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Coltwölfe: Glorreiche Western Sammelband 5 Romane

Coltwölfe: Glorreiche Western Sammelband 5 Romane

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Coltwölfe: Glorreiche Western Sammelband 5 Romane

Länge:
734 Seiten
9 Stunden
Freigegeben:
9. Juli 2021
ISBN:
9798201400910
Format:
Buch

Beschreibung

Coltwölfe: Glorreiche Western Sammelband 5 Romane

Von Alfred Bekker, Glenn Stirling, Thomas West, Heinz Squarra, Jasper P. Morgan

 

Dieses Buch enthält folgende Western:

 

Glenn Stirling: Wolfsrache

Alfred Bekker & Thomas West: Grainger und die Squaw

Heinz Squarra: Die Digger-Bande

Jasper P. Morgan: Ashby geht über Leichen

Heinz Squarra: Fährte der Verlorenen

 

Der Eisenbahnboss Gordon Ashby ist ein mächtiger, skrupelloser Mann, und er will einen Platz im Vorstand der Midwest Railway. Deshalb muss er seinen Konkurrenten, die Grand Western & Central Railway, ausbooten, indem er die Bahnstrecke mitten durch das Eagle Rock Valley plant, anstatt am Rande des Tales entlang. Dafür braucht er das Land der Rancher im Valley, auch wenn er dafür über Leichen gehen muss …

Freigegeben:
9. Juli 2021
ISBN:
9798201400910
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Buchvorschau

Coltwölfe - Alfred Bekker

Coltwölfe: Glorreiche Western Sammelband 5 Romane

Alfred Bekker et al.

Published by Alfred Bekker präsentiert, 2021.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Coltwölfe: Glorreiche Western Sammelband 5 Romane

Copyright

Wolfsrache

Copyright

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Grainger und die Squaw

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Die Digger-Bande

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Ashby geht über Leichen

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Klappentext

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24.

25.

Further Reading: 10 Extra Western Januar 2020: Sammelband

Also By Alfred Bekker

Also By Heinz Squarra

Also By Thomas West

Also By Jasper P. Morgan

Also By Glenn Stirling

About the Author

About the Publisher

Coltwölfe: Glorreiche Western Sammelband 5 Romane

Von Alfred Bekker, Glenn Stirling, Thomas West, Heinz Squarra, Jasper P. Morgan

Dieses Buch enthält folgende Western:

Glenn Stirling: Wolfsrache

Alfred Bekker & Thomas West: Grainger und die Squaw

Heinz Squarra: Die Digger-Bande

Jasper P. Morgan: Ashby geht über Leichen

Heinz Squarra: Fährte der Verlorenen

Der Eisenbahnboss Gordon Ashby ist ein mächtiger, skrupelloser Mann, und er will einen Platz im Vorstand der Midwest Railway. Deshalb muss er seinen Konkurrenten, die Grand Western & Central Railway, ausbooten, indem er die Bahnstrecke mitten durch das Eagle Rock Valley plant, anstatt am Rande des Tales entlang. Dafür braucht er das Land der Rancher im Valley, auch wenn er dafür über Leichen gehen muss ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author /COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Wolfsrache

Texas Wolf

Band 54

Western von Glenn Stirling

Der Umfang dieses Buchs entspricht 118 Taschenbuchseiten.

Halbwolf  Sam rettet ein Mädchen davor, von drei jungen Burschen vergewaltigt zu werden. Zwei von ihnen sind die Söhne des Gouverneurs, den Tom Cadburn bewachen soll, aber die Burschen wollen sich an dem Halbwolf rächen und planen ihn zu töten. Sie rechnen nicht damit, dass Sam schlauer sein könnte als sie.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

Cover: Werner Oeckl

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Alles rund um Belletristik!

1

Sam döste im Halbschlaf, als ihm der Geruch fremder Menschen in die Nase drang. Er blinzelte, hob den Kopf und warf einen Blick in die Runde. Strahlend blauer Himmel oben, rechts die Blockhütte, davor der Hang mit Grasland, das sich weit bis hinab zur Talsohle erstreckte. Und links die Himbeersträucher. Genau dort befand sich das Mädchen.

Aber Lils Geruch war ihm vertraut. Daher kam diese Witterung nicht. Sam hatte auch schon heraus, woher der Wind ihm diesen Geruch herantrug.

Unten im Tal näherten sie sich. Drei waren es. Sie sahen wie Cowboys aus, ritten aber auf langbeinigen, edlen Pferden, die für die Herdenarbeit völlig untauglich waren.

Lil pflückte noch Himbeeren. In ihrem duftigen hellblauen Cottonkleid mit dem weißen Kragen wirkte sie schmuck und sauber. Ihr langes blondes Haar hing ihr über die Schultern. Lil hatte die näherkommenden Reiter noch nicht bemerkt. Sie summte eine Melodie vor sich hin, die Sam in den Ohren wohltat. Überhaupt mochte er Lil. Vielleicht, weil Tom Cadburn Lil mochte, sehr mochte, wie Sam wusste. Deshalb hatte Tom seinen vierbeinigen Freund ja hier zurückgelassen. Denn Tom und Lils Vater, Billy Kane, waren weit oben in den Bergen auf der Jagd.

Die Reiter preschten jetzt den Hang herauf. Und je näher sie kamen, um so mehr alarmierte Sam der eigene Instinkt. Etwas warnte ihn vor diesen drei Männern. Junge Männer waren das. Brutal trieben sie ihre Pferde an, die gewiss im Flachland recht viel geleistet hätten, hier aber in den Bergen ihre Schnelligkeit gar nicht auf die Erde bringen konnten.

Auch die Brutalität, mit der die drei ihre Pferde jagten, bemerkte Sam.

Und nun hatte auch Lil die Reiter gesehen. Sie geriet sofort in Angst. Sam konnte das riechen. Alle Hunde und auch Raubtiere riechen es, wenn Menschen Angst haben. Dann scheidet der Mensch Aldosteron aus im Schweiß, und das wirkt auf Hunde und Raubtiere wie ein Aufputschmittel, wenn sie es riechen.

Sam wurde sofort unruhig, doch galt seine Abneigung nicht Lil, sondern den drei Reitern. Die hielten genau auf Lil zu.

Unbemerkt von den dreien schob sich Sam ein Stück zurück, bis er den alten, zusammengebrochenen Pferdewagen zwischen sich und den Reitern hatte. Unter dem Wagen, der vorn keine Räder mehr hatte, war das Unkraut bis zu Meterhöhe gesprossen.

Jeder Hofhund wäre den Reitern entgegengelaufen, hätte gebellt und versucht, die Fremden aufzuhalten.

Sam reagierte, wie ihm das von Tom Cadburn beigebracht worden war. Er blieb zunächst in Deckung, beobachtete und wartete darauf, was die Fremden machen würden. So zu handeln, kostete ihn sehr viel Überwindung. Am liebsten wäre er auch auf die Fremden zugelaufen. Doch er wusste auch, dass er dann nur wenig ausgerichtet hätte; ja, vielleicht noch eine Kugel einfangen konnte.

Die drei hielten nebeneinander vor Lil an. Ihre Pferde tänzelten nervös, und das eine schnaubte. Alle drei Tiere hatten die Nüstern weit gebläht, so sehr waren sie bergauf außer Atem geraten.

Die drei jungen Burschen in den Sätteln grinsten Lil herausfordernd an. Und Sam roch den Angstschweiß des Mädchens. Lil blickte sich um, als hoffte sie auf Sams Hilfe. Dann sah sie wieder auf die drei jungen Männer.

„Na, ich hab dir doch versprochen, dich zu besuchen, und schon bin ich da!", rief der in der Mitte, dessen Kleidung nach neuem Leder roch, und der sogar für Sams Begriffe kein echter Cowboy war. Cowboys rochen nach Rindern. Die dort rochen nicht so. Sie sahen nur aus wie Cowboys. Aber selbst das stimmte nicht, nur hatte Sam mit seinem Tierverstand dafür keinen Blick.

Der in der Mitte besaß brünettes Haar, hatte ein breites Gesicht mit frechem Ausdruck. Die Winkel seines Mundes waren geringschätzig nach unten gezogen.

„Bekomme ich keine Antwort?", fragte er das Mädchen und hob die Hand, als wollte er Lil zu einer Antwort einladen. Sam sah, dass es eine schmale, weiche Hand war. Keine breite, hornige, wie Tom sie besaß.

Die beiden anderen lachten.

„Du brauchst dich nicht so umzusehen, Lil, wir wissen, dass dein Alter weg ist. Und der Texas-Ranger ist auch weg. Der Alte aber, dieser Old Joe, der hockt unten in der Stadt und zieht Lieutenant Leach gerade den letzten Cent seines Solds aus der Tasche. – Also, Liebchen, wir sind dich besuchen gekommen. Jack ..., er deutete auf den Mann rechts neben sich, grinste wieder und fuhr fort, „Jack hat die Mühe auch nicht gescheut. Dafür erhofft er sich eine Belohnung, Lil. Und mein Bruder Archie will natürlich auch nicht umsonst gekommen sein. Er wies nun auf den Mann zu seiner Linken. Der wirkte etwas älter. Er mochte fünfundzwanzig sein. Der Mann in der Mitte war vielleicht zwei, drei Jahre jünger. Jener Jack befand sich vermutlich im gleichen Alter.

Lil kannte sie alle drei. Aber sie ahnte noch nicht einmal, was die drei wirklich wollten. Eine solche Phantasie, um sich das vorstellen zu können, welch abwegige Gedanken in den Hirnen der drei vorgingen, besaß Lil nicht.

Sie liebte Tom Cadburn. Seit zwei Wochen kannte sie Tom. Und er gefiel ihr vom ersten Augenblick an, da sie ihn gesehen hatte. Die drei aber gefielen ihr nicht. Einmal waren zwei von ihnen die Söhne eines hochgestellten Mannes. Denen würde man einmal die Töchter schwerreicher Männer aussuchen und nicht die eines Pferdefängers, der gerade so viel verdiente, dass er sich und seine Familie ernähren konnte.

Die drei hatten auch gar nicht vor, mit Lil in ein Gespräch zu treten, wie es sich für Söhne hochgestellter Personen gehört. Und Mandy Snyder sprach auch ganz klipp und klar aus, wozu sie heraufgekommen waren.

„Nun mach keine Zicken! Glotz mich nicht an wie das achte Weltwunder. Ich bin ein Mann, und du, Lil, bist ein Mädchen. Was will ein Mann von einem Mädchen, he? Du wolltest nicht tanzen, als ich dich eingeladen habe. Immer bist du um den Ranger herumscharwenzelt. Der gefällt dir, was? Aber weißt du, dass uns das nicht kümmert?" Er lachte, und die beiden anderen stimmten in dieses gehässige Gelächter ein.

„Verschwindet!, sagte Lil, die plötzlich die Sprache und ihren Mut wiedergefunden hatte. „Schert euch weg! Mr. Cadburn ist nicht weit. Wenn der kommt, der wird euch ...

Das wilde Gelächter von Mandy Snyder unterbrach Lil.

Mandys Bruder Archie sagte, als das Lachen endlich endete: „Cadburn ist nicht in der Nähe, Lil, das wissen wir genau. Du bist ziemlich eingebildet und großschnäuzig gewesen, als wir auf dem Tanz zu dir gekommen sind. Und jetzt musst du das wieder gutmachen, begreifst du nicht? Es ist sogar schön, was wir von dir wollen."

„Wunderschön!", meinte Jack und war mit einem Satz aus dem Sattel. Jack Richards war ein gelenkiger Bursche. Er sah von allen dreien am kräftigsten aus und hatte auch schon als Soldat gedient. Offizier sollte er werden, so wie sein Vater, der Colonel war. Doch mit Jack klappte das nicht, weil Jack sich ein paar Dinge leistete, die auch sein Vater nicht mehr vertuschen konnte. Jack flog aus der Armee heraus. Seitdem war er der Freund der beiden Snyders. Mehr nicht. Davon konnte er leben. Er war sozusagen auf Dauerbesuch bei den Snyders.

Im Augenblick lebte er den beiden Snyder-Boys vor, was er sich unter einem „saftigen Spaß" vorstellte. Und das ging blitzschnell. Er war mit einem Sprung bei Lil, die viel zu spät begriff, dass die Unterhaltung inzwischen beendet war und die drei nun Taten folgen lassen wollten. Das, was sie als Taten verstanden.

Jack ergriff Lils linken Arm. Sie wollte sich losreißen, aber Jack war flink. Er packte Lil, riss sie an sich und fasste ihr ins Haar, als sie versuchte, sich von ihm wegzubeugen. Dann zerrte er die Aufschreiende noch dichter an sich heran, stieß ihr den Kopf nach vorn und biss ihr – unter dem beifälligen Gejohle von Archie und Mandy – in die Wange, versuchte Lil zu küssen, aber die beugte sich trotz der Schmerzen in der Kopfhaut zur Seite.

Jetzt sprangen Archie und Mandy von den Pferden, stürmten auf das verzweifelt kämpfende Mädchen zu und packten sie am Kleid. Lil kreischte verzweifelt.

„Zieh sie aus!, kreischte Mandy mit überschnappender Stimme. „Runter mit dem Fetzen – ha, wird das ein Fest!

Bis dahin hatte Sam gewartet. Jetzt kam er.

Wie ein Geschoss flog Sam durch die Luft. Die Pferde bemerkten ihn zuerst. Sie wieherten schrill und brachen aus. Da war Sam schon mit einem Satz auf dem Rücken von Archie gelandet, biss ihm blitzschnell in die Schulter, riss daran, und als Archie entsetzt aufbrüllte und augenblicklich von Lil abließ, fegte Sam schon weiter.

Er war von Archie herunter, als Jack schrie: „Der Wolf! He, der Wolf!"

Sam sah Mandy vor sich, der seine Hände immer noch in Lils Kleid krallte. Der Fang von Sam schoss vor, fasste Mandys Knie, schloss sich im selben Moment, fetzte zurück, wie es Wölfe und Schäferhunde tun. Sam biss sich selten fest wie eine Dogge. Er riss und fetzte, und Mandy bekam das zu spüren.

Er ließ Lil auf der Stelle los, schrie gellend und versuchte mit bloßen Händen Sam abzuwehren.

Indessen hatte Jack den Revolver heraus, konnte aber nicht schießen, weil Mandy viel zu dicht neben Sam war.

Sam sah die rechte Hand von Mandy auf sich zukommen, biss wieder zu, und diesmal erwischte es Mandy schlimmer. Der fiel auf die Knie vor Schmerzen und starrte auf seine blutende, zerfleischte Hand.

Sam war wieder zurückgefahren, wirbelte herum und sah Jack mit dem Revolver. Jack machte einen Satz nach vorn, wollte Sam von der Flanke her im Ziel haben, damit er Mandy nicht in Gefahr brachte.

Doch Sam reagierte viel schneller als der Sohn des Colonels. Plötzlich sprang er noch einmal Archie an, der seine rechte Hand auf die stark blutende linke Schulter presste. Archie wurde von diesem Schlag des Sprungs umgerissen.

Jack war abgelenkt, senkte einen Augenblick lang den Revolver, und da flog Sam schon auf ihn zu.

Zu spät wollte Jack die Waffe heben. Sam war auch jetzt schneller.

Er schoss auf Jack zu, bekam dessen rechten Unterarm zu packen und biss zu. Der Colt entfiel den verkrampften Fingern, Jack versuchte mit der Linken nach Sams Kopf zu schlagen, um ihn abzuwehren, aber Sam hatte schon wieder losgelassen, um ein zweites Mal zuzubeißen.

Er erwischte Jack an der linken Wade und fetzte sie auf. Jack brüllte wie ein Stier, wollte sein Messer herausreißen, um nach Sam zu stechen, doch der hatte schon von Jack abgelassen.

In dieser Sekunde ertönte Hufschlag. Archie hörte es und schrie: „Sie hat unsere Pferde! Sie haut ab!"

Aber Mandy und Jack trauten sich nicht, einen Blick in jene Richtung zu werfen. Noch war Sam in der Nähe, und die beiden Rowdys fürchteten einen erneuten Angriff.

Sam griff nicht mehr an. Er verschwand um die Hütte und tauchte nicht mehr auf.

Mandy begann sofort zu jammern. Jack blickte nun doch auf die sich entfernenden Pferde und die Reiterin. Archie aber sagte keuchend: „Dieses verdammte Vieh! Und ich habe gedacht, er hat es mitgenommen, als er mit Lils Altem in die Berge ist."

„Du Idiot! Du hirnverbrannter, verdammter Idiot!, heulte Mandy. „Du hast gedacht! Uns hast du gesagt, dass der Ranger seinen Mistköter mitgenommen hat. Wieso eigentlich? Wieso hast du das gesagt?

„Weil ich zufällig von dem Alten, diesem Old Joe, im Golden Peak gehört habe, dass er gesagt hat, die beiden würden sich nie trennen."

„Dummes Geschwätz. Dieser Alte ist ein Saufkopf, ein Spieler, ein Schwätzer!, knurrte Jack. „Los, wir müssen ein Hemd zerreißen und uns gegenseitig verbinden. Verdammt, deine Hand sieht nicht gut aus. Damit kannst du bestimmt nie mehr was anfangen, fügte er mit einem Blick auf Mandys Hand hinzu.

Mandy heulte fast, als er schrie: „Das bekommt dieser Bulle zu spüren. Das sage ich euch! Mein Alter ist nicht umsonst der Gouverneur von Texas. Ein Witz, verdammt. Soll der Ranger auf meinen Alten aufpassen, weil ein Attentat droht, und stattdessen zerfleischt sein Mistköter die Söhne des Gouverneurs."

Jack grinste trotz seiner Schmerzen. „Das Vieh ist aber Klasse. Musst du doch zugeben, Mandy."

„Klasse? He, sieh dir meine Hand an! Das nennst du Klasse?", schrie Mandy mit schriller Stimme.

„Ich sehe auch nicht gut aus, erwiderte Jack. „Sieh dir meinen Arm an und das Bein. Verdammt, ich muss selbst etwas tun. Wie lange brauchst du noch, Archie, um ein paar Streifen Stoff von deinem Hemd zu reißen?

Mandy begann zu wimmern wie ein kleines Kind. „Dieses Mistvieh! Dieses verdammte Mistvieh! Einen so zuzurichten. Dabei wollten wir doch nur ..."

Jack lachte böse auf. „Was denn? Wenn der Wolf nicht gewesen wäre, hätten wir die Kleine hochgenommen. Alle drei. Du hast sie tanzen lassen wollen, nackt. Und dann, hast du gesagt, wollten wir sie vernaschen. Es war Spielerpech. Mandy. Damit hat der Ranger nichts zu tun. Aber sie ist zur Stadt geritten. Sie wird reden. Und das ist es, Mandy. Wenn wir zurückkommen, gibt es Ärger."

Archie verband Mandys zerfleischte Hand. „Ärger? – Nun halt doch still, Mandy! – Es gibt keinen Ärger, sagte er gefasst. „Sie wird es nicht wagen, dieses kleine Luder. Mandy und ich sind die Söhne vom Gouverneur. Und ihm gehört die größte Ranch weit und breit. Wer hier im Lande etwas laut sagen darf, angefangen vom Richter bis hin zum letzten Stadtschreiber, der singt das Lied von unserem Alten. Und du, Jack, bist nicht viel schlechter dran. Dein Vater ist der Militärberater von meinem Alten. Du bist außerdem unser Besuch. Ein Gast. Glaubst du, dass ein Mensch an die Story glaubt, die dieses kleine Biest erzählt?

„Doch, erwiderte Jack. „Euer Vater hat viele Gegner. Persönliche und politische.

„Nicht in Catulla. Und auch nicht in diesem County. Hier haben achtundneunzig Prozent meinen Alten gewählt. Und die restlichen zwei Prozent sind Greaser, dreckige Mexikaner, die nie vergessen werden, dass Texas nicht zu Mexiko gehört. Archie sah seinen Bruder an, der kreidebleich geworden war. „So schlimm?, fragte er.

„Mir ist schlecht. Mir ist hundserbärmlich schlecht!", keuchte Mandy, dann wurde er ohnmächtig.

Jack blickte überrascht auf den Freund und meinte geringschätzig: „Ziemlich weich, unser Mandy, was?"

„Na und?", knurrte Archie gereizt.

Jack zuckte die Schulter und setzte seinen Versuch fort, den Unterarm zu verbinden. Dann aber sagte er: „Bei Lil war er nicht so weich, Archie. Und ich habe Mandy immer für ‘n harten Jungen gehalten."

„Eines kann ich dir sagen, Jack, erwiderte Archie. „Wenn Lil die Klappe aufmacht, wenn sie etwas zwitschert, dann passiert was. Den Mistköter aber, den kaufen wir uns. Auch wenn ein ausgewachsener Texas-Ranger dranhängt. Da fällt mir schon was ein. Am Ende glaubt unser Alter uns mehr als diesem Ranger oder sonst einem Fremden. So ein verdammter Fleischwolf!

Jack grinste. „Es tut verdammt weh, und ich werde auch eine Weile dran denken. Aber eines muss ich sagen, Archie: Hass empfinde ich auf den Wolf nicht. Eigentlich muss ich ihn bewundern. Er greift drei bewaffnete Männer an und wird sogar mit ihnen fertig. Im Grunde ein großartiges Tier."

Archie sah ihn entgeistert an. „Ein großartiges Tier? Sieh doch Mandy an, wie großartig er daliegt!"

„Der wird das überleben, meinte Jack verächtlich. „Wenn dieser Wolf nicht gewesen wäre, hätte Mandy die Kleine ganz schön rangenommen. Ich denke nur, wie er es mit der Mexikanerin getrieben hat, die wir vorgestern ...

Archie machte schmale Augen. „Willst du das vielleicht erzählen, wenn dich der Marshal in Catulla danach fragt, oder unser Alter?"

„Idiot! Natürlich nicht. Aber unter uns dürfen wir ja wohl noch offen reden. Oder lügen wir uns von jetzt an selbst etwas in die Tasche?"

„Schon gut, wir haben eine Schlappe eingesteckt. Von einem Wolf! Aber dieses Vieh kaufe ich mir."

„Quatsch!, widersprach Jack. „Ihr beiden seid wie Narren. Warum denn nur so verrückt spielen? Wenn wir in die Stadt kommen, wird man uns in die Zange nehmen. Verlass dich drauf. Die Kleine war in Panik. Die hat nicht überlegt, ob es gut für sie ist, die Söhne von Gouverneur Snyder anzuklagen oder nicht. Die hat geredet, verlass dich drauf, Archie. – Da, hilf mir mal, die Wade zu verbinden! – Und deshalb, Archie, brauchen wir eine handfeste Geschichte. Eine, über die das Mädchen stolpert. Und der Köter auch.

„Da bin ich aber gespannt, was dir da eingefallen ist."

„Zunächst einmal brauchen wir Pferde. Zu Fuß sind wir erst morgen Mittag in Catulla. Und mit den Pferden fängt es an. Wir müssen zur Outfit-Mannschaft eurer Ranch. Dort sind Reservepferde genug. Und von dem Augenblick an, da wir jemanden treffen, beginnt unsere Geschichte. Da muss die stehen wie ein Felsklotz. Sonst, mein lieber Archie, legen uns Leute aufs Kreuz, bei denen wir uns schon ganz schön mausig gemacht haben und die sich bisher nicht trauten, den Mund aufzumachen. Das ist nicht nur die Kleine von vorgestern. Aber mach dir keinen Kummer, Archie, wir werden weiter unseren Spaß haben. Dazu ist euer Alter einfach zu mächtig. Und einer wie Lils Vater zählt hier in der Gegend sowieso nichts."

Archie schwieg gedankenverloren. Und dann kam auch Mandy wieder zu sich, begann aber sofort zu jammern.

„Hör jetzt auf!, schnauzte ihn Jack an. „Ich will dir meinen Plan erzählen. Jeder muss genau wissen, was er zu sagen hat. Dann hauen wir die clevere Lil in die Pfanne und den Köter gleich dazu!

2

Lil war in weitem Bogen geritten und kehrte nach ungefähr einer Stunde zur Hütte zurück. Ihr Haar war vom Reiten zerzaust, das Gesicht vor Erhitzung gerötet, und ihr Atem ging rasch. Sie glitt aus dem Sattel, hielt den Braunen, auf dem sie geritten war, am Zügel und blickte auf die beiden anderen Pferde, die reiterlos hinter ihr hergelaufen waren. Lil band den Zügel des Braunen am Sattelhorn fest und rief dem Tier zu: „Nun lauf! Lauft weg! Alle drei!"

Die Tiere rührten sich nicht von der Stelle.

„Ach so, ihr wollt saufen. Aber dann weg mit euch, nichts wie weg! Sonst kommen diese Kerle wieder."

Sie holte den Pferden Wasser und blickte sich währenddessen suchend nach Sam um. Aber von ihm war nichts zu sehen und zu hören.

Als sie die Pferde getränkt hatte, versuchte sie sie abermals wegzuscheuchen. Und tatsächlich machte der Braune den Anfang und trabte davon. Erst blieb er noch einmal stehen, ob die beiden anderen auch folgten, und als sie es taten, trabte er weiter.

Lil versuchte sie durch Händeklatschen und schrille Rufe zu verscheuchen. Aber die Pferde schienen sie nicht zu fürchten, fielen wieder in Schritt und zogen nur langsam weiter. Ab und zu blieben sie stehen, grasten hier, grasten dort, doch endlich trotteten sie auf die Stadt zu davon.

Lil sah sich furchtsam um. „Wenn die drei Rowdys nun noch in der Nähe sein sollten?", fragte sie sich. Aber als sie niemanden sah, rannte sie rasch in die Hütte, schloss die Tür und verriegelte sie von innen.

Sie dachte an ihren Vater, der mit Tom Cadburn auf der Jagd war; irgendwo oben in den Bergen. Sie wusste nicht, wer außerdem an dieser Jagd teilnahm. Hätte sie es gewusst, wären ihre Gedanken andere Wege gegangen. Aber so empfand sie nur Furcht; Furcht vor diesen drei jungen Männern. Und jedes Mal, wenn sie an sich herabblickte, schüttelte sie der Schauder der Angst. Sie zog sich das zerrissene Kleid aus, verbarg es im hintersten Winkel des Schrankes, dass ihr Vater es nicht finden sollte.

Nein, dachte sie, ich kann es ihm nicht sagen. Es würde ihn selbst umbringen. Die Snyders sind viel zu mächtig. Sie würden Vater zerschmettern; würden ihn unmöglich machen, nur damit diese Schande nicht an ihnen hängen bliebe. Sie würden den Spieß umdrehen, überlegte Lil weiter. Also ist es besser, wenn ich es verschweige.

Einen Augenblick lang bedachte sie, ob es nicht gescheiter sei, wenigstens Tom Cadburn einzuweihen. Aber auch das verwarf sie aus Furcht vor Repressalien seitens der Snyders.

In Dankbarkeit dachte sie an Sam. Er hatte sie gerettet. Ohne ihn wäre sie das Opfer dieser triebhaften übermütigen jungen Burschen geworden.

Aber wo ist er jetzt?, fragte sie sich, trat an das kleine Fenster der Hütte und spähte hinaus. Aber draußen war nur das Wrack vom Wagen, und ein Stück entfernt die Stelle, wo die Männer über sie hergefallen waren.

Der Gedanke, allein zu sein, steigerte die Furcht in Lil. Sie trat ans Fenster, öffnete es rasch, sah sich ängstlich nach allen Seiten um und zog den Laden herum. Dann verriegelte sie ihn mit aller Sorgfalt von innen, prüfte auch noch einmal die Verriegelung der Tür und holte Vaters alte Schrotflinte aus dem Gewehrrechen. Die Waffe war nicht geladen, aber Lil wusste damit umzugehen. Sie begann mit der umständlichen Prozedur, diesen Vorderlader schussfertig zu machen. Dann, als dies geschehen war und ihre Hände nur das kühle Nussbaumholz des Schaftes umfingen, spürte sie eine gewisse Beruhigung. Sie setzte sich auf die Bank an der Wand, lehnte sich dagegen und lauschte, wahrend ihre Finger den Schaft der Flinte umkrampften. Aber alles, was sie hörte, war nur das Säuseln des Windes im Kamin, das Rauschen der Blätter in den Bäumen, die hinter dem Haus standen.

Jack Richards, Mandy und Archie Snyders hatten noch nicht die Hälfte des Weges bis zum Outfit-Camp zurückgelegt, als Jack mit seiner zerrissenen Wade einfach nicht mehr weiter konnte. Und während sie noch darüber debattierten, wie sie weiterkommen sollten, entdeckte Mandy Snyder die drei ledigen Pferde, die hintereinander auf die Stadt zu trotteten.

Archie gelang es, sein Pferd wieder einzufangen und dann die beiden anderen Tiere für Jack und Mandy an den Zügeln zu fassen und den anderen zu bringen. Sie halfen Jack Richards in den Sattel, dann saßen auch die beiden anderen auf, blickten sich erleichtert an, und Mandy Snyder meinte: „So ganz vom Pech verfolgt sind wir ja nun doch nicht. Ich würde sagen, Lil ist zur Hütte zurückgekehrt, sonst wären die Gäule nicht von dort gekommen. Sie muss einen Bogen geschlagen haben, ohne dass es einer von uns bemerkte."

Archie strich sich mit den Fingern durch sein blondes Haar, zupfte sich an seiner langen Nase und meinte: „Pech hin, Pech her; wenn sie zur Hütte ist, hat sie sich entschlossen, es keinem zu sagen. Vielleicht aus Scham, oder vielleicht, weil sie weiß, dass es ihr keiner glauben wird. Sie ist nicht dumm, die Lil."

„Nein, dumm ist sie nicht, meinte Jack. „Immerhin, sie weiß jetzt, was sie zu tun hat. Oder aber sie wartet auf ihren Vater.

„Ob sie auf ihn wartet oder nicht, in Catulla weiß jedenfalls kein Mensch davon. Und wisst ihr was, wir reiten nicht zum Outfit-Camp, wir reiten in die Stadt! Und sind wir einmal in Catulla, da tun wir so, als wären wir nie oben an der Hütte gewesen, sondern erzählen von einem Puma, der uns angegriffen hat."

„Richtig, jetzt um die Zeit haben sie Junge, da sind sie besonders gefährlich, meinte Mandy Snyder. „Das ist eine gute Idee. Wir haben ein Pumamännchen geschossen, und dann hat uns das Weibchen angegriffen. Was meint ihr dazu?

Jack Richards schüttelte den Kopf. „Sie werden nach dem Balg des Pumas fragen, den wir erlegt haben. Das ist nicht gut. Wir machen es anders. Wir werden sagen, wir haben junge Pumas gefunden. Und dann ist die Alte gekommen und schließlich auch noch der Pumavater. Ja, das können wir sagen. Das müssen sie uns glauben, und so sehen wir auch aus."

„Und wo soll das gewesen sein?", wollte Archie wissen.

„Irgendwo in den Bergen. Weiter drüben natürlich, weitab von der Hütte Das Mädchen, pah, das Mädchen haben wir nie gesehen!"

Jack Richards nickte. Mandy Snyder zuckte die Schultern.

„Ob sie uns das glauben?", fragte er

„Verlass dich drauf, das glauben sie uns. Und wisst ihr was? Wir werden zu Betty reiten!"

„Ja, zu Betty!, rief Jack. „Dort erholen wir uns. Und außerdem kann sie uns etwas geben für unsere Wunden.

„Nein, widersprach Archie. „Was die Wunden angeht, da wenden wir uns besser an Frank Manton. Der hat Erfahrung. Und außerdem passt das gut zu unserer Idee. Oder hat einer von euch den Gedanken aufgegeben, es diesem verdammten Wolf heimzuzahlen?

Die beiden anderen schüttelten den Kopf. „O nein, erwiderte Jack Richards. „Das habe ich keine Sekunde lang.

Sie ritten schweigend weiter. Nach ungefähr einer Dreiviertelstunde erreichten sie eine alte verfallene Farm, neben der ein Windrad stand, das sich knarrend drehte. Das Gestänge der Wasserpumpe quietschte und schepperte, dass man glaubte, es müsste jeden Augenblick zerbrechen.

Ein an einem Strick angebundener, verwahrlost wirkender schwarzer Hund bellte wie rasend, als sich die drei näherten. Sie waren auf Rufweite heran, als die Tür des Wohnhauses geöffnet wurde. Sie hing schief in den Angeln, als sie herumschlug. Ein bulliger, breitgesichtiger Mann mit strähnigen, in die Stirn hängenden grauen Haaren trat heraus, stemmte die Fäuste in die Hüften und blickte aus schmalen Augen auf die sich nähernden Reiter.

Jack Richards tippte mit zwei Fingern an die Hutkrempe. Die beiden anderen nickten nur.

„Ihr seht aus wie geprügelte Köter", rief der Dicke, lachte über sein massiges Gesicht, und dabei schienen die Augen noch kleiner zu werden.

„Es hat uns ganz schön erwischt, Frank", meinte Jack und glitt in respektvoller Entfernung von dem wütend kläffenden Hund aus dem Sattel. Er hinkte auf den Dicken zu, der ihn jetzt ernst und abschätzend betrachtete.

„Was ist nun wirklich mit dir passiert und mit euch anderen? Ihr Snyder-Boys seht ja aus wie die gerupften Hühner. Hattet ihr Streit mit einem Puma?"

„Genau das ist es, behauptete Jack. „Wir hatten Junge gefunden, von den Alten aber nichts gesehen. Mandy, dieser Idiot, wollte um Biegen und Brechen ein Junges mitnehmen. Er bildet sich ein, man könnte sie abrichten, wenn man sie von klein an aufzieht.

„Da hat er sogar recht. Aber vorher muss man die Alten töten", meinte der Dicke.

„Frank, du musst uns helfen! Ist Betty auch da?", fragte Jack.

Der etwa fünfzigjährige Mann schüttelte den Kopf. „Um diese Zeit doch nie, sagte er. „Es ist ja fast Abend. Um diese Zeit ist sie in der Stadt. Wie soll sie Geld verdienen, wenn sie jetzt noch hier herum säße?

„Schade", meinte Jack bedauernd. Und auch Mandy und Archie blickten betroffen drein. Offensichtlich hatten sie gar nicht darüber nachgedacht, dass Betty Hunt um diese Zeit im Saloon ihre Lieder sang, Gäste animierte oder beim Pokerspiel kiebitzte, um den bezahlten Spielern Tipps zu geben.

„Ich würde ganz gerne mit ihr reden". meinte Jack.

Frank nickte. „Das kannst du ja. Du brauchst nur in die Stadt zu reiten. Aber ich will mich erst mal um eure Kratzer kümmern. "

Als er kurz darauf Wasser heiß machte und den Hemdenstoff von den Verletzungen wickelte, da rief er verblüfft beim Anblick von Mandys zerfleischter Hand: „Das sieht ja böse aus! Das sieht sehr böse aus! Es wird zwar alles wieder heil, aber er hat dir an einem Finger die Sehne zerrissen. War es das Männchen oder das Weibchen? Die Weibchen sind meistens gefährlicher. Vor allen Dingen, wenn sie Junge haben. Ihr Narren, das hättet ihr doch wissen müssen!"

„Natürlich hätten wir es wissen müssen. Aber du weißt doch, wie das ist, Frank. Wir stießen plötzlich durch Zufall auf die Jungen. Und wir wollten sie haben, eins davon; Mandy wollte es. Nun gut, wir haben gesagt, wir machen mit. Es ist auch unsere Dummheit."

„Ja, das stimmt, stimmte Archie zu. „Jack hat völlig recht.

Mandy schwieg. Die anderen hatten beschlossen, ihn hier zum Idioten zu stempeln, und er hielt den Mund.

„Können wir über Nacht bei dir bleiben?", wollte Jack wissen.

„Von mir aus könnt ihr das. Vermisst euch zu Hause niemand?"

„Ich glaube nicht, erwiderte Archie. „Vielleicht fragt Vater mal nach uns. Aber ...

„Euer Vater ist nicht in der Stadt, erwiderte Frank. „Der ist doch zur Jagd.

„Zur Jagd?, fragte Mandy. Und auch Archie sah den bulligen Mann zweifelnd an. „Mit wem denn?

„Keine Ahnung, erwiderte Frank. „Aber er ist zur Jagd, das weiß ich genau. Er ist gar nicht weit von hier vorbeigekommen. Lieutenant Trevor war bei ihm.

„Woher weißt du das?", fragte Jack.

„Einer von den Jungs ist hier vorbeigekommen; er hat ihn getroffen. Und ihm hat der Gouverneur erzählt, dass er jagt."

„Und nicht gesagt, wo?", fragte Mandy.

„Nichts, gar nichts. Du weißt doch, sie sind etwas ängstlich, die großen Herren. Dein Vater hat eine Menge Feinde. Und die haben ihm ja auch gedroht, dass sie ihn umbringen, wenn er noch einmal kandidiert."

„Aber er hat kandidiert", sagte Archie.

„Natürlich hat er das. Und deswegen soll ja auch auf ihn aufgepasst werden. Der Lieutenant, der Texas-Ranger, der Captain und letztens auch dein Vater, Jack, der Colonel, sie alle passen auf ihn auf. Wenn es sein muss, schickt Captain McNelly noch mal Texas-Ranger hierher. Drei sind da; sie lösen sich ab, wie ihr wisst. Ja, wenn man ein großes Tier ist wie euer Vater, dann machen sich alle Sorgen um einen. Um mich kümmert sich kein Schwein. Niemand fragt nach mir, ob ich Geld habe, ob ich was zu trinken habe; ich bin der letzte Dreck!"

„Das bist du nicht, empörte sich Mandy. „Du siehst doch, dass wir dich besuchen. Wir kommen doch oft zu dir.

„Glaubt ihr denn, ich wüsste nicht, zu wem ihr kommt? Ihr kommt nicht zu Frank Manton, ihr kommt zu Betty."

„Sicher kommen wir auch zu Betty, aber wir kommen auch zu dir. Wie oft haben wir miteinander Karten gespielt?", rief Jack.

Frank Manton kümmerte sich von nun an nur noch um die Verletzungen der Jungen. Als er sie verbunden hatte und die drei ziemlich erschöpft und noch immer von Schmerzen geplagt nebeneinander auf der Bank saßen wie Hühner auf der Stange, da ergriff Frank endlich wieder das Wort und sagte: „Also gut, ich werde uns jetzt erst mal einen Kaffee aufschütten. Und dann erzählt ihr mir mal, was wirklich war; denn deine Hand, Mandy, die hat nie im Leben ein Puma zerfleischt!"

„Was denn?", rief Mandy lahm.

Frank Manton grinste. „Ich habe schon viele Pumas gesehen. Ich habe auch schon mit Pumas gekämpft. Hier ... Er zog sich den Armei seines Hemdes hoch, und sie sahen vier Narben nebeneinander wie eine Kratzspur. „Das hat ein Puma gemacht. Das sind die Krallen der Tatze eines Pumas. Aber euch, euch hat kein Puma angefallen und auch kein Puma gebissen. Wie ein Puma beißt, das sieht anders aus. Hier! Er krempelte sich die Hose hoch und zeigte ihnen sein rechtes Knie. „Diese Narbe, er deutete auf eine dunkle Stelle, „die stammt von einem Puma. Seht mal genau hin! Das sieht aus wie zwei sich gegenüberliegende Halbkreise. So sieht ein Pumabiss aus! Das, was ihr habt, das stammt von einem Wolf, oder von einem Hund oder von einem Kojoten, weil kein Puma so beißt. Nur Hunde, und zwar noch nicht einmal alle Sorten Hunde, bestimmte Hunde beißen so. Aber alle Wölfe und Kojoten beißen so. Und wenn wir den Kaffee trinken, werdet ihr mir mal erzählen, was wirklich passiert ist! Ihr wisst ja, mich braucht ihr nicht zu belügen, mich nicht!

Die drei sahen sich betroffen an. Schließlich meinte Jack: „Verdammt noch mal, ich habe nicht gewusst, dass man das sehen kann!"

Der Alte grinste schlau. ,,Und ob man es sehen kann. Ich hab‘s euch ja bewiesen." Er stand auf und ging zu seinem Steinherd hinüber, um die Glut zu schüren, damit das Wasser für den Kaffee heiß wurde.

Später dann saß er den Jungen gegenüber und ließ sich von ihnen erzählen. Er unterbrach sie mit keinem Wort, er lauschte nur dem, was Jack sagte oder was ihm Archie berichtete, manchmal unterbrochen von Mandys Bemerkungen. Ihr Bericht glich einer Beichte. Als sie fertig waren, sahen sie Frank Manton gespannt, aber auch ein wenig besorgt an.

Das massige Gesicht mit dem speckigen Kinn, die kleinen Augen, gefurchte Stirn, die grauen Haare und die zerschlagene Nase, alles in allem war Frank Manton keine Schönheit. Aber er stellte etwas dar. Er hatte etwas Rausschmeißerisches an sich; etwas, das Leute bei seinem Anblick dazu brachte, ihm auszuweichen.

Auf dem Papier war er ein Farmer. Ein Farmer mit einem einzigen zottigen Pferd, keiner einzigen Kuh im Stall, keinem bewirtschafteten Acker. Nur diese zerfallene, heruntergekommene Farm gehörte ihm. Mit verrosteten Geräten, die seit Jahren niemand mehr benutzte. Er lebte von diesem und jenem; ein bisschen Viehdiebstahl, etwas Falschspiel und Hunderte von Gelegenheitsdiensten hielten ihn über Wasser. Vor allem aber war er der Mann, der sich um Betty Hunt gekümmert hatte. Sie war von ihm aufgezogen worden wie eine Tochter. Aber er hatte nie behauptet, ihr Vater zu sein. Sie war die Tochter eines Freundes, der auf mysteriöse Weise umgekommen war. Frank zog sie auf, Frank kümmerte sich um sie, und Frank teilte sich mit ihr das Geld, das sie im Saloon verdiente. Dort war sie Barmädchen, Liebesdienerin und Animierdame zugleich, die zwanzigjährige Betty Hunt.

Als die Jungen ihn so ansahen, lächelte Frank Manton, und er sagte: „Ihr macht euch viel zu viel Sorgen. Erzählt die Geschichte mit dem Puma zu Hause; die werden es euch glauben, die verstehen nichts davon. Und ihr könnt auch mit den Verletzungen zum Doc gehen, der weiß auch nicht, was ein Puma gerissen und wo ein Wolf gebissen hat. Ihr braucht keine Sorgen zu haben. Tut so, als wäre nichts geschehen. Lil Kane wird nicht reden; sie schämt sich, sie sagt keinen Ton. Und ihr haltet die Klappe! Brüstet euch nicht damit. Damit seid ihr zu weit gegangen, das versteht hier kein Mensch. Wenn sie eine Mexikanerin wäre ... aber das ist sie nicht. Und außerdem kann ihr Vater sehr gefährlich werden, der ist nicht ohne. Ihr seid Toren, dass ihr andere immer unterschätzt. Viele junge Leute begehen diesen Fehler; ihr solltet Lils Vater nicht unterschätzen, der fragt nicht viel. Der erwischt einen nach dem anderen von euch, irgendwann. Und den Wolf, den überlasst mir. Jeder von euch gibt mir tausend Dollar, dann werde ich diesem Wolf die Hölle bereiten!"

„Tausend Dollar, bist du wahnsinnig?, schrie Jack Richards zuerst. „Wo soll ich die hernehmen?

Frank Manton schüttelte den Kopf, lächelte und blickte auf Mandy und Archie. „Ihr beiden werdet Jacks Anteil sicher auch mittragen. Geht nur zur Großmutter. Die alte Mrs. Snyder, die hat doch ein Herz für euch Jungen, geht zu ihr, sie gibt es euch!"

„Und was sollen wir ihr sagen, wofür wir es brauchen?", rief Mandy.

Frank Manton lächelte noch immer. „Es wird euch schon eine hübsche Geschichte einfallen. Sagt doch ganz einfach, ihr hättet ein nettes Mädchen gefunden. Aber sie ist furchtbar arm, ihr wollt ihr helfen. Wer weiß, was ihr ihr erzählt, oder erzählt ihr von irgendeinem Streich, den ihr gemacht habt, bei irgendeinem Kaufmann, dem ihr den Wagen mit der Ware umgekippt habt. So etwas hattet ihr doch voriges Jahr getan, oder nicht?"

„Aber der hat sich nicht getraut, von uns Schadenersatz zu verlangen, meinte Archie lachend. „Dem hätten wir eine übergebraten.

Frank Manton zuckte die Schultern. „Seid keine Narren. Jungs! Im Übrigen bin ich kein reicher Mann. Ihr wisst ja, dass es mir so gut nicht geht wie euch. Also besorgt euch das Geld und bringt es her! Ich schweige wie ein Grab, und ich helfe euch sogar. Aber euch würde ich nicht raten, mit dem Wolf etwas zu versuchen. Ihr wisst nicht, wer Cadburn ist; ich weiß es. Und vielleicht ist das ein Grund, warum ich euch helfen will. Bei ihm geratet ihr an den Falschen."

„Du scheinst eine Menge Angst vor solchen Leuten wie Lils Vater und diesem Texas-Ranger zu haben."

„Angst?, rief Frank Manton empört, und dann meinte er schmollend: „Glaubt ihr, dass ein Mann, der seinen Verstand noch beieinander hat und eine gewisse Vorsicht walten lässt, ein Angsthase ist; glaubt ihr das wirklich?

„Nun beruhige dich doch, Frank, sagte Jack. „Er meint es doch nicht so. Also, was willst du machen? Was ist mit diesem Cadburn?

„Könntest du dir vorstellen, dass McNelly, dem sämtliche Texas-Ranger unterstehen, einen zweitklassigen Mann deinem Vater zuteilt, weil der Schutz braucht, weil ihm ein Attentat droht, weil er sich, wenn man so will, in einer ständigen Gefahr befindet? Glaubst du wirklich, Jack Richards, dass dein Vater, der immerhin ein Colonel ist, zustimmen würde, wenn so ein zweitklassiger Bursche auftauchte, um Schutzdienst bei dem Gouverneur zu machen?"

„Und du meinst, dieser Cadburn wäre eine erste Nummer?", fragte Jack.

„In Kreisen von denen, die es wissen müssen, ist er die erste Nummer. Und wenn ich das sage, dann kannst du mir das schon glauben. So ein bisschen verstehe ich von diesem Milieu."

„Was willst du damit sagen?", fragte Mandy.

„Dass ihr die Hände von den Dingen lassen sollt, die mit Cadburn zusammenhängen. Das bringt euch Unglück, und dann kann euch auch euer Vater nicht mehr schützen. Im Gegenteil, ihr würdet ja etwas angreifen, was ihn schützt. Aber bringt jeder die tausend Dollar, und ich kümmere mich um alles!"

„Was willst du tun?", wollte Archie wissen.

„Das müsst ihr mir überlassen! Ihr wolltet euch rächen für den Schmerz, den euch dieser Wolf angetan hat. Ich werde diese Rache für euch ausführen, und dafür zahlt ihr mir. Und ihr zahlt auch natürlich, damit es mir nicht so schwer fällt, den Mund zu halten."

Mandy Snyder sah ihn böse an. Frank Manton, der diesen Blick bemerkte, lächelte, wandte sich Mandy zu und sagte: „Glaube nicht, mein Junge, dass du mit einer schnellen Kugel mein Schweigen billiger erkaufst. Das wäre bestimmt ein Fehler."

„Wer hat etwas gesagt?", rief Mandy.

Frank Manton sah ihn lächelnd an. „Gesagt hast du noch nichts, aber gedacht. Ich sehe es dir an. Ich kann in deinem Gesicht lesen wie in einem Buch. Und ich will dir noch etwas sagen, Mandy. Ihr drei, ihr braucht jetzt einen guten Freund. Zwei gute Freunde wäre noch mehr; ihr habt sogar zwei gute Freunde, ihr habt Betty und mich. Stoßt also diejenigen, die zu euch halten, nicht vor den Kopf. Denn immer noch besteht die Möglichkeit, dass Lil Kane am Ende doch etwas sagt. Vielleicht nicht zu ihrem Vater, aber möglicherweise zu Cadburn."

„Und wenn schon, dann kommt die ganze Sache raus und dann werden wir einfach behaupten, dass sie spinnt, rief Mandy. „Eine übergeschnappte Ziege, die ins Spinnen geraten ist.

„So einfach ist das nicht, erklärte Frank. „Auch der Gouverneur wird‘s erfahren, wenn es ihm Cadburn nicht direkt sagt. Und dann wird eine Untersuchung angestellt. Und bildet euch nur nicht ein, dass dann das eintritt, was ihr glaubt. Wenn das irgendein Hund wäre, so wie mein Köter vor der Tür; möglich schon, dass sie ihn erschießen würden und damit das Problem erledigen. Aber dieser Wolf von Cadburn, der ist bekannt; im ganzen Südwesten weiß jeder, wer Cadburns Sam ist. Und jeder weiß auch, dass der nicht grundlos über drei junge Kerle wie euch herfällt und beißt. Sondern dass ihr vorher etwas getan haben müsste, dass er auf euch losgehen musste – ja, musste. Hört mal gut zu, Jungs! Macht diesen Fehler nicht; hinter Cadburn stehen die anderen Texas-Ranger und steht auch McNelly. Und am Ende kann der Gouverneur ohne die Texas-Ranger gar nicht regieren, er weiß es. Es könnte zum ersten Mal sein, Jungs, dass ihr euren Vater von einer Seite kennenlernt, von der ihr ihn noch nicht kennt.

„Also gut, entschied Archie, „wir werden die dreitausend Dollar beschaffen. Aber eins möchte ich sehen: das Fell von diesem schwarzen Miststück; dieses Fell, das musst du uns bringen. Das möchte ich mir an meinen Zaun nageln.

„Ach, rief Mandy, „und Jack und ich, wo bleiben wir?

Archie lachte wild und rief: „Von mir aus könnt ihr jeder euer Drittel abschneiden. Aber ich will dieses Miststück tot sehen!"

„Das könnt ihr selbst erledigen. Aus dem Hinterhalt eine schnelle Kugel, gegen die ist auch dieser Wolf nicht gefeit, erklärte Frank. „Ihr wolltet ja mehr, und ich hätte mehr daraus gemacht.

„Also gut, du sollst deinen Spaß haben. Aber wenn du damit fertig bist, dann wollen wir seinen Balg!", rief Archie.

3

Nach dem Zwischenfall mit den drei jungen Männern und Lil hatte Sam die Spur Toms gesucht und gefunden. Als das Mädchen fortgeritten und die drei jungen Männer zu Fuß davongeschlichen waren, hatte Sam sich auf den Weg gemacht und war der Spur Toms gefolgt.

Eigentlich war es nicht Toms Spur, sondern die des Hengstes Thunder. Doch auch dessen Geruch war Sam so vertraut wie der von Tom. Es waren die Spuren zweier Pferde, denen Sam folgte. Auf dem einen Pferd ritt Lils Vater, auf dem anderen Tom Cadburn. Und dann, nach etwa zwei Stunden, war Tom bei einem Camp angekommen, wo die Männer ihre Pferde zurückgelassen hatten. Doch hier sah Sam von Weitem fünf Pferde und einen Mann. Dieser Mann trug eine dunkelblaue Uniform und hatte Haar, das so hell war wie Weizenstroh.

Sam hatte diesen Mann schon gesehen und auch schon gewittert. Er gehörte zum Gefolge eines Menschen, den Tom Cadburn neuerdings begleitete.

Erst waren sie in einer großen Stadt gewesen, einer Stadt, wie sie Sam noch nie erlebt hatte. Diese Stadt hieß Houston und barg so mannigfaltige Gerüche in sich, dass Sam eine Zeitlang völlig verwirrt davon gewesen war. Diese Ansammlung von Häusern und Menschen in solcher Größe war ihm unheimlich. Er war froh, als er wieder die Weite der Prärie vor sich hatte. Und nun weilten sie schon seit zwei Wochen in Catulla.

Sam gefiel diese Stadt nicht. Er wünschte sich weit weg von hier, denn hier gab es keine Wälder, hier gab es kein Buschwerk, und in die Berge hatte Sam bisher noch nicht gedurft, obgleich ihn die Berge reizten. Nun aber befand er sich im Gebirge. Je höher er hinaufgekommen war, um so glücklicher und freier fühlte er sich.

Er sah da vorn die Pferde und den Mann, der auf sie achtete. Ein Feuer brannte, und eine dünne Rauchwolke zog wie eine Schnur steil zum Himmel. Es ging auf den Abend zu, und dort, wo die langen Schatten sich dunkel abzeichneten, war es kühl.

Sam umging das kleine Lager und bekam die Witterung der Pferde in die Nase. Da war einmal die von Thunder, dem Blauschimmelhengst, der jetzt den Kopf hochwarf und nach oben spähte, wo Sam auf einem schmalen Felssims hinunter in den Felskessel sah, wo die Pferde standen und der Mann hockte. Da war auch noch das Pferd, auf dem Lils Vater geritten war. Auch diese Witterung wehte zu Sam herauf. Aber Sam registrierte auch noch den Geruch eines dritten Mannes, der auf einem der Pferde da unten geritten sein musste. Der Geruch des Mannes nämlich, für dessen Sicherheit Tom Cadburn verantwortlich war. Des Mannes, der mit jenen drei jungen Burschen zu tun hatte, die Sam sehr häufig in seiner nächsten Nähe wusste. Und das war es auch, was diesen Mann Sam wenig sympathisch machte.

Aber Sam dachte darüber nicht nach. Er trabte weiter, verließ den Sims, rutschte einen Hang hinunter und war dann in einem Felsgraben, in dem er sofort wieder die Witterung von Tom aufnehmen konnte. Von Tom, aber eben auch von jenem Manne, der ihn so sehr an die drei jungen Burschen erinnerte, und von Lils Vater.

Sam interessierte sich nur für Tom. Er wollte zu Tom, wollte ihm begreiflich machen, dass er mit ihm kommen und zu jener Hütte zurückkehren sollte. Denn das Mädchen, auf das Sam hatte achten sollen, war weggeritten.

Sam konnte nicht wissen, dass Lil inzwischen zur Hütte zurückgekehrt war.

Nach einer halben Stunde, als die Sonne schon ziemlich tief über den Zinnen der Berge stand, erreichte Sam die Höhe. Hier oben, auf

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