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Gefahr im Reich der Gronteh

Gefahr im Reich der Gronteh

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Gefahr im Reich der Gronteh

Länge:
259 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Jan. 2022
ISBN:
9783961272631
Format:
Buch

Beschreibung

Die Pylonen von Gronth
Der nagdanische Präsident Drinos apat Sersuk ist verschwunden. Wurde er entführt oder ermordet, weil er der Pro-Gronthagu-Bewegung im Weg war, die die Nagdaneh wieder in die Gronthagu Liga einreihen will? Oder hat sein Verschwinden persönliche Gründe? Die Nagdaneh können nicht nach ihm suchen, denn sie werden von den Grontheh angegriffen. So übernimmt Captain Melori aus alter Verbundenheit mit den Nagdaneh den Versuch, Drinos zu finden. Ein mehr als gefährliches Unterfangen, denn die Spur des Vermissten führt in ein Gebiet, das tief im Herzen des Feindes liegt und ein Geheimnis birgt, das die Grontheh unter allen Umständen schützen wollen.

Die Macht der Matriarchin
Die PHOENIX ist bei der Suche nach dem nagdanischen Präsidenten Drinos apat Sersuk auf ein gronthisches Flottenkontingent gestoßen. Kann sie der Übermacht entkommen? Und was steckt wirklich hinter den gronthischen Angriffen auf Nagdorel? Obendrein kocht nicht nur die gronthische Widerstandsbewegung ihr eigenes Süppchen. Auch die Gronthagu Herrscherin und Matriarchin ihres Volkes hat Pläne, die das Schicksal der Gronthagu Liga und der ISA entscheidend beeinflussen könnten.
Herausgeber:
Freigegeben:
1. Jan. 2022
ISBN:
9783961272631
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Gefahr im Reich der Gronteh - Mara Laue

Titel

MISSION PHOENIX

Mara Laue

Band 3:

Gefahr im Reich der Gronteh

Impressum

Copyright: vss-verlag

Jahr: 2021

Lektorat/ Korrektorat: Hermann Schladt

Covergestaltung: Sabrina Gleichmann

Verlagsportal: www.vss-verlag.de

Gedruckt in Deutschland

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verfassers unzulässig.

Tei l1 - Die Pylonen von Gronth

Teil 1

Die Pylonen von Gronth

Prolog

Auszug aus „Die ISA in historischen Daten, Band 1 der Lehrbuchreihe „Die Interstellare Allianz – Geschichte, Entwicklung, Mitgliedsvölker:

Unmittelbar nach der von den ISA-Streitkräften verlorenen Schlacht von Tarrar Konshu am 28.06.117 ISA-Zeit wurden zunehmend im Normalraum treibende oder im Ultraraum auf vorprogrammierten Kursen fliegende intakte Schiffe der Grontheh gefunden, deren Besatzung ausnahmslos tot war. Untersuchungen der Leichen ergaben, dass sie an einem unbekannten Virus gestorben sind. Umfangreiche Tests zeigten, dass der Virus ausschließlich Grontheh befällt. Andere Wesen, auch andere Sauroiden, sogar die ihnen genetisch sehr ähnlichen Zizikisheh, sind dagegen immun.

Am 38.07.117 ISA-Zeit gelang es der Forschungsabteilung des Wissenschaftsrates (ein Ressort des Interstellaren Rates), den Virus zu reproduzieren. Daraufhin wurden die verseuchten Schiffe mit den inzwischen konservierten Leichen der gronthischen Besatzungen ins Gebiet der Gronthagu Liga zurückgeschickt. Gleichzeitig stellte der Interstellare Rat (IsteR) der Gronthagu Herrscherin Kuorass das Ultimatum, entweder die Kampfhandlungen gegen die ISA unverzüglich einzustellen, andernfalls die ISA den Virus auf allen gronthischen Welten freisetzen und das gronthische Volk komplett auslöschen werde. Gleichzeitig bot der IsteR der Gronthagu Herrscherin einen Friedensvertrag an.

Zwar lehnte die Herrscherin den Frieden ab – Frieden ist ein den Grontheh fremdes Konzept (siehe Band 12 dieser Reihe, Kapitel 7 „Die Grontheh") –,zog aber ihre Streitkräfte zurück und erklärte einen Waffenstillstand auf unbestimmte Zeit. Als unstrittig gilt jedoch, dass die Gronthagu Liga die ISA unverzüglich angreifen wird, sobald es ein Gegenmittel oder einen Impfstoff gibt.

Aktualisierung vom 21.02.349 ISA-Zeit: Mit der erneuten Drohung, den Virus gegen die Grontheh einzusetzen, wurde die Gronthagu Liga gezwungen, die Unabhängigkeit der Nagdanischen Planetenunion endgültig anzuerkennen. Dadurch wurde der Weg für die Nagdaneh frei, am 15.02.349 das 24. Mitglied der ISA zu werden.

Aktualisierung vom 40.10.349 ISAZ: Bis heute wurde kein Gegenmittel gegen den Gronth-Virus gefunden.

1.

PHOENIX 1

Standort: 139 Lichtjahre außerhalb des ISA-Territoriums

Kurs auf Nagdorel

19. April 2546 Terrazeit – 14.10.350 ISA-Zeit

Captain Melori deaktivierte das Spezialfunkgerät, mit dem sie auf einer geheimen Frequenz mit Drinos apat Sersuk, dem Präsidenten der Nagdanischen Planetenunion, in Kontakt treten konnte. Sie versuchte seit Tagen ihn zu erreichen, aber sie erhielt keine Antwort. Das beunruhigte sie. Sie wusste, dass Drinos’ Empfangsgerät jeden ankommenden Anruf registrierte und speicherte, wie auch ihres. Anhand der damit übermittelten Kennung konnte er erkennen, dass der Anruf von ihr kam.

Da sie beide trotz der räumlichen Distanz von gewöhnlich über tausend Lichtjahren und oft sogar noch mehr eine intensive persönliche Freundschaft verband, hatte Drinos’ Antwort noch nie länger als drei Tage ISA-Zeit gedauert. Und wenn sie ihn über ihren geheimen Kanal kontaktiert hatte, was erst zweimal der Fall gewesen war, hatte er sofort geantwortet. Inzwischen waren fast fünf Tage vergangen. Melori war versucht, ihn über die normalen Kom-Kanäle des Schiffes anzurufen, aber das war nicht möglich. Die PHOENIX galt für ihre Vorgesetzten innerhalb der Terranischen Raumflotte wie auch beim Interstellaren Nachrichtendienst als verschollen.

Melori und ihre Crew hatten beim Elon-System ein Schiffswrack aufgetrieben und es mitsamt seiner Umgebung so präpariert, dass es für die Scanner der Schiffe der Interstellaren Polizei und des IsteND so aussah, als wäre die PHOENIX dort angegriffen und vollständig zerstört worden. Die Technische Abteilung hatte ebenso wie die Taktische Abteilung mit ihren Waffen ein wahres Wunder vollbracht. Bis der „Irrtum" herauskäme – falls er überhaupt entdeckt würde und man die Untersuchung der zerpulverten Überreste nicht längst eingestellt hatte –, würden etliche Tage vergehen, in denen die PHOENIX ihre Spur gut genug verwischt hatte, um unauffindbar zu bleiben. Solange sie absolute Funkstille hielt.

Entgegen ihrem ursprünglichen Plan, der einzigen Person, der sie vollkommen vertraute, im Geheimen mitzuteilen, dass sie und die PHOENIX noch lebten, hatte Melori das nicht getan. Nicht einmal über das geheime Kom-Gerät, mit dem sie ausschließlich Admiral Rhan Kharmin erreichen konnte und er sie. Ein winziges Risiko blieb, dass das Gerät in falsche Hände geriet. Winzig oder nicht, Melori war nicht bereit es einzugehen. Und normale Funksprüche konnten abgefangen werden. Auch wenn es höchst unwahrscheinlich war, dass ein Außenstehender die extrem komplizierte Verschlüsselung der IsteND-Frequenzen knackte, so bestand doch die Gefahr, dass die Nachricht der falschen Person in die Hände fiel. Denn entweder bei ihren offiziellen Vorgesetzten in der Terranischen Raumflotter oder beim IsteND gab es mindestens einen Verräter, der für die Piratengilde arbeitete. Nachdem es gelungen war, denen vorzugaukeln, dass Melori tot und die PHOENIX vernichtet war, durfte sie nicht riskieren, die Sache auffliegen zu lassen, bevor sie ihre Mission bei den Nagdaneh nicht erfolgreich abgeschlossen hatte.

Deshalb war die PHOENIX durch ausfahrbare Teile ihrer Außenhülle als lingulanisches Forschungsschiff getarnt worden. Dementsprechend waren auch die Antriebs- und Kommunikationsmodifikationen aktiviert worden, die die Emissionen und Frequenzen eines solchen lingulanischen Schiffes simulierten.

Obwohl die PHOENIX auch in einen tinuskischen Aufklärer verwandelt werden konnte, hatte Melori sich für das lingulanische Forschungsschiff entschieden. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie damit in dem Feindesgebiet, in das sie sich wagten, ungeschoren durchkamen, war größer, als wenn sie den tinuskischen Aufklärer als Tarnung benutzten. Letzterer könnte unter Umständen als aggressives Eindringen der ISA in gronthisches Gebiet interpretiert werden. Diese Gefahr bestand allerdings auch bei einem Forschungsschiff, denn dem könnte man nur allzu leicht geplante Spionage unterstellen. Was im Fall der PHOENIX definitiv zutraf. Auch wenn der Zweck des Fluges nach Nagdorel nichts mit den Grontheh zu tun hatte, würde Melori sich keine Gelegenheit entgehen lassen, Informationen über das Volk zu sammeln, das eine potenzielle Bedrohung für die gesamte ISA darstellte.

Die PHOENIX hatte als die lingulanische YAKORA YALA die ISA-Grenze bei Ghrimbal-Station 55708 passiert und war in Richtung auf das Territorium der Ikamareh geflogen. Weil dieses canide Volk, das verblüffend terranischen Wölfen, vielmehr Werwölfen ähnelte, unter sich blieb und keinen engeren Kontakt zu seinen Nachbarvölkern pflegte, war nur wenig über sie bekannt. Schon deshalb war durchaus glaubhaft, dass ein Forschungsschiff sie besuchte.

Kaum hatte die PHOENIX die Ortungsreichweite der Ghrimbal-Station verlassen, hatte sie den Kurs geändert und flog nun Nagdorel direkt an. Jedoch nicht auf der für diesen Zweck eingerichteten sicheren Route, die durch gronthisches Territorium führte und von den Grontheh als Verbindungskorridor für den Verkehr zwischen der ISA und den nagdanischen Planeten freigegeben worden war, sondern abseits des Korridors außerhalb der Ortungsreichweite der ihn sichernden Ghrimbal-Stationen.

Melori sah auf die Zeiteinblendung auf der Wand über der Tür zur Zentrale. Falls es keine Zwischenfälle gab, würde die YAKORA YALA in sechs Tagen Nagdorel erreichen. Wenn sie bis dahin keine Antwort von Drinos erhalten hatte, würde sie zwei Mitglieder des nagdanischen Geheimdienstes kontaktieren, die sie noch von früher kannte. Einer der beiden wusste bestimmt, wo Drinos sich aufhielt, oder konnte es herausfinden. Dass Drinos tot sein konnte, kalkulierte sie notgedrungen in ihre Planung mit ein.

Die Kom-Einheit auf ihrem Arbeitstisch gab einen Signalton, ehe die Stimme von Commander Daar Abraan erklang. „Captain, kommen Sie bitte in die Zentrale. Wir haben etwas entdeckt."

Melori machte sich nicht die Mühe zu antworten, sondern betrat die Zentrale, die direkt neben ihrem Bereitschaftsraum lag. Auf dem Hauptbildschirm wurde ein Schiff eingeblendet, das sich den Anzeigen nach im Normalraum befand. Der automatische Abgleich mit allen bekannten Schiffstypen identifizierte es als gronthischen Aufklärer. Die Entfernung wurde mit 12,31 Lichtjahren angegeben.

Melori nahm im Beratersessel Platz und nickte Abraan zu, der im Kommandositz saß. Abraan nickte zurück und deutete auf den Bildschirm. „Wie Sie sehen, treibt das Schiff, Ma’am. Die Orter haben festgestellt, dass es kaum Energieemissionen gibt. Als wenn das Schiff tot wäre. Für die Erfassung von Biosignaturen sind wir nicht nahe genug."

Bevor Melori fragen konnte, was Abraan an einem toten Schiff bemerkenswert fand, gab er ihr schon die Antwort. „Falls es sich nicht um ein noch bemanntes Schiff handelt, sondern um ein Wrack, könnten wir es untersuchen. Der Bauart nach gehört es zur modernsten Generation gronthischer Aufklärer. Bisher liegen uns keine Daten über diese Schiffe vor."

Und die Gelegenheit, auf diese Weise etwas über die neueste gronthische Schiffsausstattung zu erfahren, war verlockend. „Das heißt aber, dass wir auf Scannerreichweite heranfliegen müssten", stellte Melori fest.

„Falls Sie befürchten, Captain, dass die uns dann auch scannen oder überhaupt orten können, warf Commander Kya Shedora von der Ortungsstation her ein, „so halte ich das für unwahrscheinlich. Wenn sich beim Nah-Scan nicht noch herausstellt, dass die Orter des Schiffes intakt sind, müssten die ebenfalls inaktiv sein. Falls nicht, kann ich sie blockieren. Mit etwas Glück kommen wir komplett unentdeckt davon.

„Ich werde mich aber gerade in unserer gegenwärtigen Situation nicht auf Glück verlassen, Commander."

„Wenn ich mir eine Bemerkung erlauben darf, Ma’am", meldete sich Lieutenant Linda Sparks von der Tech-Station, von der aus alle Funktionen des gesamten Schiffes überwacht wurden und ihre Abläufe im Notfall modifiziert, korrigiert und vor allem Ausfälle überbrückt werden konnten.

„Bitte."

„Wir – ich meine, die Technische Abteilung, haben die Nah-Scanner in den letzten Tagen ein bisschen modifizieren und die Reichweite auf acht Komma fünf Lichtjahre im Normalraum vergrößern können. Falls die Grontheh nicht ebenfalls gravierende technische Fortschritte gemacht haben, dann müssen wir nicht so nahe an das Schiff heran, dass sie uns überhaupt bemerken. Falls das Schiff bemannt sein sollte."

Melori wandte sich ihr zu. „Das können Sie garantieren?"

Sparks strahlte sie stolz an. „Aye, Ma’am!"

Melori lächelte leicht. „Acht Komma fünf Lichtjahre?, vergewisserte sie sich. „Beeindruckende Leistung, Lieutenant.

Ihre Leute leisteten eine mehr als nur hervorragende Arbeit. Melori hatte in ihrem ganzen Leben noch nie mit einer so motivierten und engagierten Crew zusammengearbeitet. Nicht einmal während ihrer Zeit bei der IsteP. Kein Wunder. Sie hatte sich die kreativsten Köpfe und teilweise Besten auf ihrem jeweiligen Gebiet aussuchen können. Ihnen für ihre innovativen Ideen freie Hand zu geben und ihnen zu erlauben, nach Herzenslust zu „tüfteln", hatte genügt, um ihren Ehrgeiz anzustacheln. Die Missachtung und Demütigung, die sie durch frühere Vorgesetzte und Kameraden ausnahmslos erlitten hatten, taten ein Übriges, um ihren Willen zu stärken, die PHOENIX zum besten Forschungsschiff der gesamten ISA zu machen.

„Ensign Tagori, wandte sie sich an den Navigator, „Kurs auf das gronthische Schiff. Die Ortungsstation wird Ihnen mitteilen, wann wir in Scannerreichweite für Biosignaturen sind. Sobald die erreicht ist, gehen wir in den Normalraum.

„Aye, Ma’am, bestätigte Tagori und nahm die Kurskorrektur vor. „Kurs gronthisches Schiff, URG zehn, voraussichtliches Erreichen der Nahscannerreichweite in fünf Komma fünf-sechs Stunden ISA-Bordzeit oder drei Komma drei-fünf Stunden Terrazeit. Zumindest für einen Scan, ob sich Leben an Bord befindet, müsste das reichen.

„Tut es", bestätige Kya Shedora. Ihre goldbraunen Katzenaugen funkelten erwartungsvoll.

Melori erhob sich. „Rufen Sie mich, wenn es soweit ist." Sie kehrte in ihren Bereitschaftsraum zurück.

Das nagdanische Funkgerät, das sie auf ihrem Arbeitstisch hatte liegen lassen, blinkte blau – ein Zeichen, dass jemand versucht hatte, sie zu erreichen. Sie atmete auf. Offenbar war Präsident Drinos nur zu beschäftigt gewesen, um sofort zu antworten. Vielleicht war es ihm auch nicht sicher erschienen. Sie steckte das Gerät in den Verbindungsschlitz zur Kom-Anlage und schaltete es ein. Der eingeblendete Code bestätigte, dass der Anruf von Drinos apat Sersuk gekommen war. Melori etablierte die Verbindung.

Der Bildschirm erhellte sich und zeigte den Kopf eines Nagdaneh: ein meterbreiter, zwischen zwanzig und vierzig Zentimetern hoher gewölbter „Teller", an dessen Rand unterschiedlich lange Tentakel wuchsen. Die lederartig wirkenden graue Haut wurde nur an den Tentakeln in unregelmäßigen Abständen von farbigen Ringen unterbrochen. Die Dicke und Abstände dieser Ringe waren bei jedem Nagdaneh so einzigartig wie ein menschlicher Fingerabdruck.

Nicht nur daran erkannte Melori, dass ihr Gesprächspartner nicht Drinos apat Sersuk war, denn die Tentakel dieser Nagdani hatten hellgrüne Ringe. Ihr Muster verriet ihr, dass es sich um Trask apat Annisk handelte, ein Mitglied des nagdanischen Agentennetzwerks und eine Vertraute von Sersuk.

Als die Nagdaneh vor sechs Jahren zum ersten Mal beantragt hatten, in die ISA aufgenommen zu werden, hatte das IsteP-Trägerschiff, auf dem Melori stationiert wurde, den nagdanischen Botschafter zu den Verhandlungen beim Interstellaren Rat begleitet. Da bereits im Vorfeld versucht worden war, den Botschafter zu töten, hatten die Nagdaneh jemanden als Botschafter ausgegeben, der dieses Amt gar nicht innehatte.

Drinos apat Sersuk, der wahre Botschafter und zusammen mit Trasks apat Annisk und Karek apat Arlosk ein weiteres Mitglied des Agentennetzwerks, war als Mitglieder von Meloris Jägerstaffel ausgegeben worden. Die dadurch bedingte enge Zusammenarbeit hatte Meloris Freundschaft mit diesen dreien begründet. Dass sie Sersuks Leben beschützt und über Admiral Rhan eine inoffizielle Unterstützung für sein Volk gegen die Grontheh organisiert hatte, hatte zusätzlich dazu beigetragen, das sie beide engere Freunde geworden waren. Drinos apat Sersuks ein Jahr später erfolgte Wahl zum Präsidenten hatte ihrer Freundschaft keinen Abbruch getan.

Dass Trask mit ihr Verbindung aufnahm und nicht Sersuk, ließ Melori Schlimmes ahnen. Die Nagdani schob eines ihrer rötlich schillernden Facettenaugen, das am Ende eines Tentakels saß, vor die Aufnahmelinse ihres Kom-Gerätes.

„Ich grüße Sie, Melori. Es ist gut, dass Sie sich so schnell melden."

„Ich grüße Sie ebenfalls, Trask. Ist Präsident Drinos etwas zugestoßen?"

Die Haut der Nagdani verdunkelte sich, ein Zeichen von Besorgnis. „Das wissen wir nicht, müssen es aber befürchten. Er ist – verschollen."

„Verschollen? Wie das?"

„Ich kann und werde über den Kom-Kanal keine Einzelheiten nennen. Ich wollte Sie nur informieren."

„Warten Sie bitte, sagte Melori, als Trask Anstalten machte, die Verbindung zu unterbrechen. „Wir sind auf dem Weg nach Nagdorel. Getarnt und in geheimer Mission. Können wir uns treffen? Aus Gründen, die ich ebenfalls nicht dem Kom-Kanal anvertrauen möchte, sollte der Treffpunkt außerhalb des nagdanischen Hoheitsgebietes liegen.

Das rote Facettenauge, das fast den gesamten Bildschirm einnahm, starrte sie unbewegt an. „Gut, entschied Trask nach einer Weile. „Verdecken Sie die Kennung Ihres Schiffes und geben Sie sich als arrithaafisches Passagierschiff aus. Die Arrithaafeh bauen ihre Schiffe aus Wrackteilen zusammen, sodass sie keine einheitliche Struktur besitzen. Benutzen Sie bei Kommunikationen Ussagu als Sprache und geben Sie sich und Ihre Leute als Sulkatreh aus. Die ähneln den humanoiden Völkern der ISA stark genug, dass man Ihnen die Zugehörigkeit zu diesem Volk glaubt. Tragen Sie keine Uniformen. Fliegen Sie Olokoto an. Ich sende Ihnen die Koordinaten. Wir treffen uns in einer dortigen Handelsstation. Kontaktieren Sie mich über den geheimen Kanal, wenn Sie den Planeten erreicht haben.

Trask hatte die Verbindung unterbrochen, bevor Melori antworten konnte. Sekunden später trafen die Koordinaten von Olokoto ein zusammen mit dem Standort der Handelsstation. Melori atmete auf, als ihre Überprüfung ergab, dass der Planet tatsächlich außerhalb des zwölf Sonnensysteme umfassenden nagdanischen Territoriums lag. Jedes zur ISA gehörende Gebiet wurde durch Ghrimbal-Stationen geschützt, die in Ortungs- und vor allem Operationsreichweite voneinander das jeweilige Gebiet wie ein Netz umschlossen. Jedes Schiff, das die durch die Stationen markierten Grenzen überschritt, musste sich von der seinem Übertrittspunkt am nächsten gelegenen Station registrie-ren lassen. Die Stationen lagen einander nahe genug, dass kein Schiff unbemerkt die Grenzen passieren konnte. Egal wo es sich ihr näherte, es wurde von mindestens einer Station geortet und zur Registrierung aufgefordert.

Trasks vorgeschlagene Tarnung der PHOENIX als arrithaafisches Schiff hätte bei einer Registrierung durch eine Ghrimbal-Station nicht standgehalten. Die Stationen scannten jedes ankommende Schiff und registrierten alle an Bord befindlichen Biosignaturen, sofern es sich um das Schiff eines Nicht-ISA-Volkes handelte. Lediglich ISA-Schiffe waren von dieser Vorschrift ausgenommen, konnten aber stichprobenartig kontrolliert werden. So war es unmöglich, dass sich ein Heer von Grontheh oder ihren nichtgronthischen Kriegern in das nagdanische ISA-Gebiet schmuggelte, um es von innen heraus anzugreifen. Ein Schiff mit aktiviertem Scannerschutz wurde nicht eingelassen.

Außerdem war die PHOENIX ISA-weit bekannt. Dass eine Horde von zur Forschungsflotte strafversetzten Querköpfen aus einer Schrottmühle das modernste Schiff der TRF konstruiert hatte und dieses Schiff auch noch schneller fliegen konnte als das schnellste IsteP-Schiff, hatte nicht nur in den terranischen Medien über Terra Globe und BTW Network für Aufmerksamkeit gesorgt, sondern war auch im Technikteil von ISA Narital, dem ISA-weiten Nachrichtenmagazin für wissenschaftliche und technische Entwicklungen erwähnt worden.

Darüber hinaus erhielt die Sicherheitsabteilung des IsteR die Daten jedes neuentwickelten Schiffstyps, die diese Information an die IsteP, die Ghrimbal-Stationen und natürlich auch den IsteND weiterleitete. Dadurch konnte jede Ghrimbal-Station die PHOENIX identifizieren, egal als was sie sich tarnte. Und die YAKORA YALA hatte im Gebiet der Gronthagu Liga, aus dem sie sich dem nagdanischen Territorium nähern würde, nichts verloren. Schließlich wurde auch der Passagekorridor vom ISA-Gebiet zu den Nagdaneh von Ghrimbal-Stationen bewacht. Deshalb war es unmöglich, unbemerkt in den Korridor zu gelangen und auf diesem Weg Nagdorel anzufliegen.

Meloris Plan hatte deshalb von Anfang an vorgesehen, sich mit Drinos außerhalb des nagdanischen Territoriums zu treffen. Falls er ihrer Bitte entsprochen hätte, bei der Herstellung der geplanten Ortungsdrohnen zu helfen, hätte das sowieso unzählige Tage gedauert, in denen sie unbemerkt ins ISA-Gebiet zurückgekehrt wären, um anschließend ganz offiziell zurückzukommen, wenn Drinos ihnen signalisiert hätte, dass die Drohnen fertig waren.

Was war mit ihm passiert? Wie konnte das Staatsoberhaupt der Nagdaneh, das ständig von einer Horde von Sicherheitsleuten bewacht wurde, „verschollen" sein? Gegner und ausgesprochene Feinde hatte er allerdings genug. Drinos war seit seiner Wahl nicht nur der Gronthagu Herrscherin ein Dorn im Auge, weil es ihm gelungen war, sein

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