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Sein Kind
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eBook170 Seiten2 Stunden

Sein Kind

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Über dieses E-Book

Traude Falkner kennt Lothar Hochberg schon von Kindheitstagen an und schwärmt auch seither ein wenig für ihn. So hätte sie eigentlich sehr glücklich sein sollen, als er um ihre Hand anhielt. Doch tat er dies vor allem, um seinem Vater aus einer schwierigen finanziellen Situation zu helfen – das weiß auch Traude. Und sie kennt zudem die Gerüchte über ein Verhältnis zwischen ihrem zukünftigen Gatten und der Gesellschafterin seiner Mutter. Hat ihre Ehe dennoch eine Chance?-
SpracheDeutsch
HerausgeberSAGA Egmont
Erscheinungsdatum2. Aug. 2021
ISBN9788726950342
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    Buchvorschau

    Sein Kind - Hedwig Courths-Mahler

    Hedwig Courths-Mahler

    Sein Kind

    Saga

    Sein Kind

    Coverbild/Illustration: Shutterstock

    Copyright © 1919, 2021 SAGA Egmont

    Alle Rechte vorbehalten

    ISBN: 9788726950342

    1. E-Book-Ausgabe

    Format: EPUB 3.0

    Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit der Zustimmung vom Verlag gestattet.

    Dieses Werk ist als historisches Dokument neu veröffentlicht worden. Die Sprache des Werkes entspricht der Zeit seiner Entstehung.

    www.sagaegmont.com

    Saga Egmont - ein Teil von Egmont, www.egmont.com

    Die Hochzeitstafel war vorüber.

    Das junge Paar stahl sich im Trubel des Aufbruchs von der Tafel heimlich hinweg, um sich für die bevorstehende Hochzeitsreise umzukleiden.

    Es blieb ziemlich unbemerkt, dass es sich entfernte.

    Die Braut drückte nur im Vorübergehen ihrem Vater die Hand und sagte: „Leb’ wohl, Papa, auf Wiedersehen!"

    „Auf Wiedersehen, mein Kind! Glückliche Reise!" erwiderte dieser und gab den Druck der kleinen Hand zurück.

    Die Hochzeitsgesellschaft war eine sehr zahlreiche und glänzende und befand sich in animiertester Stimmung. Sie hätte sich auch nicht in ihrem Vergnügen stören lassen durch die Abreise des Brautpaares, wenn sie dieselbe bemerkt hätte. Es war reichlich für Kurzweil und Amüsement gesorgt. Und gleich nach der Tafel begann die Kapelle zum Tanz aufzuspielen. Zwischen die Klänge der Musik mischte sich Scherzen und Lachen.

    Einige junge Damen, Freundinnen der Braut, begannen den Tanz mit einem Kostümreigen. Diesem Reigen sah die Hochzeitsgesellschaft zu. In manchen Gesichtern sah man ein spöttisches Lächeln.

    „Viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt," flüsterte ein junger Herr, verstohlen auf die Tänzerinnen deutend, seinem Freunde zu.

    Dieser lachte.

    „Man kann mit und ohne Grazie tanzen, wie Figura zeigt," erwiderte er leise lachend.

    Es war wie immer in solchen Fällen: einige der jungen Damen tanzten mit Grazie, die anderen mit viel Eifer und gutem Willen. Dafür erhöhten die letzteren die vergnügte Stimmung, ohne es natürlich zu ahnen und zu wollen. Jedenfalls konnte also das Brautpaar unbemerkt entschlüpfen.

    Aber das geschah nicht in zärtlich süssem, von sehnsüchtigem Verlangen nach Alleinsein erfülltem Einverständnis. Der Bräutigam hatte verstohlen nach der Uhr gesehen, und seine blassen, gespannten Züge schienen vor unterdrückter Nervosität zu beben. Mit müdem, apathischem Ausdruck flogen seine Augen über die Gesellschaft hinweg. Dies alles stand in scharsem Kontrast zu seiner kraftvoll schlanken, elastischen Gestalt, an der die Muskeln federten, als feien sie von Stahl.

    Leise, aber ziemlich kühl und förmlich hatte er seiner jungen Gattin zugeflüstert: „Es ist Zeit, Traude, wir müssen uns zur Abreise fertig machen."

    Die Braut hatte kaum mit den Wimpern gezuckt. Ihre Augen blickten ruhig und gelassen in die ihres Gatten. „So lass uns aufbrechen," erwiderte sie ohne jede Erregung.

    Aber als er dann in der Menge verschwand, um seinen Eltern Lebewohl zu sagen, sah sie ihm mit einem seltsamen Blicke nach.

    War es Trauer oder Schmerz, was in den schönen tiefblauen Augen aufzuckte, oder war es Spott und Bitterkeit, gemischt mit stolzer Resignation?

    Vielleicht lag von all diesen Empfindungen etwas in dem Ausdruck dieser klaren Augen, die sonst mit so viel Güte ins Leben blickten. Jedenfalls presste sie die feingeschwungenen Lippen fest aufeinander, wie in herber Abwehr aller weicheren Gefühle. Die schlanke, jugendschöne Gestalt mit den edel gerundeten Gliedern richtete sich hoch und stolz empor. So verliess sie langsam den Saal, nachdem sie sich von ihrem Vater verabschiedet hatte. Die lange, weisse Schleppe des Brautkleides, die von duftigen, kostbaren Spitzen überrieselt war, in denen kleine Myrtensträusse hie und da befestigt waren, floss hinter ihr her wie ein stolzer Schweif. Sie rauschte über die roten Teppichläufer und haftete zuweilen am Boden, als wolle sie die Trägerin zurückhalten.

    Ihr Gatte hatte inzwischen von seinen Eltern Abschied genommen und war ihr zuvorgekommen. An der hohen Glastür, die das Vestibül von den Festräumen trennte, erwartete er sie. Seine hohe, schlanke Gestalt lehnte an einem Pfeiler, und seine Augen sahen düster und geistesabwesend vor sich hin. Er schrak zusammen, als sie plötzlich neben ihm stand. Aber sogleich breitete sich wieder die starre Ruhe über sein festgefügtes, energisches Gesicht. Sein schmaler, ausdrucksvoller Mund presste sich fest zusammen, als müsse er einen herben Schmerz unterdrücken. Und die Zähne bissen sich so fest aufeinander, dass die Muskeln in seinem Geicht zuckten.

    Mit einer tadellosen Verbeugung trat er zu ihr heran und bot ihr den Arm.

    Von der Seite warf Traude einen Blick in dies blasse, starre Männergesicht, und der herbe Zug um ihren Mund vertiefte sich noch. Stolzer hob sie das Haupt und kälter wurde der Blick ihrer sonst so gütigen Augen.

    Sie legte die Fingerspitzen auf seinen Arm, und er führte sie die teppichbelegte Treppe empor. Die weisse Schleppe rauschte auf den roten Läufern hinter ihr her. Der Portier und ein Kellner sahen hinter dem jungen Paare her und tauschten einen lächelnden Blick.

    Lothar Hochberg führte seine junge Frau zu dem für sie reservierten Zimmer im ersten Stock, wo sie sich umkleiden sollte für die Reise. Ihre Zofe hatte ihre Reisekleider zurechtgelegt und wartete auf sie, um ihr beim Umkleiden behilflich zu sein.

    Lothar öffnete die Tür und liess seine Gattin mit einer artigen — nur zu artigen Verbeugung eintreten. Sorgsam legte er ihre Schleppe über die Schwelle, damit sie nicht eingeklemmt wurde.

    „Wann kannst du fertig sein, Traude," fragte er artig.

    Es zuckte leise um ihren Mund, aber sie sah ruhig zu ihm auf. „In einer halben Stunde," erwiderte sie mit derselben fühlen Höflichkeit.

    „Also werde ich dich in einer halben Stunde unten im Vestibül erwarten."

    „Es ist gut, Lothar."

    Artig fasste er ihre Hand und führte sie an die Lippen. Als er sich aufrichtete, trafen die Augen der beiden jungen Gatten ineinander. Traudes Augen hatten noch den ruhig stolzen Blick, aber in seinen Augen — — — — —?

    Bisher hatte Traude in den Augen ihres Gatten nur immer den kühl höflichen Blick gesehen. Aber jetzt las sie plötzlich einen Ausdruck darin, der ihre stolze Ruhe erschütterte. Es lag eine stumme Bitte um Verzeihung und ein unsäglicher Schmerz in diesen grauen Männeraugen.

    ,,Wie ein Mensch in tiefster Not," sagte sich die junge Frau voll Unruhe. Und die grosse Güte ihres Wesens weckte ein seltsames Gefühl in ihr — fast war es Mitleid und Erbarmen.

    Traude konnte ruhigen Herzens seinen Menschen leiden sehen, und dass ihr Gatte litt unter einer grossen Pein, wurde ihr in diesem Moment klar.

    Schnell ging er davon.

    Gedankenverloren sah sie ihm nach, als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte. Sie wusste — hatte es vom ersten Moment an gewusst, dass ihre Ehe mit Lothar Hochberg nur eine Konvenienzehe war. Zwischen ihren beiden Vätern war sie geplant und vereinbart worden, und Lothar war, genau wie sie selbst, vor die Tatsache gestellt worden, dass sie für einander bestimmt seien.

    Das hatten sie einander nicht verschwiegen, als sie sich verlobten. Sie hatten sich gesagt, dass sie ohne Liebe in diese Ehe gingen.

    Traude war zweiundzwanzig Jahre alt geworden, ohne dass ihr Herz energisch gesprochen hätte. Die jungen Herren ihres Gesellschaftskreises hatten alle mit ihren Bemühungen um ihre Gunst Fiasko erlitten.

    Es fehlte ihr nicht an zahlreichen Bewerbern, denn sie war nicht nur jung und schön, sondern war auch, als die einzige Tochter ihres Vaters eine der reichsten Erbinnen der Stadt.

    Ihr Vater war der Kommerzienrat Falkner, ein mehrfacher Millionär und Vorstandsmitglied verschiedener Aktiengesellschaften. Er hatte seine Tochter bisher ruhig gewähren lassen, wenn sie einen Freier nach dem anderen mit einem Korb abziehen liess. Denn es war seiner unter ihnen gewesen, den er sich zum Eidam gewünscht hätte. Traude wusste sehr wohl, dass sie hauptsächlich ihres Geldes wegen umworben wurde. Sie kannte genug vom Leben, um zu wissen, dass die jungen Herren ihrer Kreise zwar ihre Geliebten nach dem Herzen, ihre Frauen aber nach dem Geldbeutel wählten. Verschiedene ihrer Freundinnen waren so verheiratet, wie sie nicht verheiratet zu sein wünschte.

    Denn Traude hatte trotz ihres ruhigen Stolzes ein sehr warmes Herz und junges rasches Blut. Sie hatte ihre Ideale und hoffte lange Zeit, dass ihr einmal ein Glück beschieden werden könne, wie sie es sich erträumte. Sie wehrte sich gegen die Gedanken, nur als lästige Beigabe zu ihrem Gelde in den Kauf genommen zu werden.

    Aber die grosse Liebe, auf die sie Jahr um Jahr in holden Mädchenträumen gewartet hatte, war nicht gekommen. Sie fragte sich schliesslich, ob es nicht töricht sei, auf die Verwirklichung ihrer Ideale zu hoffen.

    Und dann hatte ihr Vater ihr eines Tages gesagt:

    „Lothar Hochberg wird morgen kommen und um deine Hand anhalten. Und ich wünsche, dass du diese Werbung annimmst. Du bist im heiratsfähigen Alter, und Lothar Hochberg ist von allen jungen Herren, die ich kenne, der vornehmste und gediegenste Charakter. Du wirst es nicht bereuen, wenn du ihm dein Jawort gibst."

    Die Worte hatten ein seltsames Gefühl ausgelöst in Traudes Herzen. Im ersten Moment wollte sie protestieren, aber dann presste sie ihren Mund zusammen und sah nachdenklich vor sich hin. Und dann erwiderte sie nur: „Lass mich das erst bedenken."

    „Du hast Zeit bis morgen, Traude, aber ich erwarte von dir, dass du vernünftig bist. Einen wertvolleren Menschen wirst du nicht finden, als ihn. Ich habe ihn lange geprüft," hatte ihr Vater erwidert.

    Als Traude allein gewesen war, hatte sie sinnend vor sich hingesehen. Lothar Hochberg? Sie kannte ihn schon seit ihren Kindertagen. Als sie die ersten Wege zur Schule ging, war er ihr schon mit der roten Gymnasiastenmütze begegnet. Sein Vater besass ein grosses Fabriketablissement, und war mit dem ihren befreundet.

    Als sie dann zum Backfisch herangewachsen war, und die Selekta besuchte, trafen sie oft im Winter auf der Eisbahn zusammen, und seine warmgrauen Augen hatten lachend in die ihren geschaut. Einmal war einer ihrer langen, dicken Hängezöpfe an seinem Paletotknopf hängen geblieben, als sie an ihm vorüberlief. Das hatte weh getan. Er hatte sorgsam den Zopf gelöst und einen Moment wohlgefällig auf der Hand gewogen.

    Dann war sie so eilig weiter geeilt, dass sie stürzte. Schnell war er an ihrer Seite gewesen und hatte sie aufgehoben. Danach waren sie in ein Gespräch gekommen und waren zusammen weiter gelaufen. Sie hatten gescherzt und gelacht, wie es solche jungen Leute zusammen tun, und ein ganz klein wenig hatte er ihr den Hof gemacht. Er hatte sie dann sogar nach Hause begleitet, natürlich in Gesellschaft ihrer Duenna, die nach dem Tode ihrer Mutter als Ehrendame und als Hausdame von ihrem Vater engagiert worden war.

    Traude hatte lange danach immer ein wenig Herzklopfen gehabt, wenn sie an Lothar Hochberg gedacht hatte. Aber nach jenem Tage auf der Eisbahn hatten sie einander lange Zeit nicht wiedergesehen.

    Traude war bald darauf in eine Pension gekommen, und inzwischen hatte Lothar Hochberg bei der Garde sein Jahr abgedient. Als Traude aus der Pension zurückkam, weilte er schon in London, wo er bei einer befreundeten Firma als Volontär seine Kenntnisse erweiterte. Denn er sollte eines Tages der Nachfolger seines Vaters im Geschäft werden. Er war das einzige Kind seiner Eltern.

    Als Lothar Hochberg nach Jahren zurückkam, war Traude inzwischen eine vielumworbene junge Dame geworden. Auf einem Balle waren sie sich zuerst wieder begegnet. Und feltsamerweise hatte Traudes Herz beim Anblick des jungen Mannes rebellisch geklopft.

    Aber er schien sehr gemütsruhig zu sein, als er sie artig und höflich begrüsste. Er bat sie auch um einen Tanz — aber sie fühlte, er tat es nur, um der Form zu genügen. Da zwang sie ihr Herz zur Ruhe und wurde kühl und höflich wie er.

    Bald darauf hörte sie in einer Damengesellschaft, dass Lothar Hochberg ein Liebesverhältnis mit der Gesellschafterin seiner Mutter habe, und dass diese deshalb von seiner Mutter plötzlich entlassen worden sei.

    Diese Nachricht hatte ihr einen kleinen Stich versetzt, aber sie hatte den Kopf stolz zurückgeworfen. Natürlich — er war auch wie die anderen alle, er suchte sich eine Beliebte oder auch mehrere, wie es die anderen jungen Herren taten. Und wenn er dann eines Tages eine Frau heimführen wollte, dann sah er sich, wie alle anderen, mit kühler, kritischer Gelassenheit nach einer entsprechenden Partie um, die zahlenmässig zu ihm passte.

    Dabei kam es nur auf das Ergebnis des Rechenexempels an — auf nichts weiter!

    Von diesem Tage an war Traude Falkner noch viel stolzer und abweisender geworden.

    Dann war ein Gerücht zu ihr gedrungen, dass die Firma Hochberg und Sohn mit grossen geschäftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen habe, und schliesslich sprach man auch von enormen Verlusten, die vollends den Ruin der Firma in greifbare Nähe rückten.

    Am Tage darauf sagte ihr dann ihr Vater, dass Lothar Hochberg um ihre Hand anhalten würde.

    Voll tiefer Bitterkeit hatte sie gedacht:

    ,,Jetzt braucht er eine reiche Frau, jetzt bist du ihm gut genug. Sein Herz hat er anderweitig verschenkt, aber er wird dir nun, wie die anderen es getan haben, eine Liebe vorheucheln, die er nicht empfindet. Du wirst die Lüge in

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