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Attila - Die Geißel Gottes

Attila - Die Geißel Gottes

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Attila - Die Geißel Gottes

Länge:
112 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
May 28, 2021
ISBN:
9783961272389
Format:
Buch

Beschreibung

"Die Geißel Gottes", Samjatins letztes Werk, 1928 -193 5 in der Emigration entstanden, ist ein Roman über den jungen Attila, der als Geisel an den kaiserlichen Hof in Rom geschickt wird. Erlebt Attila - voller Verachtung - den Verfall des römischen Imperiums mehr instinktiv, so sieht ihn ganz bewusst die zweite Hauptfigur des Romans: der Historiker Priscus aus Konstantinopel, der sich studienhalber in Rom aufhält. In dichten Bildern und blockartigen Einzelszenen, die auf historische Details und Schilderungen verzichten, zeigt Samjatin die innere Entwicklung Attilas wie die innere Situation Roms - den sich vorbereitenden Zusammenstoß einer neuen kraftvollen mit einer alten zerfallenden Welt.
Herausgeber:
Freigegeben:
May 28, 2021
ISBN:
9783961272389
Format:
Buch

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Gottes

Titel

Attila

die Geißel Gottes

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die Geißel Gottes

Jewgenij Samjatin

Impressum

Copyright: Betts & Atterberry im vss-verlag

Jahr: 2021

ISBN: 9789403627854

Lektorat/ Korrektorat: Hermann Schladt

Covergestaltung: Chris Schilling

Übersetzer: Waldemar Korowich

Verlagsportal: www.vss-verag.de

Gedruckt in Deutschland

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig.

I.

Unruhe war überall in Europa, selbst in der Luft, die man atmete.

Alle erwarteten Kriege, Aufstände, Katastrophen. Niemand wollte Geld in neue Unternehmungen stecken. Die Fabriken wurden geschlossen. Scharen von Arbeitslosen zogen durch die Straßen und forderten Brot. Das Brot wurde immer teurer, während das Geld mit jedem Tage an Wert verlor. Das ewige, unsterbliche Gold war plötzlich krank geworden, die Menschen verloren den Glauben an das Gold. Das war das Letzte, nichts Sicheres mehr blieb im Leben übrig.

Sicher war auch die Erde unter den Füßen nicht mehr. Sie war wie ein Weib, das schon fühlt, dass ihr aufgetriebener Leib neue Wesen ausstoßen wird - und sie wirft sich voll Angst hin und her, es überläuft sie bald kalt, bald heiß.

Es war ein Winter, in dem die Vögel im Fluge erfroren und hart auf die Dächer, auf das Pflaster herabfielen. Dann kam ein Sommer, da die Bäume dreimal blühten, die Menschen aber an der Fieberhitze der Erde starben. An einem Tag im Juli, als die Erde mit schwarzen, ausgedörrten, rissigen Lippen dalag, lief ein Zittern über ihren Leib. Die Erde heulte auf mit runder, gewaltiger Stimme. Die Vögel flatterten schreiend über den Bäumen und hatten Angst, sich auf ihnen niederzulassen. Stumm fielen Wände, Kirchen, Häuser ein. Die Menschen flohen aus den Städten wie Tiere und lebten in Herden unter freiem Himmel. Zeit verrann.

Niemand vermochte zu sagen, wie viel Stunden oder Tage das dauerte.

Über und über von kaltem Schweiß bedeckt, kam die Erde endlich zur Ruhe. Alles stürzte in die Kirchen. Durch die Risse in den Gewölben gähnte der glühende Himmel, die Flammen der Kerzen bogen sich unter den menschlichen Ausdünstungen, unter der Wucht der laut heraus geschrieenen menschlichen Sünden. Bleiche Priester riefen von den Kanzeln, dass binnen dreier Tage die Welt in Stücke bersten werde, wie eine Kastanie auf glühenden Kohlen.

Diese Frist verstrich. Von Zeit zu Zeit bebte zwar die Erde noch, aber sie blieb ganz. Die Menschen kehrten in ihre Häuser zurück und nahmen ihr Leben wieder auf. In den Nächten wussten sie, dass alles, was früher gewesen, zu Ende war, dass man jetzt das Leben nach Monaten, Tagen messen musste. Und sie lebten hastig, kurz, schnell. Wie der Reiche sich vor seinem Tode beeilt, alles zu verteilen, so verschenkten sich die Weiber, ohne zu bereuen, nach rechts und links. Doch wollten sic jetzt keine Kinder mehr gebären, ihre Brüste wurden überflüssig, sie nahmen Mittel, um flach zu werden.

Und wie die Weiber, so blieben auch die Felder ohne Saat, ohne Frucht. Die Dörfer verödeten, die Städte aber quollen über, in den Städten reichten die Häuser nicht. Man konnte nicht mehr atmen in den Theatern und Zirkussen, die Musik verstummte nicht, die Lichter erloschen nicht während der ganzen Nacht, rote Funken glommen in der Seide, im Golde, im kostbaren Schmuck - und in den Augen.

Diese Augen waren jetzt überall. Die Gesichter waren gelb, tot, nur die Augen brannten wie glühende Kohlen, versengten. Wie dreifache Scheiterhaufen umlagerten sie die Eingänge der Theater, der Kirchen, der reichen Häuser. Stumm starrten sie auf die Herauskommenden. Alle erinnerten sich der einen Frau : sie hielt in den Armen ihr in Lumpen gehülltes Kind, dessen Gesichtchen schwarz angelaufen war, sie glaubte, dass es noch lebe, sie wiegte es. An ihr vorüber liefen Menschen, die Nasen in parfümierte Taschentücher gepresst, sie liefen, um schneller zu leben, um noch vor dem Ende ihr Gold, ihren Leib, ihre Seele verschleudern zu können.

Sie tranken Wein, sie drückten Lippen auf Lippen, sie riefen den Musikanten zu: »Lauter!« - um nicht denken, nicht hören zu müssen ...

Doch eines Tages hörten sie die Erde wieder aufheulen. Wie eine Kreißende spannte sie krampfhaft ihren schwarzen Leib, und hervor sprangen Wasser. Heulend brach das Meer in die Hauptstadt und wälzte sich sogleich wieder zurück, Häuser, Bäume und Menschen mit sich fortreißend. Als der Tag anbrach, waren die Köpfe noch im rosigen Schaum der Wellen zu sehen, dann verschwanden sie. Die Sonne stieg empor. Auf dem Dach eines Hauses lag ein umgestürzter Kahn, sein Boden war griin von Wasserpflanzen, sie hingen herab wie Frauenhaar, Wasser entströmte ihnen. Riesige silberne Fische sprangen blitzend auf dem Pflaster. Die hungrige Menge fing sie schreiend, schlug sie an den Steinen tot und schleppte sie fort, sie zu essen.

Alle erwarteten eine neue Springflut - und sie kam bald. Wie das erste Mal erhob sie sich im Osten und rollte nach Westen, alles auf ihrem Wege zerstörend. Doch jetzt war es nicht mehr das Meer, es waren Menschen.

Von ihnen wusste man, dass sie ganz anders lebten als alle hier in Europa, dass bei ihnen im Winter alles weiß von Schnee war, dass sie Pelze aus Schaffellen trugen, dass sie auf ihren Straßen Wölfe erschlugen und dass sie selbst wie Wölfe waren. Von den Gestaden des Baltischen Meeres, von der Donau, vom Dnjepr, aus ihren Steppen aufbrechend, wälzten sie sich herab - nach Süden, nach Westen - immer rascher, wie ein gewaltiger Stein vom Berg.

Unter dem steinernen Stampfen Tausender von Pferden heulte die Erde wie während des Erdbebens dumpf auf. Der Frühling war früh gekommen, in den Tälern Itahens standen die Bäume rund in weißer Blüte, Blätter hatten sie noch nicht. Die Reiter sprengten weiter, sie hatten ihre Schafpelze abgeworfen, deren Geruch sich mit dem Duft der Mandelblüte vermischte. Radagost führte sie, so genannt nach dem Namen eines Gottes der Russen. Ein Ohr war ihm abgehauen, und darum nahm er niemals seine Wolfsmütze ab. Die Römer flohen vor ihm, ohne sich umzuschauen, unter den römischen Soldaten waren die Becher schon längst gewichtiger als die Schwerter geworden.

Doch gab es in Rom noch Gold. Mit Gold wurde die Hilfe Ulds erkauft, des Fürsten der Hunnen, welche viele auch Skythen nannten. Uld und seine Hunnen verlegten Radagost den Weg. Um Mittag kam Uld zu den Römern geritten, auf seiner Lanze trug er das bärtige Haupt mit der Wolfsmiitze. Die Mütze fiel herab, und alle sahen, dass ein Ohr abgehauen war. Uld hörte die Römer an ihre Schilde schlagen und ihm zurufen. Die Worte waren ihm fremd, er verstand nur seinen Namen. Doch auch dieser wurde im Munde der Römer weich wie das im Wasser gekochte Fleisch für die alten Männer: »Ulld! Ulld! « Das fand er lächerlich, er hustete vor Lachen, so dass der Kopf von der Lanze in den weißen Staub fiel. Man hob ihn auf und legte ihn in einen mit Essig gefüllten Weinschlauch, um ihn zu konservieren und den Römern an dem Tage zu zeigen, da Uld seinen Triumph feiern sollte.

Dieser Tag war vom Senat auf den zwölften April festgesetzt. Es war das Jahr 405 nach Christi Geburt.

Schwarze Aprilnacht. Das in Nacht gehüllte Rom war nicht zu sehen, nur seine vielstöckigen Gebäude zeichneten sich durch die im Finstern rotleuchtenden Ausschnitte der Fenster ab. Häuser bebten, Geschirr klirrte. Über das Steinpflaster donnerten die ganze Nacht die Kriegswagen, stampften tausendfüßig die kaiserlichen Garden. Rom war in Bereitschaft. Niemand wusste, wie der morgige Tag enden würde, wenn Ulds Hunnenscharen und der unruhige Pöbel die Hauptstadt überschwemmten. Vor Abend verteilte man wie üblich Brot unter die Proletarier, die in langen Reihen anstanden. Das Brot reichte nicht für alle. Die Menge setzte die städtischen Bäckereien in Brand, eine ging jenseits der Brücke in Flammen auf. Gegen den roten Himmel hoben sich die Zinnen der Engelsburg schwarz ab.

Als die Sonne aufging, ergossen sich Menschenfluten vom Rande der Stadt in das Zentrum. Die schmalen Gassen pressten unbarmherzig die nach Lumpen und Schweiß stinkende Menge zusammen, oben, zwischen den siebenstöckigen Häusern, war statt des Himmels nur ein blauer Spalt. Die Menschen bekamen keine Luft mehr, ihre Gesichter färbten sich rot. Sie strömten dahin, schrien, ihre Münder waren geöffnet, aber ihr Schreien war nicht zu hören. Sie strömten dahin, überschwemmten alles wie Lava. Ein Kopf auf langem Gänsehals drehte sich nach allen Seiten über der Menge. Auf den Stufen einer

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