Genießen Sie diesen Titel jetzt und Millionen mehr, in einer kostenlosen Testversion

Kostenlos für 30 Tage, dann für $9.99/Monat. Jederzeit kündbar.

Die Missionen 91-100 der Raumflotte von Axarabor: Science Fiction Roman-Paket 21010

Die Missionen 91-100 der Raumflotte von Axarabor: Science Fiction Roman-Paket 21010

Vorschau lesen

Die Missionen 91-100 der Raumflotte von Axarabor: Science Fiction Roman-Paket 21010

Länge:
1,190 Seiten
13 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 18, 2021
ISBN:
9798201729172
Format:
Buch

Beschreibung

Die Missionen 91-100 der Raumflotte von Axarabor: Science Fiction Roman-Paket 21010

von Alfred Bekker, Wilfried A. Hary, Bernd Teuber, Stefan Hensch, Roland Heller, Hendrik M. Bekker, Marten Munsonius

 

Über diesen Band:

 

 

Dieser Band enthält die Bände 91-100 der Serie "Die Raumflotte von Axarabor" und zwei zusätzliche SF-Abenteuer.

 

Alle Romane spielen in einem gemeinsamen Multiversum.

 

Wilfried Hary: Die Kolonie in der Schleife

Stefan Hensch: Sawyer lebt!

Bernd Teuber: Donnegans Planet

Stefan Hensch: Die Nanobombe

Wilfried Hary: Die große Phasenverschiebung (mit Marten Munsonius)

Roland Heller: Das Versteck in der Materiewolke

Stefan Hensch: Religion des Untergangs

Bernd Teuber: Das Schicksal der Balmaceda

Hendrik M. Bekker: Die Welt hinter dem Schleier

Wilfried Hary/Stefan Hensch/ Marten Munsonius: Die absolute Leere / Das Dilemma des Ewig Weisen Jubiläumsdoppelband

Alfred Bekker: Das Artefakt der Canyaj

Alfred Bekker: Der Kampf mit den Hegriv

 

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

 

Herausgeber:
Freigegeben:
Jul 18, 2021
ISBN:
9798201729172
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


Ähnlich wie Die Missionen 91-100 der Raumflotte von Axarabor

Mehr lesen von Alfred Bekker

Buchvorschau

Die Missionen 91-100 der Raumflotte von Axarabor - Alfred Bekker

Die Missionen 91-100 der Raumflotte von Axarabor: Science Fiction Roman-Paket 21010

von Alfred Bekker, Wilfried A. Hary, Bernd Teuber, Stefan Hensch, Roland Heller, Hendrik M. Bekker, Marten Munsonius

Über diesen Band:

––––––––

Dieser Band enthält die Bände 91-100 der Serie Die Raumflotte von Axarabor und zwei zusätzliche SF-Abenteuer.

Alle Romane spielen in einem gemeinsamen Multiversum.

Wilfried Hary: Die Kolonie in der Schleife

Stefan Hensch: Sawyer lebt!

Bernd Teuber: Donnegans Planet

Stefan Hensch: Die Nanobombe

Wilfried Hary: Die große Phasenverschiebung (mit Marten Munsonius)

Roland Heller: Das Versteck in der Materiewolke

Stefan Hensch: Religion des Untergangs

Bernd Teuber: Das Schicksal der Balmaceda

Hendrik M. Bekker: Die Welt hinter dem Schleier

Wilfried Hary/Stefan Hensch/ Marten Munsonius: Die absolute Leere / Das Dilemma des Ewig Weisen Jubiläumsdoppelband

Alfred Bekker: Das Artefakt der Canyaj

Alfred Bekker: Der Kampf mit den Hegriv

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author / COVER WOLFGANG SIGL

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

https://twitter.com/BekkerAlfred

Erfahre Neuigkeiten hier:

https://alfred-bekker-autor.business.site/

Zum Blog des Verlags

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!Verlags geht es hier:

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Die Raumflotte von Axarabor - Band 91 - Die Kolonie in der Schleife

Table of Contents

UPDATE ME

––––––––

Die Kolonie in der Schleife

Die Raumflotte von Axarabor - Band 91

von Wilfried A. Hary

Der Umfang dieses Buchs entspricht 74 Taschenbuchseiten.

Zehntausend Jahre sind seit den ersten Schritten der Menschheit ins All vergangen. In vielen aufeinanderfolgenden Expansionswellen haben die Menschen den Kosmos besiedelt. Die Erde ist inzwischen nichts weiter als eine Legende. Die neue Hauptwelt der Menschheit ist Axarabor, das Zentrum eines ausgedehnten Sternenreichs und Sitz der Regierung des Gewählten Hochadmirals. Aber von vielen Siedlern und Raumfahrern vergangener Expansionswellen hat man nie wieder etwas gehört. Sie sind in der Unendlichkeit der Raumzeit verschollen. Manche errichteten eigene Zivilisationen, andere gerieten unter die Herrschaft von Aliens oder strandeten im Nichts. Die Raumflotte von Axarabor hat die Aufgabe, diese versprengten Zweige der menschlichen Zivilisation zu finden - und die Menschheit vor den tödlichen Bedrohungen zu schützen, auf die die Verschollenen gestoßen sind.

Ein experimentelles Siedlerschiff wird auf eine fremde Welt geschickt, um dort eine eigenständige Kolonie zu gründen. Als Gregor Hansen loszieht mit seinem Sohn die neue Heimat zu erkunden, vermag er sich nicht vorzustellen, was er entdecken wird...

––––––––

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author /COVER 123rf 3000AD Steve Mayer

© Serienidee Alfred Bekker und Marten Munsonius

© dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

https://twitter.com/BekkerAlfred

Zum Blog des Verlags geht es hier:

https://cassiopeia.press

Alles rund um Belletristik!

Sei informiert über Neuerscheinungen und Hintergründe!

––––––––

1

Das Siedlerschiff EXPANSION war eine Besonderheit. In jeglicher Hinsicht, also nicht nur auf Grund seiner schieren Größe, die für die Zeit seiner Entstehung jegliche Dimensionen sprengte.

Die größte Besonderheit war das neue Konzept der Expansionseinheiten. Immerhin fünfhundert dieser Art, mit der man tatsächlich eine fremde Welt erobern konnte, im wahrsten Sinne des Wortes.

Das alles diente zunächst einmal nur der Erprobung, blieb also auf die EXPANSION begrenzt. Immerhin: Um ein so riesiges Schiff mit ganzen fünfhundert ausgewachsenen Expansionseinheiten, jede einzelne davon voll flugfähig wie ein Beiboot, mit einer Reichweite auch über die Grenzen eines Sonnensystems hinaus, überhaupt über eine Distanz von einigen tausend Lichtjahren bringen zu können, bedurfte es ganz besonderer Maßnahmen.

Eine davon war, dass man ein vorhandenes Wurmloch benutzen musste. Dadurch konnte das Schiff ohne vollwertigen Überlichtantrieb auskommen. Es musste nur beschleunigt werden bis zur Mindestgeschwindigkeit von dreiviertel der Lichtgeschwindigkeit, um das Wurmloch zu erreichen. Dann musste es natürlich robust genug sein, um den Sprung durch das Wurmloch auch wirklich unbeschadet überstehen zu können.

Laut Berechnungen würde dieser Sprung nur wenige Stunden in Anspruch nehmen. Vielleicht sogar nur Minuten? Niemand konnte das wirklich berechnen. Man musste sich mit Annäherungswerten zufrieden geben. Und sobald das Wurmloch das Schiff am Ende wieder ausspie, einige tausend Lichtjahre vom Startpunkt entfernt, musste der Flug zur Zielwelt in Unterlichtgeschwindigkeit fortgesetzt werden.

Ein Teil der Zeit würde beansprucht werden auf Grund der Beschleunigung einer solch enormen Masse von Schiff, um das Wurmloch überhaupt zu erreichen. Da musste man immerhin mindestens vierzig Jahre veranschlagen.

Ungefähr genauso viel Zeit würde der Zielflug nach dem Sprung durch das Wurmloch beanspruchen. Also musste vom Erststart aus gesehen eine Zeitspanne von fünfundachtzig Jahren berücksichtigt werden. Jede Expansionseinheit war für eine komplette fünfköpfige Familie vorgesehen, was insgesamt immerhin zweitausendfünfhundert Siedler bedeutete.

Es wurden für die Besiedlung von vornherein ausschließlich fünfköpfige Familien berücksichtigt. Alle Familienmitglieder mussten zudem die erforderlichen Tests bestanden haben. Wenn nur ein Familienmitglied dabei versagte, wurde die ganze Familie für den Flug gestrichen.

Damit die fünfhundert Familien den Flug überhaupt überstehen konnten, ohne unterwegs zu verhungern und zu verdursten, war es nötig, sie in Kryoschlaf zu versetzen. Dafür wurde ein zentraler Teil des Schiffes EXPANSION benötigt. Immerhin handelte es sich ja nicht nur um zweitausendfünfhundert Siedler, sondern auch die Besatzung musste in den Kryoschlaf versetzt werden. Eine Besatzung, die genau zweihundert Mitglieder umfasste.

Das Konzept war letztlich ganz klar strukturiert: Es mussten immer fünf Besatzungsmitglieder wach bleiben in der Anfangsphase. Jedes Team hatte eine Arbeitszeit von drei Monaten. Nach den ersten fünf Jahren flog das Schiff selbstständig weiter, nur noch von der KI gesteuert.

Bei der geringsten Störung musste ein Notfallteam geweckt werden. Nach weiteren fünf Jahren wurde dieses Notfallteam auch dann geweckt, wenn es keinerlei Störanzeige gab. Es hatte dann ein weiteres Vierteljahr Zeit, das Schiff eingehend zu überprüfen und eventuell anfallende Reparaturen einzuleiten und natürlich den ungestörten Kryoschlaf aller anderer weiterhin zu gewährleisten. Niemand durfte dadurch bis zum Ziel Schaden erleiden.

Die nächste Weckaktion, wobei fünf Teams gleichzeitig geweckt werden mussten, erfolgte vor Eintritt in das Wurmloch, bis zum Austritt aus diesem und dem genauen Festlegen der weiteren Flugroute.

Auf diese Weise vergingen an Bord ganz genau zweiundfünfzig Jahre, drei Stunden, vierundzwanzig Minuten und dreiundvierzig Sekunden, bis das Signal von der KI kam: Zielpunkt erreicht!

Hier musste die gesamte Besatzung geweckt werden, um das riesige Siedlerschiff in den Orbit um den gewünschten Planeten in der habitablen Zone vom Zielsystem mit dem vorläufigen Namen EXPANSIONSWELT einschwenken zu lassen. Dann erst wurden die ersten Siedler geweckt, vom Los entschieden, die dann an Bord ihrer Expansionseinheiten in dem von den Scouts gekennzeichneten Gebieten landeten. Wo genau, würde dann ihnen überlassen bleiben.

Hier erst griff die letzte Besonderheit: Jede Expansionseinheit wurde zum neuen Zuhause der zugeteilten Siedlerfamilie. So hatten sie von vornherein ein sicheres Dach über dem Kopf.

Ein Grundstück von der Größe immerhin einer herkömmlichen Siedlung wurde klar abgesteckt und gegen unerwünschte Eindringlinge gesichert. Das war durchaus nötig hier auf EXPANSIONSWELT, denn die Natur befand sich in einer Art Urzustand. Das hieß, es gab durchaus ernst zu nehmende Saurier, die möglicherweise mit der Besiedlung nicht einverstanden sein würden.

Jedenfalls hatte am Ende jede einzelne Expansionseinheit ein eigenes Land zu bewirtschaften, wobei die Expansionseinheit das jeweilige Zentrum bildete. Alle Einheiten standen ständig miteinander in Verbindung. Es gab unbegrenzte Kommunikationsmöglichkeiten innerhalb des weiten Verbundes von fünfhundert Einheiten. Gleiter gehörten zu jeder Einheit natürlich dazu und selbstverständlich gepanzert, um unbeschadet die weitere Umgebung erkunden zu können.

Diejenigen, die für das Gesamtkonzept dieses Experimentes verantwortlich zeichneten, waren hellauf begeistert davon, lange vor der Vollendung. Was einige der Siedler allerdings von vornherein weniger begeisterte, waren die Bezeichnungen des Systems und ihres neuen Heimatplaneten: EXPANSIONSWELT? Wieso war den Konzeptionisten da nichts Originelleres eingefallen?

Die Mehrheit der künftigen Siedler wusste schon vor dem über fünfzig Jahre währenden Kryoschlaf, dass sie das Versäumte nachholen würden: Sobald sie auf der neuen Welt einmal Fuß gefasst hatten – und das im wahrsten Sinne des Wortes -, würden sie sich einen eigenen Namen ausdenken, der sicherlich origineller ausfallen würde. Da war man jetzt schon zuversichtlich.

Gregor Hansen, im alten Leben militärischer Berater innerhalb der Raumflotte von Axarabor, dachte bei seinem Erwachen aus dem langen Kryoschlaf tatsächlich zunächst nur daran. Erst dann kam ihm in den Sinn, sich um seine Familie zu kümmern. Immerhin hatte er Frau und drei Kinder, davon zwei Mädchen im Alter von sechzehn und vierzehn Jahren. Sie würden sicherlich seinen Beistand benötigen, genauso wie sein zehnjähriger Sohn.

––––––––

2

Die Expansionseinheiten verließen das Schiff, nacheinander, genau nach Plan. Über die vernetzten Bord-KIs war es kein Problem, alle Einheiten so zu platzieren, dass die Siedler zufrieden mit dem zugeteilten Land waren und sich trotzdem niemals gegenseitig ins Gehege kamen. Dadurch entstanden zwar teilweise große Lücken zwischen den einzelnen Besiedlungsbereichen, mit jeweils einer Expansionseinheit im Zentrum, aber man hatte ja einen kompletten Planeten zur Verfügung, also würde das wohl kaum jemals zum Problem werden können.

Überhaupt war dieses Konzept der weiter verwendbaren Expansionseinheiten nicht für alle Zeiten gedacht, sondern lediglich so lange, bis die Siedler im wahrsten Sinne des Wortes ihre neue Welt in Besitz genommen hatten. Es war ihnen überlassen, wie es danach weitergehen würde.

Man musste ja auch berücksichtigen, dass in jeder Expansionseinheit eine ganze Familie steckte. Die drei Kinder würden sich irgendwann fortpflanzen, selber zu Eltern werden und sicherlich weiteres Land für sich beanspruchen. Ohne Expansionseinheit wohlgemerkt. Also konnte dieses Konzept nur für die ersten Jahre taugen.

Der eigentliche Vorteil von alledem war natürlich, dass die neuen Siedler es nicht nötig hatten, erst mühsam eine neue Siedlung auf dieser fremden Welt aufzubauen. Außerdem war jede einzelne Familie von vornherein autark und konnte sich komplett selbst versorgen.

Und noch etwas fiel dabei weg: Das Siedlerschiff wurde nicht, wie so oft, für den Aufbau der Siedlung benötigt, wurde also nicht komplett ausgeschlachtet, sondern konnte leer wieder zurückfliegen. Genau das geschah auch. Keiner der zweihundert Männer und Frauen der Besatzung hatte Interesse daran, sich auf der neuen Welt niederzulassen als Siedler. Sie waren eigentlich alle heilfroh, wieder die Heimreise antreten zu dürfen. Zumal diese ungefähr genauso lange dauern würde wie die Herreise, so dass sie insgesamt rund einhundert und siebzig Jahre nach ihrem Erststart zurückkommen würden. Für sie selber würden dann immerhin rund einhundert und zehn Jahre vergangen sein, die sie größtenteils im Kryoschlaf verbracht hatten.

Alles verlief so, wie geplant. Es gab keinerlei Störung. Also konnten die Heimkehrer irgendwann Vollzug melden. Das ganze Experiment schien ein voller Erfolg zu sein.

Und wieso wurde dieses Konzept später trotzdem nicht mehr angewendet?

Zum einen wohl, weil die Reisezeiten lang waren. Bis die Siedler das Geld zurückzahlen konnten, das ihre Übersiedlung letztlich gekostet hatte, würde einfach zu viel Zeit vergehen. Zumal dieses Konzept sogar teurer war als herkömmliche Konzepte, wie sie sich längst schon vorher durchgesetzt hatten.

Die Siedler selbst von EXPANSIONSWELT kratzte das allerdings nicht mehr. Sie eroberten ihre neue Welt, zumindest innerhalb der in Besitz benommenen Bereiche. Das nahm sie voll und ganz in Anspruch. Dass sie irgendwann einmal zur Kasse gebeten werden würden von der Gemeinschaft des Sternenreiches, das verschoben sie in weite Zukunft.

Genauso wie Gregor Hansen mit seiner Familie. Die Kinder David, zehn Jahre alt, Cora, vierzehn Jahre alt, und Sybille, sechzehn Jahre alt, waren daran sowieso desinteressiert, obwohl nach Lage der Dinge sie es sein würden, von denen das Imperium dereinst zur Kasse gebeten werden würde.

Genau genommen war ja Ellie Hansen, ihre Mutter, das Familienoberhaupt, allerdings nur inoffiziell. Sie hatte jedenfalls dafür gesorgt, dass die Familie ein Team geworden war, in dem jeder seinen passenden Platz inne hatte. Alle waren schon lange vor der Abreise in die neue Heimat optimal vorbereitet worden auf ihre Rolle als neue Siedler auf einem fremden Planeten, über den man nicht mehr wusste als das, was die ersten Untersuchungen der Scouts ergeben hatten, die als Entdecker dieser Welt in die Geschichte eingegangen waren. Obwohl die meisten Siedler noch nicht einmal ihre Namen behalten hatten.

Als Gregor Hansen die Expansionseinheit verließ, die ihn her gebracht hatte, konnte er das Ergebnis der sogenannten Expansion bewundern: Alles war von der KI vollautomatisch gesteuert worden. Die Einheit hatte Ausleger ausfahren lassen. Landwirtschaftliche Kleinroboter hatten bereits die Aufbereitung des Bodens abgeschlossen und mit der Anpflanzung aller mitgebrachter Setzlinge und auch dem Ausbringen von Saatgut begonnen, natürlich mit entsprechenden Bodenproben verknüpft, die im vollautomatischen Labor überprüft worden waren, damit die Anpflanzung optimiert werden konnte...

Der Mensch selber durfte sich zunächst als Zaungast betätigen, musste also in die Abläufe nicht unbedingt eingreifen. Es sei denn, er wollte das.

Gregor Hansen jedoch hütete sich davor. Er als militärischer Berater hatte eigentlich von Landwirtschaft keine Ahnung. Außer dem, was er hatte lernen müssen, um den Tauglichkeitstest als potenzieller Siedler bestehen zu können. Dabei hatte man sich jedoch rein auf die Theorie beschränkt, und eigentlich war die ganze Familie außerstande, mit eigenen Händen Landwirtschaft zu betreiben. Es war den Ausbildern wichtiger erschienen, sie darauf vorzubereiten, eventuelle Reparaturen zu überwachen, die dann von speziell dafür gebauten Reparaturbots durchgeführt werden konnten.

Er sah zum Horizont. Die gelbe Sonne mit einem leicht rötlichen Stich war gerade erst aufgegangen. Der Tag dauerte hier nur zwanzig Stunden. Auch die Jahreszeiten waren kürzer als auf der Welt gewohnt, auf der sie gestartet waren und die eine starke Ähnlichkeit gehabt hatte mit Axarabor. Hier war alles ein wenig anders. Auch die Natur.

„Was sagen denn eigentlich die Ergebnisse von der Bodenuntersuchung?", fragte er scheinbar ins Leere hinein.

Die KI an Bord der Expansionseinheit, die mindestens für die nächsten Jahre sein Zuhause war, antwortete prompt:

„Der Boden ist sehr fruchtbar, wie erwartet."

„Insofern haben wir ja mit der Landauswahl Glück gehabt", meinte Gregor dazu.

„Sicherlich ist das meiste Land hier ungewöhnlich fruchtbar, belehrte ihn die KI prompt, „wie die Untersuchungsergebnisse der Scouts bereits vermuten ließen. Und wenn nicht, wäre es kein Problem, den Boden künstlich fruchtbarer zu machen.

„Ja, ich weiß!", behauptete Gregor Hansen seufzend.

Da hörte er ein Geräusch hinter sich: Sein Sohn David verließ gerade die Einheit. Er kam die fünf Stufen herab, die hoch zur geöffneten Außenschleuse führten.

Die Expansionseinheit sah jetzt aus wie ein ziemlich futuristisch gebautes großes Haus. Aber Gregor Hansen wusste, dass man das auch rückgängig machen konnte. Falls es wider Erwarten Probleme geben würde in dem Gebiet, das man in Anspruch genommen hatte, konnte man wieder die Einheit flugfähig machen und einen Standortwechsel vornehmen.

Zwar waren auf dieser Welt fünfhundert Expansionseinheiten insgesamt nieder gegangen, aber was war das schon, wenn man den Platz einer ganzen Planetenoberfläche zur Verfügung hatte? Selbst Millionen von Expansionseinheiten hätten hier niedergehen können, ohne sich jemals gegenseitig ins Gehege zu kommen.

Gregor Hansen sah in die Richtung, in der die Sonne untergehen würde, also gen Osten. Aber egal, in welche Richtung er seinen Blick richtete: Er konnte mit unbewaffnetem Auge gar keine der nächstgelegenen Expansionseinheiten sehen. Wenn sie sich gegenseitig besuchen wollten, dann benötigten sie ihre mitgeführten Gleiterfahrzeuge. Zu Fuß würde es zu mühsam und zeitraubend werden.

Der zehnjährige David zupfte an seinem Rockzipfel.

Gregor Hansen wandte sich ihm zu.

„Mir ist langweilig!", beklagte sich David.

Gregor Hansen verzog das Gesicht. Er wusste gar nicht, wie er darauf reagieren sollte. Er war schließlich Militärberater und hatte nie gelernt, mit Kindern umzugehen. Noch nicht einmal mit seinen eigenen. Wieso wandte sich David denn nicht an seine Frau Ellie, die darin jahrelange Erfahrung hatte?

Ihre Blicke begegneten sich, und da wurde ihm schlagartig bewusst, wie sehr und vor allem wie unwiderruflich sich alles geändert hatte. Nicht nur für ihn, sondern für die ganze Familie. All die Jahre war er mit seinem Job beschäftigt gewesen. Seine Familie war sozusagen nebenbei mitgelaufen. Ellie hatte sich ja gekümmert. Und jetzt war er voll integriert in die Familie. Rund um die Uhr. Da gab es keinen Job mehr, der ihn anderweitig in Anspruch nahm und notfalls auch mal als Ausrede herhalten konnte.

Hatten sie das wirklich ausreichend durchdacht, was dies alles für sie bedeuten würde?

Die Kinder waren ja kaum gefragt worden. Auch sie hatten schließlich alles aufgeben müssen, was bisher gewesen war. Ihre Freunde, die gewohnte Umgebung...

Bei Setna, dachte er bestürzt, und inzwischen sind für die Zurückgelassenen über achtzig Jahre vergangen. Die meisten werden sowieso gar nicht mehr leben. Selbst wenn wir dorthin zurückgekehrt wären mit dem Siedlerschiff, das sich inzwischen auf den Weg gemacht hat... Nichts würden wir so antreffen, wie wir es verlassen haben.

Er strich mehr unbewusst seinem zehnjährigen Sohn über den Kopf und hörte sich murmeln:

„Ich langweile mich auch!"

Denn das war die unbeschönigte Wahrheit. Sie hatten hier ein relativ großes Gebiet in Beschlag genommen, doch eigentlich hatten sie nichts zu tun. Seine Kenntnisse und Fertigkeiten als militärischer Berater waren hier und heute null und nichtig geworden, und so alt war er noch nicht, dass ihm das nichts ausgemacht hätte. Die Zeit, die er im Kryoschlaf verbracht hatte, konnte man ja nicht rechnen.

„Ja, ich mich auch!", betonte er.

David sah ihn überrascht an. Er gewahrte es erst, als ihre Blicke sich wieder begegneten.

––––––––

3

Ellie rief von der offenen Schleuse her, die nun ihr Hauseingang war:

„Kommt ihr beiden? Essen ist fertig!"

Sie wandten sich ihr zu.

Ellie strahlte über das ganze Gesicht.

„Ich habe selber gekocht!", verkündete sie fröhlich.

Gregor und sein zehnjähriger Sohn warfen sich einen bedeutsamen Blick zu. Dann tat Gregor ganz so, als würde er sich jetzt auf das Essen ganz besonders freuen, obwohl er überhaupt keinen Appetit verspürte.

Die Tatsache, die ihm jetzt erst mit aller Härte bewusst geworden war und die sich nicht mehr länger leugnen ließ, geschweige denn, dass man auch nur das Geringste daran noch ändern konnte, lag ihm schwer auf dem Magen:

„Dies alles ist für immer und ewig! Zumindest bis zu meinem unabwendbaren Lebensende irgendwann. Jeder Tag wird ablaufen wie vorbestimmt. Alles Bisherige ist für immer verloren!"

Er wusste im Nachhinein nicht mehr, ob er das wirklich nur gedacht oder sogar laut ausgesprochen hatte. Wenn er den erschrockenen Gesichtsausdruck seines Sohnes berücksichtigte, dann hatte er es zumindest vor sich hin gemurmelt.

Nur Ellie hatte es nicht mehr mitbekommen, weil sie sich abgewandt hatte.

Vater und Sohn stiegen Hand in Hand in ihr Haus hinein, das vor nicht allzu langer Zeit immerhin die Strecke vom Mutterschiff bis hierher geflogen war, was man ihm jetzt irgendwie nicht mehr ansehen konnte.

––––––––

4

Die Familie rund um den Esszimmertisch. Eine Idylle. Eigentlich. Gregor Hansen lächelte dazu, aber es war ein aufgesetztes Lächeln. Gut, dass die Familie nicht seine pessimistischen Gedanken lesen konnte.

Er erinnerte sich daran, wie es zu allem gekommen war: Seine Ellie. Er sah sie an, lächelte stärker. Sie lächelte zurück. Die schlanke, blonde Ellie. Als er sie kennengelernt, als er zum ersten Mal dieses überwältigende Gefühl in seiner Brust gespürt hatte... Das war Liebe. Davon war er bis heute überzeugt. Und obwohl einige Jahre seitdem vergangen waren, hielt er sie immer noch für eine Schönheit. Sie war einfach nur reifer geworden.

Eigentlich war sie ein fröhlicher Mensch, immer zu Scherzen aufgelegt, immer bemüht, in allem das Positive zu sehen. Im Gegensatz zu ihm. Er war nicht umsonst militärischer Berater geworden. Ein Stratege durch und durch. Da konnte man sich keine Fröhlichkeit leisten.

Ellie war immer und überall beliebt gewesen, obwohl sie eine ziemlich dominante Persönlichkeit hatte und ihre Entscheidungen durchaus resolut durchzusetzen vermochte. Es war letztlich ja sowieso ihre Idee gewesen, sich dem Siedlerprogramm anzuschließen. Hatte er eigentlich jemals die Wahl gehabt, sich anders zu entscheiden?

Genauer betrachtet: Nein! Aber es hatte ihm nichts ausgemacht. Die ganze Zeit über nicht. Er hatte sich die Schwärmereien Ellies angehört, genauso wie die Kinder. Er hatte sich davon mitreißen lassen – eben genauso wie die Kinder. Keiner hatte sich bewusst dafür entschieden. Sie hatten sich der Entscheidung Ellies im Grunde genommen nur gebeugt.

Sein Blick ging zu David hin. Der Zehnjährige hatte noch nicht so ganz begriffen, in was sie sich hier eingelassen hatten. Er war erst zehn Jahre alt, und die Tests, die natürlich mit einem entsprechenden Training und noch mehr theoretischer Ausbildung verbunden gewesen waren, hatten ihm keine Zeit zum Nachdenken gelassen.

Cora, die Vierzehnjährige. Mitten in der Pubertät. Sie wirkte irgendwie verbittert, aber wirkten nicht die meisten Teenager so, wenn sie sich nicht gerade unter Ihresgleichen befanden? Es war nicht klar, was sie über alles dachte. Bis jetzt hatte sie sich noch nicht offen beklagt. Eigentlich hatte das nur David getan, indem er sich darüber beschwert hatte, sich zu langweilen.

Sein Blick fiel auf Sybille. Die Sechzehnjährige war nicht so schlank wie Cora oder ihre Mutter. Sie war schon immer ein wenig mollig gewesen, aber das passte zu ihr. Niemand konnte sich vorstellen, dass Sybille anders hätte aussehen sollen. Eine hübsche Mollige, die natürlich altersgemäß in erster Linie Interesse an irgendwelchen Jungs hatte.

Gab es hier überhaupt Jungs?

Natürlich, denn bei immerhin insgesamt zweieinhalb tausend Siedlern war sicherlich der eine oder andere mit dabei, an dem sie verstärkt Interesse gehabt hätte – und sicherlich auch umgekehrt. Dafür durften sie sich jedoch nicht allzu sehr abkapseln von allen anderen. Bis jetzt hatten sie noch keinen anderen Siedler zu Gesicht bekommen, seit sie die Expansionseinheit betreten hatten, die nun ihr Zuhause geworden war.

Endlich setzte sich auch Ellie an den Tisch. Sie war mit allem zufrieden und wünschte ihrer Familie einen guten Appetit.

Wenigstens einer in der Runde, der glücklich und zufrieden ist!, dachte Gregor ketzerisch und griff stumm nach dem Essbesteck.

––––––––

5

„Die Schmittgens haben uns eingeladen", verkündete Ellie nach dem Essen, noch bevor sie mit dem Abräumen begonnen hatte.

Nur Sybille zeigte Interesse. Gregor erinnerte sich: Hatten die Schmittgens nicht einen achtzehnjährigen Sohn? Mit seinen achtzehn Lebensjahren war er hart an der Altersgrenze gewesen. Ein viertel Jahr älter und die Familie der Schmittgens wäre keine Familie mehr nach vorgeschriebenem Muster gewesen.

Scheiße, fuhr es ihm durch den Kopf: Pech gehabt, dass wir haargenau in dieses Muster gepasst haben.

Und: Ich habe meinen gut dotierten Job aufgegeben, nur um hier für den Rest meiner Tage zu versauern. Der Familie zuliebe. Nein: Ellie zuliebe.

Er liebte sie. Nicht weniger als am ersten Tag. Eher mehr. Und wenn Ellie Bock darauf hatte, sich am Siedlerprogramm zu beteiligen, wie hätte er da auch nur in Erwägung ziehen können, nein zu sagen?

Er schüttelte den Kopf, wie um einen Alpdruck los zu werden.

„Für wann?", fragte er.

„Für morgen!, erläuterte Ellie strahlend. „Zum Mittagessen.

„Wir alle?"

„Aber natürlich, Schatz, was denkst du denn? Soll ich etwa allein hin gehen oder nur die Kinder mitnehmen? Und du? Willst du allein hier zurückbleiben, um die Stellung zu halten? Nein, Schatz, ich denke schon, es ist Zeit, dass wir untereinander persönlichen Kontakt aufnehmen."

„Haben wir doch schon. Jede Expansionseinheit hängt am Netzwerk, jederzeit, ohne die geringste Unterbrechung. Wir sind eine unverbrüchliche Gemeinschaft."

„Aber doch nicht persönlich, Dummerchen!, tadelte Ellie ihn gutmütig. „Auge in Auge ist besser, wenn du verstehst, was ich meine.

Er zuckte gleichmütig die Achseln.

„Na gut, wieso eigentlich nicht? Aber wir sollten uns allmählich überlegen, wie wir überhaupt an die Sache herangehen sollen."

„An welche Sache?", wunderte sich Ellie.

„Na, ich meine, wir sitzen hier eigentlich nur dumm herum."

„Das stimmt nicht, Gregor: Die Kinder haben ihre individuellen Schulungsprogramme. Bildung ist nach wie vor wichtig."

„Wofür?, wunderte sich jetzt Gregor. „Um am Ende besser beobachten zu können, wie die Maschinen alle Arbeit erledigen? Alles, was man wissen und können muss, wissen und können wir bereits. Das war die Voraussetzung gewesen, um überhaupt hierher kommen zu dürfen.

„Muss ich dir das jetzt wirklich erklären, dass wir auch in Zukunft unsere Kultur hoch halten müssen? Damit wir nicht in einen Zustand der Primitivität zurück fallen?", regte sich auf einmal Ellie auf.

Die Kinder duckten sich unwillkürlich. Sie wagten nicht, sich an dem Gespräch zu beteiligen.

Fürchteten sie den ersten Familienstreit seit der Landung?

Nein, kein Streit!, nahm Gregor sich vor. Ellie hatte hier das Sagen. Es war im Grunde genommen ihr Team, die ganze Familie. Er war nur so eine Art Mitläufer geworden im Laufe der Jahre. Wann immer er die Zeit aufgebracht hatte, um daheim zu sein, und das war insgesamt gesehen nicht gerade viel Zeit gewesen, wenn er ehrlich war.

Er beschwichtigte sie mit erhobenen Händen.

„Du hast mich missverstanden, Ellie, behauptete er. „Ich habe mir nur gedacht: Wir haben den Gleiter, ohne ihn bis jetzt richtig benutzt zu haben. Damit sollten wir einen kleinen Trupp bilden, der die Umgebung erkundet.

„Umgebung erkunden?, echote sie nachdenklich. Dann nickte sie. „Du meinst, du willst einfach mal in der Gegend herumfahren, um unsere neue Welt genauer in Augenschein zu nehmen?

„Genau das meine ich!", bestätigte er erleichtert.

Prompt strahlte Ellie wieder:

„Aber wieso hast du das denn nicht gleich gesagt, Schatz? Aber du willst das doch nicht etwa allein machen?"

„Natürlich nicht. Gregor sah nach den Kindern. „Wer von euch hat Lust darauf, mich zu begleiten?

Die Mädchen verzogen nur die Gesichter, ohne zu antworten. David hingegen zeigte sich begeistert:

„Jawohl, ja, ich bin dabei."

„Es ist vielleicht nicht ganz so ungefährlich!", gab Gregor zu bedenken.

„Wie bitte?, rief Ellie alarmiert. „Wie meinst du das?

„Nun, ich will natürlich nach außerhalb der Absperrung. Da gibt es wilde, unberührte Natur und sicherlich auch irgendwelche Urtiere, die uns als unliebsame Eindringlinge betrachten."

„Du wirst doch wohl bewaffnet sein!, rief Ellie aus. „Und ist der Gleiter nicht gepanzert?

„Natürlich ist er das. Gegor gelang ein befreiendes Lachen. „Nur keine Bange, so war das doch gar nicht gemeint. Wir werden sowieso nur dann den Gleiter verlassen, wenn wir uns vorher hundertprozentig davon überzeugt haben, dass es keine Gefahr gibt. Und mit den technischen Möglichkeiten des Gleiters können wir Bodenproben untersuchen, aber auch Pflanzenproben. Außerdem können wir natürlich die erkundete Gegend kartographieren lassen, was sicherlich von Nutzen wäre. Und außer den wenigen Tieren, die von den Scouts beobachtet worden sind, gibt es sicherlich noch jede Menge weitere, die von denen nicht erfasst wurden.

„Klingt spannend!, bestätigte Ellie und sah nach David. „Was meinst du denn dazu?

„Ich sagte doch schon, Mama, dass ich mit dabei sein will."

„Ist ja schon gut. Und wann wollt ihr aufbrechen?"

Gregor schürzte die Lippen.

„Am besten jetzt gleich?"

„Aber vergiss nicht, eine Handfeuerwaffe mitzunehmen, für alle Fälle!"

„Klar, ich werde sie nicht vergessen."

„Ich will auch eine haben!", meldete sich der zehnjährige David prompt.

„Nein, antwortete Ellie streng. „Dafür bist du noch zu klein.

„Aber ich wurde an der Waffe ausgebildet, wie alle. Es gehörte mit zum Programm", protestierte David empört.

„Trotzdem bist du noch zu jung dafür!", blieb Ellie konsequent.

David wandte sich an seinen Vater, doch dieser zuckte nur bedauernd die Achseln.

Missmutig stand David auf.

„Also gut, dann ohne Waffe. Hauptsache, es geht mal hier hinaus, ehe die Langeweile mich killt."

„Langeweile?", meinte Ellie erschrocken.

Gregor winkte beruhigend ab.

„Ach was, Schatz, du weißt doch, wie das ist mit zehnjährigen Jungs: Die brauchen halt ein wenig mehr Action. Und eigentlich geht es mir nicht viel anders. Obwohl eine solche Exkursion ja nicht umsonst ist. Wir müssen ja irgendwie diese Welt als unsere eigene in Besitz nehmen. So richtig, meine ich. Das können wir wohl kaum, indem wir nur zuhause herumsitzen."

„Es ist doch ein sehr schönes Zuhause!", betonte Ellie prompt.

„Natürlich, mein Liebling, das ist es. Vor allem, da du dich selbst um alles kümmerst. Aber das heißt ja nicht, dass wir niemals mehr nach draußen gehen sollen."

„Und es bleibt dabei, dass wir für morgen die Einladung der Schmittgens dankend annehmen, zum gemeinsamen Mittagessen?", vergewisserte sie sich noch.

„Ja, natürlich, Liebes. Bei dieser Gelegenheit werde ich einmal die Schmittgens persönlich fragen, wieso wir noch immer nicht den Namen unserer neuen Heimatwelt geändert haben. Die heißt jetzt immer noch EXPANSIONSWELT. Alle wollten doch eine vernünftige Änderung, und wieso klappt es nicht?"

„Weil jeder einen anderen Namen als Vorschlag eingebracht hat und keiner zurückstecken will!", belehrte Ellie ihn.

„Vielleicht deshalb, weil wir uns niemals persönlich begegnen, sondern immer nur virtuell?", vermutete er.

„Das kann es sein, Schatz. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir dieser Einladung folgen werden."

Gregor nickte nur dazu, stand jetzt ebenfalls auf und ging mit seinem Sohn hinaus, um den Gleiter aus dem Hangar zu holen.

––––––––

6

Der Planet hatte ausgedehnte Urwälder, teilweise Wüsten und Einöden, himmelhohe Gebirge und abgrundtiefe Täler. Zweidrittel waren von Wasser bedeckt. Dazwischen gab es jene Gebiete, in denen Sträucher, Büsche und alle Arten von sogenanntem niedrigen Gehölz dominierten. Nur diese Gegenden waren den Scouts als geeignet erschienen, sie zur Besiedlung zu benutzen.

Die Urbanisierung war hier halt unproblematisch, der Untergrund trotzdem überaus fruchtbar. Theoretisch hätten hier bei der großzügigen Verteilung der Expansionseinheiten hunderttausende Gebiete landwirtschaftlich erschlossen werden können. Jedes der Gebiete konnte so groß sein, dass man zu Fuß mindestens einen Tag benötigte, um es zu durchqueren. Letztlich waren es aber nur fünfhundert geworden. Also gab es noch jede Menge Potenzial für Wachstum.

Zum hier erprobten Konzept gehörte auch der Grundsatz: Alle Anfangsbedingungen waren gleich! Es gab keinerlei Hierarchie. Jede einzelne Familie war autark und in erster Linie sich selbst verpflichtet. In zweiter Linie der Gemeinschaft, bei der es kein Oberhaupt gab. Eben keine Hierarchie. Der ununterbrochene Kontakt über das Netzwerk sollte dafür sorgen, dass trotzdem eine starke Gemeinschaft daraus erwuchs.

„Theoretisch!, sagte Gregor Hansen seinem zehnjährigen Sohn unterwegs. „Ja, theoretisch sollte es funktionieren, nach dem Motto: Alle sind gleich. So hast du das ja auch bei den Vorbereitungen gelernt.

David lächelte stolz:

„Ja, alle Menschen sind gleich – und keiner sollte über das Schicksal eines anderen bestimmen dürfen!"

Das war das Grundmotto gewesen, das dieses Programm von Anfang an begleitet hatte. Natürlich hatten nur solche sich diesem Programm anschließen wollen, die diesen Grundsatz ohne Skepsis teilen konnten.

Mindestens jedoch mit einer einzigen Ausnahme, wie Gregor Hansen definitiv wusste: Er selber nämlich!

Er als militärischer Berater ging von völlig anderen Voraussetzungen aus, was menschliches Zusammenleben betraf: Fünfhundert autarke Einheiten, jede einzelne zwangsläufig bewaffnet, um ausreichend sicher zu sein gegenüber den möglichen Gefahren dieser urzeitlichen Welt. Und keiner hatte das Sagen?

Seine ketzerischen Gedanken:

Dabei gibt es sogar schon innerhalb jeder einzelnen Familie eine deutlich erkennbare Hierarchie. Sogar in meiner eigenen, wobei ganze klar Ellie das Oberhaupt ist und ich höchstens... der Berater.

Wenn es hart auf hart kommen sollte, was zumindest er allein nicht völlig ausschließen konnte, würde er wenigstens als brauchbarer militärischer Berater taugen. Erst dann würde es sich erweisen können, dass sein Hiersein nicht ganz so sinnlos war, wie er es bisher noch empfand.

„Ein guter Gedanke!, lobte er indessen seinen Sohn. „Es geht zwar an der wahren Natur des Menschen meilenweit vorbei, aber immerhin...

Irritiert betrachtete David ihn von der Seite. Er versuchte wohl zu verstehen, was sein Vater damit meinte, kam jedoch nicht dahinter.

Gregor beschloss, das Thema nicht weiter zu vertiefen, um seinen Sohn nicht noch mehr zu überfordern. Er deutete nach draußen. Die Panoramascheiben zeigten einen guten Rundumblick. Die Bildgeber in der Steuerkonsole unterstützten dies auch noch. Bei Bedarf konnte er die Bilder auf die Scheiben projizieren, so dass beispielsweise bei einem starken Zoomeffekt der Eindruck entstehen konnte, sich direkt vor dem zu betrachtenden Gebiet zu befinden.

Bis jetzt sahen die beiden jedoch nur das Ergebnis dessen, was die Expansionseinheit bereits geleistet hatte, und das war wahrhaft enorm: Es würde wohl nicht mehr lange dauern, bis sie die erste Ernte einfahren konnten.

Vielleicht überlegten sie sich dann, eine Endfertigungsanlage für Lebensmittel aller Art zu bauen, die aus den Ernteergebnissen jedwede Lebensmittel nach Wunsch erzeugen konnte? Aber wahrscheinlich würde Ellie dagegen sein. Sie wollte keine „künstlich verarbeiteten" Lebensmittel, sondern Natur pur.

Gregor war zwar anderer Meinung, weil jeglicher künstlicher Anbau für ihn bereits alles andere als Natur pur war, aber er enthielt sich lieber dieser Meinung, um des lieben Friedens innerhalb der Familie willen. Er neigte nur insgeheim eher zu der Ansicht, gezielt nach Essbarem in der Wildnis suchen zu müssen. Wenn man es fand, ja, dann konnte man mit Fug und Recht die Umschreibung Natur pur benutzen. Aber doch nicht nach intensiver Landwirtschaft, wie sie hier quasi vollautomatisch erfolgte...

Er schüttelte in Gedanken daran den Kopf und freute sich schon auf das Ende des abgesteckten Gebietes, das ihnen allein gehören sollte. Immerhin ein Gebiet, das zu durchqueren tatsächlich einen ganzen Tag Fußmarsch bedeutet hätte. War das nicht großartig?

Seine Frau Ellie würde begeistert mit einem klaren Ja antworten. Er selber jedoch...

Ein Seitenblick auf seinen kleinen Sohn David, der ihn mit großen Augen beobachtete. Versuchte er immer noch zu begreifen, was sein Vater ihm eigentlich hatte mitteilen wollen?

Gregor lächelte ihn an. Er wusste, dass es sinnlos war, auch nur einem Mitglied seiner Familie erklären zu wollen, dass dieses Prinzip der Gleichheit aller Menschen noch niemals in der Geschichte der Menschheit wirklich funktioniert hatte. Es wäre hier und heute das erste und einzige Mal gewesen. Glaubte zumindest er allein von immerhin zweieinhalbtausend neuen Siedlern.

Konnte es denn sein, dass er sich als Einziger irrte?

Gut möglich, denn immerhin waren anscheinend alle anderen gern auf diesen Zug aufgesprungen, weil es ihrem Charakter und ihren natürlichen Bedürfnissen entsprach. Immerhin war das bei jedem einzelnen überprüft worden vor der Abreise, und jeder von ihnen war als geeignet eingestuft worden.

Andererseits: Die Testanordnungen hatten auch ihn selber als geeignet eingestuft, sonst wäre er hier niemals gelandet, und er wusste selber am besten, wie falsch das war.

Er war ja nur hier wegen Ellie. Ja, natürlich auch wegen der drei Kinder. Obwohl er immer noch nicht so recht wusste, wie er mit ihnen umgehen sollte, in seinem neuen Vollzeitjob als Vater auf Lebenszeit.

Ein erneuter Blick zu David.

Nun, vielleicht half ihm ja der Kleine, zu lernen, was er dafür benötigte? Immerhin hatte er sein Vertrauen gewinnen können. Sonst wäre David nicht hier bei ihm sondern genauso wie seine Schwestern lieber bei seiner Mutter?

Da hatten sie die Absperrung erreicht.

Eigentlich war sie fast unsichtbar. Im Abstand von fünfzig Metern steckten niedrige Pillars in der Erde, die sich per Impulsen miteinander verbunden hatten. Sobald ein solcher Impuls unterbrochen wurde, gab es in der Expansionseinheit einen entsprechenden Alarm. Die betreffende Stelle wurde über die Pillars zusätzlich kameraüberwacht und zeigte den Grund der Störung, unterstützt mit entsprechender Feinortung, die dann erst in Gang gesetzt wurde.

Das ging alles blitzschnell, so dass ein etwaiges Urtier als Eindringling innerhalb von Sekundenbruchteilen zweifelsfrei erkannt werden konnte. Mit gezielten Stromstößen wurde der ungebetene Eindringling dann zur Flucht bewegt. Je größer er war, desto intensiver der Beschuss, der zwar schmerzte, aber keinerlei Verletzungen hinterließ. Man wollte die hier heimischen Tiere ja nicht ausrotten, sondern nur fern halten.

Soviel dann noch zu „Natur pur!", dachte Gregor zerknirscht – und freute sich schon auf fremdartiges Urgetier. Vielleicht war das ja die Aufgabe, die er noch brauchte, um auch nur annähernd klar zu kommen mit seiner ansonsten eher unerträglichen Situation hier auf EXPANSIONSWELT?

––––––––

7

Für den Gleiter war es kein Problem, bei dem niedrigen Bewuchs voran zu kommen außerhalb der Umgrenzung. Gerade weil dieser so dicht war, konnte der Gleiter knapp darüber hinweg schweben und hinterließ kaum Spuren. Schon nach wenigen Metern Abstand begannen die leicht niedergedrückten Pflanzen sich wieder zu erholen. Hier konnte auch einer der größeren Saurier durch trampeln, ohne unbedingt Spuren zu hinterlassen, die länger sichtbar blieben.

Gregor Hansen fühlte, dass sein Herz im schier bis zum Hals pochte. Irgendwie war er jetzt ganz in die Rolle des Eroberers geschlüpft. Das unberührte Land, das noch niemand in Besitz genommen hatte, erzeugte so etwas wie Erregung in ihm. Er war schließlich der allererste Mensch, der diese Natur berührte, wenn auch nur an Bord eines Gleiters. Der Wunsch in ihm wurde übermächtig, seinen Gleiter zu stoppen und hinaus zu steigen, um dieses Erlebnis hautnah zu spüren.

Letztlich hielt sich genügend Vernunft in ihm, die ihn von einem solchen Schritt abhielt. Vorläufig zumindest.

Erst als er genügend Abstand hatte zu seinem eigenen Gebiet, stoppte er den Gleiter. Sein Sohn und er bewunderten die Rundumsicht auf diese urtümliche Umgebung. Auf den ersten Blick gesehen war der Boden wie mit einem dicken, grünen Teppich bedeckt, doch dieser Teppich war nicht durchgehend grün. Abweichungen erkannte man erst beim zweiten Blick. Da waren unzählige Farbtupfer in sämtlichen Schattierungen des Spektrums. Eine enorme Pflanzenvielfalt, wie Gregor Hansen sie noch niemals zuvor gesehen hatte, nicht einmal auf Bildern, wenn er ehrlich war.

Sicherlich auch deshalb nicht, weil es ihn noch nie sonderlich interessiert hatte. Deshalb war er auch außerstande, die Pflanzen auch nur annähernd klassifizieren zu können. Das musste er ja auch gar nicht, dafür hatte er ja seine Technik an Bord. Er brauchte es nur zu wollen, brauchte nur den entsprechenden Knopf zu drücken oder per Sprachbefehl an die Bord-KI seinen Wunsch zu äußern. Genau das, was er jetzt tat. Und schon lief die Analyse.

„Wo sind die Insekten?", fragte in diesem Moment David erstaunt.

Gregor sah ihn irritiert an.

„Insekten?"

Erst dann begriff er. David hatte ja recht: Eigentlich hätte es hier riesige Schwärme von irgendwelchen Insekten geben müssen, aber genau diese fehlten.

Instinktiv regulierte Gregor die Außenmikrophone höher.

Dort draußen herrschte eine geradezu gespenstische Stille. Ganz ohne Insekten? Zumindest gab es keine, die flogen, aber auch keine Grillen oder ähnliches Getier, das Geräusche erzeugte.

Totenstille!

Als sei diese Welt längst gestorben und dies alles, was sie mit eigenen Augen sahen, nur billige Kulisse, genauso tot wie der Rest.

Aber genau das konnte doch gar nicht sein.

Oder?

Das erste Ergebnis der Untersuchung kündigte sich mit einem lauten Pington an, der beide erschrocken zusammenzucken ließ.

Gregor regulierte die Außenmikrophone wieder zurück. Falls jetzt irgendwelche Geräusche außerhalb entstanden, dann würden sie diese genauso hören, als würden sie sich selber außerhalb befinden.

Überrascht kontrollierte Gregor das Untersuchungsergebnis: Da war zwar keine einzige Pflanzenart, die bereits bekannt war, aber diese Pflanzen lebten ganz offensichtlich. Sie waren keineswegs tot, wie er kurz angenommen hatte. Zumindest traf dies auf eine Fläche von über fünf Metern im Durchmesser zu. Es war kaum anzunehmen, dass es außerhalb dieser Zone anders war.

Dieses kleine Stückchen Natur hatte nach erstem Ergebnis immerhin eine pflanzliche Artenvielfalt, die in die Tausende ging. Also tausende von Pflanzenarten auf engstem Raum, aber keinerlei tierisches Leben?

Gregor wartete auf das Ergebnis der Bodenproben: Wie sah es unterhalb der Oberfläche aus? Gab es dort mehr als nur das Wurzelwerk der Pflanzenvielfalt von oberhalb?

Das Ergebnis ließ ein wenig länger auf sich warten. Und dann lag es vor:

Das Wurzelwerk war vorhanden. Es reichte mindestens einen Meter in die Tiefe. Eigentlich bestand der ganze Boden in erster Linie aus Wurzelwerk, wenn man so wollte.

Gregor Hansen runzelte die Stirn und dachte nach:

Die Expansionseinheit hatte das vorhandene Gestrüpp gerodet und dabei so etwas wie Dünger daraus gewonnen. Mikroorganismen, die als schädlich oder auch nur als unbekannt in ihrer Wirkung auf die beabsichtigte Landwirtschaft eingestuft worden waren, hatte die Expansionsautomatik eliminiert. Alles andere hatte sie zugelassen.

Also war in dem urbanisierten Gebiet alles grundlegend umgewandelt worden. Die noch vorhandenen Mikroorganismen hatten sich an die für sie unbekannten, weil neu importierten Pflanzenarten angepasst und unterstützten sie beim Gedeihen. So war das von vornherein geplant gewesen, und alles sprach dafür, dass dieser Plan auch hundertprozentig aufgehen würde.

Expansionseinheit... Eine wahre Bezeichnung. Die Einheit landete und nahm zunächst nur genau die Stelle in Anspruch, die der Landung gedient hatte. Von hier aus war dann ein großes Gebiet mehr und mehr erobert worden. Die Expansionseinheit hatte expandiert, ja, im wahrsten Sinne des Wortes!

Und die ganze Welt nannte man EXPANSIONSWELT.

Weil sie genau das war, eben eine Expansionswelt.

Noch hielt sich die Expansion in Grenzen. Im Vergleich zur unvorstellbar großen Oberfläche eines ganzen Planeten waren die fünfhundert Gebiete trotz ihrer Einzelausdehnung eigentlich weniger als winzige Punkte auf einer riesigen Karte. Auf diese Weise war EXPANSIONSWELT in keiner Weise erobert. Das mussten sie aktiv selber tun. Sie mussten ihre Gebiete verlassen, vorzugsweise mit ihren gepanzerten Gleitern, und hinaus streben, in die schier endlosen Weiten dieser Welt, um sie zu erforschen und letztlich vielleicht sogar... zu verstehen.

Wie war denn zum Beispiel zu verstehen, dass es hier keinerlei Insekten gab? Weder fliegende noch irgendwelche, die am Boden krabbelten? Noch nicht einmal im Boden selber? Geschweige denn Würmer, Raupen oder Ähnliches?

Gregor versuchte sich zu erinnern, was die Scouts an Informationen hinterlassen hatten. Sie hatten von Insekten gesprochen, allerdings nur im Zusammenhang mit den undurchdringlich erscheinenden Dschungelgebieten. Dort war wiederum alles völlig anders als in Ebenen wie dieser hier. Sicherlich gab es in den Einöden, in den Wüsten und auch in den gebirgigeren Gegenden wiederum eine andere Art von Natur. Alles, was man hier feststellen konnte, blieb auf hier begrenzt. Zunächst. Nichts davon konnte man auf die gesamte Welt übertragen.

Wie lange hatte denn jede intelligente Lebensform bislang und überall im Universum benötigt, um die eigene Welt, die sie hatte entstehen lassen, kennenzulernen? Manch eine Spezies hatte bis zu ihrem eigenen Untergang nicht einmal einen Bruchteil davon geschafft, hatte ihre Welt wieder für immer verlassen, ohne sie jemals wirklich gekannt zu haben.

Und sie hier, als Siedler im Rahmen eines neuartigen Besiedlungskonzeptes, das zunächst einmal nur experimentell durchgeführt wurde, hatten sich eingebildet, einfach nur eigene Gebiete in Besitz nehmen zu müssen, um diese Welt zu erobern, von der sie eigentlich... fast gar nichts wussten?

Gregor Hansen schüttelte erschüttert den Kopf und gratulierte sich selbst für den Entschluss, endlich Initiative zu ergreifen. Dabei war er der erste überhaupt, der diesen Schritt gewagt hatte. Er und natürlich sein kleiner Sohn David – und das mit zarten zehn Jahren.

Er schüttelte abermals den Kopf. Falls ein anderer schon vorher diesen Schritt unternommen hätte, dann hätte es jeder andere mitbekommen. Jeder andere wusste jetzt ja auch, dass Gregor Hansen unterwegs war im Gleiter, um die Umgebung zu erforschen.

Er hätte den Gleiter nicht einen Meter weit bewegen können, ohne alle anderen daran teilhaben zu lassen. Die Vernetzung war perfekt. Es gab keine Alleingänge. Sie waren so etwas wie ein Kollektiv. Zwar ohne jegliche aufgezwungene Ordnung, also ohne echte Hierarchie, aber jede Familie war jeder anderen Familie verpflichtet.

Nur innerhalb ihres jeweils eigenen Gebietes konnten sie relativ frei entscheiden. Im Rahmen des Agrarplanes natürlich, denn jetzt konnte keiner hingehen und einfach einmal die Art des Anbaus ändern. Die Expansionseinheiten waren perfekt programmiert. In dieses Programm einzugreifen wäre einem schweren Vergehen gleich gekommen. Und weil jeder auf jeden achtete, allein schon bedingt durch die totale, lückenlose Vernetzung, nahm man zwangsläufig gegenseitig Rücksicht.

Da benötigte man keine Führung, die irgendwelche Anweisungen möglicherweise sogar mit Gewalt durchsetzen würde. Das alles sollte sich von selbst regulieren. Das sogenannte freie Spiel der Kräfte, wie es von den Initiatoren genannt worden war.

Ein Experiment, wahrlich!, dachte Gregor im Stillen. War er denn wirklich der einzige Siedler hier, für den das Experiment schon jetzt zum Scheitern verurteilt war?

Dabei wusste er selber auch nicht, wie es von jetzt an gesehen weitergehen würde. Er hatte jedenfalls der Gemeinschaft gezeigt, dass er Eigeninitiative ergreifen konnte. Sonst wäre er jetzt nicht mit dem Gleiter hier draußen unterwegs. Und er ließ alle am Ergebnis der Proben teilhaben.

Dem Ganzen setzte er noch die Krone auf, indem er für alle hörbar verkündete, dass er sich nun doch sehr darüber wundere, dass dieses Gebiet hier völlig insektenfrei war.

Insekten innerhalb ihrer eigenen Gebiete waren ohnedies unerwünscht, vor allem, wenn es sich um welche handelte, die als einheimisch galten. Und die Expansionseinheiten hatten auch keine Insekten mitgebracht. Alles das, was Insekten für die Natur taten, um sie gesund zu erhalten, erledigten entsprechende Nanobots. Solche waren von der Expansionseinheit aus zentral steuerbar und hatten nicht nur von daher gesehen angeblich nur Vorteile. Zumal niemand befürchten musste, etwa von einem Insekt gebissen oder gestochen zu werden. Wenn es halt überhaupt keine Insekten gab...

Doch was hatte dies mit der eigentlich noch unberührten Natur hier draußen zu tun?

Gregor Hansen kam da so eine bestimmte Idee, und je weiter sich diese in ihm verfestigte, desto weniger begann sie ihm zu gefallen. Er fühlte sich auf einmal wie im Fieber und sah sich wie gehetzt um.

„Verdammt noch mal, kann es denn sein, dass vorher durchaus Insekten hier gewesen waren, aber dass diese Insekten..."

Er wagte gar nicht, es auszusprechen, sondern vollendete den Satz nur in seinem Kopf, als hätte er Angst davor, es könnte ihn jemand hören, obwohl er das Mikrophon ausgeschaltet hatte, das vorher seine Stimme zu allen anderen Siedlern getragen hatte:

...dass all diese Insekten versucht haben, in das urbanisierte Gebiet einzudringen, jedoch von der Abschirmung getötet wurden? Dann würde man nicht einmal Überreste finden können von ihnen, weil die Bots alles genauso verarbeiten würden wie vordem das Rodungsergebnis...

Daraus folgernd gab es jetzt nur noch eines: Er musste den Abstand zu seinem eigenen Gebiet, aber auch zu allen anderen Gebieten, die inzwischen urbanisiert waren, so weit vergrößern, bis er wirklich unberührte und vor allem unveränderte Natur vorfinden würde.

Er drückte den Beschleunigungshebel. Die Gleiter-KI brach automatisch die immer noch stattfindenden Untersuchungen ab, die lediglich der Kontrolle der ersten Ergebnisse gedient hatten.

Gregor Hansen sah auf die Standortanzeige. In der Karte war jedes Expansions-Gebiet eingezeichnet, das sich im Abstand zu seinem eigenen Gebiet befand. Die naturbelassenen Gebiete dazwischen waren auf jeden Fall insektenfrei. Soviel war wohl klar. Jetzt galt es, in Richtung der Berge davon zu gleiten, die sich beinahe fünfzig Kilometer von seinem eigenen Gebiet entfernt erhoben.

Ihre weiten Ausläufer waren eher karg, also weniger geeignet, um sie landwirtschaftlich zu nutzen. Also würde er dort tatsächlich ein sehr weiträumiges Gebiet vorfinden, das in keiner Weise von den Siedlern in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Hoffte er zumindest!

––––––––

8

„Bist du verrückt geworden?", tönte es aus dem Lautsprecher.

Klar, die meisten Siedlerfamilien waren auf seine Exkursion aufmerksam geworden und verfolgten sie aus sicherer Distanz in ihren Häusern, zu denen die Expansionseinheiten geworden waren.

War das nicht die Stimme von Schmittgen gewesen?

Gregor Hansen kannte den Mann ja nur flüchtig, obwohl sie unmittelbare Nachbarn waren. Wobei der Begriff unmittelbar hier sehr großzügig ausgelegt werden musste, weil es dazwischen ein kilometerweites quasi unberührtes Naturgebiet gab.

Nur ohne Insekten!, rief sich Gregor ins Gedächtnis zurück.

„Was ist los, Schmittgen?, antwortete er ruhig. „Was hast du denn für ein Problem?

„Ja, wieso warnt dich denn niemand anderes? Gregor Hansen, du kannst doch nicht einfach so weit nach draußen..."

„Gibt es irgendeine Regel, die dem widerspricht?", unterbrach ihn Gregor Hansen.

Er wusste schon längst, dass er diesen Kerl nicht ausstehen konnte. Das würde ja was werden, morgen beim gemeinsamen Mittagessen. Er hoffte doch sehr, dass er sich so weit beherrschen konnte, um diesem Schmittgen nicht zu zeigen, was er wirklich von ihm dachte. Wieso erdreistete der sich jetzt als einziger, ihn von seinem Vorhaben abhalten zu wollen? Meinte er denn, Einfluss auf seine Handlungen zu haben, nur weil sie zum Mittagessen eingeladen waren?

„Bitte, Gregor, höre mich an!", bat Schmittgen indessen.

Verdammt, wie hieß der noch mal mit Vornamen? Und wie hieß seine Frau? Gregor hatte es irgendwie vergessen, weil es ihn eigentlich bislang noch nicht interessiert hatte, wenn er ehrlich war.

„Ich höre doch schon!", gab er zurück.

„Es ist einfach leichtsinnig, ganz allein in die Wildnis hinaus zu gehen. Ich mache mir doch nur Sorgen um dich, ganz ehrlich."

„Ich bin ja nicht allein!", gab Gregor Hansen ruhig zurück.

„Wie denn nun? Wer ist denn noch bei dir?"

„Mein Sohn David. Zwar erst zehn Jahre alt, aber eine wichtige Stütze. Immerhin ist er außer mir der einzige Mensch auf dieser Welt, der es wagt, seine Komfortzone zu verlassen und sich auf fremdes Terrain zu begeben, und das im wahrsten Sinne des Wortes."

„Dein Sohn David?, echote Schmittgen erschrocken. „Du hast deinen kleinen Jungen mitgenommen, setzt ihn einer solchen Gefahr aus?

„Also, Schmittgen, einmal ganz ehrlich: Wenn wir wirklich alle annehmen, dass es zu gefährlich ist, unsere Gebiete zu verlassen, die von unseren Expansionseinheiten automatisch urbanisiert worden sind, dann sind wir als Siedler auf dieser Welt wohl eigentlich völlig fehl am Platz. Gehört da nicht auch zumindest rudimentär so etwas wie Abenteuerlust mit dazu? Wenn nicht, hätten wir eigentlich auch daheim bleiben können. Oder bist du da anderer Ansicht?"

„Bitte, Hansen, flehte jetzt Schmittgen, ernsthaft besorgt, wie es schien, und ohne auf die Worte Gregors einzugehen, „ich meine es wirklich nur gut: Wir sollten so etwas wie einen Stoßtrupp aufstellen. Freiwillige in ihren Gleitern. Da kann dann einer den anderen unterstützen, falls Gefahr drohen würde. Denke doch nur einmal an diese riesigen Saurier, die es hier gibt.

„Eher in den Dschungelgebieten, weniger in solchen Gebieten, in denen wir uns niedergelassen haben!, belehrte Gregor Hansen ihn. „Ich weiß deine Sorge sehr zu schätzen und werte sie als wirklich freundliche Anteilnahme. Ich werde auf jeden Fall die Gemeinschaft über alle Ergebnisse in Kenntnis setzen, in den entsprechenden Abständen.

War das nun diplomatisch genug gewesen von ihm?

Schmittgen jedenfalls ließ nicht locker:

„Und wenn die Funkverbindung abreißt? Dann kann euch noch nicht einmal jemand zu Hilfe eilen, falls es nötig wird. Bitte, Gregor Hansen, du handelst wirklich unüberlegt."

„Deshalb war ich ja auch militärischer Berater im bisherigen Leben, mein Lieber, weil ich unüberlegt handele!", gab Gregor Hansen voller Ironie zurück und schaltete einfach das Mikrophon aus.

Er zwinkerte David mit einem Auge zu.

David freute sich über die Abfuhr, die sein Vater diesem Schmittgen seiner Meinung nach verabreicht hatte. Dass dieser Schmittgen vielleicht sogar recht hätte haben können, darauf kam er gar nicht. Genauso wenig wie sein Vater Gregor Hansen selber.

Allerdings ließ Gregor Hansen jetzt nicht mehr die Anzeige aus den Augen, die ihm zeigte, ob die Funkverbindung mit dem bestehenden Netzwerk der Siedlergemeinschaft immer noch möglich war. Vielleicht sollte er doch in Betracht ziehen, die Funkreichweite nicht zu verlassen? Für alle Fälle?

Indessen flog der Gleiter mit unverminderter Geschwindigkeit weiter den ersten Ausläufern der Berge zu.

––––––––

9

Das Gebirgsmassiv, das sich über die Horizontlinie geschoben hatte, wurde mit jedem Kilometer, den sie sich näherten, beeindruckender. Und hier war die Landschaft immer noch wie bei der Landung angetroffen. Waren sie schon weit genug entfernt von den Expansionsgebieten, um die nächsten Proben zu nehmen?

Gregor Hansen entschied sich dafür, dies zu bejahen. Schmittgen hatte sich inzwischen nicht wieder gemeldet, aber auch sonst niemand. Sie warteten auf seine Mitteilungen. Aber bevor er welche absetzen konnte, musste er erst die Proben nehmen lassen.

Derweil kontrollierte er den Funkstatus. Noch war die Verbindung stabil. Ein paar Kilometer weiter wurde es wohl kritisch. Spätestens dann nämlich, wenn die besiedelten Gebiete hinter der Horizontlinie verschwanden. Es gab ja keine Satelliten, die eine Verbindung ermöglichten. Vielleicht noch eine Inversionsschicht viele Kilometer über ihren Köpfen, von der Funkwellen reflektiert wurden? Das käme auf den Versuch an.

Aber es musste ja nicht alles auf einmal erfolgen. Man konnte diesen Versuch auch vertagen.

Obwohl, wenn er nach draußen sah, in Richtung der mächtigen Gebirgskulisse, verspürte er so etwas wie Bedauern. Sollte er wirklich von hier aus wieder umkehren, um erst an einem anderen Tag weiter vorzudringen? Oder sollte er einfach noch ein paar Kilometer weiter vorstoßen, um das Risiko einzugehen, vielleicht die Verbindung mit den anderen Siedlerfamilien zu verlieren?

Zunächst einmal wollte er das Ergebnis abwarten der derzeitigen Untersuchungen. Wieso dauerten die so lange? Das war eindeutig länger als beim ersten Mal.

Einer inneren Eingebung folgend, drehte er die Außenmikrophone höher.

Da war sie, eine undefinierbare Geräuschkulisse, wie aus weiter Ferne. Nicht unmittelbar hier, wo sich der Gleiter befand? In welcher Richtung?

Eindeutig weiter in Richtung der Berge!

Jetzt brauchte Gregor Hansen nicht mehr zu überlegen, ob er dieses Risiko eingehen wollte. Und natürlich war es mit einem Risiko verbunden, obwohl sie bisher noch keine gefährliche Begegnung gehabt hatten.

Unterwegs hatte es überhaupt keine Tiere gegeben, also nicht nur keine Insekten, auch keine größeren Kalibers. Geschweige denn irgendwelche Saurier, die den Gleiter hätten attackieren können. Und wenn sie von hier aus näher an die Berge heran flogen? Würde sich das dann tatsächlich ändern?

Hier, wo sie sich befanden, war der Boden genauso dicht von unzähligen Pflanzenarten bedeckt wie näher an den urbanisierten Gebieten. Das würde sich in wenigen Kilometern also wohl ändern, wenn sie auf dieser Strecke weiter flogen.

Gregor Hansen wusste jetzt schon, dass ihn nichts und niemand davon abhalten konnte, das Wagnis einzugehen.

Und dann gab es das erste Ping als Ankündigung eines Ergebnisses:

Hier gab es wiederum fremdartige Pflanzen, auch welche, die bei der ersten Untersuchung gar nicht vorhanden gewesen waren. Dafür fehlten welche, die es dort gegeben hatte. Und vor allem gab es hier Insekten. In eher spärlicher Form, aber dennoch in großer Vielfalt. Sowohl fliegende als auch krabbelnde und kriechende Insekten wohlgemerkt.

Dann kam das Ergebnis der Bodenproben. Unterhalb des dicken Pflanzenteppichs wimmelte es nur so von Getier. Allerdings gewann man den Eindruck, als würde hier jedes einzelne Lebewesen gegen alle anderen kämpfen, um selber zu überleben. Es herrschte so eine Art Krieg, wenn man es genauer nahm. Die Opfer gingen allein in diesem kleinen Bereich von nur wenigen Metern Durchmesser in jeder Minute in die Tausende.

Das konnte doch unmöglich normal sein!

Aber was hatte dies alles denn ausgelöst? Etwa er mit dem Gleiter? Das erschien wenig einleuchtend.

Aber es gab auch eine andere Möglichkeit, die Gregor Hansen laut aussprach:

„Es gab nicht nur Insekten, die versucht haben, in die urbanisierten Gebiete einzudringen, als wollten sie verlorenes Land wieder zurückerobern, sondern auch welche, die vor der fremden Inbesitznahme geflohen sind! Hierher! Um auf die bereits vorhandenen Insekten zu treffen, die sich gegen diesen Ansturm von Flüchtlingen immer noch wehren..."

Insgesamt gesehen war unübersehbar, dass die Natur von EXPANSIONSWELT auf die Expansionseinheiten in einem ungeahnten Maße reagierte – und das auch noch viele Kilometer von den urbanisierten Gebieten entfernt. Ein Phänomen, von dem Gregor Hansen noch nie zuvor auch nur gehört hatte. Es waren doch schon so viele Welten besiedelt worden. Das Sternenreich von Axarabor war inzwischen schon ziemlich groß geworden. Wieso hatte es von keiner der besiedelten Welten Berichte gegeben, die solches beinhaltet hatten, was eindeutig hier und heute auf EXPANSIONSWELT geschah?

Oder hatte man diese Berichte einfach nicht ernst genommen, und deshalb war nichts davon in die Öffentlichkeit gelangt?

Gregor Hansen wusste es nicht. Er konnte auch niemanden fragen, denn zunächst einmal hatten sie von hier aus überhaupt keine Kontaktmöglichkeit mit Axarabor.

Zwar mussten sie nicht so lange warten, bis das Siedlerschiff, mit dem sie her gekommen waren, die Rückkehr geschafft hatte, denn vorher schon würde ein neues Scoutschiff hier auftauchen, um nach dem Rechten zu sehen, aber konnten sie es sich überhaupt leisten, so lange zu warten? War es nicht höchst angebracht, selber nach den Ursachen zu forschen?

Genauer gesehen, gab es nicht so etwas wie eine kollektive Intelligenz, die man dahinter vermuten konnte, sondern es war wohl eher so etwas wie eine Selbstregulierung der hier vorhandenen Natur. Die war halt anders strukturiert als auf anderen Welten. War das denn eigentlich nicht normal, dass sich die Natur auf einzelnen Welten unterschied, nicht nur in ihrer Artenvielfalt, sondern auch in ihren Strukturen?

So etwas wie eine Evolution gab es überall. Und auf einem urweltlichen Planeten wie EXPANSIONSWELT war diese Evolution vielleicht noch weitreichender als auf einer älteren Welt?

Gregor Hansen verfluchte es, dass er sich vor seiner Abreise mit solchen Dingen nicht intensiver beschäftigt hatte. Es hatte ihm genügt, was im Vorbereitungsprogramm gelehrt und was in den diversen Tests entsprechend abgerufen worden war. Ein fatales Versäumnis, wie er jetzt meinte.

Er teilte das Ergebnis der Untersuchung allen anderen mit. Die Verbindung war stabil. Die Übertragung funktionierte einwandfrei.

„Schmittgen hier!", hörte Gregor Hansen auf einmal.

Keiner hatte anscheinend Lust, das Ganze zu kommentieren, obwohl er anhand der Teilnehmerzahl sah, dass die meisten Siedlerfamilien waches Interesse an seiner Exkursion hatte. Wohl in erster Linie deshalb, weil es eine willkommene Abwechslung für jeden war. Und was wollte Schmittgen schon wieder?

„Tut mir leid!, sagte dieser prompt und für jeden anderen hörbar, der es hören wollte. „Ich sollte nicht den Eindruck erwecken, als wollte ich dich in irgendeiner Weise bevormunden, Gregor Hansen. Ich war wirklich nur in Sorge.

„Schon gut, Schmittgen, beruhigte ihn Gregor pflichtschuldig. „Ich bin nicht sauer auf dich, wenn du das meinst.

„Oh, deine Frau Ellie hat mir gründlich den Kopf gewaschen wegen meiner vorlauten Art, und sie hat ja im Grunde genommen recht."

„Du hast mit Ellie eine Unterhaltung geführt... über mich?", hakte jetzt Gregor alarmiert nach. Jetzt konnte wohl jeder andere mithören, aber das war ihm egal. Dieser Schmittgen hatte hinter seinem Rücken mit Ellie telefoniert? Das war auch möglich, ohne dass gleich jeder mithören konnte. Es gab so etwas wie eine Standverbindung, mit der beide Gesprächsteilnehmer einverstanden sein mussten.

„Ja, Ellie hat mich angerufen. Sie hat unser Gespräch mitbekommen."

Gregor dachte:

Und wieso hat sich dann Ellie nicht selber eingemischt? Sie hat sich einfach nur zurückgehalten, genauso wie jeder andere.

Schmittgen beeilte sich fortzufahren:

„Sie hat mir klar gemacht, dass du genau weißt, was du tust. Das stimmt doch, oder? Vor allem würdest du alles tun, um deinen Sohn zu beschützen."

„Da hat sie verdammt recht!, beeilte sich Gregor Hansen zu versichern. „Aber gut, Entschuldigung angenommen. Mach dir keinen Kopf, Schmittgen. Alles wird gut. Morgen sind wir ja zum Mittagessen verabredet. Da können wir ja noch einmal über alles reden, wenn du willst. Vielleicht hast du dann sogar Lust, mich beim nächsten Mal zu begleiten?

„Beim nächsten Mal?"

„Nun, ich bin durchaus der Meinung, dass wir alle solche Exkursionen unternehmen sollten. Die Gleiter haben zwar eine begrenzte Reichweite, aber damit können wir immer noch eine Menge mehr erfahren über unsere neue Heimat, als wir bereits zu wissen glauben. Meinst du nicht auch?"

„Nun, wir können ja morgen darüber reden", wich Schmittgen aus.

Was für ein Feigling!, dachte Gregor Hansen respektlos und war froh, als sich Schmittgen endlich wieder aus der Verbindung tastete.

Gregor Hansen sah hinaus, in Richtung Berge.

Ohne seinen Sohn anzusehen, der die ganze Zeit über erstaunlich ruhig war, fragte er ihn:

„Was meinst du, David? Sollen wir noch eine Stück weiter in Richtung Berge? Oder willst du schon umkehren?"

„Au, ja, weiter in Richtung Berge!", rief David begeistert und klatschte sogar auch noch in die Hände.

Gregor Hansen lachte erleichtert, sah es doch ganz danach aus, als sei David nach ihm geraten: Hatte ihn nicht dieselbe Abenteuerlust gepackt, um ihn nicht wieder so schnell loszulassen?

Ein Blick auf die Zeitanzeige. Ja, klar, ein paar Kilometer weiter gingen noch. Wenn sie dann zurückflogen, kamen sie immer noch bei Tageslicht an. Vielleicht gut so, denn es wusste eigentlich niemand, was in der Dunkelheit passierte, weil man sowieso nur so wenig über eine Welt wusste, die trotzdem zur eigenen Heimat geworden war.

––––––––

10

Mit hoher Geschwindigkeit sauste der Gleiter dahin, knapp über dem Pflanzenteppich, bis dieser Pflanzenteppich immer karger wurde. Löcher entstanden darin, aus denen nackter Felsen hervorragte.

Die Funkanzeige wurde rot. Für Gregor Hansen der Auslöser, die Geschwindigkeit zu drosseln, bis zum Stillstand.

Der Gleiter senkte sich auf den Boden, um auf den Hilfsrädern zum Stehen zu kommen.

Die Funkverbindung war abgebrochen. Hier bereits. Dabei waren die Berge noch viele Kilometer entfernt. Das Vorland war ziemlich karg, wie es den Anschein hatte. Nicht ganz ohne Bewuchs, aber dieser beschränkte sich mehr und mehr auf nur noch überschaubar große Flächen.

Laut Karte gab es einige Kilometer weiter östlich ein silbernes Flussband. Vielleicht war es angebracht, sich diesem Fluss zu einem späteren Zeitpunkt zu widmen? Vielleicht schwammen darin essbare Fische? Konnte sich denn außer ihm, Gregor Hansen, denn niemand vorstellen, sich zumindest zu einem Minimum dieser Welt anzupassen und sie nicht nur mit der mitgeführten Technik regelrecht zu vergewaltigen?

„Da!", rief

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. Registrieren Sie sich, um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Die Missionen 91-100 der Raumflotte von Axarabor denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen