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Fachkräftemangel im Christentum: Corona deckt auf

Fachkräftemangel im Christentum: Corona deckt auf

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Fachkräftemangel im Christentum: Corona deckt auf

Länge:
437 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
17. Jan. 2022
ISBN:
9783755747024
Format:
Buch

Beschreibung

Darf ein Christ andere Christen der Heuchelei, der Lüge, der Verleumdung, der Aufwiegelung oder sogar der vorsätzlichen Gefährdung von Menschenleben bezichtigen, und das auch noch in aller Öffentlichkeit? Darf sich ein theologischer, juristischer und medizinischer Laie öffentlich gegen teilweise weltweit anerkannte Bibelkenner und -lehrer wenden und ihnen unterstellen, sie hätten ihre geistliche Beurteilungsfähigkeit verloren?

Was ist aus dem Prinzip mit dem Splitter und dem Balken geworden? Oder aus der biblischen Vorgehensweise, Probleme unter vier Augen, danach mithilfe einiger Zeugen oder letztlich vor der jeweiligen Gemeinde zu lösen?

Und was hat das Corona-Virus eigentlich mit dem Christentum zu tun? Und was ist überhaupt ein Fachkräftemangel unter Christen?

Für ein Buch von und für Christen ist dieser Einstieg womöglich schwer verdaulich. Und wenn Sie in seinem Inneren Klartext erwarten, werden Sie vermutlich nicht enttäuscht. Aber auch die Antworten auf die hier aufgeworfenen Fragen werden Sie darin finden und vielleicht Ihre bisherige Meinung bezüglich des angemessenen Umgangs untereinander ein klein wenig revidieren.

Darüber hinaus, und darum geht es in diesem Buch in erster Linie, werden Sie als Christ, dem die christliche Gemeinde oder Kirche als Leiter, Verantwortlicher oder in welcher Form auch immer am Herzen liegt, einige praktische Hinweise finden für das Leben nach Corona und die notwendige Vorbereitung auf die nächste Krise, denn die wird kommen!

Enthalten ist außerdem eine Buchbesprechung zu "Covid-19: Der große Umbruch" von Klaus Schwab und Thierry Malleret.
Herausgeber:
Freigegeben:
17. Jan. 2022
ISBN:
9783755747024
Format:
Buch

Über den Autor

Christoph Leinweber ist gelernter Bäcker sowie umgeschulter Industriekaufmann. Er war gut zwanzig Jahre als Verkäufer in der Automobilindustrie weltweit tätig. Freiberuflich arbeitet er als Lektor, darüber hinaus hat er unter dem Pseudonym Bert Schönauer bisher zwei Regionalkrimis, Die UGA-Connection sowie Corona-Mord, veröffentlicht, die in seiner Heimat in Mittelhessen sowie auf der Kanareninsel Lanzarote spielen und sich unter anderem mit teilweise kontrovers diskutierten christlichen Glaubensinhalten, Christ und Gewalt etc., beschäftigen. Sein geistlicher Ursprung liegt in der Brüderbewegung; gleichwohl hat er lange Zeit in anderen Gemeindeformen verbracht und sieht sich heute im Wesentlichen konfessionslos.


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Buchvorschau

Fachkräftemangel im Christentum - Christoph Leinweber

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Das Corona-Virus

1.1 Die medizinische Sicht

1.2 Die Schutzmaßnahmen

1.3 Die juristische Sicht

1.4 Die Impfung

1.5 Die Politik

1.6 Für und Wider

Die Gegenexperten

Die Gegenargumente

Die Kollateralschäden

2. Corona und die Christen

2.1 Der Umgang mit dem Virus

2.2 Die Prediger gegen Corona

2.3 Die Leute unter der Kanzel

2.4 Die Medienkompetenz

2.5 Die Werkgerechtigkeit

2.6 Der Stolz

2.7 Die Unterscheidung der Geister

2.8 Das Gute an Corona

2.9 Die Lehren aus Corona

Buchbesprechung The Great Reset

Schlussbemerkung

Vorwort

Christen wandeln in mehrfacher Hinsicht auf einem schmalen Grat. Einerseits sollen sie liebevoll und barmherzig sein, kein böses Wort soll über ihre Lippen kommen – gleichzeitig sollen sie sich gegenseitig ermahnen und anspornen und jede Form von Sauerteig aus der Gemeinde entfernen. Diesem Anspruch gerecht zu werden, ist bei einem so emotionsgeladenen Thema wie Corona noch einmal ein Stück schwieriger.

Die Corona-Pandemie hat großen Schaden angerichtet. So großen, dass die Frage berechtigt erscheint, ob wir es mit einem Gericht Gottes zu tun haben. Diese kann nach Ansicht des Autors nicht so einfach beantwortet werden, deshalb möchte er sich auf die eine feststehende Gewissheit beschränken, dass der allmächtige Gott diese Pandemie mindestens zugelassen hat. Darüber hinaus ist er davon überzeugt, dass Gott durch die aktuelle Situation eindringlich zu den Menschen redet und sie zur Umkehr aufruft. Diese Überzeugung basiert auf der Beobachtung, dass Corona augenscheinlich so ziemlich alle menschlichen Defizite und Sünden schonungslos aufgedeckt hat. Sei es die Gier, die sich in der überzogenen Globalisierung und in allen anderen Bereichen widerspiegelt, seien es die kaputten Familien überall, die Gewalt, die Armut etc.

Was ihn allerdings vollkommen kalt erwischt hat, war, dass dieses Aufdecken eklatanter Defizite sich auch unter Christen gezeigt hat, und zwar in einer Form, einem Verhalten, einem Umgang mit der Pandemie, dem Virus und den Regierenden, die er nie für möglich gehalten hätte.

Das warf natürlich die Frage nach dem Warum auf. Und wenn man mit einer Angelegenheit konfrontiert wird, bei der Christen sich in ihrer Einschätzung der Lage derart diametral – und unversöhnlich – gegenüberstehen, wie es beim Thema Corona der Fall ist, wird sehr schnell klar, dass die Antwort nur in Gottes Wort gesucht und gefunden werden kann. Und damit das gelingt, braucht es unter anderem eine sogenannte Geistesgabe, von der einige Ausleger annehmen, es gebe sie gar nicht mehr.

Dieser und anderen offenen und drängenden Fragen soll im vorliegenden Buch nachgegangen werden. Und natürlich soll auch aufgezeigt werden, warum die Erfahrungen der letzten knapp zwei Jahre sogar wertvoll werden können.

Das Buch ist in zwei Teile gegliedert; im ersten wird auf die uns vorliegenden Informationen, Zahlen und Fakten der Pandemie eingegangen, weil hier bekanntermaßen die vordergründige Ursache der aktuellen Spaltungen unter den Christen liegt. Im größeren zweiten Teil soll es dann weiterführend und aufeinander aufbauend vor allem anhand von Gottes Wort und Seinen Geboten um die tiefergehenden Gründe für diese Entwicklung gehen. Denn Corona ist keineswegs der Auslöser für die derzeitigen Zustände, sondern eher das, was man gemeinhin einen Katalysator – etwas, das Dinge entwickelt und beschleunigt – nennt.

Weiterhin wird verdeutlicht, warum die unterschiedliche Bewertung der Schwere der Pandemie sowie der Gefährlichkeit des Virus gar nicht der entscheidende Sachverhalt sind, was den Umgang mit dem Thema betrifft, und warum die Diskussion und die herangezogenen Argumente gegen bestimmte Maßnahmen überwiegend schlicht heuchlerisch sind.

Ein Hinweis zu den verwendeten Begrifflichkeiten: Wenn in diesem Buch von Coronaleugnern die Rede ist, sind nicht ausschließlich jene gemeint, die die Existenz des Virus abstreiten und es für eine Erfindung übler Mächte halten. Der Einfachheit halber umfasst diese Bezeichnung auch diejenigen, die durch bestimmte kritische Äußerungen zu vermeintlich unnötigen und überzogenen Schutzmaßnahmen zum Ausdruck bringen, dass sie die Gefährlichkeit des Corona-Virus deutlich geringer einschätzen als der sogenannte Mainstream – oder deren Achtung vor dem menschlichen Leben so wenig ausgeprägt ist, dass sie die Maßnahmen mit dem lapidaren Hinweis Gestorben wird immer! ablehnen.

Wer nicht damit einverstanden ist, in den beschriebenen Topf geworfen zu werden, dem sei gesagt, dass bei diversen Gelegenheiten festzustellen war, dass diejenigen, die sich ausdrücklich mit den Worten Ich bin nicht Coronaleugner, sondern lediglich Maßnahmenkritiker! vorstellen, an irgendeinem wesentlichen Punkt letztlich doch Ansichten vertreten, die eben auf die Leugnung der Gefährlichkeit des Corona-Virus hinauslaufen. Deshalb ist der ebenfalls manchmal verwendete Begriff Maßnahmenkritiker im Folgenden absichtlich hervorgehoben, um zu zeigen, dass er für den Autor überwiegend negativ besetzt ist! Alle anderen, die grundsätzlich damit übereinstimmen, dass der Lebensschutz ebenso Vorrang vor dem Bruttosozialprodukt genießt wie das Vermeiden hochwahrscheinlicher direkter Opfer vor möglichen indirekten, und die lediglich dezidiert einzelne Maßnahmen aufgrund ihrer möglichen Überzogenheit oder Unwirksamkeit kritisch im Blick haben, mögen dem Autor die leichte Unschärfe bei diesem Sachverhalt verzeihen. Oder eben nicht.

Dass in diesem Buch Menschen attackiert werden, die teilweise über Jahre und Jahrzehnte treu Gottes Wort verkündigt und vermutlich unzählige Menschen zum Glauben geführt haben, ist nichts weniger als schrecklich. Gleichzeitig ist es jedoch unbedingt notwendig, denn ihr Verhalten während der Pandemie war beziehungsweise ist nun einmal unglaublich weit weg von sämtlichen biblischen Idealen und besitzt eine außergewöhnliche Sprengkraft bezüglich der Einmütigkeit in den Gemeinden.

Darüber hinaus haben sie sich mit größter Wahrscheinlichkeit am Tod von Menschen mitschuldig gemacht, indem sie ihren Zuhörern suggerierten, das Ganze sei harmlos und die Schutzmaßnahmen überzogen etc., und diese damit dazu motiviert haben, sich eben nicht vorsichtig, rücksichtsvoll und solidarisch zu verhalten. Siehe dazu auch die sogenannte Kausalkette im Unterkapitel Die Klage gegen das Singverbot.

Noch dazu liegt die Wahrheit bei der Beurteilung der Corona-Pandemie keineswegs in der Mitte, sondern es gibt eine nie dagewesene Einseitigkeit hinsichtlich der tatsächlichen Faktenlage gegenüber den vorgebrachten Einwänden, weshalb dagegen angegangen werden muss! Denn die christliche Gemeinde wird in den nächsten Jahren und Jahrzehnten diese Einmütigkeit sowie das richtige Urteilsvermögen dringender denn je brauchen.

Dieses Buch ist kein klassisches Sachbuch. Dazu ist die Angelegenheit zu persönlich und emotional, denn es geht um menschliche Schicksale. Es ist auch keine hoch theologische Abhandlung – das würde der Autor als Vermessenheit seinerseits betrachten –, sondern eher ein Beleuchten dessen, was man in der Wirtschaft Grundtatbestände nennt oder auf neudeutsch vielleicht die Basics des christlichen Glaubens.

Erklärtes Ziel ist dabei ausdrücklich nicht, sich hämisch an den Fehltritten und –urteilen der darin genannten Personen zu weiden, sondern vielmehr, dass Sie – nur für den Fall, dass dies bisher noch nicht so war – anschließend eine klare, biblisch legitimierte Haltung haben, mit der Sie idealerweise in die nötigen Diskussionen in Ihrer Gemeinde gehen können, damit die entstandene Unruhe wieder weggenommen wird und die notwendigen Gespräche, beispielsweise über Apostelgeschichte 5, die sogenannte clausula petri, beginnen können. Denn darauf wird’s ankommen in der Zukunft!

Christoph Leinweber, im Dezember 2021

1. Das Corona-Virus

1.1 Die medizinische Sicht

Das (oder der, beide Formen sind erlaubt) Corona-Virus oder SARS-CoV2, das für die aktuelle Pandemie verantwortlich zeichnet, wurde Ende 2019 in China entdeckt. Spekulationen darüber, wie es tatsächlich entstanden ist, ob durch Menschenhand oder Übertragung von Tieren auf Menschen, sind für die Beurteilung seiner Gefährlichkeit sowie den Umgang mit ihm nicht relevant und müssen hier nicht weiter behandelt werden. Ebenso wenig muss der gesamte Pandemieverlauf hier zum wiederholten Mal in aller Ausführlichkeit ausgebreitet werden. Denn vermutlich geht es den meisten Menschen wie dem Autor: Man will eigentlich nichts mehr davon hören und wünscht sich, der Albtraum wäre bald vorbei. Deshalb soll nur in möglichst komprimierter Form auf die wesentlichen Aspekte eingegangen werden.

Die ersten bruchstückhaften Informationen, die sich uns einprägten, lauteten, das Virus bewirke Symptome ähnlich einer Grippe.¹

Gleichzeitig jedoch verbreitet es sich deutlich aggressiver als die Influenza, ist für bestimmte Bevölkerungsgruppen um ein Mehrfaches tödlicher und sorgt bei einem vergleichsweise hohen Prozentsatz von Erkrankten für relativ lang anhaltende Folgeschäden, die mittlerweile unter dem Begriff Long Covid zusammengefasst werden.

Diesbezüglich gibt es alarmierende Zahlen: Die Universität Oxford hat unter 270t – zweihundertsiebzigtausend – Genesenen ermittelt, dass ein Drittel unter mehr oder weniger starken Spätfolgen der Erkrankung leidet.²

Selbst wenn diese Zahlen nicht repräsentativ sein sollten – was man nur hoffen kann –, ist das Ausmaß erschreckend und mit den Auswirkungen einer normalen Grippe ganz gewiss nicht mehr zu vergleichen.

Das Virus überträgt sich vor allem durch Tröpfcheninfektion und Aerosole, außerdem als sogenannte Schmierinfektion über Oberflächen. Besonders tückisch ist, dass die Übertragung auch symptomlos erfolgen kann, also dann, wenn der Überträger (noch) nichts von seiner Infektion weiß.

Es gibt bisher kein wirksames Medikament gegen das Virus. Vor wenigen Wochen wurde ein ursprünglich für die Behandlung von Herzkrankheiten entwickelter Wirkstoff namens BC 007 erfolgreich gegen besagtes Long-Covid-Syndrom eingesetzt.³

Kürzlich konnte man außerdem lesen, dass der Pharmakonzern Merck ein neues Medikament namens Molnupiravir, das die Wahrscheinlichkeit sehr schwerer Verläufe deutlich reduzieren soll, erfolgreich getestet und folgerichtig auch bereits dessen Zulassung beantragt und in Großbritannien bereits erhalten hat.

Von AstraZeneca wird aktuell Ähnliches berichtet. Ebenso ist Pfizer, der Mutterkonzern von Biontech, diesbezüglich auf der Zielgeraden – Stand Spätherbst 2021.

Seit Ende 2020 sind wirksame Impfstoffe verfügbar, die das Pandemiegeschehen bereits nachhaltig beeinflusst haben.

Leider wurde die Impfstoffentwicklung, wenngleich in einem nie dagewesenen Tempo durchgeführt, vom Entstehen diverser Mutationen des ursprünglichen Virus noch überholt. Durch die derzeit vorherrschende sogenannte Delta-Variante wurde sowohl die Verbreitung deutlich beschleunigt als auch die Wirksamkeit der vorhandenen Impfstoffe spürbar reduziert.

Zum Zeitpunkt, als diese Zeilen entstehen, verbreitet sich ausgehend von Südafrika eine weitere neue Variante des Virus namens Omikron. Zu dieser liegen aktuell erst relativ wenige Informationen vor, allerdings scheint sich abzuzeichnen, dass sich diese Mutante nochmals schneller verbreitet als Delta, dass die Krankheitsverläufe möglicherweise etwas leichter sind, dass sie allerdings vermehrt Kinder befällt und schädigt und dass die aktuellen Impfstoffe nochmals weniger gegen sie ausrichten können.

Darüber hinaus ist mittlerweile klar, dass auch Geimpfte für eine gewisse Zeit weiterhin ansteckend sein können, wenn auch kürzer und meist mit einer deutlich geringeren Virenlast, die wiederum großen Einfluss auf die Schwere eines etwaigen Krankheitsverlaufs hat.

Zusammenfassend muss man sagen, dass dieses Virus mit seinen vorgenannten Eigenschaften, hätten es tatsächlich Menschen entwickelt, ein absoluter Geniestreich wäre, weil es uns genau dort trifft, wo wir am verletzlichsten sind, nämlich in unserem sozialen und wirtschaftlichen Leben, auf das wir nicht verzichten können, und uns dadurch seine Bekämpfung so enorm schwer macht. Ob das ein Indiz für ein etwaiges Gottesgericht sein könnte, bleibt Spekulation und soll wie erwähnt nicht Gegenstand dieses Buches sein.


1 DW Akademie, Was Corona im menschlichen Körper anrichten kann, 28.07.2020 https://www.dw.com/de/wie-das-Corona-Virus-unseren-ganzen-k%C3%B6rper-angreift/a-53369064

2 University of Oxford, Studie zu Long Covid, 29.09.2021 https://www.ox.ac.uk/news/2021-09-29-over-third-covid-19-patients-diagnosed-least-one-long-covid-symptom

3 Pharmazeutische Zeitung, Wirkstoff gegen Long Covid, 23.09.2021 https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ist-ein-wirkstoff-gegen-long-covid-in-sicht-128192/

4 ZDF heute, Zulassung Molnupiravir, 04.11.2021 https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-mittel-merck-freigabe-grossbritannien-100.html

5 Business Insider, Impfungen retten, 26.08.2021 https://www.businessinsider.de/wissenschaft/gesundheit/rki-studie-die-corona-impfungen-in-deutschland-haben-seit-januar-38-000-leben-gerettet/

6 ZDF, Omikron, 09.12.2021 https://www.zdf.de/nachrichten/politik/corona-omikron-krankheitsverlauf-100.html

1.2 Die Schutzmaßnahmen

Als die ersten Informationen über das neuartige Virus von China nach Europa schwappten, wurde diesen von vielen zunächst mit einer Mischung aus Sorglosigkeit und Unsicherheit begegnet. Politiker beschwichtigten und spielten die Gefahr herunter, die einige Virologen bereits am Horizont aufkommen sahen.

Als Corona sich sukzessive überall auf der Welt verbreitete und erste Opfer forderte, rief die Weltgesundheitsorganisation schließlich die Pandemie aus und die Länder der Erde machten sich daran, der Verbreitung des Virus entgegenzutreten. Dies geschah in großer Verunsicherung und ebenso großer Hektik, was zumindest ein wenig verwundert, lag doch beispielsweise in Deutschland bereits seit 2013 ein Pandemieplan vor, der verblüffend exakt aufzeigte, wie sich eine solche entwickeln würde.

Was sich im weiteren Verlauf jedoch zeigte und genauso verwunderte, war die Tatsache, dass die Regierenden sich in ihrem Handeln augenscheinlich nicht konsequent auf die damals zusammengetragenen Erkenntnisse stützten.

Natürlich war bei einem Virus, das sich durch menschliche Kontakte verbreitet, das Gebot der Stunde, ebendiese Kontakte zu reduzieren oder zumindest so zu gestalten, dass das Ansteckungsrisiko minimiert würde. Ebenso selbstverständlich gibt es hierfür nicht besonders viele unterschiedliche Möglichkeiten, sodass die Vorgehensweise in allen Ländern im Wesentlichen dieselbe war und Unterschiede lediglich auf bestimmten regionalen, strukturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten beruhten. Eine Rolle spielen hierbei unter anderem die Besiedelungsdichte sowie der Grad der Industrialisierung des jeweiligen Landes – und gnadenlos unterschätzt wurde respektive wird noch immer die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts, der Solidarität innerhalb einer Gesellschaft!

Wie komplex das Ganze tatsächlich ist, geht sehr eindrucksvoll aus dem verlinkten Bericht aus und über Schweden hervor. Diesen hier übersetzt hineinzukopieren würde den Rahmen sprengen, aber über DeepL können Sie sich den Text übersetzen lassen – es lohnt sich, denn der Artikel zeigt sehr eindrücklich auf, dass es für eine fundierte Beurteilung und Einstufung dieser Pandemie nicht ausreicht, sich anhand von Schlagzeilen oder unbelegter Meinungen irgendwelcher alternativer Experten oberflächlich zu informieren!⁹ ¹⁰

Damit sind wir bei der immer wieder diskutierten Ausnahme von der Regel: dem sogenannten schwedischen Sonderweg. Schweden erließ im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern keine strikten Maßnahmen, verhängte keinen Lockdown, sondern setzte vereinfacht ausgedrückt auf die Vernunft der Bürger. Wie sich das ausgewirkt hat, wird später noch beleuchtet.

Da es sich bei Corona um ein Virus handelt, ging man davon aus, dass dieses wie auch die Influenza oder andere Infektionskrankheiten einer sogenannten Saisonalität unterliegt, also vereinfacht ausgedrückt in den kalten Wintermonaten, wenn die Menschen sich hauptsächlich in geschlossenen Räumen aufhalten, am gefährlichsten ist, was seine Ausbreitung anbelangt – daher stammt auch der geflügelte Begriff von der Grippesaison. Diese Annahme erwies sich als richtig, sodass sich Ende des Frühjahrs eine Besserung abzeichnete, was wiederum die Annahme bestätigte, dass die Übertragung wohl in erster Linie durch Tröpfchen und Aerosole stattfindet. Somit wurde die Gefahr durch das vermehrte Aufhalten der Menschen draußen an der frischen Luft fortan deutlich reduziert.

Währenddessen wurde als zusätzliche Maßnahme gegen die Verbreitung das Tragen von Schutzmasken diskutiert – und zwar bemerkenswerterweise kontrovers! Erfahrene Ostasienreisende kennen das Straßenbild in Japan oder Südkorea, wo schon immer viele Menschen mit Masken unterwegs waren. Dazu muss man wissen, dass man in dieser Region deutlich mehr Erfahrung mit lokalen Epidemien besitzt.¹¹

Für den Laien war es ohnehin von Anfang an ziemlich wahrscheinlich, dass ein Stück Stoff, welches das Atmen behindert, doch zwangsläufig auch irgendwelchen gefährlichen Tröpfchen das Durchkommen erschweren muss. Umso größer das Erstaunen, als es selbst aus Expertenkreisen anfangs hieß, Masken brächten nichts.

Auch hier wieder ein Verweis auf den schwedischen Sonderweg, um einmal exemplarisch zu verdeutlichen, welche Gründe jeweils hinter bestimmten Maßnahmen – oder dem Ausbleiben derselben – stecken: In Schweden gibt es bis heute keine Maskenpflicht. Begründet wurde dies von Anders Tegnell, dem dortigen Chef-Epidemiologen – dem schwedischen Drosten, wenn man so will –, mit der Befürchtung, dass die Menschen, trügen sie Masken, sich womöglich zu sehr in Sicherheit wiegen und deshalb andere wichtige Maßnahmen wie Händewaschen oder Abstand halten vernachlässigen könnten.¹²

Dieses Argument ist noch nicht einmal so ganz von der Hand zu weisen. Gleichwohl widerspricht ihm eine Aussage, die an anderer Stelle zu lesen war und sehr schön aufzeigt, worauf es bei der Pandemiebekämpfung ankommt, nämlich der Vergleich mit der Bekämpfung einer Flut durch Sandsäcke, bei der jede einzelne Maßnahme einen einzelnen Sandsack darstellt und letztlich deren Summe den Erfolg bringt.

Wie auch immer, die anfangs kritische Einstellung zur Maske änderte sich dann doch relativ schnell, und seither ist diese fester Bestandteil der Pandemiebekämpfung.

Und wie sie wirkt, dies bereits an dieser Stelle im Vorgriff auf die künftigen Erwähnungen der Maske und ihrer Sinnhaftigkeit, verdeutlicht eine aktuelle, weltweit angelegte Studie des British Medical Journal (BMJ), wonach die Maske zu einer Reduktion der Virusverbreitung um 53 Prozent beigetragen hat.¹³

Parallel dazu wurde an geeigneten Impfstoffen gearbeitet, von denen dann die ersten gegen Ende 2020 zugelassen und eingesetzt wurden. Eine Impfung ist bekanntermaßen das wirksamste Mittel gegen eine Infektionskrankheit, wenn eine weitreichende Kontaktreduzierung nicht möglich ist, wie es in unserer industrialisierten, globalisierten, ineinander verflochtenen Gesellschaft der Fall ist.

Durch die beschriebenen Maßnahmen konnte das Infektionsgeschehen – über die bekannte zweite und dritte Welle im Herbst und Winter hinweg – im Frühsommer 2021 zunächst mehr oder minder unter Kontrolle gebracht werden und sollte, das war die Erwartung oder besser gesagt Hoffnung der meisten Experten, im Frühsommer 2022 endgültig auf das Niveau einer normalen Virusinfektion absinken, die Pandemie damit vorbehaltlich der möglichen Entstehung neuer, noch aggressiverer Mutationen vorbei sein.

Abgesehen davon, dass sich die zuletzt genannte Befürchtung mit dem Auftauchen der Variante Omikron womöglich bewahrheiten wird, hat sich das Infektionsgeschehen seit dem Sommer 2021 jedoch noch einmal dramatisch verschärft.

Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt an dem Tag, an dem diese Zeilen entstehen, nämlich dem 10. Dezember 2021, bei über 400.

Die Belegung der Intensivbetten liegt bei knapp 5.000. Ende Oktober waren es weniger als 2.000.

Von denjenigen, die auf der Intensivstation liegen, sterben weiterhin dreißig bis fünfzig Prozent, während die Quote beispielsweise bei Herzkranken dem Vernehmen nach lediglich bei etwa sieben Prozent liegt. Auch daran kann man die enorme psychische Belastung des medizinischen und des Pflegepersonals erkennen.

Die Zahl der Todesfälle pro Tag liegt stabil im Bereich von etwa 500, was den Focus zu der Aussage bringt, dass derzeit alle drei Minuten in Deutschland ein Mensch an Covid-19 stirbt.

Die Gesamtzahl der Covid-19-Todesfälle hat zwischenzeitlich die Marke einhunderttausend überschritten¹⁴ – und das ist lediglich die offizielle Zahl, abzüglich derjenigen, die mit Covid-19 nur als Begleiterkrankung gestorben sind (in 2020 siebzehn Prozent), jedoch zuzüglich derjenigen, die nicht registriert wurden.¹⁵ ¹⁶

Interessant an den genannten Zahlen und Fakten ist, dass die vielgeschmähte Inzidenz schon wieder ziemlich genau zu den nachfolgenden Entwicklungen auf den Intensivstationen und Friedhöfen passt und damit ein weiteres Mal klarstellt, dass sie nicht nur das früheste Warninstrument ist, sondern auch ein nach wie vor in höchstem Maße aussagefähiges und wirksames!¹⁷

Fazit

Die zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eingeleiteten Schutzmaßnahmen waren überwiegend logisch, sinnvoll und gerechtfertigt. Das zeigt unter anderem die Tatsache, dass so gut wie alle Länder dieser Welt abgesehen von kleineren, strukturell und kulturell bedingten Unterschieden alle dasselbe gemacht haben.

Es zeigt sich außerdem aktuell darin, dass einhelliger Konsens darin besteht, dass die derzeitige Lage letztlich nur mit drastischen Kontaktbeschränkungen in den Griff zu bekommen ist. Das Wort Lockdown will man dabei nicht so gern in den Mund nehmen, aber interessanterweise plädieren jetzt auch Experten dafür, die zuvor vehement dagegen waren.

Dass sich weiterhin in einer komplexen, ineinander verwobenen Gesellschaft eine bestimmte Maßnahme an der einen Stelle positiv und an der anderen gleichzeitig negativ auswirken kann, ist nicht zu vermeiden. Und dass man hinterher schlauer ist als am Anfang, ist ebenfalls eine Binsenweisheit.

Trotzdem hat ausgerechnet Deutschland, mithin eins der Länder, in denen die Proteste gegen die Corona-Politik am heftigsten waren, seinen Job vergleichsweise nicht so schlecht gemacht, wie es manche behaupten – mit zwei entscheidenden Ausnahmen, nämlich dem Einknicken vor der schreienden Minderheit der Coronaleugner und Maßnahmenkritiker im Herbst 2020 mit seinen dramatischen Folgen sowie dem völligen Verschlafen der Auffrischungsimpfungen respektive der Vorbereitungen darauf im Sommer 2021.

Die relativ gute Arbeit sieht man vor allem daran, dass kürzlich eine Studie der Universität Duisburg-Essen veröffentlicht wurde, wonach es im Jahr 2020 trotz der Corona-Pandemie sogar eine Untersterblichkeit von 2,4 Prozent gab, wenn man nicht nur die nackten Zahlen berücksichtigt, sondern auch die durch den demografischen Faktor zu erwartenden Sterbefälle!¹⁸

Auch das ist im internationalen Vergleich beachtlich.

Mehr dazu im Unterkapitel Es gibt keine Übersterblichkeit.

Aus den genannten Gründen ist es – an dieser Stelle die erste persönliche Bemerkung an die Coronaleugner – unredlich, den Verantwortlichen im Nachhinein süffisant ihre Fehler vorzuhalten und vorzurechnen und dabei von der Tatsache zu profitieren, dass man das sogenannte Präventions-Paradoxon – sprich die Leben, die durch die eingeleiteten Maßnahmen erhalten werden konnten – nicht beziffern kann, weil man eben etwas, das nicht eingetreten ist, nur sehr schwer in Zahlen fassen kann.

Insofern würde es den Coronaleugnern und Maßnahmenkritikern gut anstehen, diesbezüglich etwas mehr Demut zu zeigen – und vielleicht einmal darüber nachzudenken, ob sie womöglich das biblische Gebot, für die Obrigkeit zu beten, aufgrund ihrer vielfältigen Leugnungs-, Kritisier- und Widerstandsaktivitäten etwas vernachlässigt haben. Vielleicht hätte anhaltendes Gebet statt Häme und Verleumdung ja für mehr Weisheit bei der Pandemiebekämpfung gesorgt!


7 WELT, Corona-Virus wird unterschätzt, 25.02.2020 https://www.welt.de/vermischtes/article206114643/Jens-Spahn-unterschaetzt-das-Corona-Virus-glaubt-ein-Virologe.html

8 Deutscher Bundestag, Pandemieplan, 29.01.2013 https://dejure.org/Drucksachen/Bundestag/BT-Drs._17/12051

9 Dagens Nyheter, Schweden schlechtestes Land, 17.11.2021 https://www.dn.se/debatt/sverige-samst-i-vastvarlden-pa-att-hantera-pandemin/

10 DeepL Translator, 17.11.2021 https://www.deepl.com/translator

11 Quarks, Erfahrung mit Epidemien in Asien, 21.12.2020 https://www.quarks.de/gesellschaft/wissenschaft/wie-geht-asien-mit-der-corona-pandemie-um/

12 Tegnell: Masken bieten trügerische Sicherheit, Wiener Zeitung, 11.08.2020 https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/politik/europa/2071175-Masken-koennen-falsche-Sicherheit-bieten.html

13 BMJ, Wirksamkeit Masken und Einzelmaßnahmen, 18.11.2021 https://www.bmj.com/content/375/bmj-2021-068302

14 Focus, Coronazahlen, 10.12.2021 https://www.focus.de/gesundheit/news/news-zur-corona-pandemie-mehr-als-1-1-millionen-booster-impfungen-am-mittwoch_id_13512540.html

15 Destatis, Todesursachenstatistik, 08.07.2021 https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2021/07/PD21_327_23211.html

16 DW, Todesfälle Dunkelziffer, 01.11.2021 https://www.dw.com/de/schon-mehr-als-f%C3%BCnf-millionen-corona-tote/a-59683673

17 Focus, Corona News, 31.10.2021 https://www.focus.de/gesundheit/news/news-zur-corona-pandemie-das-booster-tempo-reicht-nicht-spahn-schlaegt-alarm-und-fordert-gipfel_id_13512540.html

18 MDR Wissen, Untersterblichkeit, 22.10.2021 https://www.mdr.de/wissen/in-deutschland-keine-uebersterblichkeit-durch-covid-100.html

1.3 Die juristische Sicht

Dies wird ein vergleichsweise trockenes Kapitel; die Thematik muss jedoch zumindest stichpunktartig behandelt werden, weil die rechtliche Würdigung der Situation einen der Eckpunkte in der Argumentation der sogenannten Maßnahmenkritiker darstellt.

Bekanntlich ist das Deutsche Grundgesetz auf dem Prinzip aufgebaut, dass meine Freiheit dort endet, wo die eines anderen in irgendeiner Form tangiert wird:¹⁹

Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

So steht es in Artikel 2, Absatz 1 des Deutschen Grundgesetzes, und es ist wohl davon auszugehen, dass das hier formulierte Verständnis von Freiheit mit Grenzen in einer zivilisierten Gesellschaft relativ breite Zustimmung findet. Basierend auf diesem Prinzip müsste bereits klar sein – das sollte man jedenfalls meinen –, dass ebendiese zivilisierte Gesellschaft (zumal wenn es sich hierbei um Christen handelt) im Fall einer Not- oder Krisensituation automatisch bereit ist, ihre üblichen Freiheiten zum Wohl der Gemeinschaft für eine gewisse Zeit einzuschränken. Und das ist noch nicht alles: In Absatz 2 desselben Artikels heißt es:

Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

Das bedeutet, unsere Regierung hat nicht nur das Recht, sondern als dem Grundgesetz verpflichtete Institution vor allen anderen Belangen die ausdrückliche Pflicht, das Leben und die körperliche Unversehrtheit seiner Bürger zu schützen. Dies brachte die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel folgerichtig auch unmissverständlich zum Ausdruck, als sie am 21.01.2021 während der Bundespressekonferenz auf die Frage des Coronaleugners Boris Reitschuster, warum sie nicht auf den Rat der (vom Autor) so genannten Gegenexperten höre, klarstellte, dass ihr deren Einlassungen sehr wohl bekannt sind, sie jedoch politische Entscheidungen zu treffen und sich eben für den Lebensschutz entschieden hat.²⁰

Reitschuster machte daraus übrigens eine reißerische Story, wonach die Regierung angeblich völlig einseitig beraten werde und handle.²¹

Auf der anderen Seite jedoch gibt es aus gutem Grund zwei Freiheiten, die auf den ersten Blick keiner eindeutig auf sie zugeschnittenen Einschränkung unterliegen, und zwar die ungestörte Religionsausübung (Artikel 4,2) sowie das Demonstrationsrecht (Artikel 8). Hier ist es also mehr oder weniger eine Frage der Interpretation, inwieweit die zuvor beschriebene automatische Beschränkung der Freiheitsrechte herangezogen werden kann und muss. Dasselbe gilt für Artikel 11, der die sogenannte Freizügigkeit regelt (man beachte das hervorgehobene Beispiel in Absatz 2):

(1) Alle Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet.

"(2) Dieses Recht darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes und nur für die Fälle eingeschränkt werden, in denen eine ausreichende Lebensgrundlage nicht vorhanden ist und der Allgemeinheit daraus besondere Lasten entstehen würden oder in denen es zur Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand oder die freiheitliche demokratische Grundordnung des Bundes oder eines Landes, zur Bekämpfung von Seuchengefahr, Naturkatastrophen oder besonders schweren Unglücksfällen, zum Schutze der Jugend vor Verwahrlosung oder um strafbaren Handlungen vorzubeugen, erforderlich ist."

Artikel 11 wird später noch einmal erwähnt.

Aufgrund der erwähnten Interpretierbarkeit bestimmter Gesetze wurde dann das sogenannte Infektionsschutzgesetz überarbeitet und präziser auf die aktuelle pandemische Situation zugeschnitten. Damit war gewährleistet, dass sich die Regierung mit bestimmten Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung klar auf dem Boden des Grundgesetzes befindet.

Dass die Neufassung dieses Infektionsschutzgesetzes jetzt bereits wieder angepasst werden muss, weil man dort die sogenannte Inzidenz mit einer entsprechenden Kennzahl verwendet hatte, die durch den Impffortschritt nun nicht mehr dieselbe Aussagekraft besitzt, ist hierbei nicht gerade vertrauensbildend. Denn dass es so kommen würde, war bereits vor mehr als einem Jahr abzusehen. Aber das ist ein anderes Thema.

Spätestens jetzt war jedenfalls klar, dass der vielerorts beklagte Vorwurf von der Einschränkung der Grundrechte unsinnig war.

Genaugenommen war er das bereits vorher, wenn man sich noch einmal vor Augen führt, dass die Grund- oder Freiheitsrechte eben schon immer mit Einschränkungen versehen waren, siehe das Tangieren der Rechte meines Nächsten.

Bemerkenswert ist, dass im neuen Infektionsschutzgesetz die Religionsausübung nach Artikel 4 weiterhin ausdrücklich nicht eingeschränkt wird und etwaige Beschränkungen durch die Bundesländer geregelt werden. Dies ist in einem Staat, der trotz seines Gottesbezuges in der Präambel des Grundgesetzes der sogenannten weltanschaulichen Neutralität verpflichtet ist, ein überaus positives Signal für alle Gläubigen – weshalb das fortwährende Lamentieren einiger christlicher Denominationen hinsichtlich der Versammlungsfreiheit oder des Singens im Gottesdienst einen Schlag ins Gesicht all der Christen darstellt, die in tatsächlich totalitären Staaten unter unerträglichen Restriktionen zu leiden haben!

Dass die deutsche Bundesregierung sich überwiegend auf dem Boden des Grundgesetzes bewegt hat, wurde auch vielfach vom Bundesverfassungsgericht bestätigt. Dass die Gewaltenteilung diesbezüglich in unserem Land tatsächlich funktioniert, wurde wiederum daran deutlich, dass einige zusätzliche Maßnahmen (Saarland, diverse Demonstrationsverbote) vom BVG wieder einkassiert wurden.²²

Somit gibt es keinen Grund, die juristische Situation während der Pandemie zu beklagen, insbesondere nicht aus dem christlichen Lager! Dies gilt übrigens auch für die Situation in den USA, wo der Widerstand des bekannten und renommierten Predigers und Gemeindeleiters John MacArthur gegen die Corona-Maßnahmen in Kalifornien offenbar auch den Auslöser für die darauffolgende Entwicklung in Deutschland darstellte, die den Beobachtungen des Autors zufolge in erster Linie Wolfgang Nestvogel unter Berufung auf ebendiesen MacArthur vorantrieb:

Ausgerechnet die Christen, die vom Bundesstaat Kalifornien gegenüber allen anderen Bevölkerungsgruppen bevorzugt worden waren, hatten nichts Besseres zu tun, als vor Gericht zu gehen und überdies die Unverschämtheit zu besitzen, nicht einmal auf die Entscheidung der Richter zu warten.

Beschämend!²³

Und ganz nebenbei: Wer braucht eigentlich überhaupt eine Regierung, die ihm in einer Situation wie der Corona-Pandemie sagen muss, was er zu tun und zu lassen hat und wo der Schutz des Mitmenschen Vorrang vor den sonstigen Freiheiten hat? Das adäquate Verhalten in dieser Pandemiesituation sollte für jeden Christen eigentlich eine Selbstverständlichkeit gewesen sein!

Fazit

Die Diskussion um die angebliche Beschneidung der Grundrechte ist nicht nur sachlich nicht gerechtfertigt, sondern vor allem aus christlicher Sicht in höchstem Maße unwürdig, insbesondere wenn man berücksichtigt, mit welchen Begründungen die Obrigkeit die Maßnahmen auferlegte, gegen die so vehement gewettert wird!

Ergänzung: Aus gegebenem Anlass an dieser Stelle noch die Information, dass das Bundesverfassungsgericht am 30. November 2021 (Beschluss vom 19. November) die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung in letzter Instanz für verfassungskonform erklärt hat.

Hierin eingeschlossen ist sogar die sogenannte Bundes-Notbremse inklusive der verhängten Ausgangssperren!

Normalerweise hätte dies jetzt das Klagen bezüglich der angeblichen Grundrechtseinschränkungen und -verletzungen endgültig zum Verstummen bringen müssen.

Hat es aber nicht.


19 Deutsches Grundgesetz https://www.gesetze-im-internet.de/gg/BJNR000010949.html

20 Merkel, Bundespressekonferenz, Lebensschutz, 21.01.2021 https://www.youtube.com/watch?v=Zh34Eoxo9uM

21 Reitschuster, Regierung handelt unwissenschaftlich, 21.01.2021 https://reitschuster.de/post/merkel-harter-corona-kurs-ist-politische-entscheidung/

22 Spiegel, Zurücknahme Maßnahmen Saarland, 29.04.2020 https://www.spiegel.de/politik/deutschland/Corona-Virus-saarland-muss-ausgangsbeschraenkungen-nach-urteil-des-verfas-sungsgerichtshofs-lockern-a-2d897cbc-e280-48d9-a882-8ae4f5ad4dfa

23 A. Kuhs, Stellungnahme zu John MacArthur, 11.08.2020 https://www.gesunde-gemeinden.de/artikel/ziviler-ungehorsam-aus-treue-zum-herrn/

1.4 Die Impfung

Da die Eckdaten, die die Impfung betreffen, gleichzeitig die Entgegnung auf die Einwände der Impfgegner darstellen, weicht dieses Kapitel von den vorherigen, die mehr der reinen Informationsvermittlung dienen sollten, ab. Gewissermaßen werden hier also Informationen und

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