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Die Völkerwanderung: Europa in Aufruhr

Die Völkerwanderung: Europa in Aufruhr

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Die Völkerwanderung: Europa in Aufruhr

Länge:
150 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 1, 2011
ISBN:
9783831255825
Format:
Buch

Beschreibung

Das Römische Reich ist auf dem Zenit seiner Macht, da branden immer neue germanische Stämme an die Grenzen des römischen Imperiums, erschüttern das Reich in seinen Grundfesten.

Waren es um 120 zunächst die Kimbern und Teutonen, die den Römern das Fürchten lehrten, so machten sich später auch die sagenumwobenen West- und Ostgoten auf den längsten Marsch der Weltgeschichte. Sie flohen vor den Hunnen, dem neuen unheimlichen Feind aus dem Osten. Unter ihrem König Attila schienen die wilden Reiter unbesiegbar. Erst als sich die Römer mit germanischen Stämmen vereinigten konnten die Hunnen bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern (451) vernichtend geschlagen werden. Doch letztlich konnte das "Imperium Romanum" der vitalen Gewalt der Germanen nichts entgegen setzen. Das stolze Rom wurde mehrfach geplündert. Germanische Stämme wie die Vandalen, Franken, Langobarden, Sachsen, Angeln und Jüten zeichneten die Landkarte Europas mit ihren Schwertern neu.
Herausgeber:
Freigegeben:
Jan 1, 2011
ISBN:
9783831255825
Format:
Buch

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Die Völkerwanderung - Ulrich Offenberg

Die Teutonen drohen

Es waren zwar die Hunnen, die mittelbar das Römische Reich zum Einsturz brachten. Aber eigentlich beginnt die Geschichte der Völkerwanderung bereits mit dem Marsch der Kimbern und Teutonen um 120 v. Christus. Dieser erste große Germanenzug Richtung Süden gab einen Vorgeschmack auf das spätere Drama der Völkerwanderung. Nach diesem ersten Schock hörten die Römer nie mehr auf, mit einer Mischung aus Misstrauen und nackter Angst ihre Nordgrenzen zu beobachten. Waren diese blonden Hünen vielleicht die Vorboten immer neuer Barbarenhorden, die sich des Südens bemächtigen wollten?

Die furiosen Kämpfe der Germanen gegen die römische Weltmacht ließen den römischen Dichter und Staatsmann Tacitus einen sehr respektvollen Satz über die Kimbern verfassen, die er als „jetzt noch ein kleiner Stamm, aber von ungeheurem Ruhm" bezeichnet.

Die Teutonen kommen bei ihm nicht vor, dafür aber beim griechischen Seefahrer Pytheas, der nach seiner spektakulären Reise in den Norden über das heutige Helgoland um 325 v. Christus berichtet: „Dort wird im Frühling reichlich Bernstein angespült, der ein Auswurf des gefrorenen Meeres ist. Die Inselbewohner verwenden ihn zum Heizen, auch verkaufen sie ihn an die Teutonen, die ihnen auf dem Festland am nächsten wohnen." Mit dieser ersten Nennung des Stammes der Teutonen – so die Auffassung vieler Historiker – beginnt die Geschichte der Germanen.

Was ließ nun diesen germanischen Stamm der Teutonen ihr angestammtes Territorium verlassen und auf Wanderung gehen? Alles fing wohl mit einer Sturmflut an. Sie soll Jütland, die Heimat der Kimbern, überschwemmt haben. Versalzte Böden und eine damit einhergehende Hungersnot zwangen den größten Teil des Stammes zum Verlassen ihres Siedlungsgebietes – die Teutonen haben sich ihnen später angeschlossen.

Die riesige Wandergemeinde, es mögen an die 150.000 Menschen gewesen sein, setzten sich nach Süden in Marsch. Sie zog nach Böhmen, Schlesien und Mähren, schließlich ins Donaugebiet und in die Ostalpen.

Den Städte bauenden Römern waren Naturvölker suspekt. Die Informationen über die wandernden Germanen, die in Rom kursierten, hörten sich nicht gut an – und sollten von den späteren Ereignissen sogar noch übertroffen werden: Zwei gigantische Marschsäulen von insgesamt 300.000 Menschen seien unterwegs, erzählte man sich am Tiber, riesengroße, bewaffnete Krieger mit blauen Augen, dazu noch größere Scharen an Kindern und Frauen. Diese erbarmungslosen, hünenhaften Barbaren seien auf der Suche nach Land und nach Beute in den Städten. Wer sich ihnen entgegen stellte, würde niedergemacht.

Und tatsächlich erfolgte schon bald der ersteAngriff der Kimbern und Teutonen. Ziel war zunächst das mit Rom verbündete Norikum, das heutige Elsass. Der römische Konsul Papirius Carbo ließ sogleich die Alpenpässe besetzen, um die Germanen am Durchmarsch nach Italien zu hindern. Als sie jedoch nicht angriffen, beging Carbo aus Überheblichkeit seinen ersten Fehler: Er rückte gegen die Kimbern vor und beschuldigte sie, die Noriker, die Verbündeten Roms, angegriffen zu haben.

Die Kimbern versicherten eilfertig, von dieser Freundschaft nichts gewusst zu haben und versprachen, friedlich wieder abzuziehen. Denn sie seien lediglich auf der Suche nach Siedlungsland, um sich dort niederzulassen. Carbo gab ihnen darauf Führer mit, angeblich, um ihnen bei der Suche nach einem geeigneten Gebiet behilflich zu sein.

Das war allerdings nur ein Vorwand. Der Konsul hatte seine Führer angewiesen, mit den Barbaren einen längeren Umweg zu machen, während er ihnen mit seinen beiden Legionen in Eilmärschen den Weg abschnitt und Posten bezog, um sie aus dem Hinterhalt zu vernichten. Der Konsul sollte für seine Heimtücke bitter bezahlen. Die Schlacht fand 113 v. Chr. bei Noreia statt, einem Ort nördlich des heutigen Klagenfurt.

Carbo überfiel die Kimbern während einer Rast. Warum der Konsul glaubte, die Barbaren leicht besiegen zu können, wird für immer sein Geheimnis bleiben. Der primitiven aber durchaus wirkungsvollen Kampfweise der Germanen waren die überraschten Römer nicht gewachsen. Zwei Legionen – 12.000 Mann – wurden von den furios dreinschlagenden Kriegern aufgerieben. Dass sie nicht völlig vernichtet wurden, verdankten sie dem Aberglauben der Germanen. Als ein schweres Gewitter einsetzte, brachen sie den Kampf ab. Sie fürchteten den Zorn der Götter.

Hinterlist der Römer

Am Anfang des langen römisch-germanischen Ringens standen also List und Heimtücke sowie eine Selbstüberschätzung eines bis dahin meist siegreichen Großreichs. Das war nicht unbedingt der beste Einstieg für eine vertrauensvolle Zukunft. Die Römer wurden zwar heftig inAngst und Schrecken versetzt, doch das Schicksal meinte es noch einmal gut mit ihnen. Die Kimbern und Teutonen setzten ihren Marsch nicht weiter nach Süden fort, sondern zogen in den Nordwesten, zu den keltischen Helvetiern in der heutigen Schweiz. Einige wenige ließen sich an Neckar und Main nieder.

Der Großteil der vereinigten Kimbern und Teutonen jedoch wanderte weiter nach Gallien, einer Odyssee entgegen, die sie etwa nach 15 Jahren über Spanien zurück nach Gallien und Italien führen sollte. Es muss eine riesiger Marschkolonne gewesen sein: Die besten Krieger an der Spitze und in der Nachhut, Mütter und Kinder in der Zugmitte in Ochsenkarren, die Reiter an den Flanken mit dem Vieh, und ganz vorne die alten Frauen, die den richtigen Weg aus dem Blut von Gefangenen weissagten.

Zeitgenössische Chronisten schilderten das dazu gehörige Prozedere ganz genau: „Unter ihren Frauen, die an dem Heereszug teilnahmen, waren auch weissagende Priesterinnen mit ergrautem Haar, in weißen Gewändern, leinenen, mit Fibeln zusammen gehaltenen Mänteln, mit Bronzegürtel, barfüßig. Diese gingen im Heerlager mit gezückten Schwertern auf die Gefangenen zu, bekränzten sie und führten sie zu einem Bronzekessel, der etwa 20 Amphoren fasste. Dort stand auch eine Leiter, die eine der Priesterinnen bestieg, um dann oberhalb des Gefäßes einem nach dem anderen der empor Gereichten die Kehle durchzuschneiden. Mit dem in den Kessel fließenden Blut praktizierten sie eine Art Weissagung. Anderen schlitzten sie den Leib auf und prophezeiten aus den Eingeweiden, wobei sie ihren Leuten laut den bevorstehenden Sieg verkündeten. Während des Kampfes trommelten sie auf die Felle, die über die Wagenkörbe gespannt waren, so dass ein ungeheurer Laut entstand."

Völkerwanderung zu jener Zeit bedeutete, mühsam, Tag für Tag, Monat für Monat, bei jedem Wetter den Weg zu suchen. Je weiter die Kimbern und Teutonen nach Süden vorrückten, desto erträglicher wurde es. Wenn möglich, folgten sie den Flüssen, denn sie gaben ihnen Richtung und Ziel. Die Flüsse konnten aber zugleich unüberwindbare Hindernisse darstellen. Es sei denn, die Führer fanden eine Furt für die Durchquerung. Das konnte allerdings Tage dauern.

109 v. Chr. trafen die Kimbern und Teutonen an der Rhône auf das Heerlager des römischen Konsuls Marcus Junius Silanus und baten um die Vergabe von Siedlungsgebieten, denn sie wollten keinen Krieg führen. Für das ihnen zugewiesene Land wollten sie als römische Bundesgenossen bezahlen. Damit wiederholten sie die gleich lautende Bitte, die ihre Gesandten vorher in Rom vorgetragen hatten. Diese hatten wegen ihrer äußeren Erscheinung allerdings nur Erstaunen und Spott ausgelöst. Ihr Gesuch nach Land wurde vom römischen Senat kategorisch abgelehnt.

Kurz nachdem die Gesandten zu ihrem Volk zurückgekehrt waren, wurden die Barbaren von Silanus angegriffen. Aber auch diese zweite Schlacht konnten die Römer nicht gewinnen, sie geriet erneut zum Debakel. Diesmal fielen vier Legionen auf dem Schlachtfeld, etwa römische 24.000 Soldaten. Und wieder geschah das Unbegreifliche: Statt sich nach Rom zu wenden und Rache zu nehmen, setzten die Kimbern und Teutonen ihren Wanderzug durch Gallien fort. Die weisen Frauen hatten es so entschieden.

105 v. Chr. stieß die kimbrisch-teutonische Hauptmacht auf drei starke römische Kräfte, die an der Rhône standen. Wieder das alte Spiel. Sowohl die Legionen des ehemaligen Konsuls Scaurus als auch die des Konsuls Mallius Maximus und des Prokonsuls Servilius Caepio wurden bei Arausio – dem heutigen Orange – besiegt. Diese Schlacht war mit schätzungsweise über 80.000 gefallenen Soldaten eine der größten Niederlagen in der langen römischen Geschichte.

Germanische Brutalität

In diesen Kämpfen müssen die Germanen eine oft sinnlos erscheinende Brutalität gezeigt haben. Die Schilderung des Geschichtsschreibers Livius ist überliefert. „80.000 Römer und Bundesgenossen wurden getötet, 40.000 Trossknechte und Marketender dazu. Alle Beute wurde den Göttern geopfert. Die Gewänder der Gefallenen und Gefangenen wurden zerrissen, Gold und Silber in den Strom geworfen, die Pferde ertränkt, die Gefangenen an den Bäumen aufgehängt. Von dem ganzen Heer blieben nur zehn Mann übrig, die die traurige Kunde überbrachten." Und Plutarch schrieb: „Unwiderstehlich in ihrer Tollkühnheit, ihrem Wagemut und der Kraft ihrer Arme, griffen sie bei den Schlachten mit der Schnelligkeit und Gewalt eines Feuersturms an. Keiner leistete ihrem Andringen Widerstand, sondern alle,

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