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Das Krimi Riesen-Paket Dezember 2021: 2000 Seiten Spannung

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Das Krimi Riesen-Paket Dezember 2021: 2000 Seiten Spannung

Länge:
2.440 Seiten
29 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
29. Nov. 2021
ISBN:
9783956176067
Format:
Buch

Beschreibung

A. F. Morland & Alfred Bekker & Cedric Balmore & Wolf G. Rahn
(1299)


Krimis der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.

Mal provinziell, mal urban. Und immer anders, als man zuerst denkt.



Der Inhalt dieses Buches entspricht 2000 Taschenbuchseiten.



Dieses Buch enthält folgende Romane:



Wolf G. Rahn: Bount REiniger und der Wettlauf mit der Zeit
Alfred Bekker: Verschwörung der Killer


A.F. Morland: Mordschwester Agnes


Wolf G. Rahn: Eine Frau im Fadenkreuz


A.F. Morland: Die Bleiboys


A.F. Morland: Bete, wenn die Bombe tickt


A.F. Morland: Die Maske des Henkers


A.F. Morland: Spielgewinn – Ein Platz im Jenseits


A.F. Morland: Such dir ein Grab in Addis Abeba


Cedric Balmore: Der Tote, der Bount Reiniger hieß


Alfred Bekker: Die schlesische Zeitmaschine


A. F. Morland: Die Menschenhändler


A. F. Morland: Crack-Connection


Alfred Bekker: Mord am East River


Alfred Bekker: Für den Mörder geht es um die Wurst
Alfred Bekker: Tote Bullen






Ein Berliner Kriminalbeamter wird in der Nähe des Westhafens von Moabit umgebracht. Kommissar Harry Kubinke vom BKA und sein Team von Spezialisten übernehmen den Fall. Die Ermittler finden schnell heraus, dass der Ermordete in dunkle Geschäfte verwickelt war. Da stirbt ein weiterer Kommissar und die Spur des Killers führt in einen Club, der unter der Kontrolle krimineller Banden steht... Für Kubinke läuft die Zeit weg, denn auf der Todesliste des Mörders stehen offenbar noch weitere seiner Kollegen!







Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden und Janet Farell
Herausgeber:
Freigegeben:
29. Nov. 2021
ISBN:
9783956176067
Format:
Buch

Über den Autor

Über Alfred Bekker: Wenn ein Junge den Namen „Der die Elben versteht“ (Alfred) erhält und in einem Jahr des Drachen (1964) an einem Sonntag geboren wird, ist sein Schicksal vorherbestimmt: Er muss Fantasy-Autor werden!  Dass er später ein bislang über 30 Bücher umfassendes Fantasy-Universum um  “Das Reich der Elben” schuf, erscheint da nur logisch. Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten und wurde Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen.   Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', ‘Ragnar der Wikinger’,  'Da Vincis Fälle - die mysteriösen Abenteuer des jungen Leonardo’', 'Elbenkinder', 'Die wilden Orks', ‘Zwergenkinder’, ‘Elvany’, ‘Fußball-Internat’, ‘Mein Freund Tutenchamun’, ‘Drachenkinder’ und andere mehr  entwickelte. Seine Fantasy-Zyklen um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' ,die 'Gorian'-Trilogie, und die Halblinge-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt.  Alfred Bekker benutzte auch die Pseudonyme Neal Chadwick,  Henry Rohmer, Adrian Leschek, Brian Carisi, Leslie Garber, Robert Gruber, Chris Heller und Jack Raymond. Als Janet Farell verfasste er die meisten Romane der romantischen Gruselserie Jessica Bannister. Historische Romane schrieb er unter den Namen Jonas Herlin und Conny Walden.  Einige Gruselromane für Teenager verfasste er als John Devlin. Seine Romane erschienen u.a. bei Lyx, Blanvalet, BVK, Goldmann,, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt., darunter Englisch, Niederländisch, Dänisch, Türkisch, Indonesisch, Polnisch, Vietnamesisch, Finnisch, Bulgarisch und Polnisch.


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Buchvorschau

Das Krimi Riesen-Paket Dezember 2021 - Alfred Bekker

Alfred Bekker & A.F.Morland & Cedric Balmore Wolf G. Rahn

Das Krimi Riesen-Paket Dezember 2021: 2000 Seiten Spannung

UUID: 29833134-ab73-48b8-8c2d-41a0fceebe8a

Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://writeapp.io) erstellt.

Inhaltsverzeichnis

Das Krimi Riesen-Paket Dezember 2021: 2000 Seiten Spannung

Copyright

Bount Reiniger und der Wettlauf mit der Zeit: N.Y.D. – New York Detectives

VERSCHWÖRUNG DER KILLER

Copyright

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MORDSCHWESTER AGNES

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PROLOG

ERSTES BUCH

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ZWEITES BUCH

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DRITTES BUCH

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VIERTES BUCH

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EPILOG

Eine Frau im Fadenkreuz

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Die Bleiboys

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Bete, wenn die Bombe tickt

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Die Hauptpersonen des Romans:

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DIE MASKE DES HENKERS

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Spielgewinn - Ein Platz im Jenseits

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Die Hauptpersonen des Romans:

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SUCH DIR EIN GRAB IN ADDIS ABEBA

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Der Tote, der Bount Reiniger hieß

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Die Hauptpersonen des Romans:

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Die Menschenhändler

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Crack-Connection

Die Hauptpersonen:

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Mord am East River

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Für den Mörder geht es um die Wurst: Kriminalroman

Tote Bullen

Das Krimi Riesen-Paket Dezember 2021: 2000 Seiten Spannung

A. F. Morland & Alfred Bekker & Cedric Balmore & Wolf G. Rahn

Krimis der Sonderklasse - hart, actionreich und überraschend in der Auflösung. Ermittler auf den Spuren skrupelloser Verbrecher. Spannende Romane in einem Buch: Ideal als Urlaubslektüre.

Mal provinziell, mal urban. Und immer anders, als man zuerst denkt.

Der Inhalt dieses Buches entspricht 2000 Taschenbuchseiten.

Dieses Buch enthält folgende Romane:

Wolf G. Rahn: Bount REiniger und der Wettlauf mit der Zeit

Alfred Bekker: Verschwörung der Killer

A.F. Morland: Mordschwester Agnes

Wolf G. Rahn: Eine Frau im Fadenkreuz

A.F. Morland: Die Bleiboys

A.F. Morland: Bete, wenn die Bombe tickt

A.F. Morland: Die Maske des Henkers

A.F. Morland: Spielgewinn – Ein Platz im Jenseits

A.F. Morland: Such dir ein Grab in Addis Abeba

Cedric Balmore: Der Tote, der Bount Reiniger hieß

Alfred Bekker: Die schlesische Zeitmaschine

A. F. Morland: Die Menschenhändler

A. F. Morland: Crack-Connection

Alfred Bekker: Mord am East River

Alfred Bekker: Für den Mörder geht es um die Wurst

Alfred Bekker: Tote Bullen

Ein Berliner Kriminalbeamter wird in der Nähe des Westhafens von Moabit umgebracht. Kommissar Harry Kubinke vom BKA und sein Team von Spezialisten übernehmen den Fall. Die Ermittler finden schnell heraus, dass der Ermordete in dunkle Geschäfte verwickelt war. Da stirbt ein weiterer Kommissar und die Spur des Killers führt in einen Club, der unter der Kontrolle krimineller Banden steht... Für Kubinke läuft die Zeit weg, denn auf der Todesliste des Mörders stehen offenbar noch weitere seiner Kollegen!

Alfred Bekker ist ein bekannter Autor von Fantasy-Romanen, Krimis und Jugendbüchern. Neben seinen großen Bucherfolgen schrieb er zahlreiche Romane für Spannungsserien wie Ren Dhark, Jerry Cotton, Cotton reloaded, Kommissar X, John Sinclair und Jessica Bannister. Er veröffentlichte auch unter den Namen Neal Chadwick, Henry Rohmer, Conny Walden und Janet Farell.

Cover: Steve Mayer

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker

© Roman by Author / COVERFOTO MARA LAUE

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Bount Reiniger und der Wettlauf mit der Zeit: N.Y.D. – New York Detectives

Krimi von Wolf G. Rahn

Der Umfang dieses Buchs entspricht 115 Taschenbuchseiten.

Ohne es verhindern zu können, muss Mandy Munroe miterleben, wie ihr Bruder Ned auf offener Straße entführt wird. Ihr Vater Lawrence soll eine Viertelmillion Dollar für die Herausgabe seines Sohnes zahlen und die Polizei heraushalten. Mandy will einen Privatdetektiv beauftragen, aber Munroe traut den Schnüfflern nicht, was letztendlich beiden Kindern zum Verhängnis wird. Bei der Geldübergabe läuft etwas schief und Neds Leben ist keinen Pfifferling mehr wert. Daraufhin schaltet Mandy den New Yorker Privatdetektiv Bount Reiniger ein, damit er das Schlimmste verhindern kann – aber dafür ist es fast schon zu spät ...

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books und BEKKERpublishing sind Imprints von Alfred Bekker

© by Author

© dieser Ausgabe 2018 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Die Hauptpersonen des Romans:

Lawrence Munroe - Von seinen Freunden im Stich gelassen, vertraut er Leuten, die alles andere als sein Bestes wollen.

Mandy Munroe - Durch ihren Vater gerät sie in eine Situation, aus der sie nur einen fürchterlichen Ausweg sieht.

Sheldon Farmer - Als nicht alles nach seinem Plan verläuft, greift er bedenkenlos zur Waffe.

Logan Bosse - Der kleine Gauner ergattert durch Zufall ein Vermögen. Als er merkt, wie heiß die Sore ist, sucht er das Weite.

June March - unterstützt Bount Reiniger bei seinen Ermittlungen.

Bount Reiniger - ist Privatdetektiv.

1

Hoffentlich kam Ned bald! Es nieselte, und die Kälte kroch Mandy Munroe durch den dünnen Stoff. Um diese Jahreszeit wusste man nie genau, wie man sich anziehen sollte.

Die Männer warfen ihr eindeutige Blicke zu. Einer hatte sie sogar schon angesprochen und wäre um ein Haar handgreiflich geworden, weil er nicht glauben wollte, dass sie hier nur stand, weil sie auf ihren Bruder wartete.

Zu blöd, dass ihr Wagen in der Werkstatt war. Mit dem Fahrzeug war doch auch immer etwas los. Typisches Montagsauto.

Das Mädchen fröstelte. Es ging ungeduldig auf und ab. Den Kragen des Popelinmantels hatte es hochgeschlagen.

Wie der Kerl dort drüben sie anstierte! Ein unangenehmer Mensch. Nur gut, dass diese Gegend ziemlich belebt war. Dem hätte sie nicht allein im Central Park begegnen wollen. Schon gar nicht um diese Zeit.

Die Dämmerung brach herein. Dunst senkte sich über die Stadt. Mandy freute sich auf zu Hause.

Der Bursche ließ keinen Blick von ihr. Zum Glück kam er nicht näher und sprach sie an. Der konnte bestimmt ekelhaft werden. In seinen Augen lag etwas Drohendes, Besitzergreifendes.

Er trug dünne, schwarze Handschuhe. Als wollte er jemand umbringen, fuhr es Mandy Munroe durch den Kopf. Sie schüttelte sich bei diesem Gedanken.

Angestrengt starrte sie nach links, obwohl Ned von der anderen Seite kommen musste. Aber da stand der unsympathische Mensch, und sie wollte seinen Blicken nicht begegnen.

Sie sah auf die Armbanduhr. Sicher war Ned noch durch einen Kunden aufgehalten worden. Im Grundstücksgeschäft gab es keinen Feierabend. Aber wenn man sein Metier verstand, konnte man in kurzer Zeit erstaunliche Erfolge erzielen. Und Ned stellte sich offenbar äußerst geschickt an. Ihr Vater war sehr zufrieden mit ihm.

Endlich kam er.

Den metallicbraunen Chevrolet Caprice erkannte sie schon am Motorengeräusch. Sie drehte sich um und winkte.

Ned blinkte und stoppte am Bordstein. Er sah müde aus. Aber auch ein wenig stolz. Er musste ein gutes Geschäft abgeschlossen haben.

Mandy Munroe lachte erleichtert. Jetzt spürte sie den Nieselregen nicht mehr. Sie freute sich auf das Wochenende draußen in ihrer Ferienhütte.

Sie eilte zu dem wartenden Wagen. Ned öffnete gerade den Schlag auf der Beifahrerseite.

Da wurde sie brutal zur Seite gestoßen. Sie stolperte und stürzte. Mitten in eine Pfütze hinein.

Sie verletzte sich am Fußgelenk. Aber das war nicht so schlimm. Viel entsetzlicher war das, was sie mit ansehen musste, ohne eingreifen zu können.

Der Kerl mit den drohenden Augen hatte sich neben Ned auf den Beifahrersitz geworfen und die Wagentür zugeknallt. Er hielt einen Revolver in der Faust. Den Lauf drückte er Ned in die Seite. Sein Gesicht war verzerrt. Neds Augen weiteten sich. Mandy rechnete jede Sekunde mit dem Schuss, der ihren Bruder töten würde.

Hastig kam sie in die Höhe und achtete nicht auf die Schmerzen in ihrem Fuß. Sie wollte die Autotür aufreißen. Vielleicht wurde der Schuft dann abgelenkt, und Ned erhielt eine Chance, ihn aus dem Wagen zu stoßen.

Doch dazu kam es nicht mehr. Der Chevrolet Caprice fuhr mit auf jaulenden Reifen wieder an und verschwand so schnell, dass kaum einer der zahlreichen Passanten auf das Verbrechen aufmerksam geworden war.

Eine Hand legte sich auf Mandy Munroes Schulter.

„Alles in Ordnung, Miss?", erkundigte sich eine dunkle Stimme.

Mandy blickte auf. In ihre braunen Augen traten Tränen. Sie erkannte den Mann vor ihr nur verschleiert. Ihre Beine zitterten. Sie ließ sich gefallen, dass er sie stützte.

„Ned!, stammelte sie. „Mein Bruder. Er ist entführt worden.

„Richtig gekidnappt? Der Mann war perplex. „Wo sind die Schufte? Er sah sich suchend nach allen Seiten um.

Mandy wies mit der ausgestreckten Hand in die Richtung, in der der Chevy verschwunden war. „Es war nur einer, aber er hatte einen Revolver. Er hat mich umgestoßen und Ned in dessen eigenem Wagen bedroht."

„Wir müssen hinterher, schlug der Fremde aufgeregt vor. „Vielleicht holen wir sie noch ein. Sie kennen ja den Wagen und die Zulassungsnummer.

Das Mädchen schöpfte Hoffnung. Sie fühlte sich nicht mehr so entsetzlich hilflos und allein. Vielleicht wurde doch noch alles gut.

Der Mann schob sie zu einem schon etwas verbeulten Buick. Der konnte es mit dem Caprice bestimmt nicht an Schnelligkeit aufnehmen, aber der Kidnapper musste schließlich auch auf das speed limit achten, um nicht die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich zu lenken.

Wie in Trance stieg sie ein und merkte kaum, dass die Verfolgungsfahrt begann.

„Wie heißen Sie?", hörte sie den Fremden fragen. Er reichte ihr eine Zigarettenpackung, und sie bediente sich daraus.

„Mandy Munroe, antwortete sie mit belegter Stimme. „Ich kann es noch gar nicht fassen. Es ist zu schrecklich.

„Ich heiße Frank Smith. Das Gangsterwesen in dieser Stadt nimmt überhand, und die Polizei ist machtlos. Da muss man sich schon selbst helfen. Bestimmt versucht der Kerl, nach New Jersey hinüber zu entkommen. Da schnappen wir ihn."

„Glauben Sie?"

„Verlassen Sie sich auf mich, Mandy. Ich kenne mich ein bisschen mit diesen Typen aus. Ich arbeite in der Versicherungsbranche. Da erlebt man allerhand."

Sie ließen die George Washington Bridge hinter sich, und Smith lenkte den Buick über die Sylvan Avenue nach Norden.

„Woher wollen Sie wissen, dass sie ausgerechnet hier entlanggefahren sind?", fragte Mandy Munroe zweifelnd.

„Intuition, Mandy. Man muss sich in die Gedanken eines Verbrechers hineinversetzen können. Ich wette, der versteckt sich vorläufig irgendwo im Engle Wood. Da gibt es nämlich ein paar Möglichkeiten, an die kaum einer denkt. Wir hatten mal einen Juwelendieb, der dort untergekrochen ist. Er hatte Pech, weil ich den Ort kannte. Jetzt sitzt er für ein paar Jahre in einer Gegend, in der es keinen Wald gibt." Frank Smith lachte siegessicher.

Mandy Munroe hätte sich gerne von seinem Optimismus anstecken lassen, doch ihre Zweifel waren zu groß.

Sie wurden noch größer, als Smith den Wagen auf einen Waldweg lenkte und kurze Zeit später auch noch von diesem herunterfuhr. Er stoppte den Buick und schaltete den Motor ab. Das Licht ließ er ebenfalls erlöschen.

„Ist es hier?, fragte sie ahnungsvoll. „Ich sehe nirgends einen Wagen.

„Hier ist es, Baby", bestätigte der Mann grinsend. Er ließ das Lenkrad los und legte einen Arm besitzergreifend um ihre Schultern. Er beugte sich zu ihr hinüber. Sein Atem strich an ihrem Gesicht vorbei.

Mandy versteifte sich. Das war es also. Keine Sekunde lang hatte der Bursche vorgehabt, ihr zu helfen. Ihm war es nur darum zu tun gewesen, sie in seinen Wagen zu bekommen.

Du darfst jetzt nicht die Nerven verlieren, sagte sie sich. Wenn du dich falsch verhältst, bringt er dich womöglich um.

Das wollte sie nicht, das andere, was er im Sinn hatte, aber auch nicht. Die Angst um Ned schnürte ihr das Herz ab, und sie saß hier neben einem Strolch, der ihre Situation auf gemeinste Weise ausnutzte.

Seine Hand kroch auf ihr Knie. Sie war feucht und widerlich.

„Sie werden keinen Spaß mit mir haben, prophezeite sie mit erzwungener Ruhe. „Lassen Sie mich gehen, dann vergessen wir das Ganze. Ich habe im Augenblick andere Sorgen, als Sie anzuzeigen.

„Die hast du, Puppe, bestätigte der Widerling. „Und Spaß werden wir ’ne Menge haben. Ich verstehe mich darauf.

Er riss sie an sich heran und presste dabei ihre Arme so gegen ihren Körper, dass sie sich nicht wehren konnte.

„Es ... es ist so eng hier", klagte sie. Dabei wandte sie ihr Gesicht von seinem ab. Schon sein Anblick bereitete ihr Übelkeit.

„Das können wir ändern, Darling." Mit einem Ruck riss er ihr den Mantel auf und griff nach dem Pullover.

Sekundenlang bekam sie einen Arm frei. Sie reagierte nicht mehr überlegt, sondern nur noch instinktiv. Mit den Fingern fuhr sie ihm ins Gesicht und hinterließ dort blutige Streifen.

Der Mann schrie auf und griff sich an den blutenden Kopf.

Blitzschnell riss Mandy Munroe die Wagentür auf, doch sie kam nicht mehr dazu, sich hinausfallen zu lassen. Smith, der sicher ganz anders hieß, zerrte sie zurück und versetzte ihr eine schallende Ohrfeige.

„Du verdammte Hexe!, brüllte er. „Du willst es ja nicht anders. Jetzt wirst du mich kennenlernen. Ich habe noch jede zahm gekriegt. Du wirst mich noch anwinseln, verlass dich drauf.

Warum kam denn niemand, um ihr zu helfen? Aber er hatte schon recht gehabt. Es gab hier Plätze, die kaum einer kannte. Er wusste Bescheid. Sicher war er nicht zum ersten Mal mit einem seiner Opfer hier.

Der Mann zerfetzte ihr den Pullover. Seine Augen wurden gierig.

Das Mädchen wurde von Todesangst ergriffen. Die verlieh ihr ungeahnte Kraft. Sie krümmte sich zusammen, warf sich in den Sitz mit angezogenen Beinen zurück und drehte sich herum. Dann streckte sie sich mit voller Wucht und stieß dem Angreifer ihre hochhackigen Schuhe entgegen. Ihr war egal, wo sie ihn traf.

Im nächsten Moment ließ sie sich nach hinten durch die noch immer geöffnete Tür fallen. Hart schlug sie auf dem belaubten Boden auf. Aber sie verbiss den Schmerz und raffte sich hastig auf.

Nur weiter! Fort von diesem Scheusal!

Sie rannte los. Hinter sich hörte sie Fluchen und eilige Schritte. Er dachte gar nicht daran, sie laufen zu lassen.

Mandy hatte im Wagen einen Schuh verloren. Jetzt schleuderte sie auch noch den anderen vom Fuß. Das Laub war feucht und glatt. Immer wieder rutschte sie darauf aus, wodurch ihr Vorsprung verringert wurde.

Sie schrie um Hilfe, obwohl sie wusste, dass sie niemand hören würde. Es war jetzt fast dunkel. Kein Mensch trieb sich mehr in dieser Gegend herum.

„Bleib stehen!, befahl ihr Verfolger. „Sonst bringe ich dich um.

Sie kümmerte sich nicht um diese Drohung, obwohl sie ohne Weiteres glaubte, dass er sie ernst meinte.

Wie recht sie mit dieser Befürchtung hatte, bewies der Schuss, der plötzlich aufbellte. Eine Kugel strich höchstens zwei Handbreit an ihrem Kopf vorbei.

Mandy Munroe blieb wie angewurzelt stehen und drehte sich herum.

Da stand er. Der Revolver in seiner Faust war auf ihre Brust gerichtet. Das Gesicht des Mannes trug ein zynisches Grinsen. Bedächtig kam er näher. Er genoss jeden Schritt.

„Bravo!, krächzte er. „Ich wusste doch, dass wir uns auf irgendeine Weise verständigen werden. Jetzt weiß ich wenigstens, welche Sprache du verstehst. Ich werde mir das für die Zukunft merken. Es könnte ja sein, dass dir wieder mal etwas nicht passt. Dann werde ich allerdings in dein hübsches Lärvchen ein hässlich schwarzes Loch pieken. Du kennst mich jetzt gut genug, um zu wissen, dass ich nicht spaße.

Mandy wusste es, und sie wusste auch, dass sie ihm jetzt endgültig ausgeliefert war. Sie konnte jetzt nur noch beten, dass er sie wenigstens am Leben ließ, wenn sie schon alles andere nicht mehr verhindern konnte.

Ihr nächster Gedanke galt wieder ihrem Bruder. Sie hatte Angst um ihn. Erbärmliche Angst. Ihr gegenüber besaß er nur einen Vorteil. Man würde ihn nicht vergewaltigen. Aber vielleicht war er schon tot.

2

Lawrence Munroe betrachtete sein Werk. Er hatte sich besondere Mühe gegeben, den Tisch ansprechend zu schmücken. Aus der Kochnische duftete der Braten. Zwei Flaschen vom besten französischen Rotwein standen bereit. Das Besteck glänzte, obwohl es nicht das teure Silber war. Hier draußen im Ferienhaus begnügte er sich mit Edelstahl.

Ein ganzes Wochenende mit den Kindern! Er freute sich darauf, und er wusste, dass Mandy und Ned ebenso darüber dachten. Seit ihre Mutter gestorben war, hatten sie sich ihm noch stärker zugewandt. Er war ihnen beides: Vater und Mutter. Nicht nur deshalb, weil er gut und gerne kochte.

Lawrence Munroe war einundfünfzig. Als Finanzberater spürte er die Rezession im positiven Sinne. Die Leute machten sich viel mehr Gedanken, wie sie ihr Vermögen retten konnten. Fachkundige Hilfe war ihnen einen angemessenen Preis wert.

Natürlich hätte er wieder heiraten können. Er sah nicht schlecht aus, wenn er sich auch selbst nicht mehr schlank nannte und sein Haar dünn und grau wurde.

Kandidatinnen hätte es einige gegeben. Manche hätten ihn auch nicht nur seines Geldes wegen genommen. Judith zum Beispiel, die heute noch glänzende Augen bekam, wenn sie sich trafen. Oder Shirley, die sich seit dem Unfall ihres Mannes hilflos und einsam fühlte.

Aber er dachte an die Kinder. Er wollte ihnen nicht zumuten, sich an eine neue Mutter gewöhnen zu müssen, obwohl sie ja selbst bald aus dem Haus gehen würden. Leider!

Lawrence Munroe blickte zum nun schon wiederholten Male auf die Uhr. Wo sie nur bleiben! Wenigstens anrufen hätten sie können, wenn sie sich schon derart verspäteten. Das war er von ihnen gar nicht gewöhnt.

Er rückte die Leuchter mit den Kerzen gerade und legte die Zündhölzer zurecht. Er hatte sich vorgenommen, jede Mahlzeit zu einem kleinen Fest zu gestalten. Das war er Mandy und Ned schuldig. Schließlich war es nicht selbstverständlich, dass sie in ihrem Alter ein ganzes Wochenende mit ihrem alten Vater verbrachten.

Das Telefon schlug an. Das war bestimmt Ned. Hoffentlich war nichts mit dem Wagen passiert. Der Junge fuhr manchmal ein bisschen riskant. Besonders wenn er unter Zeitdruck stand.

Er eilte zum Apparat, hob den Hörer ab und tadelte sanft: „Wo bleibt ihr denn? Ich habe mir schon Sorgen um euch gemacht."

„Die sind nur nötig, wenn Sie nicht mitspielen, Munroe, kam eine fremde Stimme aus der Muschel. „Aber Sie sind ja ein kluger Mann, wie man sich erzählt. Und vor allem sollen Sie sehr an Ihrem Sohn hängen.

Lawrence Munroe überlief es eiskalt. Er wusste sofort, was dieser Anruf bedeutete. Solange die Kinder noch jünger waren, hatte er manchmal Angst davor gehabt, sie würden eines Tages nicht von der Schule nach Hause kommen. Inzwischen war Ned fünfundzwanzig und Mandy zwei Jahre jünger. Er hatte geglaubt, diese Angst nun vergessen zu können. Er hatte sich gründlich geirrt.

„Wer sind Sie, und was wollen Sie von mir?" Ihm war die törichte Frage bewusst. Den ersten Teil würde der Unbekannte nicht beantworten, und wegen des zweiten Teils rief er ja an.

„Was sind schon Namen, Munroe, sagte der Anrufer. Seine Stimme klang unnatürlich dumpf. Wahrscheinlich hatte er ein Tuch über den Hörer gelegt. „Dafür kann man sich nichts kaufen. Für zweihundertfünfzigtausend Dollar kann man sich dagegen schon die dringendsten Wünsche erfüllen. Sie wissen doch, jeder Mensch hat Wünsche. Sie zum Beispiel wollen vermutlich Ihren Sohn lebend wiedersehen. Mir schwebt ein Urlaub in der Südsee mit allem drum und dran vor. Was liegt näher, als dass wir uns zusammentun und gegenseitig unsere Wünsche erfüllen. Sie kriegen Ihren Sprössling zurück und überlassen mir dafür einen kleinen Teil Ihres Vermögens. Mit einer Viertelmillion bin ich zufrieden. Unbescheidenheit ist ein hässlicher Charakterzug. Er lachte meckernd.

Lawrence Munroe war nicht zum Lachen zumute. Sein Innerstes krampfte sich zusammen. Ned in der Gewalt eines Kidnappers. Und Mandy? Was war mit ihr?

Er zwang sich zur Ruhe und konnte doch nicht verhindern, dass seine Stimme vibrierte, als er sagte: „Bevor wir weiterverhandeln, muss ich sicher sein, dass Ned noch lebt. Außerdem haben Sie meine Tochter noch mit keiner Silbe erwähnt. Was haben Sie mit ihr gemacht?"

„An Weibern vergreife ich mich nicht, Munroe. Die machen nur Ärger. Das kleine Biest wollte sich mir in den Weg stellen. Ich habe ihr eine gewischt, das war aber auch schon alles. Die taucht bestimmt bald auf. Ihren Sohn sehen Sie allerdings nur als Leiche wieder, falls Sie sich zu zahlen weigern. Dass er sich in gutem Zustand befindet, müssen Sie mir schon glauben. Wo ich ihn versteckt habe, gibt es kein Telefon, und ich kann ihn ja schließlich nicht jedes Mal mitschleppen, wenn ich mit Ihnen plaudere. Sie können mir aber ein paar persönliche Fragen stellen. Die werde ich Ihnen beantworten, wenn mir der Bengel die Auskünfte gegeben hat. Bei der Gelegenheit teile ich Ihnen auch gleich mit, wo Sie mit den Mäusen aufkreuzen sollen. Ich hoffe, dass Sie die Summe bis morgen Abend aufgetrieben haben. Ich hoffe es für Sie und für Ned."

„Eine Viertelmillion? Unmöglich! Sie haben von Geld ja keine Ahnung. Man kann nicht zur Bank gehen und zweihundertfünfzigtausend Dollar abheben. Selbst dann nicht, wenn diese Summe auf dem Konto wäre."

Der Gangster lachte fröhlich. „Sehen Sie, Munroe, diese Feinheiten interessieren mich wahnsinnig. Dummerweise lernt man sie nur dann, wenn man den entsprechenden Zaster besitzt. Meine Bedingungen bleiben. Ich weiß genau, dass Sie die Kröten heute noch zusammenbrächten, wenn ich darauf bestünde. Ich bin aber ausgesprochen human. Das ändert sich allerdings schlagartig, sollten Sie die Dummheit begehen und die Polizei bemühen. Diese Leute mag ich nicht besonders. Falls Sie also eine Schweinerei planen, können Sie Ihren Sprössling gleich unter Verluste buchen. Kann sein, dass ich mir dann doch noch Ihre Tochter hole."

„Sie sind ein Teufel", ächzte Lawrence Munroe.

„Was wollen Sie?, höhnte der andere. „Auch Teufel wollen leben. Die Inflation macht vor der Hölle nicht halt. Sie wissen anscheinend noch nicht, dass dort schon seit Längerem mit Öl geheizt wird, und über diese Preise brauche ich Ihnen wohl nichts zu erzählen. Ich melde mich also morgen wieder. Richten Sie es ein, dass ich Sie telefonisch erreiche. Ned wird es Ihnen danken.

Es knackte in der Leitung. Der Gangster hatte aufgelegt.

Lawrence Munroe starrte den Hörer noch eine Weile ungläubig an. Er konnte es nicht fassen, und er wusste nicht, was er tun sollte.

Dem ersten Impuls, entgegen der ausdrücklichen Warnung doch die Polizei zu informieren, widerstand er. Er wollte nicht schuld sein, wenn Ned etwas passiert. Erst wenn der Junge in Sicherheit war, sollte die Jagd auf den Verbrecher beginnen.

Sein Blick fiel auf den festlichen Tisch. Der Braten roch angebrannt. Wie unter Hypnose ging er zum Herd und schaltete ihn aus.

Eine Viertelmillion! Er würde das Geld aufbringen. Es würde nicht leicht sein. Er musste seine Lebensversicherung verpfänden und alles zu Geld machen, was nur ging. Neds Leben stand auf dem Spiel. Wenn der Junge starb, wusste er nicht, was er dann tat.

3

Der Gangster kam auf sie zu. Der Revolver in seiner Hand ließ ihr keine Chance zur Flucht. Sie sah seinem gewalttätigen Gesicht an, dass er sofort schießen würde.

Mandy Munroe stand stocksteif. Am liebsten hätte sie die Augen geschlossen, aber das wagte sie nicht.

Noch zwei Schritte. Er genoss ihr Entsetzen.

„Ich liebe temperamentvolle Weiber, sagte er. „Nur widerspenstig dürfen sie nicht sein. Da werde ich ekelhaft.

Mandy rührte sich nicht. Sie versuchte, ihr Bewusstsein abzuschalten, aber das gelang ihr nicht. So nahm sie in jeder Phase wahr, wie Frank Smith sich ihr bis auf wenige Zoll näherte und schließlich nach ihr griff.

Dabei achtete er nicht mehr auf seinen Revolver. Sein Gesicht war voller Gier. An ihrem Tod lag ihm nicht viel. Jedenfalls nicht vorher.

Das Mädchen reagierte, als hätte jemand bei ihm einen Schalter betätigt. Das Knie ruckte in die Höhe. Gleichzeitig fuhr sie dem Gangster mit gekrümmten Fingern ins Gesicht.

Der Kerl brüllte heiser auf und krümmte sich vor Schmerzen. Er stieß wilde Drohungen aus und warf ihr Abscheulichkeiten an den Kopf, die Mandy die Schamröte ins Gesicht trieben.

Doch sie ließ sich nicht irritieren. Sie brachte sich mit einem knappen Rückwärtsschritt in vorläufige Sicherheit. Dann trat sie ein zweites Mal zu. Sie trug zwar keinen Schuh mehr, aber sie traf so geschickt mit der Ferse, dass der Revolver in einer blitzsauberen Parabel davonflog.

Dann rannte sie los. Sie brauchte nicht zu überlegen, um zu wissen, welches ihre einzige Möglichkeit war.

Der Buick war ihr Ziel. Wenn es ihr gelang, ihn zu erreichen und damit loszufahren, hatte sie gewonnen.

Smith rechnete sich ihren Plan aus, aber da war sie bereits an ihm vorbei.

Jeder Schritt tat ihr mörderisch weh. Ohne Schuhe war dieser mit Wurzeln durchzogene Boden eine Tortur. Aber sie führte sich immer wieder vor Augen, dass es ganz allein an ihr lag, einer viel schlimmeren Tortur zu entgehen. Das trieb sie vorwärts.

Der Gangster rannte hinter ihr her. Unaufhörlich fluchte und wetterte er. Und er war höllisch schnell. Die Schmerzen im Unterleib hatte er offensichtlich schon wieder vergessen. Der Stoß war nicht sehr kraftvoll gewesen.

Mandy Munroe keuchte. Sie musste es schaffen. Es war ihre große Chance. Mit letzter Kraft erreichte sie den Wagen und warf sich hinters Steuer. Zum Glück sprang der noch warme Motor beim ersten Versuch an. Sie gab so stürmisch Gas, dass der Wagen einen unbeherrschten Sprung nach vorn ausführte. Erst jetzt schlug sie die Tür auf ihrer Seite zu. An die andere kam sie nicht heran. Sie ließ sie offen.

Der Verbrecher kam schräg von vorne. Er packte die offene Tür und war im Begriff, sich in das Innere zu ziehen.

Voller Panik lenkte Mandy Munroe den Buick durch Herumreißen des Speichenrades hart nach rechts und hielt auf eine stämmige Fichte zu.

Frank Smith sah das Unheil nahen. Seine Augen weiteten sich vor Entsetzen. Im letzten Augenblick ließ er los und rollte an dem Baum vorbei.

Aber er gab noch nicht auf.

Während das Fahrzeug sich mühsam einen Weg durch die Bäume suchte und einen weiten Bogen fuhr, um auf den Waldweg zurückzukehren, sprintete er los und holte sich den Revolver, den ihm das Mädchen aus der Hand gefetzt hatte.

Er wusste genau, an welcher Stelle er lag, und nachdem er ihn vom Boden hochgerissen hatte, legte er ihn an und feuerte dreimal hintereinander.

Mandy Munroe spürte den Ruck, als der Buick zur Seite ausbrechen wollte. Sie steuerte zwar dagegen, konnte aber nicht verhindern, dass die Tür auf der Beifahrerseite gegen einen Baum knallte und halb herausgerissen wurde. Scheppernd schleifte sie das Blechteil hinterher.

Einer der Schüsse hatte das hintere Seitenfenster bersten lassen. Ein anderer war danebengegangen, aber der dritte hatte einen Reifen getroffen, Jetzt fuhr sie auf einer Felge.

Egal! Nur vorwärts! Nur weg von diesem Scheusal, in dessen Revolver sich noch immer ein paar Patronen befanden.

Mandy Munroe stieg aufs Gaspedal. Die Räder schleuderten Erde und Moos nach hinten. Ein breiter Baumstamm tauchte haarscharf vor ihr auf. Mandy schrie und riss das Lenkrad herum. Blech kreischte gequält auf. Dann war das Hindernis überwunden.

Hinter ihr belferten Schüsse. Einer donnerte gegen die Karosserie, durchschlug das Blech aber zum Glück nicht. Die Entfernung war schon zu groß.

Sie blickte sich nicht um. Die Spiegel waren so verstellt, dass sie darin nichts erkennen konnte. Sie nahm sich nicht die Zeit, sie neu einzustellen. Sie starrte unentwegt geradeaus, preschte endlich auf den Waldweg und holperte mit nur drei heilen Reifen bis zur Einmündung in die Staatsstraße.

Hier entwich auch noch die Luft aus einem der Vorderreifen. Er hatte die wenig feinfühlige Behandlung übelgenommen.

Mandy Munroe versuchte zwar noch, das Fahrzeug trotzdem weiterzupeitschen, aber es gelang ihr nicht, es unter Kontrolle zu halten.

Erst jetzt warf sie einen Blick zurück.

Von Frank Smith war nichts zu sehen. Sie hatte ihn weit hinter sich gelassen. Er konnte sie nicht mehr einholen.

Erst jetzt merkte Mandy, dass sie weinte. Zitternd verließ sie den Wagen, in dem sie so Fürchterliches erlebt hatte.

Sie sah schlimm aus. Ihre Kleidung war zerfetzt, sie selbst voller Schmutz, den die Tränen in ihrem Gesicht auch noch verschmiert hatten.

Ihre Handtasche hatte sie verloren. Sie war also ohne Geld und ohne Papiere. Ein Taxi, selbst wenn eins in dieser Gegend gekommen wäre, hätte sie aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht mitgenommen. Also musste sie per Anhalter fahren.

Der erste Wagen war ein schmetterlingsgelber Chrysler. Sie gab bereits ein Zeichen, doch dann trat sie hastig zurück und war froh, als der Wagen vorbeifuhr, ohne sein Tempo zu vermindern. Das eben erst überstandene Erlebnis hinderte sie daran, ein zweites Mal zu einem fremden Mann ins Auto zu steigen.

Mandy Munroe ließ siebzehn Fahrzeuge passieren, wobei sie ständig weiterlief, denn sie wusste noch immer Frank Smith mit seiner Wut hinter sich.

Der achtzehnte Wagen wurde endlich von einer Frau gesteuert. Sie hielt aber nicht an. Erst bei der dritten weiblichen Fahrerin hatte sie Glück. Sie durfte einsteigen, und die Frau wollte sie sogar zur Polizei fahren, nachdem sie die Geschichte gehört hatte. Aber Mandy Munroe wollte auf dem schnellsten Weg zu ihrem Vater. Nachdem sie alles überstanden hatte, dachte sie nur noch an Ned und daran, dass zwei Menschen selten die gleiche Portion Glück hatten.

4

Lawrence Munroe hoffte, dass er keinen Fehler beging. Sein Handeln wurde durch die Sorge um Neds Leben bestimmt. Für ihn kam es nicht in Frage, seinen Sohn zu gefährden.

Keine Polizei!, hatte der Kidnapper verlangt. Also hatte er selbstverständlich die Polizei aus dem Spiel gelassen.

Mandy hatte empfohlen, wenigstens einen Privatdetektiv einzuschalten, aber auch das hatte er abgelehnt. Diese Leute waren ihm nicht zuverlässig genug. Einem Mann, den er nicht genau kannte, wollte er nicht Neds Schicksal anvertrauen. Und vor allem wollte er sich nicht später den Vorwurf machen müssen, das Leben seines Sohnes verkauft zu haben. Für eine Viertelmillion.

Er hatte das Geld beisammen. Fristgerecht. Jetzt wartete er auf den Anruf des Gangsters, damit die Übergabe stattfinden konnte.

Lawrence Munroe trank einen Bourbon, aber er schmeckte ihm nicht. Falls etwas schieflief, würde ihm nie wieder etwas schmecken. Er durfte nichts riskieren.

Das war auch nicht nötig. Mandy hatte den Schuft gesehen. Sie konnte ihn beschreiben, und sie würde der Polizei detaillierte Angaben machen, sobald Ned in Sicherheit war. Keine Minute früher.

Auch Mandy hatte viel durchmachen müssen, aber sie war mit dem Schrecken und ein paar ungefährlichen Schrammen davongekommen. Seelisch würde sie das Ganze auch irgendwann verkraften. Das Mädchen war erstaunlich stark. Er war stolz auf seine Kinder.

Natürlich hatte er auch dieses Verbrechen nicht der Polizei gemeldet. Mandy hätte aussagen müssen, aus welchem Grund sie überhaupt zu dem fremden Mann in den Wagen gestiegen war. Dadurch käme zwangsläufig die Entführung zur Sprache, und genau das durfte auf keinen Fall geschehen.

Der Mann mit den schütteren Haaren ging nervös im Zimmer auf und ab. Er fixierte das Telefon wie eine Schlange das Kaninchen. Sein hypnotischer Blick führte anscheinend zum Erfolg. Der Apparat schlug an.

Hastig griff er nach dem Hörer und meldete sich mit heiserer Stimme.

„Brav, brav!, lobte der Unbekannte höhnisch. „So lasse ich es mir gefallen, Munroe. Ich sehe schon, wir haben die leidige Angelegenheit bald über die Bühne. Wie sieht es aus? Haben Sie die Mäuse?

„Das Geld liegt bereit. Lassen Sie mich jetzt mit meinem Sohn sprechen. Eine gewisse Sicherheit, dass er noch am Leben ist, kann ich wohl verlangen."

Der Gangster lachte. „Verlangen können Sie gar nichts. Aber Sie sollen ein Lebenszeichen haben. Ihr Sohn lässt Ihnen folgendes ausrichten: Sie sollen in seinem Zimmer nachsehen. Im Bücherschrank steht in der zweiten Reihe von unten ein Wälzer in Leder. Es ist das erste Buch ganz links. Sie sollen es holen und den Titel lesen. Dann werden Sie wissen, dass Sie sich keine Sorgen um ihn zu machen brauchen. Hauen Sie jetzt ab und sehen Sie nach. Ich habe keine Ahnung, welcher Schmöker das ist. Das weiß nur Ihr Ned. Aber bleiben Sie nicht zu lange weg. Wir haben doch heute noch einiges vor, nicht wahr?"

Lawrence Munroe schluckte. „Bleiben Sie am Telefon", bat er und legte den Hörer behutsam neben den Apparat.

Eilig verließ er sein Arbeitszimmer und öffnete die gegenüberliegende Tür. Hier befand sich Neds Reich. Der Raum war mit Büchern und Papieren geradezu vollgestopft. Der Junge kannte keinen Feierabend. Er wollte es zu etwas bringen. Er hatte das Zeug und die Energie dazu.

Der Einundfünfzigjährige fand das bezeichnete Buch ohne Schwierigkeiten. Seltsam! Kaum sah er es, als ihn Zuversicht erfüllte, dass alles gut ausgehen würde. Es handelte sich um eine Bibel, und nur Ned hatte wissen können, wo genau er sie hingestellt hatte. Er musste also noch leben.

Lawrence Munroe hastete zurück und riss den Hörer an sich. „Es ist in Ordnung, keuchte er hinein. „Was verlangen Sie jetzt?

„Haben Sie sich an meine Bedingungen gehalten, Munroe? Keine Bullen?"

„Ich schwöre es Ihnen."

Wieder dieses ekelhafte Lachen. Zu gerne hätte er diesem Lumpen dafür ins Gesicht geschlagen. Dieses Gesicht eines Vierzigjährigen, dessen markantestes Detail ein riesiger Schnurrbart war. So hatte Mandy den Schuft beschrieben.

„Ich glaube nicht, Munroe, hörte er den Gangster sagen, „dass Sie in diesem Fall für einen Meineid zur Verantwortung gezogen werden würden. Jedenfalls von keinem Richter. Von mir auch nicht. Das müsste lediglich Ihr Sohn büßen. Ich wäre zu meinem Bedauern gezwungen, ihn umzulegen. Ich setze also voraus, dass Sie klug genug waren, wirklich den Mund zu halten. Passen Sie also auf! Sie packen das Geld in einen schwarzen Koffer. Ein Mann von Welt wie Sie hat so etwas bestimmt im Haus. Dann fahren Sie in den Central Park, und zwar sofort nach unserem Telefonat. Kommen Sie allein, und kommen Sie ohne Waffe. Alles verstanden, Munroe?

Der Mann nickte, bevor er begriff, dass der andere das nicht sehen konnte. „Verstanden, antwortete er knapp. „Aber wie kann ich Sie erkennen? Der Central Park ist groß, und es ist dunkel.

„Das ist mir auch schon aufgefallen. Zerbrechen Sie sich darüber nicht den Kopf. Mein Mann wird Sie erkennen. Er hat eine genaue Beschreibung von Ihnen."

„Ihr Mann?, fragte Munroe überrascht. „Kommen Sie denn nicht selbst?

„Das könnte Ihnen so passen, Munroe. Ich weiß doch, wie verlockend es wäre, mir bei der Übergabe eine Kugel in den Bauch zu jagen. Aber daraus wird nichts. Falls Sie meinen Mittelsmann auch nur ankratzen, wird das Ihr Sohn zu büßen haben. Mich kriegen Sie nicht zu sehen, aber ich werde in der Nähe sein. Verlassen Sie sich darauf. Fahren Sie den West Drive bis zur Transverse Road Number 4. Steigen Sie dort mit dem Koffer aus und warten Sie ab, bis man Kontakt mit Ihnen aufnimmt. Das wird geschehen, sobald wir sicher sind, dass Sie sich an die Spielregeln gehalten haben. Zweihundertfünfzigtausend, Munroe. Ihr Sohn wird freigelassen, sobald ich das Geld gezählt habe. Das wird noch in dieser Nacht sein, sofern kein Dollar fehlt. Falls es ein paar mehr sind, verzeihe ich Ihnen das großzügig. Und lassen Sie uns nicht warten, sonst erlebt Ned, wie ich auch noch sein kann.

Es klickte. Das Gespräch war beendet.

Lawrence Munroe hob den Kopf. Sein Gesicht war angespannt.

Als sich die Tür leise öffnete, zuckte er unwillkürlich zusammen. Erst als er Mandy erkannte, die sich von den beiden Schocks des letzten Abends noch längst nicht erholt hatte, entspannte sich sein Gesicht.

„Ach, du bist es", sagte er erleichtert.

Mandy sah, dass seine Hand noch auf dem Hörer lag. „Hat er sich gemeldet?", wollte sie angstvoll wissen.

Ihr Vater nickte. „Es geht los, Mandy. Wollen wir hoffen, dass Ned in ein paar Stunden wieder wohlbehalten bei uns ist."

Mandy hatte Tränen in den Augen. „Wohin sollst du das Geld bringen?", fragte sie leise.

Lawrence Munroe schüttelte den Kopf. Eine der dünnen Haarsträhnen fiel ihm dabei ins Gesicht. „Nein!, stieß er fast wütend hervor. „Ich werde es dir nicht sagen, Mandy. Ich will dich nicht in Versuchung bringen, im letzten Moment doch noch einen dieser Detektive einzuschalten, von denen du anscheinend so viel hältst. Das würde Neds Leben nur gefährden.

„Ich liebe Ned genauso wie du, sagte das Mädchen ernst. „Auch ich will nicht, dass ihm etwas zustößt. Aber ich habe auch Angst um dich. Falls du nicht zurückkommst, weiß ich nicht einmal, wo ich nach dir suchen lassen soll. Jetzt flossen die Tränen ungehindert.

Lawrence Munroe nahm seine Tochter tröstend in den Arm. Er streichelte ihren zitternden Rücken und sagte beruhigend: „Er wird mir nichts tun, denn er will nur das Geld. Warum sollte er sich mit einem Mord belasten, der ihm keinen Vorteil verschafft. Sobald er sieht, dass ich fair spiele, wird auch er sein Versprechen einlösen. Hole mir jetzt bitte den schwarzen Koffer aus dem Abstellraum. Ich muss mich beeilen."

Mandy verließ das Zimmer und kehrte wenig später mit einem schwarzen Lederkoffer zurück. Für das viele Geld war er fast zu klein, aber Lawrence Munroe stopfte mit Gewalt alles hinein. Der Kidnapper sollte keinen Grund zur Beanstandung haben. Er würde zweihundertfünfzigtausend Dollar bekommen und keinen einzigen weniger.

5

Als er den Wagen verließ, beschlich ihn doch ein ungutes Gefühl. Hinter jedem Strauch konnte der Entführer liegen und ihn beobachten. Vielleicht war längst der Revolver, mit dem der Gangster auch Ned bedroht hatte, auf ihn gerichtet.

Lawrence Munroe schritt betont langsam einen der Seitenwege entlang. Er war davon überzeugt, dass der Mittelsmann sich in seiner Nähe befand. Er würde nur noch abwarten, ob die Luft rein war, bevor er sich zu erkennen gab.

Der Mann im braunen Anzug musterte jeden, der ihm entgegenkam. Er schloss auch die Frauen nicht aus. Warum sollte der Kidnapper nicht einen weiblichen Komplizen haben?

Die meisten Leute schenkten ihm keine Beachtung. Allerdings, nicht alle. Mit dem sensiblen Instinkt eines in die Enge getriebenen Wilds spürte er das Interesse eines ungefähr fünfundzwanzigjährigen Burschen, der ihn unverblümt anstarrte.

Der Junge war blond und trug ein dickes, kariertes Hemd zu abgewetzten Jeans. In seinem Mundwinkel klebte ein Zigarettenstummel, der aber bereits erloschen war. Er grinste ihn vertraulich an, sagte aber nichts.

Munroe begann zu schwitzen. Der Blonde war bestimmt ein Ganove. Er besaß ein verschlagenes Gesicht mit abschätzenden Augen. Zweifellos war er auch bewaffnet. Sein Hemd beulte sich auf der linken Seite stark aus. Das waren nicht nur Muskeln.

Der Mann blieb stehen und sah den Bengel auffordernd an. Seine Nerven vibrierten. Er wollte es endlich hinter sich bringen. Ned hatte lange genug in Angst leben müssen. Ob er jemals daran gezweifelt hatte, dass ihn sein Vater aus dieser Situation herausholen würde?

„Ich glaube, wir sind verabredet", sagte er zwischen den Zähnen hindurch und blickte sich nach allen Seiten um.

Der Bursche grinste impertinent. „Scheint so, Opa. Du hast ziemlich schwer zu tragen. Ich würde dir gerne helfen."

Munroe zögerte. Der Kidnapper hatte also seine Behauptung wahr gemacht und sicherheitshalber einen anderen geschickt, um sich nicht einer Kugel auszusetzen. Aber eine Garantie, dass Ned freigelassen wurde, gab es nicht.

„Wann sehe ich Ned?", drängte er und ließ den Koffer noch nicht los.

Der Junge kniff die Augen zusammen. „Ned?, echote er gedehnt. „Der wird bald kommen. Bestimmt!

„Ich habe meinen Teil der Vereinbarung eingehalten, erinnerte Munroe. „Ich werde die Polizei auch weiter aus dem Spiel lassen. Es war für mich nicht einfach, die Summe so schnell zusammenzubringen, aber es fehlt kein Dollar.

„Gib schon her, Opa!", forderte der Jüngere ungeduldig und griff nach dem Koffer.

Lawrence Munroe ließ es geschehen. Er sah, wie der Lümmel mit der Viertelmillion davonrannte, und er konnte nur mit Mühe den Drang zu schreien unterdrücken. Er zwang sich zur Ruhe. Das Schlimmste war überstanden. Er würde jetzt auf dem schnellsten Weg nach Hause fahren und darauf warten, dass Ned endlich zurückkam.

Er ging zum Wagen, stieg ein und fuhr los. Unterwegs verursachte er fast einen Verkehrsunfall. Seine nervliche Verfassung ließ eigentlich nicht zu, dass er sich hinter das Steuer eines Fahrzeugs setzte. Aber er hatte ja allein kommen müssen.

Mandy empfing ihn verstört. Sie hatte wieder geweint.

Munroe versuchte, sie zu beruhigen. „Es ist alles glattgegangen, versicherte er. „Jetzt können wir nur noch warten. Sicher ruft Ned bald an, dass wir ihn holen sollen.

„Es kam gerade ein Anruf, erklärte das Mädchen mit erstickter Stimme. „Es war aber nicht Ned.

„Sondern?" Lawrence Munroes Augen begannen zu flattern.

„Der Kerl, der Ned entführt hat."

„Das ging aber schnell, staunte der Mann. „Hat er das Geld schon gezählt?

„Das konnte er nicht, Dad. Er hat behauptet, du hättest den Koffer einem Falschen gegeben. Er hat dich dabei beobachtet und nur deshalb nicht von hinten erschossen, weil er noch immer auf die Viertelmillion Wert legt. Er verlangt, dass du die Summe ein zweites Mal bereitstellst und diesmal keinen Fehler begehst. Andernfalls bringt er Ned um."

Lawrence Munroe starrte seine Tochter entgeistert an. „Noch einmal zweihundertfünfzigtausend Dollar?", vergewisserte er sich ungläubig.

Mandy nickte.

Da schlug er verzweifelt die Hände vors Gesicht. „Das schaffe ich nicht, stieß er hervor. „Ich besitze nichts mehr. Ich könnte nicht mal fünfzigtausend zusammenbringen.

„Dann, Mandy schluchzte, „dann muss Ned sterben.

6

Bount Reiniger war ein vorbildlicher Zuhörer. Er konnte Schweigen, ohne den Eindruck zu erwecken, uninteressiert zu sein.

Was Mandy Munroe ihm unter Stocken erzählte, interessierte ihn allerdings brennend. Das war ja ein ganzes Paket von Verbrechen, mit dem diese Familie innerhalb kürzester Zeit konfrontiert worden war.

Zuerst die Entführung von Mandys Bruder. Dann fast ihre eigene Vergewaltigung und versuchter Mord. Die Erpressung ihres Vaters, der Raub des Geldes und der abermalige Versuch, eine Viertelmillion für Neds Leben herauszuschinden. Wo sollte man da zuerst anpacken?

Bount hatte der jungen Frau fest versprechen müssen, nicht die Polizei zu informieren. Erst danach hatte sie zu sprechen begonnen.

„Mein Vater war sogar dagegen, dass ich mich an einen Detektiv wende, erläuterte sie. „Aber ich bin der Meinung, das hätten wir schon früher tun sollen. Vielleicht wäre dann alles anders gekommen.

„Vorwürfe haben jetzt keinen Sinn, antwortete Bount ruhig. „Ich will nichts beschönigen, Miss Munroe. Entführung ist immer eine kritische Angelegenheit. Die Gangster reagieren leicht nervös, sobald man ihren Bedingungen nicht voll nachkommt. Natürlich will auch ich nichts tun, was das Leben Ihres Bruders gefährden könnte.

„Heißt das, dass Sie uns helfen werden?", fragte Mandy hoffnungsvoll. Der große Mann, der fast die gleiche Haarfarbe besaß wie sie, flößte ihr Vertrauen ein. Sie glaubte, keine schlechte Wahl getroffen zu haben.

„Das will ich allerdings, bestätigte Bount Reiniger. „Allerdings erwarte ich, dass auch Ihr Vater mit mir zusammenarbeitet. Er hat mit dem Entführer ein paarmal gesprochen, kennt also seine Stimme, wenn wir auch davon ausgehen müssen, dass sie verstellt war.

„Das war sie bestimmt", versicherte Mandy Munroe. Sie schilderte möglichst genau Farbe, Betonung und Akzent der Stimme, die sie am Telefon so sehr erschreckt hatte. Sie versuchte sogar, sie zu imitieren, was ihr aber nicht besonders gut gelang.

Das Aussehen des Kidnappers hatte sie schon zuvor beschrieben. Jetzt ärgerte sie sich, dass sie den unsympathischen Kerl nicht noch viel genauer angesehen hatte. Doch wie hätte sie ahnen sollen, dass er eine so wichtige Rolle in ihrem Leben spielen würde?

Bount fragte sie auch nach diesem Frank Smith, den sie besser beschreiben konnte. Leider hatte sie sich nicht die Nummer des Buick gemerkt. Dazu war sie viel zu aufgeregt gewesen. Aber es war ohnehin nicht ausgeschlossen, dass der Wagen gestohlen worden war.

Auf jeden Fall nahm sich Bount vor, bei den ortsansässigen Versicherungsgesellschaften nach einem Mann zu fahnden, auf den Name oder Beschreibung passte. Er glaubte jedoch nicht an einen Erfolg. Der Sexgangster war sicher nicht so töricht, seinen echten Namen oder Beruf anzugeben.

Der dritte Mann in diesem Spiel war der Halunke, der sich den Koffer mit dem Geld unter den Nagel gerissen hatte. Bount sah zwei Möglichkeiten.

„Entweder war die Übergabe an ihn tatsächlich ein Versehen Ihres Vaters, sagte er nachdenklich, „oder aber das Geld hat die richtige Adresse erreicht und der Entführer ist durch den leichten Erfolg so ermutigt, dass es ihm leidtut, nicht mehr gefordert zu haben, was er nun nachgeholt hat. Ich brauche eine exakte Beschreibung dieses Burschen, die mir nur Ihr Vater geben kann. Vielleicht hat er auch noch andere Beobachtungen gemacht. Da der Kidnapper so rasch bei Ihnen anrief, ist anzunehmen, dass er sich tatsächlich in unmittelbarer Nähe aufgehalten hat.

„Mein Vater wird Ihnen jede gewünschte Auskunft geben, versprach Mandy Munroe. Ihre Augen waren gerötet. Während der letzten Stunden hatte sie viel geweint. „Parallel dazu versucht er aber noch, die verlangte Summe aufzutreiben. Er besitzt viele gute Freunde. Die meisten sind ihm aus irgendeinem Grund Dank schuldig. Vater ist ein prächtiger Mensch, der immer hilft, wenn es nur irgendwie geht.

Die Augen des Mädchens leuchteten unwillkürlich auf, während es über ihren Vater sprach.

Bount war fest entschlossen, diesen Leuten zu helfen, die unschuldig in so arge Bedrängnis geraten waren.

7

Er verlor keine Zeit und brachte Mandy Munroe mit seinem Mercedes 450 SEL nach Hause.

Sie trafen fast gleichzeitig mit dem Finanzberater ein, dessen Gesicht wenig Zuversicht ausdrückte.

Er begrüßte den Detektiv ohne Begeisterung und bat ihn ins Haus. „Sie sind sicher Mister Reiniger, von dem meine Tochter Wunderdinge erwartet, sagte er ein wenig bissig. „Aber es gibt keine Wunder mehr. Nur noch Enttäuschungen. Ich komme gerade von einem Mann, der mir die Grundlage seiner beruflichen Existenz zu verdanken hat. Ich habe ihn um ein Darlehen gebeten, aber er hat abgelehnt. Er benutzte zwar blumige Worte des Bedauerns und bat zerknirscht für sein Verhalten um Verständnis, doch damit kann ich Ned nicht aus der Hand des Gangsters befreien. Ich habe nicht geglaubt, dass mich meine besten Freunde im Stich lassen würden. Dieser Mann, von dem ich spreche, war nämlich nicht der Einzige, bei dem ich war. Alle versichern sie mir ihr Mitgefühl und den Wunsch, mir zu helfen. Nur kosten darf es nichts. Einer hat mich sogar gefragt, welche Sicherheiten ich ihm bieten könnte. Ich habe mit ihm gemeinsam das College besucht und seinem Sohn eine gute Anstellung bei einem Elektronik-Unternehmen verschafft. Ich begreife es einfach nicht.

Mandy Munroe fiel ihrem Vater schluchzend um den Hals. „Wir werden es schaffen, Dad, flüsterte sie. „Auch ohne diese sogenannten Freunde. Mister Reiniger besitzt einen ausgezeichneten Ruf als Privatdetektiv. Ich habe mich vorher über ihn informiert.

„Und an Ihrer augenblicklichen finanziellen Notlage wird meine Hilfe nicht scheitern, ergänzte Bount. „Gemeinsam schaffen wir’s, Mister Munroe. Natürlich erwarte ich von Ihnen jegliche Unterstützung. Vor allem dürfen Sie nichts auf eigene Faust unternehmen.

„Ich soll das Schicksal meines Sohnes einem Wildfremden überlassen?", fragte Munroe entgeistert.

„Warum keinem Fremden, wenn die Freunde Sie enttäuschen?, fragte Bount zurück. „Ich reiße das Spiel nicht an mich, wenn Sie das befürchten. Ich brauche Ihre Hilfe und die Ihrer Tochter. Sie beide wissen viel über die Männer, die ich suchen muss. Je genauer Sie sich an Einzelheiten erinnern, umso größer sind unsere Chancen.

Lawrence Munroe wurde etwas ruhiger. Er bot seinem Besucher einen Drink an, den Bount aber ablehnte. „Sie dürfen mich nicht missverstehen, Mister Reiniger, bat er. „Meine Kinder sind mein wertvollster Besitz. Dieser Lump hat mich an meiner verwundbarsten Stelle getroffen. Ich kann es einfach nicht fassen, dass mir die Hände gebunden sein sollen. Ich bin bereit, dieses Haus zu verkaufen. Aber das dauert zu lange. Der Mann wird mir allenfalls zwei Tage Zeit lassen, und davon ist die Hälfte schon fast verstrichen. Ich treibe das Geld nicht rechtzeitig auf, und Sie können überhaupt nichts tun, um den Mord an Ned zu verhindern.

Bount Reiniger hob abwehrend die Hände. „So weit sind wir noch lange nicht, erklärte er ruhig. „Solange der Gangster eine Möglichkeit sieht, doch noch an die Tausender heranzukommen, beraubt er sich nicht seines einzigen Trumpfes. Er wird Ihnen die Zeit einräumen, die Sie benötigen, und er wird einen Fehler begehen. Darauf können wir warten. Nehmen Sie in Zukunft jedes ankommende Gespräch auf Band auf. Informieren Sie mich umgehend, sobald der Kerl wieder mit Ihnen Kontakt aufnimmt. Auch dann, wenn er Ihnen das ausdrücklich verbietet. Bestehen Sie auf weitere Lebenszeichen. Halten Sie den Burschen hin und machen Sie ihm Hoffnungen. Das ist im Moment alles, was Sie tun können.

„Das ist durchaus nicht alles, widersprach der Ältere. „Ich werde mich weiterbemühen, die geforderte Summe aufzutreiben. Es muss eine Möglichkeit geben.

„Einverstanden! Aber riskieren Sie nichts. Auch Ihre Tochter sollte nach Möglichkeit momentan nicht allein das Haus verlassen. Der Kidnapper kennt sie. Wir wissen nicht, was ihm noch alles einfällt. Und da bin ich auch schon bei einer Frage, die mich auf dem ganzen Weg hierher beschäftigt hat."

„Fragen Sie, Mister Reiniger."

„Es hat den Anschein, als habe der Gangster auf Ihren Sohn gewartet. Woher konnte er wissen, dass er ausgerechnet an dieser Stelle und völlig entgegen seiner sonstigen Gewohnheit halten würde. Er tat dies doch nur, weil er seine Schwester dort einsteigen lassen wollte. Wer konnte von dieser Vereinbarung außer den beiden Beteiligten wissen?" Lawrence Munroe zog die Stirn in Falten. Er sah jetzt wie ein Siebzigjähriger aus. Während der letzten beiden Tage war er erschreckend gealtert.

„Ich habe davon gewusst, presste er hervor, „aber ich bin sicher, zu keinem Menschen davon gesprochen zu haben. Wen hätte das schon interessiert?

„Ob Ned etwas hat verlautbaren lassen, wissen wir nicht", überlegte Bount laut. Er blickte das Mädchen an, dessen Augen sich weiteten.

„Sie glauben doch nicht etwa, dass ich ...?"

„Überlegen Sie genau, Miss Munroe!, forderte Bount sie nachdrücklich auf. „Natürlich behaupte ich nicht, dass Sie Ihren Bruder mit Absicht ans Messer geliefert haben, aber irgendwoher muss der Gangster seine Information bekommen haben. Er hat sich nicht auf die Straße gestellt und gewartet, ob sich zufällig vor seiner Nase eine Autotür öffnet. Der Coup war genau geplant. Mit wem haben Sie darüber gesprochen, dass Ned Sie abholen würde?

„Mit Elly natürlich. Elly ist meine beste Freundin. Für sie lege ich meine Hand ins Feuer."

„Auch für deren Bekannte?, hakte Bount ein. „Eine solche Information hat schnellere Beine, als man für möglich hält. Dabei will ich auch Ihre Freundin nicht beschuldigen. Aber niemand hat von ihr verlangt, Stillschweigen darüber zu bewahren. Vielleicht hat sie es einer anderen Freundin erzählt oder einem Freund. Ich brauche unbedingt ihre Adresse.

„Kann ich dabei sein, wenn Sie mit ihr reden? Ich möchte auf keinen Fall, dass Elly den Eindruck erhält, ich würde ihr etwas Gemeines zutrauen."

Dagegen hatte Bount nichts einzuwenden. Es war ihm sogar ganz lieb, Mandy in seiner Nähe zu haben. Sicher tauchten noch weitere Fragen auf, die sie dann schnell beantworten konnte. Außerdem schloss er nicht aus, dass der Kidnapper versuchen würde, sie auch noch in seine Gewalt zu bringen, um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen.

Er versuchte, sämtliche Möglichkeiten durchzudenken. So zog er auch in Erwägung, dass dieser angebliche Frank Smith mit dem Entführer gemeinsame Sache machte und in erster Linie die Aufgabe gehabt hatte, Mandy an der Verfolgung zu hindern. Schon deshalb wollte er auch diesen Burschen nicht aus den Augen verlieren. June sollte versuchen, Näheres über ihn herauszufinden. Sie konnte vom Büro aus sämtliche Versicherungsagenturen befragen. Außerdem war es bestimmt nicht verkehrt, die Beschreibung sämtlicher Akteure an Toby Rogers weiterzugeben. Toby musste ja nicht unbedingt jetzt schon die wahren Umstände erfahren. Aber die Polizei verfügte nun mal über ein hervorragendes Verbrecherarchiv, und als Leiter der Mordkommission Manhattan C/II besaß sein alter Freund Toby Rogers den direkten Zugriff dazu.

Unklar war auch noch die Rolle des unbekannten Blonden, der wie selbstverständlich den Geldkoffer entgegengenommen hatte. Bei soviel Kaltblütigkeit war nicht auszuschließen, dass er kein unbeschriebenes Blatt mehr war. Es musste doch mit dem Teufel zugehen, wenn das Archiv nicht wenigstens über einen dieses miesen Kleeblattes etwas Genaueres wusste.

Da sich Bount aber grundsätzlich nicht auf den Teufel verließ und auch Toby nicht die Arbeit überlassen wollte, für die er selbst engagiert worden war, gedachte er, seine eigenen Ermittlungen zu betreiben. Die erste Station sollte diese Elly Andes sein, von der er hoffte, dass sie der erste Abdruck einer Fährte war, die zu dem Kidnapper führte.

8

Elly Andes war in Mandy Munroes Alter, unterschied sich vom Typ her aber gewaltig von ihrer Freundin. Samtschwarzes Haar floss über ihre Schultern und umrahmte ein attraktives Gesicht mit feurigen Augen, in denen jeder Mann ein Versprechen lesen konnte.

Sie war nicht so schlank wie Mandy, doch ihre Rundungen saßen genau an den Stellen, die bei einer Frau bevorzugt wurden, und sie wusste ihre Pölsterchen auch wirkungsvoll zur Geltung zu bringen.

Als Mandy mit dem fremden Mann auftauchte, wurde ihr Atem unruhig. Der Bursche gefiel ihr ausnehmend gut. Da er sie verhältnismäßig sachlich ansah, erkannte sie in ihm ein Wild, das sich nicht so leicht erlegen ließ. Das reizte sie.

Es störte sie nur, dass er offensichtlich zu Mandy gehörte. Trotz aller besitzergreifenden Eigenschaften respektierte Elly Andes den Besitz ihrer Freundin.

„Hallo!", sagte sie. Ihre Stimme klang verheißungsvoll. Ihre Lider senkten sich, aber ihre schwarzen Augen funkelten.

Sie merkte schnell, dass Bount Reiniger nicht gekommen war, um sie mit Komplimenten zu überhäufen. Er blieb zwar höflich, aber kühl. Und sie begriff auch, dass er nicht in einer Weise zu Mandy gehörte, wie sie das anfangs angenommen hatte.

Bount kam schnell auf den Grund seines Besuches zu sprechen, betonte aber, dass er sie in keiner Weise verdächtigte, absichtlich einem Dunkelmann eine Information gegeben zu haben.

Die Schwarzhaarige wusste über die Ereignisse im Hause Munroe Bescheid. Sie bot ihre Hilfe an, bestritt jedoch, über die Verabredung der Geschwister ein Wort verloren zu haben.

„Da bin ich ganz sicher", behauptete sie energisch und funkelte Bount Reiniger jetzt fast drohend an. Er hatte für sie an Interesse verloren.

Bount gab ihr die Beschreibung der drei gesuchten Männer in der Hoffnung, dass sie einen davon kannte. Auch hier wurde er enttäuscht. Das Gespräch endete so unergiebig, wie es begonnen hatte.

Sie verabschiedeten sich, und Bount öffnete die Wohnungstür. Da sah er gerade noch den Schatten, der die Treppe hinuntereilte.

Sofort spurtete er hinterher. Der Bursche hatte anscheinend gelauscht. Jedenfalls war sein Gewissen alles andere als rein.

Elly Andes wohnte in der dritten Etage. Es gab in dem Haus zwar einen Lift, aber auf den verzichtete Bount. Mit weiten, halsbrecherischen Sätzen jagte er hinter dem Flüchtenden her. Er hoffte, eine heiße Spur aufzunehmen, falls er den Unbekannten erwischte.

Ein Stockwerk unter sich hörte er laute Stimmen, die in Flüche übergingen. Ein kurzes Handgemenge folgte, das in einem Poltern endete.

Bount Reiniger hetzte heran. Er sah einen fetten Mann auf dem Treppenabsatz liegen. Er bemühte sich verzweifelt, auf die Füße zu kommen. Der andere musste ihn umgerannt haben.

Bount vermutete, dass der Dicke auch ohne seine Hilfe in die vertikale Lage zurückkehren würde. Er nutzte den kurzen Aufenthalt des Verfolgten, dessen Vorsprung dadurch zusammengeschmolzen war.

Als er die erste Etage erreichte, sah er den Halunken vor sich. Da stieß Bount sich ab und sprang.

In diesem Augenblick sah sich der andere um und erschrak. Er hob zwar beide Arme zur Abwehr, doch das nützte ihm nichts. Der unmittelbar folgende Aufprall warf ihn auf den Rücken, und Bount Reiniger drückte ihm den Unterarm gegen den Kehlkopf.

„Heraus mit der Sprache, Freundchen!, befahl er. „Was hattest du da oben zu suchen?

Der Lümmel war nicht sonderlich kräftig, aber er wehrte sich enorm. Seine roten Haare waren nicht echt. An den Wurzeln zeigten sie ihre wahre, schwarze Färbung. Ansonsten sah er nicht unbedingt wie ein Gauner aus, aber warum sonst war er davongelaufen?

„Was fällt dir ein?, fauchte er. „Ich wollte zu Miss Andes. Wir sind befreundet. Aber ich hatte sie schon lange im Verdacht, dass ich bei ihr nicht der Einzige bin. Als ich an der Tür die Männerstimme hörte, wollte ich endlich wissen, woran ich mit ihr bin.

„Und? Weißt du es jetzt?" Bount lockerte den Griff, war aber auf der Hut. Er wollte nicht, dass der Rothaarige ihm wieder auskniff.

„Ich ... ich bin nicht sicher. Ich habe nur mitgekriegt, dass du ein paar Typen suchst. Aber wenn du Augen im Kopf hast, musst du zugeben, dass ich keiner von denen bin."

Zumindest was den Sittenstrolch und den Burschen vom Central Park betraf, hatte er recht. Er entsprach nicht den Beschreibungen, die Bount von den Munroes bekommen hatte.

Auch der Kidnapper konnte er nicht sein, aber vielleicht dessen Strohmann, der den Geldkoffer hatte in Empfang nehmen sollen.

„Wo warst du gestern Abend? Genauer gesagt zwischen zehn und elf Uhr?"

Der Rothaarige zeigte ein bissiges Grinsen. „Das muss ich nicht sagen. Du bist nicht von der Polizei."

„Stimmt! Aber ich habe dort gute Freunde, die dankbar sind, wenn ich ihnen ein bisschen Arbeit abnehme und einen Gauner abliefere."

„Unverschämtheit! Ich habe nichts verbrochen. Es ist nicht verboten, eifersüchtig zu sein. Elly ist ein kleines Luder."

„Danach habe ich nicht gefragt. Du brauchst ein Alibi, und ich gebe dir zehn Sekunden, darüber nachzudenken."

Der Rothaarige mahlte hörbar mit den Zähnen. Dann quetschte er hervor: „Frag doch Elly, wo ich gestern gewesen bin. Ich hoffe, dass sie sich noch an mich erinnert und nicht mit ihrer Buchführung durcheinanderkommt."

„Wir werden sie fragen." Bount Reiniger zog seinen Gegner vom Boden hoch und dirigierte ihn die Treppe hinauf.

Der Dicke stand inzwischen wieder auf den Füßen. Als er die beiden Männer zurückkommen sah, wich er schleunigst zur Seite aus. Er spürte keine Lust, abermals mit den harten Stufen Bekanntschaft zu schließen.

Die Frauen warteten vor Elly Andes’ Wohnungstür.

Das Gesicht der Schwarzhaarigen verzog sich amüsiert. „Keith, du? Habe ich dir gestern nicht gesagt, dass du mich eine Weile in Ruhe lassen sollst? Du gehst mir mit deiner Eifersucht auf den Geist."

„Er war gestern bei Ihnen?", erkundigte sich Bount Reiniger misstrauisch. Er hatte unten zwar ziemlich leise gesprochen, aber es war nicht ausgeschlossen, dass Elly Andes trotzdem die Behauptung des Rothaarigen mitgekriegt hatte.

„Die ganze Nacht, bestätigte die Gefragte. „Es gibt keinen Grund, ihn zu verdächtigen, Mister Reiniger. Außerdem haben Sie mir keinen Rotschopf beschrieben. Sie wiederholte die äußeren Merkmale der Gesuchten und sah dabei ihren Freund an, der trotzig die Unterlippe verschob. „Er könnte einen von den Burschen kennen, erklärte sie. „Keith ist Künstler, müssen Sie wissen. Er malt. In der Regel bevorzugt er pralle Mädchen, aber manchmal skizziert er auch düstere Gegenden und ausgesprochene Verbrechervisagen. Dazu treibt er sich in Gegenden herum, in die ich nicht mal in Begleitung eines Privatdetektivs gehen würde. Sie warf Bount einen koketten Blick zu. „Bei der Gelegenheit lernt er viele Leute kennen. Steh nicht so stumm da, Darling. Sagt dir die Beschreibung etwas?"

Keith stierte sie an, als hätte er gar nicht zugehört. In Wirklichkeit arbeitete es in seinem Gehirn. Verdammt!, dachte er beunruhigt. Der Blonde könnte Logan sein. Aber der Typ ist doch harmlos. Hinter dem ist bestimmt kein Privatschnüffler her. Wozu sollte ich ihm Ärger machen? Und ausgerechnet dem Teck einen Gefallen tun, habe ich auch keinen Grund. Soll er doch suchen, bis er schwarz wird.

Langsam

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