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Böse Heiler: Wie Sie die Scharlatane in der Alternativmedizin erkennen

Böse Heiler: Wie Sie die Scharlatane in der Alternativmedizin erkennen

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Böse Heiler: Wie Sie die Scharlatane in der Alternativmedizin erkennen

Länge:
236 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 21, 2018
ISBN:
9783990013014
Format:
Buch

Beschreibung

Die Schulmedizin ist in Verruf geraten, die Alternativmedizin boomt, doch das ist nicht immer gut. Selbsternannte Heiler ohne medizinisches Grundwissen und ausgebildete Ärzte auf Abwegen schaden mehr als sie nutzen, und das für viel Geld. Der Arzt Ashish Bhalla und der Gesundheitswissenschaftler Christian F. Wolf zeigen die Abgründe der Alternativmedizin und wie wir uns als Patienten vor gefährlichen Scharlatanen schützen können.
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 21, 2018
ISBN:
9783990013014
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Böse Heiler - Ashish Bhalla

Dr. Ashish Bhalla,

DDr. Christian F. Wolf:

Böse Heiler

Alle Rechte vorbehalten

© 2018 edition a, Wien

www.edition-a.at

Cover und Gestaltung: JaeHee Lee

Satz: Lucas Reisigl

ISBN 978-3-99001-301-4

E-Book-Herstellung und Auslieferung:

Brockhaus Commission, Kornwestheim

www.brocom.de

INHALT

Abzocke und Lebensgefahr durch Scharlatane in der Alternativmedizin

An welchen Aussagen Sie die Scharlatane in der Alternativmedizin erkennen

Das psychologische, soziale und ökonomische Profil der Scharlatane

Wie Sie Scharlatanen ausweichen

ABZOCKE UND LEBENS­GEFAHR DURCH SCHARLATANE IN DER ALTERNATIV­MEDIZIN

Der Fall Veronika Allsitter

Wegen ihrer Erkrankung lebt sie zurückgezogen. Jemanden kennenzulernen und sich gar zu verlieben würde alles nur noch schlimmer machen. Als Veronika Allsitter mir das erklärt, wird ihre Stimme brüchig. »Ich habe wirklich andere Sorgen«, sagt sie, verschränkt die Arme vor der Brust und sieht an mir vorbei in den Garten meiner Praxis hinaus.

Veronika Allsitter wirkt auf den ersten Blick ruhig und doch erscheint sie mir sehr angespannt. Kein Wunder bei dem, was sie schon alles durchgemacht hat. Ihr Vater ist Psychiatriepatient und will seit ihrer Geburt nichts von ihr wissen. Als sie 15 war, starb ihre Mutter. Jetzt ist sie 25, Bibliothekarin, hat ihr Leben nach einem schlimmen Tief in der Pubertät im Griff und wäre gerne mit einem Mann glücklich geworden. Da gab es einen, den sie bei einem Konzert kennengelernt hat. Mit ihm war alles so leicht und einfach. Aber auf Dauer ohne Sex, wie sollte das gehen?

Nachdem sie mir ausführlich von ihren gesundheitlichen und den damit zusammenhängenden Problemen erzählt hat, gönne ich ihr etwas Ruhe. Ich fülle in ihr Glas lauwarmes Wasser nach und sehe noch einmal ihre Befunde durch. Am meisten zu schaffen macht ihr eine schlimme Form von HPV-Infektion. Seit dem letzten gynäkologischen Befund, der sechs Monate alt ist, hat sich laut ihrer Einschätzung nichts daran verbessert. Sie ringt seit zwei Jahren damit. Dazu ist ihre Periode seit jeher unregelmäßig und mit heftigen Beschwerden verbunden. Außerdem hat sie Zysten an den Eierstöcken. Daher wäre Sex für sie womöglich unangenehm.

Für eine mögliche Beziehung ist das Ganze klarer Weise eine Katastrophe. Sie hat überlegt, dem interessanten Mann, den sie beim Konzert kennengelernt hat, zu sagen, dass sie ihn beim Sex, selbst beim geschützten, infizieren könnte. Dann hat sie es bleiben lassen, sich zurückgezogen, mit einem bitteren Gefühl. Er hat wohl nicht verstehen können, warum.

Veronika Allsitter hat sich nichts vorzuwerfen. Sie hat für ihre Gesundheit gekämpft. Sie ernährt sich sehr gesund, macht viel Bewegung, war bis vor sechs Monaten regelmäßig beim Gynäkologen und ist in alternativmedizinischer Behandlung. Aber weder die Medikamente noch die Kräuter ihrer Heilerin, einer eingetragenen Energetikerin, haben bisher irgendwas bewirkt.

Zum Gynäkologen geht sie mittlerweile nicht mehr. Er hat ihr nur Angst gemacht, dass sich die HPV-Infektion zu Gebärmutter- oder Vaginalkrebs entwickeln könnte. Bei der Heilerin hingegen fühlt sie sich gut aufgehoben. Weshalb ihr nicht gefallen wird, was ich ihr sagen will, sobald sie sich erholt hat.

»Ihre Praxis hier ist irgendwie eigenartig«, sagt sie, während ich nach den richtigen Worten suche.

»Finden Sie?«

Ihr Blick wandert über mein Interieur. Ein Messstab für die Körpergröße. Eine alte Waage. Ein dunkler Biedermeier-Schreibtisch. Gold gerahmte Landschaftsbilder. Ein Paravent. Eine Liege. »Wie bei einem Hausarzt des 19. Jahrhunderts«, sagt sie, schaut wieder durch die Glasfront in den Garten hinaus und schüttelt den Kopf. »Das Alte passt mit dem Modernen nicht zusammen.«

»In der Medizin schon«, entgegne ich.

Sie lächelt und klopft auf die ledergepolsterten Armlehnen ihres antiken Sessels. »In einer Praxis bin ich noch nie auf einem Thron gesessen.«

»Das habe ich bei einem alten Ayurveda-Arzt in Indien gesehen. Dem durfte ich als Kind bei der Arbeit zusehen. Er hatte auch so einen massiven Stuhl für seine Patienten. Er meinte, der gibt ihnen Sicherheit.«

»Stimmt.« Sie bringt ein Lächeln zustande.

Der Moment für ein ernstes Wort ist gekommen. »Frau Allsitter, ich denke, Sie sollten die Behandlung bei Ihrer Heilerin abbrechen.«

Mit großen Augen sieht sie mich an. »Wie kommen Sie denn darauf?«

Ruhig erkläre ich ihr, warum diese Heilerin sie nicht heilt, sondern bloß ihr Leiden verlängert.

Mit zusammengekniffenen Augen, verschränkten Armen und überkreuzten Beinen hört Veronika Allsitter mir zu.

Mir ist klar, warum sie die Behandlung bei dieser Heilerin als so wertvoll empfindet. Diese Frau kann offenbar gut trösten und ist genau in dem Alter, in dem Veronika Allsitters verstorbene Mutter heute wäre. Ich wäre wirklich der Letzte, der versucht, sie von einer Mutterfigur zu trennen. Aber diese Frau ist offensichtlich keine gute Mutter.

Mir ist auch klar, warum Veronika Allsitter zu mir gekommen ist. Ich bin nicht nur Arzt, sondern auch medizinischer Ayurveda-Spezialist und verstehe daher etwas von Kräutern. Offenbar hat sie erwartet, dass ich dem, was diese Heilerin mit ihr macht, zustimmen kann. Das kann ich allerdings nicht. Was die Heilerin macht, ist weder in moralischer noch in gesundheitlicher Hinsicht in Ordnung.

Als ich mit meinen Ausführungen fertig bin, fragt Veronika Allsitter nach dem WC und entschuldigt sich. Ich kann nur hoffen, dass meine Worte ihr zu denken geben. Sie muss erkennen, was diese Heilerin tut. Sie gibt ihr Globuli und kleine Säckchen mit Kräutern, zusammengestellt nach einem Geheimrezept. Von wegen Geheimrezept. Wenn ich das schon höre. Mangelhafte Patienteninformation heißt das bei mir.

Das Geheimrezept lässt sich die Heilerin teuer bezahlen. Achtzig Euro für sieben kleine Säckchen mit zerriebenen Kräutern. Sieben kleine Tagesrationen, die Veronika Allsitter in ein wenig Wasser auflöst und schluckt. Jede Woche muss sie zu der Heilerin gehen, um sich untersuchen zu lassen und eine weitere Ration zu holen. Diese Termine kosten extra.

Nach Meinung der Heilerin zeigt diese Behandlung auch Wirkung. Veronika Allsitters Beschwerden seien nicht so schlimm, wie sie sein könnten. Denn wegen der Lieblosigkeit ihres Vaters habe sie starke negative Energien in ihrem Körper.

Dass die Patientin keine Medikamente mehr nimmt, weil sie das Vertrauen zu ihrem Gynäkologen verloren hat, findet die Heilerin gut. Denn Medikamente würden die Wirkung von Globuli und Kräutern behindern.

Veronika Allsitter wollte den Namen der Heilerin nicht nennen. Hätte sie es getan, hätte ich mich veranlasst gefühlt, die Frau anzuzeigen. Denn ihre Argumentation ist eine Frechheit und ihre Logik perfid. Sie nützt die körperliche und seelische Not dieser jungen Patientin aus, um Macht über sie zu erlangen und abzukassieren. Entweder ist es ihr egal, dass sie ihr damit den Zugang zu echter Heilung verbaut, oder sie ist so von sich eingenommen, dass sie sich tatsächlich für eine Heilerin hält. Dabei unterliegt sie als Energetikerin den Standesregeln der Wirtschaftskammer. Darin steht unmissverständlich, dass sie kranke Menschen nicht behandeln darf.

Langsam mache ich mir Gedanken. Veronika Allsitter lässt sich lange Zeit. Kann ich sie überzeugen? Oder ist ihr die Beziehung zu dieser Heilerin wichtiger?

Endlich kommt sie zurück und nimmt wieder auf dem Thron Platz. »Ich bin nicht überzeugt«, sagt sie. »Warum können Sie mich nicht parallel zu meiner Heilerin behandeln wie mein alter Gynäkologe?«

»Weil ich anders arbeite.« Ich erkläre ihr, dass manche Kräuter im Körper an denselben Rezeptoren andocken wie die Medikamente und daher deren Wirkung abschwächen. Das wäre eine mögliche Erklärung, warum die Medikamente des Gynäkologen nicht gewirkt haben. Außerdem erkläre ich ihr, dass ihr Immunsystem durch ihre ständige Anspannung sehr geschwächt wird. »Daher empfehle ich Ihnen Meditationen und Yoga, damit Sie Ihrem Gleichgewicht wieder näherkommen.«

Sie hebt die Hand, um mich zu unterbrechen. »Ich weiß, worauf diese Empfehlung hinausläuft. Ich habe mich über Ihre Praxis gut erkundigt. Auch über den akademischen Yogalehrer, mit dem Sie diese Praxis hier aufgezogen haben. Also nichts gegen Christian Wolf. Aber ich bin nur eine kleine Bibliothekarin. Verstehen Sie?!«

»Nicht ganz«, gebe ich zu.

Daraufhin erklärt sie mir, dass sie seit fünf Jahren Yoga macht. Daher habe sie wirklich den allergrößten Respekt vor einem Meditations- und Yoga-Experten mit jahrzehntelanger Erfahrung.

Sie hat sich wirklich gut erkundigt. Sie weiß sogar, dass Christian als Gesundheitswissenschaftler mit Yoga-Techniken aus weniger bekannten Traditionen arbeitet und sie individuell auf die Symptome der einzelnen Patienten abstimmen kann. Damit sie lernt, ihre Anspannung zu lösen, empfehle ich ihr genau das.

Da verschränkt sie wieder die Arme vor der Brust. »Sie haben natürlich recht«, sagt sie mit spitzer Stimme. »Als Bibliothekarin muss ich mir standesgemäß meinen privaten Yogalehrer leisten.«

Ihr Scherz ist zwar bitter, aber ich muss trotzdem schmunzeln. »Sie sind bei uns bestimmt günstiger dran als bei Ihrer Heilerin. Da Sie schon etwas von Yoga verstehen, brauchen Sie nur zwei bis drei Schulungseinheiten bei Christian Wolf, um sich die für Sie passenden Instruktionen zu holen. Ich verschreibe Ihnen ein paar hochdosierte Kräuter. In drei Monaten kommen Sie zur Kontrolle. Dann sehen wir, wie es wirkt. Dann noch eine Abschlusskonsultation in sechs Monaten. Ich denke, das sollte reichen.«

Noch immer sitzt sie mit verschränkten Armen und Beinen da. Mir ist klar: Wenn ich es nicht schaffe, ihre Defensivhaltung aufzulösen, wird sie gleich aufstehen, gehen, ihre Heilerin weiterhin mit Geld füttern und nie gesund werden. Daher sage ich ihr: »Bevor Sie entscheiden, bitte ich Sie um fünf tiefe Atemzüge.«

Sie verharrt in ihrer angespannten Sitzposition.

Meiner Meinung nach steht sie an einer steilen Klippe und braucht sehr viel Kraft, um das Gleichgewicht zu halten. Aber wenn sie auch nur einen kleinen Schritt von der Klippe weggeht, wird alles viel leichter. Daher wiederhole ich: »Bitte. Nur fünf tiefe Atemzüge.«

»Na schön.« Sie beugt sich vor, schließt die Augen und tut es. Aber sie bleibt nicht bei fünf Atemzügen stehen. Sie nimmt sich zwölf. Dann öffnet sie die Augen. »Ich habe mich entschieden«, sagt sie. »Ich werde meine Heilerin nicht so einfach aufgeben. Ich werde sie auch nicht vor den Kopf stoßen. Ich werde ihre Kräuter und Globuli weiterhin kaufen, aber vorerst nicht einnehmen. Zumindest drei Monate lang nicht. Bis zu unserem ersten Folgetermin. Können Sie damit leben?«

»Klar.«

Den Nachsatz, dass sie mit ihrem Geld schließlich machen kann, was sie will, spreche ich nicht aus. Der Rest ist binnen weniger Minuten erledigt. Ich verschreibe ihr zwei rezeptpflichtige indische Pflanzen in Kapselform, welche ihre körperliche, aber auch die mentale Kraft stärken. Zudem verordne ich ihr typenspezifische Yoga-, Atem- und Meditationstechniken. Meine Empfehlung, sich diesbezüglich an Christian zu wenden, nimmt sie an. Außerdem vereinbaren wir, dass sie sich in den nächsten Tagen an eine Gynäkologin wendet, die ich ihr ebenfalls empfehlen kann, damit wir anhand der Abstriche jetzt und in drei Monaten sehen können, ob es Fortschritte gibt.

Drei Monate später kommt Veronika Allsitter zum vereinbarten Termin. Mein erster Eindruck: Obwohl sie erhobenen Hauptes zur Tür hereinkommt, wirkt sie niedergeschlagen. Noch wesentlich bedrückter als bei der ersten Konsultation. Das trifft mich unerwartet, zumal Christian mir von zwei Terminen mit ihr berichtet hat. Speziell die Tattva-Yoga-Übungen hätten bei ihr gut angeschlagen.

Wortlos überreicht sie mir die gynäkologischen Befunde.

Der Abstrich zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs vor drei Monaten zeigt leichte Zellveränderungen. Die Gefahr, dass sich tatsächlich Krebs entwickelt, ist gegeben.

Ich blättere weiter zum aktuellen Befund. Eine deutliche Entzündung, aber keine Zellveränderungen mehr. Das ist der erhoffte Fortschritt. Ich bin erleichtert. Ihr Immunsystem hat offenbar Tritt gefasst. Es besteht erstmals seit zwei Jahren kein Krebsrisiko mehr. Sie ist von der steilen Klippe einen entscheidenden Schritt weit weggekommen. Jetzt müssen wir nur dafür sorgen, dass es keinen Rückfall gibt.

Veronika Allsitter wirkt jedoch alles andere als erfreut. Bitter hält sie die Lippen zusammengepresst. Als ich sie fragend ansehe, atmet sie mehrere Male tief durch. »Ich war eben mit dem neuen Befund bei meiner Heilerin.« Sie atmet noch einmal durch. »Sie hat sich gar nicht für mich gefreut. Obwohl sie nicht gewusst hat, dass ich ihre Kräuter nicht mehr nehme. Da habe ich ihr die Wahrheit gesagt.« In Veronika Allsitters Augen bilden sich Tränen, die sie trotzig wegwischt. »Ich war wirklich eine Idiotin.«

»Stimmt«, sage ich geradeheraus.

Das bringt sie zum Lachen.

»Aber Sie sind in bester Gesellschaft«, füge ich hinzu. »Selbst die intelligentesten Menschen fallen auf falsche Heiler herein.«

Das löst ihre Verbitterung. Sie freut sich sehr über den Befund. Sogar bei den Zysten ist eine leichte Besserung sichtbar. Dass die Kräuter und die täglichen Yoga-Übungen ihr guttun, hat sie schon in den vergangenen Wochen bemerkt. Die letzten Regelschmerzen waren etwas weniger schlimm.

Nach dem Termin bei mir will sie den Mann anrufen, mit dem es damals nach dem Konzert so fein war. Sie ist zwar nicht mehr mit ihm in Kontakt. Aber sie hat in Erfahrung gebracht, dass er noch Single ist.

Ich drücke ihr die Daumen.

Weitere drei Monate später kommt Veronika Allsitter wieder. Mein erster Eindruck: Sie ist sichtlich beschwingt. Es geht ihr viel besser. Kräuter, Yoga-, Atem- und Meditationsübungen, frisch kochen und eine Runde laufen, dafür nimmt sie sich täglich Zeit, komme was wolle. Ihre Menstruation sei stabiler geworden, zuletzt beinahe schmerzfrei, erzählt sie. Sie fühle sich nicht mehr so angespannt und könne mit allen möglichen Problemen viel leichter umgehen. Die Zysten haben sich laut dem letzten Befund deutlich zurückgebildet. Der Abstrich vom Gebärmutterhals zeigt weiterhin eine Entzündung.

Nach einer kurzen Untersuchung verordne ich ihr zusätzlich eine ayurvedische Pflanze, welche antientzündliche Qualitäten aufweist und sie im Gesamten stärkt.

Der Virus ist noch nicht besiegt. Aber Veronika Allsitter weiß jetzt: Sie kann ihn unter Kontrolle bringen.

Mittlerweile ist sie ganz gesund. Sie hat zwei Jahre lang unter ihren gesundheitlichen Problemen und deren Folgen für ihr Liebesleben gelitten. Zwei Jahre ihres Lebens hat sie verpfuscht. Dieser Pfusch hat sie in Summe rund 10.000 Euro gekostet. Trotzdem ist sie vergleichsweise glimpflich davongekommen. Christian Wolf und ich begegnen ständig Opfern selbsternannter Heiler. Manchmal sind sie dermaßen verantwortungslos, dass die von ihnen verursachten Probleme noch größer und die Ausgaben der Patienten noch höher sind als bei Veronika Allsitter.

Ewig schade

Behutsam, als wolle sie den Sessel nicht belasten, nimmt Elisabeth Kemäter mir gegenüber Platz. Dabei ist sie eine kleine und sehr schlanke Person, geradezu zierlich.

Ich schenke ihr ein Glas lauwarmes Wasser ein und schiebe es über den kleinen Tisch. Mit einer leichten Verbeugung nimmt sie es und trinkt einen Schluck.

»Nun, was kann ich für Sie tun?«, frage ich, nachdem sie das Glas vorsichtig wieder abgestellt hat. Äußere Anzeichen einer Krankheit kann ich einstweilen nicht an ihr erkennen.

Elisabeth Kemäter seufzt leise. »Eigentlich weiß ich gar nicht … Vielleicht verschwende ich nur Ihre kostbare Zeit.« Verschämt senkt sie den Blick.

»Sie verschwenden meine kostbare Zeit«, antworte ich mit gespielter Strenge, »wenn Sie mir nicht sofort sagen, was los ist.«

Das erlaube ich mir, denn wir kennen uns flüchtig. Sie kommt aus dem Nachbarort. Bei diversen lokalen Feierlichkeiten sind wir einander bestimmt schon dutzende Male begegnet. Ich weiß, dass sie in einer Logistikfirma arbeitet und dass sie die gute Seele in ihrer Pfarrgemeinde ist. Deshalb hat es mich auch nicht gewundert, dass es ihr Pfarrer war, der mich um einen

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