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Schuster, übernehmen Sie! 5 Berlin 1968 Kriminalromane
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eBook640 Seiten7 Stunden

Schuster, übernehmen Sie! 5 Berlin 1968 Kriminalromane

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Über dieses E-Book

Wieder einmal gibt es Schutzgelderpressungen bei Barbesitzern in West-Berlin. Aber diesmal gehen die Täter mit ungewöhnlicher Härte vor. Wer trotz massiver Drohung nicht zahlen will, wird kaltblütig ermordet. Da ist Bernd Schuster plötzlich in eine Geschichte verwickelt, die er sich so nicht vorgestellt hatte. Aber warum wurde der alte Barkeeper umgebracht? Er war doch nur ein kleiner Angestellter! Nicht nur die Kripo tritt auf der Stelle, auch Berlins bester Privatdetektiv findet sich nicht zurecht…

 

 

Schuster, übernehmen Sie! 5 Berlin 1968 Kriminalromane

Berlin 1968 – Band 46 bis 50

von Tomos Forrest & A. F. Morland & Wolf G. Rahn

 

Der Umfang dieses Buchs entspricht 548 Taschenbuchseiten.

 

Diese Band enthält folgende Romane:

Tomos Forrest & A. F. Morland: Blutige Spur durch Berliner Bars Berlin 1968 – Band 46

Tomos Forrest & A. F. Morland: Jagd auf "Big Boss" Berlin 1968 – Band 47

Tomos Forrest & A. F. Morland: Hamburg kann tödlich sein! Berlin 1968 – Band 48

Tomos Forrest & Wolf G. Rahn: Mörderischer Urlaub am Teufelssee Berlin 1968 – Band 49

Tomos Forrest & A. F. Morland: Um Millionen – Mord inklusive! Berlin 1968 – Band 50

SpracheDeutsch
HerausgeberBEKKERpublishing
Erscheinungsdatum27. Nov. 2021
ISBN9798201525835
Schuster, übernehmen Sie! 5 Berlin 1968 Kriminalromane
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Autor

A. F. Morland

A. F. Morland schrieb zahlreiche Romane und ist der Erfinder der Serie Tony Ballard.

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    Buchvorschau

    Schuster, übernehmen Sie! 5 Berlin 1968 Kriminalromane - A. F. Morland

    Schuster, übernehmen Sie! 5 Berlin 1968 Kriminalromane

    Berlin 1968 – Band 46 bis 50

    von Tomos Forrest & A. F. Morland & Wolf G. Rahn

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 548 Taschenbuchseiten.

    Diese Band enthält folgende Romane:

    Tomos Forrest & A. F. Morland: Blutige Spur durch Berliner Bars  Berlin 1968 – Band 46

    Tomos Forrest & A. F. Morland: Jagd auf „Big Boss"  Berlin 1968 – Band 47

    Tomos Forrest & A. F. Morland: Hamburg kann tödlich sein!  Berlin 1968 – Band 48

    Tomos Forrest & Wolf G. Rahn: Mörderischer Urlaub am Teufelssee  Berlin 1968 – Band 49

    Tomos Forrest & A. F. Morland: Um Millionen – Mord inklusive!  Berlin 1968 – Band 50

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker

    © Roman by Author

    Titel/Charaktere/Treatment © by Marten Munsonius & Thomas Ostwald, 2021

    Roman – Nach Motiven – by Tomos Forrest, 2021

    © dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

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    Blutige Spur durch Berliner Bars

    Berlin 1968 Kriminalroman Band 46

    von Tomos Forrest & A. F. Morland 

    Wieder einmal gibt es Schutzgelderpressungen bei Barbesitzern in West-Berlin. Aber diesmal gehen die Täter mit ungewöhnlicher Härte vor. Wer trotz massiver Drohung nicht zahlen will, wird kaltblütig ermordet. Da ist Bernd Schuster plötzlich in eine Geschichte verwickelt, die er sich so nicht vorgestellt hatte. Aber warum wurde der alte Barkeeper umgebracht? Er war doch nur ein kleiner Angestellter! Nicht nur die Kripo tritt auf der Stelle, auch Berlins bester Privatdetektiv findet sich nicht zurecht...

    1

    Eigentlich schien alles auf einen ruhigen Abend hinzudeuten.

    Bernd Schuster hätte ihn gern mit Franziska verbracht, aber die hatte sich mit einer Freundin verabredet. Dann scheiterte auch sein Versuch, seine siebzehnjährige Tochter Lucy zu einem gemütlichen Abend bei Pizza und Cola einzuladen. Lucy war ebenfalls mit einer Freundin verabredet – man wollte gemeinsam für eine Mathe-Arbeit büffeln. Also blieb Bernd noch im Büro sitzen und arbeitete sich durch ein paar alte Akten, als sein Telefon gegen 19 Uhr klingelte.

    Verwundert sah Bernd auf seine Armbanduhr, dann nahm er den Hörer ab.

    „Hier ist Michael Staudt, Herr Schuster", sagte eine vibrierende Stimme. Das hörte sich zweifellos nach Angst an.

    „Ja, Herr Staudt?", sagte Bernd Schuster. Der Mann war seit vierundzwanzig Stunden sein Klient. Bernd hatte versprochen, ihm zu helfen. Es hatte sich aber noch keine Möglichkeit ergeben, dieses Versprechen einzulösen.

    Wurde Staudt etwa schon ungeduldig? Auch solche Klienten gab’s hin und wieder. Denen sagte Bernd dann zumeist, dass gut Ding Weile brauche. Er konnte schließlich nicht hexen.

    „Was gibt’s, Herr Staudt?", fragte Bernd.

    Der Mann am anderen Ende des Drahtes druckste herum.

    „Immer frei von der Leber weg, ermunterte ihn Bernd Schuster. „Was haben Sie auf dem Herzen?

    „Hören Sie, Herr Schuster, es liegt mir fern, Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber es war vielleicht doch ein Fehler, Sie zu engagieren."

    „Finde ich nicht."

    „Sie sind bestimmt ein großartiger Privatdetektiv ... aber ... Naja, ich meine, selbst Sie können Ihre Augen nicht überall haben. Verstehen Sie mich?"

    „Nein, sagte Bernd, obwohl er sehr gut heraushörte, was Staudt wollte. „Drücken Sie sich ein bisschen klarer aus, verlangte er.

    „Also, es ist etwas im Gange, und ich war gestern bei Ihnen und bat Sie um Hilfe."

    „Kann sein, dass Sie’s nicht für möglich halten, aber daran erinnere ich mich noch."

    „Sehen Sie, und heute möchte ich Sie bitten, zu vergessen, dass ich bei Ihnen war. Ich habe die Angelegenheit zu eng gesehen und darauf etwas hysterisch reagiert. Mittlerweile hatte ich genug Zeit, mir die Geschichte in aller Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen. Ich denke jetzt, dass kein Grund vorliegt, deswegen gleich einen Mann wie Sie zu bemühen. Sie haben bestimmt Wichtigeres zu tun."

    „Zufälligerweise gerade nicht", gab Bernd Schuster ärgerlich zurück.

    Michael Staudt wollte ihn für dumm verkaufen, und dagegen hatte er etwas. Dem Vibrato seiner Stimme war unschwer anzumerken, dass er immer noch Angst hatte.

    Gestern hatte diese Angst Staudt in Bernds Büro getrieben, und heute veranlasste sie ihn, die Sache wieder abzublasen, weil er befürchtete, jene Leute, denen Bernd auf die Füße treten sollte, könnten von seinem waghalsigen Schritt Wind bekommen.

    „Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass wir einen Vertrag haben, Herr Staudt", sagte Bernd.

    „Wir werden keinen Richter brauchen, okay? Sagen Sie mir, was Sie von mir kriegen, und ich überweise den Betrag auf Ihr Konto. Ich möchte natürlich nicht, dass Sie durch meine Schuld einen Schaden haben."

    „Augenblick noch, Herr Staudt, sagte Bernd Schuster schneidend. „Sie scheinen mich für einen Hampelmann zu halten, der sich bewegt, wenn man Lust hat, an seinen Fäden zu ziehen. Hat man keine Lust, dann hängt er eben bloß an der Wand, und man kann ihn vergessen.

    „Aber Herr Schuster, ich ..."

    „lassen Sie mich bitte ausreden, Herr Staudt, fiel Bernd Schuster dem Klienten ins Wort. „Ich besitze keinen Kindergarten, sondern eine Privatdetektei, und wenn jemand, der zu mir kommt, heute weiß und morgen schwarz sagt, dann mache ich mir auch meine Gedanken.

    „Meine Güte, man wird doch noch seine Meinung ändern dürfen, Herr Schuster."

    „Sie haben sich innerhalb von vierundzwanzig Stunden um hundertachtzig Grad gedreht."

    „Na und? Niemand kann mir verbieten, über Nacht klüger zu werden."

    „Was für einen Grund haben Sie für diesen gewaltigen Kurswechsel, Staudt?, fragte Bernd eindringlich. „Hat man Sie inzwischen unter Druck gesetzt?

    „Nein. Nein, wie kommen Sie denn darauf?"

    „So etwas soll schon vorgekommen sein."

    „Ich schwöre Ihnen, es ist alles in Ordnung. Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen."

    „Was hat Sie veranlasst, Ihren Auftrag zurückzuziehen, Herr Staudt?, versuchte Bernd weiter in den angsterfüllten Mann zu dringen. „Befürchten Sie, man könnte ein Exempel statuieren?

    „Also ich kann mich doch noch frei entscheiden, oder?, begehrte Michael Staudt auf. „Ich kann einen Privatdetektiv engagieren, kann ihm den Auftrag aber auch wieder entziehen, und das tue ich hiermit. Tut mir leid, wenn Ihnen das nicht passt, aber Sie müssen sich damit abfinden.

    „Oh, so einfach geht das nicht, widersprach Bernd Schuster. „Ich mache Ihnen einen Vorschlag, Staudt. Ich setze mich jetzt in meinen Wagen, komme zu Ihnen, und dann sprechen wir das Problem in aller Ruhe durch.

    „Bleiben Sie, wo Sie sind, Schuster!", schrie Staudt mit schriller Stimme. Klar hatte der Mann Angst, und Bernd hoffte, sie ihm bei einem ausführlichen Gespräch nehmen zu können.

    Er legte auf und erhob sich, um sein Büro zu verlassen.

    2

    Der dunkelblaue Mercedes rollte in einer dämmerigen Seitenstraße aus. Zwei Männer verließen das Fahrzeug.

    Die Männer waren auf dem Weg zu Michael Staudt, denn es war richtig, was Bernd Schuster vermutete: Es sollte ein Exempel statuiert werden, damit nicht noch jemand auf die Idee kam, sich an einen Schnüffler zu wenden.

    Die beiden Männer waren nicht im Geringsten nervös. Für sie war das, was sie vorhatten, ein Job wie jeder andere. Ihre Gewissenhaftigkeit war beängstigend.

    Wo immer sie auftauchten, blieb ein Toter zurück, und die Polizei hatte einen Fall mehr, den sie unerledigt zu den Akten legen musste.

    Die beiden Profis schritten gelassen den Bürgersteig entlang.

    Sie erreichten den Notausgang eines Wohnhauses. Die Tür ließ sich normalerweise nur von innen öffnen, doch die beiden überlisteten die Sperre mit einem kleinen Trick und betraten unbemerkt das Gebäude, in dem Michael Staudt wohnte.

    Mit grüner Ölfarbe gestrichene Wände umgaben die Männer. Einer der beiden holte seine Pistole aus der Jacke und schraubte einen klobigen Schalldämpfer auf den Lauf.

    Sein Komplize hatte das bereits im Wagen erledigt. Er zog die Waffe nun ebenfalls, und dann stiegen sie die Treppe hoch. Auf weißen Feldern prangten große schwarze Ziffern, die verrieten, in welchem Stock man sich befand.

    Die Profis ließen die ersten drei Etagen hinter sich und erreichten die vierte Etage. Staudts Etage. Sie öffneten die Tür, die in den Gang führte.

    Stimmen. Schritte. Ein Mann und eine Frau begaben sich zum Fahrstuhl. Sie mit Schmuck überladen und grell geschminkt. Er übergewichtig, kurzatmig und schwitzend. Der dunkle Anzug hätte ihm gepasst, wenn er zehn Pfund weniger gewogen hätte.

    Die Frau war nervös und machte ihm Vorhaltungen, zu lange telefoniert zu haben. Seinen Einwand, es wäre ein geschäftlich sehr wichtiges Telefonat gewesen, ließ sie nicht gelten.

    Sie schimpfte über den Fahrstuhl, der nicht schnell genug zur Stelle war, meckerte über das scheußliche Muster der Krawatte ihres Mannes und ließ an seinem Anzug kein gutes Haar.

    Der Mann bewies, dass er eine Eselsgeduld hatte. Er ließ die Nörgelei seiner Frau gottergeben über sich ergehen. Sie schimpfte noch weiter, als sie in den Fahrstuhl stiegen, und als sich der Lift in Bewegung setzte, drang die keifende Frauenstimme immer noch durch die geschlossene Aufzugtür.

    „Die sollte zu mir gehören, sagte einer der beiden Gangster und grinste. „Ich würde ihr mit Vergnügen den Hals umdrehen.

    Sie setzten ihren Weg zu Michael Staudt fort. Vor seiner Tür blieben sie stehen, und einer der beiden nahm sein Werkzeug für das Schloss heraus.

    3

    Michael Staudt goss reichlich von der klaren Flüssigkeit in ein Glas. Er war ein schlanker Mann von etwa vierzig Jahren, hatte glattes, kurz geschnittenes Haar und sah gut aus.

    In seinem Schrank hingen jede Menge Anzüge, er besaß einen teuren Wagen, hatte Geld auf der Bank und keine Schulden. Eigentlich hätte er zufrieden sein können, und das war er auch bis vor Kurzem gewesen, doch nun hatte sich einiges geändert, und Staudt hatte Angst und Sorgen.

    Ihm gehörte eine Bar in Steglitz, in der er gute Umsätze erzielte. Das Lokal lag sehr günstig und verfügte über einen eigenen Parkplatz. Vor und nach den Kinovorstellungen herrschte Hochbetrieb in seiner Bar, und wenn jemand den Lärm einer ebenfalls nahen Disco nicht mehr ertragen konnte, wechselte er auch zu Michael Staudt über.

    Er verdiente auf seriöse Art gutes Geld und hatte eigentlich nie daran gedacht, dass über ihm düstere Wolken auftauchen könnten. Doch genau dazu war es gekommen.

    Mit dem Glas in der Hand wandte sich Staudt um. Sein Blick heftete sich auf das Telefon, und er hoffte, Bernd Schuster abgewimmelt zu haben. Wie hatte er bloß so verrückt sein können, dieses hohe Risiko einzugehen?

    Hatte er im Ernst geglaubt, Bernd Schuster könnte ihm so umfassend helfen, dass ihm keine Gefahr mehr drohte? Dieses Kunststück brachte nicht einmal Berlins bester Privatdetektiv zustande.

    Okay, Schuster konnte versuchen, an die Wurzel des Übels zu gelangen. Doch bis er sie erreichte, würde viel Zeit vergehen, in der jene Leute, die Staudt im Moment Kummer bereiteten, nicht untätig sein würden.

    Und sie würden mit Sicherheit nicht Bernd Schuster aufs Korn nehmen, sondern denjenigen, der den Privatdetektiv engagiert hatte. Der war ja schuld daran, dass Schuster ihnen Unannehmlichkeiten zu machen versuchte.

    „Schuster, bleib bei deinen Leisten und kümmere ich nicht um andere Fälle, brummte Staudt. „Ich will mit dir nichts mehr zu tun haben. Das ist mir zu gefährlich. Ich habe nur ein Leben, und das möchte ich behalten.

    Er setzte sein Glas an die Lippen und trank. Langsam schlenderte er durch das Wohnzimmer, das von einer fliederfarbenen Sitzgruppe beherrscht wurde. An der Wand zwischen den Fenstern hingen alte Bilder, die Staudt in einem Trödelladen entdeckt hatte. Sie zeigten Ansichten europäischer Städte: Wien, Rom, Paris, Lissabon.

    Staudt trat an eines der beiden Fenster und blickte auf die Straße hinunter. Obwohl der Betrieb seiner Bar um diese Zeit bereits auf Hochtouren lief, hatte er es sich zur Regel gemacht, erst gegen 21 Uhr dort zu erscheinen.

    Da das Lokal bis vier Uhr früh geöffnet hatte, verbrachte er noch genug Stunden dort. Auf der Straße rollte ein silbergrauer Wagen heran. Staudt gab es unwillkürlich einen Stich. Er atmete erst erleichtert auf, als er erkannte, dass es sich bei diesem Fahrzeug um keinen Mercedes 450 SEL handelte, denn diesen Exoten fuhr Bernd Schuster.

    Nervös drehte er sich um. Er leerte sein Glas und vernahm plötzlich ein metallisches Schnappen. Ein eisiger Schreck fuhr ihm in die Glieder. Seine Augen weiteten sich. Er hielt furchtsam an und lauschte.

    Machte sich jemand an der Wohnungstür zu schaffen? Wollte sich jemand Einlass in seine Wohnung verschaffen? Michael Staudt bekam eine Gänsehaut. Hatte man ihn etwa bereits auf die Abschussliste gesetzt?

    Beunruhigt stellte er das Glas auf einen Rauchtisch und schlich auf Zehenspitzen zur Wohnzimmer-Tür. Es kostete ihn einige Überwindung, sie zu öffnen.

    Unzählige Gedanken gingen ihm wie ein Mühlrad durch den Kopf. Man hatte keine Möglichkeit, sich in dieser Stadt vor verbrecherischen Elementen zu schützen.

    Die Chance, zu überleben, lag darin, dass man sich fügte. Doch genau das hatte Michael Staudt nicht getan, und dieser Ungehorsam sollte ihm, so meinte er, nun zum Verhängnis werden.

    Langsam schwang die Tür, von Staudts Hand bewegt, zur Seite. Er blickte in einen stillen, leeren Flur. Hatte er sich das metallische Schnappen nur eingebildet?

    Bei seiner hochgradigen Nervosität war das durchaus möglich. Er erschrak ja beinahe schon vor seinem eigenen Schatten. Aufgeregt biss er sich auf die Unterlippe, während er das Wohnzimmer verließ.

    Sein Ziel war die Wohnungstür. Er beabsichtigte, einen Blick durch den Spion zu werfen, um zu sehen, ob jemand draußen stand. Sein Herz schlug kräftig gegen die Rippen. Ein dünner Schweißfilm legte sich auf seine Stirn.

    Herrgott noch mal, welcher Teufel hatte ihn geritten, als er sich entschloss, Bernd Schuster einzuschalten! Er hätte doch wissen müssen, dass diese Leute ein Auge auf ihn haben würden.

    Er hatte bestimmt keinen Schritt tun können, über den sie nicht Bescheid wussten, und er hatte nichts Eiligeres zu tun gehabt, als sich zu Bernd Schuster zu begeben.

    So viel Dummheit musste sich ja rächen. Staudt erreichte die Tür. Vorsichtig brachte er sein Auge an den Spion, und er spürte eine große Erleichterung, als er feststellte, dass sich niemand draußen befand.

    Junge, du fängst an, dich selbst verrückt zu machen, sagte er sich, während er sich entspannte, doch im nächsten Augenblick übersprang sein Herz einen Schlag, denn ihm fiel auf, dass die Tür nur angelehnt war.

    Jemand hatte sich bereits Einlass in seine Wohnung verschafft und musste sich in einem der Räume versteckt haben, die man vom Flur aus erreichte! Diese Erkenntnis traf Michael Staudt mit der Wucht eines Keulenschlages.

    Er begriff sofort, dass er keine Sekunde länger in seiner Wohnung bleiben durfte. Blitzschnell riss er die Tür auf und wollte hinausstürmen, aber da traten die Männer aus der Küche.

    Er hörte sie und reagierte in seiner panischen Angst falsch. Statt loszuhetzen, wirbelte er herum, und als er in die Waffenmündung blickte, fing er an wie von Sinnen zu schreien.

    4

    Bernd Schuster fuhr mit dem Lift vom 14. Stock zur Tiefgarage hinunter. Er schloss seinen Mercedes auf, ließ sich hinter das Steuer fallen, gurtete sich an und startete den Motor.

    Augenblicke später rollte das Fahrzeug durch die Garage und auf die Auffahrt zu. Sobald Bernd Schuster die Kurfürstenstraße erreichte, musste er kurz warten. Er nützte die Zeit, um sich eine Roth Händle anzustecken, dann fädelte er sich in den Verkehr ein und schwamm im Strom nach Norden mit.

    Als Bernd die Gegend erreichte, drückte er die Zigarette im Aschenbecher aus. In einer Minute würde er das Haus erreichen, in dem Michael Staudt wohnte.

    Er war gespannt, wie sich Staudt verhalten würde. Würde er ihn gar nicht erst in seine Wohnung lassen, sondern ihm die Tür vor der Nase zuschlagen? Oder würde er sich überreden lassen, den Auftrag nicht zurückzuziehen und die Sache mit Courage durchzustehen?

    Bernd hielt bereits nach einer Parkmöglichkeit Ausschau. Kaum befand sich der Mercedes in der Parklücke, stoppte neben ihm ein Wagen mit kreischenden Rädern, und der Fahrer drückte wütend auf den Hupring.

    Bernd stieg aus. „Sehr schöne Hupe", sagte er.

    Der andere Autofahrer sprang aus seinem Wagen. „Verdammt noch mal, das gibt’s ja nicht! Ich fahre nur mal um den Block, und schon nimmt mir einer meinen Parkplatz weg."

    „Tut mir leid, sagte Bernd. „Damit müssen wir Berliner leben.

    „Wie wär’s, wenn Sie sich eine andere Parkmöglichkeit suchen würden, Herr?"

    „Denselben Vorschlag wollte ich gerade Ihnen machen", erwiderte Bernd Schuster und ging seines Weges.

    „Ich lass dir die Luft aus den Rädern, du sturer Hund!", schrie ihm der Mann nach.

    Bernd zuckte nicht einmal mit den Schultern. Er wusste, dass der Typ das nicht wirklich tun würde. Sollte er sich aber doch hinreißen lassen, dann hatte Bernd sich sicherheitshalber das Kennzeichen des andern gemerkt, damit er dafür sorgen konnte, dass der Bursche eine Menge Ärger kriegte.

    Bernd überquerte die Straße und betrat wenig später das Gebäude, in dem Staudt wohnte. Seine Schritte hallten von den Wänden wider, als er sich zum Fahrstuhl begab.

    Er fuhr zur vierten Etage hoch, orientierte sich kurz und steuerte dann die Tür von Staudt an. Als er läuten wollte, fiel ihm auf, dass die Tür nicht ganz geschlossen war.

    Sofort breitete sich ein unangenehmes Kribbeln zwischen seinen Schulterblättern aus. Michael Staudt hatte Angst, und ein Mann, der sich fürchtet, lässt seine Tür nicht offen, damit jeder, dem es gefällt, in seine Wohnung gelangt.

    Bernd tat zwei Dinge gleichzeitig: Er zog seine Pistole aus dem Schulterholster und drückte die Wohnungstür vorsichtig auf. Zunächst stieg ihm der Geruch von verbranntem Kordit in die Nase, und dann entdeckte er auf dem PVC-Belag Bluttropfen.

    „Herr Staudt?"

    Er bekam keine Antwort.

    Bernd beging nicht den Fehler, einfach loszustürmen. Wenn er die Zeichen richtig deutete, war Michael Staudt angeschossen worden, und vielleicht befand sich der Schütze noch in der Wohnung.

    Bernd ging an keiner Tür vorbei, ohne einen Blick in den Raum zu werfen, in den sie führte. Er war kein Freund von unliebsamen Überraschungen. Mit wachsender Spannung näherte er sich dem Wohnzimmer. Darauf führte die Blutspur zu.

    Als er seinen Fuß in den Raum setzte, spannte sich seine Kopfhaut. Er sah zwei Beine, und als er zwei weitere Schritte vorging, sah er den Mann: Michael Staudt.

    Er lag auf dem Bauch, seine Finger waren in den Teppich gekrallt. Mit gebrochenen Augen starrte er die weiße Wand an. Verletzt war er wahrscheinlich draußen im Flur worden.

    Er schaffte es noch, sich in sein Wohnzimmer zu schleppen. Vermutlich wollte er telefonieren, denn der Apparat stand nur einen Meter von ihm entfernt auf einem kleinen Tischchen. Er hatte ihn nicht mehr erreicht.

    Bernd beugte sich über die Leiche. Er drehte den Toten um. Sechs, sieben Kugeln hatten ihn getroffen. Ein Mörder mit zwei Waffen? Oder zwei Mörder?

    Im Moment mussten diese Fragen unbeantwortet bleiben. Mit der Waffe in der Hand richtete er sich auf.

    Da schnarrte hinter ihm jemand: „Keine Dummheiten, Mann, sonst geht’s dir schlecht!"

    5

    Bernd spürte einen Kloß im Hals. Er spreizte die Arme ab, denn er war sicher, dass der Mann hinter ihm eine Waffe in der Faust hielt, und er war nicht scharf auf eine Kugel.

    Langsam drehte er sich um, ohne dazu aufgefordert worden zu sein, und er spürte eine gewisse Erleichterung, als er sich zwei Polizisten gegenübersah. Sie zielten zwar mit ihren Dienstwaffen auf ihn, aber sie würden nicht abdrücken, wenn er ihnen keine Veranlassung dazu gab.

    Er hob die Hände. Die Polizisten verfolgten gespannt jede seiner Bewegungen. „Okay, Freundchen, sagte einer der beiden. „lass fallen!

    Bernds Finger öffneten sich, und die Pistole fiel auf den Teppich. Dem Polizist genügte das aber noch nicht. Er wedelte mit seiner Waffe.

    „Da hinüber! Hände an die Wand!"

    Bernd kam auch dieser Aufforderung folgsam nach. Er begab sich zur Wand und legte die Handflächen darauf.

    „Einen Schritt zurück!, verlangte der Uniformierte. „Und Beine grätschen!

    Bernd gehorchte.

    „Fritz, sieh mal nach, ob er sauber ist!"

    Fritz, der jüngere Beamte, näherte sich Bernd mit großer Vorsicht.

    Als er den Detektiv erreichte, setzte er ihm erst einmal die Waffe an die Rippen, und dann durchsuchte er Bernd so, wie man es ihm auf der Polizeischule beigebracht hatte.

    „Sauber", sagte Fritz.

    „Hätte ich euch gleich sagen können, bemerkte Bernd, „aber ihr hättet es mir nicht geglaubt.

    „Tja, unser Misstrauen hält uns am Leben, sagte der Uniformierte, der Fritz vorgeschickt hatte. „Warum hast du den Mann umgelegt?

    „Hab’ ich nicht, ich bin kein Killer", erwiderte Bernd Schuster barsch.

    „Bleib freundlich, Kleiner, sonst halsen wir dir zusätzliche Schwierigkeiten auf. Hast wohl nicht damit gerechnet, dass wir so schnell zur Stelle sein würden, wie?"

    „Ich bin Privatdetektiv. Der Tote war mein Klient", sagte Bernd wahrheitsgemäß.

    „So, so, ’n Schnüffler bist du also. Kannst du auch beweisen, was du behauptest?"

    „Sicher. Jede Menge Visitenkarten in der linken Brusttasche. Dazu mein Personalausweis. Genügt das?"

    „Nicht du holst sie raus, entschied der vorsichtige Polizist. „Fritz wird so freundlich sein, es für dich zu tun.

    „Ist mir recht", sagte Bernd Schuster, und der jüngere Beamte griff zu. Er warf seinem Kollegen die Brieftasche zu. Der warf nur einen kurzen Blick darauf und wurde dann blass.

    „Verdammt, entfuhr es ihm. „Da haben wir einen ganz schönen Bock geschossen. Es ist gut, Fritz, alles in Ordnung. Entschuldigen Sie, Herr Schuster. Mir kam Ihr Gesicht zwar irgendwie bekannt vor, aber wenn ein Mann mit ’ner Waffe in der Hand neben einer Leiche steht ... Ich hoffe, Sie verstehen das.

    „Aber natürlich, sagte Bernd. „Darf ich die Hände herunternehmen?

    „Ist doch klar", erwiderte der Polizist.

    Er gab Bernd seine Brieftasche zurück. Fritz hob die Pistole auf, schnüffelte aber noch einmal kurz daran und hielt sie dem Detektiv hin.

    „Nichts für ungut, Herr Schuster", sagte er verlegen.

    „Sie haben nur Ihre Pflicht getan", entgegnete Bernd Schuster und steckte Brieftasche und Pistole weg.

    „Freut uns, dass Sie das so sehen", sagte der ältere Polizist. Er nannte seinen Namen und den seines Kollegen. Bernd erfuhr von ihnen, dass einer der Nachbarn die Polizei alarmiert hatte, als Michael Staudt seine Todesangst herausbrüllte. Die Zentrale hatte die Meldung unverzüglich weitergegeben. Da die beiden mit ihrem Streifenwagen gerade in der Nähe gewesen waren, hatte es nur wenige Minuten gedauert, bis sie den Tatort erreichten.

    Der Detektiv erklärte ihnen, wie er den Fall sah und forderte sie anschließend auf, die Mordkommission zu verständigen.

    Die Männer vom Dezernat LKA 11 trafen zwanzig Minuten später ein. Angeführt wurden sie von Inspektor Horst Südermann, Bernds langjährigem Freund. Sein lautes Organ war im ganzen Haus zu hören.

    Als er die Wohnung betrat und Bernd sah, nickte er mit gesäuerter Miene. „Wie gehabt. Du stolperst schon wieder mal über Leichen."

    Bernd holte die Roth-Händle-Packung hervor und hielt sie dem Inspektor hin. „Sag mal, was ist denn das für eine Begrüßung?"

    Horst nahm sich unverschämter Weise gleich zwei Zigaretten. Eine steckte er sich hinters Ohr, das andere zwischen die Lippen. „Hast du Feuer?", fragte er den Freund.

    „Versprichst du mir, dass du sie wenigstens selber rauchst?, fragte ihn Bernd Schuster grinsend. Er brannte zuerst Horsts Zigarette an und dann seine. „Und was nun?, erkundigte er sich.

    Die Leute von der Spurensicherung schwärmten in der Wohnung aus. Scheinwerfer auf dünnen Stativen wurden aufgestellt, und man schoss die ersten Bilder von der Leiche.

    „Ich denke, du erzählst mir nun eine spannende Geschichte, sagte der übergewichtige Leiter der Mordkommission. Er wies auf den Toten. „Wer hat ihn erschossen?

    „Ich weiß nur, wer es mit Sicherheit nicht getan hat, gab Bernd zurück. „Ich.

    „Versuch bloß nicht, komisch zu sein. Das geht bei dir immer in die Hosen, sagte Horst unwillig. „Wie kommst du hierher?

    „Mit dem Wagen."

    „Interessant. Vielleicht sollte ich dir den Staatsanwalt auf den Hals hetzen, was hältst du von der Idee? Der kann Privatdetektive nicht ausstehen, wie du weißt. Warum sollte er dir das Leben nicht genauso schwermachen, wie du es mir machst? Also noch mal: Wie kommst du hierher?"

    „Mit dem ... Na schön, sagte Bernd schmunzelnd. „Michael Staudt war mein Klient.

    „Seit wann?"

    „Seit gestern."

    „Und heute bist du ihn schon wieder los."

    „Leider ja."

    „Mann, hast du einen Verschleiß. Aus welchem Grund hat er dich engagiert? Wenn du mich bei Laune halten möchtest, kommst du mir jetzt nicht damit, das würde unter dein Berufsgeheimnis fallen."

    „Warum denn so giftig? Ist dir was über die Leber gelaufen?"

    „Ja. Eine Laus namens Bernd. Meine Herren, ich habe so viel zu tun, dass ich nicht weiß, wo mir der Kopf steht, und da bescherst du mir auch noch eine Leiche."

    „Hör mal, wieso beschwerst du dich deswegen bei mir und nicht bei dem, der Staudt umgelegt hat?"

    „Würde ich furchtbar gern tun. Gibst du mir seine Adresse?"

    „Wenn ich die hätte, wäre ich bestimmt nicht mehr hier."

    „Ich kenne immer noch nicht den Grund, weshalb dich Staudt engagiert hat."

    „Er war Besitzer einer gutgehenden Bar."

    „Und?"

    „Clevere Gangster kamen auf die glorreiche Idee, ihn zur Kasse zu bitten. Sie wollten Schutzgeld von ihm erpressen, andernfalls würden sie ihm beweisen, wie dringend er ihren Schutz nötig hatte. Sie legten ihm nahe, mit seinen Sorgen nicht zur Polizei zu gehen."

    „Also ging er zu dir, und das nahm man ihm übel."

    „So sehe ich es", sagte Bernd. Er berichtete dem Inspektor von Staudts’ Anruf und dessen Absicht, ihm den Auftrag nach 24 Stunden schon wieder zu entziehen.

    „Er bekam es mit der Angst zu tun, sagte Horst. „Aber da hast du nicht mitgespielt, wie ich dich kenne. Wenn man dich einmal eingeschaltet hat, kann man dich nicht mehr abstellen.

    „Richtig. Das wollte ich Staudt klarmachen. Deshalb setzte ich mich in meinen Wagen und fuhr hierher. Leider hatte er vor mir schon Besuch."

    Horst nahm einen tiefen Zug von der Zigarette. „Wer hat ihn deiner Ansicht nach auf dem Gewissen, Bernd?"

    Bernd Schuster zuckte die Schultern.

    „Ich meine nicht den, der geschossen hat, sondern den, der den Auftrag erteilte", sagte der Inspektor.

    „Ich bin in den Fall erst gestern eingestiegen, entgegnete Bernd. „Bisher fand ich nur heraus, dass Michael Staudt nicht der einzige Barbesitzer ist, an den sich die Schutzgeldgangster wandten.

    „Das hatten wir doch erst kürzlich, und jetzt schon wieder Nachahmer?"

    „Scheint so, sagte Bernd. „Ich bin bereits etlichen Gesichtern begegnet, in denen ganz deutlich die Angst geschrieben stand.

    „Gibt es schon einen Plan, nach dem du den Fall aufzurollen gedenkst?", erkundigte sich der Inspektor.

    „Auf meinem Programm steht eine Tour durch alle in Frage kommenden Bars. Mal sehen, ob ich dabei fündig werde."

    „Ein Tipp, der deiner Leber gefallen wird: trink Fruchtsaft." Horst grinste.

    6

    Die Bar hatte den interessanten Namen „Pferdestall" und gehörte einem Mann, der ein nicht ganz astreines Leben hinter sich hatte: Lorenz Winter. Früher war er die Brutalität und Rücksichtslosigkeit in Person gewesen.

    Sein Name hatte in der Berliner Unterwelt einen gewissen Klang gehabt. Er war mit fast allen Bossen auf Du und Du gewesen, und sie konnten ihn jederzeit um einen Gefallen bitten.

    Einbruch, Raub und viele Gewaltdelikte gingen auf sein Konto. Gute Anwälte boxten ihn aber immer wieder geschickt aus der Klemme. Zeugen wurden eingeschüchtert, so dass sie vor Gericht umfielen, und so blieb es Lorenz Winter all die Jahre erspart, die Gastfreundschaft des Staates in Anspruch nehmen zu müssen.

    Als er auf die Vierzig zuging, wurde er etwas ruhiger. Bestimmt kam das auch daher, dass ihn eines Tages ein Konkurrent abzuservieren versuchte – und es beinahe geschafft hätte.

    Sechs Wochen lang lag er in der Intensivstation und rang mit dem Tod. Er sagte der Polizei nicht, wer auf ihn geschossen hatte, obwohl er es genau wusste.

    Da es ein offenes Geheimnis war, dass Hans Klausen die Schüsse abgefeuert hatte, wollte die Polizei dafür sorgen, dass der Mann nicht „zufällig" zu Schaden kam.

    Als die Polizei ihn abholen wollte, sprang er aus dem Fenster. So lautete die offizielle Version. Die inoffizielle wusste zu berichten, dass Hans Klausen aus dem Fenster geworfen worden war.

    Kein Selbstmörder schreit so markerschütternd, wie es Klausen getan hatte, als er in die Tiefe fiel. Als das geschah, lag Lorenz Winter immer noch im Krankenhaus, und es war unmöglich, ihm einen Mordauftrag anzuhängen.

    Nach dem Krankenhausaufenthalt zog sich Winter für ein Jahr aufs Land zurück. Er lebte in der Lüneburger Heide auf einem kleinen Resthof friedlich mit seinen engsten Freunden.

    Zwölf Monate später sah ihn Berlin wieder, und die Nachricht machte die Runde, dass er nicht mehr derselbe wäre. Vor dem Auge des Gesetzes brach er alle Brücken zu Verbrecherorganisationen ab. Jeder, der es hören wollte, erfuhr von ihm, dass er die Absicht hatte, ein neues Leben zu beginnen.

    Niemand wollte so recht glauben, dass sich Lorenz Winter unter dem Mäntelchen der Seriosität, das er sich umgehängt hatte, wohlfühlte, aber von krummen Touren kam keinem mehr etwas zu Ohren.

    Lebte Winter von nun an tatsächlich sauber? Oder war er nur noch vorsichtiger geworden? Winter kaufte sich in Rudow, Nahe der Waltersdorfer Chaussee, eine Bar.

    Geld besaß er genug, und so ließ er sie nach seinen Vorstellungen umbauen und gab ihr den Namen „Pferdestall". Als Gast war jeder willkommen, der bezahlen konnte.

    Winter verpflichtete gute Künstler, die bei ihm auftraten und für Stimmung sorgten, und er bewies ein Händchen fürs Geschäft, wodurch es ihm gelang, sich mit seiner Bar in Berlins Nachtleben sehr rasch zu etablieren, trotz der etwas ungewöhnlichen Außenlage in Rudow, im Amerikanischen Sektor. Wer hierher wollte, musste mobil sein oder mit der Taxe fahren, denn es gab keine U- oder S-Bahn-Verbindung bislang.

    Heute, zehn Jahre später, war Winters Lokal so etwas wie eine Institution, an der Bernd Schuster nicht vorbeigehen konnte, denn Lorenz Winter erzielte beachtliche Umsätze.

    Wenn die Schutzgeldgangster verrückt genug waren, hatten sie sich auch an ihn gewandt, um ihn zur Kasse zu bitten. Vielleicht waren es Newcomer, die nicht wussten, dass mit Winter immer noch nicht gut Kirschen essen war.

    Wer ihn sich zum Feind machte, tanzte auf einem Vulkan und spielte garantiert mit dem Leben, wenngleich Lorenz Winter das niemals zugegeben hätte. Die harte Welle von einst passte nicht mehr zu seinem heutigen Image, das er so sehr pflegte.

    Die Bar war gut besucht. Bernd Schuster betrat das Lokal, und Musik aus den Fünfzigerjahren begrüßte ihn. Auf einer Bühne standen fünf farbige Sänger, die die Doo-Wop-Gruppe The Platters imitierten. Soeben sangen sie den Welthit „Only you, und wenn man nicht hinsah, konnte man meinen, Lorenz Winter hätte tatsächlich diese legendäre Gesangsformation in seinen „Pferdestall geholt.

    Bernd steuerte auf die eiförmige Theke zu. Er enterte einen Hocker, befolgte Horst Südermanns Rat und bestellte sich einen Orangensaft. Der Mixer, schick gekleidet, in weißem Jackett mit korrekt sitzender Fliege, musterte ihn kurz und schien zu wissen, wen er vor sich hatte.

    Auch Bernd Schuster kam das Gesicht des Mannes bekannt vor. Er kramte in seinen Erinnerungen und sagte schmunzelnd: „Wie geht’s, Flinke Hand?"

    Der Bursche zuckte zusammen, als hätte ihm Bernd eine Ohrfeige gegeben. Sein Blick wieselte unruhig über die Gesichter der Gäste. Zum Glück hatte die Anrede niemand gehört.

    „Ist es dir peinlich, wenn ich dich mit deinem Spitznamen anrede?", fragte Bernd.

    Der Mann räusperte sich verlegen. „Nun ja, eine große Freude machen Sie mir damit nicht gerade."

    „Kann ich verstehen. Wie heißt du denn jetzt?"

    „Für Sie – nur Lars."

    Bernd grinste. „Aus alter Kameradschaft."

    „So ist es."

    „Siehst prächtig aus, Lars, sagte Bernd Schuster anerkennend. „Ist aus dir auch ein anderer Mensch geworden?

    „Ich hatte es satt, immer mit der Angst zu leben, erwischt zu werden."

    „Lorenz Winter scheint einen großartigen Einfluss auf dich auszuüben."

    „Er gab mir ’ne Chance, und ich hab’ sie genützt."

    „Das war das Vernünftigste, was du tun konntest, sagte Bernd lobend. „Ist Winter hier? Ich möchte mit ihm reden.

    „Augenblick", sagte Langfinger-Lars und begab sich zum Haustelefon. Bernd erinnerte sich noch sehr gut an die Zeit, als dieser Bursche alles mitgehen ließ, was ihm unter die Augen kam.

    Der Detektiv hatte dem einstigen Ganoven insgesamt dreimal zu einer Haftstrafe verholfen. Das war mindestens neun Jahre her, und Lars schien ihm das nicht mehr krummzunehmen.

    Wer ein Verbrechen verübt, muss damit rechnen, erwischt zu werden, wobei es ziemlich nebensächlich ist, ob von der Polizei oder einem rührigen Privatdetektiv.

    „Herr Winter erwartet Sie", sagte Lars.

    „Vielen Dank, sagte Bernd. Er wies auf seinen Drink. „Behalt ihn im Auge, damit ihn kein anderer kippt. Ich muss sparen.

    Lars wies in die Richtung, in die Bernd gehen sollte. Bernd Schuster kam an einem beachtlichen Dekolleté vorbei, und das Mädchen, dem es gehörte, machte ihm schöne Augen.

    An der Tür stand zwar „Büro", aber man gelangte nicht sofort zu Lorenz Winter. Der ehemalige Verbrecher wusste aus Erfahrung, dass viele Menschen schlecht sind, deshalb hatte er eine Sicherheitszone eingerichtet.

    Es war ein kleiner Raum mit drei Sesseln, die um einen niedrigen Tisch gruppiert standen. Zwei Sessel waren besetzt. Das änderte sich jedoch, sobald Bernd Schuster die Tür öffnete, da sprangen die beiden Kerle nämlich hoch.

    Es hatte den Anschein, als wär’s nur ein Mann, der sich neben einem Spiegel erheben würde, denn die zwei Knaben sahen völlig gleich aus. Bernd wusste, wen er vor sich hatte: die Sorokin-Zwillinge.

    Einer hieß Fjodor, der andere Lew. Welcher von beiden wer war, wussten wahrscheinlich nur sie selbst. Man nannte sie die Ungarn, die Magyaren, oder auch, mangels anderer Hinweise, schlicht – die Russen. Die Behörden waren davon überzeugt, dass sie einigen Dreck am Stecken hatten, doch bisher hatte es noch niemand geschafft, ihnen das nachzuweisen, und vor dem Gesetz ist man so lange unschuldig, bis einem die Schuld bewiesen wurde.

    Bernd war der Ansicht, dass sich Lorenz Winter keinen guten Dienst damit erwies, die beiden als Bodyguards zu beschäftigen. Das waren gleich zwei Schmutzflecken auf der weißen Weste des ehemaligen Gangsters.

    Die Zwillinge machten kein Hehl daraus, dass sie etwas gegen Bernd hatten. Er nahm ihnen das nicht übel, konnte ihre Abneigung verstehen. Als Lew oder Fjodor die Nase rümpfte, fragte Bernd grinsend: „Was ist? Hat mich mein Deodorant im Stich gelassen?"

    „Tragen Sie eine Waffe?", wollte Fjodor oder Lew wissen.

    „Ist ja klar. Muss ich wohl, solange Typen wie ihr in dieser Stadt frei herumlaufen."

    Es blitzte in den Augen der Zwillinge auf. „Her mit der Waffe", verlangte einer der beiden.

    „Keine Sorge, ich bin nicht hier, um eurem Boss mein Monogramm in den Bauch zu schießen."

    „Wir lassen niemand mit ’ner Waffe zu ihm."

    „In meinem Fall werdet ihr eine Ausnahme machen."

    „Garantiert nicht", knurrte entweder Fjodor oder Lew.

    „Freunde, euch fehlt der Überblick. Ihr müsst allmählich zu unterscheiden lernen, wem man trauen kann und wem nicht. Ich bin nicht einer jener halbseidenen Ganoven, mit denen euer Boss für gewöhnlich verkehrt. Nachdem das klargestellt ist, solltet ihr den Weg freigeben. Ich hab’ wirklich keine Zeit, mich noch länger mit euch zu unterhalten."

    Die Zwillinge nahmen eine drohende Haltung an. Bernd Schuster war nicht gewillt, sich von diesen Burschen die Pistole abnehmen zu lassen.

    Natürlich würde er sie in Lorenz Winters Büro nicht brauchen, aber es ging ihm hier ums Prinzip. Es widerstrebte ihm, sich solchen Kerlen unterzuordnen.

    „Seien Sie vernünftig, Schuster. Geben Sie uns Ihre Pistole."

    Bernd entschied sich dafür, dass das Lew zu ihm gesagt hatte. Der Koloss streckte die Pranke verlangend aus.

    „Na schön", sagte Bernd Schuster und zog die Waffe aus dem Leder. Aber er drückte sie dem Ungarn nicht in die Hand, sondern in den Bauch. Lew stöhnte vor Wut und Überraschung.

    „Verdammt, Schuster, das kann für Sie gefährlich werden!", sagte Fjodor.

    „Merkt euch eines: Man kann noch so groß und stark sein, mit ’ner Kugel im Pelz schrumpft man auf null Komma nichts zusammen. Setzt euch!"

    Die beiden hatten keine Wahl. Sie mussten gehorchen. Sobald sie Platz genommen hatten, trat Bernd Schuster durch die nächste Tür in Lorenz Winters Allerheiligstes.

    Obwohl erst fünfzig, hatte Winter kein Haar mehr auf dem Kopf. Er saß an einem großformatigen Schreibtisch, trug einen schwarzen Smoking, und ein Glas Whisky stand vor ihm.

    Als er die Pistole in Bernds Hand sah, runzelte er irritiert die Stirn. Der Detektiv steckte die Waffe weg. „Ich wollte Sie nicht erschrecken, Herr Winter. Vielleicht sollten Sie sich mal die Mühe machen, Ihren beiden Gorillas zu erklären, dass man nicht alle Menschen über denselben Kamm scheren kann. Sie verlangten, dass ich Ihnen nackt gegenübertrete."

    Winter erhob sich. „Ich bitte, vergessen Sie’s, Herr Schuster. Fjodor und Lew sind zwar hervorragende Wachhunde, aber in ihrem Schädel haben sie Stroh."

    Winter kam um seinen Schreibtisch herum. Er war nicht sehr groß. Einladend wies er auf eine lederne Sitzgruppe und forderte Bernd auf, Platz zu nehmen.

    „Darf ich Ihnen etwas anbieten?", fragte er ausgesucht höflich. Bernd musste zugeben, dass der ehemalige Gangster seine neue Rolle hervorragend beherrschte. Wer Lorenz Winters Vergangenheit nicht kannte, hätte ihn tatsächlich für einen Gentleman halten können. Ein freundlicher Mensch mit guten Manieren, der keiner Fliege etwas zuleide tun konnte. Brauchte er auch nicht. Wenn er wollte, dass jemandem die Knochen gebrochen wurden, konnte er die Sorokin-Zwillinge schicken.

    „Ich hab’ noch einen Saft auf dem Tresen stehen", erwiderte Bernd Schuster.

    Winter lächelte. „Sind Sie unter die Antialkoholiker gegangen?"

    „Ich befinde mich zurzeit auf einer Sightseeingtour durch die Berliner Bars und möchte einen klaren Kopf behalten", sagte Bernd.

    „Immer nur Saft, ist das nicht langweilig?"

    „Es ist vor allem gesund, sagte Bernd. „Sie können sich denken, dass ich nicht hier bin, um mir die Farbe Ihrer Augen anzusehen.

    Winter faltete die Hände, als wollte er beten. Jetzt sah er ein wenig scheinheilig aus. „Was führt Sie zu mir, Herr Schuster?"

    „Sie sind, wie ich weiß, der Besitzer einer gutgehenden Bar."

    „Gott sei Dank", sagte Winter und lachte.

    „Hat schon jemand versucht, Ihnen Schutzgeld abzupressen?"

    Winter sah Bernd Schuster erstaunt an. „Läuft so etwas etwa zurzeit in der Stadt?"

    Bernd war der Meinung, dass Lorenz Winter etwas zu dick auftrug. Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieser Mann keine Ahnung hatte, was um ihn herum passierte.

    „Gangster haben sich darauf spezialisiert, von Barbesitzern, die mit ihren Umsätzen zufrieden sein können, Schutzzoll zu erheben, sagte Bernd. „Ich denke, sie können Ihr Lokal unmöglich übersehen.

    Winter schüttelte den Kopf. „An mich ist bis jetzt noch keiner herangetreten."

    „Meinen Sie, man hat vor Ihnen zu viel Respekt?"

    „Keine Ahnung. Wie viele Barbesitzer werden denn schon erpresst?"

    „Da bin ich im Moment leider noch überfragt, sagte Bernd. „Sicher weiß ich nur, dass Michael Staudt auf der Liste der Gangster stand. Er bat mich, ihm zu helfen. Jetzt ist er tot. Er wurde in seiner Wohnung ermordet. Kannten Sie Staudt?

    „Ich war mal in seiner Bar, sagte Winter ernst. „Die Kerle greifen verdammt hart durch, was?

    „Was würden Sie tun, wenn sich die Gangster an Sie wenden würden, Herr Winter? Würden Sie die Polizei einschalten?"

    Lorenz Winter lächelte, aber dieses Lächeln erreichte nicht seine Augen. „Ich denke, ich würde versuchen, mit diesem Problem allein fertigzuwerden."

    „Das wäre nicht der richtige Weg", sagte Bernd.

    „Darüber kann man verschiedener Ansicht sein, Herr Schuster. Ihnen kann ich nichts vormachen. Sie kennen meine Vergangenheit. Diese Gangster kennen sie bestimmt auch, deshalb werden sie mich in Ruhe lassen. Wenn ich Schwierigkeiten zu meistern hatte, brauchte ich noch nie die Hilfe der Polizei, und so werde ich es auch weiterhin halten. Ich bin davon überzeugt, dass von mir niemand Schutzgeld verlangen wird. Sollte es aber doch dazu kommen, werde ich die Angelegenheit auf meine Weise regeln."

    „Selbstjustiz? Ist das nicht verboten? Und sind Sie nicht bestrebt, seit zehn Jahren nichts Verbotenes mehr zu tun?", fragte Bernd lächelnd.

    „Es wird nicht nötig sein, dass ich etwas gegen diese Leute unternehme", behauptete Winter zuversichtlich.

    „Bestimmt wird Sie

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