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Leider geil, fett & faul: Warum uns der Körper auf den Geist geht und wie wir den Schweinehund zum Schoßhund machen

Leider geil, fett & faul: Warum uns der Körper auf den Geist geht und wie wir den Schweinehund zum Schoßhund machen

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Leider geil, fett & faul: Warum uns der Körper auf den Geist geht und wie wir den Schweinehund zum Schoßhund machen

Länge:
608 Seiten
7 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 26, 2013
ISBN:
9783831257379
Format:
Buch

Beschreibung

Wir brettern in die Zukunft gesteuert von einem uralten, blinden Hund. Er ist die Kraft, die Leben will, doch Krankes schafft. Statt das Steuer zu übernehmen, lassen wir das Tier bestimmen. Leider macht das geil, fett und faul. Ich spucke in den gleichen Abgrund wie Nietzsche; den Abgrund zwischen Tier und Übermensch, über dem der Mensch als Seil hängt. Es ist gut, den Übermenschen zu lehren. Er ist nichts anderes, als der weise Mensch das Ziel dieses Buches, die Bestimmung unseres Wesens, der Name unserer Spezies homo sapiens. Das Buch besteht aus drei Teilen. Sie erklären die Hintergründe, stärken die Körper-Geist-Bindung und legen den Hund an die Leine: I. COGITO ERGO DUMM. Warum uns der Körper auf den Geist geht, Kunst und Ficken II. DIE RUHIGE SEITE DER KRAFT. Körperbeherrschung und wie man sie trainiert III. VOM SCHWEINEHUND ZUM SCHOSSHUND. Triebe kultivieren, Herrchen werden.
Herausgeber:
Freigegeben:
Sep 26, 2013
ISBN:
9783831257379
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Leider geil, fett & faul - Christian Zippel

I. Cogito ergo dumm

Warum uns der Körper auf den Geist geht,

Kunst und Ficken

Bangkok, „Winter" 2012/2013

Für Pablo!

Danke für die starke Zeit in der Millionenmetropole – dem Himmel in der Hölle, in dem Zeit zerfließt wie Pulverschnee und Tage zu Monaten werden.

Nirgends lässt sich der innere Schweinehund besser erforschen und beherrschen lernen, als in diesem Sumpf der Versuchung, diesem brodelnden Schmelztiegel aus Ghetto, Luxus, Clubs, Sex, Streetfood, Ratten, Hitze, durchgehenden Öffnungszeiten, kollabierenden Straßen, Pools, meterlangen Varanen, käuflichem Recht, Fruitshakes und geschneidertem Zwirn; diesem pulsierenden Organismus, wo man alles bekommt – nur keinen Schlaf.

Be water my friend!

„So wenig wie möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken, der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung – in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern."

Friedrich Nietzsche

Ea est natura hominum – Das ist die Natur des Menschen

Der Mensch hat einen Schatten, der zeigt, was er auch ist, aber auf keinen Fall sein will: ein Tier. Da er dieses Tier mit seinem Körper gleichsetzt, verspürt er auch eine Abneigung gegen diesen, lässt seine Entwicklung schleifen oder lebt gar auf seine Kosten.

Dieses Buch zeigt, wie der Mensch sein Potenzial entfesseln und seine Ziele verwirklichen kann, indem er lernt, seinen Körper zu beherrschen – denn ohne ihn geht es nicht. Es kritisiert die verkopfte Gesellschaft, in der Fettleibigkeit, Schwäche und Trägheit ebenso normal sind wie lebensfremde Abstraktion und stressbedingte Überlastung.

Auf den ersten Blick haben die Probleme unserer Zeit verschiedene Ursachen, doch es gibt einen gemeinsamen Nenner: die Entfremdung vom eigenen Körper!

Durchaus problematisch, wenn man bedenkt, dass wir ausnahmslos alles, was wir erleben und schaffen, nur durch ihn erleben und schaffen. Unser gesamtes Wirken und Wahrnehmen steigt und fällt mit unserer Beziehung zum Körper, geht durch den Filter von Fleisch und Blut. Verlieren beide den Bezug zueinander, dann sind mangelnde Körperbeherrschung auf der einen und lebensfremde Vergeistigung auf der anderen Seite die Folge – ebenso wie die daraus erwachsenden Konflikte im Inneren des Menschen, die auch noch tierisch angeheizt werden. Diese Streitigkeiten sind der Hauptgrund dafür, dass viele von uns mehr mit sich selbst beschäftigt sind als mit eigentlichem Leben.

Nur wer Körper und Geist vereint und das Tier dominiert, bändigt das Chaos und schafft innere Ordnung. Gelingt dies nicht, so wird der Körper führungslos und folgt seinen tierischen Trieben, seinem genetischen Notfallprogramm, das Energie spart sowie Selbst- und Arterhaltung fördert: Ficken, Fressen und Faulenzen.

In unserer zivilisierten Welt der leichten Wege, weichen Betten, gefüllten Kühlschränke und digitalen Erotik ist das nicht mehr gut für uns. Schnell werden wir träge, fett und saturiert. Da wir uns immer weniger anstrengen müssen, um die tierischen Triebe zu befriedigen, wird der Kontakt zum Körper zusehends unbedeutender, wodurch die Verbindung zwischen Körper und Geist schwindet.

Wer einen Hirsch jagen, erlegen und zerlegen, ein Feld bestellen und die Prinzessin mitsamt Burg und gegen den Willen des Drachens (bzw. der Schwiegermutter) erobern will, der muss seinen Körper beherrschen. Wer sich die Rinderlende und den Obstkorb per Mausklick nach Hause bestellt und das Liebesspiel mit Links erledigt, der entleibt sich selbst.

Der Geist schwelgt weiterhin in Fantasie und Abstraktion; will nach den Sternen greifen – doch sein Körper wird stur wie ein Maultier am Boden verharren, mit seinem aufgedunsenen Bauch, seinem Heißhunger auf Süßigkeiten und Fettiges, seiner Liebe zu Couch und TV, der stumpfen Geilheit, Furcht vor Anstrengung und Risiko, dem schmerzenden Rücken und schwächlichen Selbstbewusstsein.

Dabei wäre gemeinsam so viel möglich. Zu dumm, dass Gedankenübertragung im unbeherrschten Körper nicht mehr funktioniert. Um wirksam zu werden, müssen wir die Ärmel hochkrempeln und die Gedanken, die Finger unseres Geistes so tief wie möglich in unser Fleisch graben und fest zupacken, damit der Körper wieder begeistert wird. Wie die Fäden einer Marionette wachsen die Nerven unseres Gehirns dann über den Rückenmarkskanal bis in die letzte Faser unseres Körpers – und unser Wille wird Fleisch.

Rex regnat, sed non gubernat – Der König regiert, aber er herrscht nicht

Der unbeherrschte Mensch gleicht einem Marionettenspieler, der seinen eigenen Körper als Marionette hat und ein paar lose Fäden des Geistes hängen an seinen Gliedmaßen. So lässt es sich leidlich leben, geringfügig bewegen, aber kaum tanzen und erst recht nicht nach Vollkommenheit streben. Nur ein Bruchteil des Potenzials wird genutzt. Der Rest liegt brach, wird starr, versteift und tanzt nach der Pfeife der Triebe, die von innen heraus manövrieren. So wird man gelebt, statt zu leben. Wir aber wollen unabhängig sein – was nur gelingt, wenn man Herr über sich selbst wird.

Wie wäre es, wenn nicht nur ein paar Fäden des Geistes zum Körper herabsteigen, sondern viele mehr? Hunderte, Tausende, Millionen… Wenn wir nicht nur Hand und Fuß bewegen könnten, sondern sie auch beherrschten? Wenn wir dazu fähig wären, uns eindrucksvoll zu bewegen – mal kraftvoll, mal anmutig, ohne Energieverschwendung oder Fehltritte. Das können Sie, verehrter Leser? Wie ist es mit einer aufrechten und würdevollen Haltung – die sich auch durch gekonnte Gestik, Mimik und Rhetorik äußert?

Wie ist es mit einer tiefen und kraftvollen Atmung, die jede einzelne Zelle erwischt und ihr ganzes Wesen erfrischt? Sind sie zu messerscharfer Konzentration fähig? Zu ungeteilter Aufmerksamkeit? Ist das Zentrum Ihrer Kraft, Ihre Mitte ruhig und stabil wie die eines Wirbelsturms?

Schaffen Sie es, Ihren Geist tief in das Innerste Ihres Körpers zu versenken, ihn zu erforschen und mühelos zu lenken? Haben Sie ihn im Griff? Können Sie abnehmen, wenn sie es wollen? Muskeln aufbauen, wenn Sie es wollen? Haben Sie genau jetzt Ihren Traumkörper mit Waschbrettbauch und Knackpo – oder nur eine Ausrede? Sind Sie fit, gesund und schmerzfrei oder eher unzufrieden? Geplagt von Rücken-, Knieoder Nackenschmerzen? Überfordert und ausgebrannt?

Sind sie oft träge, trivial und nicht bei der Sache? Verschwenden Sie Ihre Zeit mit Facebook, Fernsehen und Fast Food? Neigen Sie zur Abhängigkeit – von Süßigkeiten, Zigaretten, Alkohol oder Mächtigerem?

Haben Sie ein Problem damit, sich richtig auszudrücken und der Welt mitzuteilen? Fällt es Ihnen schwer, die Aufmerksamkeit zu erhalten, die Sie verdienen – und besonders von jenen, die Sie lieben oder begehren? Stolpern Sie oft über die eigenen Füße, stehen sich im Weg und finden keinen Draht zu anderen Menschen? Wie viel von dem reichen Kosmos an Gedanken und Gefühlen in Ihrem Inneren schafft es nach außen? Verkörpern Sie Ihre Ideale und Prinzipien? Sind Sie authentisch? Erreichen Sie Ihre Ziele? Wie viele Ihrer Visionen verwirklichen Sie?

Viele Menschen sind in ihrem Körper gefangen. Fühlen Sie sich nicht manchmal auch wie der Mann in der eisernen Maske? Innerlich zerreißt es einen schier. Man will schreien, aber kriegt nicht den Mund auf. Man will auf den Tisch hauen, aber kein Finger regt sich. Man will weglaufen, raus aus dem Kerker, aber kein Fuß bewegt sich.

Wegzulaufen ist ohnehin schwer, ja unmöglich, denn wir sind unser eigener Kerker. Unser Körper wird zum Kerker, wenn wir nicht lernen, ihn zu erfüllen – mit Geist, Leben und Streben! Dann sind wir König im Kerker, der glaubt zu regieren, übertrieben viel denkt, doch kaum etwas lenkt. Dann denken wir Tag und Nacht ans Abnehmen, wollen inständig verzichten, haben Angst vor dem Spiegel, fürchten die Waage und doch sehen wir machtlos zu, wie das Tier in uns zur nächsten Tafel Schokolade greift und sie uns Stück für Stück einverleibt. Dann wird das Denken machtlos, zur Seite gedrängt, zum bloßen Beobachter degradiert und immer ohnmächtiger.

So zerbröselt das Selbstbewusstsein und das Tier gewinnt an Stärke. Es kappt zunehmend die Fäden und macht sich frei von der Tyrannei des Geistes. Total tierisch, klar genetisch, einfach die Sau rauslassen, das wäre schön, aber das ist weder würdevoll, noch erhaben – es wäre ein Rückschritt und mehr als nur unmenschlich und doch erleben wir diesen inneren Kampf Tag für Tag in uns selbst und um uns herum.

Ich sehe die Welt vorwiegend aus dieser Perspektive. In den folgenden Kapiteln werde ich darüber berichten und vermitteln, wie sich der Kampf zu Gunsten des Geistes wenden lässt, wie man unzählige neue Fäden knüpft und wie man seine eigene Menschwerdung voran treibt, um das Denken zu verkörpern und seine Ziele zu verwirklichen.

Um das eigene Potenzial zu entfesseln, muss man den Körper an den Geist fesseln. Um das Höchste zu erreichen, muss das Niederste beherrscht werden – sonst geht es uns tierisch auf den Geist. Denken allein ist dumm, wenn es körperlich wirkungslos bleibt – cogito ergo dumm.

Individuum – Einheit von Körper und Geist

In esoterischen Kreisen und östlichen Heilslehren gibt es die verbreitete, totgeredete und vom Denken zerfranste Vision von Einklang, Harmonie und Ganzheitlichkeit. Selten wird vermittelt, wie simpel sie sich erreichen lässt (was nicht bedeutet, dass es einfach ist) und vor allem wird so gut wie nie gezeigt, wie es funktioniert. Meist wird nur der Geist betrachtet und von Meditation, innerer Wesensschau, Versenkung, Reflektion, Gelassenheit und Achtsamkeit palavert.

Da ist viel dran; schade, dass der westliche Mensch nicht viel damit anfangen kann. Seine Kultur ist bereits zu verkopft. Er betrachtet diese Konzepte rein geistig, vernünftig, logisch, abstrakt. Verständlich, dass er kaum davon profitiert und die Geduld verliert. Der Geist kann sich so viel im Kreise drehen, wie er will – solange er nicht abtaucht in die Tiefen des Körpers, wird er nichts erreichen, sondern nur ins Leere greifen. Das akademische Problem.

Sehe ich die Menschen unserer Gesellschaft, sehe ich meist entnervte Geister in vernachlässigten und triebgesteuerten Körpern – eher Dividuen, denn Individuen. Zweigeteilte Menschen, bei denen Körper und Geist nicht gleichberechtigt ausgebildet sind und den Bezug zueinander verloren haben. Von Harmonie keine Spur, geschweige denn von Wirksamkeit.

Als Personal Trainer habe ich Klienten betreut, die besser über Diäten Bescheid wussten als ich. Hochintelligente, studierte Menschen, die die Nährwerte der meisten Lebensmittel auswendig herunter beten konnten und trotzdem zu viel futterten und meist nur Mist – wider allen Wissens, trotz allen Denkens. Einige, die ich vor allem mental trainiert habe, waren bereits bei Psychologen und Therapeuten oder noch schlimmer: selber welche.

Das symbolisiert das Problem unserer verkopften Gesellschaft: Psychologen mit Einser-Diplom, die ihr eigenes Leben nicht im Griff haben. Das Denken fährt Achterbahn und überfrisst sich an Gedankenballast, während der Körper keine Ahnung davon hat und schlicht das genetische Notfallprogramm für unbeherrschte Körper ausführt und alle Pläne durchkreuzt: „Meeeeep!" Ist die Firewall zu stark, ist der Gedanke zu schwach.

„Das Programm wird auf die ursprünglichen Einstellungen zurückgesetzt und folgt weiterhin Mutter Naturs tierischem Willen. Vielen Dank für Ihre Kontaktaufnahme. Probieren Sie es doch später noch einmal, wenn Sie einen entsprechenden Zugang zum Körper installiert haben."

Da kann einem der Körper ganz schön auf den Geist gehen. Der heutige Mensch sitzt in seinem Körper wie die fürsorgliche Marge Simpson vor einem Computer und denkt, sich zu googlen sei Schweinskram. Sie drückt ein paar Tasten und schwupps hat sie zwei Spülmaschinen und eine Mikrowelle bestellt. Klar, dass sie nach dieser Watschen der virtuellen Wirklichkeit die Finger davon lässt – wie der moderne Mensch von seinem Körper. Aus der potenziellen Symbiose wird eine kommunikationslose Koexistenz – wobei der Geist schier verzweifelt, weil er nichts zu bewegen vermag, und der Körper macht, was er will, weil vom Denken des Geistes nichts durchdringt.

Das ist ein Schutzprogramm des Körpers. Er ist reifer als der Computer von Marge Simpson, der nicht die Unbeholfenheit ihrer wackeligen Annäherungsversuche an das Internet erkennt und sie einfach machen lässt. Hätte Sie nicht selbst die Bremse gezogen, wäre sie ruck zuck verschuldet und ihre Existenz zerstört. Doch wer ist schon so gewissenhaft wie Marge Simpson?

Dem menschlichen Körper würde das nicht passieren. Er ist es, der die Bremse zieht, damit der Geist nicht mit ihm durchdreht und beide ins Verderben zieht. Er lässt nichts durchgehen, was ihm zu labil und verkopft erscheint. Deswegen springt er auf Autopilot und lässt das Programm laufen, was sich in Jahrmillionen der Evolution bewährt hat und in seiner Hardware, den Genen verankert ist. So entsteht der Schlamassel unserer Zivilisation: Geistig geben wir Vollgas, in einem Körper, der vollbremst.

Daraus entstehen Zivilisationskrankheiten, Burnouts, Entfremdung von der Natur, hässliche schwache Körper und damit einher gehend Minderwertigkeitskomplexe und ein verklemmtes Verhältnis zur Sexualität, die im Geheimen umso pervertierter den Druckausgleich sucht.

Es ist die Härte der Natur, dass sie den Geist zu nichts zwingt – die Gedanken sind frei. Aber solange wir es nicht schaffen, mit dieser Freiheit natürlich (also konstruktiv und im Einklang mit dem Körper) umzugehen, bleiben die Gedanken auch frei – also ohne Einfluss. Maximale Freiheit bedeutet keinerlei Bindung, weder zur Realität noch zum Körper. Dann enden wir beim komplett vergeistigten Subjekt, das sicher abstruse weltfremde Kunst zu schaffen vermag, aber kaum lebensfähig ist – wenn es nicht von einer wohlhabenden Gesellschaft als entrücktes Maskottchen durchgefüttert wird.

Das gipfelt beim Kurzschluss, wenn sich das System aufhängt und der Mensch gleich mit. Wenn es zu viel wird, strecken Körper und Geist die Waffen, dann haben Selbstzerstörung, Schlaganfall, Herzinfarkt, Krebs und Co freie Bahn. Das beginnt bei Jugendlichen, die sich die Arme zerschneiden, und endet mit dem Goldenen Schuss auf der Bahnhofstoilette.

Chaos und Kosmos, Zerstörung und Entwicklung kämpfen in uns Tag und Nacht gegeneinander an. Alles in uns stirbt und entsteht ständig neu. Zellen, Knochen, Neuronen, Hormone, Gedanken. Im Laufe unseres Lebens wird alles regelmäßig und komplett ausgetauscht – von Geist bis Fuß, ein Fluss der Energie. Wenn Chaos und Zerstörung überhand nehmen, geben Kosmos und Entwicklung irgendwann auf.

Mutter Natur investiert keineswegs in jedes einzelne Lebewesen. Sie hat kein Problem damit, Myriaden von Lebewesen zu opfern, wenn sie zu schwach und ineffizient sind oder die Umstände es erfordern. Hat uns der Lebenswille einmal verlassen, dann geht es rapide bergab – wie beim Frischrentner, dessen Abschiedsuhr zum Sargnagel wird.

Corruptio optimi pessima – Die Entartung des Besten führt zum Schlimmsten

Die gedankliche Freiheit des Menschen ist seine Chance und sein Problem. Er kann sich weiter entwickeln, aber auch tiefer fallen als jedes Tier. Je freier ein Lebewesen denken kann, desto größere Dummheiten kann es auch machen.

Daher ist es wichtig, die Freiheit konstruktiv zu nutzen und die damit einhergehenden Chancen zu realisieren. Idealerweise folgt auf die relativ kurze, aber prägende Zeit der elterlichen Erziehung und gesellschaftlichen Bildung, die beide extrinsisch bedingt sind, eine intrinsisch motivierte Weitererziehung und -bildung von Körper und Geist für den Rest des Lebens.

Leider verpasst es unsere Gesellschaft, auf eine Ausgewogenheit der Verhältnisse zu achten. Schulsport gibt es nur einmal pro Woche, die Eltern bewegen sich selten, auf grundlegende Fähigkeiten wie Atmung, Haltung, Konzentration und Versenkung wird keinerlei Wert gelegt. Vorbilder sind Mangelware. Selbst Eltern, Lehrer und Professoren glänzen selten. Im Lehrbetrieb fehlt der Fluss. Alles ist staubtrocken, verkopft, fern von Fleisch und Blut, kaum lebendig – so dass es meist langweilt, unterfordert und abschreckt.

Nachdem die Bildungs- und Erziehungsinstitute unsere Jugend mürbe gekaut und nach knapp 20-30 Jahren entkörpert und unmotivert ausgespuckt haben, kümmert sich kaum noch jemand um seine körperliche Weiterbildung; selbst die geistige bleibt meist auf der Strecke. Der Funke ist erloschen. Unzählige Menschen, die weder lesen noch trainieren, die einfach nur existieren und mehr gelebt werden, denn selbst zu leben.

„Denken Sie an den betrübenden Kontrast zwischen der strahlenden Intelligenz eines gesunden Kindes und der Denkschwäche des durchschnittlichen Erwachsenen. Wäre es so ganz unmöglich, dass gerade die religiöse Erziehung ein großes Teil Schuld an dieser relativen Verkümmerung trägt?"

Was Sigmund Freud in Die Zukunft einer Illusion schreibt, wäre denkbar. Es gibt mehrere Gründe und die sind miteinander verwoben. Das körperkritische Bild vieler Religionen gehört dazu. Fest steht: Hier geht eine Menge schief. Nichts fasziniert, ergreift und belebt mehr, als das eigene Potenzial zu erkennen und zu realisieren. Das erfüllt uns mit Leben, mit Energie, macht uns stärker, gekonnter, stilvoller, attraktiver, erfolgreicher, ausgeglichener, erfüllter und glücklicher. Das Zusammenschweißen von Körper und Geist, die gezielte Weiterentwicklung dessen, was uns zum Individuum macht. All das, der Grundschritt im Tanz zur Menschwerdung und die Voraussetzung zur Weisheit, geht bei uns bereits in jungen Jahren in die Brüche. Ist dies bei einer Generation geschehen, so wird es für die nächste bereits zur Norm – getreu dem Motto: „Das war schon immer so."

Es schmerzt, in einer Gesellschaft zu leben, in der Individuen zerbrochen, in der Körper und Geist getrennt werden, in der das Potenzial zur Entwicklung missachtet wird, in der man so alleine ist – unter Millionen von Menschen, die es nie gelernt haben, sich selbst zu erziehen und die einfach nur ihre Ruhe haben wollen, obwohl sie im Prinzip noch gar nicht tot sind.

Cave canem – Vorsicht vor dem Hund

Sie haben einen Hund. Wie würde sich Ihr Verhältnis zueinander entwickeln, wenn Sie ihn kein bisschen erziehen würden? Wenn Sie sein Verhalten ignorieren würden? Wenn Sie einfach nur mit ihm leben würden, ohne ihn näher kennen zu lernen, ihn zu fordern, zu belohnen oder zu bestrafen? Wenn Sie ihn den ganzen Tag über an einen Stuhl binden und dazu zwingen würden, auf einen Bildschirm zu glotzen, wenn Sie ihn mit Fast Food und Süßigkeiten vollstopfen, ihm zu wenig zu trinken geben und ihn dauerhaft stressen würden, wie lange würde das gut gehen? Wie produktiv und angenehm wäre das?

Sicher wissen Sie, dass das nicht lange gut gehen würde. Es wäre das totale Chaos, der Hund würde durchdrehen, durchgehend kläffen und Ihnen auf der Nase herumtanzen – zu Recht. Wenn Sie selbst diese Warnhinweise ignorieren, wird er nach und nach krank und deprimiert, störrisch starr, bissig aggressiv, unausstehlich und schlussendlich ausbrennen. Kaum ein Mensch könnte das mit ansehen.

Jeder wäre irgendwann eingeschritten und hätte die Situation entschärft, wäre auf den Hund eingegangen und hätte ihn angemessen versorgt. Die meisten hätten ihn von Anfang an erzogen, richtig gefüttert und ihm ein Umfeld geboten, das seinen natürlichen Bedürfnissen entspricht und seine Fähigkeiten fördert.

Heutzutage ist es verpönt, sich einen Hund zuzulegen und ihn verwahrlosen zu lassen. Gerade in den ersten Monaten steht die Erziehung an erster Stelle. Das ist selbstverständlich. Jeder weiß, dass ein gut erzogener Welpe der Beginn einer tollen Partnerschaft ist, in der Hund und Herrchen sich wunderbar ergänzen und gemeinsam eine Lebensqualität erreichen, zu der sie alleine nicht fähig wären.

In vielen Fällen erweitert der Hund die Fähigkeiten seines Herrchens – wie bei einem Blinden–, Rettungs–, Wach– oder Polizeihund. Nun hat man zusätzlich zwei weitere Augen, eine starke Nase, flinke Beine, absolute Treue und freudige Erwartung. Ein mit dem Schwanz wedelnder Freudenspender, der einem die Zeitung bringt, das Gefühl von Sicherheit verleiht, einen zur Bewegung an der frischen Luft drängt, das Spielerische lehrt, Verantwortung empfinden lässt und hoffentlich schleunigst lernt, nicht mehr auf den Teppich zu pinkeln. Wie sagte Heinz Rühmann:

„Man kann ohne Hunde leben, aber es lohnt sich nicht."

Es steht außer Frage, dass ein wohlerzogener und gesunder Hund eine Bereicherung für das eigene Leben ist. Wer einen solchen hat, lebt länger und ist glücklicher – allein die zusätzliche Bewegung und das Gefühl geliebt und gebraucht zu werden sind erfrischend.

Natürlich kostet es viel Mühe das Tier zu erziehen. Rückschläge gibt es viele. Das Sofa wird zerfetzt und so mancher Haufen gesetzt, wo er nicht hingehört, aber wer die Herausforderung spielerisch angeht, wird dem treuen Vierbeiner ohne Gewalt seine unbeherrschten Triebe austreiben und ihn gesellschaftsfähig machen. Ist dies geschafft und wird es konsequent gelebt, so ist es ein Leichtes, gemeinsam zu leben und vorwärts zu streben.

Wer es versäumt, landet mitten im eingangs beschriebenen Chaos. Dann gibt es täglich Machtkämpfe untereinander, die zu nichts anderem führen, als dass beide sich gegenseitig auf die Nerven gehen und kaum noch lebensfähig sind – geschweige denn zu spielerischem Streben.

Lieber Leser, in Ihrem Körper lebt ein Hund… ein Schweinehund. Ich kenne Sie nicht, aber ich weiß: Sie haben ihn kaum erzogen. Niemand macht das in unseren Kreisen. In meinem ganzen Leben habe ich gerade einmal zwei, vielleicht drei Menschen getroffen, denen ich eine fast vollkommene Körperbeherrschung und menschliche Reife, also Weisheit, zusprechen würde – und nur einer davon heißt Chuck Norris. Allesamt verkörperte Persönlichkeiten mit starkem Charakter und einer spielerischen, aber konsequenten Herangehensweise an das Leben.

Dem entgegengesetzt kenne ich viele Menschen mit wohlerzogenen Hunden. Vom Prinzip her ist das Thema Erziehung also kein Mysterium. Nur wendet es kaum jemand auf sich selbst an. Der Körper wird meist akzeptiert wie er ist. Wenn man es schafft, dass er nachts nicht mehr ins Bettchen macht, ist das für die meisten schon Beherrschung genug. Dabei ist so viel möglich. Es gibt nichts, was die Lebensqualität derart steigert, wie ein wohlerzogener Körper – er bestimmt, was wir sind.

Was bringt uns das schnellste Auto, wenn wir selbst eine lahme Krücke sind? Was bringt die größte Villa, wenn wir in einem verkümmerten Körper wohnen? Was bringt die stärkste Waffe, wenn wir auf uns allein gestellt wehrlos sind wie eine Pusteblume im Wind? Was bringt uns Macht, wenn wir nicht einmal unseren Körper im Griff haben? Was bringt uns Reichtum, wenn wir weder Selbstbewusstsein noch Weisheit kaufen können? Was bringt uns die neueste Kommunikationstechnologie, wenn unser Portfolio an Gestik, Mimik und Rhetorik kärglich arm erscheint? Was bringt uns der feinste Zwirn, wenn darin ein Körper ohne Haltung steckt? Was bringt die noble Abstammung, wenn sie nicht durch inneren Adel bestätigt wird?

Alles in unserem Leben kommt und geht – Menschen, Berufe und vor allem Besitz, nur eines bleibt uns von der Geburt bis zum Tod: unser Körper.

Wenn Sie nicht genau jetzt damit anfangen, ihn mit Geist zu erfüllen und den Hund darin zu erziehen, werden die beiden Ihnen tierisch auf den Geist gehen und nicht nur sich selbst dabei quälen, sondern langfristig den ganzen Menschen zerstören.

Es gibt Beziehungen im Leben, die dafür geschaffen sind, sich gegenseitig zu ergänzen – wie Mann und Frau, Chaos und Kosmos, Hund und Herrchen, so auch und vor allem Körper und Geist! Im „Team Mensch" sollten Sie Herrscher über den Körper und Herrchen für den Hund sein. Ob das Nietzsche wohl mit der Herrenmoral meinte, jenseits von Gut und

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