nur schreien könnte! Ihre Kiefergelenke waren steif von dem Knebel, ihre Mundwinkel brannten.

    Vielleicht hätte sie es geschafft, den Knebel mit der Zunge herauszudrücken, aber sie wagte es nicht. Und selbst wenn es ihr gelänge – sie würde auch nicht wagen, um Hilfe zu rufen. Die Angst knebelte sie weit wirkungsvoller, als die Handschellen und das Stück Stoff in ihrem Mund.

    Angst war die Gefährtin der zurückliegenden Nacht gewesen; Angst die Begleiterin durch die ersten Stunden dieses Tages.

    Die Tür verschwamm vor ihren Augen. Sie kniff die Lider zusammen und starrte sie weiter an.

    Als wollte sie diese Tür beschwören, als könnte sie allein durch ihren Blick erreichen, dass nicht ihr Peiniger den halbdunklen Raum betrat, nicht der Widerling mit dem kurzen Kraushaar, der Brille und den erbarmungslosen Augen.

    Mach, dass der andere kommt, lieber Jesus, mach dass der Freak kommt, bitte, bitte ...

    Einer von beiden musste ja kommen, ganz bestimmt. War es nicht längst Mittagszeit? O Gott, dieser Durst! Sie stöhnte, drehte den Kopf, spähte zum Babyphon hinauf, stöhnte lauter.

    Halt! Nicht stöhnen, ganz still halten! Der Widerling mit der Brille, es könnte ihn reizen. Wie hieß er? Terry, richtig. Ganz still halten, warten, warten, warten.

    Irgendwann Schritte draußen vor der Tür. Caren hielt den Atem an. Schlüssel klimperten, Metall schabte gegen Metall. Caren riss die Augen auf und schluckte. Das Schloss schnappte auf, die Tür öffnete sich. Caren zitterte.

    Und dann stand er im Türrahmen: Groß, schwarz, mit jenem halb irren, halb engelhaften Lächeln auf dem schmalen Gesicht – der Freak mit dem gelb-blonden Kraushaar.

    Caren kniff die Augen zu und schluchzte erbärmlich. Die Erleichterung trieb ihr die Tränen aus den Augen.

    „Was ist mit dir, Caren? Der Freak schloss hinter ihr ab. Er hatte eine Stofftasche dabei, die stellte er neben ihrer Matratze ab. „Ich komm spät, ich weiß.

    Er setzte sich zu Caren auf die Matratze, schloss ihre Handschellen auf, und zog ihr den Knebel

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