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Vermögensrecht der katholischen Kirche: Ein Handbuch für Studium und Praxis
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eBook360 Seiten3 Stunden

Vermögensrecht der katholischen Kirche: Ein Handbuch für Studium und Praxis

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Über dieses E-Book

Wie nie zuvor ist das kirchliche Vermögensrecht der katholischen Kirche in den letzten Jahren in die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit gerückt. Meist waren die Meldungen aus gegebenem Anlass negativ. Lag das nun an unzureichenden Regelungen im Kirchenrecht oder war dafür doch eher das Fehlverhalten Einzelner verantwortlich zu machen?
Dieses Handbuch führt in das Vermögensrecht des CIC/1983 ein und stellt die Prinzipien einer kirchenrechtskonformen Vermögensverwaltung nachvollziehbar dar. Über die Bestimmungen des CIC/1983 hinaus wird auf die sog. Leges canonizate aus dem weltlichen Recht eingegangen, die für weite Bereiche der Vermögensverwaltung bestimmend sind. Kritische Fragen über die Optimierung transparenter und verantwortungsgeteilter Vermögensverwaltung werden ebenfalls ergebnisorientiert diskutiert.
Das Buch richtet sich v.a. an Studierende und Praktiker in kirchlichen Einrichtungen, die sich neben dem geltenden diözesanen Recht einen Überblick über den universalrechtlichen Rahmen verschaffen wollen.
SpracheDeutsch
HerausgeberEchter Verlag
Erscheinungsdatum1. Sept. 2019
ISBN9783429064549
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    Buchvorschau

    Vermögensrecht der katholischen Kirche - Matthias Pulte

    Kapitel 1: Prinzipien des kirchlichen Vermögensrechts

    Das Buch V Titel I des CIC/1983 über den Vermögenserwerb von Kirchenvermögen gliedert sich wie folgt:

    1. Vermögensfähigkeit der Kirche

    1.1 Rechtshistorischer Kontext

    Die deklaratorischen Einleitungsbestimmungen in den cc. 1254 § 1 und 1260 lassen sich nur nachvollziehen, wenn sie in ihren kirchen- und staatskirchenrechtsgeschichtlichen Kontext gestellt werden. Die Frage der Vermögensfähigkeit der Kirche beginnt im Zuge der wachsenden Selbstorganisation der ur- und frühchristlichen Gemeinden virulent zu werden. Die frühchristlichen Autoren berufen sich dazu auf das neutestamentliche Zeugnis. Dort wird an verschiedenen Stellen deutlich, dass Jesus Christus und den Aposteln schon von Anfang an freiwillige Gaben (oblationes) von Menschen zur Verfügung gestanden haben, die mit der „Jesus-Bewegung" sympathisiert haben.¹⁵ Diese haben offensichtlich auch nicht von der Hand in den Mund gelebt, denn Jesus hatte Judas Iskariot als Finanzverwalter der Gemeinschaft eingesetzt. Jesus hat sich auch mehrfach zu Themen geäußert, die das Vermögensrecht im heutigen Sinne betreffen.¹⁶ Vor allem der Auftrag für die Sorge an den Armen und Bedürftigen¹⁷ war von Beginn an nicht nur eine zentrale christliche Tugend, sondern auch ein praktischer Handlungsauftrag, der tatsächlich ohne Einkünfte nicht zu verwirklichen gewesen wäre. Vor allem Paulus hat dieses jesuanische Kernanliegen der Sorge für die Armen und in einem erweiterten Sinne, der Sorge der unterschiedlichen christlichen Gemeinden füreinander, nachhaltig in seinen Briefen zur Sprache gebracht und damit einen initialen Beitrag für das Verständnis von der integralen Verantwortung der Ortskirchen und der Gesamtkirche füreinander grundgelegt.¹⁸ Jesus und die ersten Jünger waren zugleich Realisten. Schon Jesus formulierte, dass der Arbeiter seines Lohnes bedarf.¹⁹ Das bezog er auch ausdrücklich auf die Verkünder des Glaubens. Paulus und sein Schüler Timotheus knüpften daran an und erinnern die Gemeinden daran, für den Unterhalt ihrer Gemeindeleiter zu sorgen.²⁰ In apostolischer Zeit wurde die Verwaltung des kirchlichen Vermögens den Diakonen anvertraut,²¹ damit die Apostel, Episkopen und Presbyter sich ganz der Verkündigung des Glaubens widmen konnten. So konnte sich die junge Kirche bereits in den ersten Jahrhunderten innerhalb des römischen Rechtsgebietes rechtlich, wirtschaftlich und gesellschaftlich etablieren. Die Kirche besaß schon vor der Konstantinischen Wende Rechtsfähigkeit nach Maßgabe des römischen Kollegienrechts und damit die Möglichkeit nach staatlichem Recht Eigentum zu erwerben und Vermögen zu verwalten. Freilich war die junge Kirche wohl vergleichsweise arm und ihr Vermögen eher unbedeutend.²² In der Zeit der Verfolgung war es, jenseits der fortbestehenden staatsrechtlichen Rahmenbedingungen, für die christlichen Gemeinden schwierig, Vermögen zu erwerben und zu besitzen. Das gilt, obwohl der kirchliche Grundbesitz durch die Verfolgungsdekrete unter Decius und Valerius nicht in toto konfisziert wurde. Diese Dekrete richteten sich in erster Linie gegen jene Personen, die den Kaiserkult verweigerten, nicht aber das Eigentum der juristischen Person der Kollegien.²³ Dennoch kam es in dieser Zeit zu erheblichen Konfiskationen von Kirchenvermögen, das sich unter der Aufsicht kirchlicher Autoritäten befunden hat. Am Beispiel des Martyriums von Papst Sixtus und Erzdiakon Laurentius im 3. Jahrhundert wird dieser Zusammenhang eindrücklich deutlich.²⁴

    Die Anerkennung der Kirche als eine gleichberechtigte Religion im Reich durch das Mailänder Edikt (313) eröffnete den Weg wieder legitim am Rechtsverkehr teilzunehmen, vor allem aber als Institution (persona Christianorum) Eigentum zu erwerben und zu besitzen. Von dieser Zeit an wird eine planvolle Vermögensentwicklung und Verwaltung für die Kirche möglich. Von nun an wurde auch das römische Tempelrecht auf die christlichen Kirchen ausgedehnt und dem Kirchgebäude ebenso wie dem Tempel die Möglichkeit des Erwerbs einer persona iuridica eröffnet.²⁵ Entscheidend für den vermögensrechtlichen Aufstieg der Kirche war das Mailänder Edikt (313), mit dem Konstantin der Kirche alle bis dahin beschlagnahmten Güter und Besitztümer zurückgab, genauerhin jenen Gemeinden, die enteignet worden waren.²⁶ Das ist wichtig, weil darin deutlich wird, dass, anders als es vielleicht die Kirchenverfassung der katholischen Kirche erwarten lässt, das Fundament allen Kirchenvermögens das Ortskirchenvermögen ist. Außerdem ist aus vermögensrechtlicher Perspektive wichtig festzuhalten, dass die Kirche bereits seit 313 rechtlich als Körperschaft verfasst und vom Staat als solche anerkannt wird. Diese rechtliche Garantie ist heute insbesondere hinsichtlich des Status der christlichen Kirchen als altkorporierter Körperschaften i. S. d. Art. 137 Abs. 5 WRV i. V. m. Art. 140 GG wieder verständlich zu machen. Vor allem der durch das Korporationsrecht entstandene staatliche Schutz ermöglichte eine zügige Zunahme des kirchlichen Eigentums und Besitzes. Auf rechtlicher Ebene erfolgte eine massive, über Jahrhunderte fortdauernde Begünstigung der Kirche durch Privilegien, Steuerbefreiungen und Exemtionen, sowie das Recht, selbst Steuern (Zehnt) zu erheben. Die Möglichkeiten kirchliches Vermögen zu erwerben, vervielfältigten sich und begünstigten die Akkumulation kirchlichen Vermögens, insbesondere des Immobiliarvermögens, das der Kirche durch Schenkungen und Erbschaften zuwuchs. Die kirchliche Vermögensverwaltung war in dieser Zeit zentral beim Bischof angesiedelt. Das hängt auch mit der kirchlichen Strukturentwicklung zusammen und der Tatsache, dass die Ausbildung von Pfarreien als diözesaner Unterorganisation erst mit dem 5. Jahrhundert einheitlich Verbreitung fand.²⁷ Im weiteren Verlauf blieb die Entwicklung des kirchlichen Vermögens und seines Rechts durchaus wechselnden Einflüssen ausgesetzt. Es ist auch nicht zu leugnen, dass sich weltliche Herrscher bei knappen Kassen gern Zugriff auf das kirchliche Vermögen verschafft haben und dabei, je nach den Machtverhältnissen zwischen Staat und Kirche, wechselnd erfolgreich waren. Insgesamt wird man überblicksweise aber festhalten können, dass bis zur großen Zäsur der Neuordnung Europas durch den Wiener Kongress (1803), das kirchliche Vermögen erheblich anwuchs.²⁸

    Mit dem Reichsdeputationshauptschluss (1803) wurde auch die überkommene vermögensrechtliche Ordnung der Kirche, wie auch der Bestand des Kirchenvermögens einer totalen Revision unterzogen. Die neuen Staaten in Deutschland haben recht bald anerkannt, dass die großflächige Enteignung des Kirchenvermögens, von dem letztlich nur das Vermögen zum Unterhalt der Ortspfarrer und der Besitz an Pfarrkirchen übrigblieb, einen Unrechtstatbestand dargestellt haben. Aufgrund dieser Erkenntnis haben die Landesfürsten ab 1827 die evangelischen Landeskirchen und die katholischen Bistümer, die zunächst noch widerstrebten, dazu bewogen durch die Erhebung von Kirchensteuern den Vermögensbedarf der Kirche auf ein neues Fundament zu stellen.²⁹ Darauf wird später (2.2.1) zurückzukommen sein. Seither hat sich die Kirchensteuer neben den übrigen Vermögenswerten zur bedeutendsten kirchlichen Einnahmequelle entwickelt, um die sich aus dem Sendungsauftrag in der Welt ergebenen Kosten zu tragen.

    1.2 Die Grundsätze (cc. 1254-1258)

    1.2.1 Das Recht auf Vermögen und seine freie Verwaltung

    Ganz in der Tradition des Mailänder Edikts und der ständigen Gesetzgebung in der katholischen Kirche (zuletzt can. 1495 § 1 CIC/1917), stellt die Einleitungsnorm des universalkirchlichen Vermögensrechts in c. 1254 § 1 fest, dass die katholische Kirche das ius nativum hat, unabhängig von der staatlichen Gewalt, „Vermögen zur Verwirklichung der ihr eignen eigenen Zwecke zu erwerben, zu besitzen, zu verwalten und zu veräußern". Der Codex greift damit die Aussagen des 2. Vatikanischen Konzils über fundamentale institutionelle Rechte der katholischen Kirche auf, derer sie zur Verwirklichung ihrer Sendung bedarf.³⁰ Zugleich formuliert der Gesetzgeber für das kirchliche Vermögensrecht das Prinzip der Unabhängigkeit der Kirche vom Staat.³¹ C. 1254 § 2 definiert in einem größeren Rahmen und nicht abschließend die Zwecke des Kirchenvermögens:

    1.) zur Durchführung des Gottesdienstes,

    2.) für den angemessenen Unterhalt der kirchlichen Bediensteten und

    3.) zur Erfüllung des Sendungsauftrages und der Barmherzigkeit.

    Die Kirche lehnt Beschränkung ihres Eigentumsrechtes seitens des Staates als rechtswidrigen Eingriff in ein ihr ursprünglich zukommendes Recht ab. Genau das meint der Begriff angeborenes Recht. Er entstammt einem naturrechtlichen Sprachgebrauch und ist heute dahingehend zu übersetzen, dass sich dieses Recht aus dem grundlegenden Existenzrecht der Kirche als Religionsgemeinschaft in pluralen Gesellschaften herleitet. Dieses Recht ist fundamental, weil die Kirche ihren eigenen Sendungsauftrag in der Geschichtlichkeit der Welt ohne die Mittel der Welt nicht wahrnehmen kann. Es handelt sich demnach um ein Recht, das in der Verfassungsstruktur der Kirche verankert ist. Die theologische Begründung für die Formulierung von c. 1254 § 1 findet sich LG Art. 8 Abs. 1, wo die Kirche als Volk Gottes in dieser Welt als ein sichtbares Gefüge göttlicher und menschlicher Elemente beschrieben wird, das zu einer komplexen Wirklichkeit zusammenwächst. Das Recht auf Vermögen bleibt auch nicht eine abstrakte Forderung der Kirche. Bereits in c. 1255 werden die wesentlichen Träger dieses kirchlichen Fundamentalrechts identifiziert.

    C. 1254 § 1 weist darauf hin, dass die Kirche die Vermögensfähigkeit für sich unabhängig von der staatlichen Anerkennung feststellt. Die Norm hat insofern deklaratorischen Charakter über ein bereits vorkonstitutionell bestehendes staatliches Recht. Die Formulierung im geltenden Recht ist gegenüber jener in c. 1495 § 1 CIC/1917 diplomatisch gemildert, hat aber substantiell nichts von ihrer Grundsätzlichkeit eingebüßt. Staatsrechtlich gewendet bedeutet dieses in der kirchlichen Verfassung verankerte Recht: Wer der Kirche das Recht auf Vermögen abstreitet, greift in den Kernbereich des Menschenrechts auf Religionsfreiheit ein (vgl. Art. 18 AEMR³²), das sowohl dem Individuum als auch den Religionsgemeinschaften als unveräußerliches Recht

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