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Limitless: Wie du schneller lernst und dein Potenzial befreist

Limitless: Wie du schneller lernst und dein Potenzial befreist

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Limitless: Wie du schneller lernst und dein Potenzial befreist

Bewertungen:
3/5 (2 Bewertungen)
Länge:
489 Seiten
7 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
11. Juli 2021
ISBN:
9783949458064
Format:
Buch

Beschreibung

Unser Gehirn ist das mächtigste Werkzeug der Welt, aber niemand hat uns eine Bedienungsanleitung dafür gegeben. Bis jetzt! 
Es gibt keine Grenzen für mentales Potenzial – wenn man nur weiß, wie man das Gehirn richtig nutzt. 
Seit über 25 Jahren trainiert Mentalcoach Jim Kwik Schauspieler, Sportler, Geschäftsführer und viele weitere Menschen in allen Lebenslagen, um ihre wahre Mentalkraft zu entwickeln. In diesem bahnbrechenden Buch weiht er in die wissenschaftlich belegten Strategien und praktisch erprobten Techniken ein, die die weltweit klügsten Köpfe benutzen, um ihre Gehirnleistung zu steigern und dadurch noch erfolgreicher zu werden. 
Kwik zeigt, wie sich Gewohnheiten verbessern und gleichzeitig negative Wege verlassen und mühelos neue, erfolgreiche Routinen in deinen Alltag integrieren lassen! 
Er legt dar, wie sich Leistungsfähigkeit steigern, Motivation spüren und der mentale Nebel lichten lässt, um die schier unendlichen Kraftreserven zu aktivieren und dadurch selbst unerreichbar scheinende Ziele zu erreichen. 
Diesem Buch liegt ein lebensveränderndes Geheimnis zugrunde: Wer weiß, wie er richtig lernt, kann alle Grenzen des Denkens überwinden, neue Erfolgslevels erreichen und ein wirklich ausgefülltes Leben führen. Diese Erkenntnisse sind keine bloße Theorie – sie dienen als eine praktische, verständlich erklärte Bedienungsanleitung, wie jeder sein grenzenloses Potenzial freisetzen kann. Von den besten Techniken und Tricks der absoluten Experten, vom besten Brainfood über Schlafoptimierung bis hin zur inneren Ausgeglichenheit – Egal, was es ist, es lässt sich alles erreichen, in jedem Alter.
Herausgeber:
Freigegeben:
11. Juli 2021
ISBN:
9783949458064
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Limitless - Jim Kwik

TEIL I

DEN GEIST

BEFREIEN

»Wir brauchen keine Zauberei,

um unsere Welt zu

transformieren. Alle Macht,

die dazu nötig ist, tragen wir

bereits in uns.«

J. K. Rowling

1

GRENZENLOS WERDEN

»I ch bin so dumm.«

»Ich verstehe das nicht.«

»Ich bin einfach zu doof fürs Lernen.«

Mit diesen Mantras bin ich aufgewachsen. Es verging kein Tag, an dem ich mir nicht einredete, ich sei langsam, dumm und würde nie lesen lernen, geschweige denn es später im Leben zu etwas bringen. Hätte es eine Pille gegeben, mit der ich mein Gehirn aufladen und mich auf die Schnelle hätte klüger machen können (wie in dem Film »Ohne Limit« aus dem Jahr 2011 mit Bradley Cooper) – ich hätte alles dafür gegeben.

Ich stand mit dieser Meinung über mich selbst allerdings nicht alleine da. Hätte man damals meine Lehrer gefragt, hätten viele geantwortet, mir würden sie es als Letztem zutrauen, dieses Buch zu schreiben. Ja, sie wären überrascht gewesen, zu erfahren, dass ich ein Buch lesen, ja sogar eines schreiben würde.

All das war auf einen Vorfall im Kindergarten zurückzuführen, durch den mein Leben in völlig anderen Bahnen verlief. Eines Tages hörten wir im Klassenzimmer draußen vorm Fenster Sirenen. Die Erzieherin sah hinaus und erklärte uns, sie sehe Feuerwehrautos. Die ganze Gruppe reagierte daraufhin, wie Kindergarten-Kinder es eben tun: Alle rannten zu den Fenstern. Ich war besonders aufgeregt, denn schon damals war ich besessen von Superhelden (das bin ich auch heute noch). Für mich kamen Feuerwehrmänner den Superhelden im echten Leben am nächsten.

Wie alle anderen lief ich zum Fenster. Mein Problem war allerdings, dass ich nicht groß genug war, um zu den Feuerwehrautos hinunterzuschauen. Ein Kind schnappte sich seinen Stuhl, um sich darauf zu stellen, was wir dann natürlich alle nachmachen wollten. Ich rannte zurück zu meinem Tisch, nahm meinen Stuhl und schob ihn direkt gegen den riesigen eisernen Heizkörper, der unterhalb des Fensters entlanglief. Ich stellte mich auf meinen Stuhl, sah die Feuerwehrleute und strahlte. Das war ja so was von aufregend! Mit offenem Mund starrte ich hinaus und beobachtete diese mutigen Helden in Aktion, diese Helden mit ihren scheinbar undurchdringlichen Uniformen und ihrem knallroten Fahrzeug.

Doch dann zog eines der anderen Kinder meinen Stuhl unter mir weg; ich verlor das Gleichgewicht, prallte sehr hart mit dem Kopf voraus auf die Heizung und fing an zu bluten. Schnellstens wurde ich ins Krankenhaus gebracht, wo die Ärzte meine Verletzungen versorgten. Danach teilten sie meiner Mutter klipp und klar mit, dass es keine leichten Gehirnverletzungen waren.

Wie meine Mutter erzählte, war ich danach nie wieder derselbe. Früher war ich voller Energie, Selbstvertrauen und Neugierde, doch jetzt war ich verschlossen und hatte auf einmal Lernschwierigkeiten. Es fiel mir ungeheuer schwer, mich zu fokussieren; ich konnte mich nicht konzentrieren, und mein Gedächtnis war furchtbar schlecht. Wie man sich denken kann, wurde die Schule für mich zur Qual. Die Lehrer wiederholten alles immer wieder, bis ich lernte, so zu tun, als hätte ich es verstanden. Und während alle anderen Kinder lesen lernten, ergaben die Buchstaben für mich einfach keinen Sinn.

Erinnern Sie sich noch an die »Lesezirkel«, bei denen das Buch reihum geht und man laut vorlesen muss? Es war für mich das Allerschlimmste! Nervös saß ich da, das Buch wanderte immer näher auf mich zu, bis ich schließlich auf die Seite starrte und kein Wort verstand (ich glaube, daher kam meine lähmende Angst vor dem Reden in der Öffentlichkeit). Lesen lernen kostete mich weitere drei Jahre und blieb noch lange danach eine Aufgabe, mit der ich schwer zu kämpfen hatte.

Wer weiß, womöglich hätte ich überhaupt nicht lesen gelernt, wären da nicht die Superhelden aus meinen Comic-Heften gewesen. Normale Bücher konnten meine Aufmerksamkeit überhaupt nicht fesseln, doch Comics faszinierten mich; das trieb mich an, so lange weiterzumachen, bis ich diese Geschichten selbst lesen konnte und nicht darauf warten musste, sie von jemand anderem vorgelesen zu bekommen. Ich las sie mit der Taschenlampe unter der Bettdecke bis spät in die Nacht. Diese Geschichten machten mir Hoffnung, dass ein Mensch schier Unmögliches überwinden und besiegen kann.

Meine Lieblings-Superhelden waren die X-Men, nicht weil sie die Allerstärksten waren, sondern weil sie verkannt wurden und so ganz und gar anders waren. Das konnte ich gut nachempfinden. Sie waren Mutanten, sie passten nicht in die Gesellschaft und wurden von Leuten, die sie nicht verstanden, gemieden. Sie waren wie ich – bis auf die Superkräfte. Die X-Men waren Ausgestoßene – und ich auch. Ich gehörte in ihre Welt. Ich wuchs in Westchester County auf, einem Außenbezirk von New York City, und als ich eines Nachts im Comic las, dass »Xaviers Institut für begabte Jugendliche« von Professor X ganz in der Nähe war, war ich superaufgeregt.

Mit neun setzte ich mich fast jedes Wochenende aufs Fahrrad, radelte durchs Viertel und suchte nach dieser Schule. Ich war davon besessen. Ich dachte, wenn ich sie finden würde, gäbe es in dieser Schule auch einen Platz für mich; dort würde ich endlich dazugehören und dazu passen – das wäre ein sicherer Platz, wo ich anders sein und meine eigenen Superkräfte entdecken und entwickeln könnte.

DER JUNGE MIT DEM KAPUTTEN GEHIRN

In der wirklichen Welt war das Leben nicht sehr schön für mich. Um diese Zeit herum entwickelte meine Großmutter, die bei uns lebte und mich mit aufzog, Anzeichen von fortgeschrittener Demenz. Es ist schwierig zu beschreiben, wie das ist, wenn man sieht, wie ein geliebter Mensch seinen Verstand und sein Gedächtnis verliert. Es war, wie wenn ich sie immer mehr verlieren würde, bis sie schließlich verstarb. Sie war meine Welt; ihretwegen und wegen meiner Lernschwierigkeiten liegt mir die Gesundheit und Fitness des Gehirns so leidenschaftlich am Herzen.

Als ich dann wieder in die Schule ging, wurde ich schikaniert und ausgelacht, nicht nur auf dem Spielplatz, sondern auch im Klassenzimmer. Ich weiß noch, wie eine Lehrerin, die frustriert war, weil ich einfach nichts kapierte, eines Tages auf mich zeigte und sagte: »Das ist der Junge mit dem kaputten Gehirn.« Ich war am Boden zerstört, als ich erkannte, dass sie dieses Bild von mir hatte – und wahrscheinlich nicht nur sie, sondern auch die anderen.

Indem wir einem Menschen oder einer Sache ein Etikett aufdrücken, erzeugen wir oftmals eine Grenze; das Etikett wird zur Begrenzung. Erwachsene müssen mit ihren geäußerten Worten aufpassen, denn sie werden sehr schnell zur Innenwelt des Kindes.

Genau das passierte mit mir in diesem Moment. Sooft mir das Lernen schwerfiel, ich bei einem Test schlecht abschnitt, im Turnunterricht nicht in ein Team gewählt wurde oder hinter meinen Klassenkameraden zurückblieb, schob ich den Grund dafür auf mein kaputtes Gehirn. Wie konnte ich nur erwarten, genauso gut zu sein wie die anderen? Schließlich war ich ja kaputt; mein Kopf funktionierte nicht so gut wie der von anderen Leuten. Obwohl ich zuweilen viel mehr lernte und mich viel mehr abmühte als meine Schulkameraden, zeigte sich das nie in meinen Noten.

Ich war zu stur, um aufzugeben, und schaffte es von einer Klasse zur nächsten, aber gut war ich nicht gerade. In Mathe war ich ziemlich weit, dank einiger talentierter Freunde, aber in den meisten anderen Fächern war ich miserabel, besonders in Englisch, Lesen, Fremdsprachen und Musik. In meinem Freshman-Jahr auf der Highschool drohte ich in Englisch durchzufallen. Meine Lehrerin bestellte meine Eltern ein, um zu besprechen, wie ich noch eine ausreichende Note schaffen konnte.

Sie bot mir ein Projekt an, mit dem ich mir ein paar Extrapunkte »verdienen« konnte. Ich sollte in einem Aufsatz das Leben und die Leistungen von zwei Genies miteinander vergleichen: Leonardo da Vinci und Albert Einstein. Sie versprach mir, dann könnte sie mir genug Punkte geben, um in die nächste Klasse versetzt zu werden.

Ich betrachtete es als eine Riesenchance, angesichts meines schwierigen Einstiegs in die Highschool sozusagen noch einmal von vorn anzufangen. Voller Engagement stürzte ich mich darauf und wollte den bestmöglichen Aufsatz schreiben. Nach dem Unterricht saß ich stundenlang in der Bibliothek und versuchte mein Möglichstes, alles über diese beiden brillanten Köpfe zu lernen, während ich an diesem Aufsatz arbeitete. Interessanterweise stieß ich beim Recherchieren mehrmals auf Erwähnungen, dass Albert Einstein und Leonardo da Vinci angeblich ebenfalls mit Lernschwierigkeiten zu kämpfen hatten.

An dem Tag, als ich den Aufsatz abgeben sollte, packte ich ihn in meinen Rucksack und war ganz aufgeregt, weil ich ihn nun bei meiner Lehrerin abliefern würde. Noch aufgeregter erwartete ich ihre Reaktion auf meine Arbeit. Ich wollte ihr den Aufsatz nach dem Unterricht geben, also saß ich im Unterricht und versuchte mich zu konzentrieren, aber immer wieder stellte ich mir vor, wie sie mich anschauen würde, wenn ich ihr meinen Aufsatz vorlegte.

Doch dann legte sie mir einen Ball vor, auf den ich nicht vorbereitet war. Als der Unterricht etwa zur Hälfte vorbei war, brachte die Lehrerin die Stunde zu Ende und kündigte den Schülern eine Überraschung an: Ich hätte an einem Aufsatz gearbeitet, um mir Punkte zu verdienen, und sie wolle, dass ich ihn der Klasse vortrage – jetzt gleich.

In der Schule hatte ich fast immer versucht, mich ganz klein zu machen, um im Unterricht nicht aufgerufen zu werden. Als der Junge mit dem kaputten Gehirn hatte ich nicht das Gefühl, viel bieten zu können. Ich war überschüchtern und zog nur sehr ungern Aufmerksamkeit auf mich. Damals bestand meine Superkraft darin, unsichtbar zu sein. Und ich hatte tödliche Angst davor, in der Öffentlichkeit zu sprechen.

Ich übertreibe hier keineswegs. Hätte man mich in diesem Moment an einen Herzmonitor angeschlossen, wäre das Gerät wahrscheinlich zerstört worden. Außerdem bekam ich kaum Luft. Ich konnte mich unmöglich vor die Klasse stellen und über meine Arbeit reden. Also entschied ich mich für die einzige für mich mögliche Option: »Es tut mir leid, ich habe den Aufsatz nicht geschrieben«, stotterte ich und bekam die Worte kaum heraus.

Die Enttäuschung meiner Lehrerin, die ihr ins Gesicht geschrieben stand – so ganz anders, als ich es mir zuvor ausgemalt hatte –, war so groß, dass es mir fast das Herz zerriss. Aber ich konnte einfach nicht erfüllen, was sie von mir wollte.

Als der Unterricht vorbei war und alle gegangen waren, warf ich meinen Aufsatz in den Müll – und zugleich einen Großteil meiner Selbstachtung und meines Selbstwertgefühls.

SIE SIND IHREM ZIEL NÄHER, ALS SIE MEINEN

Irgendwie schaffte ich es trotz meiner Schulprobleme auf eine der örtlichen Universitäten. Ich dachte, als Freshman im College hätte ich noch eine allerletzte Chance für einen Neubeginn. Ich träumte davon, der Stolz meiner Familie zu sein und der Welt (und – noch wichtiger – mir selbst) zu zeigen, dass ich erfolgreich sein könnte. Ich war in einer neuen Umgebung. College-Professoren hatten einen anderen Unterrichtsstil als Highschool-Lehrer, und niemand an diesem College hatte von mir eine vorgefasste Meinung. Ich legte mich richtig ins Zeug, doch letztlich war ich im College noch schlechter als auf der Highschool.

Nach wenigen Monaten stellte ich mich der Realität: Warum sollte ich weiterhin Zeit und Geld verschwenden, das ich nicht hatte? Ich war so weit, die Schule ganz aufzugeben, und erzählte einem Freund von meinem Plan. Er schlug mir vor, zusammen mit ihm übers Wochenende zu seiner Familie zu fahren, bevor ich eine Entscheidung traf. Er dachte, ich könnte die Dinge anders sehen, wenn ich einmal vom Campus wegkam.

Bei ihm zu Hause führte mich sein Vater vor dem Abendessen auf dem Gelände herum und erkundigte sich, wie es in der Schule bei mir denn so laufe. Das war die schlimmste Frage, die man mir zu dem Zeitpunkt überhaupt stellen konnte, und meine Reaktion bestürzte ihn bestimmt: Ich brach in Tränen aus, ja ich fing richtiggehend zu heulen an. Er war ganz betroffen, doch durch seine unschuldige Frage brach bei mir der Damm, der bislang so viele aufgestaute Emotionen zurückgehalten hatte.

Ich erzählte ihm die ganze Geschichte vom »Jungen mit dem kaputten Gehirn«, und er hörte mir geduldig zu. Als ich damit fertig war, schaute er mir in die Augen.

»Jim, warum bist du in der Schule?«, fragte er mich. »Was möchtest du gerne sein? Was möchtest du gerne machen? Was möchtest du haben? Was möchtest du mit anderen teilen?«

Mir fiel auf diese Fragen keine spontane Antwort ein, denn niemand hatte mich so etwas bislang gefragt; aber ich hatte das Gefühl, ich müsste sie jetzt beantworten. Ich fing an zu reden, aber er unterbrach mich, riss ein paar Blätter aus seinem Taschenkalender und wies mich an, ich solle meine Antworten aufschreiben. (In diesem Buch zeige ich Ihnen, wie Sie durch Fragen schneller lernen und schneller etwas erreichen können.)

Ein paar Minuten lang war ich damit beschäftigt, eine Wunschliste aufzuschreiben. Als ich damit fertig war, faltete ich die Blätter zusammen, um sie in die Tasche zu stecken. Doch der Vater meines Freundes nahm mir die Blätter aus der Hand. Ich flippte aus, denn ich fand, meine Notizen sollten von niemand anderem gelesen werden, schon gar nicht von diesem mir völlig Fremden. Aber er faltete die Blätter auseinander und las, während ich unbehaglich vor mich hin schmorte.

Mir kam so vor, als dauerte das Lesen stundenlang – obwohl es bestimmt nur eine oder zwei Minuten waren. Dann hielt der Vater meines Freundes die Zeigefinger seiner rechten und linken Hand etwa 30 Zentimeter auseinander und sagte: »Du bist so kurz davor, alles auf dieser Liste zu bekommen!«

Das hörte sich für mich absurd an. Ich antwortete, ich könnte diese Liste nicht einmal in zehn Leben abarbeiten. Aber dann legte er seine Finger, ohne sie weiter auseinanderzunehmen, an die beiden Seiten meines Kopfes. Er meinte mein Gehirn.

»Das ist der Schlüssel«, sagte er. »Komm mit, ich möchte dir etwas zeigen.«

Wir gingen zurück ins Haus, und er führte mich in ein Zimmer, das ich zuvor noch nicht gesehen hatte. Die Wände waren vom Boden bis zur Decke mit Büchern gefüllt. Wie Sie wissen, war ich damals nicht gerade ein Bücherfan. Für mich war diese Bibliothek eher wie ein Zimmer voller Schlangen. Aber es kam noch schlimmer: Er nahm »Schlangen« aus den Regalen und reichte sie mir. Ich las die Titel und erkannte, dass es lauter Bücher über unglaubliche Männer und Frauen der Geschichte waren sowie ein paar frühe Bücher über Persönlichkeitsentwicklung, zum Beispiel »Denken Sie groß! Erfolg durch großzügiges Denken«, »Die Kraft positiven Denkens« und »Denke nach und werde reich«.

»Jim, ich möchte, dass du pro Woche eines dieser Bücher liest.«

Mein erster Gedanke war: Hast du mir denn gar nicht zugehört? Ich sprach diesen Gedanken nicht aus, aber ich antwortete: »Ich hab keine Ahnung, wie das gehen sollte. Sie wissen doch, Lesen fällt mir nicht leicht, und ich habe ohnehin schon so viel für die Schule zu tun.«

Er hielt einen Finger hoch und sagte: »Lass nicht zu, dass die Schule deiner Bildung im Weg steht.« Wie ich später erfuhr, spielte er damit auf ein Zitat an, das oft Mark Twain zugeschrieben wird.

»Hören Sie«, sagte ich, »ich versteh ja, dass es echt nützlich wäre, diese Bücher zu lesen, aber ich möchte nichts versprechen, was ich nicht halten kann.«

Er fasste in die Hosentasche, zog meine Wunschliste heraus und las jeden Punkt laut vor.

Zu hören, wie meine Träume mit der Stimme einer anderen Person ausgesprochen wurden, brachte meinen Kopf und meine Seele richtig durcheinander. Viele meiner Wünsche auf dieser Liste wollte ich eigentlich für meine Familie erreichen – Dinge, die meine Eltern sich nie würden leisten können oder die sie nie gemacht hätten, selbst wenn sie sie sich leisten könnten. Dies nun laut zu hören, berührte mich auf eine Weise, wie ich es nicht für möglich gehalten hätte. Ich verband mich dadurch zutiefst mit meiner Tatkraft und meiner Aufgabe im Leben. (In Teil III dieses Buches werden wir gemeinsam Ihre Motivation freisetzen.)

Schließlich sagte ich zu, ich würde genau das machen, was er vorgeschlagen hatte, obwohl ich insgeheim keine Ahnung hatte, wie ich das schaffen sollte.

DIE RICHTIGE FRAGE STELLEN

Nach dem Wochenende kehrte ich mit diesen Büchern in die Schule zurück. Jetzt lagen auf meinem Schreibtisch zwei Stapel Bücher: Den einen musste ich für die Schule lesen, den anderen hatte ich zu lesen versprochen. Erst jetzt ging mir auf, worauf ich mich eingelassen hatte. Wie sollte ich bloß diese Stapel verkleinern, wo mir das Lesen doch solche Mühe bereitete? Schon mit dem ersten Stapel hatte ich zu kämpfen – was sollte ich bloß tun? Woher die Zeit nehmen? Ich aß nicht mehr, ich schlief nicht mehr, ich machte keinen Sport mehr. Ich schaute weder Fernsehen noch traf ich mich mit Freunden. Stattdessen wohnte ich praktisch in der Bibliothek, bis ich eines Abends vor lauter Erschöpfung ohnmächtig wurde, eine Treppe hinunterfiel und mir noch eine Kopfverletzung zuzog.

Erst zwei Tage später kam ich im Krankenhaus wieder zu mir. Ich dachte, ich wäre gestorben; ein Teil von mir hatte sich das vielleicht sogar gewünscht. Mein Leben war an einem dunklen Tiefpunkt angelangt. Ich wurde immer dünner, wog nur noch 53 Kilogramm und war so dehydriert, dass man mich mit Infusionen versorgte.

Mir ging es also wirklich miserabel, aber ich sagte mir: Es muss einen besseren Weg geben. In diesem Moment kam eine Krankenschwester mit einem Becher Tee ins Zimmer; auf dem Becher war ein Bild von Einstein – über den ich damals in der Highschool den Aufsatz geschrieben und so viel geforscht hatte. Daneben stand ein Zitat: »Probleme kann man niemals auf derselben Bewusstseinsebene lösen, auf der sie entstanden sind.« [Siehe auch Anfang von Kapitel 15.]

Da ging mir ein Licht auf: Vielleicht stellte ich die falsche Frage? Was war mein wahres Problem? Ich lernte nur langsam, das wusste ich ja, aber seit Jahren machte ich mir darüber immer dieselben Gedanken. Wie ich erkannte, versuchte ich, meine Lernprobleme auf Basis des Denkens zu lösen, das man mir beigebracht hatte – einfach durch härteres Arbeiten. Doch was wäre, wenn ich mir eine bessere Lernmethode beibringen könnte? Wenn ich auf effektivere, effizientere Weise lernen könnte, die auch noch Spaß machte? Wenn ich lernen könnte, schneller zu lernen?

In diesem Moment schrieb ich mir auf die Fahne, eine solche Möglichkeit zu finden, und durch diese Verpflichtung veränderte sich mein Denken.

Ich bat die Krankenschwester um ein Veranstaltungsverzeichnis und blätterte es Seite für Seite durch. Auf Hunderten von Seiten hatte ich nur Kurse gefunden, was man lernen konnte – Spanisch, Geschichte, Mathe, Naturwissenschaften –, aber keinerlei Kurse, um den Studierenden beizubringen, wie man lernen konnte.

DAS LERNEN LERNEN

Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, hatte mich die Idee, zu lernen, wie man lernt, so gepackt, dass ich mein Studium aufgab und mich ausschließlich auf die Bücher fokussierte, die mir mein Mentor gegeben hatte; hinzu kamen weitere Bücher über Lerntheorien in der Erwachsenenbildung, die Theorie der multiplen Intelligenzen, Neurowissenschaft, Persönlichkeitsentwicklung, Pädagogische Psychologie, Schnelllesen sowie uralte Mnemotechniken (ich wollte wissen, was ältere Kulturen unternommen hatten, um Wissen weiterzugeben, als es noch keine externen Speichermöglichkeiten wie Druckerzeugnisse oder Computer gab). Ich war besessen davon, das folgende Rätsel zu lösen: Wie arbeitet mein Gehirn und wie kann ich an meinem Gehirn arbeiten?

Monatelang tauchte ich tief in meine neuen Studien ab, die ich in »Eigenregie« durchführte …, und dann ging mir ein Licht auf. Ich konnte mich besser fokussieren. Ich verstand neue Konzepte, weil ich mich konzentrieren konnte – ich ließ mich nicht mehr so leicht ablenken. Ich konnte Informationen, die ich ein paar Wochen zuvor gelernt hatte, ohne große Schwierigkeiten wieder abrufen und erinnern. Ich hatte mehr Energie und war neugieriger. Zum ersten Mal in meinem Leben las und verstand ich Informationen in einem Bruchteil der Zeit, die ich früher dafür gebraucht hatte. Meine neu gefundene Kompetenz gab mir so viel Selbstvertrauen, wie ich es nie zuvor gekannt hatte. Auch mein Alltag änderte sich – ich war klar, ich wusste, was ich zu tun hatte, um mich voranzubringen, und ich setzte eine kraftvolle, nachhaltige Motivation in mir frei. Dank dieser Ergebnisse wandelte sich mein »Mindset«, also meine Denkweise, und ich glaubte daran, dass alles möglich ist.

Aber ich war auch verstört. Mir schien, all die Jahre voller Selbstzweifel und Leid hätten vermieden werden können, wenn mir diese so entscheidend wichtige Methode des Metalernens (also zu lernen, wie man lernt) in der Schule beigebracht worden wäre. Ich weiß noch, wie mir die Lehrer ständig sagten, ich solle mich beim Lernen mehr anstrengen und mich besser konzentrieren. Sagt man einem Kind so etwas wie »Konzentrier dich!«, könnte man ihm ebenso gut sagen, es solle Ukulele spielen. Es ist sehr schwierig, wenn man nicht gelernt hat, wie es geht.

Nach meiner »Heldenreise« musste ich meinen »Schatz« und das, was ich gelernt hatte, einfach mit anderen teilen. Also begann ich, diese Methoden anderen Studenten beizubringen.

Der Wendepunkt war erreicht, als ich mit einer Studienanfängerin arbeitete, die lernen wollte, wie sie schneller lesen, ihre Auffassungsgabe stärken und sich die gelernten Informationen besser merken konnte. Sie arbeitete fleißig daran und erreichte ihr Ziel, nämlich 30 Bücher in 30 Tagen zu lesen. Ich wusste, wie sie das machte – schließlich hatte ich ihr die Methode beigebracht, die Sie in Kapitel 14 lernen werden –, aber ich wollte auch wissen, warum sie das wollte. Wie ich herausfand, bestand ihre Motivation darin, dass ihre Mutter Krebs im Endstadium hatte, und sie war entschlossen, sie zu retten, indem sie Bücher über Gesundheit, Wellness und Medizin studierte. Monate später rief sie mich an und erzählte mir unter Freudentränen, der Krebs ihrer Mutter sei zurückgegangen.

In diesem Moment erkannte ich: Wenn Wissen Macht ist, dann ist das Lernen unsere Supermacht bzw. Superkraft. Unsere Lernfähigkeit ist grenzenlos; man muss uns nur zeigen, wie wir Zugang dazu finden können. Zu sehen, wie sich das Leben dieser Frau verändert hatte, entfachte das Feuer meiner Bestimmung, und ich erkannte meine Lebensaufgabe: anderen Menschen das Mindset, die Motivation und die Methoden beizubringen, anhand derer sie ihr Gehirn aufrüsten und alles schneller lernen können, um sich auf diese Weise ein außergewöhnliches Leben zu erschließen.

Wenn Wissen Macht ist, dann ist das Lernen unsere Supermacht bzw. Superkraft

Im Lauf von mehr als zwei Jahrzehnten habe ich zuverlässige und bewährte praxisorientierte Methoden für ein besseres Lernen entwickelt; viele davon werden in diesem Buch vorgestellt. Ich habe nicht nur mein Versprechen gehalten, pro Woche ein Buch zu lesen, sondern setze mich nach wie vor für alle Menschen ein, von angeblich »lernbehinderten« Kindern bis hin zu alten Menschen, deren Gehirn sich mit zunehmendem Alter verschlechtert. Unser Team unterstützt im Gedenken an meine Großmutter mit großer Leidenschaft die Alzheimer-Forschung. Wir glauben, dass Bildung das Geburtsrecht eines jeden Kindes ist; deshalb finanzieren wir Schulgründungen in aller Welt, von Guatemala bis Kenia, kümmern uns über wunderbare Organisationen wie WE Charity und Pencils of Promise um die Gesundheitsvorsorge, um sauberes Wasser und Lernmöglichkeiten für Kinder in Not. Das ist unsere Mission. Wir wollen »helle Köpfe«, das heißt klügere Gehirne aufbauen. Kein Gehirn wird dabei im Stich gelassen.

Ich habe diese Technik anderen Menschen mit erstaunlichen Ergebnissen beigebracht. Inzwischen veranstalte ich jedes Jahr Live-Seminare mit insgesamt über 150.000 Teilnehmern aus allen nur denkbaren Bereichen. Ich arbeite als »Brain Coach« für wichtige Persönlichkeiten aus Sport und Unterhaltung und als Trainer in vielen weltweit führenden Unternehmen und Universitäten, leite eine große Online-Plattform für schnelleres Lernen mit Studierenden aus 195 Ländern und bin Host eines Podcasts mit dem Namen Kwik Brain, der bereits von zig Millionen Nutzern heruntergeladen wurde. Meine Videos mit Unterweisungen werden von Hunderten Millionen Menschen geschaut. Dieses Buch steckt voller Lektionen und praktischer Empfehlungen, die ich im Lauf der Jahre gelernt habe, aber auch viele Gastexperten, die in unserer Show auftraten, haben ihre Weisheit und ihre Ressourcen mit eingebracht.

Warum erzählte ich das alles? Ich habe mein Leben der Erforschung und Unterrichtung dieses Themas gewidmet. Ich weiß, was in diesem Buch steckt, und ich weiß, was in Ihnen steckt!

DIE SCHULE VON PROFESSOR X FINDEN

Diese Geschichte hat eine glückliche Pointe. Wie erwähnt, veranstalte ich regelmäßig sogenannte Brain Coachings für Unternehmensleiter und ihre Teams. Vor einigen Jahren lud Jim Gianopulos, der damalige Vorstandschef von Twentieth Century Fox, mich ein, um mit seinem Führungsteam eine Coaching-Sitzung zu halten. An einem Freitagmorgen begab ich mich aufs Filmgelände und verbrachte mehrere Stunden mit Mitgliedern seiner Führungsriege. Sie waren für meine Botschaft äußerst aufgeschlossen und fanden sofort Zugang zu den Techniken.

Nach der Sitzung kam Jim zu mir und sagte: »Das war unglaublich – eine der besten Schulungen, die wir jemals hatten.«

Das freute mich natürlich sehr. Schließlich mögen wir alle positives Feedback.

Später machte ich eine Führung durchs Filmgelände mit, wo mein Blick auf ein Poster für den »Wolverine«-Film fiel, der in diesem Jahr herauskommen sollte. Ich zeigte auf das Poster und sagte: »Ich kann es kaum erwarten, diesen Film zu sehen. Ich bin ein Riesenfan.«

»Oh, du magst Superhelden?«, fragte Jim.

»Ich liebe sie. Die X-Men haben in meinem Leben eine große Rolle gespielt«, bekannte ich und erzählte ihm von meiner Hirnverletzung als Kind, wie ich mithilfe von Comic-Heften lesen lernte und die Schule von Professor X, »Xaviers Institut für begabte Jugendliche«, suchte.

Er lächelte mich an. »Weißt du was, wir haben noch 30 Drehtage für den nächsten X-Men-Film in Montreal. Warum kommst du nicht für eine Woche mit zum Dreh? Die Schauspieler würden liebend gerne mit dir arbeiten.«

Diese Chance wollte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Ich war zuvor noch nie auf einem Filmset gewesen, und es war ja auch nicht irgendein Film – es ging um einen X-Men-Film!

Am nächsten Morgen bestiegen wir das Flugzeug; es trug den Namen X-Jet. Außer mir waren fast alle Schauspieler und Schauspielerinnen an Bord, die die Mutanten spielten. Und auf einmal saß ich doch glatt zwischen Jennifer Lawrence und Halle Berry. Es war der beste Tag meines Lebens!

Auf dem Flug und in der folgenden Woche am Set konnte ich einigen der außergewöhnlichen Darsteller und Teammitglieder meine Gehirntipps fürs Schnelllesen von Drehbüchern und fürs Einprägen von Text vermitteln. Und was passierte? Die allererste Szene, bei deren Dreh ich dabei war, fand in »Xaviers Institut für begabte Jugendliche« statt – genau an dem Ort, den ich mir als Kind so unendlich oft vorgestellt und nach dem ich gesucht hatte. Das war für mich echt ein surrealer Augenblick.

Welchen Traum haben Sie? Einen, der Ihnen immer gegenwärtig ist, wie ein Splitter im Gehirn? Stellen Sie sich diesen Traum ganz lebendig in allen Einzelheiten vor – visualisieren Sie ihn. Fühlen Sie ihn. Glauben Sie daran. Und arbeiten Sie täglich daran.

Doch das ist noch nicht einmal das Beste an dieser Geschichte. Als ich von diesem Trip zurückkam, wartete zu Hause ein Paket auf mich. Es war riesig, wie ein großer Flachbildfernseher. Ich machte das Paket auf und zog ein riesengroßes gerahmtes Foto von mir und dem gesamten X-Men Cast heraus (siehe unter LimitlessBook.com/classphoto); der Präsident hatte dazu geschrieben:

Lieber Jim,

ich danke dir sehr dafür, dass du deine Superkräfte mit uns allen geteilt hast. Ich weiß, dass du schon als Kind nach deiner Super-helden-Schule gesucht hast. Hier ist dein Klassenfoto.

SICH GEMEINSAM VON GRENZEN BEFREIEN

Sich von Grenzen befreien –

grenzenlos werden …

Das heißt: Aufgeben ungenauer und einschränkender Wahrnehmungen des eigenen Potenzials und Annehmen der Erkenntnis, dass es mit dem richtigen Mindset, der richtigen Motivation und den richtigen

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