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Fantasy Dreierband 3004 - Drei Romane in einem Band!

Fantasy Dreierband 3004 - Drei Romane in einem Band!

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Fantasy Dreierband 3004 - Drei Romane in einem Band!

Länge:
670 Seiten
6 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
13. Jan. 2022
ISBN:
9783753201283
Format:
Buch

Beschreibung

Fantasy Dreierband 3004 - Drei Romane in einem Band!

von Konrad Carisi, Hendrik M. Bekker, Curt Carstens, Art Norman



Über diesen Band:



Dieser Band enthält folgende Romane:



Rador der Gerechte (Konrad Carisi)

Der Mond der Werwölfe (Hendrik M. Bekker/Curt Carstens)

Grauen in der Blauen Stadt (Art Norman)





Aus dem Archiv der Dämonenjäger vom Orden des Nimrod: Aelfric Gemmer und Edgar Weinbaum sind zwei Dämonenjäger im Dienste des Ritterordens von Nimrod. Beide haben schon schwierige Aufträge übernommen, doch dieser ist besonders gefährlich. Sie sollen dem sowjetischen Geheimdienst KGB bei der Jagd nach Werwölfen in der kommunistischen Sowjetunion helfen, doch sie wissen nicht, worauf sie sich einlassen. Als wäre der Kalte Krieg nicht schon gefährlich genug, gibt es eine weitere Bedrohung, die Ost und West in Atem hält. Währenddessen bekommt der Ordensbruder Jack Skinner einen ähnlichen Auftrag in der englischen Provinz. Auch dort soll es eine Werwolfsichtung gegeben haben.
Herausgeber:
Freigegeben:
13. Jan. 2022
ISBN:
9783753201283
Format:
Buch

Über den Autor


Buchvorschau

Fantasy Dreierband 3004 - Drei Romane in einem Band! - Konrad Carisi

Fantasy Dreierband 3004 - Drei Romane in einem Band!

von Konrad Carisi, Hendrik M. Bekker, Curt Carstens, Art Norman

Über diesen Band:

Dieser Band enthält folgende Romane:

Rador der Gerechte (Konrad Carisi)

Der Mond der Werwölfe (Hendrik M. Bekker/Curt Carstens)

Grauen in der Blauen Stadt (Art Norman)

––––––––

Aus dem Archiv der Dämonenjäger vom Orden des Nimrod: Aelfric Gemmer und Edgar Weinbaum sind zwei Dämonenjäger im Dienste des Ritterordens von Nimrod. Beide haben schon schwierige Aufträge übernommen, doch dieser ist besonders gefährlich. Sie sollen dem sowjetischen Geheimdienst KGB bei der Jagd nach Werwölfen in der kommunistischen Sowjetunion helfen, doch sie wissen nicht, worauf sie sich einlassen. Als wäre der Kalte Krieg nicht schon gefährlich genug, gibt es eine weitere Bedrohung, die Ost und West in Atem hält. Währenddessen bekommt der Ordensbruder Jack Skinner einen ähnlichen Auftrag in der englischen Provinz. Auch dort soll es eine Werwolfsichtung gegeben haben.

Copyright

Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

© Roman by Author / COVER WERNER ÖCKL

© dieser Ausgabe 2022 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

Alle Rechte vorbehalten.

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Rador der Gerechte

Rador der Gerechte

Konrad Carisi

Published by Cassiopeiapress Extra Edition, 2021.

Table of Contents

UPDATE ME

Rador der Gerechte

Fantasy-Roman von Konrad Carisi

Der Umfang dieses Buchs entspricht 100 Taschenbuchseiten.

In Maxwells Welt existiert das Empire fort, und es gibt es Menschen mit besonderen Fähigkeiten. Manche von ihnen werden Superschurken, andere Superhelden. Einer dieser Begabten tötet seine Eltern!

Maxwells Welt bricht zusammen. Doch dann bietet sich ihm die Gelegenheit, Rache zu nehmen und dem Geheimnis auf den Grund zu gehen, wieso seine Eltern sterben mussten.

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Ein CassiopeiaPress Buch CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

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© Roman by Author / COVER  C.Carus und Valentyna Chukhlyebova - 123RF  - Steve Mayer ,2021

© dieser Ausgabe 2021 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

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Kapitel 1: Alte Rache

„Nicht anfassen!, bellt die Stimme meines Vaters durch den Raum. „Finger weg!

Ich erstarre zu einer Statue. Meine Hand ist nur wenige Zentimeter vom Griff des Schwertes entfernt. Einen Herzschlag lang habe ich das Gefühl, dass widerstrebende Kräfte in mir kämpfen. Es zieht mich beinahe magisch an! Ich will dieses Schwert in Händen halten! Mit einem Mal ziehe ich die Hand zurück, als hätte ich sie mir verbrannt. Was ist über mich gekommen? Wieso wollte ich es anfassen?

„Tut mir leid wegen des Geschreis, brummt mein Vater eine halbherzige Entschuldigung und schiebt mich zur Seite. Dann schließt er die Holzkiste, in der sich das Schwert befindet, und verschließt sie mit einem Vorhängeschloss. „Ich hätte es gar nicht offen lassen sollen.

„Entschuldige, ich war eigentlich auf der Suche nach dem Locher", stammle ich, während er die Kiste verschließt und zurück in den Aktenschrank stellt. Er greift nach dem Locher und reicht ihn mir.

„Schon gut. Vergiss es."

Mein Vater ist Archäologe und hasst es, wenn ich an Fundstücke gehe, die er für die Arbeit mit nach Hause nimmt. Er hat immer Sorge, dass ich etwas kaputt mache.

Ich nicke und gehe in mein Zimmer, um die Arbeitsblätter mit meinen Hausaufgaben darauf zu lochen und anschließend mit dem Rest einzuheften.

„Fleißig, fleißig, bemerkt meine Mutter, die an meiner Zimmertür vorbeikommt. „Dass du heute schon alles erledigt hast, finde ich gut.

„Wieso?", erkundige ich mich.

„Na ja, morgen ist doch Tag des Empire und du hast keinen Unterricht."

„Ja, aber übermorgen schon. Ich muss die Hausaufgaben ja eh machen, erwidere ich und zucke die Schultern. „Ob heute oder morgen, muss ja gemacht werden. Außerdem sind morgen ja die ganzen Veranstaltungen an der Schule. Da will ich nicht noch an meine Hausaufgaben denken müssen.

„Stimmt natürlich, sagt sie. „Ich geh jetzt schon ins Bett, Papa will noch arbeiten. Mach nicht mehr so einen Lärm, ja?

„Klar, gute Nacht."

Als ich allein in meinem Zimmer bin, schließe ich die Tür und setze mich an meinen Laptop. Auf der Seite der BBC wird das Vorabendprogramm zum Empire-Tag übertragen und es gibt einige wirklich gute klassische Filme, die man kostenlos sehen kann. Auf der Hauptseite der BBC weckt allerdings etwas anderes meine Aufmerksamkeit. Direkt unter dem Artikel darüber, dass diese Sekte namens „Anhänger von Blaakon" endlich zu einer terroristischen Organisation erklärt wurde, ist eine Schlagzeile, die wirklich interessant ist: DIE CHIMÄRE HAT WIEDER ZUGESCHLAGEN, lautet die Überschrift. Da ein Video zum Artikel gehört, sehe ich es mir sofort an.

Es ist verwackelt und mit einem Handy aufgenommen, aber eindeutig ist zu erkennen, wie ein maskierter Mann mit einer antiquierten Vorderladerpistole auf einen Mann feuert, der mit einem Flammenwerfer schießt. Es ist auf dem Uferweg vor der Themse, auf der gegenüberliegenden Seite des House of Parliament. Es ist eindeutig hinter den Kämpfern zu erkennen.

Der Maskierte ist ein Superheld, der sich selbst „Die Chimäre" nennt, und der mit dem Flammenwerfer hat ein tiefblaues Gesicht und nennt sich Kolil. Normalerweise hat er keinen Flammenwerfer. Ob dieses blaue Gesicht wirklich seines ist, weiß man nicht. Er ist ein Gestaltwandler und ein Meister der Verkleidung. Allerdings wird dieses blaue Gesicht immer als sein normales, angeborenes angenommen. Keine Ahnung, ob das stimmt.

Die Aufnahmen des Kampfes sind nur kurz. Kolil feuert einen Flammenstoß, doch die Chimäre springt im letzten Moment zur Seite, rollt sich über die Schulter ab und zieht ihre Pistole. Ihr Schuss donnert, fetzt ein Loch in Kolils Schulter und dieser flieht mit einem Sprung in die Themse.

Ich überfliege den Artikel. Die Polizei geht davon aus, dass Kolil, der ein Gestaltwandel ist, im Zuge der Vorbereitungen für die Parade zum Tag des Empire versucht hatte, eine Bombe zu platzieren. Dies wurde im letzten Moment von der Chimäre verhindert.

Ich persönlich bin ja mehr ein Fan vom Knochenbrecher. Er sieht aus, als würde er nur aus Dornen bestehen, die aus seinem Innersten wachsen, und er hat eine brennende Peitsche. Er ist nicht exakt das, was man einen Helden nennt, aber er hat erst vor Kurzem zusammen mit der Chimäre den Doktor daran gehindert, die Wasserversorgung Londons zu vergiften. Er sieht verdammt cool aus, muss man einfach sagen. Klar, er ist rücksichtsloser als die Chimäre, er tötet und kümmert sich nicht so sehr um Verletzte, aber ich glaube, dass es manchmal auch notwendig ist, so zu sein. Die Chimäre hat den Doktor ins Gefängnis gesteckt und was ist passiert? Er ist entkommen. Hätten sie ihn mal umgebracht, dann könnte ich wieder beruhigter mein Leitungswasser trinken.

Wie aufs Stichwort bekomme ich eine Kurznachricht von Ted. Sie blinkt auf der linken Seite meines Bildschirms auf.

Hast du schon gelesen? Die Chimäre hat Kolil fast erledigt!, schreibt er.

Hab's gesehen, tippe ich zurück. Hätte er mal den Knochenbrecher dran gelassen, dann wäre das blaue Gesicht endlich tot. Glaubst du, er wird noch was versuchen? Noch einen Anschlag zum Empire-Tag?

Vielleicht, aber es heißt auch, dass der Geheimdienst erst vor wenigen Tagen die Sicherheitsmaßnahmen für den König verdoppelt hat. Sie haben wohl Angst, dass Xairan versuchen will ihn umzubringen. Aber ehrlich? Alter, in Bromley wird keiner von denen auftauchen.

Ich schicke ihm ein zwinkerndes Gesicht zu und die Worte: Stimmt natürlich.

Ich habe nichts gegen mein Stadtviertel, aber Bromley ist nur theoretisch ein Teil von London. Dort, wo wir leben, ist es eher wie in einer endlosen Kleinstadt, die an eine weitere Kleinstadt grenzt, und irgendwann dann dahinter kommt erst London. Wir sind nur technisch gesehen ein Teil von London.

Vor neunzehn Jahren hat es hier in der Nähe einen gewaltigen Kampf gegeben, bei dem ein Superschurke namens Kugler von einem Helden namens Rador getötet wurde. Aber Rador ist dann angeblich seinen Verletzungen erlegen und damit steht das Verhältnis der Helden im Empire für beide Seiten nicht besser. Aber vielleicht lebt er ja noch? Es wäre nicht der erste Superheld, der eine Weile verschwindet und dann doch wieder auf der Bildfläche auftaucht.

Ich sehe mit Schrecken auf die Uhr. Ich klappe den Laptop zu und mache mich fertig fürs Bett. Ich weiß jetzt schon, dass ich morgen wieder hundemüde sein werde.

Als ich am nächsten Morgen aufwache, liegt das an meinem Radiowecker. Sie spielen gerade „Rule Britannia". Wenn mein Leben eine Serie wäre, wäre das immerhin ein brauchbares Titelthema für den Vorspann; wäre dann aber eher eine epische Serie, keine Sitcom.

Nach dem ich mich fertig gemacht habe und eine Kleinigkeit gegessen habe, eile ich die Straße hinunter zur Schule, als hinter mir etwas kracht. Ich drehe mich herum und traue meinen Augen nicht. Da ist ein Loch in der Wand der alten Villa, in der wir wohnen! Was ist passiert? Schreie sind zu hören. Hoffentlich ist meinen Eltern nichts passiert! Ich drehe sofort um und eile zurück. Unten steht Frau Winterbottom, die die Wohnung unter uns hat. Die alte viktorianische Villa ist für drei Parteien umgebaut und wir bewohnen die mittlere Wohnung.

Als ich gerade an der Haustür stehe, gibt es eine Explosion. Frau Winterbottom wird gegen mich geschleudert und die Haustür kracht auf uns beide. Ich bekomme kaum Luft. Als ich versuche, Frau Winterbottom von mir herunterzuschieben, trifft mein Blick den ihrer kalten Augen. Sie sieht starr an mir vorbei, es ist der Blick einer Toten. Ich schreie vor Verzweiflung, doch nur ein Röcheln kommt mir aus dem Mund.

Ich versuche sie von mir herunterzuheben, doch kann ich es nicht. Sie ist zu schwer. Irgendein Trümmerteil liegt auf ihr. Blut sickert von ihr auf mich und ich will schreien, doch wegen des Staubs beginne ich nur zu husten. Ich zwinge mich dazu, ruhiger zu atmen, um nicht zu ersticken. In einiger Entfernung höre ich Schreie und Rufe, laute Geräusche, die ich nicht zuordnen kann, und dann Stille.

Es vergeht eine Ewigkeit, in der ich nur so daliege. Der Staub legt sich und ich begreife, dass ich unter Schutt begraben bin, mein Kopf in einem kleinen Hohlraum gefangen.

Einige Zeit liege ich da und mir wird eiskalt, als ich daran denke, dass meine Eltern beide im Haus gewesen sein müssen. Was ist nur passiert? Ist eine Gasleitung explodiert? Wieso waren es aber dann zwei Detonationen? Ich bin unfassbar wütend vor Hilflosigkeit, als endlich ein Klopfen zu hören ist.

„Hilfe, ächze ich, doch bin ich kaum zu hören. „Hilfe!

Ich versuche es erneut und muss husten, was lauter ist als mein elendes Krächzen. Wenn ich nicht auf mich aufmerksam mache, wird man mich hier vielleicht niemals rechtzeitig finden!

Ich versuche es erneut.

„Hilfe", rufe ich und diesmal ist etwas zu hören. Mein Hals fühlt sich beim Rufen an, als würde innen etwas aufreißen.

Erneut höre ich ein Klopfen und Geräusche, die näher kommen.

Ich rufe erneut. Diesmal höre ich ganz dumpf Stimmen, die sich unterhalten, und endlich fühle ich, wie Gewicht von meiner Brust weicht. Nach und nach werde ich freigegraben, bis ich unscharf das Gesicht eines Mannes erkennen kann. Vage glaube ich, das Gesicht meines Vaters zu sehen, dann aber eher das Gesicht des Hausmeisters unserer Schule. Ich blinzle und es ist das Gesicht eines Mannes, den ich nicht kenne.

Vermutlich hat es mich schwerer erwischt, als ich dachte.

Jemand zieht die Leiche meiner Nachbarin von mir herunter und Hände packen mich. Irgendwie komme ich auf eine Trage und mir fallen die Augen zu. Ich bin mir nicht sicher, wie viel Zeit vergeht, doch als ich sie wieder öffne, liege ich in einem Krankenhausbett.

„Maxwell von Schlichten, das ist Ihr Name, richtig?", erkundigt sich ein Mann, der neben meinem Bett sitzt. Er trägt einen stilvollen Anzug und er kommt mir vage bekannt vor. Sein Gesicht hat nichts Besonderes, doch es erinnert mich an meinen Mathelehrer. Nach einem kurzen Blinzeln muss ich aber zugeben, dass ich mir das wohl nur eingebildet habe.

„Das bin ich, stimme ich zu. „Wieso? Was ist passiert? War es ein Gasleck? Ist alles in Ordnung mit meinen Eltern?

Meine Stimme zittert, weil sich eine böse Vorahnung einstellt. Wenn es meinen Eltern gut ginge, säße nicht ein Fremder an meinem Bett.

„Es tut mir leid, doch es gibt hierfür keine weniger schmerzhafte Art, es Ihnen beizubringen. Ich muss Ihnen leider mitteilen, dass Ihr Vater und Ihre Mutter beide verstorben sind, erklärt mir der Mann ruhig. „Sie können mich Agent Jacen nennen. Was genau wissen Sie über die Ereignisse des 12. November?

„Ich, ich, stammle ich und schlucke. „Tot? Ganz sicher? Haben Sie alles abgesucht?

Die Frage kommt mir dumm vor, doch ich muss sie stellen. Es muss doch einfach ein Irrtum sein.

„Leider ja. Ihre Leichen wurden geborgen und identifiziert. Das ist jetzt nicht leicht, doch Sie müssen tapfer sein. Berichten Sie mir genau über die Ereignisse des 12. November. Was haben sie am Empire-Tag gemacht?"

Ich seufze und merke, wie mir Tränen das Gesicht herunterlaufen.

„Wie viel Zeit ist vergangen?, erkundige ich mich. „Wie lange war ich bewusstlos?

„Sie waren drei Tage in einem komatösen Zustand. Bitte, beschreiben Sie mir den Empire-Tag. Lassen Sie sich nicht zu sehr von anderen Gedanken ablenken."

Ich versuche mich auf seine Frage zu konzentrieren und beschreibe ihm, was passiert ist. Ich spreche langsam, damit ich nicht zu sehr wimmere und das Weinen meine Worte undeutlich macht. Es ist beinahe, als würde ich jemand Fremdem zuhören. Meine Stimme klingt viel ruhiger, als ich mich fühle.

„Was ich Ihnen jetzt sage, ist geheim. Wissen Sie, was der Demosthenes-Club ist?"

„Nein, tut mir leid. Entschuldigen Sie, aber ich glaube, etwas stimmt mit meinem Sehen nicht. Immer wenn ich zu Ihnen hinsehe, sind Sie unscharf, und ich weiß nicht, woher es kommt. Können Sie einen Arzt rufen? Vielleicht ist es etwas Ernstes."

Der Mann lacht. Er lacht und es klingt ehrlich erheitert.

„Was ist so lustig daran?", frage ich empört. Was fällt ihm ein, mich auszulachen, jetzt, in dieser Lage?

„Die Antwort auf diese Frage hängt mit Ihrer Antwort auf die Frage nach dem Demosthenes-Club zusammen. Wir sind eine Regierungsorganisation des Britischen Empire, die weltweit agiert. Benannt sind wir nach dem Griechen Demosthenes. Dieser hat im antiken Athen berühmte Reden gehalten. Während Makedoniens Macht im Norden Athens immer mehr wuchs, sah er die potenzielle Bedrohung für seine Leute. Er stellte sich dagegen und warnte vor Philipp von Makedonien und dem, was er für die Griechen bedeuten könnte. Genau so stehen wir als letzte Verteidigung des Empire gegen das, was landläufig als Superhelden bezeichnet wird. Diese äußerst mächtigen übernatürlichen Wesen sind uns nicht alle wohlgesonnen und es ist unsere Aufgabe zu verhindern, dass sie zu einer eklatanten Bedrohung der Weltsicherheit werden. Es gibt Wesen und Kreaturen, die den Menschen feindlich gesinnt sind und andere, die nach Macht streben. Dem stehen wir entgegen. Für diese Arbeit ist es wichtig, dass wir unerkannt von der Öffentlichkeit operieren. Ich trage einen Anzug, der aus einem feinen Polymer besteht, das Lichtbrechungen verursacht. Mit einem geeigneten Lichtimpuls ist es möglich, einen epileptischen Anfall bei Ihnen auszulösen, doch der Zweck dieser Technik ist ein anderer: Sie haben Schwierigkeiten, mich wirklich zu sehen. Sie können mich nur unvollständig wahrnehmen. Ihr Verstand füllt die Lücken, das tut er sowieso permanent, wenn wir durch die Welt laufen. Sollten Sie mich zu lange anstarren, fällt Ihnen auf, dass etwas nicht stimmt, daher das irritierende Gefühl, mich zu kennen, das Sie sicher haben. Doch seien Sie versichert, es ist völlig normal. Würden Sie mir auf der Straße begegnen, könnten Sie mich nicht korrekt beschreiben. Das ist für unsere Arbeit von größter Wichtigkeit."

Einen Moment schweige ich und verarbeite das Gesagte.

„Wer hat meine Eltern auf dem Gewissen?", frage ich nun tonlos.

Der Mann nickt, offensichtlich ist er zufrieden.

„Sie stellen die richtigen Fragen. Sie kennen ihn vermutlich als den Knochenbrecher. Sein bürgerlicher Name war Timothy Selonson, doch das ist mehr als sechzig Jahre her."

„Der Knochenbrecher?, wiederhole ich schwach und schüttel langsam den Kopf. „Das kann doch nicht sein. War es ein Unfall?

Es muss ein Unfall gewesen sein, geht es mir durch den Kopf. Er ist vielleicht in einem Kampf mit der monsterhaften Kreatur Caliran abgestürzt und ins Haus gekracht. Die Peitsche, die der Knochenbrecher schwingt, kann auf seinen Willen hin brennen. Vielleicht hat er aus Versehen eine Gasleitung erwischt.

Doch Agent Jacen macht alle Hoffnung zunichte.

„Nein. Er hat Ihren Vater und Ihre Mutter getötet. Vermutlich hätte er auch Sie getötet, wenn Sie nicht außerhalb des Hauses gewesen wären. Anschließend hat er die Gasleitung in Brand gesetzt, um die Explosion auszulösen und seine Spuren zu verwischen."

„Woher wissen Sie das? Wenn er seine Spuren damit verwischen wollte, dann dürfte doch nichts übrig geblieben sein."

„Wir hatten einen Agenten vor Ort. Ihr Haus wird schon lange überwacht. Leider hat es zu lange gedauert, bis die Verstärkung da war."

„Wir werden überwacht?"

„Natürlich wurden Sie das. Das Haus von Rador dem Gerechten muss überwacht werden."

Ich lache. Es fühlt sich erleichternd an, auch wenn meine Brust beim plötzlichen Heben und Senken etwas schmerzt.

„Rador der Gerechte? Der ist lange tot. Hören Sie, mein Vater ist mein Held, aber wenn man älter wird, weiß man, dass Väter keine Superkräfte haben. Ich halte inne. „Ich meine, er war, murmle ich, als mich die unangenehme Wahrheit mit voller Wucht trifft. Agent Jacen schweigt. Obwohl ich sein Gesicht nicht genau erkennen kann, scheint er aber meines wahrzunehmen und genau zu verstehen, dass ich einen Moment brauche, um mit der schmerzhaften Gewissheit umzugehen, dass meine Eltern tot sind.

„Wieso also?, frage ich, als ich mich wieder gefangen habe. Ich betone die Worte und spreche langsam, um nicht in Tränen auszubrechen. „Wieso sollte der Knochenbrecher so etwas tun?

„Ihr Vater war vor neunzehn Jahren auf einer geheimen Mission. Sie waren damals ein halbes Jahr alt. Nach dieser Mission entschied sich Ihr Vater, dass seine Heldentätigkeit sich nicht mit den Aufgaben eines Familienvaters vereinbaren lassen. Er wählte ein gewöhnliches Leben. Durch unsere Hilfe täuschte er seinen Tod vor. Wir haben immer gehofft, dass er sich eines Tages umentscheidet, wenn Sie älter wären, und haben sein Haus auch überwacht, um für den Fall gerüstet zu sein, dass seine Feinde doch noch herausbekommen, wie seine wahre Identität ist."

„Und Sie haben versagt", kann ich mir die bissige Bemerkung nicht verkneifen. Ein Teil von mir möchte Agent Jacen den Schmerz spüren lassen, den ich in meiner Brust empfinde und der nicht nur von den Prellungen kommt.

Ich spüre, wie Tränen meine Wangen herunterlaufen. Ich atme tief ein und aus um nicht laut zu schluchzen, doch die Gefühle brechen sich ihre Bahn.

„Sie haben versagt. Meine Eltern sind tot, weil sie Mist gebaut haben!", brülle ich ihn an.

„Das haben wir und es gibt nichts, was ich tun oder sagen könnte, um das wiedergutzumachen, sagt er zerknirscht. „Ich bitte also nicht um Vergebung, weil keine zu geben ist. Was ich Ihnen aber anbieten kann, ist Rache.

Ich halte inne. Ein Teil von mir ist zufrieden, weil dieser Mann klingt, als würde es ihn ebenso schmerzen wie mich. Nicht er hat meine Eltern getötet, sondern der Knochenbrecher, geht mir durch den Sinn, als mir klar wird, was mir Agent Jacen anbietet.

„Wie soll ich mich am Knochenbrecher rächen? Ich? Glauben Sie, den Namen haben ihm die Leute zum Spaß gegeben, weil er so ein gebrechlicher Mann ist?", ätze ich.

Agent Jacen bleibt ruhig.

„Mitnichten. Wir wollen sehen, ob Sie das Erbe Ihres Vaters antreten können."

„Ich bin kein Superheld. Im Gegensatz zu denen bin ich nicht vom Weltraum aus hier gelandet oder zufällig mit einem Superserum geimpft worden. Oder wissen Sie da mehr als ich?"

„Sie sind der Sohn Ihres Vaters. Die Kraft von Rador dem Gerechten stammte nicht aus irgendwelchen Medikamenten oder technischen Spielereien. Es ist eher magischer Natur. Die Kraft kommt aus dem Schwert, das er trug. Der Rest war nur ein Kostüm, doch das Schwert gab ihm seine Kraft. Ihr Vater fand es lange vor Ihrer Geburt, als er während seines Archäologiestudiums in Caledvwlch in Wales bei einer Grabung ein Praktikum absolvierte. Für jeden anderen war es nur ein Schwert, doch in seinen Händen gab es ihm die Kraft, Großes zu vollbringen. Was auch immer ihn befähigte, diese Kraft zu nutzen, haben Sie vielleicht auch. Möglicherweise liegt es Ihnen im Blut."

Die Stimme von Agent Jacen klingt ehrfurchtsvoll. „Leider hat er nach der gescheiterten Mission in Ägypten nie wieder einen Auftrag für uns angenommen."

„Was ist dort geschehen?", frage ich. Ich weiß nichts davon, dass mein Vater je in Ägypten war, geschweige denn, dass es dort eine Katastrophe gegeben haben soll, an der Rador der Gerechte beteiligt war.

„Es war eine geheime Mission, um einem Wesen habhaft zu werden, das wir nur als den Gargoyle bezeichnen. Seine Absichten sind bis heute unklar, wir wissen nur, dass er oder sie ein mächtiges magisch begabtes Wesen ist. Wir haben damals ein Team bestehend aus Rador, dem Knochenbrecher, der Chimäre sowie Tiara dorthin geschickt. Entgegen landläufiger Meinung ist die Heldin Tiara nicht ebenfalls einfach verschwunden, sondern starb dort. Wir nehmen an, dass es für Ihren Vater der ausschlaggebende Moment war, nicht mehr mit uns zusammenzuarbeiten. Wir haben noch immer Kontakt zum Knochenbrecher, doch auch unser Verhältnis zu der Chimäre war schon immer angespannt und er spricht nur selten mit meinen Leuten."

„Warum sollte der Knochenbrecher aber meinen Vater töten?"

Es macht keinen Sinn. Allein die Worte auszusprechen, fühlt sich falsch an. Er kann doch gar nicht tot sein, geht es mir durch den Kopf.

„Soweit wir wissen, hat der Knochenbrecher erfahren, dass es ihr Vater war, der Tiara in Ägypten getötet hat."

„Das kann nicht wahr sein", platzt es aus mir heraus. Doch im selben Moment frage ich mich, was denn wirklich wahr ist? Kenne ich meinen Vater überhaupt?

„Der Knochenbrecher hat es aus einer seiner Meinung nach verlässlichen Quelle. Die Chimäre hat es ihm gesagt. Der Knochenbrecher war vor einigen Tagen bei uns und bat uns um Hilfe, Rache an Rador nehmen zu können. Das lehnten wir ab, weil wir vorher selbst mit der Chimäre sprechen wollten. Daraufhin entschied sich der Knochenbrecher offensichtlich selbst loszuschlagen. Es tut mir unendlich leid, dass wir das nicht vorhersahen. Wir haben seine Gefühle für die tote Tiara wohl unterschätzt."

„Das haben Sie wohl, murmle ich. „Nur bekomme ich dadurch meine Eltern auch nicht wieder.

Als er zu mir sieht, scheint er den Hass in meinen Augen zu sehen, denn er schweigt. Seine genaue Reaktion kann ich wegen dieses seltsamen Effektes, den sein Anzug hat, nicht erkennen.

„Wie gesagt, ich biete Ihnen keine Vergebung, aber ich biete Ihnen Rache", sagt er und beugt sich neben das Bett. Dort steht ein Koffer, der mir bisher nicht aufgefallen ist. Er legt ihn vor mir aufs Bett. Der Koffer ist schwer und schmal, doch sehr lang.

Klickend öffnet Agent Jacen die Verschlüsse und als er den Koffer öffnet, erkenne ich das Schwert wieder, das ich immer im Büro meines Vaters gesehen habe. Ich habe immer geglaubt, es sei ein altes Wikingerschwert, weil der Griff mich an die Schwerter der Normannen erinnerte, die er mir als Kind im British Museum gezeigt hat, wenn er mich mit zur Arbeit nahm.

Mein Herz wird seltsam kalt, als ich daran zurückdenke.

Wenn Rache alles ist, was ich bekommen kann, denke ich, dann sollte ich sie nehmen. Ich ergreife kurzentschlossen den Griff des Schwertes. Ein blaues Leuchten überzieht die Klinge und breitet sich meinen Arm entlang aus. Es fühlt sich leicht unangenehm an wie kleine Mückenstiche, die überall an meinem Körper zu jucken beginnen.

Als ich an mir hinuntersehe, bemerke ich, dass ich in einem schwachen blauen Licht erstrahle.

„Lassen Sie es nicht los, das Gefühl lässt angeblich gleich nach."

„Hatten Sie schon das Vergnügen?", erwidere ich mit schreckgeweiteten Augen. Es sieht unheimlich aus, wie meine Arme in dieses blaue Leuchten gehüllt sind.

„Nein, aber Ihr Vater hat es mir beschrieben. Wenn ich die Klinge berühre, passiert rein gar nichts. Glauben Sie mir, es haben wirklich eine Menge Leute in den letzten Stunden ausprobiert, um sicherzugehen. Wir haben sogar einige Jahre lang mit Ihrem Vater einige Leute ausprobiert, weil ihm schon damals klar war, dass er diese Aufgabe für die Gesellschaft nicht ewig machen würde", erklärt Agent Jacen und ich spüre, wie das Kribbeln nachlässt. Das Leuchten ist nun nur noch schwach an der Klinge zu sehen und erinnert mich an eine Flamme, die über einem Feuerzeug manchmal zu tanzen scheint.

„Wie fühlen Sie sich?", erkundigt sich Agent Jacen.

Ich stehe vom Bett auf und stelle erstaunt fest, dass ich mich ausgeruht fühle. All die Stellen, an denen mich blaue Flecken und kleine Schrammen gerade noch schmerzten, spüre ich nicht mehr. Ich kontrolliere meine Beine und sehe dort keinerlei Verletzungen mehr!

„Ja, die Selbstheilungskräfte werden erheblich gestärkt dadurch. Ich möchte Ihnen in den nächsten Wochen ein umfassendes Training angedeihen lassen, basierend auf dem, was wir sonst mit Agenten machen. Ich befürchte, ich weiß sehr viel mehr über die Fähigkeiten, die Ihnen nun innewohnen, als Sie."

„Aber Sie würden mir helfen, sie zu kontrollieren, mir helfen, den Knochenbrecher zu jagen und zu töten?", hake ich nach und bin erschrocken über die Kälte meiner eigenen Stimme. Das kann nicht ich gesagt haben.

Agent Jacen schweigt und durch das seltsame Feld seines Schutzanzugs kann ich nicht erkennen, wie sein Gesichtsausdruck ist.

„Wir wollen den Knochenbrecher lebendig, stellt er klar. „Er ist ein denkendes Wesen und wird vor ein Gericht kommen. Aber er wird bestraft. Das kann ich Ihnen versichern. Er reicht mir die Hand. „Wenn Sie für uns arbeiten wollen."

„Das will ich", stimme ich zu und ergreife die Hand.

Kapitel 2: Ein Held sein

Ich ducke mich unter den Schüssen der Agenten weg. Es ist einfach ein Reflex, den ich nicht loswerde.

„Halt! Nochmal von Anfang an!", ertönt die Stimme von Agent Jacen. Die beiden Agenten des Clubs hören auf zu feuern und wir stellen uns wieder in die Ausgangsposition. Die Trainingshalle ist leer, die Wände voller Einschusslöcher, die den Beton aufgebrochen haben.

„Sie müssen nicht ausweichen, erklärt mir Agent Jacen. „Seit drei Wochen lernen Sie Ihre Fähigkeiten hervorragend einzusetzen. Ich bin wirklich stolz auf Sie. Doch diesen Reflex müssen Sie loswerden.

„Und wenn mich doch mal eine Kugel verletzen kann?, halte ich dagegen. „Jahrtausende der Evolution sind ja nicht nutzlos.

„Für Sie schon, erwidert er. „Sie verlieren Zeit.

Er deutet auf die beiden Agenten vor mir. Sie haben dicke schusssichere Westen an und Pistolen in den Händen. Nur drei Schritte trennen uns, für mich ein Leichtes zu überwinden.

„Während die beiden ihre Waffe heben, erklärt Agent Jacen und die beiden Agenten bewegen sich betont langsam, während Agent Jacen meine Rolle einnimmt, „können Sie entweder ausweichen oder aber angreifen.

Er ist beim ersten Gegner, bevor der seine Waffe voll angehoben hat.

„Wir reden von Sekunden, die Sie verschenken. Womöglich gibt es einen Augenblick, in dem Sie diese Sekunden brauchen. Haben Sie mich verstanden?"

Ich nicke zur Bestätigung und gehe einige Schritte zurück in die Ausgangshaltung.

Die beiden Agenten ziehen ihre Waffen und ich sprinte vorwärts. Bevor der erste seine Waffe auch nur ausgerichtet hat, bin ich bei ihm und schlage ihm mit der Faust gegen seinen Brustkorb, sodass er nach hinten fällt. An die gesteigerte Kraft, die mir nun innewohnt, habe ich mich inzwischen gewöhnt. Als ich herumwirble, trifft mich das Projektil aus der Waffe des anderen Agenten und prallt schmerzhaft an meiner Schulter ab. Sofort bin ich bei ihm und reiße auch ihn mit einem Faustschlag von den Füßen.

Mein Schwert habe ich einige Meter entfernt abgelegt, um niemanden tödlich zu verletzen. Ich benötige es nur, um mich zu verwandeln. Wie ich festgestellt habe, besitze ich meine Kräfte auch eine ganze Weile lang, ohne es in Händen zu haben.

Als ich mein Spiegelbild im großen Wandspiegel des Übungsraumes sehe, zucke ich kurz zusammen. Noch habe ich mich nicht an den Mann gewöhnt, den ich dort sehe. Wenn mich die Kraft des Schwertes durchströmt, bin ich kantiger, muskulöser und eindeutig älter. Meine Statur ist breiter und egal was ich getragen habe, anschließend habe ich etwas wie mittelalterliche Beinlinge und ein Kettenhemd sowie einen Umhang und eine Maske, die meine Augen verbirgt, an.

Ich gebe zu, die Maske hat mich schon dazu gebracht, einmal eine Zorro-Imitation vor dem Spiegel durchzuführen.

„Das war schon besser, unterbricht die Stimme von Agent Jacen meine Gedanken. „Wie geht es Ihrer Schulter?

„Es schmerzt etwas, gebe ich wahrheitsgemäß zu und taste sie vorsichtig ab. Meine Kleidung wurde von dem Projektil beschädigt, meine Haut hingegen nicht. „Aber es geht. Fühlt sich an wie ein blauer Fleck. Ich kann mich also nicht beklagen. Wo liegen die Limitierungen?

Ich wünschte, ich könnte meinen Vater fragen, doch die Möglichkeit wurde mir genommen. Dafür werde ich den Knochenbrecher zahlen lassen. Ob der Demosthenes-Club ihn wirklich lebendig von mir ausgeliefert bekommt, weiß ich noch nicht.

„Bestimmte schwere Waffen und Kräfte können Sie verletzen. Allem von der Stärke eines Artillerie-Einschlages und einer Handgranate sollten Sie ausweichen. Das gilt auch für Angriffe anderer übermenschlicher Kreaturen. Einige von denen dürften Ihnen ziemliche Verletzungen zufügen können."

Er sagt dies ohne jede Ironie in der Stimme, auch wenn ein Teil von mir es noch immer absurd findet. Ich schreite zu meinem Schwert zurück und wiege es in der Hand. Die Klinge ist gut ausbalanciert und fühlte sich von der ersten Minute wie eine Verlängerung meines Armes an. Seit einigen Tagen erhalte ich auch Schwertkampftraining von einem Agenten des Clubs und habe festgestellt, wie leicht mir der Nahkampf fällt.

„Weiß man, woher dieses Schwert kommt, frage ich, „wer es gefertigt hat und wofür?

„Es ist möglich, dass es nicht von dieser Welt stammt", sagt eine tiefe Stimme, die mich herumfahren lässt. Im Türrahmen des Trainingsraumes steht eine schattenhafte Gestalt, die vage humanoid aussieht. Genau ist die Person nicht zu erkennen, denn sie sieht aus, als hätte man sie mit nicht mehr als absolutem Schwarz in ein Bild hineingemalt. Während sie auf mich zugeht, wirkt es, als würde sie einen bodenlangen Mantel tragen. Ihre Konturen wirken unscharf, wie sich auflösender Rauch.

Diese Gestalt gewordene Dunkelheit habe ich bisher noch nie in Person gesehen, sondern nur auf Zeitungsbildern. Jetzt begreife ich, wieso man sie nie richtig ablichten konnte.

„Der Schatten", flüstere ich ehrfürchtig und komme mir wie ein kleiner Junge vor. Es ist nicht klar, ob der Schatten ein Held ist, aber ein übermenschliches Wesen ist er sicherlich. Er hat schon einiges für das Empire getan, doch ist er angeblich auch in den ein oder anderen Diebstahl verstrickt.

„Es freut mich, dass Sie endlich zurück sind, begrüßt Agent Jacen den Schatten. „Wie war Indien? Haben Sie die Hitze gut vertragen?

Der Schatten lacht leise. „Ich fühle nichts, erwidert er nur, als wüsste Agent Jacen es, und tritt auf mich zu, um das Thema wieder aufzunehmen, das er gerade angesprochen hat. „Es ist gut möglich, dass dieses Schwert nicht von dieser Welt stammt. Ich glaube, es ist eine Waffe der Min‘dar und wurde einst von einer anderen Welt hierher gebracht.

Ich kann in all dieser Dunkelheit keine Konturen erkennen, kein Gesicht und keine Augen, bis plötzlich wie auf meinen Wunsch hin zwei Augen in der Dunkelheit des Schattengesichts erkennbar werden. Sein Gesicht bekommt dadurch sofort etwas deutlich Menschliches und wird weniger unangenehm anzusehen. Die Augen sind die eines Menschen und leuchten schwach. Sie sehen aus wie aus Bernstein gefertigt.

„Es hilft dir, Augen zu sehen", sagt er und es ist eine Feststellung, keine Frage.

„Danke", gebe ich ehrlich zurück. Ich bin mir sicher, dass er mir nur seine Augen zeigt, weil er höflich sein will. Kurz darauf sind sie wieder verschwunden, dennoch hat es mich irgendwie beruhigt, dass er überhaupt Augen hat.

„Darf ich das Schwert einmal nehmen? Ich habe nie die Gelegenheit gehabt, deinen Vater kennenzulernen. Ich bin erst seit achtzehn Jahren auf dieser Welt."

„Auf dieser Welt? Es gibt also noch andere Welten?"

Vage glaube ich, dass der Schatten nickt.

„Es gibt viele Welten und es gibt Wesen, die von einer Welt in die andere wechseln können. Ich gehöre dazu. Ich bin ein Reisender und hier für einige Zeit gestrandet. Andere Wesen streben nach Herrschaft über andere Welten."

„Darüber können wir später sprechen, unterbricht ihn auf einmal Agent Jacen und tritt zu uns. „Sie können ihm das Schwert ruhig geben. Er ist vertrauenswürdig. Seit er auf dieser Welt ist, arbeitet er mit uns zusammen und hat uns keinen Anlass für Misstrauen gegeben.

Ich reiche dem Schatten mein Schwert und als sich seine Hand um den Griff des Schwertes schließt, passiert ... nichts.

Er reicht es mir wortlos zurück, deswegen frage ich: „Was hast du erwartet, das geschieht?"

„Wieso

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