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Hexen: Die Bräute des Satans

Hexen: Die Bräute des Satans

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Hexen: Die Bräute des Satans

Länge:
98 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 1, 2011
ISBN:
9783831255948
Format:
Buch

Beschreibung

Eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte der katholischen Kirche ist die Jagd auf angebliche Hexen. In vier Jahrhunderten, vom Beginn des 14. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, konnte jede Frau - einmal der Hexerei angeklagt - auf dem Scheiterhaufen brennen. Wie viele diesen qualvollen Tod erleiden mussten, vermag heute niemand mehr zu sagen. Die Schätzungen belaufen sich auf eine bis acht Millionen Opfer.

Wie eine Epidemie griff der Hexenwahn in Mitteleuropa um sich. Niemand blieb verschont: Kinder, Hebammen, schöne Frauen in der Blüte ihres Lebens, ehrwürdige Greisinnen aber auch Männer waren die unschuldigen Opfer einer gnadenlosen Tötungs-Maschinerie, die überall in Europa Angst und Schrecken verbreitete. Erst mutige Aufklärer setzten Ende des 18. Jahrhunderts dem Spuk ein Ende.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 1, 2011
ISBN:
9783831255948
Format:
Buch

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Hexen - Ulrich Offenberg

Das Mittelalter war eine schreckliche Zeit. Kriege und Seuchen wüteten. Die Menschen hatten unendlich viele Gründe sich vor den Unbillen des Schicksals zu fürchten. Es war die Zeit dunkelster Mythen und grausamer Bräuche. Der schlimmste von allen war wohl die damals gängige Praxis der Hexenverbrennung. Sexuelle Verklemmung, ärgster Aberglaube und handfeste Interessen, oft von der Kirche geflissentlich unterstützt, verbündeten sich hier zu einem Verfolgungskult, dem viele, oft auch fortschrittliche Frauen zum Opfer fielen.

Der böse Höhepunkt dieser grauenvollen Tradition waren die Hexenverbrennungen. Sie waren öffentliche Spektakel, die willkommene Abwechslung für den tristen und mühseligen Alltag der Menschen des Mittelalters boten. Diese sorgsam inszenierten Massenhysterien, brachten die Menschen zur Raserei. Lauthals wurde der Tod der bösen Hexe gefordert. Und wenn dann die Flammen loderten, wurde laut gejubelt: „Sie brennt, die Hexe brennt." Die Grausamkeit konnte nicht weit genug gehen. Das qualvolle Sterben und die Todesschreie des gemarterten Opfers stachelten den Massenfuror nur noch weiter an.

Rational denkende Menschen konnten wenig gegen diesen Massenwahn tun. Das erlebte auf brutale Weise sogar einer der größten Denker dieser Zeit, der Astronom Johannes Kepler. Er hätte sein Gesetz über die Planetenbewegung vielleicht schon fünf Jahre früher entwickeln können, wäre er nicht gezwungen gewesen, seine Mutter gegen den Vorwurf der Hexerei zu verteidigen. 1615 wurde die Witwe Katharina Kepler erstmals der Hexerei beschuldigt, erst am 28. September 1621 erfolgte ihr endgültiger Freispruch.

Die Mutter des weltberühmten Astronomen entsprach genau den damals herrschenden Klischeevorstellungen einer Hexe. Als klein, mager, von schwärzlichbrauner Gesichtsfarbe wurde ihr Äußeres beschrieben. Sie galt zudem als klatschsüchtig und zänkisch. Sie kannte sich mit heilkundigen Kräutern aus und wurde oft zu kranken Menschen oder Tieren gerufen. Natürlich gingen die Heilungszeremonien damals nicht ohne Handauflegen und Segensprechungen ab. Das alles war sehr, sehr verdächtig…

Und dann war doch noch die Sache mit ihrem Mann, so munkelte man schon bald nach Prozessbeginn. Da sei doch auch nicht alles mit rechten Dingen zugegangen: Kurz nachdem sich die Eltern von Johannes Kepler im schwäbischen Leonberg niedergelassen hatten, war der Ehemann und Vater verschwunden. Er galt seither als in Kriegsdiensten gefallen oder verschollen. Als nun der Hexerei-Verdacht aufkam, erinnerte man sich daran, dass er sein Weib öfter übel behandelt hatte. Vielleicht hatte sich ja Katharina an ihm mit ihren Hexenkünsten gerächt?

In der Anklageschrift tauchte dieser Punkt zwar nicht auf, dafür wurden darin aber so ungefähr alle Unglücksfälle aufgezählt, die den Dorfbewohnern in Leonberg in den letzten Jahren widerfahren waren. Sie habe das Vieh behext, hieß es, habe einem Vater zwei Kinder getötet, sich als Kupplerin des Teufels betätigt und diesem eine junge Frau aus dem Ort zugeführt. Auch die Lähmung des Dorfschneiders wurde ihr zugeschrieben und vieles andere mehr. Dazu kamen die in Hexenverfahren üblichen Vorwürfe der Zauberei und der Gotteslästerung.

Der Aberglaube hatte in jeder Zeit jedes rationale Denken verdrängt. Alles war beherrscht von der Vorstellung eines allgegenwärtigen, personifizierten Teufels. Damals wurden sogar die unwahrscheinlichsten Dämonen- und Gespenstergeschichten in „wissenschaftlichen" Werken bewiesen. In solch einer Zeit schien Katharina Kepler in höchstem Maße verdächtig. Und streitbar wie sie war, legte sich die alte Frau überflüssigerweise auch noch mit dem Richter an. Der sah diesen Fall fortan als persönliche Herausforderung und strengte sich mit der Klage gegen die Keplerin besonders an.

Um seine Mutter dem ständigen Druck, der vom Gericht ausgeübt wurde, zu entziehen, lud Johannes Kepler sie für einige Wochen ins österreichische Linz ein. Damit erreichte er jedoch genau das Gegenteil: Der Richter wertete die Reise von Katharina Kepler als Flucht, als Schuldanerkenntnis. Sie müsse wohl ein schlechtes Gewissen haben, meinte er. Bei der Böswilligkeit, mit der das Verfahren gegen sie betrieben wurde, hätte man aber wohl auch ihr Verweilen in Leonberg als belastendes Indiz gewertet.

Der Jesuit Friedrich von Spee, der wohl bedeutendste Bekämpfer des Hexenwahns im 17. Jahrhundert, beschrieb die Zwickmühle, in der Frauen damals stecken, die der Hexerei beschuldigt wurden: Erfährt die Verdächtigte etwas von den Anschuldigungen und entzieht sich der Festnahme durch Flucht, so erklären die Richter zugleich, das sei ein außerordentlich starkes Indiz dafür, dass sie schuldig sei, da sie ein schlechtes Gewissen habe. Bleibt die Beschuldigte indessen da, so ist auch das ein Indiz: der Teufel, sagen sie, hält sie fest, dass sie nicht fort könne.

Drohung mit Folter

1620 erfolgte schließlich die Verhaftung der Katharina Kepler, kurz nachdem sie wieder nach Leonberg zurückgekehrt war. In einem für die Hexenprozesse typischen Schnellverfahren sollte die Sache gegen die Frau rasch zu Ende gebracht werden. Der Richter hatte schon einen Foltertermin angesetzt, als Johannes Kepler, immerhin kaiserliche Hofastronom und Astrologe, von Linz nach Leonberg eilte, um seiner Mutter beizustehen.

Mit widerwilliger Hochachtung bedachten die Leonberger Richter jenen Mann, der zu den engsten Beratern des Habsburger Kaisers Rudolph II. gehört hatte, einen Geheimwissenschaftler und Sterndeuter, dessen Kalendervoraussagen auch in weiten Kreisen der Bevölkerung anerkannt wurden. Vor dem Leonberger Gericht nutzte Kepler seinen Ruf weidlich aus und erreichte schließlich, dass die Prozessakten der juristischen Fakultät der Universität Tübingen zwecks Erstellung eines Gutachtens vorzulegen seien.

Das Ergebnis ließ nicht allzu lange auf sich warten: Katharina sollte peinlich befragt werden. Das hieß Folter. Aber, und das war entscheidend, es sollten ihr nur die Instrumente gezeigt werden. Wenn sie, Katharina Kepler,

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