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12 spannende Strand Krimis Juli 2021
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eBook1.733 Seiten19 Stunden

12 spannende Strand Krimis Juli 2021

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12 spannende Strand Krimis Juli 2021 - Hochspannung für den Urlaub

von Alfred Bekker, Tomos Forrest, A.F.Morland

 

Über diesen Band:

 

 

Dieser Band enthält folgende Krimis:

 

Tomos Forrest/A.F.Morland: Keine Gnade für Millane

Alfred Bekker: Satansjünger

Alfred Bekker: Killerjagd

Alfred Bekker: Tod eines Schnüfflers

Alfred Bekker: Mord am East River

Alfred Bekker: Die Tote ohne Namen

Alfred Bekker: Ein Sarg für den Prediger

Alfred Bekker: Feuer und Flamme

Alfred Bekker: Der Killer, dein Freund und Helfer

Alfred Bekker: Mörderspiel

Alfred Bekker: Verschwörung der Killer

Alfred Bekker: Ein Killer läuft Amok

 

Im Kampf gegen das Verbrechen setzt der smarte Ermittler Bount Reiniger auf ungewöhnliche Methoden - hin und wieder aber auch auf die Schusskraft seiner Automatik.

 

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

 

SpracheDeutsch
HerausgeberAlfred Bekker
Erscheinungsdatum3. Juli 2021
ISBN9798201218683
12 spannende Strand Krimis Juli 2021
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Autor

Alfred Bekker

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

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    Buchvorschau

    12 spannende Strand Krimis Juli 2021 - Alfred Bekker

    12 spannende Strand Krimis Juli 2021 - Hochspannung für den Urlaub

    von Alfred Bekker, Tomos Forrest, A.F.Morland

    Über diesen Band:

    ––––––––

    Dieser Band enthält folgende Krimis:

    Tomos Forrest/A.F.Morland: Keine Gnade für Millane

    Alfred Bekker: Satansjünger

    Alfred Bekker: Killerjagd

    Alfred Bekker: Tod eines Schnüfflers

    Alfred Bekker: Mord am East River

    Alfred Bekker: Die Tote ohne Namen

    Alfred Bekker: Ein Sarg für den Prediger

    Alfred Bekker: Feuer und Flamme

    Alfred Bekker: Der Killer, dein Freund und Helfer

    Alfred Bekker: Mörderspiel

    Alfred Bekker: Verschwörung der Killer

    Alfred Bekker: Ein Killer läuft Amok

    Im Kampf gegen das Verbrechen setzt der smarte Ermittler Bount Reiniger auf ungewöhnliche Methoden - hin und wieder aber auch auf die Schusskraft seiner Automatik.

    Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden, Sidney Gardner, Jonas Herlin, Adrian Leschek, John Devlin, Brian Carisi, Robert Gruber und Janet Farell.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

    © Roman by Author /

    © dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Folge auf Twitter:

    https://twitter.com/BekkerAlfred

    Erfahre Neuigkeiten hier:

    https://alfred-bekker-autor.business.site/

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    Alles rund um Belletristik!

    Keine Gnade für Millane

    Berlin 1968 Kriminalroman Band 27

    von Tomos Forrest & A. F. Morland

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 110 Taschenbuchseiten.

    Das hätte sich Bernd Schuster niemals träumen lassen.

    Da findet er ausgerechnet in dem Restaurant, in dem er mit Franziska eine Pizza isst, die Tochter eines guten Bekannten tot auf der Toilette. Doris ist eine von den zahlreichen Drogentoten, die Berlin in jedem Jahr verzeichnet. Aber dieser Fall ist anders, ganz anders. Der Vater der Toten ist ein Privatdetektiv und guter Bekannter, und er schwört, dass er alle Verantwortlichen töten wird. Keine angenehme Aufgabe für den Privatdetektiv, den Mann rechtzeitig zu stoppen, bevor er zum Mörder wird...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author

    Nach einem Roman-Motiv von A.F.Morland, 2021

    Cover: Nach Motiven und Grischa Georgiew 123rf – Steve Mayer, 2021

    Titel/Charaktere/Treatment © by Marten Munsonius & Thomas Ostwald, 2021

    Roman – Nach Motiven – by Tomos Forrest, 2021

    © dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

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    postmaster@alfredbekker.de

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    Alles rund um Belletristik!

    1

    „Also, meine liebe Franzi, ich versichere dir, dass du die beste Assistentin der Welt bist. Na gut, übertrieben – also, du bist die beste Assistentin Berlins. Und dazu eine attraktive Frau, wie Mann sie sich nicht besser wünschen könnte!"

    „Oh Bernd, hör schon auf mit diesem Schmus!, antwortete Franziska und blickte kurz von der Karte auf. „Schließlich bist du es gewesen, der mit mir zum angeblich besten Pizza-Italiener in West-Berlin wollte. Also – warum schleimst du eigentlich so mit mir herum?

    Bernd gab sich den Anschein, beleidigt zu sein. Franziska Jahn, Bernd Schusters Lebensgefährtin und tüchtige Mitarbeiterin, war an diesem Tag besonders fleißig gewesen und Bernd hatte gesagt, dass sie einen Wunsch frei hätte.

    Sie bat ihn, mit ihr essen zu gehen, und sein Vorschlag, diese Pizzeria aufzusuchen, wurde von Franziska mit Begeisterung aufgenommen.

    Die beiden studierten die Speisekarte, und die große Auswahl machte es ihnen nicht gerade leicht. Mit halbem Ohr hörte Bernd der Unterhaltung am Nachbartisch zu und musste unwillkürlich grinsen, als er verstand, was dort so angelegentlich besprochen wurde.

    „Schlecht? Mein Gott, wieso ist dir schon wieder schlecht?", fragte der junge Mann besorgt.

    In diesem Moment hätte ihm Bernd zugerufen: ‚Mein Gott, du Esel, dein Mädchen ist schwanger, das sieht doch ein Blinder mit dem Krückstock!‘, aber das war gar nicht nötig. Der junge Bursche wusste es längst und musste nur auf die Spur gebracht werden, um zu verstehen, was seine Frau bedrückte.

    Die junge, blonde Frau lächelte den Mann an ihrer Seite an. „Krieg doch nicht gleich wieder einen Schock, Martin. Das ist ganz natürlich. Alle Frauen, die ein Kind erwarten, müssen das durchmachen."

    „Den anderen wird aber nur morgens übel."

    „Ich bin eben besonders sensibel. Außerdem ... Die junge Frau legte ihrem frisch gebackenen Ehemann die Hand auf den Arm. „Außerdem sagt man, dass es, wenn einer Mutter besonders häufig schlecht wird, ein Junge wird. Und du wünschst dir doch so sehr einen Sohn.

    Damit zog sie sich in Richtung Damentoilette zurück. Die Wände waren mit geschmackvollen Kacheln ausgestattet, aus verborgenen Lautsprechern rieselten typisch italienische Klänge, und über dem Waschbecken hing ein riesiger Spiegel, in dem sich die Schwangere betrachtete.

    Sie war mit ihrem Aussehen nicht zufrieden, aber welche werdende Mutter ist das schon.

    Sie öffnete eine der Türen.

    Und dann war sie es, die einen furchtbaren Schock bekam, denn in der Toilette befand sich ein totes Mädchen, eine Rauschgiftsüchtige.

    Ihr Arm war noch mit dem Gummischlauch abgebunden, und in ihrer Vene steckte die Nadel der Spritze.

    Sie hatte sich offensichtlich den goldenen Schuss verpasst!

    2

    Die Pizza war groß wie ein Wagenrad und schmeckte vorzüglich. Das Lokal wurde von einem Sizilianer geführt und war ein Geheimtipp in Berlin. Franziska war begeistert.

    Zu der scharfen Pizza „Diavolo" tranken sie fruchtigen Valpolicella. Es war ein netter Ausklang für einen arbeitsreichen Tag. Bernd und Franziska versuchten, abzuschalten und nicht über geschäftliche Dinge zu sprechen.

    Es gelang ihnen recht gut. Es gab genug andere Dinge, über die sie sprechen konnten, ohne dass auch nur eine Minute Langeweile aufkam. Dazu gehörte natürlich auch Lucy, die siebzehnjährige Tochter Bernds aus seiner ersten Ehe. Lucy war mitten im Abitur, und brachte bei den Klausuren sehr gute Noten mit nach Hause. Was den beiden aber Sorge machte, war die Teilnahme Lucys und ihrer Clique an den zahlreichen Demonstrationen, die Berlin derzeit aufrüttelten. Der Krieg in Vietnam war ein Thema, das Studenten, Jugendliche und eine Reihe anderer Bürger regelmäßig auf die Straßen trieb. Hausbesetzungen, weil die Investoren alte Mieter rausekelten, um dann abzureißen und teure neue Wohnungen zu bauen, ein weiterer Grund. Und dann waren die Studenten alles andere als begeistert von der mitunter recht braunen Vergangenheit ihrer Professoren und Dozenten. ‚Unter den Talaren – der Muff von tausend Jahren!‘, war nur einer der üblichen Sprüche, die von den Demonstranten lautstark skandiert wurden. Aber das alles war heute Abend weit weg, sie wollten einfach nur ihre Pizza genießen.

    Franziska trug einen zyklamfarbenen, modisch weit geschnittenen Hosenanzug, dessen Dekolleté einen sehenswerten Einblick gewährte. Sie war bester Laune, und manchmal blitzte es verschmitzt in ihren veilchenblauen Augen auf.

    Das blonde Haar floss in weichen Wellen auf ihre wohlgerundeten Schultern. Sie war eine Frau, mit der sich ein Mann überall sehen lassen konnte. Und Bernd war insgeheim sehr stolz darauf, dass sie nun schon seit einigen Jahren nicht nur beruflich eng verbunden waren, sondern auch privat. Zwar behielt Franziska noch immer ihre eigene Wohnung, aber sie blieb auch sehr oft über Nacht in Bernds Wohnung in der Kurfürstenstraße.

    Zum italienischen Rotwein rauchte Bernd eine Roth Händle.

    Er lächelte über den Tisch. „Ist eine Ewigkeit her, dass wir so gemütlich beisammensaßen. Wir sollten das öfter tun."

    „An mir soll’s nicht liegen, erwiderte Franziska. „Du bist ja immer derjenige, der nie Zeit hat.

    „Das wird sich ändern. Ich verspreche es."

    Franziska wusste, dass es ein leeres Versprechen war. Das war nicht einmal so sehr Bernds schuld. Der Wille wäre ja da gewesen, aber Bernd Schuster war ein vielbeschäftigter Privatdetektiv, und Stunden wie diese waren in seinem Leben dünn gesät.

    „Ich denke, ich werde wie bisher den Willen für die Tat nehmen", bemerkte Franziska Jahn mit einem verständnisvollen Lächeln.

    Bernd blickte an ihr vorbei. In der Nähe der Toiletten tänzelte ein junger Mann, als müsste er dringend mal, aber der Reißverschluss seiner Hose würde klemmen.

    Franziska folgte seinem Blick. „Der Mann scheint ein Problem zu haben."

    „Es gibt Dinge, die muss man allein durchstehen", bemerkte Bernd schmunzelnd, aber einen Augenblick später wurde er ernst, denn aus der Damentoilette wankte eine junge Frau, grün im Gesicht.

    Der Mann schien auf sie gewartet zu haben. Bestürzung erfasste ihn. Er eilte auf die junge Frau zu, die sich noch zwei Schritte weiterschleppte, dann wurden ihre Knie weich.

    „Da ist irgendetwas nicht in Ordnung, sagte Bernd und stand auf. „Entschuldige mich einen Augenblick, Franziska.

    „Jana, um Himmels willen, was ...", stammelte der junge Mann.

    Bernd erreichte die beiden. „Kann ich helfen?"

    „Meine Frau ... Sie erwartet ein Baby ... Ihr ist schlecht", sagte der Mann.

    Jana klammerte sich zitternd an ihn. Er bat sie, etwas zu sagen, fragte, ob sie ein Glas Wasser brauche, wollte, dass sie sich setzte, doch sie schüttelte den Kopf.

    „Es ... ist nicht ... weil ich schwanger bin, Martin ..."

    „Was ist es dann?", fragte der junge Mann besorgt:

    „In der Toilette liegt ein totes Mädchen ..."

    Kaum hatte Jana das ausgesprochen, da wurden ihre Worte von dem schrillen Schrei einer Frau bestätigt.

    Bernd ließ die beiden allein und rannte dem Schrei entgegen. Er stieß die Tür auf.

    Zuerst sah er die Frau, dick, knallrot im Gesicht, mit offenem Mund.

    Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie in eine der Kabinen und schien sich von dem, was sie sah, nicht losreißen zu können.

    Bernd packte sie fest an den Schultern. Sie schrie sofort noch lauter. Bernd drehte sie herum und schob sie zur Tür hin, dann trat er vor die offene Kabine, und ihm war, als hätte ihn jemand mit Eiswasser übergossen. Bernd Schuster kannte die Tote.

    3

    Sie saß auf der Brille, lehnte schräg an der Wand, hatte die Augen weit offen und starrte mit gebrochenem Blick ins Leere.

    Sie war ein hübsches, junges Mädchen. Ihr brünettes Haar hing ihr ins Gesicht. Ein Ausdruck grenzenlosen Erstaunens prägte ihre Züge. Sie schien nicht fassen zu können, dass sie nicht mehr lebte ...

    ‚Verdammter, verrückter Zufall‘, dachte Bernd wütend.

    Er hatte das Mädchen vor zwei Jahren kennengelernt, sie und ihren Vater. Damals war Doris siebzehn gewesen, so alt, wie seine Lucy heute.

    Jetzt war Doris neunzehn - und tot!

    Der ganze Stolz ihres Vaters war sie gewesen. Marc Walther hatte mit ihr regelrecht geprahlt. Er hatte sie so sehr geliebt, wie ein Vater seine Tochter nur lieben kann.

    Marc Walther, Privatdetektiv, ein Kollege von Bernd. Sie hatten damals gemeinsam einen Fall gelöst und in der weiteren Folge hin und wieder miteinander zu tun gehabt.

    Walther war ein tüchtiger Mann, hartnäckig und ehrlich, unbestechlich und rau, jedenfalls äußerlich und im Umgang mit Verbrechern. Bei Doris war er immer weich wie Butter gewesen.

    Doris, sein ein und alles, lebte nicht mehr.

    ‚Das wird ihn um den Verstand bringen‘, dachte Bernd.

    Das Kreischen der Frau lockte viele Neugierige an. Der Besitzer der Pizzeria erschien in der Damentoilette, und als er die Tote erblickte, bekreuzigte er sich und stöhnte: „Madonna mia! Warum hier? Warum ausgerechnet in meinem Lokal? Ich kann zusperren. Ich bin ruiniert ... Santa Maria ..."

    Bernd verließ die Toilette. Ein Mann griff nach seinem Arm, als er sich durch die Menge der Neugierigen schob. „He, was ist denn dort drinnen los?"

    „Keine Ahnung."

    „Aber sie kommen doch ..."

    Bernd riss sich los und kehrte zu Franziska Jahn zurück. Er erzählte ihr, wen er gesehen hatte.

    „Gehen wir", sagte er schließlich und legte Geld auf den Tisch.

    Franziska griff wortlos nach ihrer Handtasche und erhob sich. Sie verließen die Pizzeria, in der jetzt der Teufel los war, begaben sich zum Parkplatz, der sich hinter dem Haus befand, und stiegen in Bernd Schusters silbergrauen Mercedes 450 SEL.

    „Wieder mal ein verdorbener Abend, sagte Bernd. „Tut mir leid, Franziska.

    „Dafür kannst du doch nichts. Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, erwiderte sie. „Was wirst du jetzt tun?

    „Was dagegen, wenn ich dich nach Hause bringe? Ich muss zu Marc Walther. Ich fürchte, dass er durchdreht."

    Franziska kannte Walther nicht persönlich, aber sie wusste von Bernd, dass er bisher stets ein besonnener Mann gewesen war.

    „Er könnte den Kopf verlieren?"

    Bernd nickte. „Und eine schreckliche Dummheit begehen, die auch ihn das Leben kostet. Er hing sehr an seiner Tochter. Seit einem Jahr wohnte sie nicht mehr bei ihm, hatte eine eigene kleine Wohnung."

    „Gut, lass uns in die Kurfürstenstraße fahren. Ich bleibe bei dir, bis Lucy nach Hause kommt. Du kannst dir wohl denken, warum."

    Bernd startete den Motor und fuhr los. „Warum blieb Doris nicht bei ihrem Vater?", wollte Franziska wissen.

    „Die Jugend will frei sein, nicht immer kontrolliert werden bei allem, was sie tut, und Rechenschaft ablegen müssen."

    „Und das kommt dabei heraus."

    „Nicht immer. Aber manchmal wird der Begriff Freiheit leider falsch verstanden."

    „So viel ich von dir weiß, war Doris Walther ein anständiges Mädchen, sagte Franziska. „Was ist passiert, dass sie anfing, harte Drogen zu nehmen?

    „Hast du schon mal von Franco Millane gehört?"

    „Rauschgifthandel, Prostitution, sagte Franziska wie aus der Pistole geschossen. „Aber was hat Millane mit Doris Walther zu tun?

    „Es schwirrte da so ein Gerücht durch die Gegend, Doris wäre in Millanes Dunstkreis geraten. Ich schnappte es irgendwann mal auf, wollte es jedoch nicht glauben. Ich hielt es für ein haltloses Gerücht. Doch nicht Doris Walther, sagte ich mir. Aber ich hatte mich geirrt."

    „Wenn Millane Mädchen braucht, macht er sie zuerst drogenabhängig, und dann lässt er sie anschaffen."

    Bernd kniff die Augen grimmig zusammen. „Der Kerl ist mir schon lange ein Dorn im Auge. Sollte er tatsächlich schuld sein an Doris‘ Tod, direkt oder indirekt, bringe ich ihn zu Fall."

    „Weiß Marc Walther das von Doris und Millane auch?"

    „Das ist zu befürchten", antwortete Bernd. Er lenkte in die Parkstraße, die von der Kurfürstenstraße direkt abzweigte. Hier gab es einst eine Ladenzeile, und die Kunden konnten direkt zum Einkaufen vorfahren. Als Bernd Schuster seine Scheidung hinter sich gebracht hatte und von Frankfurt nach Berlin übersiedelte, entdeckte er eines Tages die leerstehende Immobilie, weil er eine Eigentumswohnung im Haus dahinter besichtigte. Damit waren seine Würfel gefallen – im ehemaligen Laden entstand die Detektei, im 14. Stock lebte er zusammen mit Tochter Lucy – und eben Franziska. Bevor sie jetzt ausstieg, erkundigte sie sich:

    „Kann ich nicht auch irgendetwas tun, Bernd?"

    „Vielleicht später. Im Moment nicht. Ich bin dir dankbar, wenn du bei Lucy bist."

    „Sie kannte doch sicher Doris, oder?"

    „Ja, aber nur flüchtig. Am besten, du erzählst ihr noch nichts von der Sache."

    „Ich drück dir die Daumen, Bernd."

    „Drück sie nicht mir, sondern Walther."

    „Ich drück sie euch beiden", sagte Franziska, küsste Bernd auf die Wange und stieg aus.

    Er fuhr sofort weiter.

    4

    Sein Büro hatte Marc Walther in Charlottenburg, in der Carmerstraße. Hier traf Bernd Schuster den Kollegen nicht an.

    Sein Name stand an der Milchglasscheibe der Tür. Dahinter war es finster, und die Tür war abgeschlossen. Im benachbarten Büro schepperte eine Putzfrau mit dem Eimer.

    „Wenn Sie zu Herrn Walther wollen, müssen Sie morgen wiederkommen", sagte sie, eine stämmige, resolut aussehende Frau, die sich ein Kopftuch umgebunden hatte, wie es Bernd noch in Erinnerung von seiner Großmutter hatte. Die beiden Zipfel standen nach oben vom Kopf ab wie zwei Hasenohren.

    „Er hat sein Büro bereits am frühen Nachmittag geschlossen. Die Arbeit scheint ihm mal wieder über den Kopf zu wachsen. Ist kein Wunder bei den vielen Verbrechern, die es in unserer Stadt gibt."

    Bernd kehrte zu seinem Mercedes zurück und fuhr zu dem Haus, in dem Marc bis vor einem Jahr gemeinsam mit seiner Tochter gewohnt hatte.

    Bernd erinnerte sich an Doris. Man hatte sich mit ihr gut unterhalten können. Sie war ein vernünftiges, intelligentes Mädchen gewesen. Dass sie mal Rauschgift nehmen würde, hätte sich Bernd nicht träumen lassen.

    Aber es gibt so viele gemeine, hinterhältige Tricks, junge Mädchen drogenabhängig zu machen, und Franco Millane kannte sie alle.

    Millane war mit allen Wassern gewaschen. Natürlich war er in der Keithstraße bekannt, es gab eine Akte über ihn, aber mit Ausnahme einiger kleinerer Vergehen konnte man ihm nichts nachweisen. Millane verdiente sein Geld mit italienischen Restaurants in West-Berlin und in West-Deutschland – jedenfalls war das sein Aushängeschild. Daneben betrieb er jedoch sein eigentliches Gewerbe und galt in der Berliner Unterwelt als einer der größten Verbrecher.

    Sollte Walther rotsehen und Millane frontal angreifen, würde er überhaupt nichts erreichen. Was man gegen Franco Millane unternahm, musste man sich vorher reiflich überlegen, sonst drehte der Gangster den Spieß um. Bernd hielt nach einer Parkmöglichkeit Ausschau. Vier Minuten später stand er vor Walthers Tür. Er wünschte sich, dass sein Kollege noch nicht wusste, welches Schicksal Doris ereilt hatte.

    Er wollte es ihm dann so schonend wie möglich beibringen. Da er Walther kannte, traute er sich zu, die richtigen Worte zu finden.

    Er läutete, aber Walther öffnete nicht. Er schlug mit der Faust gegen die Tür, rief den Kollegen und nannte seinen Namen.

    Entweder wollte Marc Walther niemanden sehen, oder er war tatsächlich nicht zu Hause.

    Beides missfiel Bernd. Er begab sich in die Eckkneipe, unfern seiner Wohnung, Walthers Stammlokal, doch da war der Mann auch nicht.

    Bernd bat den Wirt um ein Bier und enterte einen Barhocker. Sofort näherte sich ihm eine Frau, deren berufliche Tätigkeit auf einen Blick zu erkennen war.

    „Darf ich dir Gesellschaft leisten, Großer?"

    „Lieber nicht. Ich habe schlechte Laune", antwortete Bernd.

    „Das kann ich ändern."

    „Glaub ich kaum."

    „Stell mich auf die Probe", sagte die Rothaarige, strich ihr eng sitzendes Kleid an den Hüften glatt, ließ die Zunge über die vollen, sinnlichen Lippen huschen. Sie wäre bestimmt ein Erlebnis gewesen, doch Bernd hatte anderes im Kopf.

    „Wird‘ nicht lästig!, knurrte der Wirt. „Schwirr ab!

    Die Rothaarige erdolchte ihn mit einem wütenden Blick und zog sich in einen Schmollwinkel zurück.

    Bernd lächelte. „Vielen Dank für die Hilfe."

    „Diesen Mädchen fehlt manchmal das Fingerspitzengefühl. Sie wollen einfach nicht begreifen, dass ein Mann nicht immer in Stimmung ist, mit ihnen ins Bett zu gehen, wo sie doch so umwerfend gut aussehen."

    Bernd wies auf sein Bier. „Trinken Sie eins mit?"

    „Sehr gern."

    Das Bier wurde gezapft, und Bernd erkundigte sich:

    „Halten Sie es für möglich, dass sich Marc Walther heute noch mal hier blicken lässt?"

    „Marc? Der kann immer zur Tür hereinschneien. Er ist einer von den Leuten, die die Uhr nicht kennen. Die Zeit scheint für ihn keine Bedeutung zu haben. Manchmal schläft er am Tag, dann wiederum in der Nacht oder schnell zwischen zwei Fällen. Sein Leben ist von Unregelmäßigkeit geprägt. Ich mag ihn. Sollte ich mal in Schwulitäten geraten, würde ich mich nur an ihn wenden."

    „Würden Sie ihm etwas bestellen, wenn Sie ihn heute noch sehen?"

    „Selbstverständlich."

    „Sagen Sie ihm, er soll mich anrufen. Egal, wann. Ich bin für ihn immer zu erreichen. Bernd grinste. „Ich führe nämlich ein ebenso unregelmäßiges Leben wie er.

    Bernd legte seine Karte und einen Geldschein auf den Tresen. Er hoffte, dass sich Marc Walther bald melden würde.

    Doch sein Kollege tat ihm diesen Gefallen nicht.

    5

    Am darauffolgenden Tag trieben Bernd und Franziska die Telefonrechnung in die Höhe. Sie riefen abwechselnd bei Marc Walther zu Hause an, dann im Büro, schließlich telefonierten sie mit einer Menge von Leuten, die Marc Walther kannten.

    Alle versprachen, zurückzurufen, sobald sich Walther bei ihnen blicken ließ.

    Inzwischen stand es in allen Zeitungen, dass Doris nicht mehr lebte. Einige Blätter brachten sogar ein geschmackloses Foto von der Toten auf der Toilette.

    Bernd drehte es den Magen um. Franziska Jahn servierte ihm ihren sagenhaften, herrlich duftenden Kaffee.

    „Es wird Krieg geben zwischen Walther und Millane, nicht wahr?, sagte sie. „Sieht so aus, als würde sich Marc Walther darauf vorbereiten, und damit ihm niemand ins Gewissen reden kann, ist er untergetaucht.

    Bernd zündete sich eine Roth Händle an.

    Franziska fuhr fort: „Wenn sich die Mafia auf einen großen Schlag vorbereitet, lässt sie ihre Leute vorher auch untertauchen. 'Auf die Matratzen gehen' nennen sie das."

    Bernd schaute seine Sekretärin überrascht an. „Donnerwetter, woher bist du denn so gut informiert? Und du verbindest ja auch gleich wie diese Presseheinis, Millane mit der Mafia. Da wäre ich behutsamer. Er könnte auch für die Cosa Nostra arbeiten."

    „Ich hab’s gelesen, und es ist mir auch egal, welche Verbrecher mit Millane zusammenarbeiten."

    „Die Zeitungen hätten die Sache wohl kaum so aufgebauscht, wenn Doris nicht die Tochter eines Privatdetektivs gewesen wäre, brummte Bernd. „Frau von Staatsanwalt erhängt sich. Sohn des Polizeipräsidenten begeht Fahrerflucht. Tochter eines Privatdetektivs stirbt am goldenen Schuss. Das sind Sensationen, die man sich nicht entgehen lässt.

    „Wie muss Walther zumute sein, wenn er dieses Geschmiere liest?"

    „Wie muss ihm überhaupt zumute sein?"

    Erst vierundzwanzig Stunden nach Doris‘ tragischem Ende erfuhr Bernd Schuster, wo sich Walther befand. Bernd fuhr sofort hin und traf Marc Walther tatsächlich an.

    Der Kollege saß allein an einem Tisch. Er hatte glasige Augen. Vor ihm stand ein Whisky.

    Bernd drückte dem Mann, der ihn angerufen hatte, einen Schein in die Hand.

    „Er hat irgendetwas vor, sagte der Mann. „Und es ist bestimmt nichts Gutes.

    „Schon gut, ich kümmere mich um ihn, erwiderte Bernd und begab sich zu Walthers Tisch. „Ist es erlaubt? Der Privatdetektiv hob langsam den Kopf.

    ‚Alt ist er geworden‘, dachte Bernd. Er hatte ihn vor einem Monat zum letzten Mal gesehen, und bis gestern hatte sich Marc bestimmt nicht verändert Er war innerhalb der letzten vierundzwanzig Stunden um mindestens zehn Jahre älter geworden.

    Es zuckte in Walthers Durchschnittsgesicht. Das Haar hing ihm wirr in die Stirn.

    „Bernd", sagte er. Es klang unendlich müde.

    „Hallo, Marc."

    „Du hast mich gesucht."

    Bernd setzte sich und bot Walther eine Roth Händle an. „Ich suche dich schon seit gestern, Marc."

    „Ich weiß."

    „Warum hast du dich nicht bei mir gemeldet?"

    „Ich wollte allein sein, will es immer noch."

    „Tja, ich fürchte, du musst dich jetzt damit abfinden, dass ich hier bin."

    „Was willst du?"

    „Du weißt es, Marc. Du bist ein kluger Bursche", sagte Bernd.

    „Na schön, ich weiß es. Du willst mir ins Gewissen reden, aber ich möchte nichts hören!"

    „Du bist verbittert, ich kann das verstehen."

    Marc Walther schüttelte den Kopf. „Nein, Bernd, das kannst du nicht, denn wie würdest du wohl reagieren, wenn man deine Lucy in dieser Situation gefunden hätte? Man zieht ein Kind groß, sorgt sich, sieht zu, wie es wächst, schenkt ihm all seine Liebe. Wenn es weint, ist man traurig. Wenn es lacht, scheint für einen die Sonne. Man hat einen Lebensinhalt, weiß, dass man nicht umsonst gelebt hat, dass man weiterleben wird, zuerst in der Tochter, dann in den Enkelkindern. Man ist stolz und lebt ein erfülltes Leben. Und plötzlich ... Es trifft dich wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Die Polizei kommt zu dir und sagt dir, dass du mit einem Schlag dein ganzes Glück verloren hast. Du glaubst es ihnen nicht, aber sie zeigen dir Fotos, die dir das Herz brechen, und dann musst du es glauben. Du würdest am liebsten mit dem Kopf gegen die Wand rennen, damit das schreckliche Schreien und Wehklagen in dir aufhört, doch du tust es nicht, starrst die fremden Menschen nur an und weißt, dass keiner von ihnen dir helfen kann."

    „Ich kann dir helfen, Marc", sagte Bernd ernst.

    Er gab Walther Feuer, zündete auch seine Zigarette an.

    Marc Walther schüttelte wieder den Kopf. „Nein, Bernd, auch du kannst mir nicht helfen. Nur ich selbst kann es."

    „Ich fürchte, ich weiß, wie diese Hilfe aussieht, Marc."

    „Mach dir um mich keine Sorgen, Bernd. Ich steh’s irgendwie durch, und wenn nicht, ist es auch egal. Es gibt niemanden mehr auf der Welt, der mich braucht."

    „So darfst du das nicht sehen, widersprach ihm Bernd. „Du bist ein guter Privatdetektiv. Viele Menschen sind auf deine Hilfe angewiesen, weil sie sich selbst nicht helfen können. Sie brauchen dich.

    „Ich kann mich um ihre Probleme nicht mehr kümmern. Ich habe jetzt meine eigenen."

    „Du willst dich mit Franco Millane anlegen."

    „Vielleicht."

    „Ich habe auch eine ganze Menge gegen Millane. Warum nehmen wir ihn nicht zusammen aufs Korn?"

    „Du machst mir dieses Angebot doch nur, um mich unter Kontrolle zu haben."

    „Ich mache es dir in erster Linie deshalb, weil ich Doris mochte. Ich habe sie gestern gesehen, Marc. Ich war zufällig mit Franziska in dieser Pizzeria. Es war nicht leicht für mich zu verdauen. Warum tun wir uns nicht zusammen und sagen Franco Millane gemeinsam den Kampf an?"

    „Du würdest mich ständig bremsen."

    „Ich würde lediglich darauf achten, dass du nicht in dein Unglück rennst. Was wäre falsch daran, Marc?"

    „Ich wäre dir dankbar, wenn du mich in Ruhe ließest, Bernd", sagte Walther und nahm einen Schluck von seinem Whisky.

    „Du kannst alles von mir verlangen, nur das nicht, erwiderte Bernd Schuster. „Wieso sitzt du übrigens hier und nicht in deinem Stammlokal?

    „Darf ich meinen Whisky nicht trinken, wo ich will?"

    „Aber ja doch. Wenn er dir auf einmal hier besser schmeckt, warum nicht?"

    Die Eingangstür öffnete sich, und durch Walthers Körper ging ein Ruck. Bernd bemerkte es sofort. Hass loderte auf einmal in Marc Walthers Augen.

    Bernd wandte den Kopf und erblickte einen kräftigen, untersetzten Mann mit buschigen Brauen, die über der Nasenwurzel zusammengewachsen waren.

    Sein Name war Tom Nöhrig, und es war bekannt, dass er dealte. Seinetwegen war Walther hier.

    6

    Marc Walther erhob sich, während Nöhrig zum Tresen schritt.

    „He, Nöhrig!, knurrte er. „Ich habe auf dich gewartet.

    Der untersetzte Dealer blieb stehen und fixierte den Privatdetektiv. Ein verächtlicher Ausdruck spielte um seine dünnen Lippen.

    „Was liegt denn an, Walther?", fragte er lauernd.

    „Seit du dieses Lokal betreten hast, stinkt es hier ganz erbärmlich. Verwendest du Jauche statt Rasierwasser?"

    „Du kannst ja gehen, wenn dir mein Geruch nicht zusagt", erwiderte Nöhrig grinsend.

    „Du bist ein mieses, feiges Schwein, Nöhrig!"

    „Gib dir keine Mühe. Ich lasse mich von dir nicht provozieren", erwiderte der Gangster gelassen.

    „Du trägst eine Waffe. Bist du zu feige, sie zu benutzen?"

    „Ich wüsste nicht, warum ich das tun sollte."

    „Was trägst du sonst noch bei dir? Vielleicht auch Stoff? Lass mal sehen!"

    „Sag mal, was willst du von mir? Ich bin ein friedlicher, unbescholtener Bürger, der hier in aller Ruhe sein Bier trinken möchte ..."

    „Leer deine Taschen! Na mach schon!"

    „Du warst ja noch nie besonders hell, aber nun scheinst du völlig den Verstand verloren zu haben."

    „Ich weiß, dass du für Franco Millane dealst. Du verkaufst sein verdammtes Dreckszeug, hast auch meine Tochter beliefert."

    Tom Nöhrig schüttelte grinsend den Kopf. „Also, was man sich alles aus dem Finger saugen kann."

    „Greif endlich zur Waffe, du Ratte, damit ich dich abknallen kann!"

    „He, ist denn keiner hier, der mir diesen Wahnsinnigen vom Hals schafft? Oder ist West-Berlin jetzt plötzlich in Texas?"

    Stille herrschte in der Bar. Wie erstarrt saßen die Gäste an den Tischen. Nur Bernd Schuster bewegte sich. Er stand auf.

    „Doris ist tot!, fauchte Walther. „Ich habe mir geschworen, alle fertigzumachen, die schuld an ihrem Tod sind. Dich, Millane - alle! Ihr habt sie auf dem Gewissen, und dafür müsst ihr bezahlen. Auge um Auge, Zahn um Zahn!

    „Marc!", sagte Bernd Schuster.

    „Halt dich da raus, Bernd!, rief Walther. „Es wird Zeit, dass jemand dieser Brut den Kampf ansagt. Man muss diese Hyänen vernichten, sonst werden sie immer mehr.

    „Du leidest an einer gefährlichen Form von Verfolgungswahn, mein Lieber, spottete Tom Nöhrig. „Überall sind Feinde. Alle sind hinter dir her, nicht wahr? Und wenn es ein Unglück gibt, sind immer die andern schuld.

    „Greif zur Waffe, damit ich dich erschießen kann!", verlangte Marc Walther.

    „Ich sagte doch schon - wir sind hier nicht im Wilden Westen."

    Walther bebte vor Wut und Hass. „Lass es genug sein, Marc", sagte Bernd Schuster. Er trat hinter den Kollegen und legte ihm die Hand auf die Schulter.

    Walther schüttelte die Hand jedoch ab, trat einen Schritt vor und schlug Nöhrig mit dem Handrücken ins Gesicht.

    Der Schlag traf den Untersetzten völlig unvorbereitet. Der Mann fiel gegen den Tresen. Walther setzte nach. Wieder traf er Nöhrig schmerzhaft.

    Der Gangster schrie: „Haltet mir den Irren vom Leib!"

    Der Einzige, der eingriff, war Bernd Schuster. Als Marc Walther den Dealer zum dritten Mal traf, verlor dieser die Beherrschung. Seine Hand stieß ins Jackett.

    Genau das wollte Marc Walther erreichen. Er hatte die Absicht, Tom Nöhrig in Notwehr zu erschießen, doch das ließ Bernd Schuster nicht zu, er sprang dazwischen und hielt Nöhrigs Arm fest.

    „Lass die Waffe stecken, Mann!, verlangte er hart. „Marc ist betrunken.

    „Er hat mich geschlagen."

    „Du wirst es überleben. Verschwinde! Geh nach Hause oder trinke dein Bier woanders!"

    Nöhrig entspannte sich. Bernd merkte es und ließ ihn los, aber er ließ ihn keine Sekunde aus den Augen.

    „Verdammt, Walther, das wird ein Nachspiel haben", knirschte der Dealer und verließ die Bar.

    In die Gäste kam wieder Leben. Sie redeten aufgeregt durcheinander. Beinahe wären sie Zeugen einer Schießerei geworden.

    Bernd Schuster drehte sich zu seinem Kollegen um. „Setz dich, Marc!"

    „Warum hast du dich eingemischt, Bernd?", fragte Walther wütend.

    „Ich musste verhindern, dass du einen Mord begehst."

    „Es wäre Notwehr gewesen."

    „Es wird Zeit, dass du Vernunft annimmst, Marc, sagte Bernd schneidend. „Du bist Privatdetektiv. Deine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass das Gesetz geachtet wird. Du darfst dich nicht benehmen wie Charles Bronson im Kino, verdammt noch mal.

    „Und du hast kein Recht, dich in meine Angelegenheiten zu mischen!", schrie Marc Walther.

    „Ich nehme es mir einfach, erwiderte Bernd kühl. „Und jetzt gehen wir.

    „Wohin?"

    „Ich bringe dich nach Hause."

    „Ich will nicht heim."

    „Das kümmert mich nicht", sagte Bernd, griff ihm unter die Achsel und schleppte den Kollegen ab.

    7

    Tom Nöhrig stoppte seinen BMW vor einem Schnellimbiss. Er war nicht weit gefahren. Jetzt knipste er die Innenbeleuchtung an und betrachtete sein Gesicht im Spiegel.

    Der Schnüffler hatte ganz schön zugeschlagen. Die Oberlippe war dick, ein Schneidezahn wackelte, und Nöhrig hatte den süßlichen Geschmack von Blut im Mund.

    „Das wirst du büßen, Walther!", fauchte er.

    Er war froh, dass er die Waffe nicht gezogen hatte. Beinahe hätte er es getan. Es war nicht ratsam, vor so vielen Zeugen auf einen Mann zu schießen.

    Besser war es, auf eine günstige Gelegenheit zu warten und Walther dann in den Rücken zu ballern.

    Nöhrig kämmte sich, brachte sein Äußeres in Ordnung, soweit dies möglich war, und stieg aus.

    Der Imbiss gehörte einem Freund von ihm. Hier traf sich viel Jugend, und wenn Millane Nachschub für seine Truppe brauchte, sah sich Nöhrig hier für ihn um.

    Auch Doris Walther war hier kleben geblieben. Sie hatte Liebeskummer gehabt. Ein Freund hatte sie angerufen und ihr gesagt, dass eine andere von ihm ein Kind erwarte und er sie heiraten würde.

    Nöhrig hatte die Weltuntergangsstimmung des Mädchens erkannt und geschickt ausgenützt.

    Natürlich hatte er sich nicht selbst um Doris gekümmert. Erstens war er nicht jung genug für sie und auch nicht schön genug gewesen.

    Deshalb hatte er Siggi Hansen eingespannt. Siggi war süchtig und froh, ihm einen Gefallen erweisen zu dürfen, denn Tom Nöhrig bezahlte mit gutem Stoff.

    Es war Hansen nicht schwergefallen, Doris herumzukriegen, und schon nach ganz kurzer Zeit war sie so süchtig gewesen, dass sie alles machte, was man von ihr verlangte.

    Erst hinterher hatte Nöhrig herausgefunden, dass es sich um die Tochter eines Privatdetektivs handelte, doch weder er noch Franco Millane hatten sich deswegen Gedanken gemacht.

    Doris war in Millanes Truppe eingegliedert worden und hatte gutes Geld für ihn verdient. Leider nur kurze Zeit, aber so etwas kam immer wieder vor.

    Doris würde zu ersetzen sein, und ihr Vater würde auch bald auf dem Friedhof liegen.

    Sven Wolters hieß der Mann, dem der Imbiss gehörte. Ein schwarzhaariger Bursche, elegant, ein Playboy, den seine Spielchen mit den jungen Dingern eine Menge Geld kosteten.

    Aber das störte ihn nicht. Er machte gute Umsätze, und was er nicht mit seinen Hamburgern und Currywürsten verdiente, floss aus Franco Millanes Kasse in seine Taschen, wenn er diesen oder jenen Job erledigte.

    „Sag mal, wie siehst du denn aus?", fragte Wolters, als er Nöhrig erblickte.

    „Ich habe mit Sylvester Stallone für Rocky gesparrt."

    „Unfall gehabt?"

    Tom Nöhrig erzählte, was passiert war.

    „Verdammt, Walther hat das Kriegsbeil ausgegraben", sagte Sven Wolters heiser.

    „Kriegst du deswegen etwa das große Hosenflattern?"

    „Er könnte immerhin auf die Idee kommen, mich zu besuchen, und mir eine Menge Ärger machen."

    „Von dir will er nichts."

    „Seine Tochter traf in meinem Laden mit Siggi Hansen zusammen."

    „Er ist scharf auf mich und Millane. Du interessierst ihn nicht. Im Übrigen nimmt bei ihm bereits der Totengräber Maß. Er hat keine Zeit mehr, dir noch irgendwelchen Ärger zu machen."

    Wolters grinste breit. „Das hört sich beruhigend an."

    Nöhrig begab sich mit seinem Freund in dessen Büro, ließ sich ein Bier geben und rief Franco Millane an, aber die Leitung war besetzt.

    Er legte den Hörer auf die Gabel und griff nach dem Bier. Sven Wolters sagte: „Am Samstag steigt eine Party bei Freunden. Da kommen ’ne Menge schnuckeliger Miezen hin. Alle blutjung und so scharf wie eine Packung schwedischer Rasierklingen. Möchtest du mitfeiern?"

    „Wäre nicht schlecht, aber ich weiß noch nicht, ob ich Zeit habe."

    „Ruf mich an, sobald du es weißt. Du würdest es bestimmt nicht bereuen. Was die Mädels draufhaben, lässt dich die Wände hochgehen."

    „Ich sehe zu, dass ich kommen kann."

    „Es wird dein Schaden nicht sein." Tom Nöhrig wählte noch einmal Millanes Nummer, und diesmal hatte er Erfolg. Er bekam den Mann, für den er arbeitete, an die Strippe und erzählte ihm, was sich ereignet hatte.

    Franco Millane war nicht überrascht, das zu hören.

    „Als ich in der Zeitung von Doris‘ Tod las, wusste ich, dass der Schnüffler den Verstand verlieren würde, sagte er. „Es wäre früher oder später auf jeden Fall zu einer Konfrontation mit ihm gekommen. Schließlich hätte es sich nicht ewig verheimlichen lassen, dass Doris für mich arbeitet.

    „Was schlägst du vor, Franco?"

    „Klar, dass der Mann ins Gras beißen muss."

    „Soll ich das übernehmen?"

    „Ich habe jetzt wenig Zeit, muss zu einer wichtigen Verabredung. Wir reden so bald wie möglich darüber. Vorläufig gehst du dem Amokläufer besser aus dem Weg."

    8

    „Bist du mit deinem Wagen hier, Marc?", fragte Bernd Schuster.

    „Nein. Ich habe mir ein Taxi genommen. Verdammt, Bernd, warum bist du dazwischen gegangen?"

    „Das habe ich dir bereits erklärt. Fang nicht wieder damit an. Finde dich damit ab, dass es nicht geklappt hat. Bei dir zu Hause werden wir uns ausführlich darüber unterhalten, wie wir gegen Franco Millane vorgehen."

    „Ich will nicht nur Millane. Ich will sie alle."

    „Der Kopf ist Millane. Schlägst du einer Klapperschlange den Kopf ab, ist sie erledigt. Mit Millane fallen auch alle andern."

    Sie stiegen in den Mercedes.

    „Wenn ich deine Unterstützung akzeptiere, muss ich mich auch mit deinen Spielregeln einverstanden erklären", sagte Walther.

    „Das ist klar. Glaub mir, sie sind besser als deine."

    „Besser?, zweifelte Walther. „Doris ist tot. Diese Gangster aber werden am Leben bleiben.

    „Aber sie werden ihr Leben hinter Gittern verbringen."

    „Wie lange, Bernd? Wie lange? Franco Millane kann sich die besten und gerissensten Anwälte leisten. Was glaubst du, wie viele Jahre er für seine vielen Verbrechen bekommt? Er wird vor Gericht stehen und über uns lachen."

    Bernd fuhr los. „Wir werden dafür sorgen, dass ihm das Lachen im Hals stecken bleibt."

    Es herrschte wenig Verkehr. Sie kamen gut durch. An manchen Straßenecken stand lichtscheues Gesindel. Junkies, Nutten, Transvestiten. Sie kamen nur nachts aus ihren Löchern. Am Tag waren sie nicht zu sehen.

    Bernd parkte den Mercedes fast an derselben Stelle wie vor vierundzwanzig Stunden. Walthers weißer Porsche 911 stand auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

    Sie betraten das Haus, in dem Walther wohnte. Bernds Kollege schloss wenig später eine braun lackierte Tür auf.

    Sie betraten eine Vier-Zimmer-Wohnung, die nicht luxuriös, aber sehr geschmackvoll eingerichtet war. Bernd wusste, dass Doris ihrem Vater beim Auswählen einiger Möbelstücke behilflich gewesen war.

    Die Mutter des Mädchens war kurz nach der Geburt an einer heimtückischen Krankheit gestorben.

    Man hatte Walther empfohlen, das Kind in einem Heim unterzubringen, doch davon hatte er nichts wissen wollen. Ein Heim hätte ihm Doris zu sehr entfremdet.

    Sie kam in ein Tagesheim, war jeden Abend bei ihrem Vater, und an den Wochenenden gehörte sie ihm ganz.

    „Wir waren glücklich zusammen, bis vor einem Jahr", sagte Walther traurig.

    Nach dem Eintreten öffnete Marc Walther die gegenüberliegende Tür. Obwohl Doris‘ Freiheitsdrang sie veranlasste, auszuziehen, war dies immer noch ihr Zimmer.

    Walther machte Licht. Auf dem Bett saß eine lächelnde Puppe in einem rosafarbenen Kleid. An den Wänden klebten Poster von Filmschauspielern und Popstars, darunter auch ein Starschnitt aus der Bravo.

    Es war das typische Jungmädchenzimmer, mit ein bisschen Kitsch und Träumen aus Plastik.

    „Ich habe nichts verändert, sagte Walther. „Es ist noch alles so, wie sie es zurückließ. Zuerst wollte ich sie nicht gehen lassen, aber dann sagte ich mir, ich dürfe sie nicht aufhalten, sie müsse ihre Erfahrungen sammeln. Danach würde sie von selbst zurückkommen. Darauf hoffte ich. Darauf wartete ich. Nun ... warte ich ... vergeblich ...

    Seine Stimme war brüchig geworden und erstarb schließlich. In einem Wutanfall drosch er seine Faust auf Doris‘ kleinen Schreibtisch, auf dem verschiedene Nippes-Figuren standen.

    Er verfluchte Franco Millane und wünschte ihm den Tod. Bernd sah, wie sehr Marc Walther in diesem Zimmer litt, deshalb schlug er vor, ins Wohnzimmer zu gehen.

    Da zog Marc Walther plötzlich seinen Smith-&-Wesson-Revolver. Blitzschnell ging das, und da Bernd nicht damit gerechnet hatte, war er überrumpelt.

    9

    Angefangen hatte Franco Millane ganz klein, als Zuhälter einer einzigen Hure, die kaum noch Freier abzuschleppen imstande war.

    Er hatte sie von einem Freund übernommen, den man wegen Totschlags eingelocht hatte. Viel Geld brachte sie ihm nicht ein, aber er profitierte von ihrer Lebenserfahrung, und das war auch nicht schlecht. Sie war ein braves Mädchen, beklagte sich nie. Selbst wenn sie hundemüde war, hängte sie noch ein paar Stunden an, wenn Franco Millane dringend Geld brauchte. Sie hinterging ihn nie, lieferte alles ab, was sie einnahm, und war mit dem zufrieden, was Franco ihr ließ. Ein braves Mädchen eben ...

    In einer grimmig kalten Novembernacht holte sie sich auf dem Strich eine Lungenentzündung, und ein paar Tage später legte man sie bereits in ihr Grab.

    Danach stand Franco Millane vor der Entscheidung, wieder selbst zu arbeiten oder sich nach einem anderen Mädchen umzusehen. Womöglich nach einem, das es verstand, mehr Geld zu verdienen als seine erste Hure.

    Erfahren hätte sie auch sein sollen, aber solche Wunderpferdchen stehen nicht an jeder Straßenecke. Er versuchte es mit einer kleinen Serviererin, die bis über beide Ohren in ihn verliebt war, doch sie entpuppte sich als Flop.

    Sie war bildhübsch, und es hätte an Freiern nicht gefehlt, aber sie konnte nur mit Männern schlafen, die sie mochte, und damit war sie für den Beruf, den ihr Franco Millane zugedacht hatte, nicht geeignet.

    Er beschimpfte sie, drohte ihr, schlug sie, doch schließlich gab er auf und machte einem Zuhälter drei Nutten streitig, die hoch im Kurs standen.

    Natürlich wollte sich der Zuhälter nicht so ohne Weiteres von seinen Goldhennen trennen, aber Millane überredete ihn mit einer Kugel, die er aus einer Schalldämpferpistole abfeuerte.

    Der Mann fiel um, und die drei Mädchen gehörten Millane. Mit ihrer Unterstützung und dem Geld, das sie für ihn anschafften, schuf er die Basis für seine Zukunft.

    Er hatte Geld und Macht in der Unterwelt. Seine Feinde fürchteten ihn, denn er war unberechenbar, und wer auch nur den Versuch unternahm, ihn anzugreifen, den vernichtete er.

    Manchmal tat er es selbst, oder er schickte bezahlte Killer. Geld spielte diesbezüglich keine Rolle mehr. Dennoch wollte er davon immer mehr haben. Er war unersättlich, würde davon nie genug kriegen.

    Nie wieder wollte er so arm sein, wie er einmal gewesen war. Vor seinem Gewissen rechtfertigte er sich damit, dass ihn das Leben zu dem gemacht hatte, was er heute war.

    Das Leben, die Umstände. Niemand durfte die Schuld bei ihm suchen. Er war geformt worden, hatte nur darauf geachtet, dass man ihn nicht umformte.

    Man hätte ihn für den Manager eines Großkonzerns halten können. Er trug teure Maßanzüge und Gucci-Schuhe, sein Vollbart war sorgfältig gestutzt. Er spielte Tennis und Golf und hatte sich gute Manieren angeeignet.

    Aber er war ein gefährlicher Teufel, das wussten jene, die ihn kannten. Er schreckte vor nichts zurück und mordete heute noch genauso wie früher, wenn man ihn reizte.

    Er fühlte sich durch Marc Walther irritiert. Mehr sogar. Der Mann konnte ihm in seinem blinden Hass vielleicht sogar gefährlich werden.

    Er hatte eine wichtige Verabredung vor sich, aber anschließend würde er sich eingehend Gedanken über den Schnüffler machen.

    10

    „Tut mir leid, Bernd, sagte Walther. „Tut mir wirklich leid, aber ich kann nicht anders. Wir können alle nicht über unseren Schatten springen. Wir sind, wie wir sind.

    „Du machst es dir zu leicht, Marc, erwiderte Bernd mit belegter Stimme. „Du könntest dagegen ankämpfen, aber du willst nicht. Du weißt, dass du unrecht tust, tust es aber trotzdem.

    „Ich muss, Bernd. Ich habe Doris geliebt. Ich bin es ihr schuldig, ihre Mörder zur Strecke zu bringen."

    „Sie hat sich selbst umgebracht, Marc."

    „Mit Franco Millanes Rauschgift, das sie von Tom Nöhrig bekam. Und ich erweitere meine Anklage: Doris wäre niemals süchtig geworden, wenn es Millane und seine Männer nicht gegeben hätte. Bernd, einer muss ihrem Treiben endlich einen Riegel vorschieben."

    „Mit einer Kugel? Das ist der falsche Weg. Damit stellst du dich mit diesen Verbrechern auf dieselbe Stufe. Du bist aber besser als Millane."

    Walther schüttelte langsam den Kopf. „Spar dir die Worte, Bernd. Glaub mir, es fällt mir nicht leicht, dich mit einer Waffe zu bedrohen. Du bist ein netter Kerl ..."

    „Der nette Kerl wird dir die Zähne einschlagen, wenn du nicht bald vernünftig wirst", sagte Bernd energisch.

    „Bitte versuch nicht, mich anzugreifen. Ich müsste schießen. Mir ist nichts wichtiger als meine Rache. Es ist mir egal, ob du das verstehst oder nicht. Ich lasse mich von niemandem aufhalten, auch von dir nicht. So, und jetzt dreh dich um."

    „Wozu? Willst du mir den Scheitel ziehen? Du musst mir dabei in die Augen sehen, Marc, denn umdrehen werde ich mich nicht."

    „Na schön, dann eben nicht", brummte Walther und schlug mit dem Revolver zu.

    Bernd hatte gehofft, blitzschnell ausweichen zu können, doch er schaffte das nur geringfügig.

    Sterne tanzten vor seinen Augen, und er brach zusammen.

    11

    Der Mann trug eine helle Raulederjacke. Er hatte scharf geschnittene Gesichtszüge, und sein Mund glich zwei aufeinandergelegten Messerklingen.

    Gelassen rauchte er seine Zigarette. Den blauen Dunst blies er gegen die Windschutzscheibe des Wagens, in dem er saß.

    Die Gegend, in der er sich befand, war einsam und somit genau richtig für das Geschäft, das hier mit Franco Millane laufen sollte. Es hatte viel Geduld gekostet, das Geschäft anzubahnen, und noch schwieriger war es gewesen, Franco Millane dazu zu bewegen, es persönlich abzuwickeln.

    Millane war nicht nur ein schlauer Fuchs, er war darüber hinaus auch ungemein misstrauisch und vorsichtig.

    Aber Klaus Sehnert, so hieß der Mann im Wagen, hatte es schließlich doch geschafft, Millanes Vertrauen zu gewinnen.

    Franco Millane hatte eine Nase für gute Geschäfte, und dieses war seiner Ansicht nach eines.

    Klaus Sehnert hatte ihm hervorragendes Heroin angeboten. Er wollte 150.000 Mark dafür haben. Der Stoff war aber fast doppelt so viel wert.

    Natürlich hatte das zunächst nicht dazu beigetragen, Millanes Misstrauen zu zerstreuen. Der Gangster hatte wissen wollen, wieso Sehnert die Ware tief unter ihrem Wert verschleuderte, aber mit dieser Frage hatte Klaus Sehnert gerechnet. Er hatte geantwortet, es liege ihm sehr viel daran, die Sache so rasch wie möglich über die Bühne zu bringen, weil ihm hier der Boden unter den Füßen zu heiß geworden war. Polizistenmord!

    Millane ließ das nachprüfen, und als man ihm sagte, dass das stimmte, fasste er Vertrauen zu Sehnert. Er willigte ein, sich mit ihm zu treffen.

    So hohen Profit hatte Millane bisher noch mit keinem seiner Geschäfte erzielt.

    Sehnert schnippte die Zigarette aus dem Wagen. Sie flog durch das offene Seitenfenster und verschwand in einem Gully.

    Dünne Nebelschlieren krochen wie Gespenster von der Spree herüber und tanzten einen geisterhaften Reigen zwischen den Häusern. In der Dunkelheit tauchte eine gefleckte Katze auf, blieb kurz stehen, als sich Klaus Sehnert im Auto bewegte, und lief dann davon.

    Der Mann blickte auf seine Uhr. Er war zu früh dran, aber das war besser, als zu spät zu kommen.

    Das Päckchen mit dem Stoff lag auf dem Beifahrersitz, unscheinbar, und doch barg es die Hölle in sich.

    12

    Walther knallte die Tür zu und schloss ab. Bernd lag auf dem Boden. Sein Bewusstsein war nicht völlig ausgeschaltet, doch er konnte sich nicht bewegen.

    Alles war so unwirklich. Er hörte Walthers Schritte, als würden sie durch dicke Daunenkissen dringen.

    ‚Er läuft in sein Unglück‘, schrie es in Bernd, ‚und ich kann es nicht verhindern. Marc, du Narr, bleib hier! Man wird dich umbringen, erschießen wie einen räudigen Hund!‘

    Bernds geringfügiges Ausweichen mit dem Kopf hatte dem Schlag etwas von seiner Wucht genommen. Die Wirkung war aber auch so noch schlimm genug.

    Bernd spürte ein Würgen in der Kehle, sein Schädel brummte, und er war wie gelähmt. Verbissen kämpfte er gegen diese Lähmung an.

    ‚Ich muss mich bewegen‘, sagte er sich immer wieder. ‚Ich muss aufstehen, muss Marc folgen, muss verhindern, dass er die größte Dummheit seines Lebens begeht.‘

    Bernd hatte einen eisernen Willen, doch diesmal schien er nicht auszureichen.

    ‚Steh auf!‘, schrie es in ihm. ‚Reiß dich zusammen!‘

    Er zog die Beine an, rollte auf die Seite. Alles drehte sich, sobald er sich aufsetzte. Das Zimmer schwankte. Doris‘ Zimmer. Das Zimmer einer Toten.

    Wertvolle Zeit verging. Bernd wusste es, aber er konnte es nicht verhindern. Er tat, was möglich war.

    Zu hart hatte ihn der Revolver des Kollegen getroffen. Wenn Marc Walther tatsächlich Amok lief, war er auch dann erledigt, wenn er am Leben blieb, denn dann würde man ihn vor Gericht stellen, wo er sich für das verantworten musste, was er getan hatte, und man würde ihn härter bestrafen als jeden andern, denn er war Privatdetektiv und für ihn galten Regeln ganz besonders.

    Endlich stand Bernd auf den Beinen. Er torkelte zum Fenster und sah Walther, der soeben über die Straße lief.

    Noch bevor der Kollege seinen weißen Porsche 911 erreichte, eilte Bernd zur Tür. Eilen ist eigentlich zu viel gesagt. Er stolperte mehr über die eigenen Beine und wäre beinahe gestürzt.

    Seine Finger schlossen sich kraftlos um die Klinke. Die Tür ließ sich nicht öffnen. Er rüttelte wütend daran. Adrenalin schoss in verstärktem Maße in seine Adern.

    Er musste raus aus diesem Jungmädchenzimmer - und zwar schnell. Er musste sich an Walthers Fersen heften.

    Wenn er den Kollegen erst mal aus den Augen verloren hatte, war alles verloren. Dann würde er Marc Walther vermutlich erst wiedersehen, wenn dieser tot war und in der Pathologie lag.

    Bernd warf sich gegen die Tür. Ein Kleinwüchsiger hätte das mit mehr Krafteinsatz getan.

    Unten schlug die Wagentür zu. Bernd Schuster riss die Automatik aus dem Schulterhalfter. Zum Glück hatte sie ihm Walther nicht abgenommen.

    Er hatte vor, die Tür aufzuschießen, das war seine einzige Chance. Doch niemand im Haus sollte den Schuss hören.

    Bernd besaß zwar keinen Schalldämpfer, aber er wusste sich zu helfen. Er blickte sich suchend um, entdeckte ein dickes, pinkfarbenes Polster und schnappte es sich.

    Er drückte es gegen die Tür, stieß die Beretta hinein und zog ab. Der Schuss wurde stark gedämpft, aber die Kugel zerstörte das Schloss, ein Schaden, für den Bernd später aufzukommen bereit war.

    Jetzt riss er die Tür auf, und dann stürmte er - es ging ihm schon etwas besser - aus Marc Walthers Wohnung.

    Noch sah er eine Chance für sich und vor allem für Walther.

    13

    Carsten Weiher hielt seine Zigarette in der hohlen Hand, damit man die Glut nicht sehen konnte. Nichts sollte ihn verraten. Er war dunkel gekleidet und verschmolz nahezu mit der Finsternis. Zwei Lederriemen trug er um den Hals. An einem hing ein Nachtglas, am andern ein Walkie-Talkie.

    Weiher arbeitete für das BKA. Er leitete diesen Einsatz hier. Er war ein eiskalter Mann mit markanten Zügen und einem messerscharfen Verstand. Er war durchtrainiert, kein Gramm Fett befand sich auf seinen Rippen. Das Haar trug er sehr kurz geschnitten, und Paragraphen und Vorschriften gingen ihm über alles.

    Noch war alles ruhig. Die Ruhe vor dem Sturm.

    Hin und wieder hob Weiher das Nachtglas vor die Augen und sah sich gewissenhaft um. Er hatte sich die beste Position ausgesucht, befand sich auf dem Flachdach eines Lagerhauses und konnte sehen, wenn ein Fahrzeug eintraf.

    Im Moment war kein näher kommendes Fahrzeug zu bemerken. Weiher nahm wieder einen Zug von der Zigarette.

    Der Wind riss ihm den Rauch von den Lippen. Er setzte das Glas ab und schaltete das Handfunkgerät ein.

    Mit vier Mann war er hier, doch nur einer von ihnen war zu sehen, die andern hatten sich gut versteckt. Die Falle war gut, und sie würde auch funktionieren, daran zweifelte der Einsatzleiter des BKA nicht.

    All die Mühe, die er sich über einen langen Zeitraum hinweg gemacht hatte, würde endlich Früchte tragen. Es würde ein erhebendes Gefühl sein. Jeder Mensch hat gern Erfolg. Bei Carsten Weiher war das Streben nach Erfolg besonders stark ausgeprägt. Er hasste es geradezu, zu verlieren.

    Er setzte sich mit seinen Leuten in Verbindung, rief einen nach dem anderen auf.

    „Bei mir ist alles ruhig", berichtete der Erste.

    „Halte weiterhin die Augen offen, verlangte Weiher. „Es darf keine Panne geben. Er darf uns nicht durch die Lappen gehen.

    „Das wird er nicht", versprach der Beamte.

    Auch der Zweite meldete, dass bei ihm alles in Ordnung wäre.

    „Es ist ja auch noch eine Viertelstunde Zeit", sagte er.

    „Wäre ja denkbar, dass er früher eintrifft, um sich hier gründlich umzusehen", meinte Carsten Weiher.

    „Sowie ich ihn sehe, schlage ich Alarm", gab der Mann zurück.

    Der Dritte war einer von der ungeduldigen Sorte. Er war ein guter Mann, aber Warten war eine Schwäche von ihm, das konnte er nicht.

    „Ich hätt’s schon gern hinter mir, brummte er missmutig. „Ich hasse es, herumzulungern und Löcher in die Dunkelheit zu starren. Ich bin ein Mann der Tat.

    Weiher lachte. „Du wirst bald zu tun haben. Fasse dich noch fünfzehn Minuten in Geduld, dann wirst du reich belohnt werden."

    „Wenn wir das hinter uns haben, nehme ich drei Tage Urlaub und fahre irgendwohin, wo’s kein Telefon, kein Radio und kein Fernsehen gibt."

    „Ich würde dort verrückt werden", sagte Weiher.

    „Ich nicht, erwiderte der andere und lachte. „Denn ich werde nicht allein sein. Sag mal, habe ich dir schon ein Foto von meiner Freundin gezeigt?

    „Aber sicher. Silvia sieht großartig aus."

    „Silvia?"

    „Ist sie nicht mehr deine Freundin?"

    „Nein, mit Silvia ist es aus."

    „Das wusste ich nicht. Du wechselst mir die Frauen etwas zu schnell, mein Junge, da kann ich einfach nicht folgen. Wie heißt denn die Neue?"

    „Nati."

    „Sag bloß, du hast umgesattelt."

    „Bist du noch zu retten? Nati ist doch kein Mann."

    „Hört sich aber so an."

    „Nati kommt von Renate."

    „Da bin ich aber beruhigt, sagte Carsten Weiher. „Hoffentlich hältst du’s bei ihr länger als einen Monat aus.

    „Liegt nicht an mir."

    „An wem denn sonst? Du bist es doch immer, der die Beziehung löst. Du solltest endlich mal heiraten, mein Junge."

    „Das sagt mir ausgerechnet der eingefleischteste Junggeselle, den es gibt."

    „Bei mir ist das etwas Anderes."

    „Ja, ich weiß, du bist bereits verheiratet, und zwar mit deinem Job. Noch ’ne Ehe wäre Bigamie."

    „So ist es", bestätigte der Einsatzleiter und setzte sich mit seinem vierten Mann in Verbindung - mit Klaus Sehnert, der die gefährliche Rolle des Lockvogels übernommen hatte.

    14

    „Keine besonderen Vorkommnisse", meldete Klaus Sehnert. Er warf einen Blick auf das Rauschgiftpaket, das neben ihm auf dem Beifahrersitz lag und mit dem sie Franco Millane erfolgreich geködert hatten.

    Die Vorbereitungen waren so gewissenhaft wie möglich getroffen worden. Bestes Heroin aus BKA-Beständen war Franco Millane zur Prüfung angeboten worden, und Sehnert hatte ihm gesagt, da, wo dieser Schnee herkomme, gäbe es noch mehr.

    Carsten Weiher hatte damit gerechnet, dass sich Millane über den Mann, mit dem er ein gewinnträchtiges Geschäft tätigen wollte, informieren würde, deshalb hatte er dafür gesorgt, dass der Gangster die Polizistenmordgeschichte, die ihm Sehnert erzählt hatte, bestätigt bekam.

    Polizistenmord war immer gut. Das schuf bei Leuten wie Franco Millane Anerkennung und Vertrauen.

    „Sag mal, hast du gewusst, dass Manfred schon wieder eine neue Braut hat?", kam es aus dem Sprechfunkgerät.

    Sehnert grinste. „Ich habe sie sogar schon mal in natura gesehen."

    „Und? Wie sieht sie aus?"

    „Ich Siggi ja nicht lästern, aber ich halte Nati für Manfreds ersten Missgriff. Sie versteht sich nicht wirkungsvoll anzuziehen, trägt ’ne Brille ... Nichts gegen Brillenträger. Ich trage beim Lesen auch eine, aber Natis Brille sieht scheußlich aus. Mit ihrem hohen Intelligenzquotienten kann sie Manfred glatt erschlagen ..."

    „Wie ist ihre Figur?"

    „Unauffällig, würde ich sagen."

    „Dann können wir schon für ein schönes Hochzeitsgeschenk zusammenlegen. Ich glaube, Manfred hat endlich die richtige Frau fürs Leben gefunden."

    „Zeit wär’s. Lange genug hat er ja gesucht", sagte Klaus Sehnert lachend.

    Carsten Weiher wurde wieder dienstlich. „Pass auf den Stoff gut auf, damit er dir nicht abhandenkommt. Er ist nur eine Leihgabe. Man würde uns den Hintern aufreißen, wenn wir ihn nicht zurückbrächten."

    „Keine Bange, das verdammte Zeug ist bei mir bestens aufgehoben", erwiderte Klaus Sehnert und legte die Hand auf das braune Paket, als müsse er es jetzt schon beschützen.

    Die Minuten verflossen. Klaus Sehnert hoffte wie seine Kollegen, dass Franco Millane etwas früher eintraf, doch im Moment war hier am Spreeufer des noch alles ruhig.

    15

    Bernd Schuster kämpfte gegen die Übelkeit an, die der Schlag auf den Kopf bei ihm ausgelöst hatte. Etwas pendelte in seiner Speiseröhre auf und ab. Er schluckte krampfhaft und hoffte, sich nicht übergeben zu müssen.

    Polternd lief er die Stufen hinunter. Der Schuss war im Haus nicht gehört worden. Die Beretta steckte jetzt wieder in dem Schulterhalfter. Bernd hielt sich sicherheitshalber am Handlauf fest, der ihm in diesen schweren Augenblicken buchstäblich eine gute Stütze war.

    Bernd erreichte das Erdgeschoss. Als er auf die Straße trat, war Marc Walthers Porsche 911 nicht mehr da, aber Bernd sah einen weißen Wagen um die Ecke biegen.

    Allmählich kam Bernd wieder in Schwung. Die Übelkeit machte ihm zwar immer noch zu schaffen, und er stellte auch noch leichte Gleichgewichtsstörungen bei sich fest, aber er befand sich auf dem besten Weg, wieder ganz der alte zu werden.

    Er hatte einen eisernen Schädel, damit hatte Marc Walther nicht gerechnet.

    ‚Walther, verdammt‘, dachte Bernd grimmig. Jetzt wird man schon von seinen Kollegen niedergeschlagen. Als würde es nicht reichen, wenn einem die Gangster ständig die Birne weichzuklopfen versuchen.

    Keuchend erreichte er seinen Mercedes, die Schlüssel klimperten schon in seiner Hand. Rasch schloss er auf und ließ sich hinter das Lenkrad fallen.

    Es tat gut, zu sitzen. Bernd ließ den Anlasser mahlen, und sobald der Motor lief, nahm er die Verfolgung auf.

    16

    Es klopfte.

    „Ja!", sagte Franco Millane laut.

    Die Tür öffnete sich, und ein hässlicher Riese trat ein: Silvio Gonzales. Er hatte kein einziges Haar auf dem Kopf. An seiner linken Wange leuchtete eine gezackte rote Narbe. Sie war wulstig und passte gut in die abstoßende Visage des Hünen. Für einen Italiener war er außergewöhnlich groß.

    „Du wolltest mich sprechen, Boss?", fragte Gonzales mit hohler Stimme. Das Sprechen schien ihm schwerzufallen. Er redete lieber mit den klobigen Fäusten.

    „Ich fahre weg, und du wirst mich begleiten", sagte Franco Millane. Neben dem Riesen kam seine Schönheit noch mehr zur Geltung, doch deshalb hatte er Silvio Gonzales nicht zu seinem Leibwächter gemacht. Der Grund war der, dass er sich sicherer fühlte, wenn er den Knochenbrecher neben sich hatte.

    Der Kahlkopf nickte. „Okay. Wann fahren wir?"

    „In zwei Minuten. Und nimm deine Waffe mit."

    Gonzales öffnete grinsend sein Jackett und ließ die Pistole sehen, die er unter der Achsel trug. „Ich würde mich ohne meinen eisernen Freund nackt fühlen, Boss, deshalb ist er so gut wie immer bei mir. Nur wenn ich dusche, lege ich ihn ab, denn er mag kein Wasser. Das muss man akzeptieren."

    „Hol inzwischen den Wagen aus der Garage", trug ihm Franco Millane auf.

    Silvio Gonzales schloss das Jackett und verließ den Raum. Er stellte niemals überflüssige Fragen, wollte auch jetzt nicht wissen, wohin die Fahrt ging. Das würde er schon sehen. Wenn der Boss es für richtig hielt, würde er es ihm auch sagen.

    Sobald er die Tür hinter sich geschlossen hatte, öffnete Millane seinen Wandtresor. Das Stahlfach war sehr geräumig.

    Neben einem Handkoffer hatten noch viele andere Dinge darin Platz. Millane griff nach dem schwarzen Koffer und stellte ihn auf den Schreibtisch.

    Nachdem er den Wandsafe sorgfältig abgeschlossen hatte, klappte er den Handkoffer auf und betrachtete die Banknotenbündel, die sich darin befanden.

    Noch nie hatte er sich so gern von Geld getrennt, denn noch nie hatte sich ein Geschäft so gelohnt.

    Es war gut, dass dieser Klaus Sehnert keine Zeit hatte. Wenn ein Mann wegen Polizistenmordes gesucht wird, hat er ein schweres Leben, denn jeder Bulle möchte ihn kriegen.

    Das war Millanes Vorteil, davon profitierte er. Sehnert musste seine heiße Ware schnell loswerden. Er brauchte dringend Bargeld, um so rasch wie möglich verschwinden zu können.

    Millane nahm an, dass Sehnert nicht nur die Stadt, sondern das Land verlassen würde, aber das war nicht mehr seine Sache. Er hatte nicht die Absicht, Sehnert in irgendeiner Weise zu unterstützten.

    Der Mann war ihm völlig egal. Nur der gute, reine, unverschnittene Stoff, den Sehnert anzubieten hatte, interessierte ihn, und den würde er sich nun holen.

    Er blickte auf seine Uhr. Es wurde Zeit, dass er losfuhr. Gonzales stoppte soeben den Wagen vor dem Haus.

    Franco Millane klappte den Koffer zu, löschte das Licht und ging hinaus.

    17

    Gewissensbisse plagten Marc Walther. Er hatte Bernd Schuster niedergeschlagen, diesen Mann, mit dem er fast befreundet war, diesen tüchtigen Privatdetektiv, der ihm stets ein Vorbild gewesen war.

    Er hatte es ungern getan, aber, verflucht noch mal, Bernd hatte ihm keine andere Wahl gelassen. Hier ging es nicht um Kollegialität oder Freundschaft. Es ging um Doris.

    Walther hatte das Gefühl, ihre Seele würde so lange keine Ruhe finden, bis er ihren Tod gerächt hatte.

    Es ging um Doris‘ Seelenfrieden.

    Marc Walther kniff grimmig die Augen zusammen.

    „Mach dich auf was gefasst, Franco Millane!, knurrte er gegen die Frontscheibe. „Ich komme, und ich werde dich über den Haufen schießen. Es ist mir egal, wie viele Gesetze ich heute noch verletze. Mir ist nur wichtig, dass du stirbst. Ich habe nichts mehr zu verlieren. Ich kann nur noch gewinnen. Solche Gegner sind die gefährlichsten, Millane. Du wirst es erleben.

    Walther hatte einiges an Alkohol geschluckt, und eine Zeit lang hatte er die Wirkung gespürt, doch nun war er wieder völlig nüchtern. Er bedauerte aus tiefstem Herzen, dass es ihm nicht gelungen war, Tom Nöhrig dazu zu bringen, die Waffe auf ihn zu richten.

    ‚Ich hätte ihn abgeknallt, ohne mit der Wimper zu zucken!‘, dachte er hasserfüllt. ‚Ich wäre schneller gewesen als er, ganz bestimmt. Du hättest nicht dazwischen gehen sollen, Bernd Schuster. Zum Teufel, du hättest dich überhaupt aus meinen Angelegenheiten raushalten sollen. Du hast Doris gekannt, na schön, aber das gibt dir noch lange nicht das Recht, mich daran zu hindern, den Tod meiner Tochter zu rächen‘.

    Es war ihm nicht leichtgefallen, Bernd Schuster niederzuschlagen und ihm dabei in die Augen zu sehen, aber er hatte es getan, weil er sich nicht aufhalten lassen wollte.

    Hoffentlich habe ich nicht zu fest zugeschlagen, durchfuhr es ihn. Es musste doch schnell gehen, und ich war erregt ...

    Er hatte mal einen Mann gesehen, den zwei Gangster überfallen und „schlafen gelegt" hatten.

    Der Mann war nie mehr aufgewacht, weil die Kerle zu kräftig zugeschlagen hatten. Sie hatten keinen Mord begehen wollen, aber es war einer daraus geworden.

    Marc Walther hatte das Gefühl, auf einem steilen, glatten Blechdach zu liegen. Er wollte es nicht, aber er rutschte mehr und mehr ab.

    Irgendwann würde der tödliche Sturz kommen.

    18

    Bernd bog um die Ecke. Er fuhr schnell, denn er musste viel verlorene Zeit einholen. Er

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