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Marie: Drachen: Textausgabe

Marie: Drachen: Textausgabe

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Marie: Drachen: Textausgabe

Länge:
228 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 18, 2017
ISBN:
9783739696478
Format:
Buch

Beschreibung

Eine verschachtelte Erzählung aus der Marie-Serie mit integriertem Märchen sowie Fabeln.
 
Lena läßt im Park ihren Spielzeugdrachen steigen, übersieht dabei jedoch einen aufziehenden Sturm. Marie hilft ihr, ihren Drachen wieder sicher einzufangen und bringt sie heim. Weil Lena ihre Schlüssel vergessen hat, ziehen sich beide auf den Dachboden des Mietshauses zurück und Marie erzählt mit Lenas Hilfe das Märchen vom Drachen-Mädchen Remia, Tochter vom finsteren und mächtigen Drachen Atrev. Remia findet in der Katze Mütze eine Freundin, mit welcher sie sich immer wieder gegen Atrev behaupten muß, um sich sowie Mütze leben zu lassen, bis der Konflikt eskaliert.
 
Dies ist eine vereinfachte Textausgabe ohne eigene Stilvorlagen.
Dekorative Elemente wie Graphiken sind hierbei lediglich als zusätzlicher Inhalt explizit getrennt von der Erzählung enthalten.
Damit ist diese Ausgabe besonders geeignet für Präsentationsprogramme, Geräte sowie Konversionsskripte, welche EPUB nur sehr rudimentär interpretieren können.
Dazu eignet sich diese Ausgabe überdies für Publikum mit einem Hang zur Anmutung von Elementen klassischer gedruckter Bücher.
 
Einige Charakteristika dieses Buches:
Zeichenanzahl: 367612
Wortanzahl (Token, Wörter): 56651
Wortumfang (Worttypen, verschiedene Wörter): 7673
Variabilität (Type-Token-Verhältnis): 0.135
Guiraud-Index: 32.2
Informationsgehalt (Wortebene): 9.81 Shannon
Satzanzahl: 3166
Graphiken: 8
Alternative Stilvorlagen: 0
 
 
Schlüsselwörter, Themen: Anekdote, Märchen, Fabel, Drachen, Drachen-Mädchen, Mädchen, Katze, Freundschaft, Unwetter, Gewitter, Unheil, Kindheit, Kampf, Befreiung, Wahrnehmung, Erinnerung, Wirklichkeit, eigener Weg, Verfremdungseffekt, deus ex machina
 
Ausgabe: 2021-08-16
 
Herausgeber:
Freigegeben:
Oct 18, 2017
ISBN:
9783739696478
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Marie - Marie de Sade

Metainformationen zum Buch

Buchidentifikation: (EBI)[Marie de Sade|Marie: Drachen (Textausgabe)|5] [2016-02-11T20:36:04Z] [20|z06Vz-Y525-34H5-H642] Sprachede BuchtitelMarie: Drachen BuchuntertitelTextausgabe BeschreibungLena läßt im Park ihren Spielzeugdrachen steigen, übersieht dabei aber einen aufziehenden Sturm. Marie hilft ihr, ihren Drachen wieder sicher einzufangen und bringt sie heim. Da Lena ihre Schlüssel vergessen hat, ziehen sich beide auf den Dachboden des Mietshauses zurück und Marie erzählt mit Lenas Hilfe das Märchen vom Drachen-Mädchen Remia, Tochter vom finsteren und mächtigen Drachen Atrev. Remia findet in der Katze Mütze eine Freundin, mit welcher sie sich immer wieder gegen Atrev behaupten muß, um sich und Mütze leben zu lassen, bis der Konflikt eskaliert.

Dies ist eine vereinfachte Textausgabe, einmal abgesehen vom Titelbild ohne Graphiken und als Voreinstellung nur eine einfache Stilvorlage ohne Farbangaben, besonders geeignet für Präsentationsprogramme, Geräte und Konversionsskripte, die EPUB nur sehr rudimentär interpretieren können. Autorin (Text, Vorwort, Auszeichnungssprachen)Marie de Sade Mitarbeiter (Vorwort, Auszeichnungssprachen, Titelgraphik, Korrekturleser)Dr. Olaf Hoffmann Mitarbeiterin (Korrekturleserin, Muse)Inken S. ImpressumKontakt bei BookRix: M.d.S. http://www.bookrix.de/-if4897c4a0f7965/

email: mds@kdwelt.de Mehr Bücher von M.d.S. bei BookRix:http://www.bookrix.de/books;user:if4897c4a0f7965.html Datum (Erstellt)2016-02-02/15, 2016-05-26/06-04 Datum (Letzte Bearbeitung)2017-10-15T23:00:00Z Formatapplication/epub+zip WerktypText Schlüsselwörter, ThemenAnekdote, Märchen, Fabel, Drachen, Drachen-Mädchen, Mädchen, Katze, Freundschaft, Unwetter, Gewitter, Unheil, Kindheit, Kampf, Befreiung, Wahrnehmung, Erinnerung, Wirklichkeit, eigener Weg, Verfremdungseffekt, deus ex machina Publikum, ZielgruppeKinder, Jugendliche, Erwachsene

Marie: Drachen

Inhaltsverzeichnis

Titelseite

Metainformationen

Epigraph

Vorwort

Zum Inhalt

Technisches

Ein kleiner Drachen im Sturm

Auf dem Dachboden

Das Märchen vom Drachen-Mädchen Remia

Über Drachen allgemein

Remia, das Drachen-Mädchen

Ausflug mit Atrev

Fabelhafte Belehrung

Fabel von Schlange und Krähe

Fabel von Krähe und Schlange

Fabel von Drachen, Krähe und Schlange

Das Kätzchen

Konsequenzen

Am Zaun

Drachenkrautlichtung

Jungs

Der Kampf

Erwachen

Suche

Das Erbe

Danach

Nach dem Sturm

Lenas Mutter

Abschied

Epilog

Epigraph

… Bekanntlich gibt es keine Drachen. Einem simplen Verstand mag diese primitive Feststellung vielleicht genügen, nicht aber der Wissenschaft, denn die Neantische Hochschule befaßt sich überhaupt nicht mit dem, was existiert; die Banalität der Existenz ist bereits zu lange erwiesen, als daß man auch nur ein Wort darüber verlieren sollte. So entdeckte der geniale Kerebron, der mit exakten Methoden dem Problem zu Leibe ging, drei Arten von Drachen: Nulldrachen, imaginäre und negative Drachen. Es existieren, wie gesagt, alle nicht, aber jede Gattung auf eine besondere und grundverschiedene Weise. …

Aus Die dritte Reise oder Von den Drachen der Wahrscheinlichkeit von Stanisław Lem

Eines Tages sagte Unmon zu seinen Schülern:

‚Dieser mein Stab hat sich in einen Drachen verwandelt und hat das Universum verschlungen. Oh, wo sind die Flüsse und die Berge und die große Erde?‘

Zen-Kōan

Oft sehn wir eine Wolke, drachenhaft, oft Dunstgestalten gleich dem Leu, dem Bär, der hochgetürmten Burg, dem Felsenhang, gezackter Klipp’ und blauem Vorgebirg, mit Bäumen drauf, die nicken auf die Welt, mit Luft die Augen täuschend.

William Shakespeare

Nicht hoffe, wer des Drachen Zähne sät, Erfreuliches zu ernten.

Friedrich Schiller

Ein gefräßiges Feuer wärmt ihm seine Glieder

Sein Atem brennt, sein Blick ist tot und kalt

Mein Monster ist blind, es trampelt alles nieder

Wenn es sich losreißt, rufst du dann vielleicht ‚Halt‘?

Siehst du die scharfen Krallen?

Siehst du die Zähne?

Hörst du das Grollen tief in seinem Bauch?

Ich seh deine Beine zittern -

nur dass ich’s erwähne -

wenn ich das merke, merkt mein Monster das auch

Aus: Monster von Judith Holofernes (Wir Sind Helden)

Drachen - das Abgründige, Bedrohliche, Unheimliche, Wilde, Ungezähmte tief in uns allen!

Bertine-Isolde Freifrau von Brockelstedt

Drachen - die Phantasie, das Grauen, die Alpträume tief in uns fliegen lassen.

Balthasar Maria Bernhard Freiherr von Brockelstedt

Vorwort

Zum Inhalt

Diese Erzählung knüpft an ein Erlebnis der Autorin Marie an, gleichwohl ist die Angelegenheit nicht so simpel, daß man den Inhalt einfach biographisch verstehen könnte. Marie besteht auf Distanz zwischen ihren eventuellen Erlebnissen und ihrem Hier und Jetzt. Es steht ein Konjunktiv im Raum, das Erlebnis kann nahezu so stattgefunden haben, es kann auch künstlerisch verdichtet sein.

Marie bewahrt die Distanz auch, indem sie auf eine Ich-Erzählung verzichtet, der Erzähler bleibt abstrakter und hat Einblick in verschiedene Gedankenwelten, wie sie Marie als Autorin leicht haben mag, Marie als Protagonistin müßte hingegen sehr scharfsinnig sein, um immer zu ahnen, was genau in den Köpfen der Menschen vorgeht, mit denen sie es zu tun hat - oft ist das zum Zeitpunkt des Erlebens auch von untergeordneter Bedeutung. Marie würde sich da schriftlich nie so genau festlegen.

Die Namen anderer Beteiligter wurden zum Schutz ihrer Privatsphäre natürlich verändert.

Technisches

Bei diesem Buch handelt es sich um eine vereinfachte Textausgabe. Anders als die der Originalausgabe enthält dieses, einmal abgesehen vom Titelbild, keine Graphiken und als Voreinstellung nur eine einfache Stilvorlage ohne Farbangaben. Diese Ausgabe ist besonders geeignet für Präsentationsprogramme, Geräte und Konversionsskripte, die EPUB nur sehr rudimentär interpretieren können. Für Programme, die das Format EPUB korrekt interpretieren, ist dringend die Originalausgabe zu empfehlen.

Ein kleiner Drachen im Sturm

Lena war aufgeregt und zog ihren Flugdrachen gegen den Wind hoch, ließ ihn steigen, hinauf in die Luft und zog recht geschickt, ließ mehr Leine, um ihn allmählich höhersteigen zu lassen. Das machte Spaß und sie konzentrierte sich ganz auf ihr schönes, selbstgebautes Spielzeug, welches seine Bahn lustig am Himmel zog und prächtig und figürlich, fabelhaft bunt bemalt war. Lena war glücklich und giggelte fröhlich bei dem heiteren Spiel im Park. Der Drachen zuckelte beinahe wie lebendig am Himmel. Die Bemalung war auf einer transparenten Folie aufgebracht, so daß man von weitem praktisch nur das Bild des wilden Fabeltiers darauf sah, welches sich schlängelte, wand und hoch am Himmel tummelte. Der Eindruck wurde auch noch dadurch verstärkt, daß sein Schwanz an einer Schnur aus weiteren kleinen Flugkörpern bestand, die im Wind in kleinem Umfange ein zappelndes Eigenleben führten.

Auf einer Bank saß im Park eine dunkel gekleidete Frau ganz bewegungslos. Sie saß sehr gerade, mit akkurat gesetzten Beinen, die Füße präzise nebeneinander, die Unterschenkel ganz gerade nach unten, wie auch ihr Rücken ganz gerade ausgerichtet war und sie sich nicht anlehnte. Die Hände hatte sie auf ihren Oberschenkeln plaziert.

Beobachtete sie Lena bei ihrem Spiel?

Oder sah sie nur bewegungslos in die Leere?

Wenn sie etwas beobachtete, wäre es dann nicht das prächtig und mächtig am Himmel flatternde und zuckelnde Fabeltier?

Aber ihr Kopf bewegte sich nicht, still und starr saß sie und ließ all dies an sich vorbeifließen wie ein mächtiger Granitblock in einem kleinen Bach, den scheinbar nichts anging, was sonst im reißenden Wasser so vor sich ging, welches seinerseits unbeeindruckt am Steinblock vorbeiströmte und unbedeutenderes Zeug mitreißen konnte.

Natürlich zauselte trotzdem der Wind in ihrem langen, dunklen Haar und zeigte so bereits, daß sie doch irgendwie in diese Welt gehörte, aber die Frau beeindruckte das nicht, sie trotzte einfach entspannt diesem alltäglichen Sein und hatte sich in sich zurückgezogen, ohne aber auch nur im Geringsten aus dem Blick zu verlieren, was um sie herum passierte, sie ließ es lediglich von sich abperlen wie die Tropfen eines milden Sommerregens auf dem Blatt einer Lotosblume.

Lena hatte die fremde Frau erst gar nicht bemerkt, weil sie so sehr mit der Steuerung ihres Prachtstückes am Himmel beschäftigt war, denn oben war der Wind stärker und so zog ihr kurzweiliges Spielzeug bald heftig und kräftig an der Schnur, daß Lena die Haspel bald schon mit ihren beiden kleinen Händen halten mußte.

Aber das machte gerade noch mehr Spaß, wenn ihr wundervolles Spielzeug so lebendig an der Leine zerrte und riß und sie mehr und mehr mit seiner Wildheit forderte - so muß ein Drachen sein, so ist seine Natur. So spürte sie die Macht und die Kraft auch des Windes und sie erfreute sich jauchzend an dem wilden Spiel der Kräfte. So könnte es den ganzen Tag gehen, dachte sie, hoffte sie, ja so war es gut, sie war ganz wach und lebendig. Das war etwas anderes als daheim vor dem Fernseher oder dem Rechner zu sitzen und nur zu schauen oder herumzudaddeln. Hier passierte wirklich etwas, was man nicht einfach mit einem Knopfdruck abschalten konnte, was nie ganz unter Kontrolle war und gerade darum besonders spannend und interessant. Hier blies ihr der Wind um die Nase und zerrte heftig am Flugdrachen und dieser unnachgiebig an der Leine in ihrer Hand. Das war ein prickelndes, aufregendes Spiel, welches Lena gänzlich fesselte und in seinen Bann zog.

Zufällig nur bemerkte Lena dann doch in ihrem Spiel die dunkel gekleidete Frau. Ja, die Frau war nicht nur dunkel gekleidet, sie war einfach dunkel und finster, als ob selbst das Licht sie zum größten Teil meiden würde. Das machte schon Eindruck und wirkte etwas beunruhigend. Beobachtete diese eigenartige Frau sie?

Lena war sich nicht sicher, der Blick folgte ihr nicht direkt, wenn sie einige Meter zur Seite ging, aber er war doch irgendwie grob in ihre Richtung gerichtet, daß sie verunsichert war. Das lenkte sie etwas ab. Das konnte sie eigentlich gar nicht gebrauchen, denn der Wind wurde stärker und ihr prächtiger Begleiter am Himmel zog mächtig an ihr, auch noch ungefähr in Richtung auf diese etwas unheimliche Frau zu. So blieb ihr aber auch nicht viel Zeit, sich Gedanken zu machen, der stärkere, böige Wind verstärkte auch das Eigenleben des ruckend fordernden Fabeltiers dort oben, daß sie reichlich zu tun hatte, um es richtig zu halten. Ihr Schmuckstück dort oben schien beinahe lebendig zu werden und zerrte kräftig an der Leine, die ihn noch mit Lena verband und von der Freiheit trennte. Beharrlich ruckte und riß dieser immer wieder frech an seiner Fessel. Lena hatte schon etwas Erfahrung, aber das war nun doch eine Herausforderung. Sie wollte ihren prächtigen Schatz heile wiederhaben, dieser ließ sich aber bei den Kräften gar nicht mehr so einfach einholen. Langsam begriff Lena, es konnte heikel werden, aber ihr Prachtstück würde sie niemals hergeben wollen, sie würde kämpfen, um ihn zu halten. Etwas mulmig war ihr schon geworden, aber so leicht gab sie nicht auf, ja, eigentlich nahm sie es wie ein herbes, wildes Abenteuer und stürzte sich mutig hinein. Sie zagte und zauderte nicht so leicht, jedenfalls nicht, wenn es um ihren so innig geliebten Himmelsbegleiter ging, wenn es um etwas ging, an dem sie so sehr hing, was jetzt sogar wortwörtlich zu nehmen war.

Lena hatte den wild zuckelnden Flugdrachen längst nicht mehr voll im Griff, dieser zog sie gar zu mächtig über die Wiese, stolpernd mußte sie nun folgen. Beinahe sah es aus, als würde er mit ihr an der Leine durch die Gegend ziehen und nicht umgekehrt. Eine kräftige Böe zog sehr heftig an ihm und ließ sie einen großen Satz machen. Die Leine zerriß nicht, aber kurz hielt Lena die Haspel nur noch in der linken Hand und war gerade mitten ins Blickfeld der fremden Frau geraten, daß sie ganz erschrocken war, weil diese etwas unheimlich wirkte und bis in ihr Innerstes zu schauen schien.

Schüchtern winkte sie kurz mit der nun freien Hand, die aber wieder eilig zur Haspel griff, der Wind sollte ihr ihren Schatz nicht entreißen. Das war jetzt wichtiger als alles andere. Sie hatte sich so viel Mühe mit ihm gegeben, er war so gut geworden, sah prachtvoll aus und funktionierte phantastisch, sie mußte ihn um jeden Preis halten.

Ohne weitere Bewegung hob die Frau nur kurz die eine Hand von ihrem Oberschenkel und winkte gerade so eben zurück. Lena hatte kaum Zeit, darauf zu achten, denn wieder zog der Wind mächtig am zappelnden Fluggerät mitten darin und sie mußte hinterher, stolperte, machte gar einen größeren Satz, als er sie glatt vom Boden weg in die Luft zu zerren drohte. So schlitterte sie über den Rasen und fand keinen Halt, schlitterte an der Frau vorbei, die immer noch jenseits von Rasen und Weg auf ihrer Bank saß. Die Frau regte sich kein bißchen, selbst bei dem Drama, welches so gerade vor ihr vorbeizog. Die Frau war eine Insel der Ruhe und Stille in diesem aufkommenden Sturm.

Allmählich wurde es Lena doch unheimlich, wie kräftig der Wind geworden war, wie stürmisch dieser an ihrem Schatz zerrte, um ihn ihr skrupellos zu entreißen. Einerseits war sie stolz auf ihr mächtiges, so lebendiges Fluggerät, andererseits wurde ihr auch schon bang und bänger, daß die Angelegenheit ihr nun über den Kopf wuchs, sich ihr Prachtstück einfach losriß - oder ähnlich arg, sie gar mit sich fort in die düsteren Wolken riß. Lena hatte komplett die Kontrolle verloren, schlitterte über den rutschigen Rasen des Parks, weiter und weiter und der immer heftiger werdende Wind zerrte sie weg und immer wieder beinahe hinauf, daß sie immer verzweifelter und ratloser wurde und nur noch große Sätze machte, schon leise und ratlos quiekte, doch ihren schönen Schatz wollte sie nicht lassen, konnte ihn aber auch nicht einziehen.

Tränen schossen ihr in die Augen - oder waren das doch bereits Regentropfen des aufkommenden Sturms?

Sie stolperte über ein Wühlmausloch oder dergleichen und konnte sich nicht mehr halten, die Haspel löste sich schon von ihren Händen.

Es schien alles verloren.

Ein grauenhafter Moment.

Es durchzuckte Lena beinahe wie ein körperlicher Schmerz.

Lena war entsetzt, ihr Herz setzte aus, der Moment schien zu gefrieren und gleichzeitig schien doch die Zeit zu rasen. Ich Blick fokussierte sich auf ihre Hand und die engleitende Haspel. Doch im selben Moment war kurz ein sirrendes Geräusch der Schnur über Haut zu hören, dann hatte eine Hand die Haspel ergriffen, hielt sie, während eine andere Lena am Mantelkragen gepackt hatte, damit sie nicht fiel.

Lena schaute, es war die fremde, unheimliche Frau, die immer noch ernst und abwesend zu sein schien, während sie sich der Kraft des am Fluggerät reißenden Sturms entgegenstemmte, gleichzeitig Lena gerade hinstellte und sie zum Weg hin drängte, wohl auch, um selbst besseren Halt auf dem Weg zu bekommen.

Dem entschiedenen Vorgehen der Frau war nichts entgegenzusetzen, aber was hätte Lena tun können, sie war erstarrt im Schrecken und im Erstaunen über das, was vorging, erst der furchtbare Moment des Verlustes, dann das überraschende Eingreifen der fremden Frau, in deren Hand nun das Schicksal ihres wilden Schatzes lag. Lenas Herz versuchte, den vorherigen Aussetzer auszugleichen, indem es nun raste, Lena atmete mit offenem Mund und schaute mit aufgerissenen Augen verblüfft und eingeschüchtert, was die Frau tat und noch tun würde.

Lena war noch immer erschrocken und schaute nur noch. Die Hand der Frau, die so kühn gerade im letzten Moment in die Leine gegriffen hatte, war etwas blutig, hielt aber die Haspel. Die Frau war offenbar gar nicht so vertraut mit Spielzeugdrachen, daß sie so in die Leine gegriffen hatte, lernte aber offenbar schnell, denn schnell spannte und entspannte sie die stark zerrende Leine, folgte dabei den Weg entlang, wie das Fluggerät ungefähr auch zog und zerrte, um die Leine weiter zu entspannen und begann langsam, die Leine auf der Haspel wieder aufzuwickeln, um den wild zerrenden Flugdrachen allmählich vom Himmel zu holen. Dieser wehrte sich ganz offenbar mit allen Kräften und fand im stürmischen Wind einen eifrigen Verbündeten, der es der Frau ebenfalls schwer machte, das reißende und zuckelnde Fabeltier unter ihre Kontrolle zu bekommen. Widerwillig und langsam nur mußte der Spielzeugdrachen doch immer wieder etwas nachgeben und sich unterordnen, wehrte sich aber auch weiter mit allen Kräften, Böen trieben ihn ruckartig über den Himmel, ihm zu helfen, einen Weg zu finden, ihn aus der verletzten Hand der Frau zu zuckeln. Diese beeindruckte dies indes wenig. Sie hielt einfach stur entschlossen an ihrem Plan fest und holte langsam und geduldig den Flugdrachen Haspelumdrehung für Haspelumdrehung näher zu sich heran. Ja, vielleicht genoß sie gar das Spiel mit dem widerspenstigen Gegner und ließ doch keinen Zweifel daran, daß sie ihm keine Wahl lassen würde, entweder er mußte herunter oder die Schnur müßte reißen. Doch jedes Mal, wenn der Flugdrachen mächtig ruckte und die Schnur entweder zerreißen wollte oder die Haspel aus der Hand zerren wollte, gab die Frau wieder etwas nach, folgte entsprechend schneller, entspannte so die Schnur wieder etwas, so blieb ihm kein Ausweg, als weiter herunterzukommen, wenn sie kurz darauf beim Nachlassen der Böe zugig wieder ein paar Haspelumdrehungen aufwickelte.

Der Himmel war recht dunkel geworden, ein Unwetter, ein Sturm drohte, längst hörte man in der Ferne Donnergrollen und in der Ferne blitzte es wohl auch schon dumpf in den Wolken. Regnen tat es hier noch nicht. Lena folgte der Frau den Weg entlang, der es gelang, immer mehr von der Leine wieder einzuholen.

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