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Das tolle Krimi Großpaket Februar 2022: 1800 Seiten Thriller Spannung
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Das tolle Krimi Großpaket Februar 2022: 1800 Seiten Thriller Spannung

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Über dieses E-Book

Das tolle Krimi Großpaket Februar 2022: 1800 Seiten Thriller Spannung

von Alfred Bekker, Theodor Horschelt, A.F.Morland, Horst Friedrichs, Wolf G. Rahn, Glenn Stirling

 

Über diesen Band:

 

 

 

 

Dieser Band enthält folgende Krimis:

 

A.F.Morland: Ausbruch in den Tod

Alfred Bekker: Der Kommissar und der Libanese

Alfred Bekker: Der Kommissar und die blutigen Hände

Horst Frieddrichs: Ich war eine Mafia-Braut

Wolf G. Rahn: Der Hudson war Endstation

Glenn Stirling: Der Spaß ist aus, mein Schatz

Theodor Horschelt: Fast ein perfekter Mord

A.F.Morland: Abrechnung mit heißem Blei

Theodor Horschelt: Kennen Sie Suzette?

Alfred Bekker: Tote Bullen

Alfred Bekker: Wettlauf mit dem Killer

Alfred Bekker: Killer ohne Skrupel

Alfred Bekker: Doppeltes Mörderspiel

Alfred Bekker: Verschwörung der Killer

Alfred Bekker: Ein Sarg für den Prediger!

Alfred Bekker: Satansjünger

 

 

In Berlin geht ein Serienmörder um, dessen Taten eine ganz bestimmte Handschrift tragen. Er beschmiert die Hände seiner Opfer mit Blut - denn in der Vergangenheit spielten Blutige Hände eine entscheidende Rolle in seinem Leben. Kommissar Kubinke und sein Ermittler-Team machen sich auf die Spur des Wahnsinnigen…

SpracheDeutsch
HerausgeberAlfred Bekker
Erscheinungsdatum17. Feb. 2022
ISBN9798201793937
Das tolle Krimi Großpaket Februar 2022: 1800 Seiten Thriller Spannung
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Autor

Alfred Bekker

Alfred Bekker wurde am 27.9.1964 in Borghorst (heute Steinfurt) geboren und wuchs in den münsterländischen Gemeinden Ladbergen und Lengerich auf. 1984 machte er Abitur, leistete danach Zivildienst auf der Pflegestation eines Altenheims und studierte an der Universität Osnabrück für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen. Insgesamt 13 Jahre war er danach im Schuldienst tätig, bevor er sich ausschließlich der Schriftstellerei widmete. Schon als Student veröffentlichte Bekker zahlreiche Romane und Kurzgeschichten. Er war Mitautor zugkräftiger Romanserien wie Kommissar X, Jerry Cotton, Rhen Dhark, Bad Earth und Sternenfaust und schrieb eine Reihe von Kriminalromanen. Angeregt durch seine Tätigkeit als Lehrer wandte er sich schließlich auch dem Kinder- und Jugendbuch zu, wo er Buchserien wie 'Tatort Mittelalter', 'Da Vincis Fälle', 'Elbenkinder' und 'Die wilden Orks' entwickelte. Seine Fantasy-Romane um 'Das Reich der Elben', die 'DrachenErde-Saga' und die 'Gorian'-Trilogie machten ihn einem großen Publikum bekannt. Darüber hinaus schreibt er weiterhin Krimis und gemeinsam mit seiner Frau unter dem Pseudonym Conny Walden historische Romane. Einige Gruselromane für Teenager verfasste er unter dem Namen John Devlin. Für Krimis verwendete er auch das Pseudonym Neal Chadwick. Seine Romane erschienen u.a. bei Blanvalet, BVK, Goldmann, Lyx, Schneiderbuch, Arena, dtv, Ueberreuter und Bastei Lübbe und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.

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    Buchvorschau

    Das tolle Krimi Großpaket Februar 2022 - Alfred Bekker

    Dieser Band enthält folgende Krimis:

    A.F.Morland: Ausbruch in den Tod

    Alfred Bekker: Der Kommissar und der Libanese

    Alfred Bekker: Der Kommissar und die blutigen Hände

    Horst Frieddrichs: Ich war eine Mafia-Braut

    Wolf G. Rahn: Der Hudson war Endstation

    Glenn Stirling: Der Spaß ist aus, mein Schatz

    Theodor Horschelt: Fast ein perfekter Mord

    A.F.Morland: Abrechnung mit heißem Blei

    Theodor Horschelt: Kennen Sie Suzette?

    Alfred Bekker: Tote Bullen

    Alfred Bekker: Wettlauf mit dem Killer

    Alfred Bekker: Killer ohne Skrupel

    Alfred Bekker: Doppeltes Mörderspiel

    Alfred Bekker: Verschwörung der Killer

    Alfred Bekker: Ein Sarg für den Prediger!

    Alfred Bekker: Satansjünger

    ––––––––

    In Berlin geht ein Serienmörder um, dessen Taten eine ganz bestimmte Handschrift tragen. Er beschmiert die Hände seiner Opfer mit Blut - denn in der Vergangenheit spielten Blutige Hände eine entscheidende Rolle in seinem Leben. Kommissar Kubinke und sein Ermittler-Team machen sich auf die Spur des Wahnsinnigen...

    Copyright

    Ein CassiopeiaPress Buch: CASSIOPEIAPRESS, UKSAK E-Books, Alfred Bekker, Alfred Bekker präsentiert, Casssiopeia-XXX-press, Alfredbooks, Uksak Sonder-Edition, Cassiopeiapress Extra Edition, Cassiopeiapress/AlfredBooks und BEKKERpublishing sind Imprints von

    Alfred Bekker (https://www.lovelybooks.de/autor/Alfred-Bekker/)

    © Roman by Author /

    © dieser Ausgabe 2022 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen in Arrangement mit der Edition Bärenklau, herausgegeben von Jörg Martin Munsonius.

    Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.

    Alle Rechte vorbehalten.

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    8 Strand Thriller um Kommissare und Detektive: Krimi Sammelband 8002 November 2019

    Alfred Bekker, Theodor Horschelt, A.F.Morland, Wolf G. Rahn, Horst Friedrichs, Glenn Stirling

    8 Strand Thriller um Kommissare und Detektive: Krimi Sammelband 8002 November 2019

    8 Strand Thriller um Kommissare und Detektive: Krimi Sammelband 8002 November 2019

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    Ausbruch in den Tod: N.Y.D. – New York Detectives

    ––––––––

    Krimi von A. F. Morland

    ––––––––

    Der Umfang dieses Buchs entspricht 101 Taschenbuchseiten.

    ––––––––

    Drei Schwerverbrecher nutzen einen begleiteten Ausgang, um dem Gefängnis zu entfliehen. Einer der Wärter, der dabei verletzt wird, bittet den Privatdetektiv Bount Reiniger, die Kerle wieder einzufangen. Das ist jedoch gar nicht so einfach, denn deren Anführer kämpft um die Liebe seiner Frau, und das ist eine starke Triebfeder. Dabei geht er über Leichen.

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    Die Hauptpersonen des Romans:

    Carter Noonan – Als den Gefängniswärter drei seiner Häftlinge niederschlagen und flüchten, wendet er sich vertrauensvoll an Bount Reiniger.

    Abel Sherman, Zachary Dee, Kevin Kerr – Sie sind Musterhäftlinge, bis zu dem Tag, an dem sie das Weite suchen und Amok laufen.

    Lana Dee – Ihr Wunsch, sich scheiden zu lassen, bringt ein paar Menschen den Tod.

    Spencer Grives – Dem kleinwüchsigen Gangsterboss wird eine Frau, die er unbedingt für sich gewinnen will, zum Verhängnis.

    June March – ist Bounts Assistentin und hilft ihm bei seinen Fällen.

    Bount Reiniger – ist Privatdetektiv.

    ––––––––

    1

    Zachary Dee schob den Colt Cobra unter seine Jacke und blickte seine Zellenfreunde an. Auf Abel Shermans Oberlippe glänzten kleine Schweißperlen, und Kevin Kerr massierte fortwährend seine Nase.

    „Nervös?", fragte Dee.

    „Es geht", antwortete Sherman.

    „Ich war schon mal ruhiger", gestand Kerr.

    „Sie dürfen nichts merken!", warnte Dee seine Zellengenossen.

    „Es wird schon schief gehen", meinte Sherman und grinste.

    „Sie kommen!", sagte Zachary Dee. Von diesem Moment an waren auch seine Nerven straff wie Klaviersaiten gespannt. Er versuchte sich das harmlose Aussehen zu verleihen, was er schon drei Jahre lang praktiziert hatte.

    Augenblicke später wurde die Zellentür geöffnet!

    2

    Die beiden Gefängniswärter hießen Carter Noonan und Harold Crosbie. Zwei Männer, die ihren Dienst mit dem nötigen Ernst versahen, ihn jedoch überbewerteten.

    Es war ein Routinejob für sie geworden, und sie sahen es als eine willkommene Abwechslung an, wenn sie mit Gefangenen für ein paar Stunden das Gefängnis verlassen konnten.

    Natürlich wurde ein solcher Urlaub von der Haftanstalt nur Häftlingen zuteil, die sich während der Haftzeit mustergültig benahmen – so wie Zachary Dee, Abel Sherman und Kevin Kerr.

    Diese drei galten als Mustergefangene. Deshalb war es ihnen von Zeit zu Zeit gestattet, in Begleitung von zwei Aufsehern das Gefängnis zu verlassen.

    Bisher hatten Dee, Sherman und Kerr noch nicht einmal den Versuch unternommen zu fliehen. Deshalb rechneten Noonan und Crosbie auch an diesem Tag nicht damit.

    Zwischen den Häftlingen und den Wächtern hatte sich ein beinahe freundschaftliches Verhältnis entwickelt.

    Sowohl Carter Noonan als auch Harold Crosbie waren der Ansicht, dass man den dreien blind vertrauen konnte. Sie hätten für Dee, Sherman und Kerr jederzeit die Hand ins Feuer gelegt.

    An diesem Tag aber hätten sie sich die Finger gehörig verbrannt, wenn sie es wirklich getan hätten, denn die Häftlinge waren auf Ausbruch programmiert, und niemand würde sie daran hindern.

    Noonan und Crosbie betraten die Zelle.

    „Wie geht’s?", erkundige sich Carter Noonan, er war grauhaarig, mittelgroß und bullig.

    „Prächtig", antwortete Zachary Dee.

    „Es zahlt sich aus, wenn man sich gut benimmt, nicht wahr?"

    „Sie sagen es, Mister Noonan."

    „Seid ihr soweit? Können wir gehen?"

    „Wir können es kaum noch erwarten", sagte Dee lächelnd und streifte seine Freunde mit einem vielsagenden Blick.

    „Also, dann wollen wir mal." Die Aufseher führten die drei Gefangenen aus der Zelle. Der Besuch einer Universitätsveranstaltung in Long Island City war geplant. Zachary Dee hatte bei

    der Gefängnisdirektion darum gebeten, und sein Ansuchen war bewilligt worden.

    Ein Wagen stand im Gefängnishof bereit. Bevor Zachary Dee einstieg, warf er noch einen Blick auf die nüchterne Front des Zellentraktes. Er war davon überzeugt, dass er diesen Bau nie mehr von innen sehen würde, und auch Abel Sherman und Kevin Kerr hatten sich geschworen, lieber zu sterben, als noch einmal hierher zurückzukehren.

    Drei Jahre lang hatten sie auf diesen Tag hingearbeitet. Jetzt, wo die Freiheit in greifbare Nähe gerückt war, hatten sie Mühe, ihre Freude darüber zu verbergen.

    Es würde ein Kinderspiel sein, auszurücken. Sie rechneten mit keinerlei Schwierigkeiten.

    Die würden erst anschließend kommen, wenn die Bullen Jagd auf sie machten. Ja, ’rauszukommen, war leicht. Schwierig war es nur, auch draußen zu bleiben.

    Carter Noonan setzte sich ans Steuer des bereitstehenden Wagens. Sein Kollege Harold Crosbie nahm auf dem Beifahrersitz Platz, und Zachary Dee drehte es so, dass er in die Mitte – zwischen Sherman und Kerr – gelangte.

    „Ich freue mich schon auf das Programm", sagte Noonan.

    „Wir auch", erwiderte Dee, denn er wusste besser als die beiden Aufseher, welche Show in Kürze über die Bühne gehen würde.

    Gleich darauf rollte der Wagen aus dem Gefängnis, mit einem kurzen Stopp am Tor.

    Sie verließen Rikers Island und erreichten Steinway. Zachary Dee blickte zum Seitenfenster hinaus und meinte: „Eigentlich ändert sich hier draußen so gut wie nichts."

    Noonan lachte. „Was sollte sich an New York denn schon ändern? Die Stadt ist, wie sie ist. Viele nennen sie den größten Misthaufen der Welt, aber ich mag sie trotzdem."

    „Ich auch", sagte Dee.

    „Ich könnte mir nicht vorstellen, anderswo zu leben", sagte Noonan.

    „Ich auch nicht", meinte Dee.

    Seine Freunde schwiegen. Sie standen unter Hochspannung, und sie konnten nicht verstehen, wie Zachary nach außen hin so gelassen wirken konnte.

    Er hatte sich bedeutend besser in der Gewalt als sie. Er hatte immer schon einen kühleren Kopf behalten.

    Über den Häusern tauchte ein mittelgroßer Jet auf. Der Silbervogel war zum La Guardia Airport unterwegs.

    Dee liebte Flugplätze. Sie stellten für ihn die Verbindung zur großen, weiten Welt dar. Europa, Afrika, Asien – man brauchte sich nur ein Ticket zu kaufen, und schon konnte man die Reise in die Ferne antreten.

    Zachary Dee schloss die Augen. Er hatte sich in der Zelle immer wieder gefragt, welchen Weg Noonan einschlagen würde, und es erfüllte ihn nun mit Genugtuung, dass der Aufseher genau die Strecke fuhr, die er sich gedacht hatte.

    Sie überquerten den Ditmars Boulevard. Der Verkehr floss hier jetzt ein bisschen zäher. Zachary Dee spürte den Druck des stumpfnasigen Revolvers.

    Er tastete nach der Waffe. Es war nicht leicht gewesen, an die Kanone heranzukommen, aber er hatte es geschafft, und darauf war er stolz.

    Von nun an würde sie ihn überallhin begleiten. Es war ein gutes Gefühl, sie zu besitzen.

    Ein Gefühl der Sicherheit, der Überlegenheit, der Macht über andere Menschen.

    Auf dem Bürgersteig schlenderten zwei hübsche Mädchen. Eine Rothaarige und eine Brünette.

    „Mann, ist das Rasse", sagte Abel Sherman überwältigt.

    „Und Klasse, sagte Kevin Kerr. „Ich weiß gar nicht mehr, wie sich so etwas anfasst.

    „Ich glaube, ich hab’s auch schon verlernt", sagte Sherman und kicherte.

    „Wenn ihr erst mal wieder frei seid, werdet ihr den Bogen schnell wieder raus haben", sagte Carter Noonan lachend.

    „Meinen Sie?", gab Sherman zurück.

    „Aber klar."

    Zachary Dee fand, dass die Zeit reif war. Er holte den Colt vorsichtig unter der Jacke hervor.

    Abel Sherman nagte an der Unterlippe, als er die Waffe in der Hand des Freundes erblickte. Noonan und Crosbie waren nach wie vor ahnungslos.

    Kevin Kerr wischte sich mit einer fahrigen Bewegung über die Augen. Er atmete tief durch, um sich zu beruhigen.

    An der nächsten Ampel musste Carter Noonan anhalten. Auf einen solchen Moment hatte Zachary Dee gewartet. Nun galt es, blitzschnell zu handeln und die beiden Wächter zu überrumpeln.

    Dee traute sich weit mehr als das zu. Er ging an die Sache mit großer Zuversicht heran. Nur kurz holte er aus und schlug zu.

    Harold Crosbie verlor auf der Stelle das Bewusstsein. Carter Noonan fiel aus allen Wolken. Er war fassungslos und dermaßen geschockt, dass er nicht zu reagieren vermochte.

    Während Crosbie nach rechts rutschte und den Anschein erweckte, sich an die Tür gelehnt zu haben, um zu schlafen, richtete Zachary Dee den stumpfnasigen Revolver auf Noonans Kopf.

    Es war inzwischen grün geworden, doch Carter Noonan sah es nicht. Hinter ihnen wurde gehupt.

    „Weiterfähren, Noonan!", schnarrte Dee.

    Der Wächter war kreideweiß.

    „Nun machen Sie schon, Noonan!", drängte Dee.

    Jetzt hupte auch ein zweiter Fahrer. Endlich kam wieder Leben in den geschockten Aufseher. Er überquerte die Kreuzung.

    „Dee!, presste er erschüttert hervor. „Dee, was soll das?

    „Sie können es sich denken, Noonan."

    „Woher haben Sie die Waffe?"

    „Ich hab sie mir besorgt."

    „Ich kann Sie nicht verstehen, Dee. Sie und Ihre Freunde waren immer ..."

    „Das war unsere Masche. Nun haben wir die Masken abgenommen, und Sie sehen uns so, wie wir wirklich sind."

    „Sie müssen den Verstand verloren haben!"

    „Wir wissen, was wir tun, Noonan!"

    „Ihr Aufenthalt in der Freiheit wird nur von kurzer Dauer sein! Die Polizei wird eine Großfahndung ankurbeln! Man wird Sie bald wieder gefasst haben! Nehmen Sie Vernunft an, Dee! Noch ist die Sache nicht so schlimm, als dass man sie nicht noch reparieren könnte!"

    „Sparen Sie sich Ihren Atem, Noonan. Sie können uns nicht überreden, aufzugeben."

    „Man wird Sie jagen. Sie sind im Besitz einer Waffe, also wird man Sie als gefährlichen Verbrecher einstufen. Das bedeutet, dass jeder Cop, der Sie sieht, Ihnen mit der Kanone in der Hand entgegentreten wird. Dee, ich beschwöre Sie, kehren Sie um. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass der Weg, den Sie eingeschlagen haben, der schnellste Weg ins Grab für Sie sein kann!"

    „Biegen Sie rechts ab!", befahl Zachary Dee scharf.

    Carter Noonan gehorchte.

    Dee dirigierte den Aufseher zum Astoria Park. „Stopp!", sagte er, als sie den Park erreicht hatten.

    Er brauchte nichts weiter anzuordnen. Es war in der Zelle alles besprochen worden. Abel Sherman und Kevin Kerr sprangen aus dem Fahrzeug.

    Sie sicherten nach allen Seiten und öffneten dann die Beifahrertür. Harold Crosbie kippte ihnen in die Arme, sie hoben ihn aus dem Wagen und legten ihn im Park zwischen Büsche auf die lockere Erde.

    Der Aufenthalt dauerte keine drei Minuten. Sobald Sherman und Kerr wieder im Wagen saßen, befahl Dee Noonan, er solle weiterfahren.

    Der Aufseher schüttelte unentwegt den Kopf. „Ich kann Sie einfach nicht verstehen."

    „Glauben Sie mir, wir haben unsere Gründe, dem Gefängnis für immer ade zu sagen, erwiderte Zachary Dee. „Fahren Sie den Vernon Boulevard hinunter.

    „Angenommen, ich würde mich weigern. Würden Sie mich dann erschießen?"

    „Ich drücke nur ab, wenn Sie mir keine andere Wahl lassen, Noonan. Ich mag Sie. Ehrlich. Wir mögen Sie alle drei, und es tut uns leid, dass wir ausgerechnet Ihnen so viel Ärger machen müssen; aber darauf können wir keine Rücksicht nehmen."

    „Was haben Sie mit mir vor?"

    „Wenn Sie nicht den Helden zu spielen versuchen, wird Ihnen kaum etwas geschehen."

    „Was verstehen Sie unter kaum?"

    „Ich werde Sie bloß einschläfern."

    „Wie Crosbie?"

    „Genau."

    „Und wenn Sie zu stark zuschlagen?"

    „Keine Sorge, darin bin ich Fachmann." Zachary Dee lachte und forderte den Wächter auf, am East Channel anzuhalten.

    Carter Noonan wusste sofort, was jetzt kommen würde. Er stellte den Motor ab und schluckte schwer. Alles in ihm war angespannt. Er wartete auf den Schlag, der ihm die Besinnung rauben würde. Sogar den Atem hielt er an, und er wagte nicht in den Rückspiegel zu blicken, denn er wollte nicht sehen, wie Dee ausholte.

    Aber er hörte es.

    Es ging blitzschnell. Noonan spürte keinen Schmerz. Nichts. Ihm wurde einfach nur schwarz vor den Augen, und er konnte nicht mehr denken und nicht mehr fühlen.

    3

    Loretta war eben erst zwanzig geworden, hatte schulterlanges, flammend rotes Haar und eine ansehnliche Figur. Ob im Bikini, ob im Abendkleid, ob im Kartoffelsack – Loretta wirkte immer, und sie wusste alles damenhaft zu tragen.

    Obwohl New York von jungen schönen Fotomodellen überschwemmt war, hatte sich Loretta entschlossen, ebenfalls diesen Beruf auszuüben. Sie arbeitete mit einer seriösen Agentur zusammen, die ihr laufend seriöse Angebote verschaffte.

    Man bezahlte ihr zwar keine Spitzengagen, aber Loretta war mit dem zufrieden, was sie bekam. Sie war zuversichtlich, dass sie trotz der großen Konkurrenz noch eine Karriere vor sich hatte, die sie zufriedenstellen würde.

    Aus Männern machte sie sich alles und nichts. Das heißt, sie hatte viele gute Freunde, aber mit keinem war es bis heute so ernst geworden, dass von Heirat die Rede gewesen wäre.

    Loretta hatte zwar im Prinzip nichts gegen die Ehe, sie war nur der Ansicht, dass sie dafür noch nicht reif genug war.

    Zur Zeit war sie für eine Werbekampagne für Molkereiprodukte verpflichtet. Eine saubere Sache, wenn man von Robin Reid absah, der das Projekt leitete.

    Er war ein bekannter Schürzenjäger, und man sagte ihm nach, dass er noch jedes Modell herumgekriegt hatte, mit dem er mehr als zwei Tage zusammengearbeitet hatte.

    Nun, mit Loretta arbeitete er bereits eine Woche zusammen, hatte aber noch nicht bei ihr landen können. Anfangs hatte er sich darüber geärgert, aber dann hatte er Loretta wegen ihrer Standhaftigkeit zu schätzen begonnen, und heute verehrte er sie deswegen geradezu.

    „Sie waren heute mal wieder großartig", lobte er das Mädchen, nachdem er seinen roten Sportflitzer vor dem Haus gestoppt hatte, in dem Loretta wohnte.

    „Ich höre gern Komplimente, sagte das Modell. „Vor allem aus einem so berufenen Mund wie dem Ihren, Robin.

    „Hat es einen Zweck, Sie zu fragen, ob Sie mit mir zu Abend essen möchten?"

    Loretta lachte. „Nein, Robin, es hat keinen Zweck. Sie sehen zwar verflixt gut aus, und es entgeht mir bestimmt einiges, wenn ich ablehne, aber ich bin bereits mit jemand anders verabredet."

    „Was hat der Kerl, was ich nicht habe?"

    „Graue Haare zum Beispiel."

    „Ich wusste nicht, dass Sie auf alte Herren stehen."

    „Ich liebe ihn."

    „Wegen seiner grauen Haare?"

    „Nicht nur deswegen, sondern vor allem deshalb, weil er mein Vater ist. Bis morgen, Robin. Loretta öffnete die Tür des Flitzers und stieg aus. „Vielen Dank fürs Heimbringen.

    „Habe ich gern getan. Und ich würde noch viel mehr gern für Sie tun."

    „Das kann ich mir denken."

    „Grüßen Sie Ihren Daddy von mir."

    „Mach ich", sagte Loretta und betrat das Haus, in dem sie zusammen mit ihrem Vater eine Drei-Zimmer-Wohnung hatte. Im Flur sah sie nach, ob Post da war, aber das Fach Nummer vier war leer.

    Loretta begab sich zur ersten Etage hinauf und betrat wenig später die Wohnung. Aus dem Wohnzimmer drang ihr ein Geräusch entgegen. „Hallo, Dad!, rief sie. Normalerweise antwortete ihr Vater darauf immer mit: „Hallo, mein Püppchen! Doch diesmal sagte er nichts, und das beunruhigte Loretta.

    Sie stellte ihre Handtasche ab, schlüpfte aus den hochhackigen Pumps und eilte ins Wohnzimmer.

    Plötzlich hatte sie das Gefühl, ihre Kopfhaut würde sich zusammenziehen, und ein Zittern lief über ihren Rücken. Ihre meergrünen Augen weiteten sich, und sie stieß erschrocken hervor: „Dad, was ist passiert?"

    4

    Carter Noonan hob den bandagierten Kopf. Er saß in einem der flaschengrünen Sessel der Sitzgruppe, hatte eine Whiskyflasche vor sich stehen und blickte seine Tochter, die in der Tür stand, mit glasigen Augen an.

    Er war betrunken. Das hatte es bei ihm noch nie gegeben. Deshalb – und natürlich auch wegen des Verbandes war Loretta Noonan ziemlich beunruhigt.

    „Dad! Sie eilte zu ihm, sank vor ihm auf die Knie, hob den Kopf und schaute ihm in die glasigen Augen. „Dad, wieso bist du betrunken? Wieso ist dein Kopf verbunden? Hattest du einen Unfall? Hat es eine Gefängnisrevolte gegeben?

    „Ich wollte, du würdest mich nicht in diesem Zustand sehen, sagte Carter Noonan mit schwerer Zunge. „Vielleicht hätte ich in eine Kneipe gehen und mich da betrinken sollen.

    „Aus welchem Grund hast du’s überhaupt getan, Dad? Du trinkst doch normalerweise nur ganz selten, und dann nur wenig. Was hat dich so sehr aus dem Gleichgewicht gebracht? Ich will es wissen, Dad."

    „Mein Püppchen, die Welt ist miserabel. Die Menschen sind verlogen. Alles nur Schauspieler. Jawohl, sie spielen uns alle nur was vor. Ich dachte, ich würde die drei kennen, aber es war ein Irrtum. Sie haben mich und alle andern getäuscht."

    „Wer, Dad? Von wem redest du?"

    „Von Dee, Sherman und Kerr." Loretta kannte diese Namen. Ihr Vater redete nicht oft über Gefängnisinsassen, doch über Dee, Sherman und Kerr hatte er doch hin und wieder gesprochen, weil es sich bei den drei Männern um Mustergefangene handelte, mit denen er bestens auskam und die ihm niemals Ärger bereiteten.

    Deshalb fiel jetzt auch Loretta Noonan aus allen Wolken, als ihr Vater ihr erzählte, dass ausgerechnet diese Musterexemplare zuerst Harold Crosbie und dann ihn niedergeschlagen und anschließend die Flucht ergriffen hätten.

    „Verstehst du jetzt, warum ich trinke?, sagte Carter Noonan undeutlich. „Ich werde mit meiner Enttäuschung nicht fertig.

    „Das allein ist noch kein Grund, zur Flasche zu greifen, Dad."

    „Ich war immer ein guter Aufseher. Bei mir lief immer alles reibungslos ab. Und dann passiert so etwas."

    „Pech kann jeder mal haben, Dad."

    „Das ist richtig. Aber gleich so viel Pech!"

    „Du machst dir deswegen Vorwürfe?"

    „Muss ich doch. Schließlich bleibt die ganze Sache an mir hängen – und an Harold Crosbie."

    „Du darfst das Ganze nicht so schwarz sehen, Dad."

    „Ich fürchte, das verstehst du nicht. An mir haftet von nun an ein Makel. Denkst du, man wird es noch einmal wagen, mir die Begleitung von Gefangenen zu übertragen?"

    „Ist das denn so schlimm?"

    „O ja, das ist schlimm für mich. Wenn man einem Mann plötzlich das Vertrauen, das man ihm jahrelang entgegengebracht hat, entzieht. Vielleicht wird man sogar versuchen, mir ein Mitverschulden an der Flucht des Gefangenen anzulasten."

    „Das kann man doch nicht!", entrüstete sich Loretta Noonan.

    Ihr Vater lächelte sauer. „Du weißt nicht, was alles möglich ist, mein Püppchen. Meine saubere Weste hat hässliche Flecken bekommen. Ich könnte sie nur reinwaschen, wenn es mir gelänge, Dee, Sherman und Kerr wieder einzufangen."

    „Du darfst das nicht tun, Dad. Das ist zu gefährlich. Du bist kein Gangsterjäger. Lass das jemanden tun, der mehr davon versteht als du."

    „Wen denn?"

    „Einen Privatdetektiv. Den besten, den es in dieser Stadt gibt: Bount Reiniger!"

    „Bount Reiniger? Carter Noonan schüttelte den Kopf. „Ich gebe zu, das wäre der richtige Mann dafür, aber diesen Superspürhund kann ich mir nicht leisten.

    „Lass mich das für dich regeln, Dad. Ich kenne Reinigers Mitarbeiterin June March. Ich werde sie anrufen und bitten, hierher zu kommen. Inzwischen stellst du dich unter die kalte Dusche. Anschließend bekommst du von mir einen Kaffee, der so stark ist, dass der Löffel darin stecken bleibt. Du musst wenigstens halbwegs nüchtern sein, wenn June hier eintrifft."

    5

    June March, die blonde Detektiv-Volontärin von Bount Reiniger, stammte aus dem Mittelwesten, aus Minneapolis in Minnesota. Sie kam nach einer geplatzten Verlobung nach New York, um hier als Mannequin ihr Glück zu machen, geriet dann aber an Bount Reiniger und arbeitete seither in dessen Detektei.

    Ihr Interesse für Modeveranstaltungen hatte sie vor zwei Jahren mit Loretta Noonan zusammengebracht. Seither waren sie einander einige Male über den Weg gelaufen, und Loretta war sogar schon einmal mit June bei einer Modegala gewesen, für die das blonde Mädchen die Karten besorgt hatte.

    Nach Loretta Noonans Anruf setzte sich June March sofort in ein Taxi. Zwanzig Minuten nach dem Telefonat schellte June an der Noonan’schen Tür.

    Loretta öffnete. „Hallo, June."

    „Hallo, Loretta. Wie geht’s deinem Vater?"

    „Er kommt langsam wieder klar. Danke, dass du so schnell gekommen bist."

    „War doch selbstverständlich. Loretta führte June ins Wohnzimmer. „Dad, das ist June March. Sie ist wohl das außergewöhnlichste Mädchen in unserer Stadt.

    „Loretta übertreibt, Mister Noonan, sagte June lächelnd. Sie gab dem Gefängniswärter die Hand. „Tut mir leid, was Ihnen passiert ist. Aber Sie brauchen deswegen den Kopf nicht hängen zu lassen. Das kriegt mein Chef schon wieder hin.

    „Bitte setzen Sie sich, Miss March", sagte Carter Noonan.

    „Sagen Sie June", verlangte die Detektivin.

    „Loretta hat Ihnen von meinem Missgeschick erzählt. Ich würde es natürlich begrüßen, wenn Bount Reiniger versuchen würde, Dee, Sherman und Kerr wieder hinter Gitter zu bringen, aber ich fürchte, Ihr Chef ist für mich zu teuer."

    „Ist das Ihre einzige Sorge?", fragte June mit einem warmen Lächeln.

    „Nun ja ..."

    „Hören Sie, ich bin mit Loretta befreundet. Was wäre das für eine Freundschaft, die sich in der Not nicht bewährt?"

    „Na schön, Sie und Loretta sind miteinander befreundet. Aber Bount Reiniger ..."

    „Meine Freunde sind auch seine Freunde. Wir hatten in den letzten Wochen eine gute finanzielle Strähne. Wenn Bount zu viel verdient, kriegt das meiste ja doch nur das Finanzamt, und damit wäre ihm wohl kaum gedient, deshalb schlage ich vor, wir vergessen das Geld und reden über das, was zur Zeit wichtiger ist.

    6

    Bount Reiniger grinste.

    „Was gibt’s da zu grinsen?", fragte June March schnippisch.

    „Normalerweise bist du immer diejenige, die zu wettern beginnt, wenn Wilkie mal wieder einen von seinen Caritas-Fällen anschleppt, bei dem kein müder Dollar zu verdienen ist, und jetzt bringst du selbst einen daher."

    „Es ist ja doch wohl ein Unterschied, ob so etwas einmal geschieht oder die Regel ist, oder?", gab June zurück.

    „Schon gut. Es amüsiert mich bloß."

    Die Bürotür öffnete sich, und Wilkie Lenning trat ein. Er war ein schlanker, beinahe hagerer blonder Bursche mit überlangem Haar, den man sich ohne Jeans kaum vorstellen konnte.

    „Hi, ihr beiden!, sagte Wilkie. „Mir scheint, ich bin soeben in eure kritische Phase geraten. Es knistert so komisch in der Luft. Gibt’s Ärger?

    „Nicht der Rede wert, erwiderte Bount Reiniger. „Ich habe nur eben festgestellt, dass June in deine Fußstapfen tritt.

    „Lernt unser blonder Engel etwa Gitarre spielen?"

    „Eine Freundin hat mich um Hilfe gebeten, sagte June ärgerlich. „Ihr Vater ist Gefängniswärter. Er und ein Kollege sollten drei Häftlinge zu einer Universitätsveranstaltung in Long Island City begleiten. Auf dem Weg dorthin sind die Kerle geflohen.

    „Davon habe ich schon im Radio gehört", sagte Wilkie.

    „Da der Aufseher kein Bankkonto wie Rockefeller hat, habe ich ihm versprochen, dass Bount den Fall gratis übernehmen wird, und ich wäre euch beiden sehr dankbar, wenn ihr darüber nun keine weiteren ätzenden Bemerkungen verlieren würdet."

    Wilkie rieb sich die Nase. „Urlaub vom Gefängnis. Davon habe ich noch nie viel gehalten. Entweder ist ein Kerl im Kittchen, weil er etwas ausgefressen hat, dann soll er gefälligst drin bleiben, oder er ist draußen, weil er sich nichts zuschulden kommen ließ. Ich verstehe nicht, warum man das auf einmal verwässert. Man sieht ja, was dabei herauskommt."

    „Es gibt auf der ganzen Welt Strafvollzugsreformen, sagte Bount. „Wir können uns da nicht ausschließen.

    „Nicht alle Reformen sind gut."

    „Darüber soll sich der Gesetzgeber den Kopf zerbrechen. Unsere Aufgabe ist es, darauf zu achten, dass die Gesetze respektiert und eingehalten werden, und wir müssen diejenigen ins Kittchen bringen, die sich einen solchen Aufenthalt redlich verdient haben."

    „Wie Zachary Dee, Abel Sherman und Kevin Kerr", sagte Wilkie.

    „Genau", bestätigte Bount.

    „Wir werden also versuchen, die drei Ausreißer in den Knast zurückzuschicken."

    „Du sagst es."

    „Wie sieht’s mit ein paar Informationen aus?"

    „Carter Noonan hat in den vergangenen drei Jahren viel über Dee, Sherman und Kerr in Erfahrung gebracht, sagte June March. „Alles, was es über die drei Häftlinge zu wissen gibt, hat er mir auf Tonband gesprochen. June öffnete ihre Handtasche.

    Bount Reiniger holte seinen Kassettenrecorder. Er legte die durchsichtige Kassette ein und drückte auf den Wiedergabeknopf, und dann hörten sie sich gemeinsam an, was ihnen Carter Noonan über Zachary Dee, Kevin Kerr und Abel Sherman zu erzählen hatte.

    Es war eine ganze Menge.

    7

    Sie teilten sich die Arbeit.

    Bount übernahm Zachary Dee. Sieben Jahre hatte man ihm und seinen beiden Komplizen aufgebrummt. Wegen Einbruchs. Die Ganoven hatten versucht, einen Juwelenhändler zu bestehlen, doch die Sache war wegen einer elektronischen Alarmanlage, die die Einbrecher auszuschalten versucht hatten, schief gegangen.

    Dee, Sherman und Kerr hatten sich den Cops sofort ergeben, hatten nicht den geringsten Widerstand geleistet, um vom Gericht mildernde Umstände zugesprochen zu bekommen.

    Und im Gefängnis hatten sie sich dann drei Jahre lang wie Musterknaben benommen. Jedermann hatte geglaubt, sie arbeiteten auf eine vorzeitige Entlassung wegen guter Führung hin, und dazu wäre es auch garantiert gekommen – wenn auch nicht schon nach mageren drei Jahren.

    Carter Noonan hielt zurückblickend Zachary Dee für die treibende Kraft. Die anderen beiden hätten wohl auch noch den Rest ihrer Strafe abgesessen, aber Dee war zu Ohren gekommen, dass seine Frau sich von ihm scheiden lassen wollte.

    Vermutlich hatte er deshalb so bald wie möglich ausbrechen wollen.

    Dee war verrückt nach seiner Frau, und Carter Noonan erinnerte sich, dass der Mann tagelang wie verstört gewesen war, als ihm das Scheidungsgerücht zu Ohren gekommen war.

    Bount stoppte seinen silbermetallic-farbenen Mercedes 450 SEL in der Remsen Avenue in Canarsie.

    Hier, gegenüber dem Canarsie Cemetery, wohnte Neil Monroe in einem schäbigen Haus aus der Gründerzeit. Bount stieg aus und überquerte die Straße.

    Neil Monroe war ein höchst unangenehmer Zeitgenosse, der sich sein Geld als Dealer verdiente, was ihm bislang aber noch niemand nachweisen konnte.

    Der Grund, weshalb Bount Reiniger diesem unangenehmen Zeitgenossen einen Besuch abstatten wollte, war die Tatsache, dass Neil Monroe der Halbbruder von Zachary Dee war.

    Es war deshalb durchaus möglich, dass Dee sich hier bereits hatte blicken lassen und Monroe wusste, wo der Ausreißer steckte.

    Bount betrat das alte Gebäude. Es roch nach Fisch im Erdgeschoss und nach gerösteter Zwiebel im ersten Stock.

    Bount klopfte an Monroes Tür und der Dealer öffnete. Er war ein unsympathischer Bursche mit fettigem Haar und Pickeln im Gesicht.

    „Ja?"

    Bount zückte seine Lizenzkopie. „Bount Reiniger. Privatdetektiv. Ich hätte ein paar Fragen an Sie gerichtet, Mister Monroe."

    „Ich rede nicht mit Schnüfflern."

    „Sie täten gut daran, mich nicht zu verärgern."

    „Wieso?"

    „Nun, wenn einer Dreck am Stecken hat ..."

    „Hab ich doch nicht."

    „Und Sie erwarten von mir, dass ich Ihnen das glaube."

    „Müssen Sie wohl, oder?"

    Bount legte die Hand auf die Tür und drückte sie auf. Neil Monroe trat widerwillig zur Seite.

    „War die Polizei schon bei Ihnen?", erkundigte sich Bount.

    „Natürlich, und ich habe den Bullen alles gesagt, was ich weiß."

    „Und zwar?"

    „Nichts."

    Bount schloss die Tür hinter sich. Die Diele war klein. Von ihr gelangte man unter anderem direkt ins Wohnzimmer. Dort herrschte ein organisch gewachsenes Chaos. Von Ordnung hielt Neil Monroe anscheinend nicht allzu viel.

    „Ich suche Ihren Halbbruder", sagte Bount Reiniger.

    „Sie sind nicht der einzige, der das tut. Er ist nicht hier."

    „Ich möchte von Ihnen nicht hören, wo er nicht ist, sondern wo er steckt. Ich wette, Sie wissen es."

    „Schon verloren. Ich weiß es nämlich nicht."

    Bount betrat das Wohnzimmer. Neil Monroe folgte ihm. Der Mann kam Bount Reiniger ziemlich nervös vor.

    „Wie gehen die Geschäfte, Monroe?"

    „Welche meinen Sie?"

    „Die mit dem Rauschgift."

    Der Mann lachte gepresst. „Eine seltsame Art von Humor haben Sie, Reiniger. Wie kommen Sie denn auf so etwas?"

    „Ich weiß, dass Sie dealen."

    „Dann wissen Sie mehr als ich."

    „Ich bin sogar davon überzeugt, dass ich was finden würde, wenn ich mich hier nur mal gründlich umsehen würde."

    „Was soll das heißen?, blaffte Neil Monroe. „Sie haben kein Recht, hier ...

    „Wo ist Zachary Dee?"

    „Ich sagte Ihnen schon, ich weiß es nicht!"

    „Denken Sie nach."

    „Das nützt nichts."

    „Ich habe Zeit", sagte Bount und begann im Wohnzimmer mit einem Rundgang.

    „Hören Sie, machen Sie mich nicht wütend, Reiniger. Strapazieren Sie meine Geduld nicht über Gebühr."

    „Sie wollen sagen, Ihnen könnten die Nerven durchgehen."

    „Genau!, antwortete Neil Monroe. „Ich lass mir ja einiges gefallen, aber wenn das Maß voll ist ...

    „... sehen Sie rot. Sie machen mir Angst, mein Lieber."

    Monroe überging den Spott. „Wer hat sie engagiert, Reiniger?", wollte er wissen.

    „Das möchte ich lieber für mich behalten."

    Monroe hob die Schultern. „Na schön. Ist mir egal."

    „Im Übrigen stelle ich die Fragen, Monroe!"

    „Stellen können Sie sie. Aber Sie dürfen keine Antworten erwarten."

    „Zachary hat zwei Aufseher niedergeschlagen und dann das Weite gesucht. Überlegen Sie mit mir, Monroe. Wohin wendet er sich? An seine Frau? Das kann ich mir nicht gut vorstellen. Er kann ihr nicht mehr vertrauen. Aber seinem Halbbruder traut er nach wie vor. Er sucht ihn also auf und bittet ihn um Kleider – und vielleicht auch um Geld, denn ohne Geld ist man in dieser Stadt aufgeschmissen. Nun kommen Sie schon, erzählen Sie mir etwas über Zachary."

    „Ich gebe zu, Ihr Monolog hat mir gefallen. Jetzt sollten Sie sich aber verabschieden, denn Sie öden mich mit Ihrer ewigen Fragerei allmählich an."

    Bount blieb vor einem Gemälde stehen. Es zeigte einen trockenen Canyon.

    Als er dahinter sah, fragte Monroe gereizt: „Verdammt noch mal, was suchen Sie, Reiniger? Denken Sie, Zachary hat sich hinter dem Bild versteckt?"

    „Sie wissen, was ich suche, Monroe: Schnee."

    Bount setzte seinen Rundgang gelassen fort. Er wollte den Dealer nervös machen.

    Seine Hand strich über die obere Kante des Wohnzimmerschranks. Er bekam davon schmutzige Finger, aber das störte ihn nicht.

    Als er sich dem Schreibtisch näherte, uferte Monroes Nervosität aus. Aha, dachte Bount. Da also hat er den Stoff versteckt.

    Bount erreichte den Schreibtisch.

    „Hinaus!, schrie Neil Monroe. „Verschwinden Sie!

    Bount beachtete ihn nicht, sondern schenkte seine ganze Aufmerksamkeit dem Schreibtisch.

    Das verkraftete Monroe nicht. Er stürzte sich auf Bount, riss ihn herum und schlug zu.

    Doch Bount Reiniger hatte mit diesem Angriff gerechnet. Er blockte den Schlag ab und wich gleichzeitig nach rechts aus.

    Monroe versuchte sein Glück mit der Linken. Sie verfehlte Bounts Kinn nur knapp, und Monroes darauffolgender Schwinger streifte Bount Reinigers Wangenknochen.

    Das reichte.

    Jetzt konterte Bount Reiniger.

    Neil Monroe musste mehrere Treffer einstecken, torkelte zurück, stieß gegen den Tisch, fing sich, riss ein Bein hoch und erwischte Bount.

    Für wenige Augenblicke bekam der Dealer Oberwasser, aber dann traf ihn Bounts Handkante, und das langte fürs Erste.

    Keuchend stützte er sich mit beiden Händen auf die Arbeitsplatte des Schreibtisches. Er war angeschlagen, und gerade deshalb nahm ihn Bount nicht auf die leichte Schulter, denn angeschlagene Gegner reagieren unüberlegt.

    Wie recht Bount Reiniger damit tat, erwies sich schon in der nächsten Sekunde.

    Monroe wusste anscheinend in seiner Wut nicht mehr, was er tat. Mit blutunterlaufenen Augen wirbelte er herum, und Bount sah in seiner Rechten einen langen, blitzenden Brieföffner aus Metall.

    Sofort stach der Dealer damit zu.

    Bount sprang zurück und entging nur mit Mühe einer schweren Verletzung.

    Er setzte alles daran, Monroe so rasch wie möglich zu entwaffnen.

    Seine Handkanten traten in Aktion. Und dem hatte der Dealer nichts mehr entgegenzusetzen.

    Monroe stöhnte: „Es reicht!" Dabei hob er schützend seine Arme über den Kopf.

    „Ich könnte Ihnen jetzt eine Menge Schwierigkeiten machen, Monroe!, sagte Bount hart. „Ein Mordversuch ist eine schlimme Sache!

    „Es tut mir leid ..."

    „Zachary war hier, hab ich recht?"

    „Ja, er war hier. Verdammt! Kaum ist er aus dem Knast raus, hab ich seinetwegen schon Ärger. Ich hab's geahnt, dass es dazu kommen wird. Es stimmt, was Sie vermuten, Mister Reiniger. Er wollte Geld haben."

    „Haben Sie’s ihm gegeben?"

    „Ja. Wir sind schließlich Brüder, wenn wir auch nicht denselben Vater hatten."

    „Wie viel hat er von Ihnen gekriegt?"

    „Zweihundert."

    „Jetzt müssen Sie am Hungertuch nagen."

    „Ich krieg’s wieder, hat er gesagt."

    „Wo finde ich ihn?"

    „Das weiß ich wirklich nicht. Nachdem ich ihm das Geld gegeben hatte, ging er. Er sagte nicht einmal danke."

    „Was ist dran an dem Gerücht, dass seine Frau sich von ihm scheiden lassen will?", fragte Bount.

    Neil Monroe nahm die Arme herunter. „Lana ist eine rassige Frau. Sie ist sehr lebenslustig, und was sie braucht, kann Zachary ihr nicht geben – jedenfalls konnte er es nicht, solange er eingesperrt war. Das waren immerhin drei lange Jahre. Man munkelt, dass ihr Spencer Grives seit geraumer Zeit den Hof macht."

    Bount wusste, wer Grives war.

    Der Name Spencer Grives bürgte für Mord, Totschlag und jede Art von Brutalität. Er war ein gerissener Gangboss, dessen kleine Crew verdammt schlagkräftig war.

    Grives zupfte nicht bloß an den Fäden, sondern er arbeitete selbst häufig an vorderster Front mit. Niemand sollte von ihm sagen können, er liege auf der faulen Haut und ließe die anderen für sich die Kastanien aus dem Feuer holen.

    Grives hielt sein Team absichtlich so klein wie möglich, denn je mehr Männer es gab, desto kleiner wurde das Kuchenstück, das jeder zugeteilt bekam.

    Außerdem hatte Spencer Grives alles viel besser im Griff, wenn er nur einen kleinen Trupp überblicken musste. Und es war seinen Männern so gut wie unmöglich, ihn zu hintergehen oder ein Komplott hinter seinem Rücken zu schmieden. Er hätte es sofort spitz gekriegt und die entsprechenden Maßnahmen getroffen.

    Dieser Mann, der seine Finger in vielen unsauberen Geschäften hatte, machte Lana Dee, der Frau von Zachary Dee, also den Hof.

    „Hat Lana ihn schon erhört?", wollte Bount Reiniger wissen.

    „Nicht, solange sie verheiratet ist", sagte Neil Monroe.

    „So einen sauberen Charakter hat sie?"

    „Das nicht. Es ist eher die Angst vor Zachary, die sie davon abhält, mit anderen Männern ..."

    „Deshalb möchte sie sich also zunächst einmal scheiden lassen", sagte Bount.

    „Allem Anschein nach ist sie entschlossen, sich zu verbessern. Spencer Grives kann ihr allerhand bieten."

    „Wie steht Zachary dazu?"

    „Er ist verrückt nach Lana."

    „Das heißt, er würde in eine Scheidung niemals einwilligen."

    „Richtig. Da würde Zachary nicht mitspielen."

    „Er wird also versuchen, Lana zurückzugewinnen", sagte Bount.

    „Auf jeden Fall."

    „Und wenn es ihm nicht gelingt?"

    „Dann ist in dieser Sache alles drin", antwortete Neil Monroe.

    „Auch ein Mord?", wollte Bount Reiniger wissen.

    „Auch das."

    „Wen würde Zachary umbringen?"

    Monroe hob die Schultern. „Nur der Himmel weiß es. Es kann Lana sein. Es kann Spencer Grives sein. Es können alle beide sein."

    „Dann kann ich nur für alle Beteiligten hoffen, dass ich ihn finde, bevor er zum Amokläufer wird."

    „Sie werden’s nicht für möglich halten, aber dazu wünsche ich Ihnen sogar Glück", sagte Neil Monroe und stand ächzend auf.

    Bount drückte ihm eine von seinen Karten in die Hand und bat ihn, sich unverzüglich mit ihm in Verbindung zu setzen, wenn Zachary Dee sich noch einmal bei ihm blicken lassen sollte.

    „Das mach ich", versprach Monroe.

    8

    Wilkie Lenning hatte sich Abel Sherman ausgesucht, und für June March war Kevin Kerr übriggeblieben. Es war in gewisser Weise ein Wettrennen, das Bount, June und Wilkie mit der nötigen Portion Ehrgeiz bestritten.

    Während also Bount Reiniger versuchte, Zachary Dee ausfindig zu machen, hatte Wilkie Lenning die Absicht, alles daranzusetzen, um Abel Shermans habhaft zu werden.

    Shermans Stammkneipe befand sich in Williamsburg, in der Penn Street. Ein Bus fuhr daran vorbei.

    Wilkie kam mit seinem klapperigen Chevrolet angerasselt. Er liebte alte Autos, und flickte sie noch so zusammen, dass man sie – wenn man großzügig ein Auge zudrückte – als verkehrstüchtig bezeichnen konnte.

    Die Kneipe nannte sich „Tonys Rest".

    Tony war der Wirt. Er glich einem Sandsack, hatte Schweinchenaugen und schien mehr Bier als alle seine Gäste zusammen zu trinken.

    Wilkie sah sich nach einem Parkplatz für seinen Klapperschlitten um.

    Den Rest des Weges legte er zu Fuß zurück.

    In der Kneipe war ein bulliger Typ auf Streit aus. Seine Giftpfeile hatten jedoch noch nicht das richtige Opfer gefunden.

    Tony, der Wirt, redete mit Engelszungen auf den Mann ein. „Judd, so sei doch verträglich. Trink noch einen auf Kosten des Hauses und lass die Gäste in Ruhe."

    Judd Parnaby griente. Er war leicht angesäuselt, und in diesem Zustand war nicht gut mit ihm Kirschen essen. Wenn er noch ein paar Whisky mehr trank, dann war die Gefahr für diesmal gebannt. Denn dann schlief er entweder ein, oder er grölte ordinäre Lieder.

    Beides machte Tony nichts aus, denn davon wurde die Kneipeneinrichtung nicht demoliert.

    „He, Tony, du verdammter Geizkragen, wieso hast du denn auf einmal die Spendierhosen an?, rief Judd Parnaby. „Bringst du deinen Whisky nicht mehr an? Ist er denn so mies, dass ihn keiner mehr saufen möchte? Bietest du ihn mir deshalb an?

    „Es soll bloß eine Geste sein, um dich versöhnlich zu stimmen, Judd", sagte Tony. Er seufzte geplagt.

    In dem Moment öffnete sich die Tür, und Wilkie Lenning trat ein. Als Parnaby den Jungen sah, ging es gleich wieder los: „Noch feucht hinter den Ohren, aber in die Kneipe gehen! He, Junge, lass mal die schriftliche Erlaubnis von deinem Vater sehen."

    Wilkie reagierte nicht. Er steuerte den Tresen an.

    „Hier gibt es keine Milch!", rief Parnaby.

    „Judd, sagte Tony beschwörend. „Ich bitte dich ...

    „Du redest wohl nicht mit jedem!", knurrte Judd Parnaby und erhob sich.

    Der Wirt raufte sich verzweifelt die Haare. Er wandte sich flehend an Wilkie Lenning. „Würde es Ihnen etwas ausmachen, zu gehen? Aber schnell. Judd ist heute mal wieder in voller Fahrt, und keiner kann ihn bremsen."

    Parnaby zog den breiten Ledergürtel ringsherum hoch und blies seinen Brustkorb auf. Es war auf einmal so still im Lokal, dass man eine Stecknadel auf den Boden fallen gehört hätte.

    „Bourbon!", verlangte Wilkie Lenning ungerührt. Er wusste, dass er den Kampfhahn dadurch, dass er ihn nicht beachtete, nur reizte. Aber er wusste auch, wie er selbst mit einem solchen Bullen fertig ,werden konnte.

    „Haben Sie was mit den Ohren? Ich bat Sie zu gehen!", drängte der Wirt.

    „Dies hier ist ein öffentliches Lokal, das jeder betreten darf. Ich verlange, dass Sie mich bedienen!"

    „He, du dürrer Mistkäfer!", knurrte Judd Parnaby.

    Wilkie wies mit dem Daumen auf den Bulligen und fragte den Wirt: „Warum bitten Sie ihn nicht, zu gehen?"

    „Weil ich nicht lebensmüde bin", antwortete Tony.

    Parnaby tupfte Wilkie mit dem Zeigefinger an. „Spargeltarzan, mach ’ne Fliege!"

    Wilkie zeigte vor sich auf den Tresen und sagte demonstrativ: „Bourbon! Ohne Soda. Ohne Eis."

    Tony wusste nicht, wie Judd Parnaby darauf reagieren würde, wenn er den jungen Gast bediente.

    „Du kriegst hier nichts, sagte Parnaby. „Nur ne Tracht Prügel!

    „Sind Sie hier der Wirt?"

    „Nein, Baby. Ich bin der Rausschmeißer!"

    Judd Parnaby packte fest zu. Wilkie hätte es verhindern können, indem er blitzschnell zur Seite sprang, doch der junge Detektiv ließ es geschehen.

    Parnaby beförderte ihn auf die Tür zu, durch diese hindurch und aus dem Lokal. Draußen übernahm Wilkie Lenning die Regie.

    Seine Hand tauchte ins Jackett, und als sie wieder zum Vorschein kam, umschlossen die Finger den Kolben einer Automatic-Pistole.

    Judd Parnaby ließ Wilkie so schnell los, als hätte er sich an ihm die Finger verbrannt.

    „Liebe Güte, sind Sie ’n Bulle?", entfuhr es ihm.

    Wilkie gab ihm darauf keine Antwort. Er rammte dem Bulligen die Waffe in die Seite und befahl: „Umdrehen!"

    Parnaby hob die Hände verdattert. „Hören Sie, ich konnte doch nicht wissen, dass Sie ein Polizist sind! Sie sehen nicht wie ’n Hüter des Gesetzes aus!"

    „Stützen Sie das Haus mit Ihren Händen!", sagte Wilkie schroff.

    Parnaby kam der Aufforderung unverzüglich nach. „Es tut mir leid, Mann. Ich wollte nur meinen Spaß haben. Wenn ich geahnt hätte, dass Sie ein Bulle sind, hätte ich Sie nicht dämlich angequatscht. Und noch viel weniger hätte ich mich an Ihnen vergriffen. Ehrlich. Das müssen Sie mir glauben. Ich habe nichts gegen Polizeibeamte ..."

    „Einen Schritt zurück! Beine grätschen!"

    Judd Parnaby tat auch das. Wilkie überzeugte sich, ob der Mann Waffen bei sich trug oder nicht. Doch die einzigen Waffen, die Parnaby zur Verfügung standen, waren dessen klobige Fäuste.

    „Ich bin sauber", versicherte der Mann.

    „Ihr Glück!, knurrte Wilkie Lenning. „Sind Sie Stammgast in Tonys Rest?

    „Ja, Sir."

    „Dann kennen Sie bestimmt Abel Sherman."

    „Natürlich kenne ich den."

    „Sie können sich eine Menge Ärger ersparen, wenn Sie mir sagen, wo ich Sherman finde."

    „Darf ich mich umdrehen?"

    „Ja. Aber keine Tricks. Ich habe einen nervösen Zeigefinger."

    „Ich bin ganz friedlich. Sie brauchen ihre Kanone nicht."

    „Ich fühle mich sicherer, wenn ich sie in der Hand halte", gab Wilkie ernst zurück.

    „Was ist mit Abel?", fragte Judd Parnaby, nachdem er sich umgedreht hatte.

    „Er ist aus dem Gefängnis ausgerückt", antwortete Wilkie Lenning.

    Parnaby riss die Augen auf. „Das hab ich mir gedacht. Ich wusste gleich, dass er aus dem Kittchen noch nicht entlassen sein konnte. Es sind ja erst um die drei Jahre, die er abgesessen hat. Drei von insgesamt sieben Jahren, die man ihm aufgebrummt hat."

    „Sie haben Sherman heute gesehen?", fragte Wilkie erfreut.

    Judd Parnaby nickte. „Aber nur ganz kurz. Er war hier, hat nur mal schnell reingeschaut ..."

    „Haben Sie mit ihm gesprochen?"

    „Kein Wort."

    „Aus welchem Grund kam er hierher? Hatte er Sehnsucht nach seinen alten Freunden und Bekannten?"

    „Er suchte Don."

    „Wer ist Don?"

    „Don McKenna, ein guter Freund von ihm. Don wohnt in einem Hausboot am East River. Bei der Manhattan Bridge. Das Boot heißt Caroline."

    War das Hausboot vorübergehend zu Abel Shermans Bleibe geworden? Wilkie wollte sich darüber gleich Gewissheit verschaffen.

    Er sagte zu Parnaby: „Sehen Sie sich die Leute, mit denen Sie sich anlegen, nächstens besser an."

    „Das werde ich", versprach der Bullige.

    „Verschwinden Sie jetzt."

    Parnaby stieß einen tiefen Seufzer aus und wollte in die Kneipe zurückkehren, doch Wilkie schüttelte den Kopf.

    „Nicht da hinein, sagte der Detektiv. „Sie gehen jetzt nach Hause.

    „Wie Sie meinen", erwiderte Judd Parnaby unterwürfig und trabte los, denn er wollte keinen weiteren Konflikt mit der Polizei. Er sah es als großes Glück an, dass der Blonde ihm wegen seines Angriffs keine Schwierigkeiten machte.

    Bevor er um die Ecke bog, warf er einen Blick über die Schulter zurück. Er sah Wilkie in seinen altersschwachen Wagen steigen und murmelte: „Ich wusste nicht, dass die Bullen so abgebrannt sind."

    Wilkie Lenning fuhr in Richtung Brooklyn Navy Yard Basin. Wenig später bog er in die John Street ein, und von da war es nicht mehr weit bis zur Manhattan Bridge.

    Der East River war so grau wie der Himmel. Allmählich setzte die Dämmerung ein.

    Wilkie verließ seinen Chevrolet und ging die Kaimauer entlang. Etwa ein Dutzend Hausboote waren hier festgemacht.

    Die Caroline war das vierte Boot. Wilkie erreichte den schmalen Brettersteg, der an Deck führte.

    Das Hausboot schien genauso verwaist zu sein wie die beiden Nachbarschiffe.

    „McKenna!, rief Wilkie Lenning. „Hallo, Don McKenna!

    Er erhielt keine Antwort, und niemand zeigte sich an den Fenstern. Wilkie gestattete sich selbst, an Bord zu gehen.

    Die Bretter wippten tief nach unten, obwohl Wilkie nicht gerade ein Koloss war. Er hielt sich sicherheitshalber am Metallgeländer fest.

    Auf dem Hausboot klopfte Wilkie an eine grün gestrichene Tür. Er hätte es sich sparen können. Niemand nahm von ihm Notiz.

    Die Klinke war aus Messing. Sie ließ sich leicht nach unten drücken. Eigentlich rechnete Wilkie damit, dass abgeschlossen war, doch zu seinem Erstaunen ließ die Tür sich öffnen.

    Wilkie Lenning hatte einen geschmackvoll eingerichteten Salon vor sich. Die Wände waren mit Teakholz getäfelt, auf dem Boden lag ein weicher sandfarbener Spannteppich.

    Don McKenna wohnte erstklassig.

    Wilkie schloss die Tür hinter sich und begab sich auf Besichtigungstour. Er hoffte, einen Hinweis darauf zu finden, dass Abel Sherman sich hier aufhielt.

    In der Küche gab es einen Kühlturm und geflieste Abstellflächen. Neben der Küche war das Bad. Daran schloss sich ein Schlafzimmer.

    Wilkie betrat den kleinen Raum.

    Plötzlich fühlte er, dass er nicht mehr allein war. Seine Hand zuckte zum Schulterholster, doch zu spät.

    Jemand hatte hinter der Tür gelauert.

    Wilkie kam nicht einmal dazu, sich umzudrehen. Ein harter Gegenstand landete auf seinem Kopf. Ihm war, als würde etwas vor seinen Augen explodieren.

    Gleichzeitig hatte er das Gefühl, der Boden hätte sich unter seinen Füßen aufgetan. Er hatte den Eindruck, in einen tiefen, schwarzen Schacht zu stürzen.

    9

    Lana Dee wohnte in einem kleinen Haus nahe dem Clove Lakes Park auf Staten Island. Bount Reiniger fuhr am Silver Lake Reservoir vorbei und stoppte zwei Minuten später seinen 450 SEL etwa zweihundert Yards von Lana Dees Haus entfernt. Die Straße war links und rechts dicht zugeparkt. Hinter einem Holzzaun ragten immergrüne Thujen auf. Eine hüfthohe Tür versperrte Bount Reiniger den Weg.

    Er läutete.

    Eine junge hübsche Frau erschien. Ihr langes Haar war schwarz und glänzend. Sie trug eng anliegende Raulederhosen und einen engen weißen Pullover, unter dem sich ihre Oberweite wie modelliert abzeichnete.

    Sie hatte einen kalten, abweisenden Blick, dunkle Augen und ein Gesicht wie ein Filmstar.

    „Miss Lana Dee?", fragte Bount.

    „Ja. Was wollen Sie?"

    „Ich heiße Bount Reiniger."

    „Der Privatdetektiv?"

    „Freut mich, dass Sie schon von mir gehört haben. Darf ich Sie ein paar Minuten belästigen?"

    Lana hatte keine Freude mit Bounts Besuch, aber sie ließ ihn trotzdem eintreten. Sie führte ihn in den Livingroom und bot ihm sogar Platz an. Nachdem sich Bount gesetzt hatte, fragte er: „Darf ich rauchen?"

    Lana Dee bekundete ihr Einverständnis, indem sie ihm einen Aschenbecher hinstellte. Bount wollte ihr eine von seinen Pall Malls anbieten, doch Lana lehnte dankend ab.

    „Sie sind also auch hinter Zachary her, stellte die Frau fest, während sie ihre Finger nervös knetete. „Dann wird er sich seiner Freiheit wohl nicht mehr allzu lange erfreuen. Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass ich darüber traurig bin. Ich wäre froh, wenn man Zachary so bald wie möglich wieder hinter Gitter bringen würde.

    „War er hier?", fragte Bount.

    „Nein, und dafür danke ich dem Himmel."

    „Rechnen Sie damit, dass er Sie besucht?"

    „Ich befürchte es. Vor einer Stunde war die Polizei hier. Als ich hörte, dass Zachary ausgerückt ist, traf mich fast der Schlag."

    „Weshalb? Ihr Mann ist verrückt nach Ihnen."

    „Das ist es ja. Er liebt mich bis zur Raserei, aber ich liebe ihn nicht mehr. Damit ist es vorbei. Ich empfinde nichts mehr für Zachary. Er ist seit drei Jahren nur noch auf dem Papier mein Mann. Anfangs glaubte ich, ich würde auf ihn warten können, doch nun sehe ich, dass ich es nicht kann. Ich habe dieses Nonnenleben satt. Ich bin noch jung. Ich will die schönste Zeit meines Lebens nicht damit verbringen, auf einen Mann zu warten, für den ich nichts mehr empfinde. Aber Zachary wird dafür kein Verständnis aufbringen. Deshalb habe ich Angst vor ihm. Wenn er wütend ist, ist er zu allem fähig. Ich habe das den Polizeibeamten gesagt, die hier waren, und ich habe sie um Schutz gebeten, aber sie sagten, sie hätten keinen Mann übrig, den sie mir vors Haus stellen könnten."

    „Das auslösende Moment für seine Flucht scheint Ihre Absicht zu sein, sich von ihm scheiden zu lassen", sagte Bount.

    „Wozu sollen wir noch verheiratet bleiben, wenn die Ehe ohnedies nicht mehr intakt ist?"

    „Wer soll Zacharys Platz einnehmen?"

    „Niemand."

    „Sie sagen nicht die Wahrheit, Mistress Dee."

    Lana Dee blickte Bount wütend an. „Wie kommen Sie dazu, mich eine Lügnerin zu nennen, Mister Reiniger?"

    „Man hat mir gesagt, dass Spencer Grives großes Interesse an Ihnen hat."

    „Wer hat das gesagt?"

    „Jemand."

    „Na schön, vielleicht stimmt das."

    „Ich weiß einiges über Grives, sagte Bount und streifte die Asche von seiner Zigarette. „Sollte es sich ergeben, dass Sie ihn heiraten, kann es eines Tages passieren, dass Sie auf ihn noch viel länger als auf Zachary warten müssen. Grives hat unvergleichlich mehr Dreck am Stecken.

    „Was erlauben Sie sich ...", brauste Lana Dee auf.

    „Tun Sie doch nicht so, als hätten Sie keine Ahnung, was für ein Übelfinger Spencer Grives ist!", fiel Bount Reiniger der Frau ins Wort. Er drückte die Pall Mall im Aschenbecher aus und erhob sich und ging zum Fenster.

    „Mister Grives ist mir egal", behauptete Lana Dee.

    „Wirklich?"

    „Ich habe nichts mit ihm zu schaffen."

    Das sagte Lana Dee zwar, aber Bount wusste, dass sie die Unwahrheit sagte, und er bekam dies auch umgehend bestätigt, denn in diesem Augenblick fädelte sich in eine eben erst frei gewordene Parklücke ein schwarzer Oldsmobile ein, der mit zwei Mann besetzt war.

    Männer, die Bount Reiniger nicht fremd waren. Kerle, die für Spencer Grives arbeiteten.

    Die Gangster stiegen nicht aus.

    Bount winkte Lana Dee zu sich. „Sie haben mit Grives also nichts zu schaffen."

    „Richtig."

    „Was suchen dann Grives Gorillas vor Ihrem Haus?"

    Lana Dee schluckte. Sie drehte sich ärgerlich um und stieß hervor: „Na schön, als die Polizei mich abblitzen ließ, war ich gezwungen, mir anderswo Schutz zu besorgen. Ich rief Spencer Grives an, und er versprach mir, zwei Männer zu schicken, die auf mich aufpassen."

    Auch Bount wandte sich vom Fenster ab. „Sagen Sie jetzt bloß nicht, das würde Spencer Grives für jede Frau in unserer Stadt tun. Einfach deshalb, weil er so edel und hilfsbereit ist."

    Lana wollte etwas erwidern, doch sie kam nicht dazu, denn in diesem Augenblick krachten vor dem Haus Schüsse.

    10

    Die alte Frau war dick, grauhaarig, halbblind und litt an schwerem Asthma. Jeder Atemzug war von einem pfeifenden Geräusch begleitet. Sie saß in einem Sessel, dessen Stoff schon ziemlich zerschlissen war, und musterte June March durch die dicken Gläser ihrer Brille. Es war Kevin Kerrs Mutter, und obwohl sie wusste, dass ihr Sohn ein Verbrecher war, hielt sie eisern zu ihm.

    „Nein, Miss March, Kevin war nicht hier", behauptete Mistress Kerr.

    „Nehmen wir an, er würde zu Ihnen kommen, würden Sie ihn bei sich aufnehmen?"

    „Was für eine Mutter wäre ich denn, wenn ich das nicht täte?"

    „Sie würden damit eine strafbare Handlung begehen."

    „Das wäre mir egal. Kevin ist mein Junge. Man hätte ihn nicht einsperren dürfen ..."

    „Er war an einem Einbruch beteiligt."

    „Kevin ist ein guter Junge. Er wäre von selbst niemals auf eine solche Idee gekommen. Ich kenne Kevin. Das Gericht hätte das berücksichtigen müssen, aber man hat zwischen ihm, Zachary Dee und Abel Sherman nicht den geringsten Unterschied gemacht. Ich finde es deshalb richtig, dass Kevin geflohen ist."

    „Man wird ihn wieder einfangen, und dann wird er länger im Gefängnis bleiben müssen, als ursprünglich vorgesehen war, Mistress Kerr", sagte June.

    „Niemand wird Kevin wieder ins Gefängnis stecken! Niemand!", sagte die alte Frau mit erhobener Stimme. Sie regte sich auf. Das bewirkte, dass ihr ihre asthmatische Krankheit mehr zu schaffen machte. Sie rang nach Luft.

    Sie bat June, ihr die Sauerstoffmaske von der Kommode zu holen. Fünf Minuten presste sich die Frau das Gerät aufs Gesicht, danach ging es ihr wieder etwas besser.

    „Bitte gehen Sie jetzt, Miss March!", verlangte die Frau.

    „Ihr Sohn hat keine Chance, sagte June eindringlich. „Raten Sie ihm, er soll sich stellen, wenn er sich bei Ihnen blicken lässt.

    „Man hat ihn drei Jahre zu Unrecht gefangengehalten. Ich denke, das sollte reichen!"

    „Ich komme morgen wieder."

    „Den Weg können Sie sich sparen. Selbst wenn Kevin zu mir kommt, würde ich es Ihnen nicht verraten. Kein Mensch darf von mir verlangen, dass ich gegen mein eigen Fleisch und Blut stelle."

    June seufzte. Nein, von dieser Frau konnte sie wirklich keine Hilfe erwarten. Egal, was Kevin Kerr anstellte, seine Mutter würde für alles Verständnis aufbringen und eine Entschuldigung finden.

    Die blonde Detektivin schob den ledernen Tragriemen ihrer Handtasche an der Schulter hoch. Sie wollte sich von Mistress Kerr verabschieden, doch plötzlich stutzte sie.

    Was war das gewesen?

    Ein Geräusch!

    Nebenan!

    Als June den Kopf wandte und zur Tür hinsah, die in den angrenzenden Raum führte, stieß die alte Frau erregt hervor: „Ich habe Ihnen doch gesagt, er ist nicht hier!"

    Aber gerade diese Worte waren für June eine Bestätigung dafür, dass sich Kevin Kerr im Nebenraum aufhielt.

    „Davon möchte ich mich überzeugen!", sagte sie nur.

    „Bleiben Sie hier! Ich gestatte es Ihnen nicht! Miss March ..."

    June war schon unterwegs. Vielleicht plagte Mistress Kerr jetzt das Gewissen. Sie schien nicht zu wollen, dass ihr Sohn wegen Mordes lebenslänglich ins Zuchthaus geschickt wurde, deshalb rief sie schrill: „Vorsicht, Miss March! Er ... er hat sich einen Revolver besorgt!"

    Als June das hörte, öffnete sie ihre Handtasche und bewaffnete sich mit ihrer kleinen Astra-Pistole.

    Auf kurze Distanzen traf June damit erstaunlich gut. Das war Bount Reinigers Verdienst, denn er drängte selbst heute noch ständig darauf, dass sie ihre regelmäßigen Schießübungen einhielt.

    Oft ist für einen Detektiv die Waffe die letzte Alternative. Dann muss er sie nicht nur schnell zur Hand haben, sondern auch präzise treffen können.

    Ehe June die Tür aufstieß, entsicherte sie die Pistole.

    „Bleiben Sie hier!, schrie Mistress Kerr. „Lassen Sie den Jungen in Ruhe!

    Die Tür schwang zur Seite. June beging nicht den Fehler, sofort in den Raum zu stürmen. Das hätte schlimme Folgen für sie haben können. Trotz der Eile handelte das blonde Mädchen überlegt.

    Bount setzte sie zumeist dort ein, wo ihr keine allzu großen Gefahren drohten, doch hin und wieder ließ es sich nicht vermeiden, dass sich selbst harmlos erscheinende Situationen plötzlich als hochbrisant entpuppten.

    Und dann setzte June alles daran, um Bount zu beweisen, dass sie auch in der Gefahr imstande war, ihren Mann zu stehen.

    „Kerr!, rief June in den Raum. „Werfen Sie die Waffe weg, und kommen Sie zu mir!

    Die Detektivin presste sich mit dem Rücken neben der Tür an die Wand. Kerr kam nicht. Es polterte auch kein Revolver auf den Boden.

    June ging in die Hocke. Ihr schlanker Körper spannte sich, und einen Moment später schnellte sie in den

    Nebenraum.

    Sie drehte sich im Halbkreis, die Astra schwang mit. Kerr war nicht im Zimmer. June sah ein offenes Fenster, vor dem sich die Gardinen bauschten.

    „Kevin!, rief Mistress Kerr verzweifelt. „Schieß nicht! Ich flehe dich an, schieß nicht auf das Mädchen!

    June vernahm ein hartes Klappern. Schon war sie zum Fenster unterwegs. Sie streckte den Kopf hinaus und sah Kevin Kerr.

    „Kerr!", rief die Detektivin scharf.

    Der Verbrecher versuchte über das Zickzack der rostigen Feuerleiter zu entkommen.

    „Halt!", schrie June.

    Und Kevin Kerr blieb wirklich stehen. Aber nicht um sich zu ergeben, sondern um June March mit einem Schuss daran zu hindern, gleichfalls aus dem Fenster zu steigen.

    Sein Revolverarm schwang hoch. Er zielte überhastet und drückte ab. Als die orangerote Feuerblume aufplatzte, zuckte June zurück. Die Kugel klatschte in den Fensterrahmen.

    „O mein Gott!", schrie Mistress Kerr.

    Der Verbrecher setzte seine Flucht fort. June hörte wieder das Klappern seiner Schritte. Sie zögerte nicht, dem Mann zu folgen, und sie wollte alles in ihrer Macht Stehende tun, um Kevin Kerr zu stellen.

    Geschmeidig glitt die Detektivin über die Fensterbank.

    Kevin Kerr erreichte den dritten Stock und feuerte abermals. Diesmal schoss June March zurück, um dem Mann zu zeigen, dass sie ebenfalls bewaffnet war.

    Ihre .22er-Kugel traf das Geländer neben dem Verbrecher. Das Geschoss drückte sich daran platt und wurde zum zirpenden Querschläger. Kerr fluchte.

    Er hastete weiter. Eine Zeitlang war er vom Gestänge der Feuerleiter gedeckt.

    Unten auf der Straße blieben Neugierige stehen. Sollte Kerr es schaffen, die Straße zu erreichen, war er noch nicht aus dem Schneider. June hoffte, dass ihn die Passanten in diesem Fall nicht einfach verduften ließen.

    Zweiter Stock!

    Kerr federte in Schussposition, während June die Stufen hinunterhetzte. Die Leute auf der Straße hielten den Atem an.

    June sah den Revolver, der auf sie gerichtet war. Sie warf sich nach rechts, stieß sich die Schulter an einer Metallstrebe, verbiss den Schmerz und drückte gleichzeitig mit dem Verbrecher ab.

    Kevin Kerrs Kugel strich knapp an ihrem schlanken Hals vorbei, während ihr Geschoss den Mann traf.

    Kerr zuckte heftig zusammen und stieß einen krächzenden Schrei aus. Junes Projektil stieß ihn zurück. Er fasste sich an die verletzte Schulter, während der Revolver aus seinen Fingern glitt und über die Eisenstufen purzelte.

    Der Verbrecher wollte seine Flucht fortsetzen, doch der verletzte Arm und die heftig pochenden Schmerzen waren ein zu großes Handikap für ihn.

    Er rutschte auf der dritten Stufe aus, konnte sich mit dem verletzten Arm nicht festhalten, fiel auf die Knie und kugelte vornüber die restlichen Stufen der Feuerleiter hinunter.

    Hart knallte er auf die eiserne Plattform, und er hatte so viel Schwung, dass er unter dem Geländer durchrutschte und auf den Gehsteig stürzte.

    „Kevin!, kreischte oben Mistress Kerr. „Mein Junge! Mein armer Junge! Oh, ich wusste, dass das nicht gutgeht ...

    Kerr erhob sich nicht. An und für sich wäre ein Sturz aus dieser Höhe zu überleben gewesen, doch Kevin Kerr hatte Pech gehabt. Beim Aufprall war seine Wirbelsäule gebrochen, und als June March sich wenige Augenblicke nach seinem Sturz über ihn beugte, erkannte sie, dass der Mann nicht mehr lange zu leben hatte.

    Die Leute drängelten heran.

    June bat, jemand möge einen Krankenwagen rufen.

    Mistress Kerr kam. „Lasst mich zu ihm! Ich will zu meinem Sohn!", schrie sie. Sie drängte die Neugierigen beiseite und fiel neben dem Verbrecher auf die Knie.

    Ihr Atem pfiff und rasselte. Sie rang nach Luft. Mit zitternder Hand streichelte sie das blasse Gesicht des Sterbenden.

    „Mein Junge. Mein armer Junge ..."

    Kerr sah sie starr an. „Es ... tut mir leid, Ma."

    „Du hättest dir keinen Revolver besorgen dürfen!"

    „Ich ... wollte mich nicht wieder einsperren lassen. Man kann mich nicht wieder ins Gefängnis bringen, Ma. Jetzt nicht mehr ..."

    Die Frau weinte. „Du kommst durch, Junge. Es wird alles

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