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Unser Körper weiß mehr als wir denken: Bericht über eine körperorientierte Traumatherapie
Unser Körper weiß mehr als wir denken: Bericht über eine körperorientierte Traumatherapie
Unser Körper weiß mehr als wir denken: Bericht über eine körperorientierte Traumatherapie
eBook136 Seiten1 Stunde

Unser Körper weiß mehr als wir denken: Bericht über eine körperorientierte Traumatherapie

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Über dieses E-Book

Wer dieses Buch liest, begibt sich auf eine Reise zurück zu den Anfängen des Lebens.
Die Autorin beschreibt den spannungsvollen und abenteuerlichen Weg zurück zu ihrer eigenen Geburt, und sie gibt uns darüber hinaus eine Ahnung von den Erfahrungen des sich im Mutterleib entwickelnden Kindes.
Diese frühesten Erfahrungen unserer Existenz sind in unserem Körper gespeichert und begleiten unser Erleben, unsere Wahrnehmung und unsere Sicht auf die Welt ein Leben lang.
Wie kommt jemand dazu, sich mit diesen bis heute weitgehend unbekannten Aspekten unseres körperlichen und seelischen Erlebens auseinanderzusetzen? Woher kommt der Mut, sich in diese fremde innere Welt zu begeben - eine Welt, die uns zunächst nicht durch den Intellekt zugänglich wird, sondern durch intensive, oft auch schmerzliche körpertherapeutische Arbeit?
Der Anlass, diesen Weg zu gehen, war eine in der Mitte des Lebens offen zutage tretende schwere Lebenskrise. Karin Raff hatte ein äußerlich erfolgreiches und produktives Leben, aber es war grundiert durch erschöpfende, oft verzweifelte Versuche, ihre lebenslange abgrundtiefe Scham und eine qualvolle innere Unsicherheit zu verbergen. Der hier vorliegende Erfahrungsbericht beschreibt, wie es ihr mit Hilfe der körperorientierten Traumatherapie schließlich gelang, sich von diesen vernichtenden Gefühlen zu befreien und auf diese Weise Heilung zu finden. Das geht unter die Haut.

„Der Text gibt uns mit seltener Offenheit, Sorgfalt und Genauigkeit einen Einblick in den spannungsvollen Prozess körpertherapeutischer Arbeit, die uns zurückführt an den Beginn unseres Lebens und von dort her ein neues Licht auf unsere menschliche Entwicklung wirft“
(Franz Renggli, Psychoanalytiker und Praenatalpsychologe)
SpracheDeutsch
HerausgeberRomeon-Verlag
Erscheinungsdatum24. Jan. 2022
ISBN9783962297688
Unser Körper weiß mehr als wir denken: Bericht über eine körperorientierte Traumatherapie
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    Buchvorschau

    Unser Körper weiß mehr als wir denken - Karin Raff

    EINFÜHRUNG

    Zeige ich mein Gesicht, von dem ich selbst nur eine unvollkommene Vorstellung habe?

    Und wem möchte ich mein Gesicht wie zeigen?

    Was ist mein wahres Gesicht? Können meine Augen sprühen vor Lebensfreude, dürfen sie weinen im Schmerz, glühen vor Zorn oder erstarren in Angst?

    Karin, die Autorin dieses Buches, hat bereits in der Jugendzeit jedes Foto von sich mit kritischem Blick angeschaut und die Bilder, die ihr nicht perfekt erschienen, zerrissen. Später, während ihrer therapeutischen Selbstreflexion, hat sie ihr Zimmer mit Fotos ihres Gesichtes tapeziert, um sich täglich vergewissern zu können, dass alles an ihr in Ordnung ist und, dass sie sich wirklich sehen lassen kann.

    In unserer Zeit erwartet man, dass man immer gut drauf ist, strahlende Gesichter kommen uns von allen Werbeplakaten entgegen. „Alles ist gut, ja sogar „perfekt- diese Haltung bestimmt zunehmend unseren Umgangston. Leid wird sensationssüchtig verkauft, Schmerz vermieden, schuld ist immer der andere.

    So leben wir in einem Zustand innerer Aufrüstung. Unterstützt wird dieser Zustand durch die Gesellschaft, in der es die Neigung gibt, das Böse im anderen zu sehen und zu verdammen, statt sich den finsteren Winkeln in der eigenen Seele zuzuwenden. Doch alle Barrieren, die wir im Inneren bauen, ersetzen echtes Leiden nur durch neurotisches Leiden, das sich oft in psychosomatischen Beschwerden niederschlägt.

    Sich diesen verborgenen Seiten im Menschen zuzuwenden, ist die Domäne der Psychotherapie. Hier öffnet sich ein Resonanzraum, in dem es möglich wird, in einer vertrauensvollen Beziehung das eigene Herz zu erforschen - der Angst zuzuhören wie der Trauer, dem Schmerz wie dem Zorn, und die Möglichkeiten der Transformation und Integration zu erkunden, um als selbst-bewusster, „ganzer" Mensch in diesem Leben in dieser Welt seinen jeweils eigenen Beitrag zu leisten.

    Von dem Mut einer Frau, sich diesen inneren Räumen zu stellen, handelt dieses Buch. Auch davon, dass das Ende nicht der Schmerz sein darf. Auch im finstersten Abgrund, wo alles verloren scheint, gibt es ein Tor, das uns hinauf- und hinausführt ins Freie, nämlich dann, wenn wir bereit sind, das Unausweichliche anzunehmen, ein Tor in ein Land jenseits des Schmerzes, wo heitere Gelassenheit und Schöpferfreude herrschen, weil der Körper und die Erde nicht verleugnet, sondern angenommen und geliebt werden.

    Karin ist vor über 50 Jahren in einem kleinen Dorf am Rande der Schwäbischen Alb geboren und aufgewachsen. Ihre Herkunftsfamilie lebte eingebettet in diese dörfliche Struktur. Mühe und Arbeit bestimmten das Leben, zu viel Gesicht zu zeigen konnte man sich nicht leisten. So wurde neben den großen Lebensleistungen, die sie als Mutter von vier Kindern und gefragte Therapeutin vollbracht hat, die Frage nach der eigenen Individualität zur Lebensfrage und sie begab sich auf die Suche nach sich selbst. Zurückgekommen oder, besser gesagt, neu angekommen, ist ein reifer Mensch, eine Frau geboren mit einem neuen Gesicht, über das sie sich keine Gedanken mehr machen muss….

    Das „Fahrzeug" für diese Reise war das Instrumentarium der prä- und perinatalen Körperpsychotherapie. Aus Sicht der Körperpsychotherapeuten werden die wesentlichen Strukturen der Persönlichkeit geprägt durch die frühesten Erfahrungen in der ersten Bindungszeit; diese beginnt nicht erst nach der Geburt, sondern bereits am Anfang einer Schwangerschaft. In dieser sensiblen Zeit des Werdens unserer leiblichen Existenz wird vor allem das neurologische System, d.h. unser Stresssystem, durch epigenetische, d.h. familiäre, soziale und Umweltbedingungen entscheidend beeinflusst. Heute ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Disposition für große Krankheiten wie Herz-Kreislauferkrankungen, Diabetes und Krebs in dieser Zeit gelegt wird. Frühe Verletzungen liegen unseren tiefsten existenziellen Ängsten zugrunde. Sie haben unser grundlegendes Lebensgefühl entscheidend eingefärbt und sind der unbewusste Beweggrund vieler späterer Lebensentscheidungen. Ihrer bewusst zu werden, befreit uns nicht nur von unseren Anklagen und dem Automatismus unbewusster Lösungsversuche, sondern eröffnet uns neue Spielräume zu mitfühlendem Leben.

    Diese innere Abrüstung und Befriedung im individuellen menschlichen Leben ist das, was unsere Welt heute so dringend braucht, wenn wir in der globalen Welt bestehen wollen.

    Helga Fink

    Heilpraktikerin für Psychotherapie, Körperpsychotherapie mit Zusatzausbildung in prä- und perinataler Traumatherapie (ECP), eigene Praxis in Esslingen. Helga Fink ist Leiterin eines Weiterbildungsangebots unter dem Thema „Frühe Verletzungen können heilen" an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Fachbereich Kunsttherapie.

    1 „EIN BENEIDENSWERTES UND SELBSTBESTIMMTES LEBEN"

    Mit diesen Worten kommentierte ein Gast meine Festansprache, die ich anlässlich meines 50. Geburtstages hielt. Ich hatte mich auf diese Rede akribisch genau vorbereitet und eine Einladungskarte entworfen, die mir zugleich als Spickzettel diente. Ich wusste, dass ich diese Hilfe brauchen würde. Denn auch das vollendete 50. Lebensjahr änderte nichts an der Tatsache, dass solche öffentlichen Auftritte, selbst im Kreise mir vertrauter Menschen, mich aufs Äußerste herausforderten. Wie immer wollte ich meine Sache ganz besonders gut machen, mich nur von meiner besten und wenn irgend möglich von meiner schönsten Seite zeigen. Letzteres war auch Kriterium für das Bild, das die Einladungskarte zierte. Ich hatte meine jüngste Tochter gebeten, für diesen Zweck ein paar Aufnahmen von mir zu machen. Es bedurfte sehr vieler Anläufe, bis im Display der Digitalkamera endlich ein Bild erschien, das meinen Vorstellungen entsprach.

    Mein Herz raste panisch, als ich mich von meinem Platz erhob, um meine Gäste zu begrüßen. In meiner Rede ließ ich mein bisheriges Leben Revue passieren, und was ich erzählte rechtfertigte uneingeschränkt den oben zitierten Kommentar eines meiner Gäste. Das Leben hatte es tatsächlich gut mit mir gemeint. Ich fand Bedingungen vor, von denen viele wohl nur träumen können. Ich hatte das Glück, in einer Zeit und in einer Gegend geboren worden zu sein, die nicht von Krieg und Armut geprägt waren. Ich hatte Eltern, die ihr Bestes für mich gaben, die mir ein Zuhause und eine Schwester schenkten, die mich auf meinen schulischen und beruflichen Wegen begleiteten und mich unterstützten, wo sie nur konnten.

    Mit der Physiotherapie fand ich meinen Traumberuf und eröffnete eine eigene Praxis. Ich heiratete mit 24 Jahren meine große Liebe. Gemeinsam planten und gestalteten wir unser Leben, wir bewegten und meisterten viel. Unsere Liebe schenkte vier Kindern das Leben. Dank vielfältiger Unterstützung von Seiten meines Mannes, meiner Eltern und Schwiegereltern konnte ich mich trotz wachsender Kinderzahl beruflich stetig weiterentwickeln.

    Auch außerhalb der Familie fehlte es mir nie an Menschen, denen ich mich verbunden fühlte, mit denen ich manche Sorgen und Nöte besprechen und Freuden teilen konnte. Ich liebte meinen Mann und wurde geliebt und ich erfuhr von vielen Seiten Achtung, Anerkennung und Bewunderung. Ich hatte allen Grund, zufrieden und glücklich zu sein. Und das war ich auch – jedenfalls nach außen hin.

    Doch dieses „beneidenswert selbstbestimmte", glückliche Leben hatte auch eine Kehrseite. Sie verschwieg ich in meiner Geburtstagsansprache, weil sie dort nicht hingehörte und so gar nicht in das Bild einer 50jährigen, erwachsenen und selbstbewussten Frau passte, als die ich auftrat und für die man mich hielt.

    Nur ich selbst wusste, dass es neben der äußerlich sichtbaren Erfolgsgeschichte noch ein anderes Leben gab - ein Leben, das alles andere als selbstbestimmt war, in dem vielmehr heftige, kaum beherrschbare Gefühle den Ton angaben: Scham, Unsicherheit und Angst. Seit Jahrzehnten bemühte ich mich, diese Gefühle abzuschütteln. Ich ignorierte und verleugnete sie - vergeblich. Ich versteckte sie, so gut ich konnte, was mir zeitweise auch ganz gut gelang, aber sie waren immer da. Sie gaben keine Ruhe, sie quälten und bedrängten mich und führten, unsichtbar für andere, die Regie in meinem Leben.

    Schaute ich in den Spiegel, dann stand die Scham hinter mir und redete mir ein, es wäre besser, mich überhaupt nicht zu zeigen. Denn was ich im Spiegel sah, entsprach nicht meinen Vorstellungen, ich empfand mich als unschön, als nicht weiblich genug, ja hässlich. Mein Gesicht erschien mir zu männlich, die Nase - trotz einer vor ein paar Jahren vorgenommenen kosmetischen Korrektur - zu groß, die Wangenknochen zu breit… Mein Körper, der mir in jungen Jahren immerhin zu beachtlichen sportlichen Erfolgen verholfen hatte, war zu muskulös, zu kantig, nicht weiblich genug… Ich schminkte mich mit großer Sorgfalt, ja Raffinesse, aber das half nichts. Ich schämte mich für mein Aussehen. Was noch schlimmer war, ich schämte mich auch dafür, dass ich mich schämte. Davon sollte niemand etwas erfahren. Die anderen würden mich belächeln, schlimmstenfalls würden sie mir Vorwürfe machen, meine Scham als „Ichbezogenheit und „Eitelkeit auslegen nach dem Motto „Ja hat denn die keine anderen Sorgen?" Und so behielt ich diese Gefühle für mich.

    Ein wirkliches Handicap im Alltag war meine Unsicherheit im Kontakt mit anderen Menschen. Mein Herz klopfte panisch, sobald ich mich beobachtet fühlte, und das war fast immer dann der Fall, wenn es keine Aufgabe zu erfüllen gab, wenn keine konkrete Tätigkeit mich vor dem Kontakt mit

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