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Desperados und Coltgeier – 5 glorreiche Western

Desperados und Coltgeier – 5 glorreiche Western

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Desperados und Coltgeier – 5 glorreiche Western

Länge:
665 Seiten
7 Stunden
Freigegeben:
5. Juli 2021
ISBN:
9798201937386
Format:
Buch

Beschreibung

Desperados und Coltgeier – 5 glorreiche Western

von Alfred Bekker & Pete Hackett & Heinz Squarra

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 500 Taschenbuchseiten.

 

Dieses Buch enthält folgende Romane:

 

Heinz Squarra: Die Todeslegion

Pete Hackett: Ein Stern für Texas

Alfred Bekker: Brigade der Desperados

Alfred Bekker: Sonora Geier

Pete Hackett: Die Höllenhunde vom Rio Bravo

 

Die Romane handeln von der Pionierzeit des amerikanischen Westens, dem eine archaische Kraft innewohnt - eisenhart und bleihaltig. Harte Männer im Kampf um Recht und Rache...

Freigegeben:
5. Juli 2021
ISBN:
9798201937386
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

Desperados und Coltgeier – 5 glorreiche Western - Alfred Bekker

Desperados und Coltgeier – 5 glorreiche Western

von Alfred Bekker & Pete Hackett & Heinz Squarra

Der Umfang dieses Buchs entspricht 500 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Romane:

Heinz Squarra: Die Todeslegion

Pete Hackett: Ein Stern für Texas

Alfred Bekker: Brigade der Desperados

Alfred Bekker: Sonora Geier

Pete Hackett: Die Höllenhunde vom Rio Bravo

Die Romane handeln von der Pionierzeit des amerikanischen Westens, dem eine archaische Kraft innewohnt - eisenhart und bleihaltig. Harte Männer im Kampf um Recht und Rache...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Authors, Titelbild: Firuz Askin

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Todeslegion

Western von Heinz Squarra

Der Umfang dieses Buchs entspricht 114 Taschenbuchseiten.

Auf der Suche nach Wasser findet Chaco ein geheimes Lager der Armee. Männer, die zum Tode verurteilt wurden, werden hier für einen Sonderauftrag vorbereitet. Chaco wird von zwei Wachen überrascht und gefangen genommen. Der Captain macht sehr deutlich klar, dass Chaco entweder mitmachen, oder sterben kann. Niemand soll von dem Lager berichten können, auch die Straftäter nicht, denen die Freiheit versprochen wurde, für den Fall, dass sie den Einsatz überleben.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Alles rund um Belletristik!

1

Sie hatten einen Weg gewählt, von dem es kein Zurück mehr gab, und er führte direkt in die Hölle.

Unter der sengenden Sonne verdichtete sich der Staub, der, mit Schwarzpulverrauch vermischt, vor den Wüstenbergen im südlichen Arizona stand. Das Knattern der Schüsse weckte in den kargen, grauen Bergen ein hallendes Echo, das weit hinaus in die tote Wüste schallte.

Inmitten dieser trostlosen, glühenden Einsamkeit krochen schwitzende, von Angst und Grauen gezeichnete Männer über den Sandboden einem Stacheldrahtverhau entgegen, der kreuz und quer zwischen armdicken Pfosten acht Zoll hoch über der Erde verspannt war. Sie mussten unter diesem Hindernis durch, über das die Kugeln pfiffen.

Hinter den Kriechenden liefen andere Männer mit Gewehren oder Revolvern in den Fäusten her. Sie trugen Hüte der US-Kavallerie, an denen Kokarden befestigt waren, aber sonst waren sie mit Levishosen und karierten Hemden wie Cowboys gekleidet. Nur einer der Männer, ein bulliger, mächtiger, schnauzbärtiger Kerl, trug eine blaue Armeebluse mit den goldenen Winkeln eines Sergeanten am Ärmel. Auch rechts und links des Drahtverhaus standen solche seltsamen Männer, die vor das Hindernis feuerten.

Die ersten der kriechenden Männer erreichten den Stacheldraht. Sie mussten sich platt auf den Boden legen, um unverletzt weiter zu gelangen. Über sie strichen die Kugeln weg, vor ihnen schlugen sie in den Sand und schleuderten ihnen Fontänen entgegen. Ein Mann schrie auf, als er getroffen wurde und Blut aus einer Wunde an seiner Schulter lief.

„Weiter, weiter, ihr faulen Bastarde!", rief der schnauzbärtige Sergeant barsch.

Mit schweißgetränkten Hemden, keuchend und rasselnd atmend krochen die Geschundenen unter Drahtverhau und singenden Kugeln weiter, rafften sich hinter dem Hindernis auf und taumelten zu einer Bretterwand von zwei Yards Höhe.

Der erste Mann prallte dagegen und brach zusammen. Der nächste schaffte es über die Planke weg. Er stürzte erst dahinter, wollte aufstehen. aber ein anderer fiel genauso ausgebrannt wie er selbst auf ihn.

Beide gingen zu Boden.

„Es ist die Hölle", murmelte der eine.

„Aber besser als der Galgen", erwiderte der andere heiser.

Beide kamen erneut auf die Beine und schleppten sich weiter in das Flimmern hinein, hinter dem die Felsen im Westen wie eine Wand standen und ein Posten auf dem Hochplateau zu erkennen war.

Sie liefen in einen Graben hinunter und eine Sandwand zu einem Damm hinauf. Und noch immer strichen die Kugeln singend über sie weg und schlugen rechts und links von ihnen ein.

„Los, los, schneller!", brüllte die Stimme des Sergeanten.

Andere Männer keuchten hinter den beiden ersten her. Mancher rollte den schon fast erklommenen Damm wieder hinunter, weil ihm jäh die Kraft versagte und die Beine das Gewicht des Körpers nicht mehr zu tragen vermochten.

Hinter dem Damm fiel das Gelände einige Yards steil in ein kraterartiges Loch ab, das mit geborstenem Lavagestein ausgefüllt war und in dem sich die Gluthitze noch einmal zu verdoppeln schien. Die beiden ersten Männer zögerten vor dem Sprung in die Tiefe, bis den einen eine Kugel am Arm streifte, den Stoff des nassen Hemds aufriss und einen blutigen Kratzer auf der Haut hinterließ. Da sprangen sie in den Krater hinunter, stürzten, rafften sich auf und liefen über das geborstene Gestein, das heiß wie eine Herdplatte war und vor dem die durchlöcherten, rissigen Schuhe kaum Schutz boten. Andere Männer folgten. Einer stürzte auf der Höhe am Kraterrand.

Er schrie wie von Sinnen, als er über den Rand rutschte und kopfüber hinunterkippte. Er brach sich das Genick, und sein wildes Schreien verhallte. Sie hielten an, blickten hinunter zu dem Toten und

zurück zu ihren Peinigern, die mit rauchenden Revolvern und Gewehren stehengeblieben waren.

Ein Mann lag noch unter dem Drahtverhau, die Arme angewinkelt und die Stirn im heißen Wüstensand.

Der Staub bewegte sich auf die Spitzzelte des Camps zu, das südlich der Hindernisstrecke stand. Eine einzige, schmale und fensterlose Hütte, deren Tür mit einem dicken Balken verbarrikadiert war, erhob sich zwischen den Militärzelten. Es gab einen Korral mit ein paar Dutzend Pferden darin und ein Windrad auf einem hohen Holzgerüst, das Wasser aus einem Loch im Boden pumpen sollte. Die meiste Zeit aber verharrte es reglos in der Windstille, so dass die beiden Rinnen zum Vorratsbehälter und zur Tränke im Korral leer waren und klaffende Risse erhalten hatten. Kein Mast und keine Fahne zierten dieses Lager der US-Armee, das so geheimnisvoll wie sein Auftrag war.

Ein mittelgroßer, breitschultriger Captain tauchte vor den Zelten in der Staubwand auf, stemmte die Hände in die Hüften und blickte zu seinen Leuten mit den Kavalleriehüten hinüber.

„Was ist passiert, Sergeant Crane?", rief er.

Der Sergeant spuckte in den Sand, ging um den Drahtverhau und die anderen Hindernisse herum zu dem Krater und schaute hinunter zu dem Toten. „Es ist Tover, Sir. Er muss so ungeschickt gesprungen sein, dass er sich das Genick gebrochen hat."

Der etwas blass wirkende Offizier ging weiter. Die Soldaten trieben mit ihren Gewehren die Geschundenen wie Herdenvieh zusammen. Der Captain trat zu dem Sergeanten und betrachtete die Leiche in der Tiefe.

„Der hat sowieso nichts getaugt, Sir, erklärte der Sergeant und spie abermals auf den Boden. „Ich sagte doch schon, dass wir den dem Henker wieder zurückschicken müssten. Der hätte nicht durchgehalten.

Der Captain blickte zu dem Mann zurück, der immer noch unter dem Drahtverhau lag, als hätte er das Bewusstsein verloren. „Und Jim Maldoon?"

Auch der Sergeant wandte sich um. „Der ist jung und kräftig, Sir. Der muss wohl nur richtig behandelt werden! Hank Crane grinste gemein. „Den nehm ich mir selbst vor. Mit Slim Jiminez zusammen, Sir!

„Gut, Sergeant. Aber lassen Sie ihn am Leben. Wir werden vielleicht viele Männer brauchen, die Tod und Teufel nicht fürchten!"

„Er wird am Leben bleiben", versprach Sergeant Crane und strich seinen sichelförmigen Schnauzbart nach den Seiten.

„Den anderen sollen diese Strolche draußen in der Wüste verscharren."

„Ja, Sir."

Captain Ernie Hastings wandte sich ab und ging zum Camp zurück.

Crane schaute ihm ein paar Sekunden nach, dann winkte er Corporal Slim Jiminez zu sich und gab ihm den Befehl, mit zwei Soldaten vier der Geschundenen zu bewachen, die den Toten in die Wüste hinaustragen und dort beerdigen sollten.

Jiminez war ein finsterer, schwarzer Kerl, der boshaft grinste, als er den Befehl entgegennahm. Dann suchte er zwei herkulische Soldaten aus, bestimmte vier der Gefangenen und ließ sie den Toten aus dem Krater holen.

Sergeant Hank Crane wartete, bis sich der kleine Trupp entfernt hatte, dann feuerte er seinen Colt in die Luft ab und schrie: „Vorwärts, ihr müden Hunde, es geht weiter!"

Das Knattern der Schüsse hallte über die Wüste. Die Männer liefen den Damm hinauf und sprangen in den Krater. Nur Jim Maldoon lag noch unter dem Drahtverhau. Der mittelgroße, schlanke Mann mit dem dunkelblonden Haar und den dunkelblauen Augen war verschwitzt,

verdreckt und am Ende seiner Kräfte.

„Jim Maldoon", sagte Sergeant Crane grinsend, spuckte erneut in den Sand und ging zurück.

2

Als Sergeant Hank Crane Jim Maldoon erreichte, sanken die übrigen Gepeinigten am Ende der Hindernisstrecke zwischen Sanddünen zu Boden, und das Krachen der sie anfeuernden Schüsse verklang. Pulverrauch zerflatterte in der Luft unter der Sonne, die wie eine fahlgrüne Scheibe im Zenit stand. Es gab keinen Fußbreit Schatten im Camp der Todeslegion oder auf der Hindernisstrecke, auf der die Männer bis zum Kochen des Blutes geschliffen wurden.

Crane winkte einen in der Nähe stehenden Soldaten heran. Der Mann schob seinen langen Armeerevolver in das Holster und zog auf Cranes Zeichen hin den jungen Jim Maldoon an den Füßen unter dem Drahtverhau hervor. Als er ihn losließ, rührte sich Maldoon immer noch nicht.

„Der ist am Ende, Sergeant. Manche schaffen es nicht."

„Er sieht aber ziemlich kräftig aus."

Der Soldat zuckte mit den Schultern. „Trotzdem, Sergeant."

Crane trat dem Liegenden jäh in die Hüfte.

Jim Maldoon schrie auf und krümmte sich zusammen.

„Steh auf!", bellte Crane.

Jim Maldoon wälzte sich herum, stützte die Ellenbogen auf und kam auf die Knie. Als er sich erheben wollte, traf ihn Cranes zweiter Tritt gegen die Schulter, und er fiel auf die andere Seite, wälzte sich stöhnend herum und krümmte sich wieder zusammen.

,,Aufstehen, zur Hölle!", befahl Sergeant Crane.

Gleichmütig stand der Soldat dabei und folgte der hässlichen Szene ohne Mitleid. Er verachtete diese geschundenen Männer genauso sehr wie der Sergeant, wie Corporal Jiminez oder Captain Hastings, denn sie alle waren von Militärgerichten zum Tode verurteilt worden und der Hinrichtung nur entgangen, weil sie sich zu diesem Spezialkommando, dieser Todeslegion gemeldet hatten, von der noch keiner wusste, welche Aufgaben auf sie wartete. Sicher war nur, dass es äußerst gefährliche Aufgaben sein würden, die viel Blut kosten und möglicherweise auch außerhalb der Legalität liegen würden.

„Maldoon, stehen Sie auf!", befahl Crane mit seiner barschen, lauten Stimme.

Der stöhnende junge Mann stützte wieder die Ellenbogen auf, und diesmal ließ ihn der Sergeant hochkommen. Maldoon stand schwankend da, das stoppelbärtige Gesicht verzerrt, die Staubschicht geplatzt in Hunderte winzige Stücke, die der Schweiß von der Haut löste und zu Boden fallen ließ.

„Warum sind Sie hier, Maldoon?", fragte Crane.

„Ich habe mich freiwillig gemeldet, Sergeant", stieß Maldoon mühsam hervor.

„Ganz richtig, Maldoon. Und warum haben Sie sich gemeldet?"

„Weil ich, weil man mich sonst gehenkt hätte."

„Genau. Crane strich seinen Schnauzbart zurecht. „Und warum hat man Sie verurteilt?

„Ich soll ..."

„Sie sollen nicht, Sie haben eine Frau vergewaltigt!, schrie Crane. „Oder zweifeln Sie etwa die Rechtmäßigkeit des Urteils an, Sie verdammtes Schwein?

Ein wilder Fausthieb traf Maldoon ins Gesicht, so dass er wie ein angesägter Baum schwankte und zusammenbrach.

Jim Maldoon rollte auf den Rücken. Blut sickerte aus seiner Nase.

Seine Lippen zuckten.

„Und es ist nicht wahr!", stieß er ächzend hervor.

Sergeant Crane zog den Kopf ein, an seiner Stirn schwoll eine Ader an.

„Teufel noch mal, der hat Haare auf den Zähnen, Sergeant", murmelte der Soldat.

„Helfen Sie ihm!"

Der Soldat bückte sich und zog Jim Maldoon auf die Füße. Dem jungen Mann lief das Blut zum Kinn.

„Solche wie Sie gefallen mir, Maldoon, sagte Sergeant Crane. „Bei den Weibern brutal und stark sein und dann von nichts wissen und ein Militärgericht der Lüge bezichtigen! Er trat Maldoon gegen die Beine, und der stürzte erneut zu Boden.

Eigenhändig zog Crane ihn hoch und hieb ihm die Faust gegen das Kinn. Seine Hand öffnete sich, und Maldoon fiel wieder in den heißen Sand.

Noch immer stand der Soldat ungerührt dabei. Er kannte die Methode, die noch immer Erfolg gehabt hatte. Crane und der Captain brachen den geringsten Widerstand, der sich gegen sie und das harte Schicksal im Camp zu regen wagte. Maldoon, der erst vor zwei Tagen eingetroffen war, mochte es vielleicht noch nicht wissen. Jetzt würde er es erfahren.

„Aufstehen!", befahl Sergeant Crane, trat Maldoon mit der Stiefelspitze gegen den Arm und die Schulter und ging einen Schritt zurück.

Jim Maldoon rührte sich nicht. Er versuchte noch nicht einmal, wieder aufzustehen.

„Es ist wahr!, stieß er nur hervor. „Alles war von den Zeugen erfunden! Frei erfunden! Auch die Frau hat gelogen! Ich kannte nicht einmal ihren Namen!

Crane blickte den Soldaten an, und der grinste unbeeindruckt. Viele der zum Tode verurteilten Gefangenen hatten abgestritten, die Delikte begangen zu haben, wegen denen sie die Militärgerichte verurteilt hatten. Das war nichts Neues und würde immer wieder geschehen.

„Aufstehen, Maldoon!, befahl Crane. „Es geht jetzt weiter. Wer schlappmacht, reist in sein Militärgefängnis zurück. Ist das klar?

Jim Maldoon blickte aus zusammengekniffenen Augen zu dem sechs Fuß großen Sergeanten hoch, der auf ihn wie ein Riese wirkte. Aber er sah nicht das gehässige Gesicht und die blitzenden, kalten Augen. Jim Maldoon sah eine graue Steinmauer und einen Galgen und an dem Galgen einen Strick mit einer Schlinge. Dort würden sie ihn hängen, wenn er hier wieder abgeschoben wurde.

Das half ihm noch einmal, Schmerz und Pein zu überwinden und auf die Füße zu kommen. Die Fußsohlen brannten wie Feuer, die Knie wollten nachgeben, und in seinem Kopf war alles so durcheinander, dass er meinte, zu träumen.

„Vorwärts!", schrie der Sergeant.

Das Krachen eines Revolvers und das Pfeifen einer Kugel brachten Jim Maldoon in Bewegung.

„Hinlegen!", bellte Crane.

Maldoon legte sich flach auf den Boden und kroch auf den Stacheldrahtverhau zu. Er geriet unter den Draht, dessen spitze Haken sein Hemd im Rücken aufrissen und seine Haut blutig ritzten.

„Schneller, schneller, du Mistkerl!", brüllte der Sergeant.

Maldoons Ellenbogen stießen auf den Boden. Sein Hemd riss weiter entzwei, und die Stahldornen zerfetzten seine Haut. Die Schmerzen verspürte er kaum noch.

„Himmel, bewegt der sich lahm, sagte der Soldat. „Maldoon! Reißen Sie sich zusammen, wenn Sie hierbleiben wollen! Schneller, Mann! Sie sind der lahmste Krüppel, den wir hier haben!

Jim Maldoon konnte nicht mehr weiter, so sehr er auch mit jeder Faser seines Körpers wollte. Die Ellenbogen konnten nicht mehr. Sein Gesicht berührte den heißen Wüstensand, und es war, als würde in seinem Kopf etwas explodieren.

„Der ist fertig, Sergeant", sagte der Soldat, der meilenweit entfernt zu sein schien.

„Maldoon. kriechen Sie weiter!", befahl der Sergeant herrisch.

Jim reagierte nicht mehr darauf, obwohl er es verstand.

„Maldoon, du Sohn eines räudigen Ziegenbocks, weiterkriechen!", brüllte Crane.

„Zwecklos Sergeant", sagte der Soldat.

Jim Maldoon spürte keine Hitze und keine Schmerzen mehr, obwohl er noch bei Bewusstsein war. Er hörte auch keine Schritte, hörte nicht das Knirschen des Sandes, als seine Schinder sich näherten. Er spürte, dass er über den Boden geschleift und auf den Rücken gewälzt wurde, und er sah die Scheibe der Sonne hinter Staub und Dunst. Ein schnauzbärtiges Gesicht schob sich davor, und Hass leuchtete ihm aus Cranes Augen entgegen.

„Dich lasse ich von Slim Jiminez schleifen, mein Junge, sagte der Sergeant beinahe freundlich. „Bis dir das Blut in den Adern kocht und der Schweiß wie Dampf aus deinen Poren steigt! Schafft ihn weg, bis er wieder einigermaßen auf den Beinen stehen und Jiminez ihn übernehmen kann!

Jim Maldoon sah auf einmal noch mehr Soldaten, die sich um den Sergeanten versammelt hatten. Sie mussten hinzugetreten sein, ohne dass er etwas davon bemerkt hatte. Sie beugten sich über ihn, packten ihn an den Armen und den Beinen und trugen ihn fort.

Sergeant Crane blickte den Soldaten in dem seltsamen Gemisch aus Uniformen und Zivilkleidern nach, wandte sich dann um und schaute hinaus in das Flimmern der Wüste, in welcher der Tote beerdigt wurde.

Das Grab würde flach wie der Boden rundum und nicht zu erkennen sein. Wenn ihn später einmal die Wölfe ausgraben sollten, würde niemand mehr von ihm erfahren, was hier geschehen war.

Denn dieses Ausbildungslager für die Spezialeinheit würde spurlos verschwinden, wenn der Auftrag erledigt war. Und dieser Auftrag lautete, die ausgewählten Todeskandidaten zu eisenharten Einzelkämpfern auszubilden, die jedem denkbaren Gegner in den Staaten oder außerhalb der Grenzen, legal oder illegal, gewachsen sein würden.

„Manchmal denke ich, die Armee erwartet zu viel von diesen Hurensöhnen", sagte der Soldat, der noch bei Crane stand.

Der Sergeant schüttelte den Kopf. „Die denken doch, dass sie wirklich mit dem Leben davonkommen, wenn sie einen Einsatz heil überstehen."

„Können sie das nicht?"

„Wenn nie jemand von diesem Kommando erfahren soll, dann darf keiner der Kerle darüber reden können! Oder was dachten Sie?"

Der Soldat nahm den Hut ab und raufte sich die schwarzen, spärlichen Haare. „Ich hatte darüber nicht nachgedacht, Sergeant. Aber so wird es wohl stimmen."

„Aber das darf natürlich keiner erfahren, fuhr Sergeant Crane fort. „Diese Banditen müssen glauben, es gäbe für sie noch eine Chance. Das allein befähigt sie, alles zu ertragen und sich gegenseitig mit Misstrauen zu bewachen. Sie müssen glauben, wir würden sie tatsächlich alle in ihre Gefängnisse und damit zu ihren Henkern zurückschicken, wenn auch nur einer ausbricht und flieht. Nur so bewachen sie sich gegenseitig.

Der Soldat grinste dreckig. „Sauber, sauber, Sergeant." Sein Blick wanderte über den leuchtenden Wüstensand und die Hindernisse weg zu dem Todeskommando, das im Laufschritt westlich einer großen Holzplanke auftauchte, beschossen wurde und sich auf den Boden warf. Eine nicht sehr starke Sprengladung explodierte und warf eine Sandwand in die Luft, hinter der die Geschundenen für Sekunden unsichtbar wurden.

„Sprung auf!",  befahl eine heisere Stimme.

Wildes Kriegsgeschrei erschallte. Aus der Staubwand tauchten die Männer auf und stürmten auf einen angenommenen, nicht existenten Gegner zu, den es irgendwann wirklich für sie geben sollte.

„Das wird eine gute, schlagkräftige Truppe", frohlockte der Sergeant.

„Mit der man aber wie auf einem Pulverfass sitzt", sagte der Soldat.

„Ach was. Die haben alle den Galgen gesehen, an dem sie gehenkt werden sollten. Das vergisst keiner. Und sollte es doch einer wagen, aufzumucken, dann werden seine Kameraden dafür sorgen, dass er keine Gefahr für uns wird. Die solidarisieren sich nicht, das ist sicher!"

Der Soldat nickte. Er dachte daran, dass auch er, der Sergeant, der Captain und alle übrigen, die sie als reguläre Angehörige der Armee galten, nicht freiwillig hierher in die Wüste geraten waren. Jeder von ihnen war aus irgendeinem Grunde zu dieser Einheit versetzt worden, und jeder hütete sich, dem anderen diesen Grund mitzuteilen. Nur Captain Ernie Hastings kannte die Gründe, die in den Akten standen. Aber er schwieg, da er selbst genug Dreck an den Stiefeln hatte.

3

Die Dunkelheit kroch von Osten über das südwestliche Texas und nach New Mexico hinüber, hüllte den Rio Grande mit ihren schwarzen Schleiern ein und verschluckte die Stadt El Paso, die mit einem Meer von erleuchteten Fenstern gegen die Nacht ankämpfte.

Fast schon außerhalb der Grenzstadt lag das zum Teil bereits verfallene Haus von Doktor Henry Brown, einem weithin bekannten Säufer, dem schon vor längerer Zeit das Praktizieren verboten worden war.

Hinter dem ehemaligen Arzthaus schlossen sich Müllhaufen an, in denen fette Ratten nach Nahrung suchten. Eine Reihe Elendsquartiere folgte, bewohnt von den Ärmsten der Armen, die in Lumpen gehüllt waren und sich aus einem bunten Völkergemisch von Weißen, Mexikanern, Chinesen und einigen zivilisierten, trinkenden Indianern zusammensetzten, die irgendwann für die weißen Eroberer Spitzel und Kundschafterdienste geleistet hatten und so die Dankbarkeit der scheinbar neuen Freunde erfuhren.

In der verfallenen, windschiefen Arzthütte waren die Fenster verhängt, so dass nur durch ein paar Löcher schwacher Lichtschein fiel. Draußen zogen singend und lärmend ein paar betrunkene Mexikaner vorbei. Jemand feuerte aus einem Revolver sinnlos in die Luft. Pfeifend verschwanden die fetten Ratten unter den Brettersteigen und in Löchern, die sie tief in den Boden gebohrt hatten.

Im Hause von Doc Henry Brown erlosch das Licht.

Marido, der Samurai und Leibwächter von Andrew Hilton, der aus Mexiko herübergeritten war, um den inzwischen von der Armee rehabilitierten Carringo, dessen Frau Linda und ihren gemeinsamen Sohn zu suchen, dieser Marido sah trotz der jähen Dunkelheit den versoffenen Arzt noch so gut wie zuvor, als die Lampe noch weiches Licht verbreitete.

Brown ging zurück und prallte gegen die Wand. Der Samurai war ihm unheimlich wie am ersten Tag. Er sah nur das Glimmen der schwarzen Augen, ahnte die asiatischen Gesichtszüge, das schwarze Haar mit dem auf dem Haupt zusammengeschlungenen Zopf und die große, muskulöse Gestalt.

„Warum löschst du das Licht?", fragte Marido.

„Es sind Männer draußen vorbeigegangen. Die Gardinen sind nicht mehr so gut, dass man nicht durch ein Loch einen Blick hereinwerfen könnte", erwiderte der verschüchterte Doc.

„Die Männer sind weg. Ich höre sie nicht mehr."

„Warte noch einen Moment, ich zünde die Lampe dann wieder an."

Draußen war noch entferntes Gelächter zu hören. Im Gebälk der altersschwachen, ungepflegten Hütte knackte und ächzte es, als würde das Gebäude jeden Moment zusammenfallen.

Sekunden reihten sich aneinander, und bald war nur noch das hastige Atmen des ehemaligen Arztes zu hören.

„Sie sind weg", sagte der Samurai wieder.

„Vielleicht folgen noch welche."

Wieder verging eine Weile. Dann bewegte sich der Arzt, eine Diele knarrte, und ein Schwefelholz wurde über die Tischplatte gezogen. Licht sprang auf und riss den schäbigen Raum mit den vergilbten, teilweise abgeblätterten Tapeten aus der Schwärze.

Browns Hand zitterte, als er die Lampe ansteckte, die an einer Schnur von der Decke hing. Das Licht wurde heller, und die schwarzen, springenden Schatten verwischtet. Brown blies das Schwefelholz aus und ließ es fallen.

Der Samurai stand an der spaltbreit geöffneten Tür. Er trug einen dunkelblauen Kimono, der dort, wo er etwas geöffnet war, ein rotes Innenfutter zeigte. Ein gelber Seidengürtel schloss sich um seinen Körper, und hinter ihm steckten die beiden Schwerter, die der Asiate trug. In der Nackenscheide hatte er ein Kampfmesser, ein Pfeilköcher ragte hinter seiner Hüfte hervor, und die in schwarzen Lederhandschuhen steckenden Hände hielten einen indianischen Bogen.

Brown hustete und drehte den Docht der Lampe etwas herunter, um dem Licht die Helligkeit zu nehmen. „Es ist gefährlich."

„Was ist gefährlich?"

„Dass ihr euch so lange in meinem Haus aufhaltet. Ihr werdet gesucht. Ich habe es gehört!"

„So? Der Samurai ließ die Hände sinken. „Hier in El Paso?

„Nein, dass ihr hier seid, scheint man nicht zu ahnen. Aber wenn man euch bei mir findet, ist die Hölle los. Dann gerate ich in Teufels Küche!"

Der Anflug eines Lächelns huschte wie ein Schatten über das Gesicht Maridos und verschwand so spurlos, wie es erschienen war. „Wenn du uns nicht verrätst, werden sie uns bei dir auch nicht suchen, Doc Brown. Und wenn du mehr könntest, hätten Luman und ich dich längst wieder verlassen. Es geht ihm schlecht."

„Dafür kann ich nichts, zum Teufel! Hab ich ihm vielleicht die Kugel verpasst?"

„Du hast ihm helfen sollen, aber du bist dazu unfähig", erklärte Marido.

„Unfähig? Brown trat zurück und musterte den Samurai wieder furchtsam. „Was soll das heißen?

„Du hast deinen Verstand versoffen, Brown. Und deshalb haben Sie dich auch um deinen Beruf gebracht."

„Das hast du nur gehört, Marido. Du weißt es nicht. Niemand weiß, ob etwas Wahres daran ist. Und ich sage dir, es ist nur ein Gerücht."

Der Samurai winkte ab, weil es ihn nicht interessierte, ob Brown als Arzt noch praktizieren durfte oder nicht. Tatsächlich wagten sich nur heimlich Leute in sein Haus, und das sagte Marido genug. Zudem waren es Leute, die für ein paar Cent, eine Flasche Fusel oder ein Maisbrot behandelt werden wollten, oder es nicht wagten, mit ihren Krankheiten und Gebrechen einen anderen Arzt aufzusuchen, aus Sorge, es könnte bekannt werden. Doc Henry Brown schwieg wie ein Grab über alles, was er sah, hörte und behandelte. Letzten Endes hatten Josh Camper und Marido den verletzten Revolvermann Luman auch in dieses Rattennest gebracht, weil sie um Browns Verschwiegenheit wussten.

Dem Doc lief der Schweiß in kleinen Bächen über das Gesicht, und er griff sich immer wieder an den Hals, bis er sich den Kragen aufriss, der zu eng zu werden schien.

„Lumans Fieber steigt, sagte Marido. „Statt besser geht es ihm von Tag zu Tag schlechter. Er dachte daran, dass Josh Camper weitergeritten war, um nach dem Verbleib Carringos zu fahnden. Wenn er zurückkehrte, sollte Luman wieder reiten und kämpfen können. Statt dessen schien es nun, als würde er dem versoffenen Arzt unter den Händen sterben.

„Ich kann nichts weiter tun. Brown zuckte mit den Schultern. „Seine Konstitution ist schlecht. Er hatte schon viel Blut verloren, als ihr ihn gebracht habt.

„Du wirst jetzt eine Tinktur mischen, die ich dir sage." Marido schaute zu dem Regal hinüber, auf dem Flaschen und Tontöpfe mit der Medizin standen, die Brown nur noch höchst selten benutzte.

„Eine Tinktur nach deinen Angaben?"

„Ja!"

„Was weißt du davon?"

„Das wirst du sehen. Deine Mittel haben versagt."

„Und was soll die Tinktur bewirken?" Henry Brown trat kurzsichtig zwinkernd an den Tisch.

„Sie soll das Fieber senken. Außerdem mischen wir eine Salbe, damit die Entzündung in Lumans Wunde zurückgeht. Stelle alle Flaschen und Dosen auf den Tisch. Beweg dich!"

Die schroffe Art des Samurai und dessen gefährlich blickende Augen ließen den seltsamen Arzt gehorchen. Mit eingezogenem Kopf holte er die Flaschen, Gläser und Dosen, den Mörser und seine Brille und mischte die Tinktur nach der Anweisung des Samurai. Die Zusammenstellung war ihm fremd und etwas unheimlich wie der ganze Mann, der mit dem langen Kimono wie eine Frau angezogen war und den er lieber noch an diesem Tage, als am nächsten aus seinem Haus gewusst hätte. Danach mischte er die Salbe und folgte Marido, der die Lampe abgehängt hatte und sich der offenen Tür zuwandte.

Das Licht geisterte durch einen schmalen Flur, an einer zweiten Tür vorbei und eine Stiege hinunter, die in den Keller führte. Er war in den Boden gegraben und lediglich an den Wänden mit Brettern abgestützt. Die Decke bildeten Balken und eine doppelte Lage Dielen, so dass kein Lichtschein nach oben durchdringen konnte.

Der Kellerraum war sechs Yards lang und ebenso breit, niedrig und fensterlos. Auf einer mit schmutzigen, stinkenden Pferdedecken belegten Pritsche wälzte sich der Revolvermann Luman stöhnend hin und her. Er trug kein Hemd, so dass die Wunde an seiner Hüfte im Lampenschein zu erkennen war und die fortschreitende Entzündung selbst von Henry Brown erkannt wurde.

Auf einem zweiten Lager aus Fellen schlief der Samurai während ihres Zwangsaufenthalts in El Paso. Es gab ferner eine Waschgelegenheit, einen Spiegel, einen Tisch und zwei umgestülpte Kisten zum Sitzen. Lumans Waffen lagen auf dem Boden, als würden sie nicht mehr gebraucht.

Der Samurai zog den dunkelblauen Kimono etwas hoch und kniete neben das Lager des Stöhnenden. Er nahm Brown die Tinktur aus der knochigen, zitternden Hand und flößte sie dem Verletzten ein. Dann bestrich er mit einem Lappen und ohne sich der schwarzen Handschuhe zu entledigen die Wunde Lumans mit der Salbe und ließ von Henry Brown einen Verband anlegen.

Henry Brown war noch mitten in der Arbeit, als ein dumpfes Dröhnen durch das Haus und bis in den Keller schallte.

Der Samurai warf den Bogen zu seinem Lager hinüber und griff nach dem einen Säbel, den er halb aus der Scheide zog.

Das Lampenlicht brach sich auf der silbernen, langen Klinge wie in einem Spiegel und blendete den Doc.

Das dumpfe Dröhnen wiederholte sich.

„Es ist jemand an der Tür", sagte Brown flüsternd.

„Wer kann es sein?"

„Das weiß ich nicht, Marido. Es kommen manchmal nachts Leute, die einen Wunsch haben."

„Brown, bist du nicht da?", rief eine Stimme, die unverkennbar einem Mann gehörte.

„Geh!, stieß der Samurai hervor und schob den Säbel in die Scheide zurück. „Und wimmle ihn ab!

„Warum?"

„Weil es ihm verdächtig erscheinen muss, dass in deinem Behandlungszimmer noch alles herumsteht."

„Ach ja. Daran habe ich nicht gedacht."

„Geh!"

Doc Brown kletterte die ächzende Stiege hinauf. Der Verletzte wälzte sich der Bretterwand zu, aus der ein wenig Sand rieselte, als abermals im Erdgeschoss gegen die Tür geschlagen wurde.

Marido folgte dem Arzt bis an die schmale Kellertür, die er zuzog, als Brown im Gang war. Der Samurai lauschte an der Tür, hörte Angeln kreischen und den Doc sagen, dass er bereits geschlafen habe, was eine Entschuldigung sein sollte.

„Ich habe dir Whisky mitgebracht, erwiderte der Mann. „Hier, sieh ihn dir an! Guten Whisky!

„Was willst du?, fragte Brown. „Ich bin müde. Gib den Whisky her und komme morgen wieder!

„Du bist verrückt. Morgen bist du noch besoffen von meinem Whisky. Hier, sieh dir das an!"

Marido schob die Tür etwas auf und erkannte mit seinen scharfen Augen im Mondschein an der Haustür einen Mann vor dem Doktor, der den einen Ärmel aufkrempelte.

„Was ist denn passiert?"

„Ich bin mit einem Messer gestochen worden."

„Von wem?"

„Du kassierst die Flasche Whisky und stellst keine Fragen, verstanden? Siehst du, wie stark es blutet? Also, was ist nun?"

Brown zögerte und schaute zurück. Marido schloss die Tür, damit der Lichtschein nicht gesehen wurde.

„Also dann los. Geh in dieses Zimmer."

„Warum in das?"

„Da ist ein anderer Patient drin, der dich nichts angeht und von dem auch du vielleicht nicht gesehen werden willst."

Marido hörte, dass die Haustür geschlossen wurde und die Dielen im schmalen Flur knarrten. Unterhalb der Stiege stöhnte Luman so laut, dass der Samurai fürchten musste, es könnte oben in dem wurmstichigen Haus noch gehört werden. Rasch stieg er die Treppe hinunter, kniete neben Lumans Lager und hielt dem Verletzten den Mund zu, wenn der gar zu laut wurde.

Es dauerte über eine halbe Stunde, bis Brown wieder im Keller erschien und Marido sich aufrichten konnte.

„Ist er weg?"

„Ja."

„Wer war es?"

„Ein angesehener Mann der Stadt. Er hat nichts von eurer Anwesenheit gemerkt."

„Wer hat ihn mit einem Messer gestochen?"

„Das weiß ich nicht."

„Was nimmst du an?"

„Es ist für dich und Luman nicht wichtig. Er hat ein Verhältnis mit einer verheirateten Frau, sagt man. Vielleicht sind die beiden erwischt worden."

„Und warum soll er dann zu dir gelaufen sein?"

„Er will, dass niemand davon erfährt. Die Ärzte in El Paso sind nicht so verschwiegen, wie sie sein sollten. Du brauchst wirklich keine Sorge zu haben." Brown blickte auf den Verletzten.

Lumans Gesicht war so weiß, dass es schon durchsichtig erschien. Es wirkte eingefallen und knochig. Um die tief in den Höhlen liegenden Augen hatten sich schwarze Ringe gebildet. Unaufhörlich traten Schweißtropfen auf seine Stirn, angetrieben vom rumorenden Fieber in seinem Körper.

„Gebe Gott, dass es ihm hilft und ich euch loswerde", murmelte der Doc, wandte sich um und wollte nach der Lampe greifen.

Plötzlich hatte der Samurai mit unwahrscheinlicher Geschwindigkeit den Säbel gezogen und schlug ihn vor Browns Hand auf den Tisch.

Der Arzt sprang zurück und schrie erschrocken auf. Die Lampe vollführte eine tanzende Bewegung auf dem Tisch hinter dem blitzenden Schwert.

„Sie bleibt stehen."

Brown ging rückwärts zur Treppe, noch zu Tode erschrocken von dem unerwarteten Angriff, der ihn die Hand hätte kosten können.

Der Samurai schob das Schwert in die Scheide. Henry Brown kletterte die Stiege hoch und atmete erst auf, als er im Flur stand.

„Wäre ich die nur erst los", murmelte er, bevor er sich die Whiskyflasche holte, die der nächtliche Besucher zurückgelassen hatte.

4

Heiß und gnadenlos brannte die Sonne auf die Wüste vor dem Hochplateau und den Bergen im Westen, die das trostlose Gelände wie eine unregelmäßige Wand abschlossen.

Corporal Slim Jiminez stand breitbeinig im Wüstensand, die Hände in die Hüften gestemmt und den Blick auf Jim Maldoon gerichtet, der über den brennenden Boden kroch, keuchend liegenblieb und den Kopf auf den sandigen Unterarm fallen ließ.

Jim Maldoon trug eine feldmarschmäßige Ausrüstung auf dem Rücken und war mit einer derben, warmen Winterjacke, dicken Hosen und Schaftstiefeln bekleidet, als befände er sich auf einem Einsatz im Schnee Montanas. Aber hier war die brodelnde Wüste Arizonas, in der es kein Leben, keinen Schatten und keine Hilfe für den ausgebrannten Mann gab, der wegen eines Verbrechens zum Tode verurteilt worden war, das er niemals begangen hatte.

„Was ist, kannst du nicht mehr?, fragte Jiminez höhnisch. „Schaffst du es nicht, Maldoon? Wenn du es nicht schaffst, müssen wir dich leider zu deinem Henker zurückschicken.

Die Drohung wirkte auf Maldoon wie eine eiskalte Dusche und befähigte ihn, seinen ausgebrannten Körper zu neuen Strapazen zu zwingen. Er kroch weiter durch Gluthitze und Sand, kletterte eine Bretterwand hinauf und stürzte auf der anderen Seite hinunter.

Jiminez folgte ihm und schoss haarscharf an seinem Kopf vorbei.

„Angriff!"

Maldoon kämpfte sich auf die Beine und rannte schwankend eine Düne hinauf. Er erklomm den Damm und sprang in den Krater, stürzte abermals und rollte über das geborstene Lavagestein, das aus lauter mit den Spitzen nach oben stehenden Nägeln zu bestehen schien. Jiminez schoss hinter ihm her, kaum dass er wieder auf den Beinen stand und weiterhastete.

,,Schneller, schneller!, brüllte der Corporal. „Du schläfst ja gleich ein, Maldoon!

Jim konnte nicht mehr schneller. Als ein Stein vor seinem linken Fuß lag, stolperte er und landete erneut auf dem Geröll.

„Der Henker wartet!", rief Jiminez.

„Henker wartet, wartet!", hallte es wie Hohngelächter durch den Krater und trieb Maldoon auf die brennenden, wundgescheuerten Füße, von denen bei jedem neuen Schritt Höllenqualen seinen ganzen Körper durchzuckten.

Er kroch aus dem Krater, schaffte es durch einen Graben und zu einer neuen Bretterwand, gegen die er hilflos taumelte und stürzte. Das Blut schien in den Adern zu kochen und jagte in hämmernden Stößen durch seinen Kopf, der unfähig war, einen anderen Gedanken als den an den Henker zu fassen. Bevor er sich nur ein klein wenig hatte erholen können, stand der Corporal wie aus dem Boden gewachsen wieder bei ihm.

„Ich sehe schon, dich müssen wir wirklich zurückschicken, sagte Jiminez. „Du bist für diesen Job nicht hart genug, mein Junge.

Maldoon zog die Beine an, kniete und richtete sich mühsam auf. Jiminez lachte und trat ihm gegen die Beine. Maldoon prallte mit der Schulter gegen die Planke, der Tornister riss ihn herum und warf ihn in den Staub zurück.

„Na, was habe ich gesagt? Du schaffst es nicht. Dabei möchte ich dir so gern helfen. Schade. Wir geben es besser auf, was?"

Der Hohn brannte schlimmer als der Schmerz in Maldoons Körper, und wieder versuchte er, auf die Beine zu gelangen und das Hindernis zu überwinden. Aber er stand noch nicht richtig, als ihn ein neuer Tritt traf und in den Sand warf.

„Nichts mehr in den Knochen, was?, fragte der Corporal hämisch. „Denkst du, dass eine kalte Dusche noch helfen könnte?

Jim griff an die Bretterwand und wollte sich an ihr aufrichten, aber der Corporal trat ihm gegen die Hände, dass er aufschrie und losließ und wieder zu Boden ging.

„Werris, kaltes Wasser!", befahl der Corporal.

Abermals versuchte Jim Maldoon, sich zu erheben. Aber Jiminez versetzte ihm einen neuen Tritt, diesmal gegen die Schulter, so dass er keine Chance fand.

„Bleib liegen, mein Junge. Wir helfen dir schon. Wir tun unser Bestes für euch verdammte Hurensöhne! Werris, kommt das Wasser heute noch?"

Jim Maldoon hörte knirschende Schritte durch das Dröhnen seines Blutes in den Schläfen. Bevor er sich darauf einstellen konnte, traf ihn eiskaltes Wasser wie ein Schlag und durchnässte seine Kleidung bis auf die Haut.

Nach dem ersten Erschrecken tat die Kühle gut und rann mit dem Schweiß vermischt von seinem Gesicht. Über sich sah er den grinsenden Corporal, dem die buschigen, schwarzen Brauen über der Stirn zusammengewachsen waren. Er sah finster und gefährlich aus, und Maldoon erschien er wie ein riesiger Kodiakbär, der sich auf ihn stürzen wollte.

Auch der Soldat Werris, der den leeren Wassereimer in der Hand hielt, blickte ironisch und mitleidslos grinsend auf Maldoon hinunter.

„Willst du es noch mal versuchen?", fragte Jiminez. Er spreizte wieder die Beine und stemmte die Hände in die Hüften.

Diesmal ließ der Corporal Jim Maldoon aufstehen und über die Planke klettern. Aber als Jim dahinter stürzte, war der Schinder wieder bei ihm und trat ihn brutal zusammen, als er sich zu erheben versuchte.

„Du bist es nicht mal wert, dass man sich mit dir beschäftigt, Maldoon. Selbst das kostbare Wasser ist bei dir vergeudet. Werris, sagen Sie dem Sergeanten, dass es keinen Zweck hat. Maldoon müssen wir ins Gefängnis zurückschicken."

„Da wird sich der Henker aber freuen, Corporal!" Werris kicherte und wandte sich mit dem leeren Eimer ab.

Die Angst vor der Drohung brachte Maldoon wieder auf die Beine. Er hörte das Hohngelächter hinter sich und rannte über durchglühten, staubigen Boden, schrie einen Kampfruf wie ein Indianer, zog das Seitengewehr aus der Scheide und rammte es einer Puppe, die einen Apachen darstellen sollte, in den Lumpenleib, aus dem Stroh rieselte.

„Na also, wird ja schon besser!, rief der Corporal. „Nur weiter so!

Jim Maldoon hastete weiter, kletterte auf einen Balken und balancierte auf ihm über ein zwanzig Fuß tiefes Loch, in dem zwei eingefangene, vor Hunger fast wahnsinnige Wölfe zu toben begannen. Sie sprangen an den bröckelnden Wänden in die Höhe und trachteten, den Mann zu erreichen und zu sich in die Tiefe zu zerren, um ihn zu zerfetzen.

Maldoon lief der Schweiß aus allen Poren. Die Todesangst ließ ihn zittern und gab ihm doch die Kraft, weiterzulaufen. Die Bestien sprangen mit wildem Geheul und blitzenden Reißzähnen, schrammten gegen den Balken und stürzten in das Loch zurück.

„Großartig, Maldoon!, rief der Corporal. „Vielleicht ist es doch nicht umsonst!

Jim erreichte das Ende des Loches und des Balkens und sank in den Sand. Hinter ihm endete das Wüten der Wölfe in einem tiefen Knurren, das rasch leiser wurde und verklang.

Maldoon lag auf der Schulter und sah den Stacheldrahtzaun, der das Zeltcamp umgab. Wie eine Fata Morgana erkannte er den aufsteigenden Rauch bei der Feldküche und seine Leidensgenossen, die geschlossen dorthin marschierten, um ihr Essen zu fassen.

„Was ist, Maldoon, plötzlich keine Lust mehr?, fragte Jiminez. „Ein paar Stunden musst du schon noch durchhalten, wenn du bei uns bleiben willst. Und mit dem Mittagessen wird es heute auch nichts. Verzichten muss man können, wenn man hart werden will! Hast du Durst, Maldoon?

„Ja", stieß Jim krächzend hervor.

Der Corporal nickte. „Dann vergiss ihn wie den Hunger, mein Junge. Das macht hart!"

Jim lag die Zunge dick geschwollen und voller Sand im Mund. Die Speicheldrüsen, die Kiefer und die Mandeln schmerzten.

„Aufstehen, Maldoon!, befahl Jiminez mit veränderter, barscher Stimme. „Weiter, du Halunke, wenn du dem Strick entgehen willst!

5

Chaco ritt aus der Weite der Wüste heran und sah den Rauch in der Ferne zwischen den Sanddünen und den Bergen aufsteigen. Er zügelte seinen Pinto und blickte wachsam über die mörderische Einöde weg.

Dort vorn schienen Menschen zu sein, und wo Menschen waren, konnte auch Gefahr lauern.

Das Halbblut schlug den verstaubten Poncho zurück und lockerte den Revolver im Holster, während es überlegte, ob es ratsam sei, einfach weiter auf den Rauch zuzureiten. Chacos vernarbtes, dunkelhäutiges Gesicht, das langes, dunkles Haar umrahmte, spiegelte die Spannung wider, die ihn beherrschte. Er versuchte, die Entfernung zu dem Rauch abzuschätzen, blieb aber unsicher, ob es bis dorthin noch zwei oder drei bis vier Meilen waren. Die starke Luftspiegelung schien das Bild fortwährend zu verändern.

Chaco beschloss, zunächst einen Bogen zu schlagen. Vielleicht vermochte er, die Berge unbemerkt zu erreichen und konnte sehen, was es mit dem Feuer auf sich hatte. Er trieb das Pferd an und lenkte es in einem sanften Bogen nach Nordwesten, wohin sich auch der Dünengürtel erstreckte, so dass er in dessen Schutz bleiben konnte.

Während des Rittes schätzte Chaco, dass er von der sich ständig erneuernden Rauchsäule gleich weit entfernt blieb, und so gelang es ihm auch nicht, mehr zu erkennen. Dafür rückten die grauen, eintönigen Berge näher, und das Hochplateau war deutlicher zu erkennen. Auch da oben sah Chaco keine Bewegung, kein verräterisches Blitzen von einer Waffe oder etwas anderes, was ihm Gefahr signalisiert hätte.

Der Boden wurde hart, war blankgefegt vom Sand, und die Hufe des Pferdes klapperten über nacktes Gestein. Die verwitterten, morschen Felsen waren nach einer knappen Reitstunde erreicht, und da sich die Sonne nach Westen zu neigen begann, bot sich hier und da ein wenig Schatten, den der Reiter nutzen konnte, um der sengenden Sonnenglut für Sekunden zu entrinnen.

Chaco zügelte das Pferd, verharrte lauschend, stieg ab, löste die Flasche vom Sattel, trank einen Schluck des lauen Wassers und ließ das Pferd dann

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Was die anderen über Desperados und Coltgeier – 5 glorreiche Western denken

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