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Gesetz der Banditen: Western Bibliothek 15 Romane

Gesetz der Banditen: Western Bibliothek 15 Romane

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Gesetz der Banditen: Western Bibliothek 15 Romane

Länge:
2.070 Seiten
28 Stunden
Freigegeben:
5. Aug. 2021
ISBN:
9798201856748
Format:
Buch

Beschreibung

Gesetz der Banditen: Western Bibliothek 15 Romane

von Thomas West, Pete Hackett, Joachim Honnef, Heinz Squarra, Larry Lash

 

Über diesen Band:

 

 

 

 

Sammelband

 

Dieses Buch enthält folgende Western:

 

 

Heinz Squarra: Todfreinde kennen keine Gnade

Joachim Honnef: Roy Hunter, der einsame Reiter

 

Glenn Stirling: Missoula-Gulch

Thomas West: Süßes Gift

 

Thomas West: Tötet Shannon!

 

Larry Lash: Verklungen und verweht

 

Pete Hackett: Hass, der in die Hölle führt

 

Pete Hackett: Im Banne des Hasses

 

Pete Hackett: Die Aasgeier von Junction City

 

Pete Hackett: Das Gesetz des Stärkeren

 

Pete Hackett: Das blutige Gesetz der Colts

 

Pete Hackett: Die Höllenhunde von Anaconda

 

Pete Hackett: Partner bis in den Tod

 

Pete Hackett: Männerhass

 

Pete Hackett: Trag den Stern für Wichita

 

Der Bau der Eisenbahn "Union Pacific", die quer durch den Wilden Westen von einem Ozean zum anderen verläuft, hatte schon unzählige Menschenleben gekostet! Präriebrände, Überschwemmungen, klirrender Frost, Blizzards, harte Arbeit und nicht zuletzt die brutalen Überfälle der Indianer waren für viele kühne Eisenbahnbauer das Todesurteil. Die Bautrupps, die sich jeweils von Ost und West aufeinander zubewegen, befinden sich in einem gnadenlosen Wettstreit - jeder will der Erste sein, der das Ziel erreicht und die Prämie kassiert. Ein Westagent, ein gewissenloser Schuft, setzt alles daran, die Arbeit auf der Ostseite zu sabotieren und schreckt auch vor eiskaltem Mord nicht zurück. Nur John Brown, ein harter Kämpfer für die gerechte Sache, der sich einst "Schwarzer Wolf" nannte, als er bei den Hunkpapas-Sioux lebte, und jetzt für die "Union Pacific" arbeitet, nimmt es mit dem Gesetzlosen auf ...

Freigegeben:
5. Aug. 2021
ISBN:
9798201856748
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Gesetz der Banditen - Pete Hackett

Sammelband

Dieses Buch enthält folgende Western:

––––––––

Heinz Squarra: Todfreinde kennen keine Gnade

Joachim Honnef: Roy Hunter, der einsame Reiter

Glenn Stirling: Missoula-Gulch

Thomas West: Süßes Gift

Thomas West: Tötet Shannon!

Larry Lash: Verklungen und verweht

Pete Hackett: Hass, der in die Hölle führt

Pete Hackett: Im Banne des Hasses

Pete Hackett: Die Aasgeier von Junction City

Pete Hackett: Das Gesetz des Stärkeren

Pete Hackett: Das blutige Gesetz der Colts

Pete Hackett: Die Höllenhunde von Anaconda

Pete Hackett: Partner bis in den Tod

Pete Hackett: Männerhass

Pete Hackett: Trag den Stern für Wichita

Der Bau der Eisenbahn Union Pacific, die quer durch den Wilden Westen von einem Ozean zum anderen verläuft, hatte schon unzählige Menschenleben gekostet! Präriebrände, Überschwemmungen, klirrender Frost, Blizzards, harte Arbeit und nicht zuletzt die brutalen Überfälle der Indianer waren für viele kühne Eisenbahnbauer das Todesurteil. Die Bautrupps, die sich jeweils von Ost und West aufeinander zubewegen, befinden sich in einem gnadenlosen Wettstreit - jeder will der Erste sein, der das Ziel erreicht und die Prämie kassiert. Ein Westagent, ein gewissenloser Schuft, setzt alles daran, die Arbeit auf der Ostseite zu sabotieren und schreckt auch vor eiskaltem Mord nicht zurück. Nur John Brown, ein harter Kämpfer für die gerechte Sache, der sich einst Schwarzer Wolf nannte, als er bei den Hunkpapas-Sioux lebte, und jetzt für die Union Pacific arbeitet, nimmt es mit dem Gesetzlosen auf ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author /

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Missoula-Gulch: Western

W. W. Shols

Missoula-Gulch: Western

UUID: e90ffb68-edab-11e9-a17a-1166c27e52f1

Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (http://write.streetlib.com) erstellt.

Table of Contents

UPDATE ME

Missoula-Gulch: Western

Western von W. W. Shols

––––––––

Der Umfang dieses Buchs entspricht 139 Taschenbuchseiten.

––––––––

Bill Murphy wird von seinem ehemaligen Sattelpartner Tom Crocket, mit dem er einst Seite an Seite Rinder getrieben hat, in das Goldgräbercamp Missoula-Gulch gerufen, damit er ihn dabei unterstützt, seinen Claim zu sichern. Crocket behauptet, dem ersten Goldsucher im Camp den Entdeckungsclaim abgekauft zu haben. Murphy begreift schnell, dass sein alter Kumpel mit gezinkten Karten spielt, denn er hat einige harte, zwielichtige Kerle beschäftigt, deren Revolver tief und Messer locker sitzen. Von den Minern wird Bill Murphy angefeindet, denn man glaubt, er stecke mit Crocket unter einer Decke. Als ein Claim-Inhaber erstochen wird, ist für Murphy klar, dass er sich jetzt für die richtige Seite entscheiden muss ...

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COVER FIRUZ ASKIN

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1

26. März 1876.

Eine Postkutsche rollt wild schlingernd den rauen Weg in die Shoshone-Mountains von Colorado hinauf.

Je höher der Weg ansteigt, desto rauer wird er, und das Schwanken und Rütteln der Postkutsche ist für die frisch verheilte Wunde in Bill Murphys Hüfte gar nicht gut.

Eine kleine Hilfe bedeutet es, dass er dann und wann einen Blick auf das Mädchen werfen kann, das ihm gegenübersitzt. Sie ist ausgesprochen hübsch, und sie gehört auf keinen Fall unter diese raue, gierige Horde von Goldsuchern.

Die Männer streiten laut miteinander und werfen achtlos mit gemeinen Flüchen um sich.

Außerdem sitzt ein gerissen aussehender Berufsspieler neben dem Mädchen. Mehrmals schon hat er den Versuch gemacht, sie in ein Gespräch zu ziehen. Aber sie hat sofort den Kopf abgewandt.

Der Bursche ist jedoch hartnäckig. Bill sieht, wie Hilflosigkeit und Unwille die Wangen des Mädchens rot färben, wie ihre Augen blitzen und wie sie sich auf die Lippen beißt.

Murphy streckt einen Fuß aus und tritt mit dem hohen, harten Stiefelabsatz kräftig auf den Schuh des Spielers.

Der Mann zuckt zusammen und sagt scharf:

„Passen Sie doch auf! Das ist mein Fuß, auf dem Sie herumtrampeln!"

Murphy starrt ihn kalt an.

„Das habe ich auch beabsichtigt."

Der Spieler hat schwarze Augen in einem bleichen Gesicht, und jetzt funkelt sein Blick wütend. Aber die zwingende Kraft in Murphys Augen macht ihn unsicher.

„Die Lady zieht es vor, nicht belästigt zu werden", fügt Murphy hinzu.

Grollend, aber eingeschüchtert, lehnt sich der Spieler zurück.

Das Mädchen schickt Murphy einen ruhigen, klaren Blick zu, in dem ein unausgesprochener Dank liegt.

Bill neigt ernst den Kopf. Dann schaut er wieder in die Landschaft hinaus.

Es ist ein raues, unwirtliches Land mit lang gestreckten Bergkämmen, mit tiefen, schattigen Schluchten und hohen, bewaldeten Hängen, die höher und höher ansteigen, bis sie in der Ferne schwarz erscheinen.

Ein Frühlingshauch liegt in der Luft, und in jeder Schlucht schäumt und braust weißes Wasser.

Der Weg beginnt in scharfen Spitzkehren abzufallen. Und an einer dieser Haarnadelkurven flucht der Fahrer und bringt die Kutsche jäh zum Halten.

Männer klettern vom Bock herunter und laufen nach vorn.

Die anderen Passagiere recken die Hälse durch Fenster und Türen. Sie versuchen festzustellen, was der Aufenthalt und die wilden Flüche der Männer zu bedeuten haben.

Bill Murphy drängt sich nach vorn und steigt aus. Das ist endlich eine Möglichkeit, seiner schmerzenden Hüfte Erleichterung zu verschaffen.

Eine andere Postkutsche steht ein Stück vor ihnen, fast quer zur Straße. Männer starren auf etwas herab.

Bill tritt näher heran und drängt sich durch den Kreis.

Ein Toter liegt am Boden. Offenbar hat der Mann zur Postwache gehört. Eine abgesägte Schrotflinte, das Kennzeichen seines Berufs, ragt unter dem Körper hervor.

Dicht neben sich hört Bill ein gepresstes, unterdrücktes Keuchen. Er wendet sich um. Mit weit geöffneten, entsetzten Augen starrt das Mädchen auf den Toten hinab.

Sie hat unwillkürlich die Hand an die Kehle erhoben, und jetzt lässt sie in einer völlig unbewussten Geste diese Hand auf Bill Murphys Arm fallen.

„Er — er ist tot", murmelt sie.

„Yeah, erwidert Bill. „Und Sie sollten am besten zum Wagen zurückkehren. Vielleicht sind da noch mehr Tote.

„Richtig, knurrt ein stämmiger Goldsucher. „Der Fahrer liegt auf der anderen Seite der Coach und ist mindestens genauso tot wie dieser hier.

Das Mädchen wendet sich ab.

Bill Murphy geht auf die andere Seite der Postkutsche.

Der Fahrer seines eigenen Wagens steht dort und blickt starr auf den Mann am Boden.

„Tom Sarber, sagt er heiser. „Ein so guter Peitschenschwinger wie nur irgendeiner, der je auf den Bock geklettert ist. Sieht so aus, als ob er und sein Begleitmann keine Chance gehabt hätten. Habe mich schon gewundert, weshalb Tom sich so verspätet hatte. Wir hätten ihm schon ein ganzes Stück eher begegnen müssen.

Ein Mann, der am Wegrand entlanggeschlendert ist, schreit plötzlich:

„Da ist die Goldkiste! Leer!"

Bill sieht sich die Kiste an. Das Schloss ist weggeschossen worden.

Murphy geht noch ein Stück weiter. Bald findet er die Stelle, wo zwei Pferde im Wald gestanden haben. Hier findet er auch eine leere Patronenhülse.

Der bleiche Schein der Sonne ist auf die Hülse gefallen und hat sie aufblinken lassen.

Bill bückt sich und hebt sie auf. Als er sie untersucht, kneift er die Augen ein wenig zusammen.

„Yeah, murmelt er vor sich hin. „Ein russischer Vierundvierziger-Revolver ist keine allzu gebräuchliche Waffe. Aber das ist schließlich nicht meine Sache.

Er schnippt die leere Hülse weg und geht zur Postkutsche zurück.

Ein Mann fragt eben:

„Was glauben Sie, was aus den Passagieren der Post geworden ist?"

Der Fahrer schnaubt und antwortet:

„Höchstwahrscheinlich hatte Tom Sarber überhaupt keine Passagiere. Die letzten drei Fahrten aus der Missoula-Gulch habe ich auch leer gemacht. Zurzeit gibt's nur Leute, die in die Schlucht hinein wollen."

Während er spricht, sieht sich der Fahrer im Kreis um. Schließlich bleibt sein Blick auf Bill haften.

„Freund, Sie sehen verdammt so aus, als ob Sie was von Gäulen verstehen. Glauben Sie, dass Sie mit dem Gespann fertig werden und die Kutsche in die Missoula-Schlucht zurückfahren könnten? Und Tom Sarbers und seinen Wachmann möchte ich auch nicht hierlassen."

Bill zuckt die Achseln.

„Ich schätze, das kann ich für Sie tun, meint er. „Lassen Sie die beiden Toten hineinlegen.

Schnell untersucht Bill das Geschirr der Pferde. Er hebt die Zügel von der Erde und klettert auf den Bock.

Männer mit grimmigen Gesichtern tragen die Toten in den Wagen, und der Fahrer ruft:

„In der Kutsche da ist noch Platz. Könnte nichts schaden, wenn meine Ladung was leichter würde!"

Das Mädchen ist mit gesenktem Kopf zu der anderen Kutsche zurückgegangen. Doch am Einstieg sieht sie den Spieler stehen. Offenbar will er ihr in den Wagen helfen. Sie dreht sich rasch um, kommt zurück und blickt zu Bill Murphy auf.

„Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich oben bei ihnen mitfahre?"

Bill zuckt mit den Schultern.

„Hier ist reichlich Platz."

Geschmeidig klettert sie auf den Bock. Dann lässt sie sich etwas atemlos auf den Sitz sinken.

Zwei Männer kommen herüber und steigen in die Kutsche.

Bill Murphy spricht beruhigend auf die Pferde ein und bringt sie in Gang. Im Vorbeifahren schreit ihm der Fahrer zu:

„Etwas weiter oben ist eine breite Stelle, wo Sie leicht umkehren können!"

Bill findet die Stelle, wendet die Kutsche und lässt sie dann hinter der anderen die Spitzkehren hinunterrollen ...

2

Der Schmerz in der verletzten Seite hat nachgelassen, und der Ausdruck der Gespanntheit auf seinen Zügen mildert sich etwas.

Die langen Wochen im Bett, während die Wunde heilte, haben sein Gesicht schmal gemacht. Sein Kinn ist kräftig und energisch, sein Mund streng. Graue Augen schauen mit kühler Zurückhaltung in die Welt. Sie betrachten die Menschen und ihre Handlungsweise mit einer Art spöttischer, berechnender Skepsis.

Bill Murphy trägt alles, was er besitzt, am Leib.

Er hat seinen letzten Cent gebraucht, um die Fahrt zur Missoula-Gulch zu bezahlen. Bevor er sich in Timbers Lodge an den Pokertisch setzte, besaß er eine Cowboyausrüstung — Pferd, Sattel, Zaumzeug, Gewehr und sechsschüssigen Colt — und eine Hosentasche voll Geld.

Als das Spiel jäh endete, lag ein toter Kartenhai am Boden. Bill Murphy stand mit der linken Hand mühsam auf die Tischplatte gestützt, in der Rechten den rauchenden Colt. Der Spieler war mit dem verborgenen Derringer nicht ganz so geschickt gewesen wie mit seinen Karten. Aber er hätte es wirklich fast geschafft.

Es war knapp gewesen — sehr knapp. Er hatte die beiden Schüsse aus der kurzen, doppelläufigen, kleinen Waffe in Bill Murphys Hüfte gejagt. Bill hatte nur einen einzigen Schuss abgefeuert, aber er hatte seine Kugel genau unter den dritten Knopf des eleganten Seidenhemdes gesetzt, das der Spieler trug.

Als er völlig sicher gewesen war, dass der Spieler nicht mehr atmete, war Bill Murphy zusammengesunken.

Der Doc in Timbers Lodge hatte wirklich erstklassige Arbeit geleistet, aber sie musste bezahlt werden, ebenso das Bett im Hotel, bis die Wunden verheilten ...

Und so sind am Ende Pferd, Sattelzeug, Geld und alles andere fort gewesen.

Tom Crockets Brief erreichte Bill an jenem Tag, als er das Hotelbett zum ersten Male verließ. Tom ist in der Missoula-Schlucht, und der Brief hat Bill etwas versprochen, woran er gerade in diesem Zeitpunkt interessiert ist: leicht verdientes Geld — und zwar viel.

Der Brief war eine vollkommene Überraschung für ihn, denn Bill hat Tom Crocket seit über einem Jahr nicht mehr gesehen. Ja, er hat in Wirklichkeit fast vergessen, dass ein Tom Crocket überhaupt existiert.

Crocket hat zu der wilden, verwegenen Horde gehört, die mit ihm für den Rinderkönig Gar Parden geritten ist.

Seit er erklärte, dass es leichtere Methoden gebe, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, hat Bill Murphy nichts mehr von ihm gehört! Bis dieser Brief gekommen ist.

3

Die Postkutsche rollt durch die letzten Haarnadelkurven und dann über einen flacher werdenden Hang.

Der Nachmittag geht in den frühen Abend über. Wo die schrägen Sonnenstrahlen durch das grüne Blätterdach fallen, rauchen und kochen goldene Nebel.

Das Mädchen auf dem Sitz neben Bill Murphy hat kein einziges Wort gesprochen. Sie sitzt aufrecht und anmutig da und passt sich geschmeidig den schwankenden, stoßenden Bewegungen der dahinrollenden Postkutsche an.

„Haben Sie Verwandte in der Missoula-Gulch?", fragt Bill unvermittelt.

Sie erwidert seinen Blick, ehe sie antwortet.

„Ja, mein Vater. Warum fragen Sie?"

Bill zuckt die Achseln.

„Nach allem, was ich gehört habe, ist die Missoula-Schlucht ein ziemlich raues Camp. Aber wenn Sie einen Vater dort haben, dann ist ja alles in Ordnung."

Sie hebt das Kinn.

„Ich kann schon auf mich aufpassen."

Das Goldgräber-Camp liegt auf den terrassenartig abfallenden Hängen der Missoula-Gulch, über einigen ebenen Landstreifen, die sich zu beiden Seiten eines sprudelnden Baches erstrecken. Auf ihnen wimmelt es von Menschen.

Völlig durchnässte, schlammverschmierte Goldsucher arbeiten in wütender Hast. Sie springen unaufhörlich in flache Stollen und Löcher hinein und wieder heraus. Sie gleichen — aus einiger Entfernung betrachtet — einer Armee verrückt gewordener Murmeltiere.

Das Camp ist ein ziemlich wirres Durcheinander. Die einzige Straße windet sich krumm zwischen schäbigen Baracken dahin. Die Männer scheinen gebaut zu haben, wo der Zufall oder eine plötzliche Laune es wollten.

Die voranfahrende Postkutsche hat bereits vor einem der besser aussehenden Blockhäuser gehalten.

Die Passagiere klettern schon heraus, als Bill Murphy sein Gespann daneben halten lässt.

Im Nu haben sich um die Kutschen herum Gruppen von Menschen gebildet.

Zwei Kutschen auf einmal?, tuscheln sie. Fragen werden laut, und der Fahrer der ersten Kutsche gibt mit dumpfer Stimme die Erklärung.

Rasch verbreitet sich die Nachricht von dem Überfall durch das ganze Camp. Ein drohendes Murmeln geht durch die Menge.

„Ich habe eine gute Portion Gold mit der Kutsche verfrachtet!, ruft einer der Goldgräber. „Dieses Camp braucht ein Goldgräbergericht, das einige Hälse in die Länge zieht!

Ein anderer Mann warnt den Zornigen:

„Pass besser auf deine Worte auf, Barney Fox. Sonst bekommst du nämlich ein Messer zwischen die Rippen, genauso wie Clem Winters, als er den gleichen Vorschlag machte."

Das Mädchen an Bill Murphys Seite hat sich vorgebeugt und die Menge mit nahezu ängstlichen Blicken abgesucht. Als sie jetzt die Worte des Miners hört, fährt sie wie unter einem Peitschenhieb zusammen.

Dann erstarrt sie, und ein wilder Schrei dringt über ihre Lippen.

Sie wäre kopfüber von der Kutsche gesprungen, wenn Bill sie nicht am Arm gepackt hätte.

„Vorsichtig!, warnt er sie barsch. „Die Kutsche ist verdammt hoch. Ich werde Ihnen hinabhelfen.

Ruckartig wendet sie sich ihm zu. Ihr Gesicht ist gespenstisch bleich und ihre Augen schimmern groß und dunkel.

„Lassen Sie mich los! Haben Sie gehört, was der Mann eben gesagt hat? Dad — er ist — er ist ..."

„Vorsicht, sagt Bill wieder, diesmal in sanfterem Ton. „Wir werden das schon herausfinden.

Bill klettert hinab und hilft dann dem Mädchen. Er hebt sie über das Rad herunter.

Den Mann inmitten der Menge hat er sich gemerkt, und jetzt bahnt er sich seinen Weg zu ihm hin.

„Einen Augenblick, Freund!, ruft er. „Sie haben da was über einen Mann namens Clem Winters gesagt, wie?

Der Miner blickt Murphy misstrauisch an.

„Und wenn ich das getan habe?, gibt er mürrisch zurück. „Ich habe ihm das Messer nicht zwischen die Rippen gesteckt, zum Geier!

Die Stimme des Mädchens wird zu einem verzweifelten, dünnen Jammern.

„Clemens Winters ist mein Vater! Er kann doch nicht — kann doch nicht ..."

Die Haltung des Mannes ändert sich sofort.

„Alle Hörner und Klapperschlangen, Miss! Ihr Vater? Ihre Ankunft wird ihm bestimmt helfen, schneller gesund zu werden!"

„Dann — dann ist er nicht tot?"

„Aber nein! Clem ist ein zäher, alter Kampfhahn, und er hat sich schon wieder ganz gut herausgemacht."

Das Mädchen seufzt erleichtert auf.

„Und wo ist er?"

„In der Hütte, in der er mit Les Jarden wohnt."

„Well, Mister, mischt sich Bill Murphy ein. „Würden Sie so freundlich sein, uns die Stelle zu zeigen?

„Klar — kommen Sie!"

Sie brechen sich Bahn durch die Menge und gehen die Straße entlang.

Der Goldgräber weist auf eine Hütte, die am äußeren Rande des Terrassenlandes steht.

„Die ist es."

Bill bedankt sich und schreitet dann schneller aus, um mit dem fast rennenden Mädchen auf gleicher Höhe zu bleiben.

Fast haben sie die Hütte erreicht, als sich die Tür öffnet, hieraus tritt ein junger Mann. Er ist gut gebaut, mit einem ziemlich hübschen Gesicht und langem, hellbraunem Haar.

Er starrt Bill und das Mädchen sehr überrascht an.

„Ich bin Mary Winters, sagt sie schnell. „Ist mein Vater drinnen?

Der junge Goldgräber hat sich inzwischen von seiner Überraschung erholt und nickt.

„Gehen Sie nur gleich hinein, Miss. Ich — ich bin Les Jarden. Du meine Güte, in der Hütte sieht es furchtbar aus. Wenn ich gewusst hätte, dass Sie kommen, hätte ich natürlich aufgeräumt. Herrje, das wird Clem aber wirklich guttun!"

Das Mädchen hört ihn gar nicht. Sie rennt in die Hütte, und dann hört Bill Murphy sie rufen:

„O Dad! Dad, hier ist Mary ..."

Bill starrt einen Moment auf die Hüttentür. Dann wendet er sich Les Jarden zu.

„Sind Sie Winters' Partner?"

„Nicht gerade sein Partner — aber ich habe die Hütte mit ihm geteilt. Ich könnte mich einen guten Freund von ihm nennen. Warum fragen Sie?"

In Ton und Haltung des jungen Mannes ist ein leiser Trotz zu spüren.

„Für ein Mädel wie Miss Mary Winters ist das hier ein ziemlich raues Camp, meint Bill Murphy. „Und sie ist wirklich eine Lady. Daran sollte jeder denken.

Bill wendet sich um und schlendert zur Mitte des Camps zurück.

Immer noch drängt sich die Menge um die Tür der Poststation.

Bill bahnt sich seinen Weg hindurch und betritt das Office. In einer Ecke des Raumes liegen die beiden reglosen Gestalten. Ein kleiner, muskulöser Mann mit breitem, kräftigem Kinn deckt sie eben mit einer Plane zu.

Die blauen Augen des Mannes sind hell vor Zorn, als er sich an einen schlaksigen, hageren Mann wendet, der einen seltsamen, achtzackigen Stern auf seinem Hemd trägt.

„Ich will einfach keine weiteren Entschuldigungen hören, Cooley. Ich möchte Erfolge sehen. Sie sagen, Richter Ormond in Timber Lodge hat Sie als Hüter des Gesetzes hierher in die Missoula-Gulch gesandt. Well, dann lassen Sie was von Recht und Gesetz sehen — und zwar so, dass auch einige andere außer Tom Crocket Nutzen davon haben. Wer den Überfall verübt hat, muss Spuren hinterlassen haben. Mit anderen Worten: Reiten Sie hinaus, und unternehmen Sie etwas!"

Tim Cooley, der Mann mit dem seltsamen Stern, lächelt vage.

„Sie scheinen zu vergessen, Mister Cox, dass ich nur sogenannter Schiedsmann in diesem Camp bin. Ich bin da, um Entscheidungen herbeizuführen, wenn es um strittige Ansprüche auf irgendwelche Claims geht. Ich bin da, um Besitztitel zu beglaubigen oder sonstige Anweisungen zu erfüllen, die Richter Ormond mir geben mag. Aber ich bin weder Sheriff noch Marshal, ich ..."

„Hä!, schnaubt Ben Cox, der Postagent, stampft wild heran und tippt auf Cooleys Stern, der die Gravierung trägt „Camp Guardian — „Camp-Hüter. „Und was ist das, he? Für diesen Job haben Sie verdammt merkwürdige Ansichten, wie?

Tim Cooleys blasse Augen werden schmal.

„Ich befolge nur Richter Ormonds Anweisungen."

„Well! Dann werde ich mich mal mit Ormond in Verbindung setzen. Überhaupt erscheint mir da manches sonderbar ..."

„Also gut!, sagt da Cooley rasch. „Ich werde selbst mit dem Richter reden. Und bis dahin spiele ich eben 'n bisschen den Banditenjäger. Bin selbst daran interessiert, dass endlich Ruhe in unser Camp einzieht.

Ben Cox ist überrascht über Cooleys plötzliche Entschlossenheit. Aber Jake Howe, der Fahrer, unterbricht seinen Gedankengang:

„Haben die Kutsche im Winkel der vierten Haarnadelkurve diesseits des Passes gefunden, Cooley."

Der Schiedsmann erwidert mit flacher, kühl klingender Stimme:

„Ich werde mich umsehen. Aber wie weit ich den Spuren folgen kann, ist eine andere Frage. Sie vergessen alle, dass das hier ein verdammt weites und raues Land ist. Es handelt sich um kein Kornfeld von zehn Acres. Und ich bin schließlich kein Zauberer."

Er dreht sich um und stapft hinaus. Bill sieht noch einmal sein dunkles Gesicht und die blassen Augen, in denen ein heißer Zorn brennt.

„Das ist der Mann, der Tom Sarbers Postwagen hergebracht hat, erklärt Jake Howe. „Vielleicht kannst du geschäftlich mit ihm reden, Ben.

Der stämmige Mann betrachtet Bill und nickt dann.

„Wenn Sie wollen, können Sie den Posten des toten Fahrers haben, mein Freund."

Bill schüttelt den Kopf.

„Danke, bin nicht daran interessiert. Er wendet sich wieder an Jake Howe. „Die junge Lady muss doch Gepäck gehabt haben? Wo ist es?

Im Gepäckabteil der Postkutsche stehen zwei wohl gefüllte Reisetaschen, die Jake Plowe jetzt Bill übergibt. Dieser bringt sie zu der Hütte am Rande des Terrassenlandes.

Als er anklopft, erscheint Les Jarden an der Tür.

„Miss Winters' Gepäck", erklärt Bill.

Er will sich schon abwenden, als das Mädchen an Jarden vorbeischlüpft.

„Warten Sie doch!, ruft sie. „Sie sind wirklich sehr freundlich und hilfsbereit zu mir gewesen. Ich möchte Ihnen danken, Mister ...

„Murphy, Bill Murphy. Aber Dank ist nicht nötig, Miss Winters. Ich möchte hoffen, dass es Ihrem Vater schon wieder besser geht."

Sie lächelt.

„Zuerst war er brummig wie ein Bär und hat gesagt, ich hätte nicht in ein so raues Camp kommen dürfen. Aber in Wirklichkeit ist er froh, dass ich da bin."

Der grimmige Zug um Bills Mund wird ein wenig sanfter.

„Davon bin ich überzeugt."

Er greift flüchtig an seinen Hut und kehrt dann wieder in die Stadt zurück.

Das wäre erledigt, denkt er. Jetzt hat er genug mit sich selber zu tun. Zuerst muss er Tom Crocket aufsuchen, wenn er Essen und ein Bett für die Nacht haben will. Der lange Tag hat ihn viel Kraft gekostet. Die verwundete Hüfte schmerzt. Er empfindet darüber den ungeduldigen Zorn eines starken Mannes, der gewöhnlich über jede körperliche Schwäche erhaben ist.

Bill tritt durch die Tür eines langen Holzgebäudes, in dem jemand misstönend auf einem Klavier herumhämmert. Ein Schild über dem Eingang verkündet, dass sich der Saloon „Big Nugget" nennt.

Die lange Bar und die zahlreichen Pokertische sind gut besetzt. Der rückwärtige Teil des Raumes ist als Tanzfläche freigelassen; jetzt aber ist er leer — bis auf den Mann am Klavier.

Dieser Mann sieht eigenartig aus. Er ist klein, fast zwergenhaft. Er beugt sich dicht über die Tasten, während seine plumpen, aber erstaunlich beweglichen Finger eine Dissonanz nach der anderen erklingen lassen. Ein bitterer Ausdruck liegt auf seinem bleichen Gesicht.

Gleich nachdem Bill Murphy eingetreten ist, verstummt das Klavier mit einem letzten, schrillen Missklang, denn im selben Moment ertönt die Stimme eines Mannes schroff und wütend.

„Und ich sage Ihnen, ich werde jetzt hineingehen und mit Tom Crocket sprechen! Niemand wird mich daran hindern. Aus dem Weg, Sanders!"

Die Menge weicht zurück, und jetzt kann Bill die beiden Männer sehen, die einander gegenüberstehen. Einer der beiden ist ein stämmiger Goldgräber; sein Gegenüber jedoch ist ein schlanker, fast zierlicher Mann, über dessen Gesicht in diesem Augenblick ein spöttisches Lächeln huscht.

„Tom darf jetzt nicht gestört werden, Dorgan. Sie haben gestern mit ihm gesprochen. Der Streitfall ist erledigt, klar? Gehen Sie wieder an Ihre Arbeit!"

„Das will ich ja, gibt der Goldgräber fauchend zurück. „In diesem Nebenraum steckt eine dreckige, diebische Ratte, und der Name dieser Ratte ist Tom Crocket. Weder er noch sonst jemand kann mir meinen Claim stehlen und damit durchkommen. Ich werde jetzt hineingehen und mir die Ratte vornehmen!

Der Mann setzt sich in Bewegung, und der andere wippt lässig auf den Zehen.

„Das ist weit genug, Dorgan", warnt er lächelnd.

Der Goldgräber beginnt zu fluchen und zerrt wütend einen alten Bulldog-Revolver aus seiner Tasche.

Seine Absicht ist deutlich, aber er ist langsam und ungeschickt. Er hat den Revolver erst halb aus der Tasche gezogen, als der zierliche Mann einen Colt aus einem Schulterholster reißt und Dorgan niederschießt.

Langsam einknickend, stürzt der Goldgräber, als ihm der andere eine zweite Kugel durch die Brust jagt.

Das Krachen der Schüsse verklingt.

Eine lange, atemlose Stille tritt ein.

Erst das Aufschlagen einer Tür am anderen Ende der Bar unterbricht das lastende Schweigen. Tom Crocket tritt heraus. Er wirkt vollkommen ruhig.

„Was ist hier los, Kit?", fragt er.

Der zierliche Mann weicht zurück und hält dabei die Menge wachsam im Auge.

„Dorgan, sagt er über die Schulter zurück. „Er wollte dich über den Haufen knallen, Tom. Ich hab ihn gewarnt und fortgeschickt, aber er hat gezogen — das war alles.

Mitten in der schweigenden Menge sagt plötzlich jemand:

„Ich kann euch noch andere nennen, die an einem dieser Tage ihr Glück versuchen werden. Jack Dorgan war ein guter, ehrenwerter Mann."

Kit Sanders wippt wieder auf den Zehenballen und starrt den Mann an, der eben gesprochen hat.

„Du wirst dich auch noch in dein Grab hineinreden, Barney Fox."

„Ich trage keinen Revolver bei mir, Kit Sanders, antwortet Fox ruhig. „Ich bezweifle also, dass ihr es wagen werdet, mich am hellen Tag zu ermorden. Und bei Nacht werde ich verdammt scharf aufpassen, Kit Sanders!

Eine Bewegung und ein drohendes Grollen läuft durch die Menge. Dann sagt eine andere Stimme:

„Du hast dem schmutzigen Killer richtig Bescheid gesagt, Barney. Es gibt eine Grenze für alles — auch hier in der Missoula-Gulch. Wer hilft mir jetzt, Jack Dorgan wegzutragen?"

Mehrere Männer treten heran, heben den Toten auf und tragen ihn hinaus.

Der zierliche Killer beobachtet sie kühl, und das dünne, spöttische Lächeln spielt noch immer um seine Lippen.

Bill Murphys Augen sind undurchschaubar, als er die Vorgänge beobachtet. Für ihn ist gewaltsamer, plötzlicher Tod nichts Neues. Seit Männer zum ersten Mal über die Erde schritten, haben sie gegeneinander gekämpft und einander getötet. Und sie werden es wohl immer weiter so tun bis an das Ende aller Zeiten, überlegt er skeptisch.

Er richtet den Blick auf Tom Crocket, der ihn im gleichen Augenblick entdeckt hat.

Einen Moment lang starrt Tom Crocket ihn an, als sei er seiner Sache nicht ganz sicher, dann ruft er:

„Murphy — Bill Murphy!"

Bill stakst herüber, um ihn zu begrüßen. Crocket hat seine Hand schon ausgestreckt und strahlt ihn mit seiner alten Herzlichkeit an.

„Mann!, ruft er. „Bin ich froh, dich wiederzusehen! Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, dass mein Brief dich je erreichen würde. Bill, du hättest dir für dein Erscheinen keinen günstigeren Augenblick aussuchen können.

Bill Murphy zuckt mit den Schultern, während er Crocket die Hand schüttelt.

„Mir scheint, einen ziemlich rauen Augenblick habe ich mir ausgesucht, Tom."

Sie sitzen allein im Nebenzimmer des Big Nugget, und Bill hört zu, während Tom Crocket spricht.

„Erinnere mich noch genau an die Zeit, als wir Seite an Seite in dem verdammten Weidekrieg geritten sind. Da hat es auf beiden Seiten harte Männer gegeben, aber keiner war härter als du. Und gescheit warst du auch. Das war der Grund, warum ich mich an dich erinnerte. Ich brauche nicht nur harte, sondern auch gescheite Männer."

„Vielleicht überschätzt du mich ein bisschen, Tom, meint Bill gedehnt. „Ich komme bankrott und schwach wie eine kranke Katze hierher, weil ich mich in Timber Lodge einmal von einem Kartenhai habe überrumpeln lassen. Solche Sachen sollten einem harten und gescheiten Mann eigentlich nicht passieren.

Crocket lacht schallend.

„Bankrott hast du gesagt? Well, das könnten wir schnell ändern."

Ein solider Eisensafe steht in einer Ecke des Raumes. Crocket arbeitet kurze Zeit an dem Schloss.

Als er wieder zurückkommt, wirft er Bill einen dicken, kleinen Hirschlederbeutel hin, der mit einem dumpfen Schlag auf die Tischplatte prallt.

„Das gehört dir, meint er lässig. „Etwa anderthalb Kilo. Damit kannst du dir kaufen, was du brauchst. Wenn du mit mir zusammengehst, ist dir jeden Monat ein ebenso schwerer Beutel sicher. Na, alter Junge, was sagst du jetzt?

Bill wiegt den Goldbeutel in der Hand und überlegt. Crocket hat also in seinem Brief nicht gelogen. Hier ist wirklich viel Geld zu verdienen — sehr viel Geld.

Er lehnt sich zurück.

„Also gut, schieß los — aber vergiss nicht, Tom: Ich habe mir noch ein Stück Gewissen bewahrt."

Wieder lacht Crocket herzlich.

„Ich war ein einziges Mal ein Narr, und zwar damals, als ich für vierzig Dollar und Verpflegung für Gar Parden meine Haut zu Markte getragen habe. Mach dir keine Sorgen: Das Gesetz steht voll und ganz auf unserer Seite. Und hier ist die ganze Geschichte — kurz und bündig!"

Crocket macht eine kleine Pause und zündet sich eine schwarze Zigarre an. Er saugt eine Lunge voll Rauch ein und beginnt:

„Ein Goldsucher namens Carr hat hier den ersten Fund gemacht und damit das Camp zum Leben erweckt. Ich hatte etwas Geld — gerade genug, um dieses Gebäude auf die Beine zu stellen und ins Geschäft zu kommen. Im vergangenen Winter ist dann Andy Carr wieder von der ewigen Unruhe des echten Goldsuchers gepackt worden. Er konnte es hier mit einem Mal nicht mehr aushalten und bot mir seinen Entdeckungsclaim an. Der Claim war geradezu geschenkt, und ich habe schnell zugegriffen.

Ich habe mich darangemacht, den Entdeckungsclaim auszubeuten. Das ist aber nicht alles. Bei einem Fundort wie der Missoula-Gulch richtet sich die Lage der meisten Claims nach dem Entdeckungsclaim. Wenn ein Mann also seinen Claim eintragen lässt, meldet er ihn als so und so viele Yards ober oder unterhalb des Entdeckungsclaims befindlich an."

Bill nickt.

„Davon habe ich schon gehört. — Erzähl weiter!"

Crocket dreht die Zigarre zwischen seinen Lippen.

„Schön. Wenn nun ein Mann einen größeren Fehler in seinen Abmessungen macht, ist sein Besitztitel ungültig. Der Grund steht dann jedem Mann offen, der sich darauf eintragen lässt, und zwar richtig eintragen lässt.

Nachdem ich also den Claim gekauft hatte, überprüfte ich die Abmessungen und Grenzen anderer Claims. Dabei habe ich festgestellt, dass die ersten Claims oberhalb und unterhalb des Entdeckungsclaims falsch abgesteckt waren. Der unterhalb liegende Claim reicht um etwa dreißig Yards in den Entdeckungsclaim hinein, während der oberhalb liegende Claim um etwa die gleiche Strecke von meinem Claim getrennt ist. Dadurch wurde die Eintragung beider Claims ungültig, und ich bin in diese Claims eingerückt."

Crocket zuckt mit den Schultern.

„Und jetzt ist die Hölle los. Die früheren Claim-Inhaber stoßen alle Arten von Drohungen aus und beschuldigen mich jedes Verbrechens, vom Babyraub bis zur Bigamie."

„An ihrer Stelle würde ich wahrscheinlich ebenso reagieren."

Tom Crocket lacht wieder dröhnend.

„Natürlich, das würde ich auch! Wie die Dinge aber liegen, bin ich vollkommen im Recht, und ich wäre ein Narr, wenn ich das nicht ausnützen würde. Sobald mir das Gesetz Unrecht gibt, werde ich abrücken."

„Die Art von Rechtsprechung, die solche Fragen regeln können, ist aber noch recht weit von der Missoula-Schlucht entfernt, wie?", fragt Bill trocken.

Crocket zuckt die Achseln.

„Das ist das Pech der anderen. Er lehnt sich mit gespreizten Ellbogen über den Tisch. „Wir beide haben doch diesen Weidekrieg mitgemacht. Worum ging es da? Um Gras und Wasser! Grenzen wurden umkämpft. Wer hatte alles in der Gewalt, als ich weggeritten bin? Gar Parden. Und wie hat er die Dinge in die Hand bekommen? Indem er einfach vorgerückt ist und das Land besetzt hat. Wer hat ihm aber geholfen, in das Land zu rücken? Leute wie du und ich. Und hast du wegen deines Anteils an diesem Kampf irgendwann nicht schlafen können?

„Ich habe überhaupt nicht darüber nachgedacht, gibt Bill Murphy zu. „Auf jeder Weide war das die Ordnung der Dinge, die man hingenommen hat. Du bist für die eine oder die andere Mannschaft geritten, und du hast auf jeden Fall kämpfen müssen.

Crocket lässt die geballte Faust auf die Tischplatte sausen.

„Genau das ist es auch hier! Aber einen großen Unterschied hat die Sache doch: Dort hast du vierzig Dollar im Monat und freie Verpflegung gehabt, und hier bekommst du drei Pfund Gold im Monat. Und wenn der Ertrag es ermöglicht — ich bin dessen ziemlich sicher — werde ich den Sold noch erhöhen.

Ich baue in jedem meiner drei Claims Schlemmkästen ein — solche schrägen, hölzernen Wasserbahnen mit einem Goldsieb am Ende. Außerdem werde ich richtige Arbeitsmannschaften in die Claims schicken, die den Kies gründlich durcharbeiten sollen. Bei jeder Entleerung wird für Tausende von Dollars Gold in den Siebkästen sein. Diese Art von Schatz verlangt aber eine Bewachung — eine Bewachung durch Männer, die hart und zugleich clever sind und denen ich völlig vertrauen kann."

Bill Murphy wischt sich über den Mund.

„Und du glaubst, dass ich dafür geeignet bin?"

„Wenn ich es nicht glauben würde, dann hätte ich mir nicht die Mühe gegeben, dich aufzuspüren. So, jetzt kennst du die allgemeine Lage; wie gefällt sie dir?"

Bill steht auf und verstaut den schweren Goldbeutel in seiner Tasche.

„Wo kann man in diesem Camp schlafen und essen?"

„In meiner Hütte ist ein Bett frei. Komm!"

4

Crockets Hütte gehört zu einer Gruppe von drei Bauten, die etwas abseits von der Stadt an der Hangseite stehen. In den beiden anderen brennt bereits Licht.

Crocket entzündet eine Lampe.

An den beiden Längswänden stehen Betten, und Crocket weist auf eines der beiden.

„Das ist dein Bett, Bill. Mach es dir bequem. Wenn du dir ein Essen kochen willst, kannst du es jederzeit tun. Auf dem Sims da drüben stehen die Vorräte."

Er wirft Bill einen schnellen Blick zu und sieht, wie dieser die Schultern vor Kälte hochzieht.

„Mann, du brauchst wärmere Kleidung, sagt er. „Du bekommst sie im Store gleich neben der Poststation. Schlaf dich heute Nacht gründlich aus, ich sehe dich dann am Morgen. Ich bin ein vielbeschäftigter Mann, verstehst du?

5

In der Handelsstation hat Bill Murphy einen Teil seines Goldes in Münzen umgetauscht. Er bezahlt seine Einkäufe und geht in den Big Nugget.

Dort ersteht er eine Zigarette, schlendert im Saal umher und beobachtet das Spiel an verschiedenen Pokertischen.

Auch am Farotisch wird jetzt lebhaft gespielt. Der Bankhalter ist jener Spieler, mit dem Bill in der Postkutsche aneinandergeriet.

Kit Sanders steht auf seinem Beobachtungsposten — makellos gekleidet, mit kaltem Blick und unbeirrbarer Aufmerksamkeit.

Der hässliche, zwergenhafte Mann sitzt wieder am Klavier, und jetzt zaubern seine flinken Finger freundliche Melodien aus den Tasten.

Mehrere Paare tanzen im rückwärtigen Teil des Raumes. Einer der Tänzer ist Les Jarden.

Bill folgt ihm mit den Blicken und betrachtet seine Partnerin: ein schlankes, dunkelhäutiges und recht hübsches Mädchen. Dann bemerkt er, dass auch noch andere Blicke dem Paar folgen. Wenn die bei den in der Nähe des Klaviers vorbeitanzen, verdreht der kleine Klavierspieler jedes Mal den Kopf. Unwillkürlich verzerren sich seine hässlichen Züge, und hin und wieder mischt sich eine Dissonanz in den gefälligen Fluss der Melodie.

Bill sieht drei Männer, die von Zeit zu Zeit hinter der Tür des Nebenzimmers verschwinden und wieder herauskommen. Einer der drei ist ein riesiges Ungeheuer von Mann — mit rotem Haar und rotem Bart.

Ein anderer, kleinerer Mann ist dunkelhäutig. Der dritte ist Tim Cooley, der Schiedsmann.

Als Cooley wieder aus dem Nebenzimmer kommt, tritt er an den Farotisch und beginnt zu spielen.

Bill verlässt den Saloon, geht zur Hütte zurück und rollt sich sofort in die Decken. Er hat heute vieles gehört und gesehen — aber bei Weitem nicht genug, um die Dinge wirklich richtig beurteilen zu können.

Die Dinge, auf die sich Bill Murphy am besten versteht, liegen weit entfernt von diesem pilzartig in die Höhe schießenden Goldgräbercamp. Er kennt den Staub der Rinderwege und die offene Weide des Graslandes. Auch dort ergreifen die Männer Partei und kämpfen gegeneinander.

Aber hier, in dem Goldgräberlager, wird eine andere Sprache gesprochen, und vieles davon versteht er nicht. Nur die Triebfedern des Handelns sind die gleichen.

Einer Sache ist sich Bill Murphy völlig sicher. Er ist wieder gut gekleidet und gesättigt, und er liegt in einem warmen Bett.

Für den Augenblick ist nichts sonst wichtig für ihn.

6

Bill Murphy steht mit Tom Crocket am Rande einer lang gestreckten Kies und Sandbank. Sägen kreischen und Hämmer dröhnen beim Bau der Holzrinnen für den Schlemmkasten.

„Morgen werden wir das Wasser in die Rinnen leiten können, sagt Crocket. „Morgen Abend wird sich das erste Gold in den Riffeln abgelagert haben. Von diesem Augenblick an kann alles mögliche passieren. Bill, schau dich inzwischen richtig um, damit du das Gelände im Kopf hast. Ich sehe dich dann später.

Crocket eilt zur Stadt zurück, und Bill schlendert gemächlich weiter durch die Schürfstellen.

Als er aber die lange Strecke neben den Rinnen verlassen will, erlebt er eine hässliche Überraschung. Ein stämmiger Mann mit schwarzem Bart und flammenden, blauen Augen arbeitet am Handgriff einer primitiven Winde, die er über einem schmalen Schacht aufgestellt hat. Er hat eben einen Eimer voll Schlamm heraufgeholt und ihn auf einen Haufen neben dem Schacht ausgeleert.

Jetzt tritt er auf die andere Seite, schnappt ein Gewehr und richtet gleich darauf die Mündung auf Bills Gürtelschnalle.

„Das ist weit genug, sagt er barsch. „Sie werden sich jetzt umdrehen und wieder zurückmarschieren!

Bill sieht den Miner fest an und kneift die Augen ein wenig zusammen.

„Gibt es ein Gesetz, das einem Mann verbietet, spazieren zu gehen?", fragt er gedehnt.

„Sobald Sie auf diesem Claim spazieren gehen, ja, lautet „die kalte Antwort. Der Miner klopft auf den Kolben seines Gewehres. „Und hier ist das Gesetz.

„Was haben Sie gegen mich?, fragt Bill. „Ich habe Sie noch nie gesehen.

Der Miner spuckt aus.

„Aber ich habe Sie gesehen. Und zwar mit Tom Crocket zusammen. Das genügt mir. Sie werden auf keinem Claim herumspionieren, der Barney Fox oder Dave Jordan gehört. Keiner von Crockets diebischen, mordlustigen Kettenhunden wird mich oder Dave Jordan tyrannisieren. Sie können Ihrem Tom Crocket ruhig erzählen, dass Barney Fox das gesagt hat. Und jetzt weg hier!"

Bill zuckt mit den Schultern und wendet sich ab.

Auch einer von diesen kleinlichen Burschen, denkt er, die nur blinde, starrsinnige Gegnerschaft gegen jeden empfinden, der es besser macht als sie. Es ist immer dieselbe alte Geschichte. Wenn sich einer aus der Menge herausarbeitet und einen Vorsprung gewinnt, hat er gleich die ganze Meute kläffend und schnappend an den Fersen.

In der nächsten halben Stunde soll Bill allerdings herausfinden, dass es viele Männer dieser Art gibt. Kein einziger, der auf einem Claim arbeitet, schenkt Bill einen freundlichen Gruß.

Alle sind mürrisch und misstrauisch, und fast alle machen bittere und böse Bemerkungen über Tom Crocket und seine Komplizen. Mehrere lassen Bill Murphy in das unfreundliche Auge ihrer Waffenmündungen sehen.

Bill verlässt die Schürfstellen und steigt langsam den niedrigen Hang am westlichen Rand des Goldgräberlagers hinauf. Ein kalter Zorn arbeitet in ihm. Er ist so etwas nicht gewöhnt. Daheim im Weideland haben die Männer nicht die Waffe auf Bill Murphy gerichtet und ihn mit Drohungen und Beleidigungen von einem Weg gewiesen, den er sich gewählt hat.

Aber der Groll verflüchtigt sich bei der beunruhigenden Erkenntnis, dass er ein gebrandmarkter Mann ist, kaum dass er sich vierundzwanzig Stunden in diesem Camp aufhält.

Und warum? Nur weil man ihn mit Tom Crocket auf eine Stufe stellt.

Das ist eine sehr ernüchternde Feststellung.

7

Langsam schlendert Bill zur Handelsstation zurück, um Tabak zu kaufen.

Mary Winters tritt eben aus der Tür. Sie trägt einen Korb, der mit Lebensmitteln gefüllt ist.

Zwei Männer setzen sich in Bewegung, um sie abzufangen. Der eine ist der zierliche, kaltäugige Revolverschwinger Kit Sanders, der zweite jener Spieler, der sie schon in der Postkutsche belästigte.

Die beiden Männer versperren dem Mädchen den Weg und ziehen mit übertriebener Höflichkeit ihre Hüte. Kit Sanders streckt sogar die Hand aus, um ihr den schweren Marktkorb abzunehmen.

Die schnelle Bewegung, mit der sich das Mädchen zurückzieht, zeigt jedoch klar, wie sie darüber denkt.

Bill Murphys Schritte werden länger. Als er näher kommt, sagt Sanders gerade schmeichlerisch:

„Vorstellungen gehören zum guten Ton, Miss Winters. Ich selbst bin Kit Sanders, und das ist mein Freund Ad Forsythe. Wir würden uns glücklich schätzen, Ihnen beim Tragen des Korbes behilflich sein zu dürfen."

„Ich brauche keine Hilfe, danke, erwidert das Mädchen, und ihr funkelnder Blick verrät ihren Unwillen. „Bitte, gehen Sie mir aus dem Weg.

„Daran ist doch gar nicht zu denken, entgegnet Sanders mit scheinheiliger Sanftheit. „Der Korb ist viel zu schwer ...

Forsythe, der Spieler, sagt etwas in leisem, schnellem Ton. Sanders bricht mitten im Satz ab, sein Kopf fährt herum, und er starrt Bill Murphy an, der jetzt nur noch einen Schritt von ihm entfernt ist.

Das Mädchen dreht sich um und ruft:

„Ah, Mister Murphy!" Die Erleichterung klingt deutlich in ihrer Stimme mit.

Bill greift nach dem Hut.

„Was ist los, Miss Winters? Sind Ihnen zwei Köter in den Weg geraten?"

Sie stammelt vor Verwirrung.

„Diese zwei — diese beiden — sie ..."

Bill nickt.

„Ich verstehe."

Er blickt Sanders und den Spieler an, und seine Stimme klingt hart und kalt.

„Fort mit euch!"

Der Blick des Spielers flackert — er will sich schon abwenden. Kit Sanders bewegt sich kaum; er strafft sich nur in den Schultern. Seine blassblauen Augen zeigen eine gefährliche Ausdruckslosigkeit, und seine Stimme ist fast zu einem Flüstern geworden.

„Nur eine Frage, Mister. Wie sagten Sie doch? Köter?"

„Richtig: Köter!, gibt Murphy deutlich zurück. „Wenn Ihnen aber das Wort Ratten besser zusagt, dann bitte!

Das Mädchen berührt ihn am Arm.

„Nein, murmelt sie. „Kommen Sie. Es darf keinen Streit geben ...

„Meine liebe junge Lady, unterbricht Sanders sie scharf und mit deutlichem Spott in der Stimme, „der Streit hat bereits begonnen. Ein loses Maul verursacht immer Streit ...

Während er spricht, stiehlt sich seine rechte Hand langsam nach oben unter seinen Rock und zur linken Achselhöhle.

Bills Antwort kommt schnell und erbarmungslos. Er rollt sich auf seinen Zehen ab und lässt seine rechte Faust fliegen. Sie kracht Sanders voll ins Gesicht und wirft ihn zurück.

Bill folgt dem Schwung des eigenen Schlages und spürt dabei, wie in ihm eine kalte Wildheit aufspringt. Der Colt, der Jack Dorgan getötet hat, ist aus dem gleichen Schulterholster unter Kit Sanders' linkem Arm gekommen.

Als der Revolvermann schwankt und sein Kopf von dem ersten harten Schlag zurückfliegt, kantet ihm Bill den linken Unterarm gegen den Hals. Dann packt er Sanders' rechtes Handgelenk und verdreht es mit solcher Wucht, dass der Mann vor Schmerz laut aufbrüllt und den Colt fallen lässt. Dann gibt Bill ihm einen Stoß, dass er vornüber in den Dreck fällt.

Bill hat Sanders' Colt schon in der Hand und die Mündung auf Ad Forsythe, den Spieler, gerichtet. Er ist darauf gefasst, die Waffe im nächsten Augenblick benutzen zu müssen — aber Forsythe greift nicht nach seinem Revolver. Stattdessen hebt er die Hände langsam bis zur Schulterhöhe.

„Ich passe", sagt er leise.

Bill misst ihn verächtlich vom Scheitel bis zur Sohle.

„Einmal ein Kartenhai — immer ein Kartenhai!, sagt er kalt und schroff. „Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, dass Sie Miss Winters in Frieden lassen sollen. Das war jetzt das zweite Mal. Ich wiederhole es nicht noch einmal. Fort jetzt!

Forsythe dreht sich um. Er hat die Hände immer noch halb erhoben, und so geht er die Straße entlang.

Bill starrt Kit Sanders an. Der zierliche Revolvermann versucht eben, wieder auf die Beine zu kommen. Seine zerschlagenen Lippen beginnen bereits grotesk anzuschwellen, und ein scharlachroter Blutfaden sickert an seinem Kinn herab.

Er torkelt hoch und tastet nach seinem verrenkten Ellbogen. Noch immer keucht er unter der Wirkung des Schlages gegen seine Kehle.

Einen Augenblick starrt er Bill Murphy an, und eine kalte Hölle scheint in seinen blassen Augen zu flammen. Dann wendet er sich ab und schlurft davon.

Mit der erbeuteten Waffe in der Hand blickt Bill dem Manne nach. Der Schritt des Revolvermannes wird allmählich sicherer, als er auf den Big Nugget zugeht. Schließlich ist er hinter der Saloontür verschwunden.

Bill steckt den Colt in die Rocktasche und wendet sich an Mary Winters.

Sie blickt aus weiten und erschreckten Augen zu ihm auf. Sie zeigt den Ausdruck einer Frau, die einen Menschen, den sie zu kennen glaubt, plötzlich zu einem gefährlichen Fremden werden sieht.

Bill streckt den Arm aus, nimmt ihr den Korb ab und sagt mürrisch:

„Kommen Sie mit. Jetzt wissen Sie vielleicht, weshalb Sie nicht in solch einem Camp leben sollten."

Sie schreitet neben ihm her. Das Kinn hat sie trotzig erhoben. Kleine rote Flecken brennen auf ihren Wangen.

„Ich sehe nicht ein, warum Sie grob zu mir sind! Es war schließlich nicht meine Schuld."

Bill blickt sie an, und etwas von der Wildheit verschwindet aus seinen Augen. Sogar ein Hauch von Lächeln huscht über seine ernsten Züge.

„Ich wollte wirklich nicht grob zu Ihnen sein, Mädel, murmelt er. „Ihre einzige Schuld ist etwas, wofür Sie nichts können.

„Und was ist das?"

„Gestern Abend habe ich gehört, wie ein Mann es ziemlich treffend ausdrückte. Er hat gesagt, Sie wären so hübsch wie eine Schneerose."

„Ach — das war ein Schmeichler! Aber selbst wenn das wahr wäre — ist es denn ein Fehler?"

„In einem rauen Camp wie Missoula-Gulch muss es Ihnen gewisse Unannehmlichkeiten bereiten — wie gerade jetzt."

Einen Moment überlegt sie schweigend, dann fragt sie:

„Mochten Sie, dass ich anders wäre?"

„Nein. Aber für meinen Seelenfrieden wünschte ich, Sie wären woanders als hier in der Missoula-Schlucht."

Sie sieht ihn an.

Die Worte scheinen sie zu überraschen, und sie hört mehr heraus, als die bloßen Worte ausdrücken.

Ihre Blicke ruhen für kurze Zeit ineinander, und ein erregender, seltsamer Strom von Empfindungen rauscht in beiden auf. Dann schaut das Mädchen zur Seite und errötet tief.

„Bill Murphy, ich bin froh, dass Sie hier sind, sagt sie ernst. „Das gibt mir ein seltsames Gefühl von Sicherheit. Irgendwie ist das doch unlogisch — denn wie lange kennen wir uns schon? Nicht einmal einen ganzen Tag. Und trotzdem habe ich dieses Gefühl.

Sie haben Winters' Hütte erreicht. Bill übergibt ihr den Marktkorb.

„Geht es Ihrem Vater besser?"

„Viel besser. Meine größte Sorge ist jetzt, wie ich ihn im Bett festhalten kann. Er ist sehr aufgeregt wegen seines Claims, und er behauptet, ein Mann namens Crocket wollte ihn berauben. Darüber weiß ich ja nicht sehr viel. Ich bin nur zufrieden, dass es meinem Vater bald wieder besser geht. Jetzt nochmals vielen Dank. Sie lächelt ihn ernst und offen an. „Es scheint, ich muss Ihnen immer für irgendetwas danken.

„Es ist kein Dank nötig, erwidert er. „Ich habe meine Belohnung schon erhalten. Es war mir genug, dass ich Sie sehen und mit Ihnen sprechen durfte.

Wieder treffen sich ihre Blicke, und jener seltsame, warme Strom scheint von neuem zwischen ihnen hin und her zu fließen. Ihr Lächeln wird sanfter.

„Ich werde Sie wiedersehen, Bill Murphy."

Sie tritt in die Hütte, und Bill wendet sich zur Stadt zurück.

Ein Mann kommt ihm entgegen. Les Jarden. In seinem Blick liegt keine Freundlichkeit.

„Ich möchte Sie nicht noch einmal in der Nähe dieser Hütte sehen", sagt er schroff.

Bill misst ihn vom Scheitel bis zur Sohle.

Er sieht das blonde Haar und das hübsche, schmale Gesicht, das fast zu schmal ist, weil dadurch Les Jardens Augen etwas zu nahe aneinandergerückt werden.

Bill nickt, als habe er etwas Interessantes bemerkt. Dann murmelt er wie zu sich selbst:

„Freund, Ihre Stiefel sind Ihnen zu groß, und Sie tanzen am falschen Platz mit der falschen Sorte von Mädels. Versuchen Sie nicht, sich mir gegenüber aufzublasen."

Mit einem Mal ist Bills Blick durchbohrend und hart geworden.

Les Jardens Blick flackert und weicht dann zur Seite. Er wendet sich ab und tritt in die Hütte.

Bill bleibt einen Augenblick nachdenklich stehen. Dann richtet er sich auf und stakst davon.

Das Gewicht in seiner Rocktasche erinnert ihn an die Waffe, die er Kit Sanders abgenommen hat. Er zieht sie heraus, um sie zu entladen, aber dann hält er plötzlich inne und starrt den Colt an.

Das ist nicht die übliche Waffe der Grenze: der Peacemaker-Colt.

Es ist ein russisches vierundvierziger Modell.

Bills Gedanken gleiten zu dem Schauplatz des Postüberfalls zurück — dorthin, wo zwei Tote neben einer leeren, ausgeraubten Goldkiste gelegen haben und wo er eine weggeworfene Patronenhülse fand.

Die Patrone ist eine russische Vierundvierziger gewesen!

In der Tür der Poststation steht der stämmige Ben Cox und starrt auf die Stelle, wo sich Kit Sanders auf dem Rücken wälzte. Der Postagent hat alles gesehen — von dem Augenblick an, als Mary Winters aus dem Store trat, bis zu dem Moment, in dem sie mit Bill Murphy zu Clem Winters' Hütte weiterging.

Ben Cox überdenkt jede Einzelheit von Neuem und nickt dann zufrieden.

„Ich habe es gesehen, murmelt er vor sich hin. „Ich habe gesehen, wie Kit Sanders in den Straßenschmutz geschlagen wurde, wie man ihm seinen Revolver wegnahm und ihn wie einen kleinen Jungen behandelte; Kit Sanders, der das Camp schon seit Langem terrorisiert hat. Jawohl, das habe ich gesehen!

Er grinst vor sich hin und schlägt sich dann mit der Faust in die offene Hand.

„Ein Mann ist endlich in diesem verdammten Camp angekommen. Verdammt, ja — ein Mann!"

Ad Forsythe, der Spieler, ist vor Kit Sanders im Big Nugget angekommen und murmelt jetzt eine Entschuldigung wegen seines wenig rühmlichen Verhaltens.

„Weißt du, Kit, wenn ich gewusst hätte, dass der Bursche so ..."

Er unterbricht sich und taumelt einen Schritt zurück. Denn Kit Sanders' Blick ist wie eine schreckliche, versengende Flamme, die ihm ins Gesicht schlägt. In diesem Augenblick hat Forsythe die klare Erkenntnis, dass Kit Sanders jetzt den Colt auf ihn gerichtet hätte, wenn er noch eine Waffe gehabt hätte.

Ad Forsythe weicht vorsichtig zurück und wischt sich den kalten Schweiß von der Stirn.

Sanders schlurft am Bartresen entlang ins Nebenzimmer.

Tom Crocket sitzt dort am Tisch und schaut einige Kontobücher durch. Tim Cooley, der Schiedsmann, hockt in einem anderen Stuhl.

Tom Crocket fährt beim Zuschlagen der Tür ärgerlich auf. Aber als er Kit Sanders' düsteren Blick sieht, wird er für eine Weile völlig still.

„Hell and devil, Kit, was ist denn los mit dir?, stößt er endlich heraus. „Hat dich ein Gaul getreten?

Heiser und schleppend kommt die Antwort aus Sanders' Kehle.

„Er hat mich geschlagen. Er hat mich in den Straßendreck gestoßen. Vielleicht ist er dein Freund, Tom. Aber das nächste Mal, wenn ich ihn ansehe, geschieht es über den Lauf eines Colts hinweg. Der Mann gehört mir. Ich will sehen, wie er stirbt."

Crocket schnalzt mit der Zunge.

„Wer hat dich geschlagen? Von wem sprichst du, Mann?"

Der Hass macht Sanders' Stimme fauchend.

„Murphy! Ich werde erst wieder zu leben anfangen, wenn mir der Kerl tot zu Füßen liegt!"

Tom Crocket braucht eine kleine Weile, bis er seine Zigarre in Brand gesetzt hat. Dann weist er auf einen Stuhl und sagt sanft:

„Setz dich, Kit, entspanne dich. Was ist nun eigentlich mit diesem Murphy?"

„Hab's dir schon gesagt, zum Geier! Er hat mich geschlagen — jämmerlich niedergeschlagen. Ich bring diesen Schweinehund um!"

Crocket donnert die Faust auf den Tisch und unterbricht ihn rau.

„Warum hat er dich so behandelt? Er muss doch einen Grund gehabt haben?"

Ein mürrischer Schatten verdrängt die blanke Wut aus Sanders' Zügen.

„Wir haben Winters' Tochter angesprochen — wir beide, Ad Forsythe und ich. Die blöde, kleine Närrin spielte die Hochmut in Person. Murphy kam auf die Bühne und wurde rau. Forsythe, der feige Hund, hat sofort gekniffen. Und dann hat Murphy ..." Sanders zuckt mit den Schultern und führt die nassen Tücher wieder an den Mund.

Tim Cooley lächelt dünn.

„Du hast wenig Urteilskraft bewiesen, Kit. Das nächste Mal wirst du besser Bescheid wissen und deine Schranken nicht überschreiten."

„Schranken nicht überschreiten?, wiederholt Sanders scharf. „Warum sollte ich das Girl nicht ansprechen?

„Weil sie ein Girl ist, das sich von einem Mann wie du nicht ansprechen lässt, erklärt Cooley trocken. „So einfach ist das.

Sanders' Blick wird ausdruckslos.

„Was für eine Art von Mann bin ich also? Hör mal, Cooley, versuche nicht ..."

„Das genügt!, unterbricht Crocket scharf. „Du hältst dich aus dieser Sache heraus, Tim. Aber er hat ganz recht, Kit, es war ein dummer Streich. Du hättest es wirklich besser wissen sollen. Keine andere Sache| würde das Camp so wütend und wild auf unsere Skalps machen als die Belästigung gerade dieses Mädchens. Sie ist Clem Winters' Tochter, wenn ich dich erinnern muss. Sieh zu, dass es nicht wieder geschieht. Und was Murphy anbelangt: Hast du nicht zum Colt gegriffen?

Sanders nickt mürrisch.

„Klar, ich ..."

„Dann warst du ein doppelter Narr, erklärt Crocket kalt. „Du hast Glück, dass du überhaupt noch lebst. Ich schätze, ich habe dir von Murphy erzählt.

„So gut ist er nicht!, stößt Sanders gereizt hervor. „Ein andermal ...

„Wirst du tot sein. Ich habe Murphy an der Arbeit gesehen. Er ist das reinste Gift. Deshalb habe ich ihn ja hierhergeholt."

„Du willst uns andere also von dem Saukerl herumstoßen lassen, wie?, schnauft Sanders. „Wir sollen vom Sidewalk springen, wenn der große Mister daherkommt! Well, ich tue das nicht. Das ist mein letztes Wort. Ich sage dir: der Mann gehört mir!

Sanders ist ruhiger und dadurch wieder weit gefährlicher geworden. Crocket erkennt das sehr wohl. Er mildert seinen Ton:

„Ich werde mit Murphy sprechen und ihm seinen Platz hier zuweisen. Aber du musst wieder einen klaren Kopf bekommen, Kit. Du weißt doch, was wir hier vorhaben. Wenn wir das Spiel richtig anpacken, verlassen wir das Camp als reiche Männer. Wenn du einen Groll hast, dann hebe ihn dir für später auf. Sobald wir reinen Tisch gemacht haben, kannst du die Sache mit Murphy bereinigen, wenn das dein Plan ist. Das ist dein Privileg — wenn du es so haben willst."

„Ich werde es so haben wollen! Kit Sanders' Stimme wird jetzt klarer. Seine Halsmuskeln beginnen sich zu lockern. „Ich werde nur für diesen Tag leben.

Er geht wieder in den Barraum, und Tim Cooley meint:

„Das ist ein Mann, der zum tollwütigen Hund werden kann, Tom."

Crocket zuckt mit den Schultern.

„Eben jetzt ist er sehr wertvoll. Lass ihn nur."

Cooley gähnt, streckt sich und schlurft hinaus.

8

Bald darauf kehrt Crocket zur Hütte zurück, wo Bill Murphy gerade sein Mittagessen kocht.

Crockets Lächeln ist etwas gekünstelt.

„Was höre ich da? Du hast Streit mit Kit Sanders und Ad Forsythe gehabt?"

„Sagt man das?", gibt Bill gleichmütig zurück.

„Well, du hast Sanders verprügelt, und Forsythe hat gekniffen. Und das geschah mitten auf der Straße, wo euch jedermann sehen konnte. Das wird uns nicht gerade guttun."

„Wieso nicht?"

„Well, erstens wird die andere Partei mehr Selbstvertrauen bekommen, wenn sie sieht, dass wir untereinander kämpfen. Und zweitens ist es keine gute Politik, wenn ich bei den Jungens die für mich kämpfen, Missstimmung aufkommen lasse. Wenn schon gekämpft wird, dann nur gegen die Feinde, klar?"

Bill löffelt gemahlenen Kaffee in den Topf.

„Sag das Sanders und Forsythe, Tom."

Bei dieser schroffen Antwort gleitet ein Ausdruck von Unwillen über Crockets Gesicht.

„Ich habe es ihnen schon gesagt, und jetzt sage ich's dir!"

Bill dreht sich um, strafft sich und blickt Crocket fest in die Augen.

„Tom, ich bin schon auf einigen wirklich rauen Fährten geritten, und das ist vermutlich der Grund dafür, dass einige harte Kanten an mir geblieben sind. Ich kann 'ne ganze Menge vertragen, aber eines kann und will ich nicht dulden: dass Leute wie Sanders und Forsythe ein anständiges Mädchen belästigen. Er hatte verdammtes Glück, dass ich ihn nicht umgebracht habe, als er zog. Wenn er es noch einmal versucht, ist es um ihn geschehen. Das kannst du ihm von mir bestellen."

Ein düsteres Glühen ist in Bill Murphys grauen Augen erschienen, das ein scharfsinniger Mann wie Tom Crocket beachten muss. Er zwingt sich daher wieder zu einem herzlich klingenden Lachen.

„Ach, Unsinn! Du nimmst die Sache zu ernst, Bill. Die beiden wollten dem Girl ja nur guten Tag sagen."

„Wenn sie dir das erzählen, dann lügen sie, gibt Bill zurück und wechselt das Thema. „Wann fangt ich an, mir das Gold zu verdienen?

Crockets Gesicht hellt sich auf.

„Heute Nacht. Ich überlasse dir die Organisation der Wache an den Schlemmkästen. Du kannst die Schichten einteilen und alles nach deinem Belieben leiten. Du musst dafür sorgen, dass niemand an meinen Claims und Schlemmkästen herumhantiert, der dort nichts zu suchen hat. Sobald wir gegessen haben, nehme ich dich zu den anderen Hütten mit und stelle dich den Jungens vor."

In der zweiten Hütte sind drei Männer. Sie kommen auf Crockets Ruf heraus und folgen ihm und Murphy zu der dritten Hütte.

Hier sind vier Männer — darunter auch der dunkelhäutige Mann mit dem Kugelkopf und der mürrische Riese mit dem roten Bart, die Bill am vorigen Abend aus Crockets Office hat kommen sehen. Crocket stellt den Rothaarigen als Bully Girard und den Kugelkopf als Curly Bolan vor. Die anderen fünf sind Jack Case, Sharpe, Hamper, Bürge und Tappan.

„Bill Murphy ist ein Freund von mir, Jungens, erklärt er. „Ich habe in alten Zeiten mit ihm Rinder getrieben. Ich habe ihn kämpfen sehen und weiß also, was er kann. Bezüglich der Wache bei den Schlemmkästen untersteht ihr ihm. Irgendwelche Fragen?

Es scheint keine zu geben.

Bill sagt:

„Ich werde euch heute Abend wissen lassen, wie wir die Wachen einteilen."

Als Crocket und Bill wieder hinausgehen, fragt Crocket:

„Was hältst du von ihnen?"

Bill zuckt die Achseln.

„Frag mich das, wenn ich sie etwas besser kenne."

Ein Strom der Erregung scheint die Main Street entlangzufließen, und das Zentrum ist die Handelsstation. Bill und Crocket bleiben am Rand des Auflaufes stehen und lauschen den Worten der Männer, die plötzlich von einer stärkeren Woge des Goldfiebers gepackt zu sein scheinen.

Aus kleinen Fetzen der Unterhaltung können sie sich zusammenreimen, was geschehen ist.

Klaus Lehrmann, dem der Claim Nummer vier unterhalb des Entdeckungsclaims gehört, ist auf ein Hole mit walnuss- bis erbsengroßen Körnern gestoßen. In weniger als vier Stunden — so wird behauptet — hat der Glücksvogel für mehr als achttausend Dollar Gold aus dieser Grube geholt.

Ein anderer sagt, es seien nur fünftausend. Man wird das aber bald erfahren, denn Klaus Lehrmann ist eben in der Station und lässt seinen Fund von Joe Ruppert abwiegen.

Während er sich eine Zigarette dreht, betrachtet Bill die Gesichter der Männer. Er findet, dass sie alle einen gemeinsamen Ausdruck haben. Dieser Ausdruck strafft ihre Züge und lässt eine Flamme in ihren Augen auflodern.

Gold!

Dieses Fieber hat Bill Murphy noch nicht ergriffen. Er hat einen nüchternen Sinn für den Wert des Goldes.

Es kann dazu dienen, das Leben eines Mannes erfüllter und zufriedener zu machen, aber es gibt viele Dinge, die ein Mann genießen kann und die keine Beziehung zum Gold haben.

Etwa die Morgendämmerung, die strahlend über dem Rand der Welt erscheint und einem Mann einen neuen Tag schenkt — einen Tag, den er nach einem erfrischenden Schlaf voller Eifer und gesunder Kraft begrüßen kann — dies und viele andere Dinge haben nur wenig oder gar keine Beziehung zum Gold.

Drüben in der Tür der Poststation steht Ben Cox, und seine stämmige Gestalt scheint zugleich ein Sinnbild für seinen soliden Charakter zu sein.

Bill, der seinem Blick zufällig begegnet, spürt eine gewisse Unruhe. Er liest eine Mischung aus grimmiger Abschätzung und ein gewisses Bedauern in diesem prüfenden Blick. Er fühlt sich plötzlich abgewogen und für zu leicht befunden.

9

Die erste Nacht auf Wache verstreicht ruhig. Bill Murphy führt die zweite Schicht selbst. Jack Case, einem breitschultrigen Mann mit hartem Kinn, hat er den Befehl über die erste Wache übertragen.

Er hat Case ausgesucht, weil dieser Mann einen festen Blick hat und ihm einen vertrauenswürdigeren Eindruck als die anderen macht.

„Keine Zwischenfälle?", fragt er, als er die Wache von Case übernimmt.

Case berichtet:

„Nur eines, Bolan ist für etwa eine Stunde davongeschlichen. Ich habe gewartet, und er kam erst eine Viertelstunde vor Schichtwechsel zurück."

„Hatte er eine Entschuldigung?"

„Er hätte gefroren und sich darum in der Stadt einen Drink gekauft."

„Ich werde mit ihm

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