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Die besten Krimis im Juni 2021 - 9 Ferienkrimis

Die besten Krimis im Juni 2021 - 9 Ferienkrimis

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Die besten Krimis im Juni 2021 - 9 Ferienkrimis

Länge:
1.232 Seiten
16 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Nov. 2021
ISBN:
9783956176456
Format:
Buch

Beschreibung

Dieser Band enthält folgende Krimis:

(899)



Vor Ratten Kneift man nicht (Cedric Balmore)

Kubinke im Spinnennetz (Alfred Bekker)

Ich bin es, dein Killer (Cedric Balmore)

Die Lady mit dem Mörder-Tick (Cedric Balmore)

Der Nobelkiller (Cedric Balmore)

Der Killer des Jahres (Cedric Balmore)

Ein Platz für Konkurrenz (Roland Heller/Guy Brant)

Trevellian und der Fall in der Willet Street (Pete Hackett)

Sackgasse (Horst Bieber)







Ein ganzer Straßenzug mit Bruchbuden, die kaum noch bewohnbar sind. Und doch leben hier Menschen. Das ändert sich, als jemand versucht, mit Drohungen und sogar Mord diese Mieter zu vertreiben. Die Special Agents Trevellian und Tucker rätseln lange, bis sie den Drahtzieher dieser perfiden Masche finden – damit haben sie ihm aber noch nicht das Handwerk gelegt.
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Nov. 2021
ISBN:
9783956176456
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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Die besten Krimis im Juni 2021 - 9 Ferienkrimis - Alfred Bekker

Alfred Bekker, Horst Bieber, Cedric Balmore, Roland Heller, Guy Brant, Pete Hackett

Die besten Krimis im Juni 2021 - 9 Ferienkrimis

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Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://writeapp.io) erstellt.

Inhaltsverzeichnis

Die besten Krimis im Juni 2021 - 9 Ferienkrimis

Copyright

Vor Ratten kneift man nicht: N.Y.D. – New York Detectives

Kubinke im Spinnennetz: Kriminalroman

Ich bin es, der Killer: N.Y.D. – New York Detectives

Die Lady mit dem Mörder-Tick: N.Y.D. – New York Detectives

Der Nobelkiller: N.Y.D. – New York Detectives

Der Killer des Jahres: N.Y.D. – New York Detectives

Kein Platz für Konkurrenz

Trevellian und der Fall in der Willett Street

Sackgasse

Die besten Krimis im Juni 2021 - 9 Ferienkrimis

Alfred Bekker, Horst Bieber, Cedric Balmore, Roland Heller, Guy Brant, Pete Hackett

Dieser Band enthält folgende Krimis:

Vor Ratten Kneift man nicht (Cedric Balmore)

Kubinke im Spinnennetz (Alfred Bekker)

Ich bin es, dein Killer (Cedric Balmore)

Die Lady mit dem Mörder-Tick (Cedric Balmore)

Der Nobelkiller (Cedric Balmore)

Der Killer des Jahres (Cedric Balmore)

Ein Platz für Konkurrenz (Roland Heller/Guy Brant)

Trevellian und der Fall in der Willet Street (Pete Hackett)

Sackgasse (Horst Bieber)

Ein ganzer Straßenzug mit Bruchbuden, die kaum noch bewohnbar sind. Und doch leben hier Menschen. Das ändert sich, als jemand versucht, mit Drohungen und sogar Mord diese Mieter zu vertreiben. Die Special Agents Trevellian und Tucker rätseln lange, bis sie den Drahtzieher dieser perfiden Masche finden – damit haben sie ihm aber noch nicht das Handwerk gelegt.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author /

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Folge auf Twitter:

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Vor Ratten kneift man nicht: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von Cedric Balmore

Der Umfang dieses Buchs entspricht 112 Taschenbuchseiten.

Burt Madison steckt in der Klemme, denn er wird nicht nur von der Polizei gejagt. Heroin, das Millionen wert ist, hat er nach einem missglückten Überfall versteckt. Als seine Freundin Ellen Ferone von Copellis Killern getötet wird, wendet sich Madison an den Privatdetektiv Bount Reiniger. Er soll den Mörder von Ellen finden. Doch Reiniger stellt eine Bedingung, auf die Madison nur zögerlich eingeht …

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Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

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© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Die Hauptpersonen des Romans:

Burt Madison - sitzt zwischen sämtlichen Stühlen und kämpft um sein Leben.

Copelli - Der große alte Capo lässt rotes Blut auf weißen Schnee tropfen.

Lou Lanza - will sich selbständig machen und fällt dabei auf den Bauch.

Mildred Bower - steckt bis zum Hals in der Geschichte drin und erzählt lauter Märchen.

Max Lenney - lädt Bount zu einem Ausflug auf den Long Island Sound ein - nur leider kann er

nicht schwimmen.

June March - ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

1

Er zählte bis drei, dann sprang er.

Die Furcht vor dem Aufsetzen war wie weggeblasen. Er war erfüllt von gespannter Konzentration. Trotzdem misslang ihm die Landung. Ein scharfer Schmerz durchzuckte seinen linken Fuß und schoss hinauf in seine Hüfte. Er stolperte und fiel. Er blieb schwer atmend liegen und fragte sich, ob er imstande sein würde, seine Flucht fortzusetzen.

Er wandte den Kopf und blickte über seine Schulter. Er sah den First des Flachdaches in knapp drei Meter Höhe über sich und hörte die Stimme seines Verfolgers. Sie war laut, bullig und fordernd.

„Kommen Sie heraus, Madison! Sie haben keine Chance."

Burt Madison stemmte sich hoch. Er befand sich auf dem Dach eines doppelstöckigen Anbaus und hoffte, dass der Lieutnant nichts von der Existenz dieser Plattform wusste. Gerber stand vermutlich noch hinter dem Maschinenhaus des Fahrstuhls in Deckung, genau wie Sergeant Nicholson, sein Begleiter.

Burt Madison hatte den Sprung im Schutze eines Schornsteinaufbaues gewagt, noch wussten also Gerber und Nicholson nicht, dass er gesprungen war, es sei denn, sie hatten das harte, dumpfe Geräusch der Landung gehört.

Burt Madison weinte vor Wut, als sich der Schmerz wiederholte, aber er kam auf die Beine, er konnte stehen. Er humpelte über das asphaltierte Dach und hoffte, eine Feuerleiter zu finden, aber es gab keine.

„Madison, geben Sie endlich auf!", tönte Gerbers Stimme. Ihrem Klang war zu entnehmen, dass der Lieutnant seine Position verändert hatte. Die Zeit wurde knapp. Wenn Gerber den Dachfirst des Hauptgebäudes erreichte, hatte er freie Schussbahn.

Madison schaute sich um. Er entdeckte eine Dachluke und stemmte sie hoch. Die Leiter, die dazu gehörte, war eingezogen und ließ sich nur von unten her bedienen. Madison schwang sich in die Luke, hielt sich an ihrem Rahmen fest, baumelte kurz in der Luft, biss die Zähne zusammen und ließ sich dann fallen.

Er stieß einen Schmerzensschrei aus, als seine Füße den Boden berührten. Er schnellte mit dem Oberkörper nach vorn und ließ sich flach auf den Boden fallen, um die Beine zu entlasten. Er blieb liegen, nur wenige Sekunden lang.

Wenn Gerber die offene Luke sah, war nichts gewonnen - nur ein kleiner Aufschub.

Burt Madison erhob sich. Er stöhnte, als er sich zur Treppe schleppte, und atmete auf, als er sich am Geländer festhalten konnte. Das Treppenhaus gehörte zu einem Lagergebäude. Die einzelnen Stockwerke hatten nur je einen Zugang. Die schwarz lackierten Türen machten den Eindruck, nicht benutzt zu werden. Vermutlich waren die einzelnen Stockwerke über einen Lastenaufzug zu erreichen. Madison nahm sich nicht die Mühe, eine der Türen öffnen zu wollen. Er musste weg von hier, sonst saß er in der Falle.

Er erreichte die Tür zum Erdgeschoss. Die Wäsche klebte ihm am Leib. Ihm war zumute wie in gewissen Träumen, wo man vor dem Gegner davonläuft und kaum von der Stelle kommt, weil man bleischwere Gewichte an den Füßen zu haben scheint.

Die Tür war offen. Er betrat den Hof. Ein Mann kam ihm entgegen.

Der Mann trug einen blauen Overall mit dem Aufdruck einer Speditionsfirma.

„Suchen Sie jemand?", fragte er.

„Danke, erwiderte Madison. „Das Dach soll geteert werden. Ich habe es mir angesehen.

Der Mann im Overall schaute unwillkürlich nach oben.

„Was ist denn das?", entfuhr es ihm. Er sah, wie Gerber sich auf dem Dach des Nebengebäudes zeigte und wild mit seinem Revolver in der Luft herumfuchtelte. Im nächsten Moment war er verschwunden. Ihm war klar geworden, dass er nicht schießen konnte, ohne den Arbeiter zu gefährden.

Madison humpelte eilig auf die Ausfahrt zu. Der Mann versuchte ihn am Ärmel festzuhalten und verlangte Erklärung. Madison zuckte herum, obwohl sich die Bewegung mit neuerlichen Schmerzen verband. Er riss die Faust hoch. Sein Schwinger traf präzise. Der Mann im Overall ging zu Boden. Madison erreichte die Straße. Auf der gegenüberliegenden Fahrbahn stoppte ein Cadillac. Ein weißhaariger Mann im dunkelblauen Blazeranzug half einer älteren Dame aus dem Wagen.

„Du brauchst kein Taxi zu nehmen, ich hole dich ab", versicherte der alte Herr und drückte seiner Begleiterin die schmale, behandschuhte Rechte. Madison setzte sich kurzerhand hinters Lenkrad. Der alte Herr riss die porzellanblauen Augen auf und protestierte laut.

„He, was soll das? Polizei, Polizei!"

Ein paar Leute blieben stehen, aber niemand hatte den Mut zum Eingreifen.

Die Maschine lief noch. Madison drückte den Automatikhebel auf ’N' und gab Gas. Die Tür schloss er im Anfahren. Er fuhr nur wenige Häuserblocks weit, bis zur Filmore Avenue. Dort ließ er den Cadillac auf dem Parkplatz des Supermarktes stehen und betrat ein Schnellrestaurant. Er suchte den Waschraum auf und betrachtete sich im Spiegel.

Burt Madison, 33 Jahre alt, Lastwagenfahrer, nicht vorbestraft, aber seit vier Monaten auf der Fahndungsliste - seit vier Monaten gejagt, ein Mann auf der Flucht.

Er drehte den Kaltwasserhahn auf und kühlte sich das Gesicht. Er rieb es mit einem Papiertuch trocken, kämmte sein tiefschwarzes, nackenlanges Haar, richtete sich die Krawatte und klopfte sich den Schmutz aus Hose und Sakko, der bei seiner Bauchlandung in den Stoff geraten war. Dann schaute er nochmals in den Spiegel.

Er war immer noch rot im Gesicht, aber er sah ganz manierlich aus. Er zwang sich zu einem Grinsen. Er hatte den Bullen wieder mal ein Schnippchen geschlagen, aber es war zweifelhaft, ob ihm das noch einmal gelingen würde.

Er humpelte in das Restaurant und bestellte sich einen Kaffee und einen Hamburger. Er ertränkte den Imbiss förmlich in Ketchup, blickte aus dem Fenster und zuckte nicht mal mit der Wimper, als zwei Patrolcars der Polizei mit heulenden Martinshörnern auf der Straße vorbeisausten.

Wenn er saß, spürte er in seinem Fuß nur ein leises Ziehen und Pochen, keinen wirklichen Schmerz. Der Fuß war warm, er schwoll an. Madisons Problem bestand darin, dass er nicht richtig auftreten konnte.

Die Polizei wusste, dass er sich bei dem Sprung vom Dach verletzt hatte. Gerber hatte sein Humpeln zwar nicht bemerkt, aber der Arbeiter im Overall und der alte Herr im Blazeranzug hatten vermutlich längst übereinstimmend darauf hingewiesen.

Solange die Geschichte mit seinem Bein nicht in Ordnung war, konnte er sich nicht ohne Risiko auf der Straße sehen lassen. Jeder Cop würde auf einen humpelnden Mann achten, der schwarzhaarig, breitschultrig und knapp über 30 war. Vielleicht empfahl es sich, New York zu verlassen. Diese Stadt war ihm feindlich gesinnt, sie hatte ihm kein Glück gebracht.

Er musste in einem sicheren Versteck sein, noch ehe der letzte Cop und Zimmervermieter wusste, was mit seinem Bein los war.

Madison zahlte, humpelte in den Korridor, der zum Waschraum führte, und betrat dort eine Telefonzelle. Er warf eine Münze in den Apparat und wählte eine Nummer, die er im Kopf hatte. Das Fernzeichen tutete monoton in sein Ohr. Er wollte schon wieder aufhängen, als sich eine atemlose Mädchenstimme meldete.

„Hallo?"

„Ich bin’s, sagte er gedämpft, ohne seinen Namen zu nennen. „Bist du allein?

„Ja. O Burt! Wo steckst du?"

„Wann waren sie das letzte Mal bei dir?"

„Wer, die Polizisten? Vor einer Woche. Sie stellten die üblichen Fragen, das war alles. Wie geht es dir?"

„Lausig. Ich muss für ein paar Tage untertauchen. Kann ich zu dir kommen?"

„Burt ..."

„Ja?"

„Ich habe Angst."

„Immer noch?"

„Du hättest nicht anrufen sollen."

„Was ist los? Das Schlimmste ist für dich vorüber. Nur ich sitze in der Patsche. Sie waren hinter mir her. Ich musste von einem Dach springen und habe mir den Fuß verknackst. Er ist geschwollen und muss gepflegt werden. Bandagiert!"

„Wo wohnst du?"

„Ich wechsle immerzu das Quartier. Es ist zu gefährlich, lange an einem Platz zu bleiben. Ich bin in einer halben Stunde bei dir."

„Lieber Himmel, das ist gefährlich ..."

„Weiß ich. Aber vielleicht sehen wir Gespenster. Die Bullen müssen glauben, dass wir miteinander fertig sind. Ich wette, sie haben dich und deine Wohnung beschattet, monatelang. Ich habe mich bei dir nicht sehen lassen, ich habe mich nicht einmal heimlich mit dir getroffen. Vier Monate lang. Warum sollte ich ausgerechnet jetzt zu dir kommen?"

„Also gut, seufzte sie. „Ich erwarte dich.

2

Ellen Ferone ließ den Hörer sinken. Ihr Herz hämmerte. Es hatte einmal eine Zeit gegeben, wo sie geglaubt hatte, ohne Burt Madison nicht leben zu können. Seine Heiterkeit und seine lärmende Vitalität hatten ihr imponiert, er hatte ihr Herz im Sturm erobert, und sie war nur allzu bereit gewesen, seine Frau zu werden. Aber dazu war es nicht gekommen.

Zwei Männer hatten sterben müssen, Czilla und Porter.

Burt hatte ihren Tod miterlebt.

Er hatte fliehen müssen. Obwohl feststand, dass er keinen der beiden Männer erschossen hatte, belastete ihn der Vorwurf, in das Verbrechen verwickelt gewesen zu sein. In einen Doppelmord.

Jetzt saß Burt zwischen zwei Stühlen. Die Polizei fahndete nach ihm.

Das tat auch die Mafia.

Lieutnant Gerber hatte ihr, Ellen, das Versprechen abgenommen, sofort die Polizei anzurufen, wenn Burt sich meldete. Ellen war entschlossen gewesen, das Versprechen einzulösen, aber jetzt hatte sie nicht die Kraft, die Nummer des Lieutenants zu wählen.

Es klingelte an der Tür. Ellen schrak zusammen. Nein, das konnte nicht Burt sein, er hatte gerade erst angerufen. Ellen ging in die Diele und öffnete die Tür.

Vor ihr stand Gerber in einem dünnen, olivgrünem Wettermantel. In seiner Begleitung befand sich ein etwa dreißigjähriger Mann, vermutlich ein Kollege.

„Ist er hier?", fragte Gerber.

Er musterte Ellen aus schmalen, wachen Augen, die es jedem Gegenüber schwer machten, ihrem Besitzer eine Lüge aufzutischen.

Ellen schwieg.

„Hat er angerufen?", fragte Gerber.

„Er ist nicht hier, und er hat nicht angerufen", sagte Ellen, die sich wunderte, wie ruhig und gelassen sie auf Gerbers Kommen zu reagieren vermochte.

„Wir hätten ihn um ein Haar geschnappt, meine Gerber. „Er hat sich verletzt. Am Fuß. Es kann sein, dass er sich diesmal bei Ihnen melden wird. Sie vergessen doch nicht, was Sie mir versprochen haben?

Ellen lächelte.

„Aber nein, Lieutenant. Ich stehe zu meinem Wort."

„Wir wissen, dass er ein paar Wochen mit einem Strichmädchen zusammengelebt hat", erklärte Gerber.

„Das haben Sie mir schon einmal erzählt."

„Es kann nicht schaden, es zu wiederholen. Madison ist gefährlich. Er betrügt Sie mit anderen. Er ist ein Verbrecher. Vergessen Sie das nicht!"

„Ich denke daran."

Gerber lächelte. Er konnte gelegentlich umwerfenden Charme entwickeln.

„Denken Sie vor allem an die Belohnung, riet er. „Fünftausend Dollar!

Er ging. Ellen schloss die Tür und trat ans Wohnzimmerfenster. Sie beobachtete, wie Gerber mit seinem Begleiter davonfuhr, dann ging sie ins Bad und überprüfte die Hausapotheke. Sie hatte ein paar Bandagen und sogar Wundsalbe vorrätig, das reichte fürs Erste, um Burt helfen zu können.

Es klingelte erneut. War Gerber zurückgekommen, weil er etwas vergessen hatte? Hoffentlich blieb er nicht zu lange, sonst lief Burt buchstäblich ins offene Messer.

Ellen öffnete die Tür. Vor ihr standen drei Männer. Sie sagten kein Wort, sondern stießen sie in die Diele und von dort ins Wohnzimmer. Ellen fiel zitternd in einen Sessel. Sie wusste sofort, was sie erwartete. Es war schließlich nicht der erste Besuch dieser Art, mit dem sie fertigwerden musste.

Das Ganze verdankte sie Burt. Plötzlich hasste sie ihn und bedauerte, Gerber beschwindelt zu haben.

Ein Blonder war der Wortführer. Er war mittelgroß, trug einen stahlgrauen Mohairanzug mit gepunkteter, roter Krawatte und erschreckte Ellen vor allem durch den Umstand, dass er mitten im Sommer Handschuhe trug. Das galt auch für seine Begleiter, die sich sofort daran machten, die übrigen Räume des Apartments zu durchstöbern. Keiner der Männer war älter als 35.

„Wo ist er?", fragte der Blonde.

„Wer, Burt? Ich habe ihn seit Monaten nicht zu Gesicht bekommen", erwiderte Ellen wahrheitsgemäß.

„Kann schon sein, sagte der Blonde. „Aber das war nicht meine Frage, Schätzchen. Ich will wissen, wo Madison sich jetzt auf hält.

„Ich weiß es nicht", sagte Ellen. Auch das stimmte.

Der Blonde verzog seinen dünnen, blutleeren Mund zu einem Grinsen, dann schlug er zu. Seine flache Hand landete klatschend in Ellens Gesicht. Der jähe Schmerz und die Überraschung ließen sie blinzeln.

„Das ist nur der Auftakt, sagte der Blonde. „Noch einmal von vorn, Schätzchen. Wo ist er?

Ellen zitterte stärker. Sie hatte Burt geliebt, aber die wenigen schönen Stunden mit ihm waren längst überschattet worden von dem, was ihnen gefolgt war. Verhöre, Angst, ein Gefühl des Gejagtwerdens.

„Ich weiß es nicht", wiederholte sie und hob unwillkürlich wie abwehrend den Ellenbogen vor ihr Gesicht. Die Reaktion half ihr nichts. Diesmal schlug der Blonde noch heftiger zu. Die Männer kehrten zurück.

„Nichts", sagte einer von ihnen und lehnte sich an die Wand. Der andere schwieg, er bewegte kauend die Kinnladen. Keiner der Männer machte den Eindruck, innerlich engagiert zu sein. Ein Menschenleben bedeutete ihnen nichts. Die Schmerzen und die Angst einer jungen Frau ließen sie kalt.

Der Blonde zuckte mit den Schultern.

„Dreht sie durch die Mangel", sagte er.

„Nein!", schrie Ellen, von Terror überwältigt.

„Okay. Möchtest du reden?", fragte der Blonde mit sanfter Stimme.

„Er kommt her, er ist auf dem Wege nach hier", stieß Ellen hervor. Sie überschlug sich fast vor Eifer, die Furcht vor dem Zugriff der Gangster, vor Qual und Folter, machten sie zu einem Bündel schlotternder Angst.

„Ah, sagte der Blonde. „Und wann?

„In einer halben Stunde. Er hat angerufen."

„Wann?"

„Vor zehn Minuten."

Der Blonde grinste. „Eine hübsche Geschichte. Kommt wie aus der Pistole geschossen. Er schaute über seine Schulter. „Was haltet ihr davon?

„Ein Haufen Blech, meinte einer der Männer. „Sie will bloß Zeit gewinnen.

„Okay, nickte der Blonde. „Schafft sie raus!

Ellen wollte schreien, aber dazu kam sie nicht. Einer der Männer presste ihr eine nach Schweiß und Leder riechende Hand auf den Mund. Ellen verspürte im Hals ein Gefühl würgender Übelkeit. Die Männer rissen sie hoch und zerrten sie ins Schlafzimmer. Ellen schrie nur ein einziges Mal, dann war Stille.

Der Blonde durchsuchte den kleinen Briefstapel auf der geöffneten Schreibklappe des Wohnzimmerschrankes. Er blickte über die Schulter, als er ein Geräusch hörte.

Einer der Männer war auf die Schwelle getreten. Er hob die Schulter und ließ sie wieder sinken. „Die ist hin", erklärte er.

Der Blonde dreht sich um.

„Tot?"

„Max hat ihr einen kleinen Stoß gegeben. Sie ist blöd gefallen", sagte der Mann.

Der Blonde ging ins Schlafzimmer und starrte auf das am Boden liegende Mädchen. Ihr unnatürlich verdrehter Kopf und die gläserne Starrheit des Blickes machten weitere Fragen überflüssig.

„Raus, befahl der Blonde. Er hielt seine Begleiter in der Diele auf. „Was ist, wenn sie die Wahrheit gesagt hat?, überlegte er laut. „Was ist, wenn Madison tatsächlich vorhat, sie aufzusuchen?"

„Er kann uns nicht entkommen, wir behalten den Hauseingang im Auge", meinte einer der Männer.

Der Blonde nickte grimmig.

„Nicht nur den. Es könnte sein, dass Madison über ein paar Mauern klettert und den Hofeingang benutzt. Den übernimmst du, Glenn. Er grinste und öffnete die Tür einen Spalt breit. Im Treppenhaus war es ruhig. „Es ist besser, wir gehen einzeln weg, fuhr der Blonde fort. „Niemand darf sich an uns erinnern. In der Gruppe würden wir auffallen."

Sie verließen nacheinander die Wohnung. Der Blonde kletterte in eine blaue Pontiac Limousine und setzte den Wagen etwa einhundert Yards zurück. Dann wartete er auf den Mann, der dreißig Millionen Dollar versteckt hielt.

3

Burt Madison verließ das Taxi drei Häuserblocks vor der Bushwick Avenue. Er entlohnte den Fahrer und war überzeugt davon, dass ihm von diesem Mann keine Gefahr drohte. Trotzdem blieb Madison stehen und blickte wie suchend an einer Hausfassade hoch, ehe er sich entschloss, seinen Weg fortzusetzen. Er gab sich Mühe, nicht zu humpeln, aber das war einfach unmöglich, er konnte seinen Zustand lediglich kaschieren, indem er sehr langsam ging.

Er dachte an Ellen, an ihre Küsse, an die Leidenschaft ihrer Umarmungen. Er verspürte ein Kribbeln auf seiner Haut, er lächelte sogar. Er würde mit Ellen das Wiedersehen feiern, er und sie würden allen Gefahren trotzen und einander bestätigen, dass sie noch immer zusammengehörten, wie in alten Tagen.

Madison stoppte abrupt, als er das Heck des blauen Pontiacs sah. Er kannte den Wagen. Und er kannte den Blonden, der am Steuer saß.

Lou Lanza.

Madison trat in einen Hauseingang. Er zerdrückte einen Fluch zwischen seinen Zähnen. Die Burschen waren also immer noch am Ball. Damit musstest du rechnen, warf Madison sich vor. Die Beute ist einfach zu groß. Ehe sie sie nicht in ihren Besitz gebracht haben, gibt es für dich und Ellen kein Pardon.

Zum Glück konnte Lanza ihn nicht sehen, es sei denn, der Gangster drehte sich um oder behielt den Rückspiegel unterm Dachhimmel ausgerechnet in jenem Moment im Auge, wo er, Madison, erneut die Straße betrat.

Madison steckte sich eine Zigarette an. Er rauchte mit kurzen, nervösen Zügen. Ein paar Kinder tobten an ihm vorbei. Ein Junge blieb stehen und erkundigte sich nach der Uhrzeit. Madison nannte sie ihm, dann verließ er den Hauseingang und schleppte sich davon.

Er entfernte sich mit jedem schmerzhaften Schritt von Lanzas Wagen, aber es war ein scheußliches Gefühl, auf diese Weise behindert zu sein. Wenn Lanza ihn erkannte, gab es mit dem verletzten Fuß keine Fluchtchance.

Madison erreichte die nächste Kreuzung. Er wandte sich um. Lanza hatte mit dem blauen Pontiac seinen Platz nicht verlassen, er hatte also nicht bemerkt, was hinter ihm vorgegangen war.

Madison grinste unlustig. Er bog in die Liverstone Road ein und betrat kurz darauf die Telefonhaube einer Snackbar. Er wählte Ellens Nummer. Sie antwortete nicht.

Madison ließ das Telefon in Ellens Wohnung klingeln. Sie nahm den Hörer nicht ab. Er schaute beunruhigt auf seine Uhr. Er hatte sich angemeldet, Ellen erwartete ihn. Sie musste sich in der Wohnung befinden!

Nach einer halben Minute hängte er auf. Er setzte sich an den Tresen und trank zwei Biere. Neben der Kasse stand ein kleines, bonbonfarbiges Radio. Ein Nachrichtensprecher rasselte die letzten Ereignisse herunter. Der Name Madison fiel nicht. Danach eine Werbespot. Musik. Dann wieder Nachrichten. Ein Senator war ermordet worden, offenbar ein bekannter Mann. Madison schnippte mit den Fingern und wies auf sein leeres Glas. Der Barkeeper füllte es schweigend.

Madison sah ihm zu. Er wurde langsam ruhiger. In dieser Stadt passierte einfach zu viel, die Nachrichtensprecher konnten sich nicht damit aufhalten, jeden kriminellen Vorgang zu schildern. Sie beschränkten sich auf das Spektakuläre, auf Spitzenverbrechen. Im Übrigen war zweifelhaft, ob Gerber bereit war, die Nachrichtenmedien zu informieren. Schließlich hatte er einen gesuchten Mann durch die Lappen gehen lassen. Dem Lieutenant konnte nicht daran gelegen sein, seine Schlappe publik zu machen.

Madison trank das Bier und schaute auf die Uhr. Er hatte mehr als eine halbe Stunde am Tresen zugebracht. Er zahlte und begab sich nochmals unter die Telefonhaube. Auch diesmal hatte er kein Glück. Ellen meldete sich nicht.

Er verließ das Lokal, humpelte zur Kreuzung und stellte fest, dass der blaue Pontiac verschwunden war. Madison biss sich auf die Unterlippe. Er besaß immer noch einen Schlüssel zu Ellens Wohnung, hatte aber nicht den Mut, ihn zu benutzen. Er verspürte Hunger und bestellte in einer Pizzeria eine Portion Spaghetti. Ihm wurde bewusst, wie grotesk er sich verhielt. Er war ein Mann, der über Millionen verfügen konnte, und aß in einem Lokal, das nur von kleinen Leuten aufgesucht wurde. Er schaute sich prüfend um, er lächelte. Wenn diese Burschen wüssten, wer unter ihnen saß, ihnen würde der Bissen vermutlich im Halse stecken bleiben ...

Madison zahlte und ging. Er konnte kaum noch auftreten, die Schmerzen in seinem Fuß nahmen zu. Er beschloss, etwas zu riskieren, was ihm, da Lanza verschwunden war, nicht allzu schwer fiel. Vielleicht nahm Ellen nur deshalb den Hörer nicht ab, weil sie nicht gestört werden wollte und brav auf sein Kommen wartete.

Madison brauchte fast eine Viertelstunde, um das Apartment seiner Freundin zu erreichen. Er schloss die Tür auf und huschte in die Diele. Er drückte die Tür hinter sich zu und rief halblaut Ellens Name. Sie antwortete nicht.

Die Türen zum Wohn und Schlafzimmer standen offen. Er schaute zunächst ins Wohnzimmer, dann trat er auf die Schwelle zum Schlafzimmer. Sein Herz machte einen Sprung. Er fiel gegen den Türpfosten und musste sich daran festhalten. Übelkeit wallte in ihm auf.

„Ellen, keuchte er. „Mein Gott, Ellen ...

Er war seit vier Monaten auf der Flucht, gejagt von Polizei und Syndikaten, aber er hatte bis zuletzt das Gefühl gehabt, nicht allein zu sein. Der Gedanke an Ellen hatte ihm stets Mut gemacht, er war wie ein Motor gewesen.

Madison ging ins Wohnzimmer. Er setzte sich und starrte ins Leere, eine halbe Stunde lang. Das Stechen und Pochen in seinem heißen Fuß erinnerte ihn an seine Probleme. Er ging ins Bad und holte sich aus der Hausapotheke, was er brauchte. Nachdem er den Fuß gekühlt und gesalbt hatte, bandagierte er ihn. Während dieser Tätigkeit reifte in ihm ein Entschluss.

Madison ging ins Wohnzimmer und durchblätterte das Telefonbuch, dann wählte er die Nummer eines Privatdetektivs namens Bount Reiniger.

„Reiniger."

Madisons Spannung löste sich. Die Stimme gefiel ihm. Sie gehörte einem Mann mit Persönlichkeit.

„Madison, sagte er. „Burt Madison.

„D e r Madison?", fragte Reiniger.

„Ja. Ich habe einen Fall für Sie."

„Sie sind selbst ein Fall."

„Das ist meine Sache. Sind Sie frei?"

„Nicht für Sie, Madison. Ich habe keine Lust, meine Lizenz zu verlieren."

„Ich helfe mir selbst, sagte Madison. „Es geht um Ellen. Ellen Ferone. Sie war meine Freundin. Man hat sie getötet.

„Was sagt die Polizei dazu?"

„Sie weiß es noch nicht, erwiderte Madison. „Vor der Tat habe ich Lanza gesehen. Er saß in einem Wagen und beobachtete das Haus, in dem Ellen wohnt. Vermutlich hat er ein paar Komplizen bei sich gehabt. Ihm und seinen Leuten ist zuzutrauen, dass sie den Mord verübten.

„Wo ist das Motiv?", fragte Reiniger.

„Ich nehme an, Sie kennen meinen Fall. Man wirft mir vor, eine Ladung Heroin veruntreut zu haben. Gangster und Polizei glauben, dass Ellen meine Vertraute war und dass sie wusste, wo sich das Heroin befindet. Das Syndikat hat Ellen beschattet, die Leute haben lange Geduld gezeigt - aber heute ist bei denen offenbar eine Sicherung durchgebrannt. Kennen Sie Lanza?"

„Nein."

„Er arbeitet für den Copelli-Mob."

„Warum rufen Sie mich an?"

„Ich komme mit dieser Geschichte nicht ohne die Unterstützung eines Fachmanns klar, meinte Madison. „Ich weiß genau, dass man versuchen wird, mich für Ellens Tod zur Verantwortung zu ziehen. Man wird behaupten, ich hätte sie getötet. Das Motiv ist leicht zu konstruieren. Ich wollte eine lästige Mitwisserin loswerden, ich wollte vermeiden, dass Ellen eines Tages die Fronten wechselt und zu meinen Feinden überläuft.

„War es so?"

„Nein, zum Teufel! Ellen war mein Lebensinhalt, ich habe sie geliebt."

„Wenn man Ihr Handeln zugrunde legt, kommt man eher zu einem gegenteiligen Schluss."

„Ich bin nicht nur auf der Flucht vor der Polizei, ich laufe seit Monaten um mein Leben, weil sämtliche Syndikate dieses Landes und jeder kleine Süchtige hoffen, die Beute zu finden."

„Damit mussten Sie rechnen."

„Ich war ein Idiot. Ich hätte mich auf diese Sache nicht einlassen sollen. Aber ich hatte mich über meinen Chef geärgert und wollte ihm einen Denkzettel verpassen. Finanzieller Schaden konnte ihm dabei nicht entstehen - die Versicherung hätte den Diebstahl abgedeckt."

„Ich kann nichts für Sie tun, Madison."

„Finden Sie Ellens Mörder! Das Mädchen war nicht in die Sache verwickelt. Sie hat mein Handeln, aber nicht mich verurteilt. Sie wusste zu keinem Zeitpunkt, wo sich das Heroin befindet. Ich konnte es ihr schon deshalb nicht sagen, weil Ellen dieses Wissen gefährdet hätte."

„Warum liefern Sie das Heroin nicht bei der Polizei ab?", fragte Bount.

„Sie machen mir Spaß. Was hätte ich davon, wenn ich mir damit Straffreiheit verschaffe? Vor den Bullen habe ich keine Angst. Aber ich will mich nicht von den Syndikaten durch die Mangel drehen lassen. Die Gangster wollen meinen Skalp, um jeden Preis. Vor allem Copelli will das. Ich habe ihn um ein Millionengeschäft gebracht. So was lässt der nicht durchgehen. Natürlich könnte ich ihm das Pulver zuschieben, aber das würde mir nichts helfen. Copelli würde mich trotzdem abservieren lassen. Ich überlege jetzt, ob ich den Schnee frei verkaufe. Sie wissen schon, was ich unter 'frei' verstehe. Ich weiß, welche Risiken sich damit verbinden. Die Branche ist alarmiert. Man weiß, dass das Heroin früher oder später auftauchen wird - und ein paar Dutzend Bluthunde liegen auf der Lauer, um genau in dem Augenblick zuzuschlagen, wo ich verkaufen möchte. Man hat Köder ausgelegt. Einige habe ich als solche erkannt. Ich brauche Geld, um meine Flucht zu finanzieren. Aber vor allem geht es mir darum, Copelli fertigzumachen. Er hat Ellen auf dem Gewissen. Dafür muss er zahlen."

„Wir können uns auf einen Kompromiss einigen", sagte Bount.

„Kompromisse sind immer faul, aber lassen Sie hören, worum es geht."

„Ich finde Ellens Mörder. Wenn es stimmt, dass Copelli den Killer bezahlte, haben wir eine gute Chance, ihn und sein Syndikat hochgehen zu lassen. Die Polizei wird mir mit tausend Freuden dabei helfen - auch das FBI. Ich stelle dabei aber nur eine Bedingung. Wenn Copelli auffliegt, trennen Sie sich von dem Heroin. Sie liefern es der Polizei aus."

„Wissen Sie, was Sie da verlangen?"

„Sicher. Es ist für Sie die einzige Chance, einigermaßen heil aus dieser Geschichte herauszukommen."

„Ich muss mir das überlegen. Ich rufe Sie noch einmal an. Was kostet ihr Engagement?"

„Zweihundert pro Tag. Spesen extra."

„Sind Sie’n kleiner Copelli?", maulte Madison.

„Es gibt ein paar Dinge, die sich nur mit Geld kompensieren lassen, erklärte Bount. „Mein Office in der siebten Avenue. Eine schöne und tüchtige Sekretärin. Last but not least das Risiko, meinen Kopf beständig in die Schlinge stecken zu müssen. Es liegt an Ihnen, ob Sie meine Forderung akzeptieren.

„Okay. Wie lange werden Sie brauchen, um Lanza zur Strecke zu bringen? Mann, zweihundert pro Tag! Dabei liefere ich Ihnen den Killer frei Haus!"

„Sie brauchen sich nur mit der Polizei in Verbindung zu setzen, meinte Bount. „Die wird vom Steuerzahler entlohnt.

„Keine Polizei, meinte Madison. „Rufen Sie mich an?

„Nicht nötig, sagte Madison. „Ich akzeptiere Ihre Bedingungen. Fangen Sie sofort an! Ich setze mich regelmäßig mit Ihnen in Verbindung. Morgen erhalten Sie einen Umschlag mit tausend Dollar als Vorauszahlung. Okay?

„Was ist das für Geld?"

„Es stammt nicht aus Heroinverkäufen. Genügt Ihnen diese Information?"

„Ja."

„Was soll ich jetzt tun? Ich befinde mich in Ellens Wohnung. Das Mädchen liegt im Schlafzimmer ..."

„Erschossen?", unterbrach Bount.

„Nein. Ich kann keine äußere Verletzung erkennen. Ihr Kopf ist so komisch verdreht. Es sieht aus, als habe man ihr ... als habe man ihr das Genick gebrochen", sagte Madison mit einiger Mühe.

„Wie und wo kann ich Sie erreichen?"

„Hören Sie auf, so dusselige Fragen zu stellen. Ich bin für Sie nicht zu erreichen. Ich rufe Sie regelmäßig an. Wenn es Fragen gibt, können Sie sie mir bei diesen Gelegenheiten stellen."

„Wo finde ich Lanza?"

„Mann! Für zweihundert am Tage werden Sie das wohl selbst herausfinden können. In der Unterwelt hört er auf den Namen L.L., das steht für Lou Lanza. Er ist ein Killer, Copellis rechte Hand. Was geschieht mit Ellen?"

„Verständigen Sie die Polizei! Kümmern Sie sich nicht darum, wie sie reagiert! Sagen Sie einfach, dass Sie die Tote in der Wohnung gefunden haben und Lou Lanza der Tat verdächtigen."

„Lanza wird durch gekaufte Zeugen mit einem ‘Alibi' aufwarten. Er ist auf diese Weise nicht zu fassen", meinte Madison.

„Das darf Sie nicht kümmern. Sie müssen bei der Wahrheit bleiben."

„Okay, geht in Ordnung."

Bount legte auf. June betrat das Office. Sie trug einen Jeansrock und ein weißes T-Shirt, das keinerlei Zweifel an den Vorzügen ihrer Figur erlaubte.

„Habe ich richtig gehört? Hast du mit Madison gesprochen?", fragte sie und legte einen Brief zur Unterschrift auf den Schreibtisch.

„Burt Madison, ganz recht, nickte Bount und sah erstaunt aus. „Hast du dich mit dem Fall beschäftigt?

„Ich weiß nur, was in den Zeitungen steht. Es ist mir irgendwie unter die Haut gegangen."

„Wieso?", wunderte er sich.'

„Da ist ein Junge, der bis zu seinem zweiunddreißigsten Lebensjahr völlig konform gelebt hat, ein Mensch wie du und ich. Er ist Lastwagenfahrer, seine Zeugnisse sind okay, er ist allgemein beliebt, er hat ein Mädchen und will es heiraten, man hat Grund, ihm zu vertrauen. Plötzlich flippt er aus, buchstäblich über Nacht. Warum? Er hat sich über seinen Chef geärgert, sagt er, aber wahrscheinlicher ist wohl, dass er der Versuchung nicht widerstehen konnte, mit einem Schlag reich zu werden. Zwei Ganoven treten an ihn heran. Er soll sich von ihnen zusammenschlagen lassen, sobald er den Auftrag erhalten hat, eine bestimmte Ladung zu übernehmen. Die Ganoven wollen die Ladung kassieren. Der 'Überfall' soll vorgetäuscht werden, um Madison ein Alibi zu liefern. Dann geht etwas schief. Als die Geschichte in Szene gesetzt wird, tauchen ein paar Killer auf und schießen Madisons Komplizen ab. Madison schafft es, mit Wagen und Ladung zu türmen. Ihm dämmert, dass es mit der Ladung eine besondere Bewandtnis haben muss und dass es nicht nur um die Transistorradios gehen kann, die auf seinem Frachtbrief stehen. Er überprüft die Ladung und entdeckt das Heroin. Er taucht damit unter."

„Ich kenne die Geschichte. Warum geht sie dir unter die Haut?", fragte Bount.

„Bount! Da ist ein Junge, der ein normales, bürgerliches Leben geführt hat und durch einen vielleicht einmaligen Ausrutscher in den Strudel eines Verbrechens geriet. Jetzt ist er auf der Flucht, seit Monaten schon. Er wird von der Polizei gejagt und von den Gangstern. Die Geschichte hat die Runde gemacht. Praktisch ist jeder Kokser dieses Landes scharf darauf, Madisons Beute zu finden."

„Ich weiß. Und Madison weiß es. Es lag an ihm, sich diesem Teufelskreis zu entziehen. Warum hat er sich nicht der Polizei gestellt?"

„Versetze dich in seine Lage! Ein Junge, der in der Woche bestenfalls zweihundert Dollar verdient, stößt auf ein Millionenvermögen. Er weiß, dass es Gangstern gehört, deshalb hat er keine Skrupel, es zu unterschlagen. Madison war dieser Versuchung einfach nicht gewachsen. Vielleicht hatte er auch Angst vor der Rache des Syndikats. Die Polizei wäre wohl kaum in der Lage gewesen, ihn davor zu bewahren."

„Doch, widersprach Bount. „Sie hätten Madison notfalls mit neuen Papieren, mit einer neuen Identität ausgerüstet. Immerhin geht es um Heroin im Handelswert von dreißig Millionen Dollar. Um das Gift aus dem Verkehr zu ziehen und um den Mann zu schützen, der eine solche Aktion ermöglicht, ist die Polizei zu allerhand Konzessionen bereit.

„Aber die konnte und kann sie nicht garantieren, meinte June. „Was hat er gewollt?

„Seine Freundin ist ermordet worden. Ich soll den Killer finden. Eigentlich steht er schon fest. Ein Mann namens Lanza oder dessen Komplizen. Aber es wird schwer sein, den Gangstern die Tat nachzuweisen. Lanza und seine Leute gehören zum Copelli-Mob."

„Oh, hauchte June. „Hast du den Auftrag angenommen?

„Ja. Ich habe eine Bedingung daran geknüpft. Wenn es mir gelingt, Täter und Hinterleute zur Strecke zu bringen, ist Madison verpflichtet, das Heroin abzuliefern."

„Ich freue mich darauf, ihn kennenzulernen", sagte June.

Bount unterschrieb den Brief.

„Du kannst ihn trösten", sagte er.

„Sei nicht geschmacklos, bitte."

Bount grinste. „Ich verstehe, was du meinst. Natürlich kann einem Madisons Schicksal unter die Haut gehen. Aber er ist daran nicht unschuldig, und ich bezweifle, ob deine Anteilnahme so stark gewesen wäre, wenn die wiederholt veröffentlichten Fotos des armen Opfers nicht ein besonders sympathisches und recht gut geschnittenes Gesicht gezeigt hätten. Er gefällt dir. Du magst sein Gesicht. Wenn das nicht zuträfe, würdest du nicht die traurigen Aspekte seiner gegenwärtigen Lage sehen, sondern nur den Umstand, dass er ein Krimineller ist, den die Polizei sucht."

„So schätzt du mich ein?", empörte sich June.

Er gab ihr lächelnd den Brief zurück.

„Ja, so schätze ich dich ein", sagte er. Dann griff er zum Telefon und wählte die Nummer des Police Headquarters. June verließ scheinbar gekränkt den Raum.

„Captain Rogers, bitte", sagte Bount.

June steckte den Kopf ins Office. Sie lachte leise.

„Eins zu Null für dich, sagte sie. „Natürlich liegst du mit deiner Einschätzung richtig.

Bount hob grinsend die Hand, konnte aber nicht mehr antworten, da sich in diesem Augenblick Toby Rogers meldete.

„Hallo, sagte Bount. „Ich wollte dich nur davon in Kenntnis setzen, dass ich für Madison arbeite.

„Ich weiß. Er hat es mir gerade gesagt. Meine Jungens befinden sich auf dem Wege zu Ellen Ferones Wohnung. Hast du wirklich die Absicht, dir an dieser Geschichte die Finger zu verbrennen? Stell dir vor, was geschieht, wenn du das Heroin findest. Die schlachten dich ab wie ein Kaninchen."

„Darauf lasse ich es ankommen."

„Deine Nerven möchte ich haben!"

„Wer ist dieser Lanza?"

„Elegant, brutal, knallhart. Dabei clever, ein Mann mit hohem I.Q., sagte der Captain. „Wir wissen, dass Ellen Ferone schon wiederholt Besuche aus der Unterwelt hatte. Diese Besuche waren für sie nicht immer angenehm, manchmal endeten sie mit Folter und Schmerz. Ellen konnte nichts sagen, weil sie nichts wusste. Das muss auch Lanza klar gewesen sein. Warum hätte er sie töten sollen?

„Diese Frage muss uns Lanza beantworten."

„Ich fürchte, du begehst den Fehler, Madisons Fallstricke zu übersehen. Er hatte wohl als einziger ein Motiv, das Mädchen aus dem Verkehr zu ziehen."

„Welches?"

„Sie kannte zwar nicht das Versteck des Heroins, aber sie wusste, wo er sich versteckt hielt. Madison hatte Angst, dass sie umfallen und ihn verraten könnte."

„Sie wusste nichts. Sonst hätte sie unter der von dir erwähnten Folter längst gesungen."

„Ich traue Lanza jedes Verbrechen zu, meinte Rogers, „aber er ist kein Mann, der grundlos tötet. Er wollte das Rauschgift, klar, aber Ellens Tod bringt ihn diesem Ziel keinen Schritt näher. Deshalb bezweifle ich, dass Lanza in die Geschichte verstrickt ist.

„Es kann ein Betriebsunfall gewesen sein, meinte Bount. „Das enthebt ihn nicht der Verantwortung.

„Es ist zu früh, sich festzulegen, sagte der Captain. „Du willst vermutlich wissen, wo Lanza zu finden ist. Er wohnt recht nobel. Fifth Avenue 281. Wenn ich an deiner Stelle wäre, würde ich mich hüten, mit ihm zu sprechen. Zumindest würde ich mit keinem Wort erwähnen, wer dein Auftraggeber ist. Wenn Copellis Leute erfahren, dass Madison dich bezahlt, wirst du einen Ehrenplatz auf ihrer Abschussliste bekommen, sie werden dich gleich hinter seinem Namen platzieren.

„Ich habe also gute Aussichten, Karriere zu machen", sagte Bount.

„Aber ja. Eine schwarze Karriere. Ich kenne einige, die im Sarg endeten."

„Warnungen helfen mir nicht weiter, trotzdem danke ich dir für deine zarten, taktvollen Hinweise", spottete Bount und legte auf. Er schaute auf seine Uhr. Es war kurz vor vier. Er stand auf und betrat das Vorzimmer. June blickte von ihrem Schreibtisch hoch.

„Bringst du mich mit ihm zusammen?", fragte sie.

Bount grinste.

„Dir scheint ein Mann zu fehlen. Warum erinnerst du dich nicht gelegentlich daran, dass dein Brötchengeber zu dieser Spezies zählt?"

June frankierte einen Brief.

„Ich suche einen Mann, sagte sie. „Keinen Supermann.

„Danke", sagte Bount und ging.

Er holte seinen 450 SEL aus der Tiefgarage und fuhr hinüber zur 5ten Avenue. Er fand in einem Parkhaus einen freien Platz und klingelte um sechzehn Uhr fünfzig an Lou Lanzas Wohnungstür. Sie befand sich in der dritten Etage eines repräsentativen Neubaues, bei dessen Innenausstattung mit Marmor und Kristall nicht gespart worden war.

Das Mädchen, das die Tür öffnete, entsprach der Klischeevorstellung von einer Gangstermolly. Sie war jung, hübsch und platinblond, außerdem imponierte sie durch eine stolze Oberweite und ein törichtes Lächeln, von dem sie zweifellos glaubte, dass es von hinreißendem Sex Appeal war. Ihre Augen schimmerten wie dunkler, feuchter Achat und ließen erkennen, dass sie schon in sehr frühen Jahren gelernt hatte, die Spielregeln dieses Lebens zu akzeptieren.

„Reiniger, stellte Bount sich vor. „Ist Lou zu Hause?

„Ich darf ..." begann sie und unterbrach sich, als ein bulliger Mittdreißiger in der Diele auftauchte. Der Mann bewegte kauend die Kinnladen und sah nicht so aus, als ob er darin geübt sei, für Humanität und Gerechtigkeit zu streiten.

„Was gibt’s?", knurrte er.

„Reiniger. Privatdetektiv. Ich muss Lou sprechen."

„Worum geht's?"

„Um seinen Kragen", sagte Bount lächelnd.

Die mahlenden Kinnladen standen einen Moment still.

„Warten Sie hier!", sagte der Mann, er griff das Mädchen am Arm und zerrte es von der Tür weg. Die beiden verschwanden. In der großen Diele brannte Licht. Die Einrichtung war nobel und hielt Schritt mit der des Treppenhauses.

Der Mann kreuzte auf und machte eine einladende Handbewegung. Bount ließ sich von ihm in ein riesiges Wohnzimmer geleiten. Lanza saß in einem ledergepolsterten Schaukelstuhl. Er trug einen orientalischen, bunt bestickten Seidenmantel von papageienhafte Knalligkeit. Neben ihm, auf einem Lederkissen, hockte das blonde Mädchen, das Bount die Tür geöffnet hatte. Sie feilte an Lanzas Fingernägeln herum. In ihrer Griffnähe standen eine Flasche mit Whisky und ein halb volles Glas.

„Reiniger, sagte Lanza und fixierte den Besucher prüfend aus dunklen, harten Augen. „Muss ich schon mal gehört haben. Für wen arbeiten Sie?

„Ich bin nicht befugt, den Namen meines Klienten preiszugeben, aber sicherlich wird es Sie interessieren, zu erfahren, dass ich hinter dem Heroin her bin."

Der Mittdreißiger war neben der Tür stehen geblieben. Die Art, wie er sich gab, war von provozierendem Zuschnitt. Er wippte auf den Füßen, schob die Daumen unter seinen Gürtel, legte den Kopf schief und belauerte Bount mit höhnischer Feindseligkeit.

Das Zimmer war aufwendig möbliert. Die Mischung aus Modernem und Antiken verriet Geschmack und die Existenz einer wohlgefüllten Brieftasche. Lanza forderte Bount nicht zum Sitzen auf. Bount hatte nichts anderes erwartet.

„Heroin, echote Lanza. „Wovon sprechen Sie überhaupt?

„Von dem Stoff, den Madison geklaut hat."

„Ah, jetzt weiß ich Bescheid. Soviel mir bekannt ist, jagt das ganze Land hinter dem Zeug her. Es ist wie in den Tagen des Goldrausches. Jeder Stümper glaubt, dass ihm der große Fund gelingt. Aber noch keiner dieser Stümper hat wie Sie versucht, mich daraufhin anzusprechen. Ich habe mit der Sache nichts zu tun."

„Warum haben Sie dann Madisons Puppe einen Besuch abgestattet?"

„Was soll ich getan haben?"

„Sie waren bei Ellen Ferone. Vor zwei Stunden, sagte Bount. „Der Besuch ist nicht ohne Folgen geblieben. Das Mädchen ist tot.

Lanza hob die Augenbrauen.

„Ist sie das ? Wenn das zutrifft, muss ich Ihnen zu Ihrem Informationsstand gratulieren. Dafür entbehrt Ihre erste Behauptung jeglicher Grundlage. Ich bin nicht bei dieser Fernon gewesen."

„Ferone, korrigierte Bount. „Sie sind gesehen worden, Lanza.

„Hier kann nur eine dumme Verwechslung vorliegen."

„Sie haben einen einprägsamen Kopf. Er ist nicht so leicht mit dem eines anderen zu verwechseln", sagte Bount.

„Sie schmeicheln mir. Aber Sie liegen schief. Warum hätte ich mich mit Ellen Fernon unterhalten sollen?"

„Ferone. Sie wissen so gut wie ich und tausend andere auch, dass das Heroin für Copelli bestimmt war, für Ihren Brötchengeber. Sie haben den Auftrag, den Stoff zu finden, um jeden Preis."

„Ich bitte Sie! Wenn ich daran interessiert wäre, hätte ich ihn schon haben können."

„Wie, wenn ich fragen darf?"

„Madison hat ihn mir angeboten. Ganz im Ernst. Vor einer Woche. Er wollte zwanzig Millionen dafür haben. Er nannte mir auch das Gewicht, um das es geht. Ich lehnte ab. Ich lehnte nicht ab, weil mir die Forderung zu hoch erschien. Ich lehnte ab, weil ich beim besten Willen nicht wüsste, was ich mit dem Stoff anfangen sollte. Heroinhandel werden Sie auf der Liste meiner Aktivitäten nicht finden."

„Was denn sonst?, fragte Bount. „Mord?

Die Blonde hob den Kopf, sie musterte Bount erschreckt. Sie kannte Lanza und war sich darüber klar, dass Mord zu seinem Geschäft gehörte, aber sie erlebte es zum ersten Male, dass ein Gesprächspartner den Mumm hatte, ihm das kühl ins Gesicht zu sagen.

Lanza grinste. Das Grinsen verriet nichts Gutes. Er wandte sich an den Gorilla neben der Tür. „Du hast gehört, was Reiniger loswerden musste. Ich kann nicht finden, dass er damit gute Manieren demonstriert. Es ist wirklich an der Zeit, ihm eine kleine Lektion zu erteilen."

Der Mittdreißiger stieß sich von der Wand ab. In seinen Augen funkelte es tückisch. Er stampfte mit geballten Fäusten auf Bount zu und blieb einen Schritt vor ihm stehen.

„Er wird sich entschuldigen wollen, sagte er gedehnt. „Ganz bestimmt will er das!

„Ich habe eine Frage gestellt, erklärte Bount. „Ich warte auf die Antwort.

„Hier ist sie", sagte der Gorilla und schlug zu. Der Drive seines Schlages riss ihn nach vorn. Bount zuckte zur Seite. Das Ausbleiben eines bremsenden Widerstandes brachte den Mann beinahe zu Fall. Er wirbelte herum und griff erneut an. Diesmal lief er in Bounts Konterhaken.

Bounts Rechte war pulvertrocken, sie traf hart und präzise und hätte fast jeden von den Beinen geholt, der sie hinnehmen musste, aber der Gorilla blinzelte nur. Er geriet vorübergehend aus dem Rhythmus, dann marschierte er nach vorn und schien entschlossen, das Geschehen in den Griff zu bekommen.

Bount feuerte eine Dublette ab. Er blieb im Wesentlichen auf Distanz, sorgte aber durch schnelle, konzentrierte Ausfälle für Leben in der Bude. Der Gorilla wurde nervös, er schlug rasch und überhastet. Das kam Bount nur entgegen. Er steckte ein oder zwei Treffer ein, die schmerzten, teilte dafür aber das Dreifache aus.

Lanza sah interessiert zu. Er merkte, dass die Dinge nicht so liefen, wie sie seinen Erwartungen und Gewohnheiten entsprachen. Auch die Blonde schaute mit großen, runden Augen zu.

„He, vergiss die Nägel nicht!", herrschte Lanza sie an.

Bount riss die Linke hoch. Dann die Rechte. Er spürte, dass der Gorilla nichts mehr zuzusetzen hatte. Bount wiederholte die Serie. Der Gorilla hatte nicht die Kraft, die Deckung oben zu behalten, aber überraschenderweise blieb er stehen, breitbeinig, als könnte ihn nicht einmal eine Dampfwalze umwerfen. Als er dann fiel, war dies nicht die direkte Folge eines weiteren Schlages, sondern offenkundig die Summe aller Treffer. Es riss ihm buchstäblich die stämmigen Beine unter dem Körper weg. Er blieb liegen und grunzte etwas Unverständliches, fand aber nicht die Kraft, sich sofort wieder zu erheben.

Bount entschuldigte sich bei der Blonden, weil er gezwungen war, sein Hemd in die Hose zurückzustopfen und seine verrutschte Krawatte zu richten, dann fragte er Lanza: „Hätten Sie nicht Lust, ihm zu zeigen, wie man es besser macht?"

„Aua!, sagte Lanza wütend und zog die Hand zurück. „Blöde Gans! Ich habe dich nicht darum gebeten, meine Haut zu feilen. Ein winziger Blutstropfen erschien an der Fingerkuppe. Lanza lutschte an dem Finger, dann fuhr er das Mädchen mit einem barschen „Raus!" an. Die Blonde griff rasch nach ihrem Glas, schnappte sich das Maniküreetui und hastete aus dem Zimmer.

„Alles blöde Gänse!", schimpfte Lanza.

„Ihre Freundin?, fragte Bount. „Oder nur eine bezahlte Maniküre?

„Wo liegt da der Unterschied? Bezahlen muss man beide. Er grinste. „Immerhin stimmt der Gegenwert. Meistens jedenfalls. Vor allem dann, wenn ich ihn bei Jessy im Bett eintreibe. Er musterte immer noch seinen Finger. „Sie hätten mit Max ein wenig behutsamer umgehen sollen, fuhr er fort. „Max ist nachtragend. Sehr sogar. Er mag es nicht, wenn andere ihn auf die Matte schicken.

„Daran wird er sich gewöhnen müssen, meinte Bount. „Ich hoffe, diese Erfahrung hat einen positiven Einfluss auf seinen Reifeprozess.

Max stemmte sich hoch, er prustete laut und schüttelte seinen Kopf. Er schwankte ein wenig, als er auf den Beinen stand. Er starrte Bount an. Er versuchte erneut auf ihn loszugehen.

„Stop, sagte Lanza scharf. „Lass mich mit ihm allein!

Max entspannte sich. Er murmelte ein paar Worte, die Bount nichts Gutes verhießen, dann trollte er sich. Lanza und Bount konnten ihr Gespräch ohne Zeugen fortsetzen.

„Sie sind nicht hergekommen, um mit mir über Madison zu sprechen, oder über seine Puppe, mutmaßte Lanza. „Für Sie geht es nur um eines. Um das Heroin. Wer hat Sie damit beauftragt, es heranzuschaffen?

Bount setzte sich, ohne dazu aufgefordert worden zu sein. Er lächelte.

„Sie sind naiv. Erwarten Sie im Ernst, dass ich den Namen ohne weiteres ausspucke?"

„Ja, das erwarte ich, sagte Lanza. „Ich kenne ein paar Leute, die über diesen Fall Buch führen. Über die Zahl der Opfer. Es ging los mit den beiden Typen, die die Ladung übernehmen sollten. Sie wurden abgeknallt. Das ist bekannt. Unbekannt ist den meisten, was danach geschah. Bislang mussten elf Burschen ins Gras beißen, die glaubten, den großen Coup landen und das Rauschgift kassieren zu können. Die Zahl der Opfer wird steigen. Die Unterwelt ist nervös geworden. Es geht um zwanzig oder dreißig Millionen, da kennt man kein Pardon. Niemand weiß genau, wo der Schnee ist. Nur Madison weiß es. Es gibt viele Leute, die die tollsten Gerüchte in die Welt setzen. Sie tun das, um selbst ungestört arbeiten und suchen zu können. Zwecklügen, auch wenn sie noch so dumm sind, finden ihre Abnehmer - und darum knallt es immer wieder.

„Warum erzählen Sie mir das?"

„Nur so, sagte Lanza. „Es täte mir leid, wenn der Name Bount Reiniger irgendwann auf dieser Verlustliste erscheinen würde.

„Es täte Ihnen nicht leid. Im Gegenteil. Es wäre für Sie ein Grund, in Champagner zu baden."

„Sie überschätzen sich und ihre Bedeutung, meinte Lanza. „Es gibt für mich keinen Grund, Sie zu fürchten.

„Wo waren Sie vor zwei Stunden?"

„Ich denke nicht daran, Ihnen diese alberne Frage zu beantworten. Wenn die Polizei mir damit kommen sollte, werde ich ihr ein Alibi präsentieren. Hieb- und stichfest. Genügt das?"

„Das muss die Polizei entscheiden. Sie haben sich verpflichtet gefühlt, mich zu warnen. Vielen Dank. Aber wie ist es um Ihre eigene Sicherheit bestellt? Ihr strammer Max kann Ihnen im Ernstfall nicht helfen. Das habe ich Ihnen gerade vorgeführt."

„Gehen Sie! Das Gespräch fängt an, mich zu langweilen", sagte Lanza.

Bount erhob sich. Er lächelte.

„Ich kenne ein paar Leute, die mein Handeln kopfschüttelnd verurteilen werden. Leute, die die Meinung vertreten, dass es dumm ist, sich mit einem Lou Lanza anzulegen. Mit dem großen L.L., hinter dem der noch größere Copelli steht. Man wird mir vorwerfen, Ihnen verraten zu haben, worum ich kämpfe. Ich sehe das anders. Wenn es stimmt, dass Sie einen hohen I.Q. haben, werden Sie mich richtig einzuordnen wissen und begriffen haben, dass ich kein Gegner bin, der sich mit Drohungen oder Schlägen stoppen lässt. Ich weiß noch nicht, ob unsere Auseinandersetzung über die volle Distanz gehen wird, aber ich weiß, dass nicht Sie es sein werden, der die Kraft und die Autorität besitzt, den Kampf zu gewinnen oder abzubrechen. Was Sie auch tun werden, Lanza, es wird auf Sie zurückfallen."

Lanza lächelte.

„Sie sollten sich kürzer fassen, Reiniger. Sie wollen mich nervös machen. Das ist der langen Rede kurzer Sinn."

Bount erwiderte das Lächeln.

„Sie sind es schon, stellte er fest, „und dieser Zustand wird sich steigern. Ich werde nicht aufhören, diese Entwicklung zu fördern. Er machte kehrt und ging zur Tür.

„He, Reiniger!", ertönte es hinter ihm.

Bount blieb stehen. Er zögerte ein paar Sekunden, ehe er sich umdrehte. Er wusste genau, welcher Anblick ihn erwartete. Er täuschte sich nicht. Lanza hielt einen Revolver in der Hand. Sein Finger lag am Abzug.

„Ich könnte Sie jetzt abknallen, sagte er. „Alibis sind in dieser Stadt billig zu haben. Ihnen brauche ich das nicht zu erzählen. Sie kennen die Tarife. Wie gesagt, ich könnte Sie abknallen. Aber ich tue es nicht. Erstens bin ich kein Killer, und zweitens gibt es für mich keinen Grund, Sie zu fürchten. Weil Copelli mein Freund ist, werden Sie sagen. Mag sein. Es gibt einen triftigeren Grund. Wir sind keine Heroinhändler. Deshalb interessiert uns weder Madison noch seine Puppe. Er ließ die Waffe sinken. „Wenn Sie das erst einmal kapiert haben, besteht die Chance, dass wir gut miteinander auskommen", schloss er grinsend.

Bount verließ die Wohnung ohne eine weitere Äußerung. Er blieb in der Nähe des Hauseingangs und sah nur zwanzig Minuten später seine Mühen belohnt. Die Blonde betrat die Straße. Sie wirkte auf die meisten Männerblicke wie ein Magnet und sorgte durch ihre Art, sich hüftschwingend zu bewegen, für eine aufreizende Belebung des Passantenstroms. Bount erreichte das Mädchen an der nächsten Ampelkreuzung.

„Essen wir zusammen?", fragte er.

Jessy schaute ihn an und erschrak. Sie warf einen kurzen, forschenden Blick über ihre Schulter.

„Wenn man uns zusammen sieht, passiert ein Unglück", sagte sie.

„Nicht, solange ich bei Ihnen bin."

Die Ampel sprang auf Grün. Sie überquerten die Straße. Bount blieb an der Seite des Mädchens. Er war gut einen Kopf größer als sie und musste zwangsläufig immer wieder in das cremige Wogen ihres tiefen Ausschnitts blicken.

„Ich esse nicht mit Ihnen. Bitte verschwinden Sie", sagte das Mädchen. Sie schaute sich erneut um. In ihrem Blick lag nackte Angst,

„Lanza hat keinen Grund, Sie beobachten zu lassen, meine Bount. „Er hält Sie für dumm.

Das Mädchen blieb stehen, Empörung in den Augen.

„Das tun Sie auch! Warum halten mich bloß alle Männer für blöd? Wenn ich es wäre, würde ich vielleicht mit Ihnen essen gehen. Sie sehen schließlich nicht übel aus. Sie sind sogar mein Typ. Gerade deshalb ist es unfair von Ihnen, mich in diese Lage zu bringen. Sie kennen Lou, und ich kenne ihn noch besser. Wollen Sie, dass er mich auseinandernimmt? Hauen Sie also ab, oder ich schreie auf offener Straße laut um Hilfe und erkläre, dass Sie versucht haben, sich mir unsittlich zu nähern."

Er lachte kurz.

„Dann sollte ich das eigentlich mal probieren. Damit Sie einen Grund zum Schreien haben. „Unterstehen Sie sich!, fauchte sie und ging weiter. Bount blieb an ihrer Seite.

„Sie sagen, dass Sie Lou kennen. Besser als ich. Wenn das zutrifft, sollten Sie helfen, einem solchen Mann das Handwerk zu legen. Ich habe gesehen und gehört, wie er Sie behandelt und wüsste gern, wie sich das mit Ihrem Stolz vereinbart."

„Stolz!, sagte Jessy bitter. „Davon kann niemand leben.

„Er hält Sie aus?"

„Von mir erfahren Sie nichts."

„Sie haben gerade ziemlich unverblümt festgestellt, dass Sie Geld über den Stolz stellen. Ich verurteile Sie nicht deshalb, aber ich erwarte, dass Sie diese merkantile Einstellung konsequent durchhalten. Ich bin offen zu Ihnen. Ich suche gewisse Informationen. Wenn Sie sie mir geben, zahle ich dafür und zwar gut."

„Ich bin nicht lebensmüde. Selbst wenn ich wüsste, was aus dem Heroin geworden ist, würde ich kein Wort darüber verlieren", meinte sie.

„Vergessen Sie das Heroin! Ich will nur wissen, wo Lou heute Nachmittag war."

„Er ist mit Max und Glenn losgefahren, gleich nach dem Mittagessen", sagte Jessy.

„Wann sind sie wiedergekommen?"

„Etwa eine Stunde vor Ihrem Eintreffen."

„Das passt, meinte er, „aber es beweist nichts. Worüber haben die Männer gesprochen?

„Über ein Pferderennen. Sie sind leidenschaftliche Wetter", sagte Jessy.

„Der Name Ellen Ferone ist niemals gefallen?"

„Nicht heute."

„Wann sonst?"

„Vorgestern. Lou erwähnte ihn. Aber ich weiß nicht mehr, in welchem Zusammenhang."

„Welchen Wagen haben die Männer benutzt?"

„Glenns Pontiac."

Bount ließ sich die Adresse des Mannes geben.

„Essen wir jetzt zusammen?", fragte er.

„Nein", erwiderte das Mädchen.

„Rufen Sie mich bitte an, wenn es etwas zu berichten gibt!", sagte er.

Das Mädchen antwortete nicht. Er machte kehrt, holte seinen Wagen aus dem Parkhaus und fuhr nach Brooklyn. Glenn Edwards wohnte im Hause Mildred Street 89. Ein Lift brachte Bount in die fünfte und vorletzte Etage. Bount rechnete nicht damit, Glenn Edwards zu Hause anzutreffen, aber er wollte sehen, wie und wo er lebte, und es lag in seiner Absicht, sich mit ein paar Nachbarn über Lanzas Gorilla zu unterhalten.

Als er die Hand ausstreckte, um versuchsweise an Edwards Wohnung zu klingeln, fiel der Schuss. Er war hart und dumpf, wie in Watte gepackt. Es gab keinen Zweifel, dass er aus einer Waffe mit Schalldämpfer kam. Ebenso sicher war, dass er in Edwards Wohnung fiel.

Bount klingelte.

In der Wohnung rührte sich nichts. Das blieb auch so nach einem zweiten und dritten Klingeln.

Bount presste sein Ohr gegen die Türfüllung und lauschte. In Edwards Wohnung herrschte Totenstille. Er schaute sich das Schloss an. Es war die Sonderanfertigung einer guten Marke und ließ sich weder mit einem Dietrich noch mit den üblichen Ganoventricks knacken.

Bount zog sich ins Treppenhaus zurück und wartete. Nur zehn Minuten später öffnete sich Edwards Wohnungstür. Bount blieb hinter dem Fahrstuhlschacht in Deckung. Ein Mann verließ das Apartment und ging auf den Fahrstuhl zu. Er nahm sich nicht die Mühe, die Wohnungstür hinter sich zu schließen. Bount trat hinter dem Schacht hervor und sagte „Hallo". Der Mann zuckte zusammen und starrte fragend in Bounts Augen.

„Mr. Edwards?", fragte Bount.

„Ja. Was gibt’s?"

Der Mann war etwa dreißig Jahre alt, ein kompakter Typ mit gedrungenem Hals und glattrasiertem Gesicht. Die dunklen Augen standen weit auseinander, sie waren klein und stechend. Die wulstigen Lippen wurden von einer vorstehenden Zahnreihe ständig halb offen gehalten. Bekleidet war der Mann mit einer braunen Hose, einem hellen Lumber und einem karierten Sporthemd.

„Ich bin Reiniger. Bount Reiniger."

„Und?", fragte der Mann. Bounts Name schien ihm nichts zu sagen.

„Ich habe geklingelt. Warum haben Sie nicht geöffnet?"

„Das ist meine Sache."

„Kommen Sie, ich möchte mich mit Ihnen unterhalten, sagte Bount. „Gehen wir in Ihre Wohnung. Ich möchte feststellen, wer dort geschossen hat - und worauf.

Im Gesicht des Mannes zuckte kein Muskel, nur die vorstehende, obere Zahnreihe entblößte sich noch weiter.

„Wer sind Sie?, fragte er halblaut. eher verwundert als empört oder verängstigt. „Was treiben Sie hier?

„Ich stille meine berufliche Neugierde, erwiderte Bount. „Sie werden mich dabei unterstützen. Ich bin Privatdetektiv.

Der Mann schüttelte den Kopf.

„Nicht zu fassen. Ein verdammter Schnüffler, murmelte er. „Okay, ich habe geschossen. Mit dem Revolver. Auf ein Bild an der Wand. Das überkommt mich manchmal so. Wenn man eine Kanone hat, ist es wichtig, in Übung zu bleiben. Das werden Sie mit Ihrem Schießeisen genau so halten. oder?

„Zeigen Sie mir das Bild!"

„Aber nein, warum sollte ich?, fragte der Mann und drückte auf den grünen Knopf neben der Lifttür. „Ich bin einfach nicht in der Stimmung, mich mit einem private eye zu unterhalten. Rauschen Sie ab, Mister!

„Sie haben versäumt, die Wohnungstür zu schließen", sagte Bount mit sanfter Stimme. Er hatte längst die Waffe in der Innentasche des Mannes bemerkt. Sie verbeulte die Jacke und zog sie einseitig nach unten.

„Tatsächlich?" Der Mann mimte Erstaunen und wandte seinen Kopf. Bount nutzte seine Chance. Seine Rechte schnellte nach vorn und erfasste griffsicher den Revolver. Er hatte ihn an sich genommen, noch ehe seinem Gegner richtig klargeworden war, was gespielt wurde.

Bount trat einen halben Schritt zurück. Er richtete die Waffenmündung auf sein Gegenüber.

„Was ist aus dem Schalldämpfer geworden?", fragte er.

Der Mann schwieg. Seine kleinen Augen hatten sich zu Schlitzen verengt. Er spannte die Muskeln. Bount begriff, dass es noch Ärger mit dem Mann geben würde. Der Mann hatte offenbar gute Gründe, nicht einmal vor der Mündung einer geladenen Waffe zu kapitulieren.

„Sie sind nicht Edwards, sagte Bount und machte eine Handbewegung mit dem Revolver zur Tür hin. „Kehrt marsch, zurück in die Wohnung!

Der Mann gehorchte nur zögernd. Sie betraten die Diele, dann bewegten sie sich auf die Wohnzimmertür zu. Sie war geschlossen. Der Mann blieb stehen.

„Aufmachen!", kommandierte Bount und gab dem Mann einen Stoß in den Rücken.

Der Mann wirbelte auf den Absätzen herum und war dabei bedeutend schneller, als seine kompakte, gedrungene Figur es hatte erwarten lassen. Bount hätte schießen können, aber für ihn war noch keine Notwehrsituation gegeben. Er sprang zur Seite, ließ die Rechte seines Gegners ins Leere sausen, vollführte mit dem Revolver ein kleines Cowboykunststück, und ließ dann deren kantigen Schaft gezielt und einigermaßen dosiert auf der Schläfenpartie des Mannes landen.

Der fiel um, wie von einem Blitz getroffen. Bount beugte sich über ihn und nahm ihm die Brieftasche ab. Sie enthielt einen Führerschein auf den Namen Humphrey Knight.

Bount richtete sich auf, schob den Revolver in seinen Hosenbund und öffnete die Wohnzimmertür.

Er prallte zurück.

Sein prompter Reflex fiel zusammen mit dem hässlichen Bellen eines Schusses.

Das Projektil verfehlte Bount nur um Haaresbreite. Es traf den Lichtschalter in der Diele und sorgte für einen kurzen, heftigen Funkenregen.

Bount presste sich neben dem Zugang flach an die Wand und zog Knights Revolver aus dem Hosenbund. Er nahm sich gleichzeitig vor, weitere Ermittlungen im Falle Madison nur mit der eigenen Waffe zu betreiben.

„Haben Sie den Verstand verloren?", brüllte er.

„Sie hätten anklopfen sollen, Mister!", sagte jemand mit einem Anflug grimmigen Hohns aus dem Wohnzimmer.

„Edwards?", fragte Bount und blieb in Deckung.

„Wer sonst? Los, zeigen Sie sich, ich pumpe Sie voll Blei!", drohte Edwards aus dem Zimmer.

Es war zu hören, dass er auf dem Boden lag. Sein Keuchen machte klar, dass er von einer Verletzung gehandicapt wurde.

„Ich bin Bount Reiniger, Privatdetektiv. Ich bin der Mann, der klingelte, nachdem auf Sie geschossen wurde. Ich habe draußen gewartet und den Täter zurückgebracht. Er liegt in Ihrem Blickfeld auf dem Linoleum der Diele."

„Ein Bluff, ein schmutziger Trick", ächzte Edwards.

Bount holte seine Lizenz aus der Tasche und warf sie ins Zimmer.

„Überzeugen Sie sich!", sagte er.

Im Zimmer wurden ein paar Geräusche laut. Edwards schleppte sich robbend auf die Karte zu.

„Okay?", fragte Bount, als er nur noch Edwards schweres Atmen hörte.

„Mann, ich bin fertig, murmelte Edwards. „Ich brauche einen Arzt.

Seine Stimme drückte Resignation aus - und dumpfe Wut. Bount peilte um die Ecke ins Zimmer. Edwards lag neben dem Tisch auf dem Bauch. Der dicke Berberteppich unter ihm zeigte eine lange, blutige Schleifspur. Edwards hielt eine Pistole in der Hand.

Bount

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