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Mescalero reitet: Western Großband 3 Romane 11/2021
Mescalero reitet: Western Großband 3 Romane 11/2021
Mescalero reitet: Western Großband 3 Romane 11/2021
eBook622 Seiten6 Stunden

Mescalero reitet: Western Großband 3 Romane 11/2021

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Über dieses E-Book

Mescalero reitet: Western Großband 3 Romane 11/2021

von Alfred Bekker, Glenn P. Webster, John F. Beck

 

Über diesen Band:

 

 

Dieser Band enthält folgende Romane:

 

Man nannte ihn Mescalero (John F. Beck)

Ein Strick für Lee Callahan (Alfred Bekker)

Sturmwind der Begierde (Glenn P. Webster)

 

 

 

 

Lee Callahan fühlte den harten Faustschlag an seinem Kinn.

Er flog in den Staub und als er dann den Kopf hob, sah er in grimmige, entschlossene Gesichter, sowie eine Revolvermündung.

"Lee!"

Das war Madeleine.

Sie wollte zu ihm eilen, aber zwei kräftige, hart zupackende Männerhände hielten sie unerbittlich an den Handgelenken.

"Sie lassen in Zukunft die Finger von meiner Tochter, Callahan!", zischte der alte McGregor. Das Haar an seinen Schläfen war schon lange ergraut, aber in der Mitte seines braungebrannten Gesichts befanden sich zwei zornig blitzende blaue Augen. Er war ein Rancher. Rechts und links von ihm standen einige der Cowboys, die er in Lohn und Brot stehen hatte.

"Dad, er hat mir doch nichts getan!"

Verzweiflung stand in Madeleines feingeschnittenem Gesicht. Ein paar Tränen waren ihr bereits über die Wangen gerollt.

"Ha!", machte McGregor. "Das wäre ja auch noch schöner!"

"Wir haben uns nur...unterhalten!"

"Schlimm genug! Ich will, dass das aufhört! Ein für allemal!"

Lee lag noch immer im Staub.

So, wie die Situation war, konnte er nichts machen. Der Revolver des Ranchers war nach wie vor auf ihn gerichtet und die Zornesröte, die in McGregors Gesicht gestiegen war, sprach für sich.

 

SpracheDeutsch
HerausgeberAlfred Bekker
Erscheinungsdatum22. Nov. 2021
ISBN9798201117672
Mescalero reitet: Western Großband 3 Romane 11/2021
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Autor

Alfred Bekker

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

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    Buchvorschau

    Mescalero reitet - Alfred Bekker

    Mescalero reitet: Western Großband 3 Romane 11/2021

    von Alfred Bekker, Glenn P. Webster, John F. Beck

    Über diesen Band:

    ––––––––

    Dieser Band enthält folgende Romane:

    Man nannte ihn Mescalero (John F. Beck)

    Ein Strick für Lee Callahan (Alfred Bekker)

    Sturmwind der Begierde (Glenn P. Webster)

    Inhaltsverzeichnis

    Titelseite

    Mescalero reitet: Western Großband 3 Romane 11/2021

    Copyright

    Man nannte ihn El Mescalero: Western

    Neal Chadwick Western - Ein Strick für Lee Callahan

    Ein Strick für Lee Callahan

    Copyright

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    Don't miss out!

    About the Author

    About the Publisher

    Sturmwind der Begierde

    Further Reading: Die Neal Chadwick Western Bibliothek: 32 Wildwestromane, 2700 Seiten Spannung

    Also By Alfred Bekker

    Also By Glenn P. Webster

    Also By John F. Beck

    Lee Callahan fühlte den harten Faustschlag an seinem Kinn.

    Er flog in den Staub und als er dann den Kopf hob, sah er in grimmige, entschlossene Gesichter, sowie eine Revolvermündung.

    Lee!

    Das war Madeleine.

    Sie wollte zu ihm eilen, aber zwei kräftige, hart zupackende Männerhände hielten sie unerbittlich an den Handgelenken.

    Sie lassen in Zukunft die Finger von meiner Tochter, Callahan!, zischte der alte McGregor. Das Haar an seinen Schläfen war schon lange ergraut, aber in der Mitte seines braungebrannten Gesichts befanden sich zwei zornig blitzende blaue Augen. Er war ein Rancher. Rechts und links von ihm standen einige der Cowboys, die er in Lohn und Brot stehen hatte.

    Dad, er hat mir doch nichts getan!

    Verzweiflung stand in Madeleines feingeschnittenem Gesicht. Ein paar Tränen waren ihr bereits über die Wangen gerollt.

    Ha!, machte McGregor. Das wäre ja auch noch schöner!

    Wir haben uns nur...unterhalten!

    Schlimm genug! Ich will, dass das aufhört! Ein für allemal!

    Lee lag noch immer im Staub.

    So, wie die Situation war, konnte er nichts machen. Der Revolver des Ranchers war nach wie vor auf ihn gerichtet und die Zornesröte, die in McGregors Gesicht gestiegen war, sprach für sich.

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

    © Roman by Author / COVER EDWARD MARTIN

    © dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

    www.AlfredBekker.de

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    Alles rund um Belletristik!

    Man nannte ihn El Mescalero: Western

    John F. Beck

    Man nannte ihn El Mescalero: Western

    UUID: 7e2edef2-274b-11ea-baaf-1166c27e52f1

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    Table of Contents

    UPDATE ME

    ––––––––

    Copyright

    IMPRESSUM

    ––––––––

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

    © Roman by Author/Titelbild: Tony Masero, 2019

    Korrektorat: Dr. Frank Roßnagel

    © dieser Ausgabe 2019 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    www.AlfredBekker.de

    postmaster@alfredbekker.de

    ––––––––

    John F. Beck: Man nannte ihn El Mescalero

    ––––––––

    Jim Kennon ist Mestize, Sohn eines weißen Farmers und einer Mescalero-Squaw, und muss hilflos mit anschauen, wie eine Bande brutaler Banditen seine Eltern ermordet. Nur das Eingreifen des professionellen Revolvermannes Brent Javitt rettet Jims Leben. Javitt bildet Jim am Colt aus, und schon bald verbreiten die beiden Angst und Schrecken in New Mexico.

    Doch Jim hat nie vergessen, was seinen Eltern widerfuhr, und verlässt Javitt, um auf seinen persönlichen Rachefeldzug zu gehen. Wo immer er hinkommt, um die Mörder seiner Eltern zu bestrafen, macht er sich Feinde, die seinen Tod wollen. Als El Mescalero den Auftrag annimmt, Farmer über den San-Juan-River zu führen, hat er eine Begegnung, die sein Schicksal entscheiden wird – zum Guten oder zum Bösen ...

    *

    New Mexico 1878. – Der drahtige dunkelhäutige Reiter hielt geduckt im Schatten wild zerklüfteter Felsen. Der langgezogene gellende Schrei war in seinen Ohren nur noch wie der Nachhall aus einem Alptraum.

    In der staubigen heißen Senke unter ihm rührte sich nichts mehr. Vor der Hütte seiner Eltern standen fünf fremde Pferde mit silberbeschlagenen mexikanischen Bocksätteln. Jedes trug einen Scabbard, aus dem der Kolben eines Gewehrs ragte. Kein Mensch war zu sehen. Die Sekunden vertropften wie zähflüssiges Blei.

    „ Weiter!", raunte Jim Kennon seinem Pinto heiser zu. Die Hand am Revolverknauf, ritt er langsam zwischen den Felsen hervor.

    Plötzlich gab es einen Knall, der die Bretterhütte auseinanderzufetzen drohte. Pulverrauch quoll aus den Fensterluken. Die Tür sprang auf, und ein stämmiger derbgekleideter Mann taumelte heraus. Sein schlohweißes Haar glänzte in der Sonne, wie versilbert.

    „ Dad!", schrie Jim entsetzt. Er vergaß jede Vorsicht und trieb sein Pferd zum Galopp. Die Hufe trommelten ein wildes Stakkato den Hang hinab. Der Weißhaarige versuchte, sich indessen mit beiden Fäusten an einem Vordachpfeiler festzuklammern. Doch das Gewicht seines Körpers zog ihn langsam nach unten. Aus aufgerissenen Augen starrte er dem herandonnernden Reiter entgegen.

    „ Zurück, Jim!, krächzte er. „Flieh! Sonst werden sie auch dich ...

    Das Prasseln der Hufe verschluckte jeden anderen Laut. Jim Kennon flog mit einem Panthersatz aus dem Sattel, ehe der Pinto richtig stand. Der Schwung drohte ihn umzureißen. Dann stürzte er schon aus dem brodelnden, von der Sonne vergoldeten Staub heraus zur Hütte. Er kam gerade noch zurecht, die schwere Gestalt seines Vaters aufzufangen.

    „ Jim, du ..." Die Stimme verwehte wie ein Hauch. Das Flackern in den blauen Augen erlosch, und Jim fühlte den Körper in seinen Armen erschlaffen. Er wollte es einfach nicht glauben. Wie betäubt kniete er da, als sei ihm ein Gewehrkolben über den Kopf geschmettert worden. Das Schnauben der Pferde, das Hufgestampfe, das Malmen im Sand und Sporengeklirr – alles um ihn war wie ausgelöscht. Sein braunes breitknochiges Gesicht mit den kohlschwarzen Augen wurde zu einer starren Maske. Behutsam bettete er seinen Vater auf die Erde nieder. Als er seine Hand unter Abe Kennons Rücken hervorzog, war sie nass von Blut.

    Langsam hob er den Kopf. Da sah er, dass sie zu viert einen Halbkreis um ihn gebildet hatten. Sein Blick wanderte von ihren staubbedeckten Stiefeln mit den großen Radsporen über die patronengefüllten Gurte in die Höhe. Er schien sich jede Einzelheit für alle Zeiten unauslöschlich einprägen zu wollen. Ihre tiefhängenden Holster, mit Lederriemen an den Schenkeln festgebunden, waren leer. Die schwerkalibrigen Colts ruhten in nervigen Fäusten. Alle zielten auf ihn. Die Gesichter darüber wurden von breitkrempigen Hüten beschattet, hartlinige Gesichter, in denen es kein Bedauern und kein Mitleid gab.

    Die Banditen standen nur breitbeinig und stumm da und beobachteten ihn lauernd. Jims Blick glitt weiter zur offenen Hüttentür. Drinnen war es dämmrig. Auf dem festgestampften Lehmboden schimmerte etwas wie ein helles Stoffbündel. Jim erkannte das rabenschwarze Indianerhaar seiner Mutter, das wie ein Schleier das seitlich weggedrehte Gesicht verhüllte. Der schreckliche Schrei fiel ihm wieder ein, den er droben auf dem Senkenrand gehört hatte. In der Hütte polterte und schepperte es. Ein Fluch schallte heraus. Dann erschien ein großer, breitschultriger Mann auf der Schwelle. Er trug einen staubgepuderten Kordanzug und um den Hals ein grellrotes Tuch.

    Unter der Jacke lugten die nach vorn gedrehten Elfenbeinkolben zweier Colts hervor.

    „ Nichts!, knurrte er wütend. „Verdammter Mist! Dann hefteten sich seine gelblichen Raubvogelaugen stechend auf Jim. „Raus mit der Sprache, du Bastard! Wo habt ihr es versteckt?"

    Jim waren die schussbereiten Colts auf einmal egal. Er packte seinen Revolver und schnellte hoch. Die anderen hatten nur darauf gewartet. Ein wuchtiger Hieb zwischen die Schulterblätter warf Jim vornüber. Gelächter hallte durch die Senke. Mit zusammengebissenen Zähnen und funkelnden Augen wälzte sich Jim herum. Er hatte nur noch einen Wunsch, seinen Revolver mitten in diese grausamen, lachenden Gesichter über ihm abzufeuern. Der Große mit dem Kordanzug trat ihm die Waffe aus der Hand. „Eine lausige Rothaut, die sich mit Cole Craighton anlegen will! dass ich nicht lache, du Narr!" Sein eckiges Gesicht verriet nur zu deutlich die Verachtung, die Jim schon so oft auf den Mienen weißer Männer gesehen hatte.

    Dann wurde Jim links und rechts gepackt und in die Höhe gezerrt. Fäuste hämmerten ihm ins Gesicht und in den Leib. Schließlich befahl Craighton wie aus weiter Ferne: „Genug! Sein Gesicht mit den gelblichen Raubvogelaugen tauchte wieder vor Jim auf. Gier glühte in seinem Blick. „Hast du’s endlich begriffen, Halbblut? Ich will das Gold!

    Jim schüttelte benommen den Kopf. „Es gibt hier kein Gold!"

    Im nächsten Moment brannte sein Gesicht wie von Feuer versengt.

    Cole Craighton rieb sich die Knöchel seiner rechten Faust. „Für wie blöd hältst du uns eigentlich, he? Mein Junge, ich warne dich zum letzten Mal! Für uns bist du nicht hart genug! Mach uns ja nicht weis, dass dein Alter in dieser gottverlassenen Einöde etwas anderes als Gold gesucht hat! Hier gibt’s weder Gras für Rinder noch sonst was, das einen Mann ernähren könnte. Nur Sand, Steine, Dornen, Hitze, Klapperschlangen und – verdammt noch mal – Gold! Wir haben den Stollen unten am Fluss entdeckt!"

    Jim hing zusammengesunken im Griff der derben Fäuste. „Der Stollen ist seit Jahren verlassen, murmelte er mechanisch. „Dad und ich haben ab und zu ein paar zugerittene Wildpferde im Fort Sumner verkauft. Davon lebten wir. Auf Reichtümer waren wir nie aus. Was Dad hier gesucht hat, war Frieden!

    Craightons Faust schoss heran. Diesmal ließen die anderen Jim los. Er krachte auf den Rücken. Ein hagerer Kerl mit einem borstigen Schnurrbart rammte ihm die Stiefelspitze gegen die Rippen. Jim rollte auf die Seite und zog wie vor Schmerzen die Beine an. Seine Hand kroch zum Schaft des kniehohen Apachenmokassins, wo ein breitklingiges Bowiemesser verborgen war. Über sich hörte er die gepresste Stimme des Schnurrbärtigen.

    „ Ich glaube, er sagt die Wahrheit, Cole! Schau ihn dir nur an! Eine richtige Apachenvisage! Eine Kugel für ihn, Cole, und dann weiter! Denk an diesen schnell schießenden Hundesohn Javitt, der noch immer hinter uns her ist!"

    „ Nur nichts überstürzen, Duff!, murrte Craighton. Ein Schatten fiel über Jim. Eine Hand krallte sich in sein schwarzes Haar, das er fast schulterlang wie ein echter Indianer trug. Sein Kopf wurde herumgedreht, bis er wieder in Craightons verkniffenes Gesicht schauen musste. „Sag, dass du gelogen hast! Wenn wir hier wirklich mit leeren Händen abziehen müssen, wirst du’s am meisten bedauern, das schwöre ich dir!

    Jims Rechte zuckte hoch. Das Messer blitzte in der Sonne. Mit einem heiseren Aufschrei fuhr Craighton zurück und presste beide Hände vors Gesicht. Jim federte katzenhaft in die Höhe und schwang die Klinge. Da fielen die vier anderen abermals wie ein Rudel Wölfe über ihn her. Das Messer wurde ihm entwunden. Unter erbarmungslos prasselnden Schlägen brach er schließlich zusammen. Der schwarze Stahlring einer Coltmündung schob sich vor sein Gesicht. Der Metallhahn knackte unter dem Daumen. „Gute Reise, Mescalero!", höhnte der Hagere mit dem Schnurrbart.

    „ Halt, Duff!, keuchte Cole Craighton. „Die Rechnung ist zu billig für ihn! Dafür bezahlt er höher, der Dreckskerl! Er hatte die Hände vom Gesicht genommen. Sie waren blutig. Ein langer Schnitt lief ihm von der rechten Schläfe bis zum Kinn hinunter. Schmerz und Hass brannten in seinen Augen.

    „ Cole, wir haben ’ne Menge Zeit verloren!, meldete sich ein gedrungener Bandit, der einen goldenen Ring am linken Ohr trug. „Wer weiß, wie weit Javitt schon aufgeholt hat! Dieser mit allen Wassern gewaschene Schießer ist doch glatt imstande, uns der Reihe nach aus dem Hinterhalt abzuknallen, um von Slater die ausgesetzten Prämien zu kassieren.

    „ Das wird er nicht!, knirschte Craighton. Er hatte nur noch Augen für Jim – Augen, die verrieten, dass er an das Gold schon nicht mehr dachte. Er deutete herrisch auf den im Staub liegenden, zusammengeschlagenen jungen Mann. „Das Halbblut und Javitt – wir erledigen sie beide mit einem Schlag. Der eine wird der Köder für den anderen sein. Fesselt ihn! Steckt die Hütte in Brand! Der Rauch wird Javitt in die Falle locken. Er ist schon jetzt so gut wie tot. Nur weiß er es noch nicht.

    *

    Vor der Rauchsäule der brennenden Hütte hielten die drei Reiter Bügel an Bügel und starrten teuflisch grinsend auf den Kopf vor ihnen im Sand. Es war ein gespenstischer Anblick, der einem ahnungslosen Mann einen Schauder über den Rücken jagen konnte: nur dieser Kopf, der wie mit einem glatten Hieb vom Rumpf abgetrennt wirkte.

    Die Banditen hatten die Mühe nicht gescheut, Jim Kennon bis zum Hals einzugraben. Sein Körper war wie von einem riesigen Schraubstock umspannt, in dem er nicht einmal den kleinen Finger bewegen konnte. So musste er aufrecht gefesselt in der Erde stehen,

    barhäuptig der sengenden Sonnenglut ausgeliefert.

    Schon jetzt lief ihm der Schweiß in Strömen übers Gesicht, und seine Kehle trocknete aus. Von den zusammenkrachenden flammenübersäten Trümmern der Hütte, die seinen Eltern zum Grab geworden war, wirbelten Funken und Ascheteilchen bis zu ihm her. Fliegen umsummten seinen Kopf, aber er konnte nichts tun, um sie zu verscheuchen.

    Cole Craighton, die Ellenbogen lässig auf das steile Sattelhorn gestützt, musterte ihn höhnisch. Die Messerwunde in seinem Gesicht war mit einem breiten Pflaster verklebt.

    „ Kommt jetzt die große Reue, Mescalero, he? Lass dir nur die Zeit nicht lang werden! Es wird noch ’ne Weile dauern, bis unser alter Freund Brent Javitt hier auftaucht. Hoffentlich bist du dann noch so fit, um ihm wenigstens Grüße von uns zu bestellen. Merk dir nur gut unsere Namen, Halbblut: Cole Craighton, Duff Hoogan und Neill Tucker! Die beiden Hombres, die da oben zwischen den Felsen stecken, heißen Lew Barrow und Clint Kinsman. Sie werden Javitt zur Hölle befördern, wenn er anfängt, dich hier auszubuddeln. Und genau das wird er! Nicht, weil ihm was an einem Apachenkerl liegt! Er wird nur von dir erfahren wollen, was sich hier abgespielt hat. Für den zählt jeder Fingerzeig, wie er uns am besten erwischen kann! Aber diesmal läuft das Spielchen umgekehrt. He, Lew, Clint! Alles okay da oben?"

    Ein raues Auflachen schallte zurück. „Er kann kommen, Cole! Wie auf ’nem Präsentierteller werden wir ihn vor unseren Gewehren haben! ’ne todsichere Sache! Sorgt ihr nur dafür, dass ihr eine einigermaßen deutliche Fährte hinterlasst. Dann kommt er gar nicht erst auf die Idee, dass ihn hier jemand erwartet."

    Craighton nickte zufrieden.

    Der schnurrbärtige hagere Duff Hoogan blinzelte ihm zu. „Der arme Junge wird Durst bekommen. Da sollten wir was tun, Cole, meinst du nicht auch?"

    Er schnallte die lederüberzogene Wasserflasche vom Sattel los, schüttelte sie am Ohr und lauschte grinsend auf das Gluckern. Das alte gemeine Lächeln kehrte auf Craightons Miene zurück. Er nickte Hoogan zu. Der schleuderte die Flasche mit einem knappen Schwung aus dem Handgelenk zu Jim hinüber. Sie blieb nur wenige Handbreit vor Jims Gesicht im Sand liegen.

    „ Bedien dich nur, wenn es dir zu heiß und zu trocken wird, Rothaut! Und jetzt – adios! Es war uns ein Vergnügen!"

    Sie lachten gemein und rissen auf der Stelle die Pferde herum. Eine dichte Staubwolke wogte auf Jim zu. Er musste die Augen schließen. Wie Donnergrollen hörte er die Hufe der Banditenpferde. Die Erde, in der er gefangen war, zitterte. Als er die Augen öffnete und sich der Staub verzog, sah er nur noch die Hufabdrücke, die in schnurgerader Linie aus der Senke fortliefen. Niemals hatte sich Jim in diesem rauen, öden Land, über dem sich ein bleierner, glutüberhauchter Himmel spannte, so einsam gefühlt. Das Knacken und Knistern des Brandes war das einzige Geräusch.

    Stunden verrannen. Jim jedoch kam es vor, als wollte der Tag nicht mehr zur Neige gehen. Er konnte nicht einmal den Versuch unternehmen, sich aus der festgetretenen, knochenharten Erdmasse zu befreien. Die Arme waren ihm auf den Rücken geschnürt, die Füße straff zusammengebunden. In dieser grausamen Klammer drohten ihm allmählich die Glieder abzusterben. Er wartete auf das ferne Pochen, von Hufen, das den Mann ankündigen würde, dem die Falle der Banditen galt. Aber die kahlen Hügel und Berge in der Runde blieben still, leer, wie ausgestorben. Durst und Hitze waren kaum noch zu ertragen. Jims Gedanken verwirrten sich, gaukelten ihm grellfarbene Bilder vor: er mit seinem Vater auf Pferdejagd, seine Mutter am steingemauerten Herd in der Hütte, wenn er und sein Vater wieder einmal einige gezähmte Broncos ablieferten. Und immer wieder die Gesichter von Craighton, Hoogan und Tucker, ihr Hohngelächter und das Schimpfwort Bastard, das ihm in den Ohren gellte. Schließlich versank alles in dumpfer Leere. In seiner halben Bewusstlosigkeit blieb nur noch eins: das quälende Verlangen nach frischem, kühlem Nass.

    „ He, Rothaut, du wirst doch nicht schon schlappmachen!" Der rostig klingende Ruf riss ihn aus seinem Dahindämmern. Er sah die Gestalt des Mannes zwischen den Felsen über der Hütte wie durch Nebelschleier. Der Bandit schwenkte lachend eine bauchige Flasche. Mitten in dieses Lachen hinein knallte ein Schuss. Er hörte sich an wie ein Peitschenhieb. Jim starrte mit vor Staub und Hitze rotgeäderten Augen zu dem Desperado hinauf, der auf einmal steif wie ein Pflock dastand.

    „ Clint!", gellte es irgendwo fassungslos und entsetzt. Die Flasche löste sich aus der ausgestreckten Hand und klapperte über Geröll. Der Kerl machte eine Bewegung, als wolle er sich mühsam umdrehen. Da sackte er auch schon zusammen wie eine Marionette, deren Fäden plötzlich zerschnitten wurden. Alles war wieder leer und still da oben.

    *

    Javitt! wollte Jim schreien, aber er brachte nur ein unverständliches Gekrächze hervor. Er fühlte wieder die Schwäche kommen und wehrte sich verzweifelt dagegen. Sein Blick suchte fiebrig die Höhen ab, so weit er nur den Kopf drehen konnte. Nirgends eine Bewegung! Kein Laut!

    Die Minuten wurden zur Ewigkeit. Plötzlich krachte es wieder.

    „ Javitt, du Teufel!, heulte der zweite Bandit. Dann schmetterten Schüsse in rasender Reihenfolge. Danach Stille. Jims Herz hämmerte hart und wild. Droben zwischen den Felsen zerflatterte Pulverdampf im gleißenden Licht. Ein Stein kollerte. Dann ein kratziges Geflüster: „Javitt? He, hab’ ich dich erwischt, du Hundesohn?

    Jemand lachte leise. „Eingebildet bist du wohl gar nicht, du alter Halsabschneider, was?" Eine Verwünschung folgte. Dann brühte wieder ein Revolver los. Jim sah einen Schatten zwischen den Felsen huschen. Mündungsblitze zuckten. Nur einen Yard neben seinem Kopf spritzte plötzlich eine Fontäne aus Sand und Steinen in die Luft. Jim hörte den klatschenden Einschlag. Die nächste Kugel wischte mit heißem Luftzug an seinem Gesicht vorbei und grub eine Furche in den Sand. Die Kehle war ihm wie zugeschnürt. Der nächste Schuss schon konnte ihn mitten in den Kopf treffen. Ein Mann hetzte geduckt in die Senke herab. Sein unrasiertes knochiges Gesicht war von Wut und Angst verzerrt. Der Colt in seiner vorgereckten Faust deutete auf Jim.

    „ Javitt, gib es auf, wenn du nicht willst, dass ich ihn vor deinen Augen erschieße! Die letzte Strecke zu Jim legte er stolpernd und schwer atmend zurück. Glitzernde Schweißbahnen überzogen sein zerwühltes Gesicht. Die Coltmündung über Jim schien ins Riesenhafte zu wachsen. „Javitt, hörst du? Verschwinde! Die Stimme des Banditen besaß kaum noch etwas Menschliches. Geduckt und schwankend wie ein Betrunkener stand er dicht vor dem Wehrlosen. Nur der bläulich schimmernde Stahllauf, der aus seiner Faust ragte, bewegte sich keinen Zoll.

    Auf dem Höhenrücken rührte sich nichts. Die Brust des Verbrechers hob und senkte sich unter heftigen Atemzügen. „Javitt, zum Teufel, melde dich! Ich schwöre dir, er wird dran glauben, wenn du nicht ..."

    „ Du Narr!, konnte Jim mühsam hervorwürgen. „Drück ab, dann wirst du nie erfahren, wo das Gold steckt. Ich habe Craighton belogen. Der Minenstollen am Fluss steht nicht seit Jahren leer.

    Der Atem des Banditen stockte für einen Moment. Dann beugte er sich tiefer zu Jim hinab. Er stank nach Schweiß, Schmutz und Schnaps. „Alle Teufel! Was redest du da?"

    „ Schlag Javitt ein Geschäft vor! Das Gold reicht für euch beide!, keuchte Jim. „Und ich ...

    Der Kerl warf sich vor Jim auf die Knie. Mit seinem zuckenden Gesicht sah er aus wie ein Irrer. „Red schon, Mescalero! Wo habt ihr’s versteckt? Wo ...?" Seine Coltmündung geriet aus der Richtung. Es war nur ein Moment. Aber da peitschte es schon bei den Felsen. Ein Pulverwölkchen trieb wie ein Wattebausch aus dem Schatten. Der Oberkörper des Banditen wurde wie von einem Fausthieb nach hinten gestoßen. Sein Colt entlud sich donnernd, aber die Kugel fauchte wirkungslos an Jim Kennons Kopf vorbei. Dann lag der Desperado schon auf dem Rücken und regte sich nicht mehr.

    Wieder war es eine Weile so still, dass Jim schon glaubte, der fremde Revolvermann sei einfach auf und davon geritten, ohne sich noch um ihn zu kümmern. Dann tauchte droben zwischen den Sandsteinklötzen ein großer, sehniger Mann auf, der zwei tiefgeschnallte Revolver an gekreuzten Gurten trug. Er schleppte die schlaffe Gestalt des ersten Banditen an den Füßen hinter sich her. Wie ein Stoffbündel zog er den Toten den sandigen Hang hinab.

    „ Hallo!, sagte er mit einem scharfzügigen Lächeln zu Jim, während er die leblosen Beine achtlos in den Staub klatschen ließ. „Du hast ihn prächtig abgelenkt, mein Junge! Dein Glück! Sonst würdest du vielleicht jetzt nicht mehr leben. Schließlich ist jeder dieser Halunken für mich zweihundert Dollar wert. Er ging steifbeinig zu dem Mann, der vor Jim lag, warf nur einen Blick auf ihn und zuckte gleichmütig die Achseln. „Nicht ganz geklappt, was? Well, die Zeichen, die mir diese Burschen hinterließen, waren für so einen alten menschenjagenden Wolf wie mich auch zu deutlich! Vierhundert Dollar – immerhin etwas!"

    Er zog ein dünnes schwarzes Zigarillo aus der Hemdbrusttasche, biss die Spitze ab und klemmte es zwischen die Zähne. Sein Gesicht war kantig, wettergebräunt und von dunklen Linien durchfurcht, die wie Narben wirkten. Trotzdem konnte der Mann nicht viel älter als vierzig sein.

    „ Wasser!", krächzte Jim, der kaum richtig hingehört hatte.

    Brent Javitt starrte ihn erst jetzt genauer an. Seine Brauen zogen sich zusammen. Er riss ein Schwefelholz am rechten Coltknauf an und steckte das Zigarillo in Brand. „Hm, mit Burschen deiner Hautfarbe habe ich bisher stets nur ’ne Menge Ärger gehabt", sagte er gedehnt, und sein Blick erinnerte Jim auf einmal an Cole Craightons Raubvogelaugen.

    „ Ich bin zur Hälfte ein Weißer wie Sie!, stieß Jim hervor. „Die Burschen, hinter denen Sie her sind, haben meinen Vater und meine Mutter ermordet, weil ... Plötzlich konnte er nicht mehr. Vor seinen Augen begann sich alles zu drehen, schneller und immer schneller.

    „ Nicht doch, Muchacho!, hörte er Javitts Stimme weit entfernt. „So ein zäher, eisenharter Bursche, wie du einer bist, wird sich doch zum Schluss nicht noch unterkriegen lassen! Der Hals einer Flasche wurde ihm an die aufgesprungenen, trockenen Lippen gedrückt. Er trank gierig. Viel zu rasch setzte Javitt die Flasche wieder ab. Dann merkte Jim verschwommen, wie der Revolvermann begann, ihn auszugraben.

    Jim spürte eine Hand auf der Schulter, die ihn auf die hartgebackene Erde drückte.

    „ Kein Ton, Muchacho, sonst werden wir verdammt schnell beim alten Pferdefuß in der Hölle die Kessel heizen! Sie suchen uns!"

    *

    Es war nur ein Zischen dicht an Jims Ohr.

    Er schlug die Augen auf. Samtschwarzer Himmel, an dem die Sterne wie eine Million Leuchtkäfer glühten, wölbte sich über spitzen Felsnadeln und klobigen Steinmonumenten.

    Brent Javitts scharfgeschnittenes Gesicht entfernte sich langsam von Jim. Der Druck auf seiner Schulter ließ nach. Jim blieb reglos liegen und lauschte. Hufe klapperten ganz in der Nähe auf hartem Untergrund.

    Javitt kauerte, wie zum Sprung geduckt, vor einer schwarzen Mauer schulterhoher Mesquite- und Kreosotbüsche. Beide Hände hatte er nun auf die Revolvergriffe gesenkt. Er lächelte auf jene piratenhafte Art, die Jim bereits kannte, als sich die Hufschläge im Gewirr der Felsen und Senken entfernten. Jim war mit einem Satz auf den Beinen. Im selben Moment packte ihn auch wieder die Schwäche. Aber er ließ sich nichts anmerken, biss die Zähne zusammen und rannte zur Felsbarriere, die den Hang wie ein Wall abgrenzte. Bleiches Mondlicht füllte das Tal unter ihm. Er sah gerade noch drei Reiter hintereinander in die pechschwarze Mündung eines Canyons eintauchen. Das Gefunkel der Silberbeschläge an ihren schweren mexikanischen Bocksätteln wurde wie von Geisterhand ausgelöscht.

    Jim zuckte zu Javitt herum. „Das sind sie!"

    „ Natürlich! Der sehnige Revolvermann erhob sich geschmeidig. „Sie haben vergeblich auf Barrow und Kinsman gewartet. Jetzt wollten sie’s genau wissen! Mit einer knappen Kopfbewegung wies er zu den drei Pferden hinüber, die sich nur undeutlich vor der Buschmauer abhoben. Auf zwei von ihnen waren die beiden toten Banditen wie dunkle Stoffbündel festgebunden. Unwillkürlich stieß Jims Rechte zur Hüfte hinab. Mit wilder Befriedigung stellte er fest, dass er seinen Revolver wieder in der Holster trug. In seinen dunklen Indianeraugen flammte es auf.

    „ Worauf warten wir dann noch, Javitt?"

    Brent Javitt schüttelte langsam den Kopf. „Jetzt, sind sie gewarnt und gefährlich wie angeschossene Tiger. Ein denkbar schlechter Zeitpunkt. Glaub mir, mein Junge, ich lebe nur deshalb noch, weil ich es immer verstanden habe, Ort und Zeit eines Kampfes selbst zu bestimmen. Craighton, Hoogan und Tucker zu unterschätzen, das würde Selbstmord bedeuten!"

    „ Sie wollen sie einfach entkommen lassen?, keuchte Jim und beugte den Oberkörper weit vor. „Obwohl Sie schon über hundert Meilen auf ihrer Fährte geritten sind?

    Javitt zuckte ruhig die Achseln. Seine Miene war ausdruckslos. „Ein Mann muss seine eigenen Grenzen genau kennen. Erst dann ist er ein Mann."

    „ Zur Hölle! Diese Mörder haben meine Eltern gnadenlos zusammengeschossen, einen alten Mann und eine Frau, die nichts weiter wollten als hier draußen in Frieden leben! Wenn Sie die Jagd aufgeben, Javitt – meinetwegen! Aber ich werde keine Stunde mehr Ruhe finden, ehe ich nicht ..."

    „ Mach dir doch nichts vor, Muchacho! Du kannst dich ja nicht mal richtig auf den Beinen halten. Kein Wunder nach dem Tag, der hinter dir liegt. Du bist jung und wild, das ist alles. Aber das reicht noch lange nicht."

    „ Nur zu!, zischte Jim. „Reden Sie sich nur alles von der Seele.

    Javitt deutete ungerührt auf Jims Holster, das ziemlich hoch an dessen Hüfte hing. „Obendrein fehlt dir das Wichtigste: Du bist kein Mann, der es mit dem Schießeisen in der Faust mit Kerlen wie Craighton und seinen Kumpanen aufnehmen kann."

    „ Wenn Sie sich da nur nicht irren", knirschte Jim und riss den Revolver heraus. Die Mündung zeigte auf Javitts Brust.

    Der Revolvermann stand wie versteinert. Seine schmalen Lippen bewegten sich kaum, als er leise sagte: „Nicht schlecht! Aber für dieses Mördertrio noch lange nicht gut genug."

    „ Das will ich herausfinden. Ich nehme jetzt Ihren Wallach und verschwinde. Strengen Sie sich nur nicht mehr an, mir das auszureden. Abschnallen, Javitt! Ich meine es höllisch ernst!"

    Javitts Augen wurden ganz eng. „Jetzt überspannst du den Bogen, mein Junge."

    „ Wird’s bald!"

    *

    Javitt begann langsam, die Gurtschnallen zu öffnen. Jim ließ ihn keinen Sekundenbruchteil aus den Augen, bis die schweren Waffen des Revolvermannes im Sand lagen. Von den Hufschlägen der Banditengäule war längst nichts mehr zu hören. Der Gedanke, dass sich ihr Vorsprung von Sekunde zu Sekunde vergrößerte, ließ Jims Herz hart und schmerzhaft pochen. Er ruckte drohend mit dem Revolver. „Drei Schritte zurück, Javitt!"

    Über Brent Javitts Lippen kam kein Ton mehr. Er gehorchte diesmal widerstandslos. Jim glitt zu den Pferden. Seine dicksohligen Apachenmokassins knirschten leise im Sand. Javitts hochbeiniger brauner Wallach ließ ihn ruhig herankommen. Jim bückte sich, um dem Tier die Lederfesseln von den Vorderbeinen zu lösen. Da sagte Javitt mit ätzender Schärfe: „Genau die Dankbarkeit, die ich von einem schäbigen Halbblut hätte erwarten sollen!"

    Wie von einer Klapperschlange gebissen, fuhr Jim hoch. Sein Gesicht hatte sich schmutziggrau gefärbt. Seine Rechte war hart um den Revolverkolben gekrampft. Javitt starrte verächtlich zu ihm herüber. Es war genau dieser Ausdruck, den Jim zuletzt bei Craighton gesehen hatte und den er schon nicht mehr ertragen konnte. Mit langen Schritten, wie in Trance, ging er über den freien Platz zu Javitt hinüber. So nahe, dass seine Revolvermündung Javitts Bauch berührte. „Sag nie mehr dieses Wort zu mir, Revolverschwinger!", flüsterte er kehlig.

    Javitt lachte rau auf. „Was bist du denn anders als ein verdammter ...!"

    Jims Revolverlauf zuckte zum Schlag in die Höhe. Da fuhr ihm Javitts Faust in die Magengrube. Es war wie ein Huftritt, der Jim zurückstieß und in der Mitte zusammenklappen ließ. Javitt bewegte sich blitzschnell. Ehe Jim irgendwie reagieren konnte, sauste seine Handkante auf Jims Genick herab. Jim knallte mit dem Gesicht auf den Boden.

    Als er wieder richtig denken und sehen konnte, war sein Revolver fort, und Javitt hockte mit umgeschnallten Waffengurten auf einem Stein und brannte sich ein Zigarillo an. „Tut mir leid, Muchacho!, sagte er sanft. „Du hast mir keine andere Wahl gelassen. Siehst du jetzt ein, dass du noch ’ne Menge zu lernen hast, ehe du Wölfen wie Craighton und seinen Komplizen gegenübertrittst?

    Jim rappelte sich hoch und klopfte sich den Staub von Hose und fransenverziertem Wildlederhemd. Er vermied es, Javitt anzusehen. „Sind Sie nur noch hiergeblieben, um mir das zu sagen?"

    „ Das auch! Aber vor allem, um dich mit nach Rock Springs zu nehmen. Dort sitzt mein Auftraggeber Brod Slater, der mir vierhundert Dollar schuldet. Dort kannst du dich mit allem Nötigen versorgen, was du für die Zukunft brauchst. Allein bist du in diesem riesigen Sand und Steinhaufen, der sich New Mexico schimpft, hoffnungslos aufgeschmissen. Wir können uns auf dem Gaul abwechseln. Die Toten muss ich als Beweis für Slater mitnehmen. Wenn du willst, brechen wir sofort auf."

    Jim hob nun doch die Augen, um ihn überrascht anzustarren. „Sagen Sie bloß nicht, Sie stellen die Jagd ein und verzichten auf das restliche Kopfgeld, um mich in Sicherheit zu bringen!"

    Brent Javitt lächelte wölfisch hinter den Tabakschleiern. „Jeder Mann macht seine Fehler. Warum soll ich mir nicht auch mal einen leisten? Schließlich hab’ ich dich nicht aus der Klemme geholt, um dich dann auf eine noch dreckigere Tour vor die Hunde gehen zu lassen!" Er wurde gleich wieder ernst, erhob sich geschmeidig und kam rasch zu Jim. Er legte ihm eine Hand auf die Schulter und blickte ihn durchdringend an. „Hör zu, Muchacho, wie du vorhin gezogen hast, das war wirklich nicht übel! Du hast das Zeug zu einem tüchtigen Revolverkämpfer. Dafür hab’ ich ein Auge. Wir beide könnten ein Gespann werden, das die Dollars nur so scheffelt! Nein, keine Angst, ich will dich zu nichts verpflichten. Später kannst du dich immer noch nach Craighton, Hoogan und Tucker Umsehen. Aber erst einmal werde ich, wenn du willst, einen Mann aus dir machen, den keiner mehr ein dreckiges Halbblut zu nennen wagt. Auf dem Trail nach Rock Springs hätten wir für den Anfang genug Zeit dafür."

    Jim starrte ihm in die hellen Augen. Es war kein Falsch in ihnen. Außer Jims Vater war Brent Javitt der erste Weiße, der mit ihm wie mit seinesgleichen sprach, ohne auch nur die leiseste Spur jener überheblichen, kühlen Distanzierung in der Stimme.

    „ Well, was hältst du davon, Muchacho?"

    „ Eine ganze Menge!", erwiderte Jim rau.

    *

    Im einzigen Saloon der Eindutzendhäuserstadt Rock Springs herrschte auf einmal bleiernes Schweigen. Die beiden kräftigen, wie Weidereiter gekleideten Burschen an der Theke starrten gebannt auf die runde Tischplatte, auf die Brent Javitt mit einem lässigen Schwung die beiden Skalps geworfen hatte. Das Gesicht des schmächtigen Keepers lief grünlich an. Auf Zehenspitzen verschwand er, so schnell er nur konnte, in der angrenzenden Küche. Javitt lehnte sich auf dem Stuhl zurück, überkreuzte die ausgestreckten Beine auf der Tischkante und nippte an seinem Brandyglas. „Barrow und Kinsman!, erklärte er trocken. „Der Weg war zu lang und zu heiß, dass ich sie bis hierher hätte mitschleppen können. Sie finden Ihre Gräber dreißig Meilen westlich am Arroyo Bronco, Slater! Falls Sie daran interessiert sind, vorausgesetzt!

    Der Mann, der die ganze Zeit hindurch Javitt gegenüber wie hingeklebt auf dem Stuhlrand gekauert hatte, stemmte sich langsam in die Höhe. Er war groß, hager und besaß ein eingefallenes Gesicht, das einem Totenschädel glich. Strähniges graues Haar fiel verfilzt unter der flachen Krempe seines Stetsons hervor. Seine tiefliegenden, unstet flackernden Augen waren unverwandt auf den Revolvermann gerichtet. Seine Stimme hörte sich wie das Rascheln von Sandpapier an. „Und die anderen? Craighton, Tucker, Hoogan?"

    Brent Javitt schnippte mit Daumen und Mittelfinger der linken Hand. In der rechten hielt er noch immer das Glas. „Sie haben genau sechshundert Dollar gespart, Slater! Zweihundert für jeden, so war’s abgemacht! Rücken Sie jetzt endlich mit den vierhundert heraus, die ich mir verdient habe! Dann kann ich mir endlich ein tüchtiges Steak, ein heißes Bad und ein frisch bezogenes, sauberes Bett leisten. Etwas anderes interessiert mich augenblicklich nicht, verstehen Sie?"

    „ Den Teufel verstehe ich!, zischte Brod Slater wie eine Klapperschlange. „Barrow und Kinsman, das waren nur die kleinen Fische unter diesen Banditen, die meinen Bruder ermordet haben. Die anderen, auf die kam es an!

    „ Zweihundert für jeden, ohne Unterschied!, lächelte Javitt kalt in Slaters hohlwangiges, fahles Gesicht hoch. „Ich warte, Slater! Er stellte das halbvolle Glas mit Nachdruck auf die Tischplatte nebenan und ließ die Hand neben den Stuhl fallen, wo das rechte Coltholster von seinem Gurt baumelte. Die zwei Männer an der Theke lösten sich von der Messingleiste und duckten sich leicht. Dabei starrten sie zu Slater hin, als warteten sie nur auf sein Zeichen. Slater packte die Skalps und schleuderte sie wütend auf den mit Sägemehl bestreuten Bretterboden.

    „ Und das alles nur, weil Sie diesen Burschen da draußen im offenen Land aufgegabelt hatten und sich für ihn verantwortlich fühlten?" Sein langer, spitzer Zeigefinger stach in Richtung Tür. Dort lehnte Jim Kennon mit verschränkten Armen reglos an der Adobewand neben dem mit Perlenschnüren verhangenen Eingang. Mit seinem schwarzen langen Haar, dem Fransenhemd und den hochschäftigen Mokassins sah er wie ein reinblütiger Apache aus.

    „ Er ist mein Partner", sagte Javitt gelassen.

    Slater lachte schrill. „Fällt Ihnen nichts Verrückteres ein, Mann? Warum geben Sie nicht einfach zu, dass Sie auf einmal die Hose voll hatten vor Craighton und seinen Freunden? Aber damit sind auch die vierhundert Bucks für Sie futsch, Javitt! Jawohl, Sie hören schon richtig! Entweder alle oder keiner! Entweder tausend Dollar oder keinen Cent! Ja, nicht einmal das Schwarze unterm Daumennagel werden Sie bekommen! Ist Ihnen das endlich klar? Ich werfe doch mein gutes Geld nicht für ’nen Kerl hinaus, der nur halbe Arbeit leistet!" Er fuchtelte wild mit den knochigen Fingern in der Luft herum. Flimmernde Lichtpunkte geisterten in seinen Augen.

    Javitt veränderte seine Haltung keinen Zoll. „Sie vertrauen ein bisschen zu sehr darauf, dass Sie die größte Ranch in dieser

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