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Der Mörder weiß es auch nicht besser: 7 Strand Krimis

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Der Mörder weiß es auch nicht besser: 7 Strand Krimis

Länge:
1.040 Seiten
12 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
6. Dez. 2021
ISBN:
9798201211066
Format:
Buch

Beschreibung

Der Mörder weiß es auch nicht besser: 7 Strand Krimis

von Alfred Bekker, Horst Bieber, Pete Hackett, Theodor Horschelt, Cedric Balmore

 

Über diesen Band:

 

Dieser Band enthält folgende Krimis:

 

Trevellian und der Regisseur des Todes (Pete Hackett)

Mord an Bord (Alfred Bekker)

Trevellian - statt harter Dollars eine Leiche (Cedric Balmore)

Prgel aus erstr Hand (Theodor Horschelt)

Der Fall mit den Todesbriefen (Alfred Bekker)

Glück und Zufall (Horst Bieber)

Gestern wurde Ihre Leiche gefunden (Cedric Balmore)

 

Zunächst sollten Mac Dolan und sein Partner eigentlich nur den vermeintlichen Selbstmord des jungen Jerry Dolton aufklären, doch plötzlich stecken sie mitten in den Ermittlungen gegen eine Jugend-Gang, die von jemanden sehr geschickt manipuliert wird. Aber wer ist es, der für gleich mehrere Tote sorgt, den Privatdetektiv töten will und schließlich sogar June, die Sekretärin, entführt hat?

Herausgeber:
Freigegeben:
6. Dez. 2021
ISBN:
9798201211066
Format:
Buch

Über den Autor

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.


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Der Mörder weiß es auch nicht besser - Alfred Bekker

Über diesen Band:

Dieser Band enthält folgende Krimis:

Trevellian und der Regisseur des Todes (Pete Hackett)

Mord an Bord (Alfred Bekker)

Trevellian - statt harter Dollars eine Leiche (Cedric Balmore)

Pürgel aus erster Hand (Theodor Horschelt)

Der Fall mit den Todesbriefen (Alfred Bekker)

Glück und Zufall (Horst Bieber)

Gestern wurde Ihre Leiche gefunden (Cedric Balmore)

––––––––

Zunächst sollten Mac Dolan und sein Partner eigentlich nur den vermeintlichen Selbstmord des jungen Jerry Dolton aufklären, doch plötzlich stecken sie mitten in den Ermittlungen gegen eine Jugend-Gang, die von jemanden sehr geschickt manipuliert wird. Aber wer ist es, der für gleich mehrere Tote sorgt, den Privatdetektiv töten will und schließlich sogar June, die Sekretärin, entführt hat?

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author /

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

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Alles rund um Belletristik!

Trevellian und der Regisseur des Todes: Action Krimi

Pete Hackett

Trevellian und der Regisseur des Todes: Action Krimi

UUID: a7637270-9b67-4ab6-8458-d99142e4dabe

Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://writeapp.io) erstellt.

Table of Contents

UPDATE ME

Trevellian und der Regisseur des Todes: Action Krimi

Krimi von Pete Hackett

––––––––

Der Umfang dieses Buchs entspricht 124 Taschenbuchseiten.

––––––––

Nach einem Bauskandal wird die Frau des zuständigen Stadtverordneten entführt, zehn Millionen Dollar Lösegeld werden gezahlt. Doch dann wird der Stadtverordnete getötet, und wenig später auch die Frau. Das FBI rätselt, in welche Richtung jetzt ermittelt werden soll. Dann kommt der Zufall zu Hilfe, aber der Tod führt nun die Regie.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author / COVER FIRUZ ASKIN

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Alles rund um Belletristik!

1

Wir hatten die alte, verlassene Fabrik bei Park Ridge umstellt. Es war Nacht. Die Dunkelheit war unser Verbündeter. Ich leitete den Einsatz. Das Police Department leistete uns Schützenhilfe. Eine Bande machte seit einigen Wochen die Highways im Staat New York unsicher. Zuletzt war ein Truck, der mit Zigaretten beladen war, gekapert worden.

Der Laster stand in einer der leeren Hallen. Ein Mann, nach dem gefahndet wurde und der vor zehn Stunden der Polizei ins Netz gegangen war, hatte uns den Tipp gegeben. Um Mitternacht sollte die Übergabe der Zigaretten stattfinden. Übernehmen sollte sie ein Mann namens Jack Ballard. Der Name des Mannes, der mit seiner Bande die Highways unsicher machte, war Richard Malone.

Wir waren fest entschlossen, heute dem Spuk ein Ende zu bereiten. Ein für allemal.

Wir standen per Headset miteinander in Verbindung. Es waren sechs Kollegen aus dem Field Office und über ein Dutzend Leute des Police Department. Man hatte uns mit kugelfesten Westen und Helmen ausgestattet, die meisten der Kollegen waren mit Maschinenpistolen bewaffnet. In der Fabrik war einmal Kristallglas hergestellt worden. Jetzt trieben hier nur noch Ratten, Mäuse und Spinnen ihr Unwesen.

Der Mond stand im Süden, und am Firmament blinkten Myriaden von Sternen. Schwarz hoben sich die Gebäude der Fabrik durch die Dunkelheit ab. Die Nacht verbarg den fortschreitenden Verfall, dem sie preisgegeben war. Es handelte sich um ein halbes Dutzend flacher Gebäude mit großen Fenstern, zwei riesige Schlote, die sich wie mahnend erhobene Zeigefinger zum Himmel reckten, und ein ehemaliges Verwaltungsgebäude, das über zwei Stockwerke verfügte.

Ein Auto fuhr in den Hof der Fabrik. Die Scheinwerfer erloschen. Vier Männer stiegen aus. Es war kurz vor vierundzwanzig Uhr. Zwei gingen zum Tor einer der Werkhallen. Gleich darauf wurde das Tor aufgeschoben. In der Halle herrschte eine fast greifbar und stofflich anmutende Finsternis. Stimmen waren zu vernehmen. Was gesprochen wurde, konnte ich nicht verstehen.

Wir warteten. Feines Säuseln erfüllte die Luft. Auf den Wiesen, die sich an das Fabrikgelände anschlossen, zirpten die Grillen. Es war warm, fast schwül. Die Luftfeuchtigkeit war hoch. Eine Fledermaus zog lautlos ihre Bahnen durch die Dunkelheit auf der Jagd nach Beute.

Wir wollten in dieser Nacht die ganze Bande hochnehmen. Sowohl die Highway-Marder, als auch die Hehler. Zwei Lastwagenfahrer waren getötet worden, drei wurden schwer verwundet. Es war an der Zeit, den üblen Machenschaften dieser skrupellosen Mafia ein Ende zu bereiten.

Schließlich näherte sich von Osten her ein zweites Fahrzeug. Die Lichtfinger der Scheinwerfer bohrten sich in die Dunkelheit hinein. Ein Lichtkegel huschte vor dem Wagen her über die asphaltierte Zufahrtsstraße. Die Büsche am Straßenrand muteten an wie geduckt daliegende, schlafende Raubtiere. Das Motorengeräusch trieb auseinander und überlagerte alle anderen Geräusche.

Auch aus diesem Fahrzeug stiegen vier Männer. Autotüren schlugen. Die Männer waren nur schemenhaft wahrzunehmen. Stimmengemurmel sickerte an mein Gehör. Plötzlich ging Licht in der Halle an, deren Tor geöffnet worden war. Da stand der Truck samt Anhänger. Chrom blitzte. Über die Ladeflächen sowohl der Zugmaschine als auch des Anhängers spannten sich graue Planen. Die Gestalten der acht Kerle wurden scharf vom Licht umrissen.

»Schnappen wir uns die Schufte!«, sagte ich in das Mikro des Headsets. Einige Sekunden verstrichen, dann wurde es in den Schatten zwischen den Gebäuden lebendig. Ich hob das Megafon vor mein Gesicht und rief: »Ergeben Sie sich! Die Lagerhalle ist umstellt. Falls Sie bewaffnet sind, legen Sie Ihre Waffen auf den Boden und treten Sie zurück. Zwingen Sie uns nicht, auf Sie zu schießen.«

Die Stimme entfernte sich von mir, und die Worte schienen von der Dunkelheit aufgesogen zu werden. Für kurze Zeit schienen die Gangster wie erstarrt zu sein. Dann erklang ein scharfer Befehl, und die Kerle spritzten auseinander, als wäre eine Granate zwischen ihnen eingeschlagen. Das Licht in der Halle verlosch, die Dunkelheit schlug über dem Truck und den Gangstern zusammen. Das trockene, metallische Schnappen, mit dem Pistolen repetiert wurden, war zu hören.

Und dann begann ein Höllenspektakel. Die Kerle feuerten blindlings in die Nacht hinein. Die Detonationen verschmolzen ineinander und drohten die Fabrikhalle aus allen Fugen zu sprengen. Mündungsfeuer zuckten wie Flammenzungen durch die Finsternis. Querschläger quarrten durchdringend. Schritte trampelten. Die Gangster rannten schießend zu den beiden Autos.

Maschinenpistolen begannen zu rattern. Noch schossen die Kollegen nicht gezielt auf die Gangster, sondern hielten über sie hinweg, um sie einzuschüchtern und zur Aufgabe zu bewegen. Es krachte, klirrte und schepperte. Der Lärm steigerte sich zu einem höllischen Crescendo. Geschrei erschallte. Zwei der Kerle zogen sich schießend zwischen die Fabrikhallen zurück. Plötzlich schwiegen ihre Waffen.

Die anderen sechs warfen ihre Waffen fort und rissen die Arme in die Höhe. Einer schrie überschnappend: »Aufhören! Hört auf zu schießen! Wir ergeben uns.«

»Feuer einstellen!«, brüllte ich. »Komm, Milo!«

Ich rannte los. Die beiden Flüchtlinge schienen sich in der Finsternis in Nichts aufgelöst zu haben. Eine etwa zwei Yard hohe Mauer umfasste das Gelände der Fabrik. Auf der Mauerkrone sah ich eine schattenhafte Bewegung. Dann erklang ein dumpfer Aufprall, im nächsten Moment ein zweiter. Die beiden Fliehenden hatten die Mauer überwunden.

Wir steckten unsere Pistolen ein. Milo lehnte sich mit dem Rücken gegen die Mauer und verschränkte vor seinem Leib die Hände. Ich stellte meinen linken Fuß hinein und schwang mich mit Hilfe dieser Leiter auf die Mauer. Drüben krachte ein Schuss, ich zog den Kopf ein, der Knall wurde über mich hinweggeschleudert. »Mach schon, Milo!« Ich reichte meinem Kollegen die rechte Hand, und er zog sich in die Höhe, eine zweite Kugel pfiff heran, begleitet von einer trockenen Detonation.

Wir sprangen von der Mauer. Geduckt stand ich da, ich lauschte, meine Nerven waren zum Zerreißen angespannt, jeder meiner Sinne war aktiviert. Die Anspannung bereitete mir nahezu körperliches Unbehagen, mit dem Blick versuchte ich die Dunkelheit zu durchdringen.

Es gab hier einige Bäume und Büsche. Die Atmosphäre mutete unheilvoll und gefährlich an. Die Luft schien mit Elektrizität geladen zu sein. Neben mir hörte ich Milo stoßweise atmen. »Weiter!«, gebot ich. Mechanisch setzte ich einen Fuß vor den anderen. Milo hielt sich neben mir. Plötzlich blitzte es vor uns auf. Ich warf mich hin und feuerte auf das Mündungslicht. Neben mir wummerte Milos SIG. Ein Aufschrei erklang. Die Detonationen verhallten raunend in der Nacht. Schritte waren zu hören, in das Geräusch hinein erklang Röcheln.

»Kümmere dich um den Kerl«, stieß ich hervor und beschleunigte meine Schritte. Wenn ich die Geräusche richtig deutete, dann war einer der Gangster getroffen worden, während der andere seine Flucht fortsetzte. Ich lief ein Stück, dann hielt ich an, um zu horchen. Und ich hörte die Schritte des Flüchtenden. »Bleiben Sie stehen!«, rief ich.

Die Geräusche, die der Gangster verursachte, endeten. Ich gab mir einen Ruck und ging langsam weiter, die Hand mit der SIG erhoben, mein Zeigefinger krümmte sich um den Abzug, ich witterte wie ein jagendes Raubtier und ließ meinem Instinkt freien Lauf. Darauf eingestellt, gegebenenfalls blitzschnell zu reagieren, bewegte ich mich.

Und dann dröhnte der Schuss. Hinter einem Strauch leuchtete es auf. Die Kugel verfehlte mich. Ich jagte eine Serie von Schüssen in den Busch und veränderte im nächsten Moment meine Position. Dort, wo ich eben noch gestanden hatte, pfiffen die Geschosse des Gangsters durch die Luft. Ich war auf das linke Knie niedergegangen. Und nun feuerte ich. Zwei – drei Kugeln jagte ich aus dem Lauf. Ich hielt tief, denn ich wollte den Kerl nicht töten. Und plötzlich sah ich den Schemen. Er taumelte durch die Dunkelheit, ein Ächzen erklang, und plötzlich brach der Bursche zusammen.

Vorsicht war geboten. »Werfen Sie Ihre Waffe fort!«, forderte ich.

Ein wimmernder Ton erreichte mein Gehör. Die schussbereite SIG auf das längliche schwarze Bündel am Boden gerichtet schritt ich voran. Dann stand ich vor der Gestalt. Ich sah den hellen Fleck des Gesichts und hörte den rasselnden Atem, kniete ab und tastete den Burschen nach einer Waffe ab. Er musste sie verloren haben, als ich ihn traf. »Wer sind Sie?«, fragte ich.

»Richard Malone. O verdammt! Woher wusstet ihr Scheißbullen von dem Deal?«

Die Antwort darauf blieb ich Malone schuldig. Ich sagte: »Ich bin Special Agent Trevellian vom FBI New York. Ich verhafte Sie im Namen des Gesetzes. Sie haben das Recht zu schweigen ...«

2

Am Morgen traten wir bei Mr. McKee zum Rapport an. Die Aktion in der Nacht war ein voller Erfolg gewesen. Jack Ballard und Richard Malone waren auf Nummer sicher, keiner der Kollegen war verwundet oder gar getötet worden, den Truck mit der Zigarettenladung hatten wir beschlagnahmt.

Wir hatten den Highway-Mardern das Handwerk gelegt. Die Bande befand sich hinter Schloss und Riegel.

»Sehr gute Arbeit, Jesse, Milo«, lobte der Assistant Director und lächelte. Wie bedauernd hob er die Hände. »Leider können Sie sich jedoch auf Ihren Lorbeeren nicht ausruhen. Ich habe hier einen Fall mit Verdacht auf Betriebsspionage. Es geht um ...«

Sein Telefon läutete, er brach ab, pflückte den Hörer vom Apparat und hob ihn vor sein Gesicht. »Jonathan D. McKee, FBI Field Office New York.« Während er sprach, aktivierte er den Lautsprecher.

Eine sonore Stimme erklang: »Guten Morgen, McKee. Hier ist Hywood.«

Die Brauen von Mr. McKee hoben sich. »Hywood, Sie! Was verschafft mir die Ehre?«

Es war in der Tat der Chef des Police Department. Sein Organ war unverkennbar. Es war eine polternde Stimme, und sie gehörte einem Mann, der es gewohnt war, Befehle zu erteilen, anzuweisen, anzuordnen, zu entscheiden und zu maßregeln. Man sagte, dass die Wolkenkratzer wackelten, wenn Chief Hywood seine Stimme erhob.

»Eine üble Sache, McKee. Die Frau des Stadtverordneten Arthur Manson wurde in der Nacht entführt. Der Stadtverordnete wurde zusammengeschlagen, gefesselt und geknebelt.«

»Manson war in den vergangenen Monaten oft in den Schlagzeilen«, bemerkte Mr. McKee nach kurzer Überlegung. »Es ging um den Bau eines Golfplatzes in Linden Hill, Queens. Er setzte den Bau gegen den Willen einiger Grundstücksinhaber durch.«

»Sehr richtig«, versetzte Chief Hywood. »Es kam sogar zu Enteignungen. Ich will, dass das FBI den Fall übernimmt, McKee. Die Sache hat Priorität. Wir wissen nicht, was die Kidnapper verlangen. Aber es ist wohl davon auszugehen, dass die Entführung mit den Vorgängen in Queens zusammenhängt.«

»Die Kidnapper haben sich also noch nicht gemeldet«, konstatierte Mr. McKee.

»Nein. Es waren drei Kerle. Sie drangen gegen zwei Uhr in die Wohnung des Stadtverordneten in der siebenundzwanzigsten Straße ein. Manson und seine Frau schliefen.«

»Wir übernehmen den Fall«, erklärte Mr. McKee. »Bei mir sind gerade die Special Agents Trevellian und Tucker. Ich denke, bei Ihnen wird der Fall in kompetenten Händen sein.«

Milo und ich wechselten einen schnellen Blick.

»Bestellen Sie den beiden schöne Grüße von mir, McKee«, polterte Hywood. »Ich werde veranlassen, dass Sie die Akte erhalten, die von uns angelegt worden ist. Sie beinhaltet allerdings noch nicht viel. Manson befindet sich im New York Hospital und konnte noch nicht vernommen werden.«

»In Ordnung, Hywood. Ich werde Sie auf dem Laufenden halten.«

»Darum möchte ich auch gebeten haben, McKee«, lachte der Chief of Department. »Ansonsten bleibt es mir nur, Ihnen einen schönen und erfolgreichen Tag zu wünschen. Bis zum nächsten Mal also, McKee.«

Nachdem der AD aufgelegt hatte, sagte er: »Sie haben es gehört. Wenn ein Politiker oder einer seiner Angehörigen entführt wird, ist das immer eine delikate Angelegenheit. Bei Ihnen beiden weiß ich die Sache in den besten Händen.«

Wir fuhren ins New York Hospital. Der Stadtverordnete hatte ein Einzelzimmer. Auf seiner Stirn zeichneten sich eine Schwellung und ein Bluterguss ab. Der Arzt, der uns begleitete, sagte: »Mister Manson hat eine Gehirnerschütterung von dem Schlag davongetragen. Ich denke aber, dass er in drei oder vier Tagen die Klinik wieder verlassen kann. Viel schlimmer dürfte es um seine Psyche bestellt sein. Er fürchtet, dass die Entführer seiner Frau etwas angetan haben.«

*

Manson war ein dicklicher Mann von etwa fünfzig Jahren mit grauen Haaren. »Haben Sie schon etwas von den Entführern gehört?«, fragte er und musterte uns erwartungsvoll.

Ich schüttelte den Kopf. »Nein, Sir.«

»Hoffentlich haben diese Schufte meiner Frau kein Leid zugefügt. Die Ungewissheit bringt mich um. Die Sorge um meine Frau frisst mich auf.« Verzweiflung lag im Tonfall seiner Stimme. In seinem Gesicht zuckten die Muskeln. Die Angst wühlte in seinen Augen.

»Sie denken an einen Racheakt?«

»Ja.«

»Ich glaube nicht, dass die Entführer Ihrer Frau etwas antun«, gab ich zu verstehen und war von dem, was ich sagte, überzeugt. »Wenn sie das gewollt hätten, würden sie Ihre Frau nicht entführt haben. Außerdem hätten es dann die Entführer sicher nicht auf Ihre Frau, sondern auf Sie selber abgesehen gehabt.«

Er fixierte mich zweifelnd.

»Wie lief die Sache ab?«, wollte Milo wissen.

Manson schloss die Augen. Einen Augenblick lang sah es so aus, als hätte ihn die Schwäche übermannt und er wäre eingeschlafen. Da schlug er die Augen wieder auf und sagte: »Ich wurde wach, weil ich Geräusche hörte, und stand auf, um nachzusehen. Als ich ins Wohnzimmer kam, sah ich drei maskierte Männer. Wie sie in die Wohnung gekommen waren, weiß ich nicht. Sie überwältigten mich, ich bekam einen Schlag gegen den Kopf, und als ich wieder erwachte, waren die Kerle fort – und mit ihnen meine Gattin.«

»Haben Sie sich zur Wehr gesetzt?«

»Ich kam gar nicht dazu. Alles spielte sich innerhalb weniger Sekunden ab. Ich kam nicht mal richtig zum Denken. Als ich aus der Bewusstlosigkeit erwacht war, habe ich sofort die Polizei verständigt.«

»Sie können uns also so gut wie gar nichts sagen«, knurrte Milo.

Manson griff sich an den Kopf. »Ich sagte es Ihnen doch: Es ging alles derart schnell ...«

Wir verließen das Krankenhaus und fuhren in die 27th Street. Im Gebäude mit der Nummer 96 bewohnte Manson das Penthouse. Die Tür trug das Siegel der Staatsanwaltschaft. Es hätte eines kompetenten Vertreters der Staatsanwaltschaft bedurft, um die Wohnung zu betreten. Da wir aber annahmen, dass die Spurensicherung bereits vor Ort war, fuhren wir zurück ins Federal Building und nahmen mit dem Police Department Verbindung auf. Nachdem ich dreimal weiter verbunden worden war, hatte ich endlich einen zuständigen Beamten an der Strippe.

»Die Wohnungstür wurde professionell geöffnet«, sagte er. »In der Wohnung gab es keine Kampfspuren. Lediglich die Verletzung Mansons gibt darüber Aufschluss, dass Gewalt angewendet wurde. In welchem Zustand Mistress Manson aus dem Gebäude geschafft wurde, ist ungewiss. Vielleicht hat man sie betäubt. Die anderen Hausbewohner haben nichts mitbekommen. Es gab zwar einige Fingerabdrücke in der Wohnung, doch müssen wir noch selektieren, welche zu Manson und seiner Frau gehören. Aber auch die Haushälterin und Besucher des Ehepaares haben sicherlich ihre Prints hinterlassen.«

Im Geiste sah ich den Mann mit den Schultern zucken.

»Ich würde mir keine allzu großen Hoffnungen machen«, fügte er hinzu.

Ich legte auf.

Uns blieb nichts anderes übrig, als darauf zu warten, dass sich die Entführer meldeten.

*

Es war vierzehn Uhr vorbei, als uns Mr. McKee zu sich rief. Er forderte uns auf, Platz zu nehmen, dann sagte er: »Hywood hat mich soeben angerufen. Die Entführer von Jennifer Manson haben sich beim Bürgermeister gemeldet. Sie wollen zehn Millionen Dollar Lösegeld.«

Milo pfiff durch die Zähne. »Bescheiden sind die Kerle nicht gerade«, stieß er hervor.

Auch ich musste das Gehörte erst einmal verarbeiten. Dann fragte ich: »Haben sie irgendwelche Übergabemodalitäten genannt?«

»Nein. Sie werden sich noch einmal melden.« Mr. McKee atmete tief durch. »Nach menschlichem Ermessen wird Manson nicht in der Lage sein, einen derart hohen Betrag aufzubringen.«

»Was dann?«

»Ich weiß es nicht.«

»Wir haben mit Manson gesprochen«, bemerkte ich. »Er konnte uns nichts sagen. Die Feststellungen beim Police Department haben ergeben, dass die Entführer nicht gewaltsam in die Wohnung Mansons eingedrungen sind. Der Stadtverordnete wurde im Wohnzimmer niedergeschlagen. Ob die Spurensicherung etwas ergibt, ist fraglich.«

»Wir sollten beim Bürgermeister vielleicht eine Fangschaltung einrichten«, schlug Milo vor.

»Das habe ich bereits veranlasst«, antwortete Mr. McKee. »Wobei nicht sicher ist, ob die Entführer das nächste Mal wieder bei ihm anrufen. Das sind keine Anfänger. Ich denke, dass wir es hier mit Profis zu tun haben.«

3

Die Entführer riefen nicht beim Bürgermeister an. Der AD setzte uns davon in Kenntnis, dass sie sich beim Chefredakteur der New York Times gemeldet hatten. Bei der Forderung von zehn Millionen Dollar blieb es. Das Geld sollte auf ein Nummernkonto bei einer Bank in Lima überwiesen werden. Sollte das Geld nicht innerhalb einer Woche eingegangen sein, werde man Mistress Jennifer Manson tot vor die Tür des Police Departments legen.

»Der Anrufer ließ keinen Zweifel offen, dass es ihm mit seiner Drohung sehr ernst ist«, sagte Mr. McKee.

»Das scheint mir auch so«, pflichtete ich bei. »Wir haben also eine Woche Zeit, um die Frau zu befreien. Hat man den Stadtverordneten schon in Kenntnis gesetzt?«

»Nein. Das überlasse ich Ihnen, Gentlemen.«

Arthur Mansons Augen nahmen einen fiebrigen Glanz an, als wir ihm von der Forderung berichteten. Er atmete stoßweise, als würde ihn eine unsichtbare Hand würgen. »Woher soll ich zehn Millionen Dollar nehmen? Großer Gott! Meine arme Frau. Diese Banditen werden sie umbringen. Ich kann nicht zahlen.« Er schlug beide Hände vor das Gesicht. Ein Laut, der sich anhörte wie trockenes Schluchzen, entrang sich ihm. Dann ließ er die Hände wieder sinken. »Befreien Sie meine Frau, G-men. Tun Sie alles, was in Ihrer Macht steht. Ich kann keine zehn Millionen Dollar aufbringen. Die Schufte werden Jenny töten. Sie dürfen das nicht zulassen.«

»Sie haben Feinde«, sagte ich.

Verdutzt schaute er mich an. Plötzlich schoben sich seine Brauen zusammen, in seine Mundwinkel kerbte sich ein herber Ausdruck. »Sicher«, murmelte er. »Es gab jüngst eine Maßnahme, in deren Rahmen es zu einigen Enteignungen von Grundstücken kam, weil es das öffentliche Interesse so verlangte.«

Nun war ich an der Reihe, erstaunt zu sein. »Sie sprechen von der Golfanlage in Linden Hill, nicht wahr?«

»So ist es. Es gab dort einige landwirtschaftliche Nutzflächen, und einige Grundstücksbesitzer wollten partout nicht verkaufen. Also wurden sie zwangsenteignet und in der Höhe abgefunden, in der auch diejenigen abgefunden wurden, die verkauften.«

»Die New Yorker Zeitungen waren voll davon. Es gab sogar eine Initiative gegen den Bau des Golfplatzes.« Milo legte den Kopf ein wenig schief. »Wo bitte liegt beim Bau dieser Anlage das öffentliche Interesse?«

Darauf gab der Politiker keine Antwort. Er knetete seine Hände und fixierte uns abwechselnd. Seine Backenknochen mahlten.

Ich nickte. »Ihr Name kam in diesem Zusammenhang immer wieder aufs Tableau, Mister Manson.«

»Man hat mich deswegen bedroht«, knurrte der Stadtverordnete. »Es gab anonyme Drohanrufe. Aber ich hätte doch nie geglaubt, dass diese Schufte tatsächlich ...«

Seine Stimme brach. In seinen Augen begann es feucht zu schimmern. Seine Nerven lagen blank. Seine Psyche spielte nicht mehr mit.

»Nennen Sie uns Namen«, bat ich.

»Sherman«, kam es nach kurzer Überlegung. »Ja, Robert Sherman. Steven Baldwin, Gerald Whitestone, Louella Mangano, um nur einige zu nennen. Sherman drohte mir ganz offen. Er sagte, er würde mich am liebsten wie einen räudigen Hund erschlagen.«

»Wo wohnen diese Herrschaften?«

»Das habe ich nicht im Kopf. Aber das können Sie ganz leicht herausfinden. In der City Hall, in meinem Büro, gibt es Akten. Wenden Sie sich an meine Sekretärin ...«

Um es kurz zu machen: Sherman wohnte in Queens, Grenfell Street. Baldwin wohnte ebenfalls in Queens, Sawyer Avenue. Gerald Whitestones Wohnung lag in Manhattan, East Side, 39th Street. Louella Manganos Anschrift lautete Paerdegat 2nd Street, Brooklyn, New York.

Die Sekretärin von Arthur Manson war ganz aufgelöst. Mit weinerlicher Stimme sagte sie: »Der arme Mann. Wer kann ihm das nur angetan haben? Er hatte für jeden ein offenes Ohr, war absolut sozial eingestellt, und er wollte nur das Beste für die Stadt und ihre Bewohner.«

»Gab es viele Drohanrufe nach der Sache mit den Zwangsenteignungen in Queens?«, erkundigte ich mich.

»Einige. Die meisten beschimpften den Stadtverordneten nur. Aber einige drohten ihm sogar mit dem Tod.«

Außer den uns bereits bekannten Namen schrieben wir noch einige weitere auf, die im Zusammenhang mit den Zwangsenteignungen in Erscheinung getreten waren, dann verließen wir die City Hall wieder.

Wir beschlossen, zuerst Gerald Whitestone in Manhattan einen Besuch abzustatten. Bevor wir in die 39th fuhren, vergewisserte ich mich telefonisch, dass Whitestone zu Hause war. Wir trafen einen Mann von etwa sechzig Jahren. Er hatte keine Haare mehr auf dem Kopf, hervorstechendstes Merkmal in seinem Gesicht war eine große Hakennase, seine Wangen waren eingefallen und irgendwie erinnerte er mich an einen Geier.

»Natürlich habe ich in meiner Wut geäußert«, gab er zu, »dass ich Manson am liebsten in die Hölle schicken würde. Bei dem Gelände handelte es sich um Bauerwartungsland. Ich habe das Grundstück vor fünfzehn Jahren für ein Butterbrot erworben. Es hatte sich zwischenzeitlich im Wert vervierfacht, und es wäre sicher noch viel, viel mehr wert geworden. Eine Kaufhauskette zeigte schon Interesse daran. Ich hätte das Geschäft meines Lebens machen können. Aber dann kamen die exponierten Herrschaften des Golfclubs. Sie boten uns einen Preis, der eigentlich lächerlich war. Die meisten von uns lehnten ab. Angeblich diente der Bau der Anlage der Schaffung von Arbeitsplätzen. Das Gemeinwohl wurde bejaht. Den Rest kennen Sie, G-men.« Whitestone hob die Schultern, ließ sie wieder nach unten sacken und endete: »Mit der Entführung von Mansons Frau habe ich jedoch nichts zu tun. Wenn ich schon bis in sein Schlafzimmer eingedrungen wäre, dann hätte ich wahrscheinlich diesen Drecksack abserviert.«

Seine Stimme war zuletzt vom Hass verzerrt. Mit dem Wort Wut war wohl zu gelinde ausgedrückt, was er tatsächlich für Manson empfand. Er machte keinen Hehl daraus.

Als wir wieder im Wagen saßen, fragte Milo: »Was hältst du davon?«

»Sein Hass auf Manson ist mörderisch.«

»Das kann man wohl sagen. Ein Motiv hätte er. Dennoch halte ich ihn nicht für den Entführer.«

»Ich glaube auch nicht, dass er etwas mit der Entführung zu tun hat«, pflichtete ich bei. »Wobei wir es aber auch nicht ausschließen können.«

Wir benutzten den Queens Midtown Tunnel, um auf die andere Seite des East River zu gelangen. New York schien verkehrsmäßig wieder einmal aus allen Nähten zu platzen. Die Hitze, die seit Tagen anhielt, schürte die Aggression der Autofahrer.

Robert Sherman war bei American Airlines beschäftigt, sein Arbeitsplatz befand sich im La Guardia Airport. Er bekleidete bei der Fluggesellschaft eine führende Stellung. Sherman war etwa fünfundvierzig Jahre alt, mittelgroß und schlank. Ein wenig erinnerte er den Hollywood Star Mel Gibson.

»Das ist richtig«, gab Sherman zu verstehen. »Ja, ich äußerte, dass ich Manson am liebsten wie einen kranken Hund erschlagen würde. Ich war voll Zorn. In diesem Zustand lässt man sich zu so mancher Äußerung hinreißen.«

»Wo waren Sie in der Nacht vom dreißigsten auf den einunddreißigsten?«

»Zu Hause, wo sonst? Fragen Sie meine Frau. Ich bin jede Nacht zu Hause. Keinen Stammtisch, keine Geliebte; mein Leben verläuft in einem nahezu puritanischen Gleichmaß. Ich bin kein Kidnapper.« Sherman zeigte ein schiefes Grinsen. Ganz wohl war ihm nicht in seiner Haut. Das war deutlich.

Dem ersten Augenschein nach glaubte ich ihm das aufs Wort. Das Gegenteil konnten wir ihm auch gar nicht beweisen. Wahrscheinlich saß er jeden Abend über seiner Briefmarken- oder Münzsammlung und erfreute sich an den Kleinoden.

Wir kehrten zurück nach Manhattan und meldeten uns bei Mr. McKee, nachdem wir im Field Office eingetroffen waren.

»Sie blicken nicht gerade glücklich drein«, empfing uns der Chef. »Setzen Sie sich und berichten Sie. Ich bin ganz Ohr.«

»Wir haben mit Manson gesprochen, Sir. Er hat eine Reihe von Feinden.«

»Welcher Politiker hat die nicht?«, kam es prompt vom Chef.

Ich erzählte dem AD, was wir in Erfahrung gebracht hatten.

»Ich glaube es nicht«, erregte sich der Chef. »Man hat die Enteignungsmaßnahmen tatsächlich mit öffentlichem Interesse begründet?«

»Ja, dem Wohle der Allgemeinheit dienend«, mischte sich Milo ein. »Als ich Manson darauf ansprach, schwieg er. Er hatte sicher keine plausible Erklärung auf Lager.«

Mr. McKee schüttelte ungläubig den Kopf. »Die unerforschlichen Ratschlüsse der Politik«, murmelte er. »Nun, es ist nicht unser Job, sich darüber Gedanken zu machen. Was immer die Erklärung ist, die den Bau einer Golfanlage in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses und des Gemeinwohles stellt – wir haben sie zu akzeptieren. Bei uns geht es um eine Entführung. Ich habe mit dem Bürgermeister gesprochen. Er hat mit dem Gouverneur Verbindung aufgenommen. Eine Chance, mit den Kidnappern in Kontakt zu treten, besteht nicht. Es wird wohl darauf hinauslaufen, dass die Regierung die Lösegeldforderung befriedigt.«

Ich hatte es fast erwartet. Hin und wieder sind Regierungen erpressbar. Darüber zu urteilen stand mir allerdings nicht zu. Auch Milo enthielt sich eines Kommentars. Es gibt eben zwei Kategorien von Menschen; wichtige und weniger wichtige. Dass Milo ähnlich dachte wie ich, stand ihm sozusagen auf die Stirn geschrieben.

»Ich ahne, was Sie denken«, so ließ Mr. McKee noch einmal seine Stimme erklingen.

»Die Gedanken sind frei, und wärst du in Ketten geboren«, rezitierte Milo.

Der Chef lächelte nachsichtig.

»Philosoph«, konnte ich mir nicht verkneifen zu sagen.

»Es rentiert sich nicht, darüber zu diskutieren«, erklärte Mr. McKee. »Es ist so. Wenn das Geld nicht fließt, ist zu befürchten, dass die Kidnapper ihre Drohung wahr machen und Mistress Manson umbringen.«

Damit war alles gesagt.

4

Am folgenden Morgen statteten wir Steven Baldwin in der Sawyer Street in Queens einen Besuch ab. Er war selbständiger Versicherungsvertreter, und sein Büro befand sich in seinem Haus.

»Ich hatte ein Grundstück in Linden Hill«, erzählte er. »Tausend Quadratyards. Ich habe es damals erworben, um damit zu spekulieren. Die Stadtverwaltung hat mir allerdings einen Riegel vorgeschoben. Man fand mich mit einem lächerlichen Betrag ab, und unsere Petitionen wurden mit lapidaren Begründungen abgeschmettert.«

Er zeigte uns einen Bescheid der Stadtverwaltung. In nüchterner Amtssprache wurde Baldwin damit mitgeteilt, dass sein Widerspruch gegen die Enteignung zurückgewiesen werde und er gegebenenfalls angefallene Kosten selbst zu tragen habe. Ich las die Begründung. Man hatte den Fall zwar einer rechtlichen Würdigung unterzogen, aber irgendwie kam mir die ganze Begründung recht konstruiert und wenig aussagekräftig vor.

»Sind Sie nicht vor Gericht gegangen?«, fragte ich, nachdem ich den Bescheid gelesen hatte.

»Doch. Aber wir haben unsere Klagen zurückgenommen, als signalisiert wurde, dass das Gericht zugunsten der Stadtverwaltung entscheiden würde.« Baldwin schaute mich verschwörerisch an. »Der Richter war befangen«, erklärte er. »Er ist Mitglied des Golfclubs, der die Anlage bauen will. Aber das habe ich erst hinterher herausgefunden. Eine Wiederaufnahme des Verfahrens wurde abgelehnt.«

In irgendwelchen prozessualen Feinheiten wollten wir uns hier nicht verlieren. Darum stellten wir keine weiteren Fragen.

»Es wurden Drohungen gegen Arthur Manson laut«, sagte ich und schaute in das Gesicht Baldwins, um seine Reaktion zu beobachten.

In dem Gesicht zuckte kein Muskel. Die Augen zeigten nicht die Spur einer Gemütsbewegung. »Wundert Sie das, Mister Trevellian? Manson setzte den Bau des Golfplatzes in der Stadtverordnetenversammlung durch. Er war der glühendste Verfechter der Baumaßnahme. Er konstruierte das öffentliche Interesse. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir viel Geld verloren haben. Eine Kaufhauskette zeigte Interesse an dem Gelände.«

Wir verabschiedeten uns von Baldwin, und ich lenkte den Sportwagen nach Brooklyn, in die Paerdegat 2nd Street, wo Louella Mangano wohnte. Die Frau besaß ein schönes Haus mit Garten, was vermuten ließ, dass sie nicht gerade zu den Armen unseres Landes gehörte. Als sie uns die Tür öffnete, verschlug es mir den Atem. Sie war eine schwarzhaarige, rassige Schönheit, Ende der Zwanzig, von einer Fraulichkeit, die ihresgleichen suchte, die etwas verströmte, dem sich wahrscheinlich kein Mann entziehen konnte.

Mein Herz schlug schneller. »Guten Tag, Ma‘am«, grüßte ich. »Mein Name ist Jesse Trevellian, ich bin Special Agent beim FBI New York. Mein Kollege Milo Tucker. Wir hätten Sie gerne gesprochen.«

»Was habe ich mit dem FBI zu tun?«

Ihre Stimme klang erotisch. Diese Frau war betörend. Sie fesselte mich. »Es geht um die Entführung der Ehegattin des Stadtverordneten Arthur Manson.«

Das schöne Gesicht der Frau nahm für einen Moment einen herben Ausdruck an, dann aber lächelte sie und sagte: »Treten Sie ein, Agents. Ich habe von der Entführung gehört. Die Nachrichten sind voll davon.«

Im Wohnzimmer forderte sie uns auf, Platz zu nehmen. Sie selbst setzte sich in einen der schweren Sessel und schlug die schlanken Beine übereinander.

Ja, sie faszinierte mich. Ich konnte an ihr keinen Makel feststellen. Diese Frau war perfekt. So empfand ich sie zumindest.

Sie lächelte. Zwischen ihren sinnlich geschnittenen Lippen schimmerten weiße Zähne. »Stehe ich etwa in Verdacht, Mistress Manson entführt zu haben?«

»Sie gehören zu den Grundstücksbesitzern, die wegen des Baues einer Golfanlage in Linden Hill enteignet wurden.«

»Das ist richtig.« Louella nickte. »Das Grundstück erbte ich – wie auch dieses Haus – von meinen Eltern. Sie sind bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Es war ein Kampf gegen Windmühlenflügel, als wir uns gegen die Enteignung wehrten. Am Ende haben wir verloren und mussten neben dem Verlust auch noch die Kosten tragen.«

»Rechtsanwalts- und Gerichtskosten, wie?«, fragte Milo.

»Ja. Die Lobby, die hinter den Betreibern des Golfplatzes stand, entpuppte sich als unüberwindbares Bollwerk. Einflussreiche Leute aus Politik, Justiz und Wirtschaft, millionenschwere Sponsoren. Die Feststellung des Gemeinwohles erfolgte a posteriori. Es war der Kampf Davids gegen Goliath.«

»Eine herausgehobene Rolle in dieser Inszenierung nahm Arthur Manson ein«, äußerte ich.

»Ja, er war so etwas wie die Galionsfigur in diesem traurigen Spiel.«

»Sie hassen ihn deswegen?«

»Hass ...«, der Blick der jungen Frau schien sich nach innen zu verkehren, »Hass empfinde ich nicht. Für kurze Zeit hatte ich den Glauben an das Recht verloren. Aber dann habe ich mich damit abgefunden. Ich bin kein Mensch, der eine Niederlage nicht wegstecken könnte.« Sie lachte. »Meine Sensibilität hält sich in Grenzen.«

Unter ihrem Blick wurde mir ganz heiß. Ich gab ihr eine von meinen Visitenkarten. Als wir wieder im Wagen saßen, sagte Milo mit einem aufgesetzt niederträchtigen Grinsen: »Komm wieder auf den Boden, Partner. Sicher, auch ich bin beeindruckt. Aber sie spielt eine Rolle in einem Fall, den wir zu lösen haben. Ob es eine Statisten- oder eine Hauptrolle ist, muss sich noch herausstellen.«

Der Gedanke an Louella Mangano ließ mich nicht mehr los. Immer wieder erschien ihr gleichmäßiges Gesicht vor meinem geistigen Auge. Sie hatte auf mich einen tiefen Eindruck hinterlassen. Für den Rest des Tages konnte ich mich nicht mehr so richtig auf meine Arbeit konzentrieren.

Kurz vor Feierabend rief Mr. McKee an. »Man hat einen Krisenstab gebildet, Jesse. Auch ich wurde in das Gremium berufen. Morgen Vormittag tritt es zusammen. Anschließend gibt es eine Pressekonferenz.«

»Was denken Sie, Sir?«

»Ich sagte es bereits. Die Regierung wird in die Bresche springen und das Lösegeld bezahlen. Verhandlungen mit den Entführern sind nicht möglich. Manson kann das Geld nicht aufbringen. Es wäre ein Vabanquespiel, darauf zu vertrauen, dass die Kidnapper die Frau auch ohne Lösegeldzahlung laufen lassen.«

Wir machten an diesem Tag pünktlich Feierabend. Ich brachte Milo nach Hause. Nachdem er ausgestiegen war, beugte er sich noch einmal ins Wageninnere. »Träumst du immer noch, Partner?«

»Erzähle mir bloß nicht, dass Louella Mangano bei dir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen hat«, knurrte ich.

Milo lachte. »Wenn das nicht so wäre, würde ich an meiner Einstellung zweifeln. Aber wie es scheint, bin ich – dieses Thema betreffend – ein wenig abgeklärter als du. Bei dieser Lady musst du sicher mehr mitbringen als einen krisenfesten Arbeitsplatz. Außerdem glaube ich nicht, dass sie auf einen wie dich gewartet hat. Ich verwette meinen linken Arm, dass sie bereits in festen Händen ist. Also höre auf zu träumen und stelle dich der Realität.«

Ich fuhr nach Hause. Die Telefonnummer von Louella Mangano festzustellen kostete mich ein Lächeln. Dann überlegte ich, ob ich sie anrufen sollte. Ich nahm den Telefonhörer in die Hand, legte ihn wieder weg, schnappte ihn mir erneut. Ich schalt mich einen Feigling.

Schließlich fasste ich all meinen Mut zusammen und tippte die Nummer in das Telefon. Das Freizeichen ertönte. Dann erklang eine rauchige Stimme: »Louella Mangano.«

Mein Atem ging schneller. »Trevellian«, sagte ich. »Störe ich Sie, Miss Mangano?«

»Nein. Das Fernsehprogramm ist eine Katastrophe. Ich habe schon daran gedacht, mich ins Bett zu legen und ein Buch zu lesen. Was kann ich für Sie tun? Sind noch irgendwelche Fragen offen?«

»Es gibt noch eine Frage.«

»Stellen Sie sie, Agent.«

»Darf ich Sie zum Essen einladen?«

Louella lachte. »Das hat aber wenig mit dem Fall zu tun, an dem Sie gerade arbeiten.«

»Wenn ich ehrlich bin – gar nichts.«

»Ich habe bereits gegessen, G-man.«

»Dann lade ich Sie auf ein Glas Wein ein. Sagen Sie ja, Miss Mangano. Ich könnte Sie in einer Stunde abholen.«

»Sagen Sie Louella zu mir. In Ordnung, Jesse. Holen Sie mich in einer Stunde ab. Ich freue mich auf Sie.«

Am liebsten hätte ich einen Luftsprung vollführt. Da ich bereits geduscht hatte, rasierte ich mich nur noch schnell und putzte mir die Zähne. Das Gefühl, das mich beherrschte, konnte man nur als himmelhochjauchzend beschreiben. Hatte ich mich verliebt?

Nachdem ich mir Rasierwasser ins Gesicht geklatscht und den Mund mit Mundwasser gespült hatte, verließ ich meine Junggesellenbude, fuhr mit dem Lift in die Tiefgarage, und wenig später war ich auf dem Weg nach Brooklyn.

Louella sah bezaubernd aus. Ein dezenter Duft ging von ihr aus. Sie war kaum geschminkt, aber gerade das verlieh ihrem Gesicht einen natürlichen Reiz. »Ich freue mich, dass ich Sie einladen durfte«, sagte ich.

»Und ich freue mich über die Einladung. Zwei- oder dreimal im Monat gehe ich mit Freunden und Bekannten weg. Die andere Zeit sitze ich zu Hause herum und wälze Gesetze oder Kommentare.«

Mir fiel ein, dass wir sie gar nicht nach ihrem Beruf gefragt hatten. »Machen Sie ein berufsbegleitendes Studium?«

»Nein. Es handelt sich um ein Vollzeitstudium. Jura. Vor zwei Jahren habe ich meinen Beruf an den Nagel gehängt und mich bei der Fordham Universität eingeschrieben. Über das Geld, um mein Leben bestreiten zu können, verfüge ich.«

Wir fuhren in Richtung Manhattan.

»Was sind Ihre beruflichen Pläne?«, wollte ich wissen.

»Ich will Staatsanwältin werden.«

»Ein hohes Ziel.«

»Man muss seine Ziele hochstecken im Leben.«

Mein Ziel war die Smithfield Bar in der Essex Street. Es war ein vornehmer Laden mit einem gediegenen Ambiente, in dem nur eine distinguierte Gesellschaftsschicht verkehrte und vor dem ein breitschultriger Türsteher darauf achtete, dass keine potentiellen Störenfriede oder Zeitgenossen, die sich nicht in den vorgegebenen Rahmen einfügten, ihren Fuß über die Schwelle setzten.

Das Licht in der Bar war schummrig. Leise Musik spielte im Hintergrund. Das Publikum hier war zu neunzig Prozent jenseits der Vierzig. Die Damen waren gepflegt, die Herren gaben sich weltmännisch. Der Kellner geleitete uns zu einem freien Tisch, rückte Louella den Stuhl zurecht, ich wartete, bis sie saß, dann ließ auch ich mich nieder. Ich bestellte trockenen Rotwein; Cabernet Sauvignon Stag‘s Leap Vineyard, Jahrgang 2000. Er kam aus dem Napa Valley, Kalifornien.

Ich kostete den Wein. Er schmeckte vorzüglich. Nachdem uns der Kellner eingeschenkt hatte, prosteten wir uns zu. Louella sah mich dabei an, und ich verspürte plötzlich ein seltsames Kribbeln zwischen den Schulterblättern.

Ich erfuhr, dass sie solo war. Ihre letzte Beziehung war vor einem halben Jahr auseinander gegangen. Ihr Vater war Lehrer an einer Grundschule in Brooklyn gewesen, die Mutter betätigte sich in ihrer Freizeit als Kunstmalerin.

Louella erzählte mir aus ihrem Leben. Ich hörte ihr zu. Manchmal stellte ich eine Frage. Sie war humorvoll, kurzweilig, und nicht die Spur arrogant, wie man es schönen Frauen wie ihr oftmals nachsagte.

Ich brachte sie weit nach Mitternacht mit einem Taxi nach Hause, denn nach dem Genuss des Weines wagte ich mich nicht mehr ans Steuer. Vor ihrer Haustür verabschiedete sie sich von mir, und sie hauchte mir einen flüchtigen Kuss auf den Mund. Ich war der glücklichste Mensch auf Erden.

5

Zwei Tage später war Jennifer Manson frei. In den Medien gab es keine Aussagen darüber, in welcher Höhe tatsächlich Lösegeld geflossen ist. Wir aber wussten, dass zehn Millionen bezahlt worden waren.

Arthur Manson hatte das Krankenhaus verlassen. Wir fuhren in die 27th Street, um mit Mistress Manson zu sprechen. Die Wohnung war von der Staatsanwaltschaft freigegeben worden. Der Stadtverordnete öffnete uns die Tür. Der Bluterguss an seiner Stirn hatte sich grünlich verfärbt.

»Meine Frau wurde vor knapp drei Stunden freigelassen«, sagte Manson. »Sie ist ziemlich am Ende. Körperlich geht es ihr gut. Aber ihre Psyche hat schwer gelitten. Bitte, G-men, schonen Sie meine Frau, so gut es geht.«

»Natürlich nehmen wir auf den Gesundheitszustand Ihrer Frau Rücksicht«, versprach ich. »Das ist doch keine Frage, Mister Manson.«

Jennifer Manson lag auf der Couch im Wohnzimmer. Eine Decke war über sie gebreitet. Unter ihren Augen lagen dunkle Ringe, sie wirkte bleich und mitgenommen. Blicklos starrte sie zur Decke hinauf. Es war, als würde sie uns gar nicht wahrnehmen.

Sie war etwa Mitte bis Ende dreißig und ausgesprochen attraktiv. Ihre langen, welligen Haare waren blond gefärbt, wirkten jetzt allerdings ein wenig stumpf.

»Die Kidnapper haben meine Frau im Central Park ausgesetzt«, ließ wieder Arthur Manson vernehmen. »Ein Passant verständigte die Polizei. Sie wurde im University Medical Center untersucht. Wie ich schon sagte: Körperlich ist sie in Ordnung ...«

»Können Sie uns Rede und Antwort stehen, Ma‘am?«, fragte ich.

Jetzt richtete sie den Blick auf mich. Er schien aus weiter Ferne zurückzukehren. Sie schaute mich an wie eine Erwachende. »Es – es war schrecklich«, stammelte sie. »Ich – ich hatte Angst um mein Leben. Woher sollte mein Mann zehn Millionen Dollar nehmen? Diese Männer drohten, mich umzubringen, wenn er nicht zahlt.«

»Wobei wir schon beim Thema wären«, gab ich zu verstehen. »Wie viele Männer waren es? Können Sie uns die Kerle beschreiben? Wo wurden Sie festgehalten?«

»Es – es waren mindestens vier Männer. Sie zeigten sich mir nur maskiert. Wo ich festgehalten wurde, weiß ich nicht. Man hat mir die Augen verbunden, als man mich in das Versteck brachte, und als man mich wieder abholte, ebenfalls. Ich glaube, es war ein Keller. Ein finsteres Loch. Es roch nach Moder und Schimmelpilz. Ich hatte Angst. Es – es war der blanke Horror.«

Ihre Stimme drohte zu brechen. In ihren Mundwinkeln zuckte es heftig.

»Erzählen Sie uns, wie die Entführung ablief. Sprachen die Kidnapper irgendetwas? Gibt es irgendeinen Hinweis, der uns vielleicht auf die Spur der Kerle bringt? Sprachen Sie englisch? Gegebenenfalls mit Akzent? Erinnern Sie sich an irgendeine Auffälligkeit?«

Die Frau räusperte sich verhalten. Dann schluckte sie. Einen Moment schien sie die Erinnerung zu überwältigen. Das Entsetzen wühlte in ihren geweiteten Augen. Sie stöhnte, als durchlebte sie die schrecklichen Szenen in dieser Minute noch einmal. Dann sagte sie mit schwankender Stimme: »Plötzlich standen die Kerle im Schlafzimmer. Es waren drei, und sie waren maskiert. Sie zerrten mich aus dem Bett, dann betäubten sie mich. Wahrscheinlich Chloroform. Es roch süßlich. Als ich wieder zu mir kam, saß ich in einem Auto und meine Augen waren verbunden.«

»Sprachen die Kerle englisch?, wiederholte ich meine Frage.

»Ja. Und zwar akzentfrei. – Ich kann Ihnen nichts sagen.« Die Stimme von Mistress Manson hatte sich gehoben und klang jetzt fast ein wenig hysterisch. »Es war furchtbar. Ich wurde fast verrückt vor Angst.«

»Sie haben sicher eine Menge durchgemacht, Mistress Manson«, formulierte ich vorsichtig. »Wir werden Sie nun auch in Ruhe lassen. Erholen Sie sich. Haben Sie daran gedacht, sich in psychologische Behandlung zu begeben?«

Sie schloss die Augen.

»Geben Sie ihr einfach etwas Zeit«, so ließ Arthur Manson seine Stimme erklingen. »Jenny ist stark und wird darüber hinwegkommen. Mit ihrer Freilassung hat sich alles zum Guten gewandt. Sie können jetzt ungehindert agieren, G-men. Schnappen Sie die elenden Schufte, die meiner Frau das angetan haben, und beschaffen Sie die zehn Millionen Dollar wieder, die«, die Stimme des Stadtverordneten klang plötzlich belegt, »der Steuerzahler aufgebracht hat.«

Fast beschwörend schaute er mich an.

»Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen«, versicherte ich.

Dann verließen wir die luxuriöse Wohnung.

»Wir haben nicht die geringste Spur«, sagte Milo, als wir zur Federal Plaza fuhren. »Nichts, wo wir ansetzen könnten.«

Ich dachte an Louella. Sie hatte mich zum Abschied geküsst. Sicher, es war kein heißer, leidenschaftlicher Kuss gewesen, aber er hatte Zuneigung verraten. Sie war Single. Und sie würde kaum meine Einladung angenommen haben, wenn sie kein Interesse an mir gehabt hätte.

Schmetterlinge im Bauch! Es war ein Gefühl, das ich lange Zeit nicht mehr gekannt hatte. Meine letzte Beziehung lag lange zurück.

Als vor mir Bremslichter aufglühten, stieg ich auf den Stempel. Der Wagen stand abrupt. Ich hielt mich am Lenkrad fest, Milo wurde vom Sicherheitsgurt aufgefangen. »Wo warst du denn mit deinen Gedanken?«, schimpfte er. »Um ein Haar wärst du dem Dodge hinten drauf geknallt.«

»Schon gut, schon gut«, murmelte ich. »Hab nur kurz in meiner Konzentration nachgelassen.«

»He, wo warst du gedanklich?« Milo musterte mich von der Seite. Ich sah es aus den Augenwinkeln. Er versuchte in meinem Gesicht zu lesen. Sollte ich es ihm sagen? Ich hatte noch nie ein Geheimnis vor meinem Freund. Also gab ich mir einen Ruck.

»Ich war mit Louella aus.«

»Sag bloß!«, entfuhr es Milo ungläubig, mit allen Anzeichen der Verblüffung.

»Ja. Wir waren in der Smithfield Bar. Ein nobler Schuppen. Es war ein gemütlicher Abend. Louella ist eine interessante Frau. Sie studiert Jura.«

»Heute Abend steht ihr Freund vor deiner Wohnung und du wirst dir einen guten Zahnarzt suchen müssen.«

Ich lachte. »Sie ist solo. Ihre Abende verbringt sie mit dem Studium von Gesetzesbüchern und Kommentaren.«

»Du hast dich in sie verliebt, Jesse.«

»Wäre das schlimm?«

»Louella ist eine Verdächtige im Entführungsfall Jennifer Manson«, gab Milo zu bedenken.

Er hatte Recht. Mir jedoch sagte die Stimme des Herzens, dass Louella mit der Entführung so wenig zu tun hatte wie ich oder Milo. »Ihre Unschuld wird sich herausstellen«, sagte ich.

Ich schoss Milo einen Seitenblick zu.

Er schaute skeptisch.

6

Am Abend traf ich mich wieder mit Louella. Ich läutete um halb neun Uhr an der Tür ihres Hauses. Sie öffnete mir, lächelte und sagte: »Ich habe es mir anders überlegt, Jesse. Wir werden den Abend nicht in einer x-beliebigen Bar, sondern bei mir verbringen. Ich habe etwas für uns vorbereitet. Sie sind damit doch sicherlich einverstanden.«

Und ob ich das war. Ich machte es mit einem einzigen Wort deutlich. »Natürlich.«

Sie bat mich, einzutreten.

Ihr Wohnzimmer war geschmackvoll eingerichtet. Es gab eine taubenblaue Polstergarnitur, einige Boards und Vitrinen, an den Wänden hingen Kunstdrucke, der große Teppich erinnerte mich mit seinen geometrischen Motiven an einen überdimensionalen Kandinsky.

Auf dem Tisch in der Essecke, um den fünf Stühle gruppiert waren, standen Teller und Weingläser. »Ich hoffe, Sie haben noch nicht gegessen, Jesse.«

»Nur einen Toast, um den Magen zu beruhigen«, erwiderte ich. »Der Aufwand wäre doch nicht notwendig gewesen, Louella. Ich habe einen Tisch in Michael Jordans Steakhouse reserviert. So haben Sie sich eine Menge Arbeit gemacht.«

»Es hat mir Spaß bereitet, Jesse. Setzen Sie sich.«

Wenig später aßen wir. Es gab Black-Angus-Rinderfilet, medium, dazu Speckscheiben, Kräuterbutter und eine Grilltomate, sowie eine Folienkartoffel mit Sauerrahm. Wir tranken dazu halbtrockenen, blass-roten Rosé. Es mundete vorzüglich, und besser hätten wir in Michael Jordans Steakhouse auch nicht essen können.

Nachdem Louella das Geschirr abgetragen hatte – ich half ihr natürlich dabei – unterhielten wir uns. Heute war ich dran, aus meinem Leben zu erzählen. Ich schilderte Louella sozusagen meinen Lebenslauf. Und als ich sie weit nach Mitternacht verließ, küsste ich sie. Sie ließ es geschehen.

7

An diesem Morgen rief der Chef nicht an und bestellte uns zu sich, er kam in unser Büro, setzte sich auf den Stuhl neben meinem Schreibtisch, schaute von mir auf Milo und sagte: »In der Nacht wurde Arthur Manson erschossen. Soeben hat mich Harry Easton von der Mordkommission angerufen. Der Mord geschah am Morgen. Der Mörder muss an der Wohnungstür geläutet haben, wahrscheinlich schaute Manson durch den Spion, der Täter schoss durch die Tür.«

»Eine nicht alltägliche Art, jemand umzubringen«, stellte ich fest. »Hinter der Tür hätte auch Mistress Manson stehen können.«

»Da Sie sowie in der Sache Jennifer Manson ermitteln, bitte ich Sie, auch die Ermittlungen im Mord an Arthur Manson zu übernehmen. Ich denke, dass Kidnapper und Mörder ein und dieselben Täter sind. Sie werden noch einmal die Leute in die Mangel nehmen müssen, die Sie bereits in der Kidnappingsache verhört haben. Sie alle hatten ein Motiv, Manson zu töten.«

Ich verspürte einen Stich in der Magengegend.

Milo schoss mir einen fragenden und zugleich herausfordernden Blick zu. Ich zog die Unterlippe zwischen die Zähne und kaute darauf herum.

Der Chef erhob sich. »Halten Sie mich auf dem Laufenden, Gentlemen. Die Sache ist von ausgesprochener Brisanz. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Homer von sich hören lassen wird. Ich möchte Ergebnisse vorweisen können, wenn er anruft.«

Edward G. Homer! Ihm unterstand unter anderem das FBI Field Office New York. Ich dachte daran, dass er mir vor einiger Zeit das Angebot machte, unmittelbar für ihn zu arbeiten. Ich lehnte ab. Ob er es mir nachtrug? Er war ein Schreibtischstratege. Oft waren seine Anweisungen haarsträubend. Er konnte aber auch brillant sein. Er war eben ein Mensch mit Ecken und Kanten.

»Wir tun, was wir können, Sir«, versprach ich.

Mr. McKee hob die Hand zum Gruß und verließ unser Büro.

»Fahren wir in die siebenundzwanzigste«, sagte ich.

*

In der Wohnung von Arthur Manson waren die Kollegen von der Spurensicherung am Werk. Sie waren mit ihren weißen Anzügen deutlich von den anderen Beamten der Mordkommission zu unterscheiden. Die beiden Löcher in der Wohnungstür waren nicht zu übersehen. Auch der Coroner und ein Vertreter der Staatsanwaltschaft waren anwesend.

Der Leichnam war zwar in einem Leichensack verpackt, aber noch nicht abtransportiert worden. Harry Easton, der den Einsatz selbst leitete, sagte: »Mistress Manson hat einen Nervenzusammenbruch erlitten. Das alles war zu viel für sie. Sie wurde vom Emergency Service ins Hospital gebracht.«

»Welche Erkenntnisse gibt es?«, fragte ich Harry, den wir alle nur Cleary nannten, weil er immer damit prahlte, dass seine Jungs in der Lage wären, jeden Mord in Manhattan aufzuklären. Wir hatten schon oft mit Harry zusammengearbeitet. Zwischen ihm und uns war so etwas wie eine lose Freundschaft entstanden.

»Der Mörder muss an der Wohnungstür geläutet haben. Wahrscheinlich fragte Manson über die Gegensprechanlage, wer draußen sei. Dann muss er zur Tür gegangen sein, um durch den Spion zu blicken. Da niemand im Haus etwas gehört hat, nehmen wir an, dass der Mörder einen Schalldämpfer benutzte.«

»Seine Frau konntet ihr noch nicht befragen, wie?«

»Wir fanden sie völlig aufgelöst vor. Weinkrämpfe, sie zitterte am ganzen Körper, und sie war nicht in der Lage, einen zusammenhängenden Satz zu sprechen. Ihr steckte sicher noch der Schock von der Entführung in den Knochen.«

»Sei so gut, Harry, und setze uns vom Ergebnis der Spurensicherung in Kenntnis. Da wir wegen der Entführung ermitteln, übernehmen wir auch den Mordfall. Du bist uns deswegen sicher nicht böse.«

»Nachdem wir zurzeit nicht über Arbeit klagen können, überlasse ich euch den Fall gerne. Es muss die Hitze sein, die die Menschen verrückt macht. Jeden Tag stehen wir vor ein paar Leichen. Menschen, die gewaltsam ums Leben kamen. Raubmord, Bandenkrieg, Eifersuchtsdramen und, und, und. Es ist haarsträubend.«

»In welches Krankenhaus wurde Mistress Manson gebracht?«

»Bellevue Hospital, neunundzwanzigste Straße. – Habt ihr hinsichtlich der Entführung schon irgendetwas herausgefunden?«

»Es gibt einige Leute, die Manson gedroht haben. Sie stehen im Focus unserer Ermittlungen.« Ich dachte an Louella. Ein warmes Gefühl durchströmte mich. Gewaltsam verdrängte ich den Gedanken an sie. Ich war im Dienst, und darauf musste ich mich besinnen. Louella gehörte zum Kreis der Verdächtigen. Für mich schloss ich jedoch aus, dass sie mit dem Verbrechen auch nur das Geringste zu tun hatte.

Milo bedachte mich mit einem sonderbaren Blick. Dann sagte er: »Mit dem Mord an Manson hat die Sache eine völlig neue Dimension angenommen. Wann geschah der Mord?«

»Mistress Manson hat die Polizei kurz nach sechs Uhr verständigt. Also nehmen wir an, dass der Mord kurz vorher geschah. Wir sind gegen sechs Uhr fünfundzwanzig eingetroffen. Der Arzt meinte, dass Manson allenfalls zwischen einer halben und dreiviertel Stunde tot sei.«

Wir verabschiedeten uns und begaben uns ins Bellevue Hospital. Jennifer Manson lag in einem Einzelzimmer. Eine resolute Krankenschwester fing uns ab, als wir das Zimmer betreten wollten. Die Frau hatte rote Pausbacken und die Haare am Hinterkopf zu einem Knoten zusammengesteckt. Ihr Umfang war beachtlich. Für ihr Gewicht war sie sicher um zwei Köpfe zu klein. »Wer sind Sie? Mistress Manson braucht absolute Ruhe. Doktor Henders hat angeordnet ...«

Ich hatte meine ID-Card gezückt und hielt sie ihr hin. Sie verschluckte sich. »FBI!«, entrang es sich ihr.

»Ja. Mein Name ist Trevellian.« Ich wies mit dem Kinn auf Milo. »Special Agent Tucker. Wir ermitteln in der Mordsache Manson. Einzige Zeugin des Mordes ist die Frau.«

Die Schwester warf sich in die Brust. »Das ändert nichts an der Tatsache, dass der Doc angeordnet hat, dass sie der absoluten Ruhe bedarf. Warten Sie einen Moment, ich sage dem Doktor Bescheid.«

Sie setzte sich in Bewegung und verschwand am Ende des Korridors im Stationsbüro. Nach zwei Minuten erschien sie wieder. »Der Arzt kommt gleich. Gedulden Sie sich noch einige Minuten.«

Es dauerte fast zehn Minuten, dann kam ein Mann durch die Schwingtür mit den Milchglasscheiben in den Flur, erfasste uns mit seinem Blick und näherte sich uns. Er reichte erst Milo, dann mir die Hand und sagte: »Sie sind die beiden Agenten vom FBI, nicht wahr?«

Die Frage erfolgte rein rhetorisch, denn im Grunde war sie überflüssig. Dennoch nickte ich und stellte uns vor. »Wir haben einige Fragen an Mistress Manson«, fügte ich hinzu. »Ich verspreche Ihnen auch, die Frau nicht über Gebühr in Anspruch zu nehmen.«

»Na schön. Ich werde das Verhör aber sofort abbrechen, wenn ich denke, dass Sie Mistress Manson überfordern.«

Wir betraten das Zimmer. Jennifer Manson wurde intravenös mit einer wasserklaren Lösung versorgt, wahrscheinlich ein den Kreislauf stabilisierendes Mittel. In dem Zimmer war es hell. Eine Klimaanlage sorgte für eine angenehme Temperatur. Auch hier im Krankenhaus wurden Unterschiede gemacht. Die Normalsterblichen lagen oftmals zu fünft in einem Zimmer, manche mussten sogar mit dem Korridor vorlieb nehmen, wenn die Zimmer voll waren.

Wir traten an das Bett heran. Mit erloschenem Blick musterte uns die Frau. Vorzustellen brauchten wir uns nicht, dann sie kannte uns. »Es ist furchtbar«, flüsterte sie mit erschreckend schwacher Stimme. »Was sind das nur für Menschen?«

Ich verlieh zunächst meinem Mitgefühl Ausdruck, dann sagte ich: »Was können Sie uns im Zusammenhang mit der Bluttat erzählen, Mistress Manson?«

Die Erinnerung schien sie einen Moment lang zu überwältigen. Ihre Lippen zuckten, auf dem Grund ihrer Augen flackerte das Entsetzen. Dann entrang es sich ihr: »Es war etwa zehn Minuten vor sechs, als es an der Wohnungstür klingelte. Arthur stand auf, um nachzusehen. Ich hörte ihn sprechen, verstand aber nicht, was er sagte. Dann hörte ich, wie er zu Boden stürzte. Ich ging ins Wohnzimmer. Da lag er vor der Tür. Von da an erlebte ich alles nur noch wie im Trance.«

»Erhielt Ihr Mann noch einmal irgendwelche Drohanrufe?«

»Nein.« Ihre Augen füllten sich mit Tränen. »Wir wollten auf Hawaii einige Wochen Urlaub machen. Auf Hawaii sollte ich über die schrecklichen Ereignisse hinwegkommen. Arthur war so besorgt um mich. Er – er war ein guter Mann.«

»Wir werden noch einmal von vorne anfangen müssen«, sagte ich, nachdem wir das Krankenhaus verlassen hatten. Wir waren nicht die Spur schlauer als vor unserem Gespräch mit Jennifer Manson. Um es auf einen Nenner zu bringen – wir standen vor einem Rätsel.

»Was meinst du?«, fragte Milo.

»Nun, wir müssen noch einmal Sherman, Baldwin, Whitestone und einige andere Gentlemen vernehmen müssen.«

»Nicht zu vergessen Louella Mangano«, knurrte Milo.

»Natürlich«, versetze ich. »Fangen wir in Manhattan bei Whitestone an.«

8

Wir fuhren in die 39th Street. Ich fand einen Parkplatz, und wenig später bat uns Whitestone in seine Wohnung. Wir begrüßten seine Gattin. Es handelte sich um eine freundliche Frau Mitte der Fünfzig. Sie bot uns Sitzplätze an.

»Die Entführer haben Jennifer Manson wieder freigelassen«, sagte Whitestone. »In den Nachrichten wurde keine Summe genannt. Hat die Regierung von New York tatsächlich zehn Millionen Dollar Lösegeld gezahlt?«

»Das ist anzunehmen«, antwortete ich ausweichend. »Aber das ist im Moment nicht das Problem. Heute Morgen wurde Arthur Manson ermordet.«

Whitestone prallte regelrecht zurück. Seine Augen weiteten sich, seine Lippen sprangen auseinander, aber seine Stimmbänder versagten ihm den Dienst. Lediglich einige unartikulierte Laute stiegen aus seiner Kehle, dann atmete er tief durch und fasste sich schließlich. »Manson wurde erschossen!«, stieß er hervor. »Großer Gott.« Seine Stimme sank herab zu einem Grollen. »Also hat jemand seine Drohung wahr gemacht.«

»Wie kommen Sie darauf, dass er erschossen wurde?«, kam es wie aus der Pistole geschossen von Milo.

»Hat Ihr Kollege das nicht gesagt?«

»Nein. Er sagte lediglich, dass Manson ermordet wurde.«

Whitestones Züge verkrampften sich. »Ziehen Sie jetzt nur keine falschen Schlüsse, G-men. Ich habe mit dem Mord nichts zu tun. Wenn ich auch entsprechende Äußerungen gemacht habe – ich bin kein Mörder.«

»Wo waren Sie heute früh zwischen fünf und sechs Uhr?«, fragte ich.

»Ich habe im Bett gelegen. Wir sind um sieben Uhr aufgestanden.«

Ich richtete den Blick auf seine Frau, die in einem der Sessel saß.

»Das stimmt«, sagte sie. »Es war kurz vor sieben Uhr. Ich habe Kaffee gekocht und dann Gerald aufgeweckt.«

»Sie müssen wissen«, sagte der Mann, »dass ich mit sechzig eine Lebensversicherung ausbezahlt erhielt. Ich habe mich aus dem Berufsleben zurückgezogen. Darum können wir es uns leisten, bis sieben Uhr oder manchmal, wenn schlechtes Wetter ist, noch länger im Bett zu bleiben.«

»Sie Glücklicher«, bemerkte Milo.

Er hatte ein Alibi. Daran gab es nichts zu rütteln. Wenn keine Beweise auftauchten, die ihn als Mörder entlarvten, dann war er aus dem Schneider.

Nachdem wir wieder auf der Straße waren, läutete mein Handy. Es war Mr. McKee. Er sagte: »Homer hat von dem Mord in den Nachrichten gehört. Er hat mich sofort angerufen. Er meinte, dass die Ermittlungen im Falle Manson oberste Priorität genießen. Ich soll Ihnen Dampf machen, meine Herren.« Der AD lachte. »Als ob das nötig wäre. Im Übrigen scheint Homer große Stücke auf Sie zu halten. Wenn ich Sie nicht schon mit dem Fall betraut hätte, hätte er mich angewiesen, Sie damit zu betrauen. Sie scheinen einen Stein bei ihm im Brett zu haben.«

»Wir haben mit Whitestone gesprochen, Sir«, sagte ich. »Das ist einer der Betroffenen in der Enteignungsangelegenheit zu Gunsten des Golfclubs, dessen Bau«, nun wurde ich zynisch, »dem Wohl der Allgemeinheit dient.«

»Ich erinnere mich an den Namen. Und?«

»Er hat für die Tatzeit ein Alibi. Whitestone gehört zwar zu den erklärten Gegnern von Manson, aber für einen Mörder halte ich ihn nicht.«

»Und jetzt?«

»Jetzt fahren wir zu Sherman, und dann zu Baldwin. Die beiden wohnen in Queens. Anschließend vernehmen wir Louella Mangano.«

»Melden Sie sich bei mir, sobald Sie ins Field Office zurückkehren.«

»In Ordnung, Sir.«

Wir suchten zuerst Sherman auf. Wir trafen ihn wieder auf seinem Arbeitsplatz auf dem La Guardia Airport. Sherman zeigte sich ziemlich betroffen, als wir ihm von dem Mord an Manson berichteten. Er wusste also noch nichts davon. Seine Fassungslosigkeit war nicht gespielt. Wenn doch, war er ein exzellenter Schauspieler.

»Du lieber Himmel«, presste er hervor. »Sicher, Manson war mir ausgesprochen verhasst, und ich habe zum Ausdruck gebracht, dass er in die Hölle fahren möge. Aber Mord ...«

Sherman griff sich an den Kopf. Es überstieg wohl sein Begriffsvermögen.

Ich fragte ihn, wo er am Morgen um kurz vor sechs Uhr war.

»Ich trank zu Hause Kaffee«, sagte er. »Um sieben Uhr dreißig habe ich den Dienst angetreten. Meine Frau kann es Ihnen bestätigen.« Entsetzen prägte unvermittelt seine Züge. »Sie denken doch nicht etwas, dass ich Manson ermordet habe?«

»Wir ermitteln«, antwortete Milo trocken. »Und wir dürfen nichts außer Acht lassen. Sie haben durch Manson erheblichen finanziellen Schaden erlitten. Das kann ein Motiv sein.«

»Ich bin doch kein Mörder.«

»Unterstellen wir Ihnen auch gar nicht«, versetzte ich. »Aber wie mein Kollege schon andeutete: Wir müssen jeder möglichen Spur nachgehen.«

Sherman nickte und griff zum Telefon, tippte eine Nummer, dann sagte er: »Ich bin es, Katrin. Ich gebe dir Special Agent Trevellian. Er hat eine Frage an dich.« Er reichte mir den Hörer.

»Guten Tag, Mistress Sherman.«

»Guten Tag.«

»Wann hat Ihr Mann heute Morgen die Wohnung verlassen?«

»Warum wollen Sie das wissen?«

»Heute Morgen wurde Arthur Manson ermordet.«

»Um Gottes Willen!«

»Ja, es ist tragisch.«

»Haben Sie etwa meinen Mann im Verdacht, der Mörder zu sein?«

»Er war ziemlich – hm, ich will mal sagen wütend auf Manson wegen der Grundstücksangelegenheit in Linden Hill.«

»Mein Mann ist um sechs Uhr fünfundvierzig aus dem Haus gegangen. Wann soll der Mord denn stattgefunden haben?«

»Heute Morgen gegen sechs Uhr.«

»Da war mein Mann zu Hause.« Sie sprach es mit aller Entschiedenheit im Tonfall.

Ich bedankte mich und legte auf. Dann verabschiedeten wir uns von Sherman.

Unser nächstes Ziel war Steven Baldwins Wohnung. Baldwin war geschieden und lebte allein. Er behauptete zwar, zu Hause gewesen zu sein, als der Mord geschah, aber dies konnte niemand bestätigen. Seine Versicherungen, dass er mit dem Mord nichts zu tun hatte, konnten wir glauben oder auch nicht. Er erklärte, dass er gegen neun Uhr einen Kunden besucht hatte, Milo notierte sich den Namen und die Anschrift desselben, dann zogen wir unverrichteter Dinge wieder ab.

»Zu Louella Mangano«, sagte Milo.

Ich presste die Lippen zusammen.

»Verdammt, Jesse, was ist los mit dir?« Milo schaute mich zwingend an. »Muss ich Mr. McKee bitten, dich von dem Fall abzulösen? Wo ist deine Objektivität geblieben? Louella gehört nun einmal zum Personenkreis der Verdächtigen. Ob du es nun wahrhaben willst oder nicht. Du hättest sie niemals anrufen dürfen.«

»Ich werde Mr. McKee selbst darum bitten. Du hast Recht, Milo. Es war wahrscheinlich ein Fehler. Aber jetzt ist es zu spät. Ich habe mich in Louella verliebt. Und dieses Gefühl ist stärker als die Vernunft.«

»Das tut mir Leid, Partner. Aber es ist wohl besser, wenn du aus dieser Sache aussteigst. Der Chef wird nicht erbaut sein darüber.«

9

Mr. McKee schaute in der Tat nicht gerade begeistert drein.

»Sie wissen jetzt Bescheid, Sir«, sagte ich. »Bitte, ziehen Sie Ihre Konsequenzen.«

Der AD und Milo wechselten einen betretenen Blick. Dann erhob der Chef seine Stimme: »Gegen die Liebe ist kein Kraut gewachsen. Ich hoffe für Sie, Jesse, dass Sie keine Enttäuschung erleben.« Er zuckte mit den Schultern. »Ich muss Sie wohl von dem Fall zurückziehen. Ihnen, Milo, stelle ich Agent Blackfeather zur Seite. Er

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