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Strand Thriller Trio Band 2 – Drei Krimis in einem Band
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eBook511 Seiten5 Stunden

Strand Thriller Trio Band 2 – Drei Krimis in einem Band

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Über dieses E-Book

Strand Thriller Trio Band 2 – Drei Krimis in einem Band

von Uwe Erichsen & Alfred Bekker & Thomas West



Der Umfang dieses Buchs entspricht 500 Taschenbuchseiten.



Dieses Buch enthält folgende Krimis:



Thomas West: Jesse Trevellian und der rote Diamant

Uwe Erichsen: Travers und das Dynamit-Komplott

Alfred Bekker (Henry Rohmer): East Harlem Killer



Kriminalromane der Sonderklasse: hart, überraschend und actionreich.



Henry Rohmer ist das Pseudonym des bekannten Fantasy- und Jugendbuchautors Alfred Bekker, der darüber hinaus an zahlreichen Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton Reloaded, John Sinclair und Kommissar X mitschrieb.
SpracheDeutsch
HerausgeberCassiopeiaPress
Erscheinungsdatum6. Sept. 2021
ISBN9783956178290
Strand Thriller Trio Band 2 – Drei Krimis in einem Band
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Autor

Alfred Bekker

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

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    Buchvorschau

    Strand Thriller Trio Band 2 – Drei Krimis in einem Band - Alfred Bekker

    Strand Thriller Trio Band 2 – Drei Krimis in einem Band

    Alfred Bekker et al.

    Published by Alfred Bekker präsentiert, 2021.

    Inhaltsverzeichnis

    Title Page

    Strand Thriller Trio Band 2 – Drei Krimis in einem Band

    Copyright

    Jesse Trevellian und der rote Diamant

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    Travers und das Dynamit-Komplott

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    East Harlem Killer

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    Further Reading: 10 ausgewählte Thriller - Ein 1204 Seiten Krimi Koffer

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    About the Author

    About the Publisher

    Strand Thriller Trio Band 2 – Drei Krimis in einem Band

    von Uwe Erichsen & Alfred Bekker & Thomas West

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 500 Taschenbuchseiten.

    Dieses Buch enthält folgende Krimis:

    Thomas West: Jesse Trevellian und der rote Diamant

    Uwe Erichsen: Travers und das Dynamit-Komplott

    Alfred Bekker (Henry Rohmer): East Harlem Killer

    Kriminalromane der Sonderklasse: hart, überraschend und actionreich.

    Henry Rohmer ist das Pseudonym des bekannten Fantasy- und Jugendbuchautors Alfred Bekker, der darüber hinaus an zahlreichen Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton Reloaded, John Sinclair und Kommissar X mitschrieb.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © by Authors

    © dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    Jesse Trevellian und der rote Diamant

    Krimi von Thomas West

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 118 Taschenbuchseiten.

    Die britische Königin wird in New York erwartet, und für ihre Sicherheit sind die FBI-Agenten Trevellian und Tucker zuständig. Ihre Kollegen bearbeiten derweil die Ermordung des Diamantenschleifers Amoz Koslowski in SoHo, die wahrscheinlich von einer Jugendgang verübt wurde. Währenddessen plant Leonard Wilberforce, der als „Mann für alle Fälle von der Unterwelt gern beauftragt wird, den größten Deal seines Lebens. Für den Diamantenhändler Henry Sharington soll er den „Williamson – den weltweit größten roten Diamanten – stehlen und dafür einhunderttausend Dollar erhalten. Doch der Scheich, der den einzigartigen Stein besitzen will, zahlt fünfzehn Millionen Dollar dafür – da kommt es auf ein paar Leichen mehr oder weniger nicht an ...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker.

    © by Author

    © dieser Ausgabe 2017 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    1

    Der fette Kater schnurrte wollüstig und rieb seine haarige Kehle an Koslowskis ausgewaschener Cordhose. Du bist ein gieriges Miststück, Emma, bellte der knochige, weit über siebzigjährige Mann in die Sprechmuschel seines altmodischen Telefons. Wenn du Geld brauchst, fällt dir ein, dass du in SoHo noch einen alten Vater sitzen hast!

    Seine lang gliedrigen, kräftigen Hände vergruben sich im gelb schmutzigen Fell des Katers. Ansonsten bin ich Luft für dich! Das Tier räkelte sich unter seinen Liebkosungen.

    Du bist ungerecht, Dad! Die Frauenstimme am anderen Ende der Leitung klang beleidigt. Wer putzt dir denn jeden Monat deine Dreckbude?! Außerdem studier' ich noch - du musst mich unterstützen ...!

    Ich hör' wohl nicht recht! Wie von der Tarantel gestochen, schoss der Mann aus seinem Ohrensessel. Der Kater rettete sich mit einem Satz auf das Sofa. Gar nichts muss ich! Sterben muss ich ...!

    Irgendwo im Haus klirrte eine Scheibe. Koslowski riss den Hörer vom Ohr und lauschte. Dad?, quäkte die Frauenstimme aus dem Telefon. Bist du noch dran, Dad?

    Der Kater belauerte die Tür, sein Rückenfell sträubte sich. Koslowski ließ den klobigen Hörer auf die Gabel fallen. Hast du auch was gehört, Rudi? Der Alte näherte sich langsam der Tür. Die Stehlampe neben dem Sofa erlosch.

    Verflucht!, zischte Koslowski. Spinn' ich oder hat da jemand die Sicherungen ausgeschaltet? Durch die Dunkelheit tastete er sich zu einem schmalen Eichenschrank neben dem Fenster. Dort hatte er eine der zahllosen Taschenlampen deponiert, die überall im Haus verteilt auf einen Stromausfall warteten.

    Knarrend öffnete sich die Schranktür. Koslowski griff nach der Lampe und knipste sie an. Ihr Lichtstrahl fiel auf den Kater. Mit seinen senkrecht abstehenden Fellhaaren sah er aus wie ein riesiger Igel. Zur Tür hin fauchend stand er auf steifen Beinen vor der Couch.

    Unten, im ersten Geschoss der Maisonette-Wohnung, knirschte das ungeölte Schloss einer Tür. Jemand schien eine Klinke herunterzudrücken. Ein kalter Schauer rieselte Koslowski über die Rückenhaut.

    Er richtete den Strahl der Lampe in den Schrank. Im mittleren Fach zwischen Fotokartons und einem Stapel Briefmarkenalben schimmerte das schwarze Metall eines Armeerevolvers auf. Koslowski holte den .45er heraus und ließ die Trommel herauskippen. Hastig wühlte er im Schrank herum, fand endlich die Munition, steckte mit zitternden Fingern sechs Patronen in die Trommel und spannte den Hahn.

    Verkriech dich lieber, Rudi, flüsterte er, ein Einbrecher scheint es auf meine Werkstatt abgesehen zu haben.

    Er glaubte selbst nicht, was er seinem Kater erzählte. Ein Einbrecher würde abends um zehn kaum in eine Wohnung einsteigen, in der Licht brannte. Jedenfalls nicht hier in der Dominick Street. Und wenn doch - aus welchem Grund schaltete er dann die Sicherung aus?

    Koslowski schob die beunruhigende Frage so weit weg von sich wie möglich. Auf Zehenspitzen schlich er zum Telefon, die Waffe auf die Tür seines Wohnzimmers gerichtet. Er nahm den Hörer ab - die Leitung war tot. Hinter seinem Brustbein schien innerhalb von Sekunden eine Eisschicht zu wachsen.

    Fester umklammerte er die Waffe und schluckte. Okay, Rudi, flüsterte er. Wir sind uns einig - da ist jemand. Und ich sage dir: Dieser Jemand führt nichts Gutes im Schilde. Waffe und Lichtstrahl auf die Klinke gerichtet näherte er sich der Tür. Scheißegal, Rudi - schauen wir uns den Typen an ...

    Er legte das Ohr ans Schlüsselloch und lauschte. Nichts zu hören. Vorsichtig drückte er die Klinke herunter und leuchtete durch den Türspalt in seinen mit schweren Möbeln überladenen Flur. Niemand zu sehen.

    Zwischen seinen Beinen huschte der Kater aus dem Zimmer. Koslowski wagte sich hinaus auf den Flur und leuchtete nach beiden Seiten. Nichts. Die Tür seiner Werkstatt war geschlossen.

    Der Kater stand am Treppenabsatz und lauschte mit steil aufgerichteten Ohren hinab. Sein schräg nach unten gerichteter Schwanz erschien buschiger als sonst.

    Leise schlich Koslowski zu dem Tier. Der Lichtkegel seiner Lampe durchdrang den unteren Flur. Die Tür zu seinem Schlafzimmer stand offen. Er hätte schwören können, dass er sie geschlossen hatte, bevor er hoch ins Wohnzimmer gegangen war. Von seinem Schlafzimmer aus ging ein Fenster in den Hinterhof. Ein Fenster, von dem aus man die Feuerleiter erreichen konnte ...

    Ist da jemand? Seine heisere Stimme kam ihm fremd vor. Er betrat die oberste Treppenstufe. Das alte Holz knarrte unter seinen Schuhsohlen. Wer zum Teufel ist da unten?!

    Rechts hinter ihm wurde die Toilettentür aufgerissen. Koslowski fuhr herum - ein dunkler Schatten, ein erhobener Arm, eine Faust, die einen länglichen Gegenstand umklammerte. Etwas prallte auf seinem Schädel auf. Eine Welle von Übelkeit schoss aus seinem Magen in seine Kehle - Koslowski konnte nicht einmal mehr schreien.

    Ein zweiter Schlag traf ihn, jemand hielt seine Rechte umklammert und entwand ihm den Revolver. Seine Knie gaben nach, kopfüber stürzte er auf die Treppe, schlidderte die siebzehn Stufen hinunter und kniff geblendet die Augen zusammen, als ein Lichtstrahl sein Gesicht traf.

    Wie durch einen Nebel hörte er Rudi fauchen. Für Sekundenbruchteile spürte er sein Fell auf seinem Gesicht. Jemand schrie: Autsch! Verdammtes Mistvieh!

    Stech' ihn ab!, eine zweite Stimme.

    Es ist zum Schlafzimmerfenster hinaus ...

    Es waren mindestens drei oder vier Männer die ihn festhielten. Junge Männer - das hörte er an ihren Stimmen. Er konnte ihre Gesichter nicht sehen, sie leuchteten ihm direkt in die Augen.

    Den Code von deiner Werkstattür, Opa!, zischte einer von ihnen. Koslowski reagierte nicht. Ein Handrücken klatschte in sein Gesicht. Schwerhörig, oder was?! Den Code! Den Code! Sie schüttelten ihn durch.

    Er spürte warmen Atem nah an seinem Gesicht. Atem, der nach Zigarettenrauch stank. Den Code, verdammt noch mal! Koslowski saugte den Schleim aus seinem Rachen nach oben und spuckte aus.

    Der Lichtkegel wich von seinem Gesicht. Scheißkerl!, fauchte jemand. Für einen Moment sah Koslowski ein dunkles, jugendliches Gesicht. Etwas krachte hart auf seinen Schädel. Sein Bewusstsein schnurrte zusammen, wie ein angestochener Luftballon und taumelte in eine Tiefe, aus der es kein Zurück mehr gab ...

    2

    Milo legte drei Streichhölzer vor sich auf die Theke. Okay, losen wir. Mit einer einladenden Geste wies er auf Jay Kronburg. Brich einem den Kopf ab, Jay.

    Jay stellte sein Bierglas auf die Theke. Mit spitzen Fingern nahm er das mittlere der drei Hölzer und zwickte ihm den Zündkopf ab. Das um seinen Schwefelkopf gekürzte Holz schob er zwischen die anderen beiden.

    Es war spät am Abend. Ein Montagabend, wenn ich mich recht erinnere. Wir hockten im >North Star Pub<, einer munteren irischen Kneipe in Seaport an der South Street.

    Zu sechst: Jay und Leslie, Clive und Medina, Milo und ich. Unser Chef hatte uns einen Auftrag serviert, der keinem von uns schmecken wollte. Personenschutz für einen Staatsbesuch - die englische Königin wollte New York City besuchen. Zwei Wochen lang. Eigentlich nur um eines ihrer Rennpferde auf dem Aqueduct Race Track zu bewundern. Und nicht zu vergessen die mildtätige Stiftung für Aidskranke, die sie ins Leben rufen wollte.

    Doch irgendeinem ihrer Protokollheinis hatte das nicht gereicht. Eine Rede vor der UNO war aufs Programm gesetzt worden und ein Plausch mit unserem fotogenen Bürgermeister. Und schon hatten wir einen Staatsbesuch. Und für dessen Schutz war nun mal das FBI zuständig. Wir.

    Der Zufall wollte es, dass jedes unserer drei Teams in den letzten Tagen einen Fall abgeschlossen hatte und jeder von uns theoretisch für den atemberaubenden Einsatz infrage gekommen wäre. Unser Chef war ein menschenfreundlicher Mann und wollte niemanden zu dem Einsatz verdonnern. Einigen Sie sich, Gentlemen, hatte er gesagt.

    Und das taten wir jetzt. Mit einer bewährten Methode - mit Streichhölzern. Auf lange Diskussionen hatten wir uns gar nicht erst eingelassen.

    Hast du mal'n Augenblick Zeit, Woody?! Milo nahm die drei Streichhölzer und streckte sie dem Barkeeper entgegen.

    Was gibt's denn? Woody war ein kahlköpfiger Kleiderschrank mit schwarzen Bartstoppeln und einem ansehnlichen Bauch. Angeblich studierte er Philosophie an der Columbia University. Seit ungefähr zwanzig Jahren. Niemand von uns war taktlos genug sich ihm gegenüber darüber zu wundern. Er war ein guter Barkeeper, und fertig.

    Eine Entscheidung steht an. Milo legte ihm die Streichhölzer in die ausgestreckte Hand.

    Ihr wollt losen? Woody - eigentlich hieß er Andrew Blackwood aber alle Gäste im >North Star Pub< nannten ihn Woody - nahm sie meinem Partner ab und wandte uns den Rücken zu, um die Hölzer zwischen seinen Fingern zu ordnen. Geht's um eine Frau?

    Kann man so sagen, brummte Jay.

    Wie heißt sie?

    Elizabeth, sagte ich, mach schon.

    Er drehte sich um und streckte uns seine rechte Faust entgegen. Drei Hölzer ragten zwischen Daumen und Zeigefinger hervor. Wer das kürzere zieht, scheidet aus und die anderen beiden teilen sich Betty, oder wie?, grinste er.

    Umgekehrt, knurrte Jay, außerdem geht's hier um drei Zweier-Teams.

    Also vier Leute teilen sich Betty, staunte Woody.

    Umgekehrt hab' ich gesagt. Jay fixierte die Hölzer in der Faust des Barkeepers. Zwei teilen sich Betty. Das Team, das den Kürzeren zieht. Woody machte ein grüblerisches Gesicht, was ziemlich albern aussah. Irgendwas schien er falsch zu verstehen.

    Wer greift zu?, fragte Milo.

    Ich, sagte ich, bevor wir hier noch hundert Jahre sitzen. Risikofreudig, wie ich nun mal bin, griff ich zu - und zog das Zündholz mit dem abgebrochenen Kopf.

    Jay und Leslie atmeten auf, Orry und Clive bestellten erleichtert eine Runde Bier, und Milo vergrub sein bekümmertes Gesicht seufzend in beiden Händen.

    Scheint ja nicht gerade der Hit zu sein, eure Betty. Woody blinzelte irritiert von einem zu anderen. Hat sie die Krätze? Ist sie fett? Oder bist du mit ihr verheiratet? Er meinte Milo.

    Sie ist eine Königin, erklärte Orry.

    Woodys Gesicht wurde um keine Spur intelligenter. Hä?

    Vergiss es, Milo winkte ab und schaute mich schicksalsergeben an. Also gut, Partner - du hast ausnahmsweise mal das große Los gezogen. Und was willst du in den nächsten zwei Wochen zu meiner Unterhaltung beitragen?

    Betreten betrachtete ich den Bierschaum am Grund meines Glases. Sieh's doch mal positiv, Milo - Pferderennen, kalte Büfetts auf Wohltätigkeitsveranstaltungen, Konzerte in der Avery Fisher Hall, Theaterbesuche, müßige Stunden im Guggenheim Museum, Stadtrundfahrten: Kann ein Urlaub schöner sein?

    Ja, knurrte Milo. Ich sprach es nicht aus, aber ich gab ihm recht.

    3

    Der silbergraue Lincoln rollte den Broadway hinunter. In nördliche Richtung. Noch etwa eine halbe Meile bis zur Kreuzung Fifth Avenue. Und zum Madison Square Garden.

    Henry Sharington klappte den Aktenkoffer noch einmal auf. Er entnahm das schwarze Lederetui und öffnete es. Der rosafarbene Stein lag auf dem schwarzen Samt, wie ein überdimensionaler, von der Sonne ausgebleichter Blutstropfen. Pflaumengroß, oval, und unglaublich schön. Und eingefasst in den Weißgoldrahmen einer Brosche.

    Sharington nahm den Stein aus dem Etui und hielt ihn in Augenhöhe gegen das Seitenfenster. Die nächtlichen Lichter Manhattans brachen sich in den hundertfältigen Schliffflächen des Diamanten.

    Wo soll ich Sie absetzten, Sir? Der Chauffeur hielt vor der Ampel und setzte den Blinker nach rechts.

    Am Haupteingang, Jefferson. Sharington steckte den Stein zurück in das schwarze Samtkissen des Etuis. Mit klopfendem Herzen betrachtete er das Kunstwerk. Der >Williamson< - der größte Diamant dieser Farbe. Dreiundzwanzig Komma sechs Karat. Lupenrein, von Briefel & Lemer in London geschliffen. Mindestens anderthalb Millionen Dollar wert. Ein Scheich aus Saudi-Arabien hatte ihm das Zehnfache geboten.

    Der einzige Makel des Steines: Er war ein Duplikat. Sharington klappte das Etui zu und verstaute es in seinem Aktenkoffer.

    Der Madison Square Garden, Sir, sagte Jefferson, wir sind da.

    Gut. Sharington hob den Boden seines Koffers an. Zeichen und Farben wurden sichtbar, die er im Schlaf erkennen würde: Hundertdollarnoten. In zwanzig Bündeln mit je fünfundzwanzig Scheinen. Fünfzigtausend Dollar. Er ließ die Schlösser seines Aktenkoffers einrasten.

    Ich brauche nicht länger als eine halbe Stunde, höchstens eine. Gehen Sie was trinken, Jefferson. Ich ruf Sie an, wenn ich so weit bin.

    Der Chauffeur bog in den Madison Square Park ein und hielt vor dem Haupteingang der Halle. Sharington stieg aus und mischte sich unter die vielen Menschen.

    Er drängte sich durch die Massen und legte den beiden Freaks an der Kasse seine Eintrittskarte vor. Sie musterten ihn mit schrägen Blicken. Es kam wohl nicht alle Tage vor, dass silberhaarige Männer mit Aktenkoffern ein Rockkonzert besuchten. Schließlich nickten sie und winkten ihn in die Konzerthalle hinein.

    Sharington hatte sich ein Hugo-Boss-Jackett angezogen und in ein paar Jeans gezwängt, die ihm Jefferson gestern besorgt und gewaschen hatte. Trotzdem sah er zwischen all den Exoten aus wie ein Beamter von der Sittenpolizei.

    Unzählige Menschen drängten sich in der Halle. REM hieß die Gruppe, die vorn auf der Bühne unter einem Lichtgewitter Tasten und Saiten bearbeitete. Der Sänger bog sich über sein Mikro wie ein Verdurstender über eine Quelle. Das Lichtstakkato ließ sein kurzes blondes Haar in allen Farben des Regenbogens aufblitzen. Seine Stimme orakelte dunkel und heiser: >First we take Manhattan, then we take Berlin ...<

    Und danach den Buckingham Palace, dachte Sharington. Er schob sich durch die Menge. An der rechten Seite der Halle nahm er das Neonschild wahr, das den Notausgang beleuchtete. Daneben wies ein großes Symbol auf die Toiletten hin.

    Sharington sah auf seine Armbanduhr: Viertel nach zehn. Um halb elf auf der mittleren Herrentoilette.

    Leonard Wilberforce würde pünktlich sein. Der Zuhälter aus Little Italy, der ihn empfohlen hatte, war ein guter Menschenkenner - Sharington hatte Wilberforce einmal gesehen, und sofort begriffen, dass er einen Mann vor sich hatte, der seine Arbeit erledigte, als stünde sein Leben auf dem Spiel. Dabei ging es für ihn nur um hunderttausend Dollar.

    Das Publikum tobte, der Bandleader moderierte mit wenigen Worten, die Musiker bewegten sich auf der Bühne, wie Leute, die wussten, dass die Champions waren.

    Sharington bekam kaum etwas mit von der fiebrigen Atmosphäre. Meter um Meter bewegte er sich auf die rechte Saalseite zu. Gegen halb elf huschte er in den Gang, der zur Nottür und zu den Toiletten führte.

    >Die mittlere Herrentoilette< - er presste den Koffer unter seinen Arm und schritt die Türen ab. Es war halb elf.

    Drei blau lackierte Metalltüren - >Gentlemen<, warnten die Emailleschilder auf den Türblättern. Er drückte die mittlere Tür auf und betrat den gelblich gekachelten Raum. Ein säuerlicher Gestank schlug ihm entgegen.

    Über eines der beiden Waschbecken beugte sich ein kleiner Mann - glupschäugig, blondes Kurzhaar, enge schwarze Lederhosen, graues Jackett. Unter dem Waschbecken ein Aktenkoffer. Dem, den Sharington an sich drückte, zum Verwechseln ähnlich.

    Ihre Blicke begegneten sich kurz. Wilberforce' wässrig blaue Augen weiteten sich. Seine blonden Brauen zuckten fragend nach oben. Sharington nickte und stellte seinen Koffer neben der Tür ab. Ohne ein Wort zu verlieren stellte er sich an eines der Pissoirs und öffnete seinen Hosenschlitz.

    Hinter sich hörte er den kleinen Blonden die Tür aufziehen und den Raum verlassen. Als er sich umdrehte und zu den Waschbecken ging, war sein Koffer verschwunden. Der von Wilberforce stand immer noch unter dem Waschbecken.

    Sharington wusch sich die Hände, griff nach dem Koffer und öffnete ihn. Er enthielt weiter nichts als zwei Briefbögen. Auf dem ersten war in großen Druckbuchstaben eine Adresse notiert: Canal Street Flea Market, 335 Canal Street. Auf diesem Flohmarkt also wollte Wilberforce ihm den echten Diamanten übergeben.

    Auf dem zweiten Blatt eine Handynummer und die Nummer des Kontos, auf die Sharington nach erledigtem Auftrag die zweite Hälfte des Honorars einzahlen sollte.

    Er klappte den Koffer zu und verließ die Herrentoilette. In der Konzerthalle mischte er sich unter das Publikum. Aber nur um sich nach und nach in Richtung Ausgang zu bewegen.

    Als er über den Hauptweg des Madison Square Parks schlenderte, zog er sein Handy aus der Tasche. Er tippte die Nummer seines Chauffeurs ein. Ecke Fith Avenue, Madison Square Plaza, Jefferson. In fünf Minuten.

    Der erste Schritt zur Rettung seiner Firma war getan.

    4

    Emma Koslowski hockte wie teilnahmslos auf der untersten Stufe der Treppe. Sie rauchte und starrte auf die weißen Kreidelinien vor sich auf dem Flurparkett. Sie umrissen die Konturen des Körpers, den die Bullen eben in einem Plastiksack zur Wohnungstür hinaustrugen.

    Ohne Leben war dieser Körper in dem grauen Leichensack - erschlagen, tot. So tot wie ihre Beziehung zu seinem ermordeten Besitzer. Ihr Vater war ein Arschloch gewesen. Daran gab es nichts zu rütteln. Aber er war ihr Vater gewesen.

    Zum Teufel - und man hatte nur einen Vater! Und selbst wenn man ihn hasste, selbst wenn man ihn für den bescheuertsten Giftzwerg im ganzen Staate New York gehalten hatte - seine Stimme, sein misstrauisches Gesicht, seine zackige Art zu gehen und sich zu bewegen: All das würde man genauso wenig aus seinem Hirn herausbekommen, wie das Bild von Neil Alden Armstrong, wie er im Juli '69 vor der Mondfähre von Apollo 11 die amerikanische Flagge gehisst hatte.

    Tränen liefen über Emmas ausdrucksloses Gesicht. Sie wischte sie weg und drückte ihre Kippe in dem kleinen Teller aus, der neben ihr auf der Treppe stand.

    Sie rieb die feuchten Hände an der schwarzen Lederhose trocken und fummelte eine zerknitterte Schachtel Camel ohne Filter aus der Brusttasche ihrer ausgebleichten Jeansjacke. Ihre Finger zitterten, als sie sich die nächste Zigarette zwischen die Lippen steckte.

    Einer der Männer, die den Hausflur der Maisonette-Wohnung nach Spuren absuchten, streckte ihr ein Feuerzeug hin und schnippte die Flamme an.

    Tut mir leid, Miss Koslowski, aber glauben Sie mir - wir kriegen die Mistkerle. Der zivile Sergeant der City Police hieß Ron Landley und sprach mit gepresster Stimme.

    Klar doch. Emma Koslowski schniefte in den Ärmel ihrer Jacke. Klar ... Schwarze Haarsträhnen hatten sich aus dem Knoten auf ihrem Hinterkopf gelöst und hingen ihr wirr ins schmale, sommersprossige Gesicht. Sie mochte Ende zwanzig bis Anfang dreißig sein.

    Ein Mann in weißem, kurzärmeligem Hemd und mit gelöstem Krawattenknoten trat zu ihnen. Er ist mit einem harten Gegenstand erschlagen worden, vermutlich mit einem Totschläger.

    Der Sergeant nickte grimmig. Wann ungefähr?

    Der Polizeiarzt zuckte mit den Schultern. Höchstens eine Stunde her.

    Danke, Doc. Der Arzt bedachte Emma mit einem routinierten Nicken und verließ die Wohnung.

    Ich sag' Ihnen doch, ich hab sie noch gehört, schluchzte die Frau.

    Und Sie sind sicher, dass es mehrere waren, die Sie da gehört haben? Landley ließ sich neben ihr auf der Treppe nieder.

    Ganz sicher. Emma sprach mit einer rauen, monotonen Stimme. Der Sergeant hatte sie längst als Kettenraucherin eingestuft, vermutlich nahm sie auch noch Drogen. Ich habe Stimmen gehört. Und vom Schlafzimmerfenster aus hab' ich sie über den Hof rennen sehen. Mindestens drei.

    Klingt ganz nach einer dieser verdammten Jugendgangs, mischte Landleys Assistent sich ein. Hinter Emma stieg Bill Cranfield die Treppe herunter. Kaugummi kauend und beide Hände unter seinem Sakko in den Hosentaschen vergraben. Er war ungefähr in Emmas Alter. Dort oben haben die Jungs Fingerabdrücke und Blutspuren gefunden.

    Eine richtige Seuche mit diesen Gangs, murmelte der Sergeant. Wir werden Sie bitten müssen, sich genau in der Wohnung Ihres Vaters umzusehen. Wir wollen wissen, was diese Kerle geraubt haben.

    Emma winkte müde ab. Ich hab' doch keine Ahnung, was für Wertsachen mein Vater wo versteckt hat. Ich weiß ja nicht mal, auf welcher Bank er seine Kohle deponiert.

    Es müssen keine Wertsachen sein, die fehlen, Miss Koslowski, sagte der Polizist hinter ihr auf der Treppe. Diese Burschen klauen alles, was sich irgendwie zu Geld machen lässt.

    Sie werden doch über den Besitz ihres Vaters im Bilde sein?, wunderte sich der Sergeant.

    Sie schüttelte müde den Kopf. Ich hab' nur ein-, zweimal im Monat vorbeigeschaut. Um ein bisschen sauber zu machen. Ich hätt's mir auch sparen können. Ins Schlafzimmer und in seine Werkstatt ließ er mich erst gar nicht rein. Aber ich brauchte Geld.

    Hey, Miss Koslowski. Cranfield hinter ihr lehnte sich ans Treppengeländer. Das klingt nicht nach Harmonie und Freude.

    Emma zog den linken Mundwinkel hoch. Ein bitterer Zug trat in ihr Gesicht. Wir hatten eine Scheißbeziehung. Ich war froh, wenn ich seine Tür wieder hinter mir zu machen konnte.

    Werkstatt? Der Sergeant hob fragend die Brauen. Haben Sie eben was von Werkstatt gesagt? Was für'ne Werkstatt?

    Aus der offenen Schlafzimmertür huschte der Kater. Sein schmutzig rotes Fell wirkte zerzaust und matt. Mauzend strich er um die Kreideskizze auf dem Parkett.

    Hey, Miss! Landley beugte sich zu Emma hinüber. Sie schien ganz in den Anblick des Katers versunken zu sein. Ich hab' sie was gefragt. Was für eine Werkstatt?

    Emma deutete mit Daumen über die Schulter nach hinten. Oben. Letzte Tür links. Eine Diamantenschleiferei. Cranfield hinter ihr stieß sich vom Geländer ab, nahm die Hände aus den Taschen und lief wieder die Treppe hinauf.

    Diamantenschleiferei? Er ist doch ... Moment, Landley zückte seinen Notizblock und ging seine Aufzeichnungen durch. Er ist doch schon sechsundsiebzig. War er in seinem Alter denn noch berufstätig?

    Emma nickte. Dad ist ... Sie unterbrach sich. Dad war ein ziemlich guter Diamantenschleifer. Weit über die Staaten hinaus bekannt. Hat bis vor Kurzem häufig Aufträge angenommen. Auch von seinem letzten Arbeitgeber. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht. Auf die letzte Arbeit war er so stolz gewesen, dass er sie mir sogar gezeigt hat. Ich musste eine Flasche Sekt mit ihm trinken und hinterher gab's einen Hundertdollerschein bar auf die Pfote.

    So ganz Funkstille war also doch nicht zwischen Ihnen? Emma bemerkte nicht den skeptischen Blick des Sergeants. Sie rauchte schweigend und betrachtete Rudi.

    Der Kater saß auf der Stelle, wo die Kreidezeichnung den Kopf des alten Koslowski skizzierte. Immer wieder stieß er ein jämmerliches Miauen aus.

    Gehörte sie ihrem Vater? Zum ersten Mal hörte Emma so etwas wie Anteilnahme aus der Stimme des Sergeants heraus.

    Es ist ein Kater, sagte Emma müde. Rudi. Er gehört niemandem, wie die meisten Katzen. Vor zwei Jahren ist er unten auf der Straße vom Müllwagen zusammengefahren worden. Dad hat ihn gesund gepflegt. Seitdem folgt ihm Rudi auf Schritt und Tritt.

    Armer Kerl. Er sprach heiser vor Rührung. Einer von den Unzähligen, die eine Leiche kalt lässt und denen der Anblick von Viehzeug das Herz schmelzen lässt, dachte Emma. Ich habe auch Katzen zu Hause ...

    Eine Metalltür!, kam es von oben. Jemand hat sie mit dem Stemmeisen bearbeitet. Cranfield tauchte an der obersten Treppenstufe auf. Sie ist durch ein elektronisches Codeschloss gesichert!

    Emmas dunkle Augen wurden schmal. Das klingt ganz so, als hätten die Kerle gewusst, was sich hinter der Tür befindet ... Ihre Stimme klang plötzlich lauernd und misstrauisch.

    Was denn?

    Rohdiamanten, nehme ich an. Und vermutlich das eine oder andere Duplikat. Emma drückte die Zigarette aus. Wie gesagt, er hat mich nicht in die Werkstatt gelassen.

    Komisch, Sarge. Der Kaugummikauer stand oben auf der Treppe. Er hatte zugehört. Emma drehte sich zu ihm um. Die Gangs schlagen normalerweise spontan und wahllos zu, sagte er. Die hier scheinen sich ihr Opfer sorgfältig ausgesucht zu haben.

    Ja, wirklich komisch, murmelte der Sergeant.

    5

    Die englische Königin hatte sich einen guten Reisetermin herausgesucht - seit zwei Tagen lag ein mildes Oktoberlicht über Manhattan, die Temperaturen erreichten Frühlingswerte und die Wetterfrösche aller Nachrichtensender waren sich einig: Das warme Herbstwetter sollte noch bis zum kommenden Wochenende anhalten.

    Es war ein Mittwochvormittag, an dem Milo und ich uns ein genaues Bild vom Aqueduct Race Track in Queens machten. Und vor allem von den Sicherheitsvorkehrungen auf der Pferderennbahn. Täglich, außer dienstags, fanden hier von Oktober bis Mai Pferderennen statt. Die Sommersaison wurde dann auf Long Island ausgetragen, im Belmont Park Race Track.

    Ich denke, hier kommen wir mit vierzig Leuten aus, sagte ich nach einem Rundgang über die Tribünen zu dem uniformierten Captain zwischen Milo und mir. Richard Bluster vom NYCPD war technischer Leiter des Einsatzes, den wir zum Schutz der Queen gemeinsam organisieren mussten. Am Sonntag würde sie die Rennbahn besuchen.

    Sehe ich auch so, Trevellian. Bluster nahm die Dienstmütze von seinem kahlen Schädel und wischte sich mit dem Ärmel seines Uniformhemdes den Schweiß von der Stirn.

    Bluster war ein Mann von den Körperausmaßen eines Gewichtshebers. Obwohl er ein ziemlich grobschlächtiges Gesicht hatte, war er mir auf Anhieb sympathisch.

    Ich würde fünfundzwanzig Mann in Uniform antreten lassen, sagte er. Um Polizeipräsenz zu demonstrieren. Und den Rest postieren wir in Zivil an den neuralgischen Punkten.

    Okay - Sie sorgen für die zusätzlichen Videokameras und die mobile Einsatzstation?

    Klar, nickte Bluster. Unsere Techniker bringen den Van auf Vordermann. Bis Samstag ist das Fahrzeug einsatzbereit. Bluster und einer von uns beiden würde den Einsatz von einem Van aus leiten, der mit technischem Gerät vollgestopft war.

    Gut, Milo reichte dem Uniformierten die Hand. Wir hören voneinander.

    Wird schon schiefgehen, was? Der massige Cop grinste mich an, als er seine kraftvolle Pranke um meine Hand schloss.

    Wenn ihr wachsames Auge über dem Spektakel schwebt, kann eigentlich nichts schiefgehen, lachte ich. Er schlug mir auf die Schulter, und ich wusste, dass ich bei dem Captain einen Stein im Brett hatte.

    Wir verließen das Areal der Pferderennbahn. Der Parkplatz davor war fast leer. Die Vormittagssonne spiegelte sich im grauen Lack unseres Dienstwagens - ein Mercury. Netter Kerl, was? Ich setzte mich hinter das Steuer.

    Ein ziemlich ungehobelter Bursche, aber nett, pflichtete Milo bei. Er ließ sich auf dem Beifahrersitz nieder und zog ein zusammengelegtes Stück Papier aus dem Jackett. Also - gehen wir das königliche Programm noch einmal durch. Er entfaltete das Papier mit dem Besuchsprogramm. Morgen Abend zwanzig nach sechs holen wir die blaublütige Oma vom Kennedy Airport ...

    Etwas mehr Respekt vor der englischen Königin, Special Agent Tucker. Ich mimte den Empörten.

    ... eskortieren wir Ihre Majestät, Elizabeth die Zweite, vom Flughafen zu ihrem Hotel.

    Na, also. Ich bog nach links in den Rockaway Boulevard ein. Der Aqueduct Race Track lag vor dem westlichen Zipfel des John F. Kennedy International Airports, keine Meile von dem Flughafen entfernt. Der Van Wyck Expressway war eigentlich die Hauptverbindung zur Interstate 495 und damit nach Manhattan. Doch der war um die Mittagszeit meistens verstopft. Also nahm ich den Woodhaven Boulevard.

    Übermorgen, am Freitag, Mittagessen mit unserem Bürgermeister in der City-Hall, fuhr Milo fort. Nachmittags Besuch des Guggenheim-Museums. Am Samstagvormittag Einkaufsbummel in der Fith Avenue ...

    Famoser Job - wir kommen sogar ein bisschen an die frische Luft ...

    ... Samstagnachmittag: Flatbush - Diana-Stiftung für ein Sterbehospiz für Aidskranke. Am Sonntag dann das Pferderennen, und am Montag bringen wir die Lady bis zum Eingangsportal der UNO. Dort übernimmt der hauseigene Sicherheitsdienst.

    Mit der City-Hall beschäftigen wir uns morgen, sagte ich. Lass uns als nächstes das Hotel unter die Lupe nehmen.

    Über die 495 und den Queens-Midtown Tunnel fuhren wir nach Manhattan hinein. Dann ging es nach rechts in die Park Avenue und hinauf in die Upper East Side. Im Carlyle Hotel hatte die Queen eine Luxussuite gebucht.

    Die Rezeption war vollgestopft mit Antiquitäten. Ich kam mir vor, wie in einem englischen Barockschloss. Die Empfangsdame meldete uns bei einem der Hotelmanager - einem gewissen Randolph Hong. Wir mussten nicht einmal drei Minuten warten, bis er sich aus dem Lift stürzte und mit ausgestreckter Hand auf uns zueilte: klein, Schlitzaugen, pomadig zurückgekämmtes Haar, unablässig grinsend. Seine Vorfahren waren Chinesen oder Koreaner, tippte ich.

    Willkommen, Gentlemen - Hong ist mein Name, Randolph Hong. Wir stellten uns vor. Bitte folgen Sie mir. Er ließ uns vor sich in den Lift steigen und drückte den Knopf für das achtzehnte Stockwerk. Wenn die Windsors nach Manhattan kommen steigen sie immer bei uns ab, erzählte der Mann. Ich suchte sein Gesicht nach dem Schalter ab, mit dem man sein Plastikgrinsen abstellen konnte. Und Sie wohnen immer in der Fünfzimmer-Suite im achtzehnten Stock.

    Mit vor Stolz und Zufriedenheit geschwellter Brust wieselte er uns voran durch eine mit antiquarischen Möbeln ausgestattete Zimmerflucht. Ganz am Ende des Ganges blieb er vor Zimmer 1812 stehen.

    Er machte ein Gesicht, als wollte er uns seine Nobelpreisurkunde präsentieren

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