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ATLANTA SOLL BRENNEN - CIVIL WAR CHRONICLES VIII: Ein historischer Western-Roman

ATLANTA SOLL BRENNEN - CIVIL WAR CHRONICLES VIII: Ein historischer Western-Roman

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ATLANTA SOLL BRENNEN - CIVIL WAR CHRONICLES VIII: Ein historischer Western-Roman

Länge:
293 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
20. Feb. 2022
ISBN:
9783755408147
Format:
Buch

Beschreibung

 Lieutenant Jay Durango, Sergeant Sean McCafferty und der Soldat Neil Vance befinden sich in ihrem Winterquartier. Bis jetzt ist es noch ruhig geblieben, aber mit dem nahenden Ende des Winters zeichnen sich weitere Auseinandersetzungen ab. Denn immer mehr Unionstruppen marschieren in Richtung Chattanooga und planen offensichtlich eine größere militärische Operation. Bald wird es neue Kämpfe und weitere Tote geben. Deshalb sollen Durango, McCafferty und Vance erneut eine riskante Mission antreten. Ein Job, der sie erneut mit Larry Calhoun zusammentreffen lässt – mit dem Sergeant McCafferty noch eine Rechnung offen hat... 
 
Atlanta soll brennen – der achte Band der Roman-Serie Civil War Chronicles aus der Feder von Alfred Wallon, des Garanten für spannende und mitreißende historische Western, erscheint exklusiv im Apex-Verlag (in einer vom Autor durchgesehenen Neu-Ausgabe).
Herausgeber:
Freigegeben:
20. Feb. 2022
ISBN:
9783755408147
Format:
Buch

Über den Autor


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ATLANTA SOLL BRENNEN - CIVIL WAR CHRONICLES VIII - Alfred Wallon

Das Buch

Lieutenant Jay Durango, Sergeant Sean McCafferty und der Soldat Neil Vance befinden sich in ihrem Winterquartier. Bis jetzt ist es noch ruhig geblieben, aber mit dem nahenden Ende des Winters zeichnen sich weitere Auseinandersetzungen ab. Denn immer mehr Unionstruppen marschieren in Richtung Chattanooga und planen offensichtlich eine größere militärische Operation. Bald wird es neue Kämpfe und weitere Tote geben. Deshalb sollen Durango, McCafferty und Vance erneut eine riskante Mission antreten. Ein Job, der sie erneut mit Larry Calhoun zusammentreffen lässt – mit dem Sergeant McCafferty noch eine Rechnung offen hat...

Atlanta soll brennen – der achte Band der Roman-Serie Civil War Chronicles aus der Feder von Alfred Wallon, des Garanten für spannende und mitreißende historische Western, erscheint exklusiv im Apex-Verlag (in einer vom Autor durchgesehenen Neu-Ausgabe).

ATLANTA SOLL BRENNEN

  Vorwort

Nach den Kämpfen um Chattanooga im November 1863 hatte die Union einen weiteren entscheidenden Vorteil errungen. Durch die Eroberung und anschließende Besetzung der Stadt konnte ein entscheidender Vorteil genutzt werden. Denn von Chattanooga aus ließ sich das Herz der Konföderation – nämlich der Staat Georgia mit seiner Hauptstadt Atlanta – vergleichsweise einfach erreichen.

Das waren auch die Pläne von General William T. Sherman, der eine solche Invasion schon seit der Eroberung Chattanoogas plante und wenig später auch General Ulysses S. Grant und Präsident Abraham Lincoln davon überzeugen konnte, dass eine solche militärische Operation die Konföderation so entscheidend schwächte, dass sich Lees Armee davon niemals wieder erholen würde. Fast vier Jahre tobte der blutige Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd mittlerweile, und es bestand jetzt eine berechtigte Hoffnung, durch eine gezielte militärische Operation den Sieg zu erringen.

Atlanta war das logistische Zentrum des Südens. Sherman kannte diese Region, auch wenn schon einige Jahre vergangen waren, seit er zuletzt als junger Lieutenant 1844 dort stationiert gewesen war. Damals hieß die Stadt noch Marthasville, hatte aber bereits zu dieser Zeit schon eine gewisse strategische Bedeutung gehabt. Jetzt lebten in Atlanta fast 20.000 Menschen, und die Bedeutung dieser Stadt wurde nur noch von Richmond, der Hauptstadt der Konföderation, übertroffen.

Atlanta nannte man auch das ›Tor zum Süden‹, weil es den Zugang zu denjenigen Staaten der Konföderation darstellte, die sich an der Atlantikküste befanden. Atlanta war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und gleichzeitig ein großes Arsenal. In den Fabriken in und rund um die Stadt wurden wichtige Kriegsgüter und Waffen hergestellt. Die Bandbreite reichte von Kanonen und Gewehren bis hin zu Schienen und Eisenplatten. Selbst Uniformen und Särge wurden hier produziert – und all dies wurde in Kriegszeiten dringend benötigt. Die vier Eisenbahnlinien transportierten diese Waren zusammen mit Lebensmitteln von den reichen und üppigen Farmgebieten in Georgia, Alabama und Mississippi zu den kämpfenden konföderierten Truppen.

Grund genug also, um dem Feind einen entscheidenden Schlag zu versetzen und den Krieg auf diese Weise zu beenden. Die letzten vier Jahre hatten unzählige Tote auf beiden Seiten gefordert. Aber trotz der vielen Vorteile, die die Union mittlerweile auch offen gegen die Konföderation ausspielte, war es Präsident Lincoln und seinen Generälen noch immer nicht gelungen, den Süden in die Knie zu zwingen.

Durch Shermans Plan sollte sich dies jedoch sehr bald ändern. Denn Sherman wusste, dass der Weg zur Atlantikküste für ihn und seine Truppen offen sein würde, wenn Atlanta erst gefallen war. Wie effektiv und zerstörerisch diese militärische Kampagne für die Konföderation tatsächlich sein sollte, ahnten im Mai 1864 weder Sherman noch seine Gegner.

  Kapitel 1

…Was für ein beschwerlicher Marsch durch Regen, Matsch, Staub und Hitze nach solch vergleichweise ruhigen Wochen! Aber die Rebellen müssen endlich besiegt werden, und da wir das nicht schaffen, wenn wir zuhause bleiben, müssen wir sie eben zum Teufel jagen...

Major James A. Connolly, 121st Illinois Regiment

Als der Zug die Bahnstation von Chattanooga erreichte, waren noch weitere dichte Wolken aufgezogen. Das trübe Wetter war ein Spiegelbild der Stimmung, die unter den wenigen zivilen Passagieren herrschte, die sich im Waggon befanden. Unter ihnen weilte auch ein großer schlanker Mann im dunklen Anzug, der am Fenster saß und in Gedanken versunken zu sein schien. Trotzdem hatte er alles registriert, was in diesem Waggon geschah. Er hatte sowohl die ältere Frau mit ihrem Mann bemerkt, die auf der gegenüber liegenden Seite saßen und sich kurz gestritten hatten – als auch die zehn Soldaten, die mit ihrem Sergeant  in Knoxville zugestiegen waren.

Larry Calhoun wusste, dass insbesondere die Soldaten immer wieder zu ihm schauten und sich wahrscheinlich fragten, wer dieser gut gekleidete Mann war. Hätte man ihn direkt darauf angesprochen, dann hätte er den Soldaten ein Dokument präsentieren können, das ihm einige Vollmachten gab, die andere sehr erstaunt hätten. Dieses Schreiben stammte von Präsident Abraham Lincoln höchstpersönlich und war an General William T. Sherman gerichtet, dessen logistisches Hauptquartier sich in Chattanooga befand. Lincoln hatte präzise Anweisungen erteilt, und die musste auch ein Offizier wie Sherman befolgen. Auch wenn es ihm ganz sicher nicht passen würde, dass Larry dieses Mal erneut ein wichtiger Bestandteil einer militärischen Operation sein würde.

»Chattanooga!«, erklang jetzt die laute Stimme eines Bahnbediensteten, der den Waggon betrat und seine Blicke in die Runde schweifen ließ. »Letzter Halt, Ladies und Gentlemen. Der Zug endet hier!«

Als der Zug in den Bahnhof einfuhr, bemerkte Larry die verstärkte militärische Präsenz an den Bahngleisen. Wohin er auch schaute - er sah viele bewaffnete Soldaten, die das Gelände sicherten und dadurch zumindest in der näheren Umgebung für einen reibungslosen Ablauf des Bahnbetriebes sorgten.

Mit einem kurzen Ruck kam der Zug zum Stehen, und die Passagiere stiegen aus. Ebenso Larry. Der Sergeant und seine Soldaten bildeten den Schluss. Sie wurden schon von einem Captain erwartet und schlossen sich ihm kurz darauf an.

Larry hatte eine Tasche bei sich, in der er das Notwendigste mit sich führte. Bei seiner weiteren Mission würde er nicht viel Gepäck brauchen. Denn schon bald würde er Teil der Armee sein, die nach Georgia einmarschierte und den konföderierten Truppen dadurch einen entscheidenden Schlag versetzte. Zumindest wenn es nach den Plänen der Generäle Grant und Sherman ging.

Larry wusste, dass Sherman die treibende Kraft dieser Operation war. Ihm war es auch gelungen, den eher nüchternen Grant von seinen Plänen zu überzeugen. Und nachdem auch Präsident Lincoln davon erfahren und die gesamte Aktion gebilligt hatte, gab es kein Zurück mehr.

Die Maschinerie des Krieges war angelaufen. Seit Wochen fanden Truppenbewegungen zwischen Nashville, Knoxville und Chattanooga statt, die alle nur ein Ziel hatten: nach Georgia einzumarschieren und den Gegner das Fürchten zu lehren.

»Mr. Calhoun?«, riss ihn auf einmal eine Stimme aus seinen Gedanken. Larry drehte sich um und blickte in das Gesicht eines jungen Lieutenants, der eine blitzsaubere Uniform trug.

»Ja«, nickte dieser.

»Ich bin Lieutenant Ben Bridges. General Sherman erwartet Sie«, antwortete der Lieutenant. »Wenn Sie mir bitte folgen wollen...?«

Der junge Offizier ging voran, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Larry nahm seine Tasche und verließ das Bahnhofsgelände, wo auch zu dieser späten Nachmittagsstunde immer noch ein geschäftiges Treiben herrschte. Er registrierte im Vorbeigehen die zahlreichen Waggons, die auf den benachbarten Gleisen standen und wo etliche Soldaten damit beschäftigt waren, sie zu entladen. Dies war der Beweis dafür, dass die schon seit Wochen geplante logistische Unterstützung der Truppen auf Hochtouren lief – und zum ersten Mal war der Befehl erteilt worden, dass keiner der Generäle auf eigene Faust vorging, sondern sich nur einem einzigen Ziel bedingungslos unterordnete. Und dies war der Einmarsch nach Georgia.

Der aufkommende Wind wurde jetzt stärker, und der Himmel hatte sich gänzlich zugezogen. Auf dem Weg zu Shermans Quartier begannen die ersten Regentropfen zu fallen. Larry und der Lieutenant beschleunigten jetzt ihre Schritte, um trockenen Fußes die andere Straßenseite zu erreichen.

»Es ist nicht mehr weit, Mr. Calhoun«, sagte Lieutenant Bridges, als er Larrys mürrischen Gesichtsausdruck wegen des einsetzenden Regens bemerkte. »Wir sind gleich am Ziel.«

»Keine Sorgen, Lieutenant«, erwiderte Larry und zog sich den breitkrempigen Hut tiefer in die Stirn. »Ich bin ganz andere Dinge gewohnt – auch wenn man das wegen meiner Kleidung vielleicht nicht glauben mag...«

Ihm war der argwöhnische Blick des jungen Offiziers, der Larry beim Aussteigen aus dem Zug gegolten hatte, natürlich nicht entgangen. Lieutenant Bridges wusste wahrscheinlich nur, dass Larry direkt aus Washington gekommen war und eine Botschaft des Präsidenten für General Sherman bei sich trug. Aber dass dieser Mann trotz seines dunklen Anzuges den Krieg aus nächster Nähe schon mehrere Male hautnah miterlebt hatte, traute ihm der Lieutenant wahrscheinlich nicht zu. In dessen Augen war Larry nur ein einflussreicher Beamter aus Washington, der sich aus nicht nachvollziehbaren Gründen in die Nähe der Front wagte.

Larry hätte ihm einiges darüber berichten können, dass er die Stadt Chattanooga sehr gut kannte – und dies galt auch für das benachbarte Umland. Als General Braggs Männer einen Belagerungskessel um die Stadt gezogen hatten und dadurch General Rosecrans und General Thomas zum Aufgeben hatten zwingen wollen, war es Larry gewesen, der sich auf verschlungenen Pfaden nach Chattanooga begeben hatte, um den Unionsgenerälen auszurichten, dass Verstärkung bereits auf dem Weg war und alles dafür getan werden sollte, um den Ring der Belagerer im entscheidenden Moment zu durchbrechen. Was ja dann auch geschehen war – und zwar mit einer verheerenden Niederlage für die konföderierten Truppen, die ihre Stellungen am Lookout Mountain und am Missionary Ridge in heilloser Flucht verlassen und dieses strategisch so wichtige Gelände der Union überlassen hatten.

All dies lag ein gutes halbes Jahr zurück, aber die Erinnerungen an diese Zeit wurden jetzt wieder gegenwärtig, als Larry mit Lieutenant Bridges durch die Stadt ging und dabei unter den Vordächern der Häuser Schutz vor dem allmählich stärker werdenden Nieselregen suchte, den der Wind in Schleiern vor sich hertrieb.

Draußen auf der Straße hielten sich jetzt gar keine Menschen mehr auf. Der plötzlich einsetzende Regenguss hatte sie vertrieben – und wer es konnte, der machte es sich an einem wärmenden Feuer vor dem Kamin gemütlich. Das galt aber nur für die Zivilbevölkerung der Stadt und nicht für die Soldaten von Shermans Armee. Die mussten jedem Wetter trotzen, so widrig die Umstände auch waren.

Larry ging an einem, von außen unscheinbar wirkenden Haus vorbei, über dessen Eingangstür ein Schild mit der Aufschrift Boardinghouse angebracht war. Das Fenster zur Straße war von einem Vorhang teilweise verdeckt. Selbst wenn Larry in diesem Moment einen Blick durchs Fenster geworfen hätte, so wäre ihm vermutlich nichts aufgefallen, was sein Mistrauen erweckt hätte. Aber der Mann mit dem roten Vollbart, der ihn im gleichen Augenblick entdeckte, dachte da ganz anders.

*

Sean McCafferty zuckte zusammen, als er auf einmal den Yankee-Offizier in Begleitung eines Zivilisten im dunklen Anzug am Fenster der Pension vorbei gehen sah. Im ersten Moment glaubte er sich getäuscht zu haben, aber als er dann kurz das Gesicht des Mannes sah, verdüsterte sich seine Miene und er murmelte einen leisen Fluch. In seinen Augen funkelte es wütend auf, und er erhob sich so rasch vom Stuhl, dass dieser nach hinten fiel und mit einem dumpfen Geräusch zu Boden polterte.

Rasch bückte sich McCafferty, hob den Stuhl wieder auf und rückte ihn zurecht. Dann ging er mit schnellen Schritten zur Tür, öffnete sie und trat hinaus in den Regen. Er ignorierte die allgegenwärtige Feuchtigkeit, sondern richtete seine Blicke stattdessen auf den Yankee und den Mann, der neben ihm ging.

Es blieb keine Zeit mehr, um Durango und Vance zu verständigen. Er musste unbedingt herausfinden, ob er sich nicht getäuscht hatte und der Mann im dunklen Anzug wirklich Larry Calhoun war. Sollte dies so sein, dann standen die Zeichen auf Alarm. Denn dieser elende Yankee-Spion hatte bisher immer einen guten Grund gehabt, um seine Anwesenheit in dieser Region zu rechtfertigen.

McCafferty bemühte sich, Abstand zu den beiden Männern zu halten und folgte ihnen in gebührendem Abstand. Ein Gedanke jagte den anderen, weil McCafferty jetzt auf eigene Faust etwas unternahm. Seine beiden Kameraden würden davon nicht begeistert sein, denn hier in Chattanooga mussten sie sich so unauffällig wie möglich verhalten, sonst würde ihre Mission zum Scheitern verurteilt sein. Wenn irgendjemand herausfand, dass es sich bei den drei Männern nicht um Zivilisten, sondern um konföderierte Soldaten handelte, dann würden sie gewaltige Probleme bekommen.

Der Regen bildete große Pfützen und verwandelte die Straße allmählich in einen Morast. McCafferty hielt sich weiter im Schutz der Vordächer und verfluchte die Tatsache, dass ausgerechnet jetzt keine anderen Menschen auf der Straße waren und man sehen konnte, dass er jemandem folgte. Aber weder der Lieutenant noch sein Begleiter schienen damit gerechnet zu haben. Keiner von beiden drehte sich um oder vergewisserte sich, dass ihnen niemand folgte. Wozu denn auch? In einer Stadt wie Chattanooga, die nach dem Sieg über Braggs Truppen in den letzten Monaten zu einem großen Militärstützpunkt der Union ausgebaut worden war, rechnete nun wirklich niemand damit, dass sich Rebellen oder Spione in der Stadt oder der näheren Umgebung aufhielten. Das wäre viel zu riskant gewesen. Gerade deshalb hofften Durango und seine Leute, dass ihre Tarnung funktionierte und sie nicht aufflogen.

Die Order, die Durango und seine Kameraden erhalten hatte, war ganz eindeutig gewesen. Sie sollten nach Chattanooga reiten und sich in der Stadt umsehen – und natürlich herausfinden, was die Union als nächsten militärischen Schachzug beabsichtigte. Denn die Gerüchte darüber, dass eine weitere Operation in den nächsten Wochen bevorstand, hatten sich verdichtet.

Lees Armee hatte zwar im vergangenen Spätherbst eine verheerende Niederlage erlitten, aber dennoch funktionierte das Netz aus Spionen und Agenten, die hinter den feindlichen Linien operierten. Und genau diese Leute hatten berichtet, dass sich die Truppenbewegungen der Union in diesem Sektor deutlich verstärkt hatten. Was nichts anderes bedeutete als dass die Dinge in Bewegung geraten waren.

Genau deswegen waren Durango, McCafferty und Vance nach Chattanooga aufgebrochen. Die Papiere, die sie bei sich hatten, würden sicher einer ersten Überprüfung standhalten. Trotzdem mussten sie vorsichtig sein und durften nichts Unnötiges riskieren.

McCafferty dagegen dachte jedoch nicht an die ermahnenden Worte von Lieutenant Durango. Als er Larry Calhoun gesehen hatte, beschäftigten sich seine Gedanken nur noch mit einer einzige Sache - nämlich diesen Yankee-Spion nicht ungeschoren davonkommen zu lassen. Er hatte Tom Higgins kaltblütig erschossen und trug auch die Schuld am Tod von Frank Porter und Ben Fisher. Am Grab von Higgins hatte McCafferty einen Schwur geleistet, und dies bestimmte seitdem insgeheim sein weiteres Denken und Handeln – auch wenn der Lieutenant und Vance bisher nur wenig davon bemerkt hatten.

Jetzt war die Chance greifbar nahe, endlich Rache für den Mord nehmen zu können. McCafferty dachte nicht über die Konsequenzen nach, die sein Verhalten unter Umständen auslösen konnte. In seinem Kopf kreiste nur der Wunsch nach Rache, und deshalb bemühte er sich, Calhoun und dem Yankee-Offizier möglichst unbemerkt zu folgen. Er sah, wie die beiden jetzt die schlammige Straße überquerten und dabei den größten Pfützen auswichen. Das Ziel der beiden Männer war ein Hotel schräg gegenüber.

In einem der Fenster oberhalb des Eingangs entdeckte der irische Sergeant plötzlich eine konturenhafte Gestalt, die ausgerechnet jetzt einen Blick auf die Straße warf. Die Petroleumlampe im Zimmer ließ McCafferty die Konturen des Mannes im Zimmer erkennen. Als er sich abwandte und den Vorhang wieder zuzog, sah McCafferty, dass der Mann eine dunkelblaue Uniform trug. Zum Glück schien er nicht bemerkt zu haben, dass sich McCafferty an die Fersen Calhouns und des Lieutenants geheftet hatte.

»He Mac!«, hörte er auf einmal eine nervöse Stimme hinter sich. McCafferty war so in Gedanken versunken, dass er im ersten Moment zusammenzuckte – als hätte ihn jemand beim Stehlen erwischt. Als er sich dann aber umdrehte, sah er Neil Vance, und er begann sich zu entspannen.

»Was machst du denn hier draußen bei diesem Hundewetter?«, fragte ihn Vance. »Ich kam gerade die Treppe herunter und sah dich gehen. Deshalb bin ich dir gefolgt, um zu sehen, was du...«

»Calhoun ist hier«, fiel ihm McCafferty ins Wort. »Er ist zusammen mit einem Yankee-Lieutenant in das Hotel dort drüben gegangen.«

»Bist du sicher?«

»Ich glaube ja«, antwortete McCafferty. »Und er wird wahrscheinlich sogar schon erwartet. Ich sah einen Mann in Uniform dort oben am Fenster.« Er zeigte auf die betreffende Stelle. »Neil, vielleicht täusche ich mich auch – aber das sind mir ein bisschen zu viele Zufälle. Meinst du nicht auch?"

»Das muss der Lieutenant sofort erfahren, Mac«, meinte Vance. »Komm mit – wir müssen mit ihm sprechen.« Er sah, dass McCafferty zögerte und runzelte die Stirn. »Verdammt, was ist los mit dir?«, wollte er dann von seinem Kameraden wissen. »Du denkst doch nicht etwa daran, etwas auf eigene Faust zu unternehmen?«

»Natürlich nicht«, antwortete McCafferty, wich dabei aber dem Blick seines Kameraden für einen kurzen Moment aus. Vance bemerkte das jedoch nicht, weil er wieder hinüber zu dem Hotel schaute, in dem sich laut der Meinung des irischen Sergeants der Yankee-Spion Calhoun aufhalten sollte – und offensichtlich noch jemand anderer, der die Unform der Union trug.

»Das wäre auch schlimm, wenn dir sowas einfallen würde, Mac«, sagte Vance. »Vergiss nicht, welches Risiko wir eingegangen sind. Wenn einer von uns einen Fehler macht, dann kriegen wir Ärger.«

»Gut, dann geh los und sag dem Lieutenant Bescheid«, sagte McCafferty. »Ich halte hier so lange die Stellung. Nun schau mich doch nicht so erstaunt an, Neil. Ich will doch nur wissen, was da drüben in der Zwischenzeit geschieht. Da wäre es schon angebracht, wenn einer von uns das Fenster da oben im Blickfeld behält...«

»Mac, versprich mir, dass du dich zurück hältst«, versuchte Vance seinem Kameraden noch einmal ins Gewissen zu reden. »Ich weiß, wie nahe dir Toms Tod gegangen ist – aber du bist nicht der einzige, dem es so geht. Trotzdem müssen wir unseren Job erledigen – und zwar so, dass keiner von uns in Gefahr gerät.«

»Du muss mir jetzt keine Moralpredigten halten, Neil«, brummte McCafferty. »Ich werde mich schon zurückhalten. Ich bleibe hier stehen und beobachte nur, was da drüben vor sich geht..« Er schaute dabei hinauf zum trüben Himmel und grinste Vance zu. »Der Regen lässt jetzt nach. Also wird es auch nicht auffallen, dass ich mich hier draußen aufhalte. Da drüben ist ein Store. Dort findest du mich.«

Vances Blicke richteten sich auf das Geschäft. Es war ein Eisenwarenladen mit einem größeren Schaufenster. Wenn McCafferty sich dort die Auslagen anschaute, dann verhielt er sich ganz normal, und niemand würde etwas Verdächtiges darin sehen.

»Ich bin gleich wieder zurück, Mac«, sagte Vance. »Der Lieutenant soll dann entscheiden, was wir als nächstes tun.«

McCafferty erwiderte nichts darauf, sondern nickte nur. Während Vance mit schnellen Schritten zurück zum Boardinghouse ging, näherte sich der irische Sergeant dem Eisenwarenladen. Das Pianogeklimper aus dem nahen Saloon registrierte er nur am Rande.

*

»So schnell sieht man sich also wieder, Mr. Calhoun«, sagte General William T. Sherman und ergriff die ausgestreckte Hand des Mannes im dunklen Anzug. »Und ich vermute, dass Präsident Lincoln Ihnen eine Botschaft für mich mitgegeben hat?«

Die letzten Worte klangen ein wenig sarkastisch. Aber Larry Calhoun überhörte diesen Tonfall. Er kannte Sherman mittlerweile zu Genüge und wusste, was er von ihm zu halten hatte. Natürlich passte es Sherman nicht, dass sich auf Geheiß des Präsidenten wieder ein Zivilist in Dinge einmischte, von denen dieser nach Shermans Meinung nach gar nichts verstand. Deshalb war Larry auch sehr froh, dass er eine Legitimation bei sich trug, die von Lincoln persönlich unterzeichnet worden war.

Er holte das Dokument aus seiner Jackentasche und legte es wortlos auf den Tisch, neben dem Sherman stand. Der General öffnete das Siegel, faltete das Papier auseinander und las, was dort geschrieben stand. Sein Blick war eine Mischung aus verhaltenem Grübeln und unterdrückter Wut, als ihm klar wurde, was die Entscheidung des Präsidenten für ihn zu bedeuten hatte.

»Sie haben einen mächtigen Fürsprecher, Mr. Calhoun«, seufzte er schließlich. »Ich wüsste aber nicht, was es ändern würde, wenn Sie mich und meine Truppen auf diesem Feldzug nach Atlanta begleiten. Sie erinnern sich doch bestimmt noch daran, wie knapp Sie mit dem Leben vor einigen Monaten davongekommen sind?«

»Aber jetzt bin ich hier, General«, antwortete Larry. »Und ich erfülle genauso meine Pflicht für die Union wie Sie es tun. Ich trage nur keine Uniform.«

»Ich weiß«, winkte Sherman ab und bemühte sich, nach außen hin eine gewisse Gelassenheit zu zeigen. Larry kannte den General aber lange genug, um zu wissen, dass Sherman nach wie vor eine Abneigung gegen ihn hegte – aus welchen Gründen auch immer. Vermutlich weil Larry so gute persönliche Kontakte ins Weiße Haus hatte. Aber auch Shermans Einfluss in der Unionsarmee war gewachsen, seitdem es ihm gelungen war, General Grant als Vertrauten und verlässlichen Freund zu gewinnen. Dazu trug natürlich auch die Tatsache bei, dass Lincoln Grant mittlerweile zum Oberkommandierenden der Unionsstreitkräfte ernannt hatte – damit stieg auch gleichzeitig Shermans Einfluss. Wenn man so wollte, waren die beiden Generäle in gewisser Weise voneinander abhängig, und der militärische Erfolg des einen stärkte zwangsläufig auch die Position des anderen.

»Der Präsident hat Sie über unsere Pläne

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