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Die Schlösser der Herzogin: Fiktive Briefe der Friederike Amalie von Schleswig-Holstein-Gottorf
Die Schlösser der Herzogin: Fiktive Briefe der Friederike Amalie von Schleswig-Holstein-Gottorf
Die Schlösser der Herzogin: Fiktive Briefe der Friederike Amalie von Schleswig-Holstein-Gottorf
eBook494 Seiten3 Stunden

Die Schlösser der Herzogin: Fiktive Briefe der Friederike Amalie von Schleswig-Holstein-Gottorf

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Über dieses E-Book

Friederike Amalie (1649-1704), dänische Prinzessin und Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf, ließ nach dem Tod ihres Mannes Christian Albrecht, des Kieler Universitäts-gründers, zwischen 1695 und 1696 das Schloss Kiel zu ihrem Witwensitz umbauen und erweitern. Sie beauftragte damit den italienischen Baumeister Domenico Pelli, von dessen Bau heute noch der Rantzaubau des Schlosses erhalten ist.
Dieses Buch enthält vierzig fiktive Briefe der Herzogin, die sie während der Bauzeit an ihre Gottorfer und ihre dänischen Verwandten sowie an weitere Personen schrieb. In diesen Briefen berichtet sie vom Baufortschritt am Kieler Schloss, erzählt von anderen Schlössern, in denen sie im Laufe ihres Lebens wohnte, reagiert auf persönliche Erlebnisse der Briefpartner und schildert einzelne Phasen ihres eigenen Lebens. Auf diese Weise entsteht eine Darstellung ihrer Biographie und zugleich ein Bild ihrer Epoche.
SpracheDeutsch
HerausgeberTWENTYSIX
Erscheinungsdatum30. Nov. 2021
ISBN9783740778750
Die Schlösser der Herzogin: Fiktive Briefe der Friederike Amalie von Schleswig-Holstein-Gottorf
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Autor

Peter Wenners

Peter Wenners, geboren 1950, studierte nach dem Abitur an der Christian-Albrechts-Universität Kiel Germanistik, Geographie, Skandinavistik und Kunstgeschichte sowie Pädagogik und Soziologie. Ab 1978 unterrichtete er an der Heinrich-Heine-Schule in Heikendorf die Fächer Deutsch und Geographie. 1985 legte Peter Wenners mit seiner Dissertation über die Probsteier Familiennamen und der mündlichen Prüfung in den Fächern Germanistik, Geographie und Kunstgeschichte seine Promotion ab. In den Jahren 1991 bis 1993 war er am Germanistischen Institut der Christian-Albrechts-Universität Kiel im Rahmen eines Lehrauftrags als Dozent für die Fachdidaktik des Deutschunterrichts tätig. 1993 wurde Peter Wenners zum Leiter des Gymnasiums Altenholz gewählt. Dieses Amt nahm er über 22 Jahr lang wahr bis zu seiner Versetzung in den Ruhestand 2016. Nach seiner Pensionierung engagierte er sich von 2016 bis 2020 als pädagogisch wissenschaftlicher Leiter der Juniorakademie St. Peter-Ording, eines Förderprogramms für hochbegabte Jugendliche aus Schleswig-Holstein und Hamburg. Seit 2016 widmet sich Wenners dem Schreiben von historischen Sachbüchern über Kiel und Schleswig-Holstein.

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    Buchvorschau

    Die Schlösser der Herzogin - Peter Wenners

    Meiner Mutter Hertha Wenners (1912-2006) in Dankbarkeit gewidmet

    Friederike Amalie (1649-1704), dänische Prinzessin und Herzogin von Schleswig-Holstein-Gottorf, ließ nach dem Tod ihres Mannes Christian Albrecht, des Kieler Universitätsgründers, zwischen 1695 und 1696 das Schloss Kiel zu ihrem Witwensitz umbauen und erweitern. Sie beauftragte damit den italienischen Baumeister Domenico Pelli, von dessen Bau heute noch der Rantzaubau des Schlosses erhalten ist.

    Dieses Buch enthält vierzig fiktive Briefe der Herzogin, die sie während der Bauzeit an ihre Gottorfer und ihre dänischen Verwandten sowie an weitere Personen schrieb. In diesen Briefen berichtet sie vom Baufortschritt am Kieler Schloss, erzählt von anderen Schlössern, in denen sie im Laufe ihres Lebens wohnte, reagiert auf persönliche Erlebnisse der Briefpartner und schildert einzelne Phasen ihres eigenen Lebens. Auf diese Weise entsteht eine Darstellung ihrer Biographie und zugleich ein Bild ihrer Epoche.

    Inhaltsverzeichnis

    24. Mai 1695 Anna Sophie, Kurfürstin von Sachsen

    25. Mai 1695 Friedrich IV., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf

    01. Juni 1695 Christian V., König von Dänemark

    30. Juni 1695 Charlotte Amalie, Königin von Dänemark

    05. Juli 1695 Domenico Pelli, königlich-dänischer Baumeister

    12. Juli 1695 Wilhelmine Ernestine, Kurfürstin von der Pfalz

    15. Juli 1695 Anna Sophie, Kurfürstin von Sachsen

    21. Juli 1695 Sophie Amalie, Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel

    10. August 1695 Friedrich IV., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf

    27. September 1695 Christian August von Schleswig-Holstein-Gottorf

    01. Oktober 1695 Anna Dorothea von Schleswig-Holstein-Gottorf

    05. Oktober 1695 Friedrich IV., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf

    10. Oktober 1695 Christian V., König von Dänemark

    12. Oktober 1695 Magdalena Sibylla, Herzogin von Mecklenburg

    15. Oktober 1695 Friedrich IV., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf

    18. Oktober 1695 Wilhelmine Ernestine, Kurfürstin von der Pfalz

    24. Oktober 1695 Sophie Amalie, Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel

    18. November 1695 Jacob Mussaphia, Hofjude zu Hamburg

    20. November 1695 Marie Elisabeth von Schleswig-Holstein-Gottorf

    15. Dezember 1695 Gabriel Wedderkop, Hauptpastor an der St. Nikolaikirche zu Kiel

    20. Dezember 1695 Friedrich IV., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf

    27. Dezember 1695 Christian V., König von Dänemark

    30. Dezember 1695 Otto Diederich von Bülow, Oberhofmeister auf Schloss Gottorf

    06. Januar 1696 Christian August von Schleswig-Holstein-Gottorf

    12. Januar 1696 Sophie Amalie, Prinzessin von Braunschweig-Wolfenbüttel

    15. Januar 1696 Freiherr Christian Ernst von Reichenbach, Holsteinisch-Gottorfischer Kanzler und Geheimer Rat

    30. Januar 1696 Johann Ludwig von Pincier, Stellvertretender Präsident des Geheimen Rates von Schleswig-Holstein-Gottorf

    01. Februar 1696 Augusta Maria, Markgräfin von Baden-Durlach

    13. Februar 1696 Hedwig Eleonora, Königin von Schweden

    03. März 1696 Georg von Dänemark, Herzog von Cumberland, Earl von Kendal

    10. März 1696 Domenico Pelli, königlich-dänischer Baumeister

    15. März 1696 Nicodemus Tessin, königlich-schwedischer Hofarchitekt und Stockholmer Stadtarchitekt

    18. März 1696 Marie Elisabeth von Schleswig-Holstein-Gottorf

    20. März 1696 Friedrich IV., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf

    11. April 1696 Christian V., König von Dänemark

    01. Mai 1696 August Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf, Fürstbischof von Lübeck

    15. Mai 1696 Domenico Pelli, königlich-dänischer Baumeister

    12. Juni 1696 Anna Sophie, Kurfürstin von Sachsen

    18. Juni 1696 Wilhelmine Ernestine, Kurfürstin von der Pfalz

    28. September 1696 Friedrich IV., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf

    An Anna Sophie, Kurfürstin von Sachsen, auf Schloss Lichtenberg

    Kiel, am Dienstag, dem 24. Mai 1695

    Liebste Schwester,

    nun ist es endlich entschieden: Ich werde in Kiel bleiben und meinen Witwensitz im Kieler Schloss nehmen, so wie es Christian Albrecht vorgesehen hatte und wie ich es schon seit einiger Zeit plante.

    Ich schreibe Dir bereits aus Kiel, denn ich möchte die Baupläne und deren Ausführung gerne aus nächster Nähe verfolgen können. So werde ich von Zeit zu Zeit immer einmal im Warleberger Hof in der Dänischen Straße wohnen. Dieses Stadthaus war seinerzeit ein Geschenk meines Schwiegervaters, des Herzogs Friedrich, an seinen Amtsschreiber Christopher Martensen. In diesem Jahr erst erwarb Henning von Thienen, Gutsherr auf Warleberg, das Palais und gab ihm seinen Namen. Er und seine Frau Apollonia Augusta sind so überaus freundlich, mir Gastrecht zu gewähren, wenn ich in Kiel weilen werde.

    Ja, teure Anna, nun muss auch ich an meinen Witwensitz denken. Der Tod meines Gemahls liegt nun schon ein halbes Jahr zurück, und ich muss sagen, dass ich ihn doch recht vermisse nach fast dreißigjähriger Ehe. Die Jahrzehnte bescherten uns viele gute Jahre, aber auch bittere Zeiten, wie die im Hamburger Exil, in das unser Bruder meinen lieben Mann gezwungen hatte. Nun aber heißt es, den Blick nach vorne zu richten und die Zukunft zu planen, zunächst das neue Heim. Es wird also Kiel sein. Hier werde ich nun gänzlich nach eigenem Belieben und eigenen Vorstellungen gestalten dürfen, eigentlich zum ersten Mal in meinem Leben. Auch wenn manche Leute über unsere vermeintliche Bausucht die Nase rümpfen. Ich stehe voll und ganz zu dieser Leidenschaft. Die habe ich sicherlich von unserer Mutter geerbt.

    Kiel hat eine beachtlich lange Tradition als Witwensitz. Ich bin mir nicht sicher, ob Du die Geschichte des Hauses so präsent hast. Ich weiß nur, dass Du erst ein einziges Mal in Kiel warst, als Du Dich zu uns auf den Weg nach Gottorf machtest. Ich lege dem Brief ein Bild vom früheren Schloss bei, damit Du Dir eine Vorstellung machen kannst. Auf bemerkenswerte Weise spiegelt das Schloss die gemeinsame dänisch-schleswig-holsteinische Geschichte wider. Doch höre selbst.

    Schloss Kiel, um 1696

    Schon im 15. Jahrhundert war die damalige Burg des Öfteren der Alterssitz von Schauenburger Gräfinnen. Frederik I., unser Ururgroßvater, schließlich bestimmte das Schloss zum Witwensitz für seine Gemahlin Anna von Brandenburg und ließ einen Neubau errichten, das so genannte Neue Haus, das auch seiner zweiten Frau Sophia von Pommern als Alterssitz diente, die das Schloss noch vor Beginn des Großen Krieges prachtvoll ausstattete und dort immerhin 35 Jahre bis zu ihrem Tode lebte. Noch zu ihren Lebzeiten begann ihr Sohn Adolf mit einem Umbau. Für seine Frau Christine von Hessen ließ dieser Herzog Adolf, der Begründer unserer Gottorfer Dynastie, dann einen weiteren Schlossflügel ergänzen, den jetzigen Altbau, der mit goldenen und silbernen Ledertapeten, Wandbildern, bemalten Decken, Türrahmen aus Alabaster und Kaminen prächtig ausgestaltet war. Die Verbindung zwischen den beiden Schlosstrakten schuf der Bleigang, der seinen Namen einem zum Schlosshof ausgerichteten Arkadengang mit einem Bleidach verdankt. Trotz des Großen Krieges veranlasste mein Schwiegervater, Herzog Friedrich III., noch etliche Umbauten. Unter diesem Krieg aber litt das Schloss sehr. Die Beschießung der Stadt durch unseren Großvater Christian IV. beschädigte auch weite Teile des Schlosses, vor allem die Nebengebäude. Große Tage erlebte das Haus erst wieder durch meinen Gemahl, als er anlässlich der Universitätsgründung das Festmahl hier ausrichtete.

    Zwar wäre für mich auch eine Residenz im Schloss vor Husum, das auch zu meinem Erbe zählt, denkbar gewesen, aber dieses Haus ist mir noch aus der Zeit des Hamburger Exils Christan Albrechts in nicht ausschließlich guter Erinnerung. Sicher, Husum ist von meiner Schwiegermutter, die dort immerhin fünfundzwanzig Jahre lang als herzogliche Witwe residierte, prachtvoll umgebaut und ausgestattet worden. Trotzdem könnte ich mich dort nicht wohlfühlen. Darüber hinaus ist mir Husum letztlich zu abgelegen. In Kiel bin ich nah am Geschehen der Zeit und nah bei meinem Sohn Friedrich, der auch hier seine Nebenresidenz bekommen soll. Zudem muss ich gestehen, dass ich diesen Ort sehr liebe. Aus den Zimmern des Schlosses, das direkt an den Wassern der Förde liegt, hat man eine prächtige Aussicht nach allen Seiten, nach Osten zur See hin, und jenseits des Wassers ist die Gegend sehr schön bewaldet. Nach Norden wird sich der herrliche Garten anschließen, der allerdings noch seiner Gestaltung bedarf, und den Übergang bilden zu dem tiefen Wald des düsteren Brooks. Im Westen begrenzt ein schmaler Meeresarm die Stadt und auch den Schlossbezirk, hinter dem sich ebenfalls eine liebliche Landschaft erstreckt. Im Süden schließt das Schloss an die kleine, behagliche Stadt an.

    Allerdings war zu bedenken, dass sich das Schloss in Kiel leider in extrem schlechtem Zustand befindet. Die Spuren, die die Verwüstungen, Plünderungen und Einquartierungen während des Großen Krieges hinterlassen hatten, führten trotz zwischenzeitlicher Renovierungen, die aber auch nur halbherzig vorgenommen wurden, zu einer zunehmenden Verödung des Schlosses. Nachdem der spätgotische Altbau von König Frederik, das so genannte Neue Haus, vor zehn Jahren, genau am 31. März, mit großem Getöse eingestürzt war und auch Teile der Silberkammer und des Bleigangs mit sich gerissen hatte, hatte sich immer mehr herausgestellt, wie baufällig das gesamte Gebäude ist. Der gut einhundert Jahre alte Bau, den Herzog Adolf I. für seine Mutter Königin Sophia von Dänemark als Witwensitz in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts errichten ließ, steht weitgehend noch fest da, ist aber recht heruntergekommen. Ich weiß nicht, ob Du diesen Herzog-Adolf-Bau vor Augen hast. Es handelt sich um einen sehr kompakten Baukörper aus vier Parallelhäusern, wie es der damaligen Bautradition im Lande entsprach. Die vertikale Erschließung erfolgte über Treppentürme im Nordosten und Südwesten. Immer noch schön sind kleine achteckige Erker an den Gebäude ecken zur Wasserseite und die reich verzierten rundumlaufenden Giebel um die Satteldächer. Die Fassade dagegen ist auf dem Granitsockel eigentlich schmucklos mit großen axial ausgerichteten Fenstern. Dieser Bau, seinerzeit architektonisch wegweisend, soll bleiben, muss aber dringend renoviert werden. In seiner jetzigen Verfassung entspricht er in keiner Weise meinen Bedürfnissen. Hinzu kommt, dass die Trümmer des zusammengestürzten Hauses nur teilweise fortgeräumt sind.

    Es gibt also einiges zu tun. Aber ich habe große Pläne und einen befähigten Baumeister an meiner Seite, dem ich voll und ganz vertraue. Du kennst ihn, liebste Schwester: Es handelt sich um Monsieur Domenico Pelli, der schon seit geraumer Zeit, genau seit sieben Jahren, für unseren Bruder Christian tätig ist. Er wird den Altbau völlig renovieren und ihm einen modernen Anbau hinzufügen, der meinem Sohn Friedrich Wohn- und Arbeitsräume bieten wird. Im Altbau will ich selber Wohnung beziehen und auch Marie Elisabeth zu mir nehmen. Der gesamte Bau soll sowohl der Repräsentation also auch der Entspannung und Bequemlichkeit dienen.

    Wie Du vielleicht weißt, stammt Pelli aus Italien, gebürtig in Aranno bei Lugano. Seine Ausbildung erfuhr er in Mailand und Mantua, deshalb wird er seine italienischen Architekturerfahrungen auch hier im Norden einbringen. Übrigens wurde er auch im Festungsbau geschult, und zwar in Straßburg. Deswegen hat ihn unser Bruder auch vor vier Jahren damit beauftragt, das Neuwerk in der Rendsburger Festung zu entwerfen.

    Mit heutigem Tage ist ein Bau-Kontrakt zwischen dem Entrepreneur Pelli und unserem herzoglichen Hofmeister Otto Dietrich von Bülow unterzeichnet worden, in dem jener sich verpflichtet, den Bau bis Michaelis 1696 zu vollenden. Der Vertrag sieht vor, ein über zweihundert Fuß langes Gebäude vom Alten Schloss bis zur Reitbahn zu errichten, das alles auf gutem Fundament, unter Beachtung der notwendigen Länge, Weite, Höhe und Dicke der Mauern, mit solidem Dach, einschließlich aller Kamine, Fenster, Türen, Böden, Treppen zu bauen, nach dem vorgesehenen Plan, in untadelhafter Form und Ausführung, ohne Mängel für den vollen bewohnbaren Gebrauch zu verfertigen. Du siehst also, es ist an alles gedacht.

    Eifrig, wie er ist, der junge Mann - er ist jetzt neununddreißig Jahre alt -, hat er mir auch schon Entwürfe vorgelegt, die zu den höchsten Hoffnungen berechtigen, dass es ein glanzvolles Haus werden wird. Er plant, den Neubau winkelförmig an den kompakten Baukörper des Altbaus anzuschließen, so dass eine großzügige Dreiflügelanlage entsteht. Das ganze Ensemble beabsichtigt er nach Norden zu einem luftigen Hof zu öffnen, der in den weitläufigen Garten übergehen soll.

    Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Monsieur Pelli, immerhin halte ich mich auch selbst für durchaus befähigt, eigene Baugedanken und Wünsche beizusteuern. Schließlich stamme ich aus einer mehr als baufreudigen und auch baukundigen Familie! Denke nur an die Schlösser, die unser Großvater und unser Vater haben erbauen lassen. Auch in Christian Albrechts Familie gab es solche Vorfahren. Sein Großvater Herzog Adolf und auch sein Vater Herzog Friedrich III. waren leidenschaftliche Bauherren und haben viele ansehnliche Schlossbauten hinterlassen.

    Ich werde Dir über den Fortgang der Bautätigkeiten auch zukünftig berichten. Amüsieren wird Dich, dass ich für meine Überlegungen und Planungen zu alten Bildern gegriffen habe. Ich suchte und suche noch nach Vorbildern für meinen Bau, die ich Pelli zur Anregung vorlegen kann. Dabei sind mir sogar Abbildungen in die Hände gefallen, die die Häuser unserer Kindheit zeigen. Wunderliche Erinnerungen sind mir gekommen, als ich die Ansichten der Schlösser Kopenhagen und Frederiksborg und von Schloss Rosenborg betrachtete. Wehmütige und heitere Reminiszenzen sind mit diesen Stätten verbunden, wie Du mir sicher zustimmen wirst. Aber mehr dazu später. Unter den Bildern, die ich mit nach Kiel genommen habe, ist überdies auch das kleine Porträt, das Dich in ganz jungen Jahren mit diesem komischen Gegenstand zeigt; Du weißt schon. Was war denn das eigentlich für ein Ding, das Du in Deiner Hand hältst? Wir haben uns stets köstlich über dieses Bildwerk amüsiert. Es ist eine so schöne Erinnerung an unsere fröhliche Kindheit.

    Anna Sophie von Dänemark, Aquarell

    Erfreuen wird Dich, dass auch Dein schönes Schloss Lichtenburg mir als Vorbild dienen wird. Du hast es so herrlich herrichten lassen mit der neuen Raumaufteilung und den prachtvollen Wand- und Deckenmalereien. Hinzu kommt, dass das Schloss ebenfalls schon auf eine so lange Tradition als Witwensitz der sächsischen Kurfürstinnen zurückblicken kann. Ich fand es erstaunlich, wie viele dänische Fürstinnen dort schon Wohnung bezogen hatten, Du erwähntest Anna von Dänemark, für die das Haus erbaut wurde, und deren Nichte Hedwig von Sachsen, die dort immerhin dreißig Jahre lang lebte. Nun ist es zur Heimat für unsere liebe Schwester Wilhelmine Ernestine und Dich selbst geworden. Wenn ich das Bild von Schloss Lichtenburg anschaue, scheint mir alles so perfekt proportioniert, so großzügig angelegt und mit einer so schönen Kapelle bereichert.

    Carl Simon Schönheit: Schloss Lichtenburg, 1792

    Begierig bin ich zu hören, wie Du Deine Residenz in Lichtenburg mit Möbeln eingerichtet hast und welche Umbauten Du als unbedingt notwendig erachtet hast, weil ich weiß, wie gut Du mit Geld umgehen kannst und wie sparsam Du trotz Deines ansehnlichen Vermögens zu wirtschaften verstehst. Berichte mir doch baldmöglichst einmal davon. Vielleicht kann ich einige Anregungen auch im Kieler Schloss umsetzen.

    Ich denke oft an Dich, wie es Dir und meiner verehrten Schwester Wilhelmine gehen möge. Wohl weiß ich, dass Du in der Dich charakterisierenden Zurückhaltung immer schon recht zurückgezogen lebtest und Deine Zeit lieber abgeschieden vom höfischen Leben mit gehobenem Gedankenaustausch und geistreichem Gespräch mit klugen Menschen verbrachtest, wie es Deiner hohen Bildung entspricht. Erlaube mir zu bemerken, dass Dein nur an Militärischem interessierter Gatte Dir in dieser Hinsicht kein äquivalenter Partner war. Ich freue mich deshalb sehr, dass Du nicht alleine bist und in Wilhelmine eine zugleich liebenswerte wie lebhafte Schwester an Deiner Seite hast.

    Ich umarme Dich und Wilhelmine von Herzen und versichere Dir, dass ich Dich sehr liebbehalte.

    Deine treue Schwester Friederike Amalie

    An Friedrich IV., Herzog von Schleswig-Holstein-Gottorf, auf Schloss Reinbek

    Kiel, am Mittwoch, dem 25. Mai 1695

    Herzogliche Durchlaucht, mein geliebter Sohn,

    ich schreibe Euch bereits aus dem schönen Kiel, wo ich meinen künftigen Aufenthaltsort besichtigt habe und schon intensiv mit den Planungen für das neue Schloss befasst bin.

    Ich sehe wohl, dass der Staatshaushalt nach dem Tod meines Gemahls, belastet durch die vielen Kriege mit meinem Heimatland Dänemark, völlig marode ist und dass deshalb die mir eigentlich zustehende und zudem vertragsgemäß zugesicherte Instandhaltung unterblieben ist. Mir ist bewusst, dass es auch Euch als Erben zukünftig nicht möglich sein wird, die notwendigen Mittel aufzutreiben. Zu Dank bin ich Euch deshalb verpflichtet, dass Ihr trotz allem die mir laut Ehevertrag zustehende Leibrente anzuweisen befohlen habt. Vor allem aber möchte ich Euch danken, dass Ihr einverstanden wart mit meiner Wahl des Witwensitzes und mich nach Kräften unterstützen wollt in dem Um- und Ausbau der Kieler Residenz. Die Reste des zusammengestürzten Friedrich-Baus müssen natürlich zuallererst beseitigt werden, bevor überhaupt mit dem ganzen Bauvorhaben begonnen werden kann.

    Ich muss Euch nun leider berichten, dass sich auch der Adolf-Bau in katastrophalem Zustand befindet. Dieser Ostflügel des Schlosses soll nach meinen Vorstellungen zwar bewahrt bleiben, auch in seiner jetzigen Form als Parallelhaus aus vier nebeneinander gesetzten Giebelhäusern. Die Fensteranordnung in ihren strengen Achsen soll ebenfalls fortbestehen. Aber auch dieser Bauteil verfällt zusehends, an den Wänden zeigen sich Risse und Feuchtigkeit. Die Gewölbe müssen dringend gesichert werden. Der Gewölbedruck, der zu Rissen in den Wänden führt, ist an einigen Stellen so groß, dass die Stützpfeiler zu bersten drohen. Die Giebel sind einsturzgefährdet, die Turmhauben bröckeln immer mehr, und auch die Gesimse müssen repariert werden. Es werden unglaubliche Renovierungsarbeiten vonnöten sein, um den wertvollen Herzog-Adolf-Bau in seiner immensen Bedeutung für die Geschichte und die Tradition unserer Familie zu erhalten. Schließlich verkörpert er die Würde des Begründers unseres Gottorfer Hauses.

    Georg Braun und Frans Hogenberg: Stadt und Schloss Kiel, 1572

    In meinem Besitz befindet sich ein Bild der Stadt Kiel, das das Schloss mit dem Friedrich- und dem Adolf-Bau in seiner ganzen Pracht zeigt. Ich werde bestrebt sein, dem Gebäude sein angemessen würdiges Aussehen wieder zu verleihen. Glücklicherweise ist meine finanzielle Situation mehr als befriedigend. Ich kann euch versichern, dass ich über genügend eigenes Kapital verfüge, um die Sanierung des Schlosses finanzieren zu können und auch den Neubau errichten zu lassen. Es fügt sich glücklich, dass mir die Erbschaft meiner Mutter in Höhe von 23.000 Reichstalern zur Verfügung steht. Während der Exilzeiten Eures Vaters ließ mir mein Bruder obendrein Einnahmen aus den Gütern und Ämtern des Herzogs zukommen, insgesamt waren es weit über 60.000 Reichstaler, die mir überwiesen wurden und die zum Teil noch vorhanden sind, obwohl ich meinen Gemahl immer wieder auch finanziell unterstützen musste. Nur wenige Monate vor seinem Tod überschrieb mir Euer Vater noch die Einkünfte aus Norderdithmarschen als Ausgleich für die geliehenen Beträge. Ich setze voraus, dass Ihr darüber im Bilde seid.

    Außerdem erhalte ich noch die Einnahmen der Ämter Kiel, Oldenburg und Cismar, die mir zustehen, sowie weitere eintausend Reichstaler aus der Vogtei Neumünster. Zu all dem kommen ferner meine Witwenversorgung von 20.000 Talern jährlich und die regelmäßigen Patengelder aus den Niederlanden in Höhe von 6.438 Gulden jährlich, die mir schon bei meiner Geburt zugesagt worden waren. Das mir bis 1674 ausgezahlte und gesicherte Kapital aus dieser Zuwendung betrug insgesamt über 42.000 Reichstaler, die mir jetzt gleichfalls zur Verfügung stehen. Ihr seht also, das ist eine mehr als solide Basis. Mein Baumeister, der Italiener Domenico Pelli, schätzt die Baukosten auf insgesamt etwa 50.000 Reichstaler. Ich kann also das Schloss Kiel völlig frei nach meinen Vorstellungen restaurieren und einrichten lassen.

    Euch, lieber Sohn, entbinde ich hiermit von der Verpflichtung, die mir im Ehevertrag von 1667 zugesicherte Instandhaltung beziehungsweise Instandsetzung des Schlosses vorzunehmen. Schließlich weiß ich nur zu gut, wie es um Euren Staatshaushalt bestellt ist, nämlich nicht anders als zu Lebzeiten Eures Vaters. Diese finanzielle Misere ist, das ist mir schmerzlich bewusst, in den politischen Gegebenheiten begründet, in die Ihr völlig unverschuldet hineingeraten seid.

    Schon Eure Jugend stand im Zeichen des unheilvollen Konflikts zwischen Eurem Vater und meinem Bruder, zwischen den Häusern Gottorf und Dänemark. Christian V. war nicht willens, eine politische und militärische Selbstständigkeit Gottorfs zuzulassen, und Christian Albrecht wiederum strebte genau diese an. Als Euer Vater 1676 ins Exil nach Hamburg gehen musste, wart Ihr erst fünf Jahre alt. Ihr bliebt bei mir und den Geschwistern, Ihr seid mithin lange Zeit ohne Vater aufgewachsen. So war es kein Wunder, dass Ihr früh nach Selbstständigkeit und nach männlicher Unterstützung suchtet und bereits im Alter von vierzehn Jahren nach Brüssel gingt, um Euch dort zum Offizier ausbilden zu lassen. Auch danach kehrtet Ihr nur kurz nach Gottorf zurück, sondern begabt Euch auf Reisen durch Deutschland und schließlich nach Schweden, wo Ihr, zu meinem größten Kummer, sogar zweieinhalb Jahre bliebt.

    Aus der Tatsache, dass Ihr seitdem noch häufiger in Stockholm wart, darf ich wohl schließen, dass Ihr aus einem bestimmten Grund dorthin fahrt. Vielleicht darf ich sogar hoffen, dass Ihr Euch also - wie ich selbst und auch Eure Tante Hedwig Eleonore - mit dem Gedanken tragt, Euch mit Hedwig Sophie zu verehelichen.

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