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Mein ist die Rache, sagt der Revolvermann: Wichita Western Sammelband 5 Romane

Mein ist die Rache, sagt der Revolvermann: Wichita Western Sammelband 5 Romane

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Mein ist die Rache, sagt der Revolvermann: Wichita Western Sammelband 5 Romane

Länge:
688 Seiten
7 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
6. Sept. 2021
ISBN:
9798201991999
Format:
Buch

Beschreibung

Mein ist die Rache, sagt der Revolvermann: Wichita Western Sammelband 5 Romane

von Alfred Bekker, Heinz Squarra

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 600 Taschenbuchseiten.

Unter dem Pseudonym NEAL CHADWICK begann Erfolgsautor Alfred Bekker seine Karriere als Verfasser von Western-Romanen. Viermal pures Abenteuer in der harten Zeit des Wilden Westens. Männer im Kampf um Recht und Rache.

 

Dieses Buch enthält folgende Romane:

 

Reiter ohne Spur (Heinz Squarra)

Die Rache der McCory-Brüder (Alfred Bekker)

Dunkler Prediger (Alfred Bekker)

Sonora-Geier (Alfred Bekker)

Ein Mann namens Bradford (Alfred Bekker)

 

 

 

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden und Janet Farell.

Herausgeber:
Freigegeben:
6. Sept. 2021
ISBN:
9798201991999
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Mein ist die Rache, sagt der Revolvermann - Alfred Bekker

Mein ist die Rache, sagt der Revolvermann: Wichita Western Sammelband 5 Romane

Alfred Bekker and Heinz Squarra

Published by Alfred Bekker, 2021.

Inhaltsverzeichnis

Title Page

Mein ist die Rache, sagt der Revolvermann: Wichita Western Sammelband 5 Romane

Copyright

Reiter ohne Spur

Copyright

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Ausklang

Die Rache der McCory-Brüder

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Dunkler Prediger

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SONORA-GEIER

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EIN MANN NAMENS BRADFORD

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Further Reading: 10 Extra Western Januar 2020: Sammelband

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Mein ist die Rache, sagt der Revolvermann: Wichita Western Sammelband 5 Romane

von Alfred Bekker, Heinz Squarra

Der Umfang dieses Buchs entspricht 600 Taschenbuchseiten.

Unter dem Pseudonym NEAL CHADWICK begann Erfolgsautor Alfred Bekker seine Karriere als Verfasser von Western-Romanen. Viermal pures Abenteuer in der harten Zeit des Wilden Westens. Männer im Kampf um Recht und Rache.

Dieses Buch enthält folgende Romane:

Reiter ohne Spur (Heinz Squarra)

Die Rache der McCory-Brüder (Alfred Bekker)

Dunkler Prediger (Alfred Bekker)

Sonora-Geier (Alfred Bekker)

Ein Mann namens Bradford (Alfred Bekker)

––––––––

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden und Janet Farell.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, ALFREDBOOKS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author / COVER EDWARD MARTIN

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Reiter ohne Spur

Western von Heinz Squarra

Der Umfang dieses Buchs entspricht 114 Taschenbuchseiten.

Große Geldbeträge werden geraubt, ebenso wie kleine, leichte Diamanten – und jedes Mal sind die Diebe spurlos verschwunden. Es gibt keine Fährte, die sie hinterlassen hätten – nichts! Die Texas-Ranger Jim Hollister und Mike Cander stehen lange Zeit vor einem Rätsel, bis sie glauben, der Sache auf den Grund zu kommen. Es scheint sich also doch nicht um Geister zu handeln.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author

Cover: Hugo Kastner

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Alles rund um Belletristik!

1

Mister Lewis Allbright, alleiniger Inhaber der Bank von Austin, fuhr aus den schönsten Träumen, und gleichzeitig aus dem weichen Daunenkissen, in dem sein Kopf mit der verrutschten Schlafmütze geruht hatte. Er richtete sich steil auf, fingerte auf dem Nachttisch nach seiner Stahlbrille, konnte sie aber nicht finden.

Was hatte ihn geweckt?

Ja richtig. Er hatte ein Geräusch gehört, ein sehr aufdringliches Geräusch – gerade, als wäre ein Mann durchs Fenster gestiegen, der sich keine Mühe gab, leise zu sein.

Mister Allbright wischte über die Augen, aber er konnte nichts sehen. Es war nicht nur sehr dunkel in dieser Nacht, sondern er war auch erheblich kurzsichtig.

Wo war nur die Brille?

Er tastete wieder über den Nachttisch. Ach da, am Ende der Platte.

Er schob das Gestell auf die Nase. Undeutlich konnte er einen maskierten Mann sehen, der vor seinem Bett stand und einen dunklen Gegenstand in der Hand hielt, der einen kalten Schauer über den Rücken des Bankiers jagte.

„Bist du jetzt munter, Allbright?, fragte der Eindringling sanft. „Komm, steh auf! Na los, mach schon!

„Einbrecher, seufzte Allbright mit lahmer, zittriger Stimme. Und als käme es ihm jetzt erst voll zu Bewusstsein, schrie er plötzlich: „Überfall! Hilfe!

„Noch ein Wort!, fauchte der Mann vor dem Bett. Der Gegenstand in seiner Hand hob sich ein wenig. „Nur ein Wort noch. Dies hier ist ein Colt ...

„Ches, sagte eine Stimme vom anderen Ende des Schlafzimmers, „halte keine Volksreden. Hol den Kerl aus den Federn, damit wir zum Zuge kommen.

Und da kam noch eine zweite Gestalt auf Allbright zu und schnarrte: „Los, alte Tante, raus aus dem Kahn!"

Lewis Allbright gehorchte. Inzwischen hatte er selbst festgestellt, dass der Mann da vor ihm Ernst machte und wirklich einen Revolver bereithielt. Er suchte nach seinen Pantoffeln, rückte die Nachtmütze gerade und schlurfte vor den beiden Männern durch das Zimmer. Vorn an der Tür sah er den dritten stehen. Er wollte eine Lampe ergreifen, aber der Maskierte drückte seine Hand herunter.

„Du wohnst schon dreißig Jahre in diesem Haus, knurrte er. „Well, du wirst dich auch ohne Licht zurecht finden.

Lewis Allbright ergab sich in sein Schicksal. Er stieß die Tür auf und schwankte die Treppe hinunter. Sicher dachte er an die fünfhunderttausend Dollar, die unten in seinem Tresor lagerten. Und es gab keinen Wächter in der Bank.

Zu was auch?

Die Bank von Austin war vom Hauptquartier der Texas-Ranger genau fünfzig Meter entfernt. Nur drei Häuser lagen dazwischen. So lange diese Bank existierte, hatte es noch keiner gewagt, sie mit unlauteren Absichten zu betreten. Nein, das war zu gefährlich. Nur ein Schuss – und schon würden die Texas-Ranger aus dem Bereitschaftsraum stürzen und die Übeltäter festnehmen.

Hatten diese Männer überhaupt eine Chance mit dem Geld zu entkommen?

Allbright schien nicht daran zu glauben. Und aus diesem Grunde war er wohl auch bereit, den Tresor zu öffnen.

So stand er in seinem lang wallenden Nachthemd neben der aufgeschwungenen Panzertür und sah zu, wie die drei Maskierten die Dollarbündel in mitgebrachte Ledersäcke stopften.

Dann war der letzte Dollar aus dem Schrank und im Sack verschwunden. Die Männer schnürten die Beutel zu. Zwei wandten sich der Treppe zu, der dritte drehte sich zu Allbright hin.

„Wir werden deine Dollars auf dem alten Wege aus dem Laden bringen. Damit du nicht vorzeitig Alarm schlägst, bekommst du ein Schlafpulver. Du wirst in zehn Minuten wieder topfit sein."

Blitzschnell schlug der Bandit zu.

Als Lewis Allbright wieder erwachte, hatten die Verbrecher das Haus bereits verlassen. Er blickte zur Standuhr hin und stellte fest, dass er genau sieben Minuten hier gelegen hatte.

Schnell sprang er auf, lief zu seinem Schreibtisch und suchte im Schubfach den Türschlüssel. Er fand ihn in seinem Fach. Gleich darauf stand er draußen auf der Straße. Eine rabenschwarze Nacht umgab ihn.

„Sheriff!, schrie er schnell. „Überfall! Banditen haben die Bank geplündert! Und als sich nicht gleich jemand meldete, lief er zurück, holte einen Derringer und feuerte beide Geschosse, die in den Läufen steckten, in die Luft.

Nun wurde es in Austin lebendig. Der Sheriff kam halb angezogen über die Straße gehastet, sein Deputy folgte ihm mit den Stiefeln in der Hand, und vom Hauptquartier näherten sich wenigstens zehn Texas-Ranger.

Jim Hollister, der gerade in der Hauptstadt weilte, und Mike Cander, waren die ersten, die bei dem verstörten und noch halb abwesenden Bankier ein trafen.

Lewis Allbright berichtete mit fliegender Stimme, was vorgefallen war.

Jim hörte sich die Geschichte nur halb an, dann fegte er um das Haus herum. Er fand die Spuren, musste sich aber bücken, um sie zu erkennen.

Doch die Fährte der flüchtigen Räuber ließ sich verfolgen. Nach kaum zehn Minuten lief sie in ein halbfertiges Haus hinein, das ein Mann namens Cliff Wohlers vor drei Tagen gemietet hatte.

Dieses Haus war sehr groß und hatte ein Obergeschoss. Das aufgesetzte Stockwerk war jedoch nicht fertig. Es trug weder ein Dach, noch hatte es Fenster. Nur die Unterräume waren bewohnbar.

Der Sheriff schüttelte den Kopf.

„Was wollen die Strolche bei Wohlers?", wunderte er sich, indem er hart gegen die Tür schlug.

Jim sagte nichts. Er blickte an dem Haus in die Höhe. Für einen Moment war es ihm, als sehe er einen Feuerschein über dem Haus, doch dann war er wieder weg.

Inzwischen umkreisten Texas-Ranger das ganze Haus und suchten nach weiteren Spuren. Sie hielten wenig später vor Jim und schüttelten die Köpfe.

„Die Kerle sind hinein, aber nicht wieder heraus. Ein alter Ranger sagte es mit Verwunderung in der Stimme. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass so dreiste Räuber so einfältig sein sollen. Hier schnappen wir sie!

Jim teilte diese Ansicht nicht. Er wandte sich an den Sheriff, der noch immer an die Tür klopfte, ohne eine Antwort zu bekommen: „Nun brechen Sie das Loch endlich auf, zum Teufel!"

Der Sheriff trat ein wenig zurück und gab seinem Deputy den Weg frei, der ein Mann mit schrankbreiten Schultern, mächtigen Fäusten und flinken Füßen war. Der Hilfssheriff warf sich mit einem wilden Satz gegen die Tür und flog mit dieser fünf Meter in das Haus hinein. Er rollte sich zusammen wie eine Katze und wechselte die Richtung. Aber wenn er gedacht hatte, dass ihm ein Kugelregen entgegenhallen würde, so sah er sich getäuscht.

Das Gebäude wirkte innen so still und friedlich wie außen.

Jim ging durch den Flur. Er hielt einen seiner 45er bereit und blickte in alle Räume. Im dritten Zimmer brannte eine Kerosinlampe. Mister Cliff Wohlers hockte im Nachthemd in einem Sessel und konnte sich nicht erheben. Dicke Stricke fesselten ihn an das schwere Möbel.

Die Ranger verteilten sich über das ganze Haus. Sie suchten in allen Räumen, stiegen ins kahle Obergeschoss und in den Keller hinunter.

Unterdessen befreite der Sheriff Mister Wohlers.

„Banditen, hauchte er, „drangen in mein Haus ein. Drei Männer waren es. Furchtbare Kerle!

Jim setzte sich auf die Tischkante und rollte sich eine Zigarette. Aufmerksam betrachtete er Wohlers. Der Mann gefiel ihm gar nicht. Er rauchte ein paar Züge, dann fragte er: „Und wo sind die Kerle hin? Was wollten sie überhaupt hier bei Ihnen?"

„Was sie hier wollten, weiß ich nicht, sagte Wohlers matt und verzerrt. „Vielleicht glaubten sie, dass ich Pferde habe, auf denen sie fliehen können. Auf jeden Fall haben sie mich hier angebunden und sind dann in den Flur hinaus. Es klang, als wären sie hinten durch ein Fenster.

Jim nickte. Der Mann gefiel ihm immer weniger.

„Nur fanden wir keine Spuren, sagte er laut. „Gibt es einen geheimen Gang in Ihrem Haus?

„Ich weiß nicht. Ich wohne noch nicht lange hier. Sehen Sie doch mal nach."

Jim lauschte dem Klang der Worte nach. Es hatte direkt hämisch geklungen – doch das konnte auch ein Irrtum sein. Auf jeden Fall war ihm klar, dass von Cliff Wohlers nichts zu erfahren war. Er ging hinaus zu seinen Männern und sah sich mit Mike das ganze Haus an. Im Untergeschoss und im Keller waren die Ranger schon dabei, die Wände und den Boden auseinanderzunehmen. Sie suchten nach einem Gang, den die Banditen benutzt haben konnten.

Jim ging wieder zurück und stieg ins Obergeschoss. Hier gab es zwar einen Fußboden, aber das war auch alles. Die Einfassungswände ragten kahl in die Höhe. Auf dem Haus fehlte das Dach, aber das war ja bekannt. Es gab auch keine Zwischenwände, die das Geschoss in Zimmer aufgeteilt hätten. Nein, alles war ein einziger großer Raum von zirka zehn mal zehn Metern. Die Wände waren sehr hoch; etwas mehr als acht Meter. Es sah so aus, als habe der Bauherr die Absicht gehabt, noch ein zweites Obergeschoss einzubauen.

Über diesen Bauherrn, der das Haus vor vier Monaten errichtet hatte, war nur bekannt, dass er bei einem Ausflug in die nahen Berge verunglückt war. Das Haus war dann so stehengeblieben. Und als Cliff Wohlers das halbfertige Haus für einen kurzen Aufenthalt in der Hauptstadt mietete, da hielten ihn alle Leute für verrückt.

Zwei Lampen hatten die Ranger mit heraufgebracht. Die Männer standen im kahlen Treppenaufgang und blickten zu Hollister hin, der als gefährlicher und scharf kombinierender Einzelgänger bekannt war. Der junge Ranger-Captain stand an einer Wand des quadratischen Geschosses und musterte alles mit großer Aufmerksamkeit. Viel gab es hier nicht zu sehen, aber auch das wenige interessierte Jim.

Da war in der Mitte des Raumes eine große Eisenplatte, die aus vielen kleinen Teilen zusammengesetzt war. Diese Platte ruhte auf Ziegelsteinen, so dass unter ihr ein Hohlraum bestand. Auf dieser Platte schwelten die Reste eines Feuers. Rund um die Platte standen Sessel, gerade, als habe hier eine Gesellschaft gesessen und Indianer gespielt. An zwei gegenüberliegenden Wänden sah der Ranger eiserne Ringe, an denen kurze Seilenden hingen. Wahrscheinlich hatte man hier Spielgefangene gefesselt.

Jim wollte sich schon abwenden, als Cliff Wohlers die Treppe heraufkam. Der Mann stützte sich schwer auf das Geländer und sah den Ranger eine Weile abwägend an.

„Was soll dieses Theater hier?", fragte Jim rundheraus und zeigte auf die Platte.

Wohlers lächelte ein wenig verlegen.

„Ich komme aus dem Osten, wie Ihnen ja sicher bekannt ist. Ein paar Freunde besuchten mich. Ich hatte ihnen ein großes Kriegsfeuer versprochen. Hier oben ließ sich das wunderbar arrangieren."

Jim kaute an seiner Unterlippe. Immerhin hatte der Mann eine Erklärung bereit.

„Und wo sind die Bankräuber nun wirklich hin?", erkundigte er sich scharf.

„Woher soll ich das wissen? Die Schufte haben mir einen furchtbaren Schreck durch die Glieder gejagt. Ich setze für ihre Ergreifung zehntausend Dollar aus! Yeah, zehntausend Dollar."

Klingt gar nicht mehr so vornehm, dachte Jim. Er schaute hinauf in den verhangenen Himmel. Kein einziger Stern war in dieser Nacht zu sehen.

Aus dem Keller kam ein Ranger. Er blieb neben Wohlers am Treppenaufgang stehen, zuckte die Schultern und grinste verlegen.

„Wir haben alles auf den Kopf gestellt, sagte er. „Es gibt kein Loch im Boden und keins in der Wand. Die Halunken müssen sich in Luft aufgelöst haben.

Jim nickte.

„Das scheint mir auch so. Dann wandte er sich an Wohlers: „Mister, ich nehme Sie beim Wort. Alle meine Kameraden sind Zeugen. Wenn ich die Schurken greife, zahlen Sie zehntausend Dollar an die Kameradschaftskasse der Texas-Ranger.

Dann ging er hinunter und aus dem Haus.

Vor dem Sheriff-Office blieb er stehen und wartete auf Mike Cander und den Sheriff. Der Gesetzeshüter schüttelte noch immer den Kopf.

„Das ist mir zu hoch, gestand er zerknirscht. „Noch nie wagte sich jemand an unsere Bank heran. Und jetzt kommen Kerle, die noch nicht mal Pferde bei sich hatten. Sie verschwinden in einem Haus und sind weg. Verstehen Sie das?

„Leider auch nicht, gab Jim zu. „Man müsste sich für Cliff Wohlers‘ Vorgeschichte interessieren. Vielleicht findet man da einen schwachen Punkt.

„Glaube ich kaum, meinte der Sheriff. „Wahrscheinlich finden Sie gar nichts. Wir wissen ja noch nicht mal, wo der Mann nun wirklich herkommt. Man kann ihn nur fragen. Nach unserer Rechtsprechung müsste ihm etwas bewiesen werden.

„Sie meinen, sagte Cander, „nicht er braucht seine Unschuld zu beweisen, sondern wir müssen seine Schuld herausfinden. Ja, das stimmt.

„Und dazu käme noch, dass ich Wohlers wirklich für schuldlos halte, sagte der Sheriff. „Der Mann sieht nicht wie ein Bandit aus, scheint ein wenig einfältig zu sein, und kann sich nicht selbst gefesselt haben. Und außerdem, warum verschwand er nicht so spurlos wie seine Genossen? Nein, diese Theorie geht nicht auf.

Jim überlegte eine Weile, dann schüttelte er den Kopf.

„Dem, Sheriff, kann ich leider nicht zustimmen. Wäre auch Wohlers verschwunden, wüssten wir, dass er ein Bankräuber ist. So aber wissen wir gar nichts. Was hatte er eigentlich alles bei sich, als er in die Stadt kam?"

„Nicht viel. Er kam mit einem großen Wagen, auf dem eine Pinne lag. Damit waren verschiedene Gegenstände abgedeckt. Es war ein mächtiges Ding. Der Wagen hatte fünf Begleiter. Sie feierten bis gestern mit Wohlers in dem Haus und fuhren dann wieder weg."

„Der Wagen gehörte Wohlers also gar nicht?" 

„Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist der Wagen weg. Er wird ihn hier auch nicht brauchen. Zur Not kann er sich ja ein Pferd kaufen. Er gilt als vermögender Mann. Die zehntausend Dollar, die er Ihnen zusagte, werden ihn sicher nicht arm machen."

2

Am folgenden Tag war der Himmel noch immer mit gewitterschweren Wolken verhangen. Es war schwül und drückend – und so schwül und drückend wie das Wetter draußen war auch die Stimmung im Hauptquartier der Texas-Ranger. Der Colonel saß hinter seinem Schreibtisch und die Zwei-Dollar-Zigarre in seinem Mund wippte beängstigend auf und ab.

Das ganze Hauptquartier wirkte wie ein Pulverfass, an dem die Lunte brennt. Fraglich blieb nur, wann das mächtige Gebäude In die Luft fliegen würde.

Jim lehnte an einem Fenster und rauchte eine der teuren Chefzigarren. Ganz im Gegensatz zu seinen aufgeregten Kollegen, stand er still und gelassen. Er blickte zu seinem Boss hin, der mit einem langen Bleistift auf einem Papier herumkritzelte.

Plötzlich ließ der Chef den Stift fallen und hieb die Faust dröhnend auf die Tischplatte. Von seiner Zigarre fiel die Asche ab.

„Zur Hölle!, tobte er. „Was soll nun werden? Kriegen wir die Halunken, oder ist das ganze Geld der Bank im Eimer?

Eine Weile herrschte knisternde Stille, dann sagte Jim leise: „Es scheint, Boss, als wären die Banditen Geister."

„Quatsch! Sie haben ihre Spur ganz einfach verwischt. Sicher haben sie sich mit Pferden versorgt, eine falsche Fährte zu dem Haus gezogen, und dann sind sie auf und davon. Sie haben eine Decke hinter sich her geschleift, die alle Spuren tilgt. Natürlich, das ist doch alles ganz einfach."

Jim runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf.

„So einfach stelle ich mir das nicht vor. Ich tippe auf einen Geheimgang, aber die Seifenblase ist leider geplatzt. Auf jeden Fall sind die Kerle ganz bestimmt in Wohlers‘ Haus eingedrungen und haben den Mann gefesselt. Ob das mit seiner Einwilligung oder ohne sie geschah, lässt sich so leicht nicht klären. Aber sie sind nicht wieder aus dem Haus herausgekommen. Es hatte eine Stunde vorher leicht geregnet, und dadurch war der Boden aufgeweicht. Wir hätten die Spur finden müssen. Zumindest an der Tür, oder aber in unmittelbarer Nähe eines Fensters, wo kein Gras steht. Der Boden dort ist weich und sandig. So genau lassen sich Fährten nicht verwischen."

„Und wo sind die Burschen dann geblieben?"

„Das frage ich mich auch. Jim ging zum Aschenbecher und drückte seine Zigarre aus. „Wir waren knapp eine Viertelstunde nach den Schuften bei Wohlers. Ihr Vorsprung war denkbar knapp. Aber einen Anhalt haben wir: Cliff Wohlers. Ich nehme an, dass dieser Kerl mit den Banditen zusammengehört – vielleicht sogar ihr Anführer ist.

„Und warum blieb er dann hier?"

„Um das Gesicht nicht zu verlieren. Er hat doch ein prächtiges Alibi. Er wurde aus dem Bett geholt und gefesselt. Dank seines Geldes hat er zu allen Häusern Zutritt – sagen wir, zu fast allen. Er kann beispielsweise erkundet haben, dass fünfhunderttausend Dollar in der Bank lagen. Ein jeder wusste das sicher nicht."

„Ja, er wusste es, das haben wir inzwischen festgestellt. Allbright ist ein Rindvieh, er hat es ihm gesagt. Aber das alles glaube ich nicht. Wohlers erkundigte sich vielmehr nach der Sicherheit, und dabei verwies ihn Allbright darauf, dass er soviel Geld im Tresor habe und die Bank noch nie geknackt worden wäre. Wohlers deponierte zehntausend Dollar in der Bank."

„Das ist genau die Summe, die er für die Ergreifung der Täter aussetzte. Und trotzdem: mir will es so scheinen, als habe er etwas ausgeklügelt, worauf wir nicht kommen können. Ich bin überzeugt, dass er uns mit dieser Sache weiter nichts als zum Narren halten wollte – und das ist ihm ja gelungen."

„Für zehntausend Dollar? Denn die hat er ja eingebüßt, nicht wahr?"

„Um fünfhunderttausend Dollar – denn die hat er gewonnen – wenn er der Mann ist, für den ich ihn halte."

Der Colonel war mit dieser Theorie nicht einverstanden. Er murmelte dunkel vor sich hin.

Jim wandte sich um und blickte zum Fenster hinaus. Plötzlich wurden seine Augen groß. Vor dem Sheriff-Office stand Cliff Wohlers, der ein gesatteltes Pferd am Zügel hielt.

„Es sieht aus, sagte der Ranger, „als wolle der Gent, der uns so sehr beschäftigt, verreisen.

Der Chef sprang aus seinem Sessel und stellte sich schnaufend neben Jim.

„In der Tat. Die Geistergeschichte scheint ihm gewaltig in die Knochen gefahren zu sein."

Jim war mit drei langen Schritten an der Tür und verschwunden.

Der Colonel starrte weiter hinaus. Er suchte in Wohlers‘ Gesicht nach Anzeichen, die ihm das Böse verraten sollten, doch er fand nichts.

Der Texas-Ranger blieb neben Cliff Wohlers stehen und lächelte fein. Der Sheriff kam aus seinem Haus und hielt oben auf der Veranda an.

„Mister Wohlers fühlt sich in unseren Breiten nicht mehr sonderlich wohl", sagte der Sheriff.

„Ich dachte mir schon so etwas, gab Jim zurück. „Wo geht denn die Reise hin, Mister?

„Sie sind sehr neugierig, junger Freund, erwiderte Wohlers kühl. Sein Zittern war verflogen. „Schulde ich Ihnen etwas, dass Sie mein Ziel interessieren könnte?

„Ja, zehntausend Dollar – denn ich werde die Bande zur Strecke bringen und ihr Geheimnis lüften. Ich möchte wissen, wo ich das Geld abholen kann."

„Oh, Sie sind sehr sicher, mein Freund. Nun, ich wünsche Ihnen gute Winde!"

Wohlers stieg in den Sattel und legte die Zügel sorgfältig zusammen.

„Und wo kriege ich das Geld nun her?"

„Sie können es von der Banditenbeute abziehen. Genau zehntausend Dollar erbeuteten die Räuber von mir. Das Geld lag im Safe. Auf Wiedersehen – Sie schlauer Fuchs."

Cliff Wohlers trabte davon.

Jim stand mit spaltengen Augen und schaute ihm nach. Kaum hatte Wohlers die Stadtgrenze passiert, da fegte ein Reiter aus dem Tor des Hauptquartiers und folgte ihm.

Jim ging langsam zurück. Als er bei dem Colonel ins Dienstzimmer trat, sagte dieser: „Ich habe Mike Cander hinter dem Kerl hergeschickt. Aber ich glaube nicht, dass dabei etwas herausspringt. Das Geld der Bank ist wahrscheinlich futsch."

Was den Ranger-Sergeanten Cander betraf, so behielt der Colonel recht. Mike kam schon am nächsten Tag mit langem Gesicht zurück. Er ließ sich in einen Sessel fallen und sagte: „Der Bursche ist weit gerissener, als ich dachte. Ich verfolgte ihn bis Blackberry. Dort verkaufte er sein Pferd und stieg in den Süd-Express. Natürlich hat er mich gesehen, denn außer uns bestiegen nur zwei Leute den Zug. Während der Fahrt saß ich natürlich in einem anderen Abteil. Nach zwei Stunden wurde ich plötzlich vom Sitz geworfen. Irgendwer hatte die Notbremse gezogen. Ich renne zum Fenster und was muss ich sehen: Wohlers ist ausgestiegen – mitten in den Bergen. Ich klettere auch hinaus und sehe den Kerl gerade noch um den Zug verschwinden. Als ich ihm nachrenne, fährt die Kiste wieder an. Wohlers war weg. Er ist auf der anderen Seite wieder hineingeklettert. Vom letzten Fenster aus winkte er mir zu und rief: Bestellen Sie Ihrem Chef, dass ich mir meine Begleiter selbst aussuche! Yeah, das hat er gerufen."

Der Colonel brannte sich eine neue Zigarre an und sagte zwischen zwei Dampfwolken: „Cander, du bist eine Niete. Ich werde mir überlegen, ob ich dich nicht degradieren muss. Nun finden wir Wohlers nie wieder."

„Vielleicht doch, meinte Jim. „Schon der nächste ominöse Raub könnte uns auf seine Spur bringen. Es würde sich eventuell lohnen, in Zukunft sämtliche Zeitungen genau zu studieren.

„Ja, ich stelle noch ein paar Leute an, die sich beim Zeitung lesen ihr Geld verdienen. So weit kommt‘s noch."

Jim zog sich zurück. Für Kampfstimmung im Hauptquartier hatte er nichts übrig. Er ging in den Mannschaftsraum, suchte sich eine große Karte heraus und ließ seinen Finger von Blackberry aus an der Bahnlinie hinuntergleiten. Sie endete in Sonora. Wohlers musste die Stadt jetzt schon hinter sich haben. Es wäre also zwecklos, von Sonora aus erneut einen Mann auf seine Spur zu bringen. Leider zu spät. Dabei blieb es noch fraglich, ob Wohlers nicht schon eher ausgestiegen war. Jim hielt das für möglich.

Nach einer Weile sah er fünf Männer zu Wohlers‘ Haus gehen. Sie kamen nach einer Stunde zurück. Jim las es ihren Gesichtern ab, dass sie nichts gefunden hatten.

3

Ganz im Gegensatz zu seinem Widerspruch, hatte der Colonel die Idee mit den Zeitungen doch aufgegriffen.

Und nach genau fünf Tagen zeigte sich schon der Erfolg. In einer nagelneuen Ausgabe des „Uvalde-Courier", stand folgendes zu lesen:

„Unbekannte Täter plünderten nur eine Meile von der Stadt Uvalde in Texas entfernt eine Postkutsche aus. Sie entkamen mit zweihunderttausend Dollar frisch gedruckten Papiergeldes. Die sofort vom Sheriff eingeleitete Verfolgung, musste bald ohne Ergebnis abgebrochen werden. Man fand zwar die Spuren, und ein ziehender Händler, der mit seinem Wagen von Süden kam, konnte berichten, drei Gangster gesehen zu haben. Hinter einem Waldstück endete die Fährte aber. Ein Feuer wies darauf hin, dass die Räuber kurz gelagert hatten, die Spuren waren jedoch hier zu Ende. Im Wald fand das Aufgebot drei gesattelte Pferde. Die Banditen konnten nicht gefunden werden, obwohl der Wald nach ihnen durchgekämmt wurde.

Sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen können, nimmt der Sheriff von Uvalde entgegen."

Es scheint, die Geister waren wieder am Werk, sagte Jim lächelnd und faltete die Zeitung zusammen. „Diesmal ließen sie ihre Pferde zurück. Die Geschichte wird immer schleierhafter. Natürlich waren es die gleichen Halunken, die hier die Bank ausräumten.

„Wer sagt denn das?", knurrte der Colonel feindselig.

„Mein Gefühl. Es lässt mich selten im Stich."

Der Chef lächelte dünn.

„Und was sagt dir dein Gefühl sonst noch?"

„Dass die Diebstähle und Überfälle noch lange nicht zu Ende sind. Scheinbar zieht die Bande südwärts. Unterwegs nehmen sie alles mit, was sich greifen lässt. Man müsste ihnen eine Falle stellen."

„Eine Falle?"

„Ja. Wir könnten in San Antonio, oder in einer kleineren Stadt der Umgebung ein paar Kisten mit Geld deponieren – es braucht nicht unbedingt echt zu sein. Wenn wir entsprechend Reklame machen, kommen die Brüder vielleicht."

Dieser Plan fand die volle Zustimmung des Colonels. Noch am gleichen Tage wurde ein Polizeiwagen an den San Antonio Express gehängt.

Zwei Tage später zeigten große Plakate in San Antonio an, dass in Devine, fünfzig Meilen südlich, ein Mann aus Chicago seine Zelte aufgeschlagen habe, der sich mit Geldverleihen beschäftigte. Das Plakat kündigte an, dass Mister Monson Golddollarbeträge bis zu mehreren hunderttausend Dollar sofort auszahlen konnte.

Jim Hollister und Mike Cander saßen in Devine in ihrem Büro und warteten vergeblich. Sie hatten ein Morsegerät bei sich und waren direkt mit dem Hauptquartier verbunden, angeschlossen sämtliche Nebenstationen südlich der Hauptstadt. Es ereignete sich nichts.

Acht Tage hockten sie herum, bis ihnen die Zeit förmlich zu lang wurde. Und da kam auch schon ein Telegramm mit der lakonischen Aufforderung:

„Macht den Laden dicht – Houston."

Jim und Mike packten zusammen, ließen einen Frachtwagen kommen und transportierten ihre Kisten nach San Antonio zurück.

Der Zug nach Austin ging erst zwei Tage später. Sie hockten missmutig in einem Saloon und tranken Whisky.

„Denkst du, dass die Halunken unseren Trick durchschaut haben?", fragte Cander zwischen zwei Gläsern.

Jim hob die Schultern und ließ sie wieder fallen.

„Keine Ahnung, Mike. Ich bin so schlau wie du. Vielleicht sind sie auch ganz woanders und haben von unserem Geldinstitut gar keinen Wind bekommen. Kann auch noch andere Gründe haben. Beispielsweise sind Golddollars in großen Mengen schwierig zu transportieren. Wie du selbst gesehen hast, braucht man einen Wagen dazu. Spurlos verschwinden lässt sich damit kaum. Wir hätten es mit Papiergeld versuchen sollen. Die Brüder nahmen bis jetzt nichts anderes. Leider ist mir das auch erst gestern eingefallen."

Jim nahm noch einen Schluck, plötzlich stand der County-Sheriff in der Tür. Jack Bracken war ein alter Mann, der seinen Posten schon zwanzig Jahre inne hatte. Jim sah ihn noch nie so aufgeregt wie an diesem Tage.

„Es ist eine Meldung von Austin gekommen", rief Bracken.

Jim sprang mit Mike gleichzeitig hoch. Sie hetzten ins Büro des Sheriffs und stellten sich hinter den ergrauten Morseschreiber, der eben den Klartext niederschrieb. Der Alte murmelte abgerissen vor sich hin, dann schob er den Rangern das ausgefüllte Formular zu.

Die Durchgabe kam vom Hauptquartier und lautete:

„In Darwin – Laredo County – wurden Diamanten im Werte von einer halben Million Dollar gestohlen – Es besteht dringender Verdacht – dass die gleiche Bande wie in Austin beim Bankraub dahintersteckt – Spuren wie üblich – Diamantenschleiferei ersucht HQTR um Schutz – weil sich seit Tagen eine Menge lichtscheues Gesindel in der Stadt herumtreibt – In der Schleiferei lagern unschätzbare Werte – Wahrscheinlich sollen die Steine über den Rio Grande nach Mexiko gebracht werden – Ende

HQTR Austin Houston"

Jim betrachtete die Meldung eine Weile, blickte dann Mike an und sagte: „Merkst du was?"

„Nein, ich merke gar nichts. Für mich ist das lediglich eine Information. Wir haben keinen Auftrag der Sache nachzugehen.

„Da hast du recht. Wenn wir die Meldung aber zur Kenntnis nehmen und nach Austin trailen, reißt uns der Alte den Kopf ab. So viel ist dir wohl auch klar, wie?"

Allerdings. Wollen wir also nach Darwin gondeln?"

„Wir können vorsichtshalber mal anfragen, ob das für uns ein Marschbefehl ist."

Und das taten sie auch. Die Antwort kam kurz, lakonisch und einen Schein wütend.

„Wenn ihr noch lange fragt, schnappt den Brocken ein anderer weg."

„Na also. Suchen wir uns also im Mietstall zwei Pferdchen aus und reiten wir."

Eine Stunde später hatten die beiden Ranger die Stadt San Antonio schon weit hinter sich gelassen. Sie ritten hinaus in die hitzeflimmernde Prärie. Keiner von ihnen sah sonderlich begeistert drein. Diese Sache erschien ihnen so verworren, dass sie einfach nicht wussten, wo vorn und hinten ist.

Nach einer Weile sagte Jim: „Junge, wir müssen die Burschen mit ihren eigenen Waffen angreifen."

Mike Cander zeigte ein langes Gesicht. „Wie meinst du das?"

Ganz einfach, wir dürfen uns auch nicht in die Karten schauen lassen."

„Und wie soll das aussehen?"

„Du bleibst in Laredo zurück und wartest dort auf nähere Anweisungen – weiter nichts."

4

Zwei Tage später erreichte Jim Hollister die Stadt Darwin. Eigentlich war es nur ein windiges Nest, und wäre die Diamantenschleiferei nicht gewesen, in der mehr als fünfzig Menschen Arbeit hatten, dann wäre sie vielleicht längst wieder im Erdboden verschwunden. In der Nähe gab es ein paar Ranches, zwei oder drei Farmer und natürlich eine Menge Schmuggler. Letztere waren allerdings arbeitslos geworden, weil die Diebstahlgeschichte die Grenzpolizei auf den Plan gerufen hatte. Der Rio Grande war auf mindestens zwanzig Meilen hermetisch abgeriegelt. Grenzposten ritten die Ufer zu beiden Seilen ab, denn auch die Mexikaner hatten wenig Lust, unverzollte Edelsteine einschleusen zu lassen.

In der Stadt gab es ungefähr vierzig Häuser, es konnten auch fünfzig sein. Fünf Stück davon waren Saloons. Die Schleiferei lag am nördlichen Stadtende. Es war ein Betrieb, der nach neuesten Manufakturerkenntnissen errichtet war.

Jim ritt die Hauptstraße hinauf und stieg vor dem Saloon Hufeisen aus dem Sattel.

Im Lokal war es halbdunkel und angenehm kühl. Hinter der Theke lümmelte ein dicker Mann, der seinem Namen alle Ehre machte, er hieß Charly Dickens. Zwei Männer hockten auf hohen Schemeln vor der Theke, sonst war niemand weiter zu sehen.

Jim setzte sich in eine Ecke und ließ sich ein Essen kommen. Er war kaum damit fertig, als ein untersetzter, grauhaariger Mann eintrat und auf ihn zusteuerte. Der Mann mochte fünfundfünfzig Jahre oder etwas älter sein. Sein Gesicht war runzlig wie ein alter Schuh. An der Weste trug er einen blitzenden Stern.

Vor dem Tisch blieb der Mann stehen und stemmte seine Hände auf die Platte.

„Ich bin Rod Converse, der Sheriff dieser Stadt", sagte er gewichtig.

„Ja, ich sehe es. Setzen Sie sich, Mister. Was liegt an?"

Converse ließ sich schwer nieder. Er winkte zunächst dem Wirt zu und rief: „He, Charly, bring mir ein Glas!"

Nachdem das Getränk vor ihm stand und er den ersten Schluck genommen hatte, wandte er sich an Jim.

„Hören Sie, Hollister ..."

„Woher kennen wir uns denn?", staunte Jim.

Der Sheriff winkte lässig ab.

„Über Sie reden auf der Straße schon die Kinder. Irgendwer, der Sie kannte, sah Sie sicher in die Stadt einreiten. Aber das interessiert mich weniger ..."

„Mich dafür umso mehr."

„Unterbrechen Sie mich nicht immer. Jetzt habe ich das Wort."

„Ich höre", erwiderte Jim. Das ist ein aufgeblasener Affe, dachte er.

Converse stützte die Ellenbogen auf, schickte einen abwägenden Blick auf den Ranger und kam endlich zur Sache: „In dieser Stadt gebe ich den Ton an, Sie verstehen doch? Moment, ich bin noch nicht fertig. Es passt mir gar nicht in den Kram, dass hier über meinen Kopf hinweg die Texas-Ranger einschreiten wollen. Ich bin bereit, Sie als meinen Deputy einzustellen. Jede Amtshandlung aus eigenem Antrieb untersage ich Ihnen in Darwin."

„Hört, hört", grinste Jim. Er schob seinen Teller in die Mitte, zog sein Glas herum und trank es aus. Dann signalisierte er mit Gemütsruhe den Keeper heran und ließ sich ein Bier bringen. Das war haargenau Converses Art, aber den Sheriff schien das bei anderen Leuten verrückt zu machen.

„Ob Sie damit einverstanden sind, wollte ich wissen?"

„Natürlich – nicht."

Den Sheriff hieb es förmlich vom Stuhl. Er schnappte nach Luft, wollte etwas sagen, aber Jim kam ihm zuvor.

„Was haben Sie denn bis jetzt gegen die Diamantendiebe unternommen?"

„Sie sind mir entwischt. Das ist doch weiter nichts. In der Hauptstadt wurde vor eurem Hauptquartier eine Bank ausgehoben. Weiß der Teufel, wo sich die Schufte um diese Zeit schon herumtreiben."

„Ich denke, sie sind noch in der Nähe. Momentan vielleicht drüben in Mexiko, um die Steine loszuschlagen. Doch sie werden zurückkommen. In der Schleiferei soll noch mehr zu holen sein."

„Zwei meiner Deputys bewachen den Schuppen. Dort ist nichts mehr drin für die Halunken."

„Sie haben schon zwei Deputys? In dieser kleinen Stadt? Und ich soll der dritte werden, wie?"

„Das habe ich mit Ihnen vor. Natürlich übernehmen Sie den Posten ehrenamtlich. Sie werden ja von Austin bezahlt. Und alles was Sie unternehmen, bedarf meiner vorherigen Genehmigung. Haben wir uns verstanden, Hollister?"

„Verstanden schon."

„Also, melden Sie sich dann bei mir. Heute Nacht können Sie Ihre erste Wache vor der Schleiferei übernehmen."

Jim lächelte kalt.

„Kann ich – wenn ich will. Sie vergessen eine Kleinigkeit, Mister. Ich weise nie gerne darauf hin, doch bei Ihnen scheint es angebracht zu sein: Wir Texas-Ranger stehen über Ihrer Macht. Und wenn Sie mir Späne machen, setze ich Sie außer Betrieb, bis die Sache geklärt ist. Und jetzt haben wir uns hoffentlich wirklich verstanden."

Eine Weile saß der Sheriff sprachlos, dann hieb er seine Faust auf den Tisch, dass die Gläser einen beleidigten Sprung vollführten.

„Das haut ja dem Fass den Boden aus!, donnerte er mit spröder Stimme. „Ich bin zwanzig Jahre Sheriff in dieser Stadt. Und da kommt so einer daher ...

„Verschlucken Sie die Bemerkung, sagte Jim scharf. „Auf Beleidigungen reagiere ich sauer. Los, zittern Sie ab, Sie stehlen mir nur die Zeit.

Der Sheriff ging wirklich. Er stolperte mit hölzernen Schritten durch die Schwingtür.

Der Ranger blickte noch lange auf die schwingenden Flügel, obwohl Rod Converse längst verschwunden war. Was ist mit diesem Sheriff los?, fragte er sich. Ist er nun ein eingebildeter Narr – oder ist er bedeutend schlauer, als er sich gab? Beides konnte richtig sein – beides falsch.

Jim schob den Gedanken von sich.

Welche Rolle der Sheriff hier spielte, würde sich schon noch herausstellen. Zunächst musste er mit Hank Sherman sprechen, wie der Besitzer der Diamantenschleiferei heißen sollte. Er stand auf, bezahlte an der Theke seine Zeche und steuerte die Tür an.

Als er nur noch drei Meter davon entfernt war, kam ein wuchtiger Kerl herein, der viel Ähnlichkeit mit einem Klotz hatte. Der Mann blieb stehen, während die halbhohe Tür hinter ihm ausschwang. Er stemmte die Arme in die Hüften, lachte mit einer rollenden Bassstimme und reckte seinen kantigen Schädel vor.

„Wolltest du gerade die Mücke machen?, fragte er läppisch. „Bleib hier, Sonny, wir haben eine kleine Unterhaltung miteinander.

Jim musterte den Burschen schnell aber gründlich. Er ahnte gleich, dass hier irgendwer einen Schläger vorgeschickt hatte. Nach seiner Meinung konnten das nur Leute sein, die ihn möglichst weit von der Stadt weg haben wollten. Das konnten sehr leicht die Diebe sein. Stimmte das, so war Colonel Houstons Meinung richtig.

„Um was geht‘s, mein Freund?, fragte der Ranger im Plauderton. „Sollst du mich weichkochen und dann aus der Stadt entfernen?

Der Mann riss die Augen auf und ließ die Unterlippe herabhängen.

„Ph, woher weißt du denn das? Kannst du etwa Gedanken lesen?"

„So ungefähr. Geh wieder nach Hause, Großer. Ich bin heute schlecht aufgelegt."

Der Kerl lachte wieder. Plötzlich schloss er den Mund. Sein Grölen endete wie abgeschnitten. Hässlich glimmten seine Äugen. Jetzt sah er fast wie eine Schlange aus – doch er war eine fette Schlange.

„Du wirst bald noch schlechter aufgelegt sein, Hombre!"

„Es wäre dein Schaden, wenn sich meine Laune noch verschlechtern sollte. Aber ich will wirklich keinen Verdruss mit dir. Geh nach Hause, Junge, mehr kann

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