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Patrickson: Mit einer Mücke fing alles an

Patrickson: Mit einer Mücke fing alles an

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Patrickson: Mit einer Mücke fing alles an

Länge:
191 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Okt. 2021
ISBN:
9783962297923
Format:
Buch

Beschreibung

„Wir sollen uns in einem Container verstecken? Das geht doch nicht. Gibt es keine andere Möglichkeit?“ Sophie schüttelte ungläubig den Kopf.„Sophie, das könnte eure letzte Chance sein. Wenn wir ehrlich sind, wissen wir beide, dass wir auf eine Katastrophe zusteuern.“

Wenige Jahre nachdem sich die Menschheit von der Coronapandemie erholt hat, wird sie durch ein neuartiges, durch Stechmücken übertragbares Virus bedroht. Erkrankte Menschen verändern ihre Persönlichkeit und neigen zu roher Gewalt.

Durch den Ausbruch des Virus erleben die junge Rechtsanwältin Sophie und ihre vier Kinder immer neue Schicksalsschläge und ihre Lebensbedingungen werden unerträglich. Die Situation in Deutschland gerät außer Kontrolle.
Als auch ihr von Depressionen geplagter Ehemann infiziert wird, ist ihre letzte Chance die riskante Flucht an den einzigen Ort, an dem sich das Virus nicht verbreiten kann.

Werden sie es schaffen, dem aggressiven Virus zu entkommen?
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Okt. 2021
ISBN:
9783962297923
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Patrickson - Sandra M. Busch

05. Januar - 2030

Südafrika, in einem Dorf 25 Meilen südwestlich von Johannesburg

Es dämmerte, als Fatma durch die Trommeln ihres Dorfes geweckt wurde. Das rhythmische Trommeln wurde immer lauter und schneller, als sie sich müde den Schlaf aus den Augen rieb. Sie schlugen Alarm.

Die plötzlich einschlagende Bewusstheit, sie hatte diesem Alarm zu folgen, raubte ihr den Atem. Es musste etwas Furchtbares passiert sein.

„Fatma, was ist das?", fragte ihre jüngste Schwester.

„Los, kommt. Wir müssen gehen", antwortete Fatma. In Windeseile erhob sich das Mädchen von ihrer Matte, zog ihre vier jüngeren Geschwister unsanft in die Höhe und befahl ihnen, die kleine Lehmhütte zu verlassen und den Dorfversammlungsplatz aufzusuchen. Widerwillig befolgten sie Fatmas Befehl.

Als sie an der großen Feuerstelle im Zentrum des Dorfes ankamen, waren die Bewohner ihres 500 Seelendorfes fast vollständig versammelt.

Hilfesuchend durchkämmte die 13-jährige Fatma mit den Augen die Reihen der Erwachsenen. Doch ihre Eltern schienen noch nicht zurückgekommen zu sein. Vor vier Tagen hatten sie zusammen mit anderen, meist ranghöheren Mitgliedern ihres Dorfes dieses verlassen, um nach einer neuen Gegend Ausschau zu halten, die ihr Leben erträglicher machen würde.

Jahr für Jahr mussten sie mit weniger Wasser auskommen. Im Januar und Februar war es besonders hart. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel und nach und nach versiegten die letzten Quellen.

In diesem Sommer war alles noch schlimmer geworden. Die Ernte war vertrocknet und das halb verdurstete Vieh war bereits geschlachtet worden, um zumindest den Alten, Kranken und Kindern noch etwas zu essen geben zu können.

Es blieb der Schmerz. Das permanente Reiben der Magenwände, die seit Tagen nichts mehr zu tun hatten. Aber schlimmer war der Durst.

Fatma stieß sauer auf. Schon wieder setzten die Kopfschmerzen ein, die ihr dehydrierter Körper ihr dauerhaft zumutete.

Den letzten, stinkenden Wasservorrat hatte sie gestern Abend ihrer zweijährigen Schwester gegeben, als diese nicht aufhören wollte zu weinen.

Jetzt saßen sie auf dem staubigen Boden zwischen den anderen Kindern. Zum Stehen reichte ihre Kraft nicht mehr.

Josul, einer der jüngeren Männer, bahnte sich einen Weg in die Mitte und schrie sie an, ruhig zu sein. Er war als Erster von der Suche nach einer neuen Heimat zurückgekehrt.

Mit schmerzverzerrtem Gesicht rief er: „Das Ende wird kommen. Die Götter haben das Zeichen für unseren Untergang geschickt."

Es wurde still im Dorf. Nur das entfernte Krächzen eines Geiers war zu hören.

„Die Götter haben die Tiere sterben lassen. Die Löwen, die Giraffen und auch die Elefanten. Tot. Sie sind alle tot.

Und auch wir sind verflucht. Der Weg zurück zu unserem Dorf war gezeichnet von Verdammnis. Ihre Kadaver wirkten, als wären sie plötzlich tot umgefallen. Kein Tier schien dort schon länger zu liegen als ein anderes. Wir müssen gehen. Und zwar jetzt!"

Panik verbreitete sich. Viele Kinder fingen an zu weinen. Die Erwachsenen riefen aufgeregt durcheinander und eilten zurück in die Lehmhütten, um wertvolle Utensilien wie Messer, Töpfe und Ähnliches zu holen. Nur der Dorfälteste blieb auf dem Platz stehen, hob die Hände zum Himmel und verfiel in einen tranceähnlichen Gesang.

Kurze Zeit später setzte sich die Gruppe in Bewegung. Sie wollten Richtung Süden, in der Hoffnung auf etwas kältere, wasserreichere Gebiete zu stoßen und dem Fluch der Götter zu entkommen.

Fatma hatte das Tragetuch aus der Hütte geholt, ihren Glücksbringer, den ihr Vater ihr aus einem Ast geschnitzt hatte, und einen Krug, in den sie ein Messer und den Mörtel gesteckt hatte.

Sie drückte ihrem Bruder den Krug in den Arm und befahl ihm, diesen zu tragen, während sie ihre jüngste Schwester mit dem Tuch auf ihren Rücken band und den anderen folgte, um das Dorf zu verlassen. Immer wieder schaute sie zurück in der Hoffnung, doch noch ihre zurückkommenden Eltern zu entdecken. Sie wollte nicht ohne sie gehen. Doch sie hatten keine Zeit zu warten.

Stundenlang lief sie schweigend neben ihren drei Geschwistern her. Keins der Kinder hatte die Kraft zu sprechen. Fatma fühlte sich benommen, fast ohnmächtig, doch ihre Füße schienen ihren Weg allein zu finden.

Die Sonne war gnadenlos. Sie brannte mit unglaublicher Kraft auf die Gruppe der fliehenden Dorfbewohner herab.

Als die Ersten vor Schwäche fielen, unfähig wieder aufzustehen, wies Josul sie an, eine Pause einzulegen.

Fatma suchte den Schatten eines Felsens auf. Die Kopfschmerzen waren unerträglich geworden. Sie band ihre kleine Schwester von ihrem Rücken und legte sie neben sich.

Die Kleine bewegte sich nicht, doch sie schien noch zu atmen. Fatma wusste, sie würde etwas tun müssen. Ihre Geschwister würden sonst keinen Tag mehr überleben.

Als sich einige jüngere Männer erhoben, schaute Fatma auf. Es war ihre einzige Chance. Sie wusste, dass sie ihnen folgen musste. Das Mädchen war überzeugt, sie würden jagen gehen. Wenn sie ihnen folgte, hätte sie eine Chance, etwas für sich und ihre Geschwister von der Beute abzubekommen.

Nach einigen Minuten Fußweg merkte sie jedoch, dass die acht Männer gar nicht vorhatten, Tiere zu jagen. Sie begaben sich geradewegs auf eine kleine Gruppe toter Giraffen zu, ergriffen ihre Messer und schnitten große Fleischfetzen aus den Kadavern. Fatma war verwirrt. Was taten sie da? Waren dies nicht die verfluchten Tiere?

Sie blieb wie angewurzelt stehen und schaute ihnen zu, als sie einer der Männer entdeckte. Doch statt sie zu beschimpfen, dass sie ihnen gefolgt war, übergab er ihr ein großes Stück Fleisch, welches er aus einem der Schenkel geschnitten hatte.

Wortlos nahm sie das Fleisch entgegen. Sie war sich nicht sicher, ob sie dieses annehmen sollte, und fragte sich, ob der Fluch jetzt auf sie übergehen würde. Doch sie musste sich eingestehen, dass dieses ihre einzige Chance war, nicht zu verhungern. Unsicher machte sie sich auf den Weg zurück zu ihren Geschwistern.

Fatma hatte erwartet, dass man ihr das Fleisch aus den Händen riss, nach dem Ursprung fragen oder sie zumindest kritisch beäugen würde.

Doch niemand fragte. Nach und nach machten sich immer mehr Dorfbewohner auf den Weg zu den toten Giraffen. Einige von ihnen kehrten mit Tonkrügen voll Blut zurück, andere mit Fleisch oder Haut.

Nur zu gern hätte sie Feuer gemacht, um das Fleisch zu kochen. Doch weit und breit gab es nichts als vertrocknete Erde.

Als die Sonne unterging, waren Fatma und alle anderen Dorfbewohner zum ersten Mal seit langer Zeit wieder satt und die Hoffnung setzte ein, in einigen Tagen stark genug zu sein, den Weg in die unbekannte Zukunft fortsetzen zu können. Doch ihre Hoffnung sollte nicht erfüllt werden.

Einige Tage später fand eine Jeep Safari die Leichen der Dorfbewohner im Staub. Die Männer stoppten die Autos und schauten schockiert auf das Ausmaß der sich ihnen darbietenden Geschehnisse.

„Oh mein Gott", stammelte der Fahrer des ersten Wagens. Die Geier hatten die leblosen Körper der Dorfbewohner fast bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Fatmas Körper hielt ihre jüngste Schwester im Arm. Während ihre Kehle durchtrennt worden war, ließen viele der Leichen auf blutige Auseinandersetzungen schließen. Einigen Dorfbewohnern fehlten Gliedmaßen, anderen waren die Köpfe zertrümmert worden.

Die Männer schritten fassungslos durch die in der Sonne trocknenden Leichen. „Das war kein Tier. Das war der Teufel."

Das Virus hatte seine ersten Opfer gefunden.

25. Januar

Bünde, Westfalen

Sophie hatte es geschafft. Erschöpft ließ sie sich auf ihr durchgesessenes Sofa inmitten des Wohnzimmers fallen.

Es war kurz vor 20 Uhr. Draußen schneite es und sie war seit mehr als 14 Stunden auf den Beinen. Ein anstrengender Tag lag mal wieder hinter ihr.

Nachdem sie morgens die Kinder versorgt hatte, war sie zum dritten Mal in dieser Woche zu spät in die Kanzlei gekommen und musste sich die strafenden Blicke ihrer Chefin gefallen lassen. Dabei hatte sie sich fest vorgenommen, das Haus pünktlich zu verlassen. Aus irgendeinem Grund kam leider viel zu häufig etwas dazwischen.

An diesem Morgen war es ihr ältester Sohn Micha, der seine Projektarbeit nicht finden konnte. Kurz bevor sie ins Auto steigen wollten, fiel ihm ein, dass er seine Deadline zur Abgabe bereits überschritten hatte und sein Lehrer keinen weiteren Aufschub duldete.

Nach Feierabend hatte sie ihre beiden Jüngsten vom Kindergarten abgeholt und den Nachmittag mit Hausarbeit, dem Chauffieren der zwei älteren Kinder zu diversen Freizeitaktivitäten und dem Kontrollieren ihrer Hausaufgaben verbracht.

Danach hatte sie mehr als eine halbe Stunde gebraucht, den letzten Streit zu schlichten und dafür zu sorgen, dass ihre jüngste Tochter Mia ihr Abendbrot aß. Mia wusste, sie konnte die Aufmerksamkeit ihrer Mutter erzwingen, indem sie möglichst langsam aß und dabei unaufhörlich von allem erzählte, was ihr in den kleinen Kopf kam.

Gleich würde ihr Mann Leo nach Hause kommen. Die beiden waren seit vielen Jahren verheiratet. Doch jedes Gespräch, das sie mit ihm führte, um sich nach der Gestaltung seines Tages zu erkundigen, endete damit, dass er ihr nicht mehr erzählte als von seinen angeblich so vielen Aufgaben, die er in seinem mäßig bezahlten Job in der Werbeagentur zu erledigen hatte. Sophie wusste, er brauchte die Anerkennung, im Job erfolgreich zu sein.

Die Tatsache, dass sie als Anwältin den Familienunterhalt verdiente und dabei täglich den Spagat zwischen Klienten, Gerichten, Haushalt und Kindererziehung zu erledigen hatte, war ein Thema, das sie daher besser nicht ansprach.

Im Kinderzimmer knallte wieder die Tür. „Geh hier raus, du blöde Kuh", schrie eines der Mädchen. Die Kinder gaben sich wieder einmal große Mühe, die Zeit des Einschlafens möglichst lange hinauszuzögern.

„Könnt ihr nicht endlich mal Ruhe geben?", rief Sophie zurück in Richtung der Kinderzimmer.

Es war mal wieder einer der Tage, an denen sie feststellte, wie schwierig es war, vier Kinder zu bändigen. Sie liebte ihre Rasselbande über alles, doch das, was sie jetzt brauchte, war Ruhe.

Da fiel ihr Blick auf ihre Pinnwand. Vor einiger Zeit hatte ihr eine Kollegin eine Postkarte mit einem Zitat von Winston Churchill mitgebracht.

„Es ist einfacher eine Nation zu regieren, als vier Kinder zu erziehen."

Sie lächelte und lehnte den Kopf zurück. Der Mann hatte vier Kinder großgezogen, bevor er sein Land erfolgreich durch die Schrecken des Zweiten Weltkrieges geführt hatte. Er musste ja wissen, wovon er sprach.

Manchmal fragte sie sich, wie ihr Leben wohl ohne Kinder ausgesehen hätte. Vielleicht hätte sie jetzt, mit ihren 36 Jahren, ihre eigene Kanzlei oder den Weg zur Richterin eingeschlagen. Vielleicht wäre sie auch ihrer damaligen Leidenschaft als Dressurreiterin nachgegangen und würde erfolgreich von Turnier zu Turnier fahren.

Doch wären Erfolg und Freiheit es wert gewesen, auf ihre Kinder zu verzichten? Sie wusste, all dies hätte sie dauerhaft nicht glücklich gemacht. Sie würde sich wieder für ihr Leben als Mutter entscheiden.

Doch zu diesem Zeitpunkt ahnte sie noch nicht, dass der Alltag, wie sie ihn kannte, nicht von Dauer sein würde.

Wie üblich war die Fernbedienung verschwunden. Sie fand sie schließlich unter einem der Kissen, stellte den Fernseher an und verfolgte die Tagesschau.

Nachdem einige Politiker eine kontroverse Debatte bezüglich der rasanten Klimaerwärmung geführt hatten, zeigte ein Bericht Bilder von ermordeten Frauen und Kindern in Südafrika. Die Bewohner ganzer Dörfer waren unergründbaren Gewaltausbrüchen, die sich wellenartig über das gesamte Land verbreiteten, zum Opfer gefallen. Als Ursprung der Exzesse wurde die Umgebung von Johannesburg genannt.

Sophie schüttelte den Kopf. Sie fragte sich, warum in den Nachrichten so selten positive Entwicklungen gezeigt wurden. Seit dem Ende der Apartheid hatte es in Südafrika doch so viele Veränderungen gegeben, über die berichtet werden könnte.

In ihrer Jugend hatte ihre Familie für einige Zeit eine Austauschschülerin aus Südafrika. Sophie erinnerte sich zurück an die unbeschwerten Momente, die sie miteinander verbracht hatten. Sie hatten stundenlange Gespräche über Unterschiede ihrer Herkunftsländer geführt, zusammen gelacht und den Moment genossen, an dem Aileen zum ersten Mal Schnee gesehen hatte.

Als sie etwas älter war, hatte sie durch zahlreiche Aushilfsjob genügend Geld gespart, um die Gelegenheit zu einem Gegenbesuch zu ergreifen. Es war ihre erste große Reise.

Ihr fiel schmunzelnd ein, dass das schwarze Hausmädchen schreckliche Angst vor kleinen, nächtlichen Geistern hatte und ihr Bett erhöht werden musste, damit diese darunter herlaufen konnten, und dass die Arbeiter auf den Weinfeldern sich die Schneidezähne entfernt hatten, nur um besser küssen zu können. Aber auch wie ein alter schwarzer Mann, der sich kaum auf den Beinen halten konnte, ihr im Bus seinen Platz angeboten hatte.

Daher hatte sie sich mit großem Interesse mit den politischen Gegebenheiten dieses Landes und den Spätfolgen der Apartheid

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