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Freiheit ist nicht kostenlos

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Freiheit ist nicht kostenlos

Länge:
398 Seiten
5 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
28. Feb. 2021
ISBN:
9791220109321
Format:
Buch

Beschreibung

Ohne Antiamerikanismus, Islamophobie und „German Angst“ nimmt der Autor eine direkte und tiefe Darstellung von politischen und militärischen Ereignissen im Nahen Osten vor. Er nimmt eine Situation unter die Lupe, welche durch die Flüchtlingskrise direkte Auswirkung auf Deutschland und den Westen hat. Er untersucht die hiesigen Ursachen und Auswirkungen und parallel dazu die Situation im Nahen Osten und die Lage vor Ort, besonders der Kurden. 
Aktuell gibt es in Deutschland etwa eine Million Kurden, die aber alle als „Türken“, „Syrer“, „Iraner“ oder „Iraker“ bezeichnet werden, dem Mentalitäts- und Kulturunterschied zum Trotz. Viele Kurden identifizieren sich nicht mit den Herkunftsländern, in denen sie verfolgt oder benachteiligt werden und wo man versucht, ihre nationale Identität auszulöschen. Im Nahen Osten leben sie in Staaten, in denen Diktatoren als Gewaltherrscher morden. 
Im Westen und in Deutschland möchte man diese Themen am liebsten vergessen. Das lange Wegsehen des Westens und Deutschlands beim Völkermord an den Jesiden ist ein trauriges Beispiel. Das Buch widmet sich ferner politischen Netzwerken, journalistischem Versagen und der Ausstrahlung von jahrelangen ungelösten Konflikten, welche Saudi-Arabien und der Iran vom Zaun gebrochen haben und die man gern den USA und den Westen in die Schuhe schiebt.

Bernd Wohlgut, Jahrgang 1968, lebt in der ostbayerischen Oberpfalz. Er arbeitete 20 Jahre in der regionalen Wirtschaft, vor allem in der Glas- und Porzellanindustrie im internationalen Vertrieb, bevor er im Mai 2006 als Zivilangestellter zur US-Armee am Truppenübungsplatz Grafenwöhr wechselte. Durch den Kontakt mit US-Soldaten, ihren Erzählungen und die unterschiedliche Darstellung der politischen und militärischen Ereignisse in den deutschen Medien begann er selbst zur Zeitgeschichte zu recherchieren. Seine ersten Recherche-Auslandsreisen führten ihn 2011 nach Afghanistan und 2012 nach Pakistan. Weitere Reisen in die Türkei, Jordanien und in den Sudan sowie jeweils mehrere Reisen in den Irak und nach Äthiopien folgten, neben Gesprächen mit vielen lokalen Gesprächspartnern auch ein Besuch der Front gegen den IS mit der kurdischen „Tiger-Brigade“. 
Seine Erlebnisse und Erkenntnisse der letzten 10 Jahre hat er in mehreren Sachbüchern veröffentlicht, ferner ist er als Redner bei Vorträgen und Seminaren tätig.
Herausgeber:
Freigegeben:
28. Feb. 2021
ISBN:
9791220109321
Format:
Buch

Über den Autor


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Freiheit ist nicht kostenlos - Bernd Wohlgut

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Von Autor zu Leser

Ein Witz lautet: „Welches Land gibt es nicht bei Wikipedia? – Kurdistan. In der Tat, die Kurden sind das größte Volk, welches nicht in einem eigenen Staat leben kann. Das Land „Kurdistan ist heute aufgeteilt zwischen der Türkei, Syrien, dem Irak und dem Iran. Man könnte auch sagen es sind die Hauptherkunftsgebiete der Flüchtlinge in der Krise der Jahre 2015 und 2016. Zu Kurdistan und den Hintergründen der Flüchtlingskrise, zur Situation in deren Herkunftsländern für eine Publikation zu recherchieren hat mich schnell fasziniert.

Dabei ist die Rolle des Publizisten eine dankbare Rolle, da man sich die Themen in der Regel selbst aussuchen kann, mit denen man sich beschäftigt. Auch ist man frei den dafür als notwendig erachteten Zeitrahmen selbst fest zu legen.

Im Gegensatz dazu hat es die Globalisierung mit sich gebracht, dass sich heutige Parlamentarier in den Ausschüssen mit einer ganzen Palette von hochkomplexen Aufgaben und Themen beschäftigen müssen, die meist auch eine sehr zeitintensive Einarbeitung erfordern. Die klassischen Medien hingegen bringen Probleme und Sachverhalte zumeist aufgrund einer aktuellen Fokussierung in stark gekürzter und vereinfachter Form an den Leser bzw. Zuschauer und Zuhörer, der sich dann nicht selten als Experte betrachtet. Im Gegensatz zu Abgeordneten können sich Journalisten ausführlicher mit ihren Aufgaben beschäftigen, mit welcher dann Abgeordnete konfrontiert werden. Sehr oft ist dies aber nicht das Fachgebiet der angesprochenen Abgeordneten. Besonders während der europäischen Finanzkrise wurden manche Abgeordneten von den Medien regelrecht vorgeführt.

Wenn man also heute Politiker und Bundestagsabgeordnete zum Thema „Kurdistan, „Konflikte im Nahen Osten und „Flüchtlinge" interviewt, muss man stets im Auge behalten, wer der Gesprächspartner ist und was für eine Kernkompetenz diese Person im parlamentarischen Alltag hat. Wenn, wie geschehen, dies nicht berücksichtigt wird, so ist eine zumindest teilweise Fehlinformation der Bevölkerung durch Medien allgemein gesprochen nicht immer vermeidlich.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass man mit Parlamentariern permanent konform gehen muss oder Nachsicht zu üben hat. Die von mir befragten Bundestagsabgeordneten standen auf dem Standpunkt, dass die Ereignisse in Syrien, dem Irak und dem Südosten der Türkei, kurz gesagt also Kurdistan, nicht in die Rolle des Bundestages und seiner Parteien fällt, sondern in die der dortigen Partner (Türkei) und deren Nachbaren (Iran, Irak und Syrien). Ich kann mich dieser Sichtweise keinesfalls anschließen. In einer globalisierten Welt sind Menschenrechte keine inneren bzw. „Privatangelegenheit von Ländern, bedeuten Ereignisse in Kurdistan (wie der Vormarsch des IS) doch auch Flüchtlingswellen in Europa - es betrifft uns heute direkt. Im Bundestag vertretene Parteien wie CSU, CDU und SPD bilden die Bundesregierung, die Partei DIE GRÜNEN möchte diese gern mitbilden. Sich auf parlamentarische Nichtzuständigkeit zu berufen ist eine etwas billige Art, sich aus der Affäre zu ziehen. Aufgrund dessen bin ich geneigt erstaunt festzuhalten, dass manche der heutigen Parlamentarier geistig immer noch in der Welt der 1990er Jahre arbeiten, als die Globalisierung erst begann und sich niemand im Parlament um „ferne Ereignisse in der Welt kümmerte, da man es nicht als Aufgabe des deutschen Bundestages erachtete. So konnten die chinesischen Verantwortlichen für das Massaker am „Platz des himmlischen Friedens" Anfang 1989 bereits in den 1990er Jahren wieder ehrbare Partner von Politik und Wirtschaft werden. Es kann nicht sein, dass sich der Bundestag erst dann mit den Menschenrechten befasst, wenn die Menschen zu Flüchtlingen geworden sind und vor unserer Tür stehen.

Einige meiner Aussagen in diesem Buch könnten als nachträglicher Kommentar zu Ereignissen gesehen werden, die bei der Publikation des Buches bereits Geschichte waren. Diese genannten Einschätzungen habe ich jedoch bereits kurz nach meiner Rückkehr aus dem Irak und dem Südosten der Türkei Anfang März 2016 getroffen, als die Entwicklungen und Ereignisse noch Zukunft waren. Veröffentlicht hatte ich manche diese Einschätzungen unter anderem bei Vorträgen, die ich im April 2016 in Regensburg und Pressath in der Oberpfalz, oder im Herbst 2016 in Amberg, Cham oder Weiden in der Oberpfalz gehalten habe. Auch hatte ich nach meiner Rückkehr 2016 aus Kurdistan mehrere Zeitungsartikel geschrieben bzw. wurden hierzu über mich gebracht, so zum Beispiel in „Die Mittelbayerische aus Regensburg, die „Neumarkter Rundschau und „Der Neue Tag" aus Weiden.

Es ist mir nicht möglich, (alle) meine Quellen zu nennen. Da besonders türkische Verbände und türkische Moscheen mit ihren aus der Türkei bezahlten Imamen in Deutschland im Jahre 2016 (bzw. seit diesem Jahr) immer mehr als verlängerter Arm von Präsident Erdogan agieren, muss ich fürchten dass die Namen meiner Gesprächspartner auch zu den Sicherheitskräften in der Türkei gelangen und dort zum Schaden meiner Kontaktpersonen und Gesprächspartner verwendet werden könnten. Nach dem Putschversuch im Juli 2016 in der Türkei geisterten sogar (echte!) Telefonnummern durchs Internet, wo in Deutschland lebende türkischstämmige Mitbürger Menschen in Deutschland bei den Diensten in der Türkei denunzieren konnten. Auch Gesprächspartner in Deutschland kann ich aus diesem Grund nicht immer benennen, da besonders die Armenienresolution des Deutschen Bundestages vom 2. Juni 2016 auch deutlich gezeigt hat, dass manche Mitbürger türkischer Herkunft auch vor Morddrohungen und Gewalt nicht zurück schrecken.

Es ist bedauerlich, wie Hypernationalismus a‘ la Türkei oder genauer gesagt a‘ la Erdogan und AKP die Redefreiheit in unserem Land zumindest zeitweise einschränkten und gefährdeten. Als Hauptverantwortlichen für diese Entwicklung mache ich Präsident Erdogan aus, der mit seinen hyper-nationalistischen und aufputschenden Reden die Atmosphäre einer Gesellschaft vergiftete, sowohl in Deutschland unter den hier lebenden türkischstämmigen Mitbürgern als auch in der Türkei selbst. Solle bitte keiner sagen, Erdogan weiß nicht genau was er tut. Seine an Agitation grenzenden Reden sind geeignet, ein ganzes Land und ein ganzes Volk zu verführen.

Die der Armenienresolution des Bundestages folgende Lawine an Emails, öffentlichen Kommentaren und Drohungen von türkischstämmigen Landsleuten an Abgeordnete des Bundestages habe ich zum Anlass genommen, den Dachverband der türkischen Gemeinde per Email um eine Erklärung bzw. Stellungnahme zu bitten. Ich habe bis zum Druck des Buches keine Antwort erhalten. Bei einem Auftritt im Fernsehen am 5. Juli 2016 hat der Vorsitzende des Dachverbandes der türkischen Gemeinde Deutschland erklärt, dass der Dachverband sehr wohl auch Anrufe aus Ankara erhält mit dem Ziel der Einflussnahme.

Den Salafismus in Deutschland halte ich für eines der Grundübel und Quelle vieler Probleme. Ohne Salafistenszene würde es europaweit erheblich weniger Unterstützung für den IS geben, würde es dadurch auch weniger Erfolge des IS im Nahen Osten gegeben haben und damit auch keine zeitweise derartig prekäre Situation in manchen Teilen des Nahen Ostens, durch welche Millionen von Menschen fliehen mussten und müssen. Ohne Salafismus und saudischen Wahhabismus (die beide übrigens nur wenig mit dem Koran zu tun haben) würde die Welt ein Stückchen besser sein. Den Salafismus generell zu verbieten ist mit der aktuellen Gesetzeslage jedoch nur schwer möglich, da der Salafismus keine einheitliche Organisation ist sondern aus selbstständigen, zumeist örtlichen Vereinen und Gruppen besteht, die allerdings untereinander einen lebhaften Austausch pflegen und vernetzt sind. Der Salafismus schafft es bisher sehr gut, unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit agieren zu können. Er nutzt die Rechte jener Gesellschaft, die er eigentlich ablehnt. Er bietet Anerkennung und Respekt für jene, die glauben in der Gesellschaft gescheitert zu sein und keine Anerkennung zu finden.

Ich hatte auch versucht, deutsche IS-Rückkehrer zu interviewen. Jedoch stellte sich dies für mich als nicht möglich heraus. Alle mir „bekannten IS-Rückkehrer standen entweder vor Gericht oder saßen in Gefängnissen ein. Was die angeklagten Personen betrifft, so verweigerte man mir verständlicherweise mit Blick auf die laufenden Verfahren ein Interview bzw. Auskünfte, da sich der Betreffende damit selbst hätte belasten können. Im Falle von bereits einsitzenden Personen zeigten sich die Justizbehörden als nicht zugänglich. Man wollte offensichtlich eine wie auch immer geartete Berichterstattung, Glorifizierung oder auch ehrliche Aussage vermeiden. Sicherlich muss die jeweilige Justizbehörde auch davon ausgehen, dass einem später wieder entlassenen verurteilten ehemaligen IS-Kämpfer von seinen (ehemaligen) Gesinnungsgenossen oder Salafisten Ungemach drohen könnte, wenn er „auspackt. Salafisten begegnen Aussteigern in der Regel sehr rachsüchtig.

Aus dem Engagement des Westens in Somalia, Afghanistan und des Iraks ergibt sich für mich eine Lehre und Weisheit. Solange es auf dieser Welt das Sippen- und Stammessystem in Gesellschaften gibt, denen die (familiäre) Treue mehr gilt als dem staatlichen Ganzen, haben Demokratie und Republiken nur eine eingeschränkte Erfolgschance. Was die Welt dringend bräuchte wäre ein milliardenschweres Programm zur Entwicklung von Schulen, Universitäten, Berufsschulen und beruflichen Perspektiven für Menschen in (ärmeren) Entwicklungsländer, kein wie auch immer geartetes milliardenschweres Rettungsprogramm für Banken in Industriestaaten.

Es muss auch Schluss sein mit deutschen Sonderwegen in der Außenpolitik. Verheerend war beispielsweise die Entscheidung der Bundesregierung, nicht für jene Resolution zu stimmen, welche 2011 den NATO-Einsatz in Libyen gegen die Truppen Gaddafis legalisierte. Deutschland fand sich mit dieser Entscheidung auf der Seite Russlands und Chinas wieder, brüskierte den Westen, auf dessen Hilfe man bei der Lösung der Flüchtlingsfrage nur kurze Zeit später angewiesen war. Bedenken, welche mancherorts in Deutschland aufgrund der geschichtlichen Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts herrschten, müssen endlich überwunden werden. Sicher war es bis in die Tage der Wiedervereinigung 1990 wichtig, bei den europäischen Nachbarn Vertrauen zurück zu erlangen. Jedoch spätestens nach der Jahrtausendwende, mit dem enger zusammenrückenden Europas und auch durch die Einführung des Euros ist es wichtig, als größtes Land der Europäischen Union unsere Verantwortung in der Welt zu übernehmen. Oder will man den verfolgten Kurden tatsächlich sagen, dass wir ihnen nicht helfen wollen, da die Generation unserer Großeltern bzw. Urgroßeltern bei einer Diktatur und bei Verbrechen mitgemacht haben, die ein dreiviertel Jahrhundert zurück liegen? Für eine Änderung unserer Außenpolitik ist es aber dringend notwendig, die Bundeswehr auch ausrüstungs- und personalmäßig in die Lage zu versetzt, derartigen Aufgaben gerecht zu werden. Das Knausern mit Kampfmitteln wie in Afghanistan war eine schlechte Lösung, das einst zugesagte 2% Ziel sollte auch eingehalten werden.

Wer die Welt nicht aktiv mitgestalten will, und dazu zählt in letzter Konsequenz auch der Einsatz militärischer Mittel, der muss akzeptieren, was andere Länder nach ihren Vorstellungen gestalten, siehe Russland in Syrien oder Saudi-Arabien im Nahen und Mittleren Osten. Auch dies versuche ich in diesem Buch anzusprechen.

Es kann auch nicht unser politisches Denken sein wie es die Linke vertritt, Waffenlieferungen kategorisch auszuschließen. Die Jesiden sind nicht massakriert worden, weil sie zu viele Waffen hatten, sondern weil sie keine Waffen hatten. Es waren die Kurden, welche letztendlich den IS am Boden schlugen. Es war wichtig, dass die Islamisten aus der Wahhabiten-, Salafisten- und Deobandistenszene erfahren mussten, dass es muslimische Verbände waren, die ihre verbrecherische (Kampf)Organisation vernichteten.

Ereignisse in Kurdistan oder Afghanistan betreffen uns durch die Flüchtlingsbewegungen direkt. Daher ist eine Berichterstattung zur Flüchtlingssituation ohne die Beleuchtung der Lage in den Herkunftsländern nicht vollständig. Dies bringt es wieder mit sich, die Interessen und Einflussnahmen in den Herkunftsländern durch ausländische Mächte darzustellen. Nur so ist es möglich, die Verhältnisse zu verstehen und tragbare Lösungen zu finden. Sicher ein komplexer Sachverhalt. Aber unsere Welt ist kein Ort für einfache Betrachtungen und schon gar nicht für einfache (und zumeist dümmliche) Lösungen.

Eine andere Lehre aus den Ereignissen ist noch erschreckender. Für mich hat sich gezeigt, dass demokratische Freiheiten wie die Redefreiheit, die Meinungsfreiheit und auch die Religionsfreiheit heute generell auch in unserer Gesellschaft nicht mehr selbstverständlich sind. Man versucht Einfluss zu nehmen, was gesagt, geschrieben und getan wird bis hin zur Gewaltandrohung. Wenn uns die offene und freiheitliche Gesellschaft in Deutschland etwas wert ist, müssen wir dafür auch eintreten und unter Umständen Gefahren in Kauf nehmen. Es hilft niemandem, wenn man sich zu Tode fürchtet. Angst ist der allerschlechteste Ratgeber! Deshalb habe ich diesen Titel gewählt: Freiheit ist nicht kostenlos!

Pressath in der Oberpfalz

Im Frühjahr 2018

Über die Kurden in Deutschland

Wenn man ein Buch schreibt, dass sich aus gegebenem Anlass auch mit den Kurden und Kurdistan beschäftigt, so bietet es sich auch an, das Thema mit jenen Kurden zu beginnen, die in Deutschland mitten unter uns leben. Aktuell gibt es etwa eine Million Kurden in Deutschland, die zwar teilweise auch aus Syrien, Irak oder dem Iran stammen und daher unzutreffend als „Iraner, „Iraker oder „Syrer gesehen werden, jedoch dürfte die Mehrheit der Kurden über die türkische Staatsbürgerschaft verfügen bzw. verfügt haben, weshalb sie von den deutschen Behörden, Statistiken und auch Medien meist als „Türken bezeichnet werden. Anfänglich hatten die Kurden wohl kein großes Problem damit, jedoch änderte sich dies durch den Militärputsch 1980 in der Türkei, dem Bürgerkrieg der PKK und der Regierung Erdogans.

Im Gespräch mit mir gaben die Kurden immer wieder zu bedenken, dass die Bekennung zur kurdischen Ethnie auch eine Art Wahlnation ist. Mein Gesprächspartner von der Kurdischen Gemeinde Deutschland e.V. gab zu, dass er selbst sich als Kurde bezeichnet, seine beiden in Deutschland lebenden Cousinen aber als Türkinnen. Es trifft auch in Deutschland zu, das man in manchen Städten mit großer türkischstämmiger Bevölkerung einfacher lebt, wenn man sein Kurdentum verleugnet und sich als „Türke" bezeichnet. Man kann hier bereits von einer Einschränkung der Meinungsfreiheit in Deutschland sprechen, von den Medien wurde dies bisher aber nicht beachtet.

Meiner Wahrnehmung nach haben viele Kurden ein besonderes Verhältnis zu Deutschland. Während sie im Iran, in der Türkei, dem Irak und Syrien drangsaliert, benachteiligt und verfolgt wurden, die kurdische Sprache und Schrift war beispielsweise lange Zeit in allen vier Staaten verboten, so war Deutschland das erste Land, in dem Kurden frei und ungehindert leben konnten, ihre Sprache, Tradition und Kultur pflegen durften. Besonders die kurdische Sprache, Literatur und Musik erlebten in Deutschland nach Jahrzehnten der Unterdrückung in ihrer Heimat eine regelrechte Wiedergeburt. Da es in der Türkei, Iran, Irak und Syrien nicht möglich war Filme auf Kurdisch oder mit kurdischen Themen zu drehen, wurden die meisten Filme kurdischer Produzenten in der Diaspora produziert, hier wiederum in Deutschland.

Meiner Beobachtung nach unterscheiden sich die Kurden mitunter sehr von den Türken, was bitte nicht als Bewertung der Türken zu verstehen ist. Türkische Mitbürger identifizieren sich mitunter auch noch in der zweiten und sogar dritten Generation mit der Türkei, fühlen sich mehr als Türken denn als Deutsche, obwohl sie zumeist auch den deutschen Pass haben und in Deutschland aufgewachsen sind. Sie sind stolz auf ihr Herkunftsland, die türkische Nation und durchaus empfänglich für Erdogan und seine aggressive nationalistische Politik. Eine Integration in die deutsche Gesellschaft findet nicht immer erfolgreich statt, zuweilen wird Deutsch auch nicht (fehlerfrei) beherrscht. Leben Türken in eigenen Vierteln, so unterbleibt eine Integration mitunter.

Im Gegensatz dazu fühlen sich viele (aber bei weitem nicht alle) Kurden nicht als Türken, Iraner, Syrer oder Iraker, sondern eben als Kurden und identifizieren sich seltener mit dem Herkunftsland in dem sie Verfolgung erfahren haben. Ihnen fehlt die mentale Verbindung zur „heimatlichen Nation. Es fällt ihnen daher auch emotional leichter sich mit ihrem neuen Heimatland Deutschland zu identifizieren. Sie lernen auch bereitwilliger Deutsch und bringen sich in die Gesellschaft ein, man sucht eher den Kontakt zur „einheimischen Bevölkerung mit ihren Vereinen und lädt auch bereitwilliger selbst ein. Wenn gleich auch nicht verschwiegen werden soll, dass dies nicht auf alle Kurden zutrifft und es ferner eine (zahlenmäßig kleine) Gruppe von Kurden in Deutschland gibt, die sich mit den gewaltsamen Zielen der PKK identifiziert, die in Deutschland und Europa als terroristisch eingestuft wird. Ferner gibt es auch Kurden, die sich nicht integrieren wollen und versuchen in einer Art Parallelgesellschaft nach alten und auch in ihrer ursprünglichen Heimat inzwischen überkommenen Traditionen zu leben. Es sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass ich für meine offenen Worte unter den kurdischen Zuhörern meiner Vorträge stets Zustimmung gefunden habe. Mitunter wollten sich die kurdischen Zuhörer nach dem Ende meines Vortrages zusammen mit mir fotografieren lassen.

Es hat nichts mit Rechtsradikalismus und Rassismus zu tun, wenn die deutsche Gesellschaft erwartet, dass sich Menschen, die dauerhaft ihr Leben in Deutschland verbringen wollen, sich auch mit unserem Land, unseren Werten und Traditionen identifizieren und anpassen. Niquab und Burka gehören definitiv nicht zur deutschen Kultur, übrigens auch nicht zum Islam. Dies sollte eigentlich selbstverständlich sein und nicht unbedingt einer Vorgabe des Staates bedürfen. Allerdings sorgt genau diese Tatsache auch für Probleme. Es ist Präsident Erdogan und seine AKP, welche mit Hypernationalismus für einen Riss in der türkischstämmigen Community in Deutschland sorgen. Immer öfter werden gerade türkische Kurden angefeindet, weil diese sich nicht mit der Türkei Erdogans identifizieren wollen, sondern sich in Deutschland integrieren. Im Jahre 2016 haben der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland e.V., Ali Ertan Toprak, sein Stellvertreter Mehmet Tanriverdi und der Generalsekretär Cahit Basar mehrmals in Interviews und Beiträgen auf diesen Umstand hingewiesen. Die Kurdische Gemeinde Deutschland e.V. selbst bekennt sich vorbehaltlos zu Deutschland, seinem Grundgesetz, der Gleichheit von Mann und Frau, zur Gewaltlosigkeit, Demokratie und gleichen Bildungschancen.

Selbstverständlich sollen die Kurden auch ihre Traditionen und ihre Religion frei ausüben können. Das kurdische Neujahrsfest Newroz, welches jährlich am 21. März stattfindet und keine muslimische, sondern eine 3.000-Jahre alte iranische Tradition ist, welche neben dem Iran und den Kurden auch in einigen anderen Ländern Zentralasiens wie beispielsweise Tadschikistan gefeiert wird, ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Auch die Religion soll frei ausgeübt werden können. Es sind gerade die muslimischen Kurden, welche fordern, dass in Moscheen in Deutschland nur auf Deutsch gepredigt werden soll, um den Behörden die Möglichkeit zu geben, radikale Hassprediger identifizieren zu können. Auch bietet sich die Kurdische Gemeinde Deutschland als Berater der Bundesregierung an, jedoch ist meine Beobachtung, dass sich die Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel bei der Frage zu Kurdistan als resistent gegen Beratung erwiesen hat.

Kurden im öffentlichen Leben Deutschlands wahrzunehmen war bisher schwierig, da die Oberflächlichkeit von Medien, Politik und Gesellschaft diese zumeist als „Türken, „Syrer etc. geführt hat. So findet sich auch bei der Bundestagsabgeordneten Sevim Dagdelen kein Hinweis auf ihre kurdische Herkunft. Auch der Grünenpolitiker Cem Özdemir wird fast immer als „türkischstämmig" bezeichnet. Auch wenn er einst die türkische Staatsangehörigkeit hatte, ist er aber tatsächlich tscherkessischer Abstammung und kein ethnischer Türke.

Eine wirklich erwähnenswerte öffentliche Persönlichkeit ist Professor Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan. Während die salafistische Szene Deutschlands mit ihrer Arbeit der Radikalisierung unter jungen Männern Vorschub leistet (darauf wird in den nächsten Kapiteln noch einzugehen sein) und hunderte junge Männer deswegen zum kämpfen und morden von Deutschland nach Syrien und den Irak gegangen sind, zeichnet sich der kurdischstämmige Psychologe und Traumatologe Kizilhan durch seine Betreuung von IS-Opfern aus. Er versucht Frauen und Mädchen zu helfen, die sich als Sexsklavinnen in der Hand des salafistischen IS befunden haben. Bekannt wurde Professor Kizilhan einst mit seinen Arbeiten zu sogenannten „Ehrenmorden", welche in den 1990er Jahren immer wieder Schlagzeilen machten, als es in zumeist kurdischen oder türkischen Familien zu derartigen Verbrechen kam.

Nachdem die Berichte zu den Vergewaltigungen und anderen Verbrechen des salafistischen IS bekannt geworden waren, startete Baden-Württemberg ein Programm zur Aufnahme und Therapierung von 1.100 Opfern des IS. Professor Kizilhan dient dem Projekt als Arzt vor Ort um festzustellen, welche Opfer mit einer Therapie erreicht werden können. Es waren und sind gerade solche sozialen Engagements, welche das Ansehen Deutschlands in der Welt bei der einfachen Bevölkerung schaffen, die sich keinen BMW oder Mercedes „made in Germany" leisten können. Professor Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan erhielt für sein ehrenamtliches Engagement im April 2016 den Verdienstorden des Landes Baden-Württemberg. Im September 2016 wurde die erst 23jährige Jesidin Nadia Murad von den UN zur Sonderbotschafterin ernannt. Auch Nadia Murad war vom IS verschleppt und missbraucht worden, bevor sie der IS-Hölle entkam. Der sie in Baden-Württemberg behandelnde Arzt war Professor Dr. Kizilhan.

Es gäbe viele weitere Beispiele von Kurden, die in vielfältiger Art und Weise in Deutschland tätig sind, von Ärzten bis hin zu Parlamentariern wie die in Celle geborene Feleknas Uca, die sowohl für die PDS als Politikerin tätig war als auch 2015 für die HDP ins türkische Parlament einzog.

Zuweilen passiert es, dass insbesondere kurdische und jesidische Flüchtlinge regelrecht entsetzt reagieren, wenn sie erfahren, dass es in Deutschland legal Salafisten-Organisationen gibt. Üblicherweise wird man dann gebeten, bei Interviews nicht die Namen der Gesprächspartner zu nennen, da man von Seiten der Kurden und Jesiden befürchtet, über die Salafisten könnten die Namen in den Nahen Osten gelangen und dort befindliche Angehörige bedroht werden. Gerade bei der Integration von Flüchtlingen engagieren sich viele in Deutschland lebenden Kurden und kurdische Verbände, nicht nur als freiwillige Helfer sondern auch als Dolmetscher. Allerdings kommt aus den Reihen der deutschen Kurden auch Kritik an der Zurückhaltung der Islamverbände und Moscheen in Deutschland bei der Flüchtlingsarbeit. Manche Kurden unterstellen den Moschee- und Verbandsverantwortlichen schlicht, dass man die Flüchtlinge aus islamischen Ländern als „Verräter" betrachtet, da sie das bisher skizzierte Bild eines friedlichen und toleranten Islam nachhaltig beschädigen könnten. So forderte der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde Deutschland e.V. Flüchtlinge aufzunehmen sei zwar ein Gebot der Menschlichkeit, doch könne dies Europa allein nicht schultern. Wir brauchen auch endlich die Solidarität der muslimischen Welt. Dem ist nichts weiter mehr hinzuzufügen.

Die Scharia schafft keine heile Welt

Deutsche Salafisten fordern immer wieder die Einführung der Scharia in Deutschland, nicht nur für die Muslime. Der IS hatte in seinem Machtbereich in Syrien und dem Irak die Scharia als Gesetz eingeführt. Nun, um es kurz zu sagen: Wo die Scharia gilt, herrscht nicht Recht und Ordnung, sondern Tyrannei, Willkür und Korruption. Grundsätzlich basiert die Scharia auf Ehrenhaftigkeit und Glaubwürdigkeit der Menschen, soweit so gut. Als Beispiel sei gesagt, gibt es vier Zeugen die eine Tat bestätigten, so wird die Tat als vollbracht betrachtet, unabhängig von den Fakten. Zwar verbietet der Koran die Lüge, jedoch hat auch der Islam es in den letzten 1.400 Jahren nicht geschafft, das Lügen unter den Menschen auszurotten. Wenn es nun in einer ärmlichen und archaischen Gesellschaft einen Nachbarschaftsstreit gab und gibt, so genügt ein kleiner Auslöser, Beschuldigungen sind schnell bei der Hand und vier Zeugen auch. In den acht Staaten mit vollumfänglicher Gültigkeit hat die Scharia in sechs von ihnen (Afghanistan, Pakistan, Irak, Iran, Saudi-Arabien und dem Sudan) ein heilloses Chaos angerichtet.

In einem offiziell streng muslimischen Land wie dem Sudan gilt mit der Scharia auch ein absolutes Alkoholverbot. Jedoch wurde nichts desto trotz in jenem Guest House, in dem ich während meines Aufenthaltes 2015 im Sudan weilte, jeden Abend die Bar geöffnet. Nicht nur für christliche ausländische Gäste, die gnadenlos in der Minderheit waren, sondern vor allem für in- und ausländische muslimische Gäste, darunter auch der aus dem muslimischen Djibouti stammende UN-Sonderbeauftragte für Darfour. Auch er erfreute sich an Bier, Wein, Whisky und Gin. Was besonders auffiel waren die vorwiegend jugendlichen muslimischen Einheimischen, die hier völlig ungezwungen, großzügig alkoholische Getränke konsumierten. Zwar hätte es jetzt nur vier Zeugen bedurft um das ausgelassene Treiben zu beenden, jedoch müssten diese Zeugen Augenzeugen sein. Man glaubt fast nicht wie blind die verantwortlichen lokalen Behörden sein können, wenn ihnen die richtige Menge Dollarscheine zugesteckt wird. Wo Alkohol offiziell (durch die Scharia) verboten wird, da blühen Schwarzhandel und Korruption. Übrigens auch in Afghanistan und Pakistan, zwei weitere Länder jener acht Staaten, in denen die Scharia völlige Gültigkeit hat. Des Weiteren haben Iran, Irak, Saudi-Arabien, Mauretanien und der Jemen die Scharia als Gesetzesgrundlage eingeführt. Die anderen 37 muslimischen Staaten dieser Welt haben die Scharia klugerweise, wenn, dann auch nur im Familienrecht, für Muslime eingeführt.

Jedes der acht „Scharia-Länder" führt einen traurigen Korruptions- und Missbrauchsrekord an. Der Iran beispielsweise gilt neben Saudi-Arabien als das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Opiumkonsum der Welt. Stolz berichtet die UN-Behörde für den Kampf gegen Drogen und organisierte Kriminalität, die UNODC (www.UNODC.org) auf ihrer Homepage über den Kampf gegen die (muslimischen) Drogenschmuggler im Iran. Dort wurden an einem einzigen Tag im Jahre 2014 insgesamt 56 Tonnen beschlagnahmtes Opium verbrannt – wohl wissend, dass dies nur die Spitze des Eisberges war, da im gesamten Jahr 2014 etwas über 500 Tonnen Drogen beschlagnahmt wurden. Untersuchungen der UN gehen davon aus, dass mindestens 1.325.000 Menschen im Iran regelmäßig Opium konsumieren. Im Jahre 2014 befanden sich des Weiteren etwas mehr als 750.000 Iraner in Behandlung gegen Drogenmissbrauch. Mit 2,8% der Bevölkerung, welche jährlich Opiate missbrauchen, führt die islamische Republik Iran die UN-Statistik an, Afghanistan folgt mit 1,4% der Bevölkerung auf dem 2. Platz. Ferner wurden im Iran im Jahre 2014 etwa 3.700 Sicherheitskräfte bei bewaffneten Auseinandersetzungen mit Drogendealern getötet, weitere etwa 10.000 Iraner wurden dabei verletzt.

Auch in Indonesien, dem bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Erde, ist der Rauschgiftkonsum ein sehr großes Problem. Als Indonesien im Januar 2015 mehrere zum Tode verurteilte Menschen wegen Drogenvergehens hinrichtete, erfuhr das Land massive internationale Kritik. Zur Verteidigung führte der indonesische Generalstaatsanwalt Muhammad Prasetyo öffentlich an, dass durch den Drogenkonsum in Indonesien etwa 40 bis 50 Menschen pro Tag sterben, also etwa 16.500 Personen im Jahr. Zum Vergleich Deutschland, welches nur ein Drittel der Einwohner Indonesiens hat. Die Bundesrepublik verzeichnete im Jahre 2015 etwas über 1.200 Drogentote, also nur gut 7% der indonesischen Zahl.

Was nun den Islam in Indonesien betrifft: Seit den 1980er Jahren fördert ein Institut in Indonesien den Islam saudischer Prägung und fördert auch die Ausbildung von indonesischen Mullahs in Saudi-Arabien. Dieses Institut förderte ebenso die Beteiligung von Dschihadisten im Kampf gegen die Sowjetunion in Afghanistan. Es mag eine kühne Spekulation meinerseits sein, jedoch dürfte die Radikalisierung von Muslimen in Indonesien, die sich beispielsweise bei Protesten gegen die Mohammed-Karikatur im Niederbrennen von christlichen Kirchen ausdrückte, auf den saudischen Einfluss zurück zu führen sein.

Drogenkonsum ist aber nicht nur ein religionsspezifisches Problem, sondern letztendlich ein weltweites Problem aller Gesellschaften. Es scheint aber so als ob die strickte religionsbezogene Schulbildung die soziale, demokratische und staatsbürgerliche Ausbildung vernachlässigt. Außerdem fördert die strikte Anwendung der Scharia wie im Iran oder Saudi-Arabien ein Übermaß von Gewalt im Kampf gegen Drogen.

Schwieriger ist die Beurteilung von Saudi-Arabien in dieser Frage, da es aufgrund der strikten Anwendung der Scharia in Saudi-Arabien weder ein Strafgesetzbuch noch eine Strafprozessordung gibt, wie Amnesty International wiederholt feststellt hat. Auch ist Folter bei Verhören durch die Polizei gang und gäbe, da dies nicht durch die Scharia ausdrücklich verboten wird. Allerdings räumt die Scharia den Angehörigen der Opfer ein Begnadigungsrecht ein, welches immer wieder Delinquenten vor der Hinrichtung rettet, meist in letzter Minute. Dies mag auf den ersten Blick als gerecht gelten, jedoch ist die westliche Sichtweise dieser „Ordnung", dass eben nicht nachvollziehbares Recht, sondern Gnade herrscht, oder anders ausgedrückt Willkür. Die Tatsache, dass sich das Wüstenreich strikt verschließt, erschwert eine Beurteilung. Grundsätzlich wird Korruption in Saudi-Arabien als Problem wahrgenommen. Auch deswegen, da es kaum Gesetze gibt welche den Umgang mit (großen Summen von) Bargeld regelt.

Vielleicht wird man sich an den Kranunfall in Mekka erinnern, der im September 2015 das Leben von 111 Pilgern forderte und über 330 Menschen verletzt zurückließ. Ein Kran war bei diesem Unfall während Bauarbeiten an der Großen Moschee eingestürzt und hatte die Menschen getroffen. Was in Europa wenig Beachtung fand, dafür aber umso mehr in den arabischen Medien, war der Umstand, dass die bauausführende Firma die „Bin Laden Group war. Jene Familie also, der auch Osama bin Laden entstammte. Der saudische König ließ die beiden obersten Bauverantwortlichen unter Hausarrest stellen. Nun, da die Familie Bin Laden schwerreiche Milliardäre sind, fiel es der Familie nicht weiter schwer, die beiden Verantwortlichen gegen Zahlung eines „königlichen Blutgeldes frei zu bekommen. Gewiss, es mag abermals eine kühne Spekulation meinerseits sein, jedoch wenn man die enge Verbindung des Gründers der „Bin Laden Group", Mohammed Bin Laden mit der saudischen Königsfamilie betrachtet, muss man sich dem Gedankengang stellen, dass die Arretierung lediglich ein abgekartetes Spiel für die saudische Bevölkerung war. Gerechtigkeit in Saudi-Arabien.

Was nun den Drogenkonsum im Königreich von Saudi-Arabien betrifft, so berichtete die saudische Zeitung „Arab News" am 28. Dezember 2015, dass bei einem einzigen Zugriff durch die saudische Polizei in Riad über 5,1 Millionen Kapseln Amphetamine sichergestellt wurden. Der Hinweis auf ein gigantisches Drogenproblem im saudischen Königreich.

Schwer zu glauben, aber auch die Armut ist im reichsten Staat der arabischen Halbinsel

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