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Anja und Esther

Anja und Esther

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Anja und Esther

Länge:
87 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
4. Okt. 2021
ISBN:
9788726927689
Format:
Buch

Beschreibung

In seinem ersten Theaterstück stellt Klaus Mann die Beziehung der zwei jungen Frauen Anja und Esther dar, die auf einem abgelegenen Stift leben. Mit den zwei jungen Männern Jakob und Kaspar schwelgen sie in melancholischen Gedanken, bis eines Tages ein Besuch eintrifft, der die Gefühlswelt der Gruppe ziemlich durcheinander bringt...Die Verwendung homoerotischer Andeutungen schaffte zum Zeitpunkt der ersten Veröffentlichung einen Skandal."Anja und Esther" – ein Jugendstück in sieben Bildern, das den melancholischen Gegensatz zwischen dem wohlig Bekannten und dem aufregenden Unbekannten zeichnet. -
Herausgeber:
Freigegeben:
4. Okt. 2021
ISBN:
9788726927689
Format:
Buch

Über den Autor

Klaus Heinrich Thomas Mann (1906 - 1949) war ein deutschsprachiger Schriftsteller. Der älteste Sohn von Thomas Mann begann seine literarische Laufbahn in der Zeit der Weimarer Republik als Außenseiter, da er in seinem frühen Werk Themen verarbeitete, die zur damaligen Zeit als Tabubruch galten.


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Buchvorschau

Anja und Esther - Klaus Mann

Klaus Mann

Anja und Esther

EIN ROMANTISCHES STÜCK

IN SIEBEN BILDERN

Saga

Anja und Esther

Coverbild/Illustration: Thanks to Levin Anton @levyphoto for making this photo available freely on Unsplash

https://unsplash.com/photos/LCGna0lESPk

Copyright © 1925, 2021 SAGA Egmont

Alle Rechte vorbehalten

ISBN: 9788726927689

1. E-Book-Ausgabe

Format: EPUB 3.0

Dieses Buch ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren für gewerbliche und öffentliche Zwecke ist nur mit der Zustimmung vom Verlag gestattet.

Dieses Werk ist als historisches Dokument neu veröffentlicht worden. Die Sprache des Werkes entspricht der Zeit seiner Entstehung.

www.sagaegmont.com

Saga Egmont - ein Teil von Egmont, www.egmont.com

PERSONEN:

DER ALTE

ANJA

KASPAR seine Enkelkinder

ESTHER

JAKOB

6 KNABEN

6 MÄDCHEN

2 AUFWARTEFRAUEN

ERIK

Die Szene ist ein altes Stift.

Das Stück spielt in der Gegenwart, am Ende eines Sommers.

ERSTES BILD

Die Szene ist ein großer, dielenartiger Raum im Stifte. Im Hintergrunde eine große, breite Flügeltüre, die, wird sie geöffnet, in ein hinteres Zimmer schauen läßt. Links seitlich eine Glastüre, von der aus Stufen in den Park führen. Rechts seitlich eine kleine Türe nach dem Freien. Der Raum selbst ist dunkel getäfelt, sehr geräumig und wenig möbliert. Rechts, ganz im Vordergrund seitlich, ein schwerer, geschnitzter Lehnsessel. Über der großen Türe im Hintergrund ein in die Wand eingelassenes Kruzifix. Rechts und links von der Flügeltüre stehen zwei Kandelaber.

Es ist gegen Abend, wird rasch dunkel, doch ist bei Aufzug des Vorhangs die Bühne vollkommen hell.

Im Lehnstuhl vorne sitzt Anja. Sie trägt ein schlichtes, dunkles Kleid mit kleinem weißen Umlegekragen. Ihr Haar ist dunkel. — Die 6 kleinen Mädchen stehen in einer Reihe und in schwarze Trikots gekleidet mitten im Raum. Sie sind gerade beim Trainieren. Wenn der Vorhang aufgeht, haben sie alle in gerade Linie die weißen Beine hochgeworfen und die Arme weit ausgebreitet. Esther steht, als Lehrerin, vor ihrer Front, so daß sie dem Publikum den Rücken wendet. Sie läßt eine lange Gerte so scharf durch die Luft sausen, daß es zischt. Sie trägt ein graues, hochgeschlossenes Kleid, mit einem Lederriemen gegürtet. — Im Hintergrund, die Flügeltüre flankierend, sitzen gebückt auf zwei ganz niedrigen Schemeln die beiden alten Aufwartefrauen. Sie spielen zu den Übungen der Kinder eine Art von Begleitmusik, die eine auf einer mißglückten Flöte, die andere auf einer falschen Zither. Sie sitzen arbeitsam gebückt.

ESTHER (scharf zählend): Eins — zwei — und drei!!

(Die Gerte saust nieder, die Kinder senken die Beine, stehen gerade in Reih und Glied. Demungeachtet spielen die Aufwartefrauen weiter. Eine wimmernde und doch scharf-rhythmische Klagemusik.)

ESTHER (wendet sich): Jetzt könnt ihr ausruhen. Wir üben nachher noch den „Tanz in Schwarz", die Schlußstellung wenigstens.

(Die Reihe der Kinder löst sich still auf. Sie setzen sich entweder einfach auf die Erde oder sie lehnen sich, wie erschöpft, an die Wand. Sie sehen alle etwas blaß aus. — Währenddem wimmert immerfort die Musik.)

ESTHER (zündet sich eine Zigarette an): Ich bin wirklich gespannt, wie es morgen nun klappen wird. Wichtig genug wäre es. — —

ANJA (wendet sich lächelnd an die Aufwartefrauen): Wenn es Ihnen nicht ganz besondere Freude macht weiterzuspielen, können Sie aufhören. Wir sind lange schon fertig.

DIE AUFWARTEFRAUEN (heben beide gleichzeitig den Kopf): Schon fertig? — Haben es wieder übersehen. — (Sie stehen auf, nehmen ihre Instrumente unter den Arm und humpeln dem Ausgang rechts seitlich zu.)

ESTHER (ihnen nach): Wir rufen Sie, falls wir noch etwas üben sollten.

DIE AUFWARTEFRAUEN (im Hinaushumpeln): Bitte schön, wir decken inzwischen den Tisch zum Abendessen.

ESTHER (zu Anja): Übrigens kann man die Wirkungsmöglichkeit der Tänze bei dieser grauenhaften Musik überhaupt nicht beurteilen. Morgen früh, bei der Generalprobe, wirst du erstaunt sein, wenn wir das Orchester aus der Stadt dahaben.

ANJA: Ich mag die Musik der Aufwartefrauen ja gerne. — Sie klingt, wie wenn die Tiere des Alten in den heißen Gewitternächten klagen.

ESTHER (sieht sie an): Ja — da hast du recht — —. Nur als Begleitung zu einem Gruppentanz ist sie nicht ganz das Richtige.

(Eines der kleinen Mädchen hat sich in aller Stille eine Zigarette angezündet.)

ANJA: Ruth hat eine Zigarette schon wieder zwischen den Fingern.

ESTHER: Sie kann es nicht lassen und der Alte hat ihr fünf Stück jeden Tag zugestanden. — Ich halte das Mißlingen oder das Glücken der morgigen Premiere immerhin für wesentlich, nachdem wir uns über ein Jahr vor der sogenannten Öffentlichkeit nicht produziert haben. ANJA: Das kommt, weil diese da erst etwas lernen mußten und weil von der vorigen „Generation" ja nur wir beide noch da sind — und Jakob und Kaspar —.

ESTHER: Ja, das ist wahr —. Jetzt sind sie alle fort —. Wo sind sie hin — —?

ANJA (bricht ab): Wenn du den „Tanz in Schwarz" wirklich noch üben möchtest, würde ich dir raten, bald anzufangen. Jeden Augenblick kann es zum Nachtmahl läuten.

ESTHER (wirft die Zigarette fort): Also dann — aufgestanden! (Sie ergreift die Gerte, stellt sich in Positur. Die Mädchen stehen rasch auf, bilden wieder eine Reihe.) ESTHER: Jetzt muß eine laufen und die Musikdamen holen. Ihr steht steif wie die Stöcke. — Lauf, Eliza, lauf! (Ein kleines Mädchen läuft hinaus.)

(Vom Parke her tritt der Alte ein. Ihm folgen die 6 Knaben. Der Alte bietet einen absonderlichen Anblick. Er trägt einen langen, weißen Vollbart und seine Beine sind von den Knien ab nackt und affenhaft dicht behaart. Sein Benehmen ist von einer starren und abgestorbenen Herzlichkeit. — Die Jungen haben kurze weiße Kittel an, mit braunen Riemen gegürtet und mit hellroter Borde am Halsausschnitt. Dazu kurze weiße Hosen und nackte Beine. Sie sind zwischen 12 und 14 Jahre alt.)

DER ALTE: Wolltest du die Kleinen noch üben lassen, Esther — Kind? (Fährt ihr übers Haar.) Ja, ja, ja — du bist unermüdlich. Aber ich muß sie dir leider entführen. Ich will mit ihnen allen zusammen vorm Nachtmahl ihr Schlußlied noch einmal probieren, das ging zuletzt ganz noch nicht so, wie es sollte. Morgen aber, vor der Generalprobe, möchte ich sie nichts mehr tun lassen, und heute nach dem Abendessen müssen sie schleunigst ins Bett.

ESTHER: Schade.

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