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Politischer Islam

Politischer Islam

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Politischer Islam

Länge:
161 Seiten
1 Stunde
Herausgeber:
Freigegeben:
22. Nov. 2017
ISBN:
9783739691909
Format:
Buch

Beschreibung

Politischer Islam ist eine Sammlung mit den religiös-politischen Essays von Hassan Mohsen. In den Essays erfährt der Leser über die religiös-politischen Ansichten eines Muslims aus Deutschland.
Herausgeber:
Freigegeben:
22. Nov. 2017
ISBN:
9783739691909
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Politischer Islam - Hassan Mohsen

Der weiche Krieg

Wir befinden uns in einem Krieg. Wir brauchen nur die Zeitung aufzuschlagen, schon werden wir mit Schreckensmeldungen aus Kriegsgebieten erschlagen. Aber was hat das mit uns in Deutschland zu tun? Befinden wir uns auch in Deutschland, in unserer Stadt, in unseren vier Wänden im Krieg?

Auch Deutschland befindet sich im Krieg. Selbst wenn wir es Auslandseinsätze nennen – es ist Krieg. Die Kriegsfronten befinden sich allerdings an fernen Orten. Deutschland unterstützt die Kriege der USA. Die Bundeswehr schreibt auf ihrer Website, dass sich derzeit 3.500 Bundeswehrsoldaten in Einsätzen im Ausland befänden und dabei gemeinsam mit Soldaten der Bündnispartner und befreundeter Nationen operierten. Auf dieser Landkarte sind die Einsatzorte der Bundeswehr aufgelistet. In zahlreichen Ländern führen wir Krieg für die Amerikaner. Aber Krieg findet nicht nur im Irak, Jemen, in Afghanistan, Palästina oder Syrien statt. Auch in Deutschland gibt es Krieg.

Jetzt könnte jemand einwenden, dass man in Deutschland keine Kanonen oder Maschinengewehre höre. Dennoch befinden wir uns auch hier in Delmenhorst in einem Krieg. Es ist kein harter Krieg (militärisch) im Sinne von Gewalteinwirkung, wir befinden uns in einem weichen Krieg. Was ist ein weicher Krieg?

Bevor wir der Frage nachgehen, ist eine andere zu klären: Wozu wird ein militärischer Krieg geführt? Wenn ein Land ein anderes Land begehrt, es aber nicht geschenkt erhält, dann wird Krieg geführt. Das Militär wird mobilisiert, Panzer und Kampfflugzeuge werden betankt, Bodentruppen an die Front befördert, mit dem Ziel das „feindliche" Land einzunehmen. Krieg wird dann als Mittel geführt, um ein anderes Territorium zu beherrschen und zu kontrollieren. Ziel des harten Krieges ist es, Macht und Kontrolle auszuüben.

Beim weichen Krieg geht es ebenso darum, Macht und Kontrolle auszuüben. Es geht beim weichen Krieg allerdings darum, die Meinungen der Menschen zu kontrollieren und zu beherrschen. Beim weichen Krieg geht es darum, die Wünsche, Träume, Begehren und Gedanken zu beherrschen. Beim weichen Krieg geht es um die Deutungshoheit von Begriffen und Meinungen. Während das Militär beim harten Krieg benötigt wird, ist es beim weichen Krieg nicht nötig. Beim weichen Krieg geht es darum, andere dazu zu bringen, dass sie das wollen, was man selbst will. Anders als beim harten Krieg geht es darum, die Menschen zu überzeugen, anstatt sie zu zwingen. Zu den Mitteln des weichen Krieges gehören die Verbreitung des eigenen Standpunktes und die Vermittlung eigener Normen und Werte, sodass sich der Gegner vom Standpunkt des Feindes angezogen fühlt und selbst den Standpunkt des Feindes einnimmt und verteidigt. Der Begriff vom weichen Krieg wurde von Imam Chamenei in den islamischen Diskurs gebracht. Imam Chamenei sagte:

Heute ist ein anderer Krieg im Gange, eine Art weicher Krieg und politischer und kultureller Kampf. […] Wir haben es heute mit einem weichen Krieg zu tun und leben in einer Zeit des politischen, kulturellen und sicherheitspolitischen Kampfes und Widerstandes gegen den ausländischen Einfluss.

In zahlreichen Ansprachen erklärte Imam Chamenei seine Bedeutung. Dabei unterschied er zwischen dem wirtschaftlichen und dem weichen Krieg: Im militärischen Krieg ist es das Ziel, die gegnerische Seite zu vernichten und zu zerstören. Im wirtschaftlichen Krieg ist es das Ziel, die wirtschaftliche Infrastruktur zu schädigen. Im weichen Krieg sind die Herzen und Köpfe der jungen Menschen und ihr Wille das Ziel, was bedeutet, dass der Feind ihren Willen zu ändern versucht. Manchmal werden im Krieg militärische und wirtschaftliche Mittel genutzt, um das Ziel vom weichen Krieg zu erreichen.

Somit ist der weiche Krieg härter als der harte Krieg. Denn im harten Krieg kann man getötet werden. Aber im weichen Krieg kann schlimmeres geschehen, wie Sayyid Haschim Al-Haydari sagt:

Man kann vom Lager der Wahrheit zum Lager der Falschheit wechseln. Und das ist schlimmer, als getötet zu werden.

Scheich Naim Kassem (Hisbullah) schreibt in seinem Buch Der reformistische Führer, dass die größte Bedrohung der islamischen Umma heutzutage nicht der herkömmliche militärische Krieg sei, sondern der weiche Krieg, der die Kultur, Gesellschaft und Wirtschaft zum Ziel genommen habe und der bis in unsere Wohnungen vorgedrungen sei.

Angelehnt ist dieser Begriff an das Buch von Joseph S. Nye Soft Power: The Means to Success in World Politics von 2004. Darin definiert Nye die weiche Macht (soft power) als Machtausübung durch die Beeinflussung der Ziele politischer Akteure, ohne dass dazu (wirtschaftliche) Anreize oder (militärische) Bedrohungen eingesetzt werden. Somit sollen mit der weichen Macht Akteure dazu bewegt werden, denselben politischen Willen zu entwickeln und dieselben Ziele zu verfolgen, wie man selbst. Mit soft power meint Nye die Fähigkeit von X, Y etwas machen zu lassen, was Y sonst nicht tun würde. Also die Fähigkeit, die eigenen Ziele zu erreichen, weil die anderen einen bewundern oder einem nacheifern wollen.

Als es um die Frage ging, ob die USA die Islamische Republik militärisch angreifen sollten, riet Joseph Nye der amerikanischen Regierung den Einsatz von harter Gewalt gegen Iran ab: „Ich glaube, dieses Regime wird schließlich wechseln, wenn sich populäre kulturelle und soziale Änderungen des Westens im Iran ereignen. Wenn wir also falsch vorgehen und durch harte Maßnahmen die junge Generation zur Reaktion gegen den Militärangriff des Westens zwingen, haben wir sie in Wahrheit dem Regime näher gebracht und die Umsetzung unserer langfristigen Ziele verhindert."

Dann kamen die Wahlen im Iran im Jahre 2009. Die USA entschieden sich für einen weichen Krieg. Wie so ein weicher Krieg aussieht, kann man am medialen Vorgehen des Westens nach den Wahlen im Iran im Jahre 2009 sehen. Die Waffen im weichen Krieg sind das Internet, die Zeitungen und Bücher, Radio und Fernsehen. Mittels dieser weichen Waffen wird uns Muslimen die Position des Feindes als attraktiv und erstrebenswert gezeigt und unsere islamischen Positionen als rückständig und falsch.

Der muslimische Blogger Ali Chaukair schrieb dazu: „Es gehört zum Softwar des Westens, die Muslime stets mit perfideren Methoden vom geraden Weg, insbesondere vom Weg der Islamischen Revolution abzubringen. Die Muslime sollen sich weder mit der Wahrheit oder mit Recht und Unrecht, noch mit ihren wahren Feinden beschäftigen. Ihre Aufmerksamkeit soll einzig und allein auf ihre eigenen Bedürfnisse und auf einen künstlich geschaffenen Feind bzw. auf Symptome gerichtet sein, nicht aber auf die wahren Ursachen ihrer Probleme."

Eines der größten strategischen Felder, das im weichen Krieg erobert werden soll, ist die Deutungshoheit über Begriffe. Wenn in den Medien täglich negativ über die Muslime und den Islam gesprochen und jeder islamische Begriff als terroristisch definiert wird, dann um den Islam unattraktiv und gefährlich darzustellen. Im weichen Krieg wurde aus dem Ruf Allahu akbar (Gott ist der Größte) ein Ruf, vor dem sich Menschen fürchten. Der Begriff Dschihad (Anstrengung), den Muslime als Anstrengung und Widerstand gegen Unrecht verstehen, wurde zum Heiligen Krieg umgemünzt. Das Kopftuch ist für die muslimische Frau ein Ausdruck von Freiheit und Selbstbestimmung, nun verstehen viele unter dem Kopftuch genau das Gegenteil. Der Besatzer- und Apartheidsstaat Israel wurde auf Mord und Vertreibung gegründet und wird uns als einzige Demokratie im Nahen Osten verkauft. Die israelische Armee hat von Deir Yassin bis heute zahlreiche Kriegsverbrechen begangen, wird hier aber als moralischste Armee der Welt betitelt. Dieses Verdrehen der Tatsachen ist Krieg, ein weicher Krieg.

Imam Chamenei bezeichnet muslimische Online-Aktivisten als Soldaten im weichen Krieg. Im weichen Krieg wurde uns Muslimen die Festung unserer Deutungshoheit über unsere Begriffe genommen. Wir müssen diese Festung zurückerobern. Unsere Begriffe sind besetzt. Als Muslime dürfen wir Besatzung auf keinen Fall hinnehmen. Es ist unsere Aufgabe, im weichen Krieg die Besatzung unserer Begriffe und ihrer Definitionen zu beenden.

Religionsfreiheit für Muslime in Deutschland oder Islam e.V.?

 Die rechtliche Situation des Islam in Deutschland ist unbefriedigend. Die christlichen Kirchen wie auch die jüdische Religionsgemeinschaft sind als Körperschaften des Öffentlichen Rechts in Deutschland anerkannt. Sogar die relativ kleine religiöse Gruppierung der Yeziden ist als Religionsgemeinschaft anerkannt.

Aufgrund dieses Status genießen sie eine Reihe von Rechten aber auch Pflichten, die ihnen mehr Partizipation und damit auch die Ausübung ihrer verfassungsrechtlich verbrieften Religionsfreiheit in der deutschen Gesellschaft garantieren. Verfassungsrechtlich verlangt das Grundgesetz, dass auch die kollektive Religionsfreiheit für die Muslime verwirklicht wird.

Die Religionsfreiheit für Muslime in Deutschland existiert rechtlich überhaupt nicht. Muslime haben allenfalls eine Versammlungs-und religiöse Vereinigungsfreiheit, die sie in Vereinen ausüben.

Muslime stören sich an dieser einseitigen Diskriminierung und verfolgen das Ziel der Anerkennung ihrer Religion als „Religionsgemeinschaft oder „Körperschaft des öffentlichen Rechts (KdöR).

Das Ziel, den Islam in Deutschland mit anderen Religionsgemeinschaften rechtlich gleichzustellen, folgt letztlich auch aus dem Grundgesetz. Für den Staat bringt dieser rechtliche Zustand den Vorteil, dass diese Religionen in Deutschland über eine Repräsentationsstruktur verfügen, die eine Kooperation und den Dialog mit ihren Vertretern ermöglicht. Außerdem würde eine rechtliche Verbesserung die gesellschaftliche Teilhabe der Muslime am gesellschaftlichen Leben in Deutschland enorm fördern und wäre damit ein wichtiger Beitrag zu ihrer Inklusion.

Muslimen wird des Öfteren vorgeworfen, sie seien weder willig sich zu „integrieren, noch seien sie „integrierbar in „die deutsche Gesellschaft. Was aber, wenn die „deutsche Gesellschaft, und das von höchster Instanz, einen Keil zwischen die Integrationsbereitschaft und die Muslime schiebt? Bund und Länder können sich einer Anerkennung muslimischer Religionsgemeinschaften nicht verweigern. Wenn die entsprechenden Voraussetzungen erfüllt sind, die an eine Anerkennung als Religionsgemeinschaft oder an eine Körperschaft des öffentlichen Rechts geknüpft sind, muss der Islam auch rechtlich anerkannt werden.

Wenn Muslime in Deutschland fordern, den Islam als Religionsgemeinschaft anzuerkennen, verlangen sie keine extra Wurst. Es ist nur eine Frage der Gerechtigkeit und das Recht der Muslime, sowas zu fordern. Der Staat muss sich nach den Worten des Bundesverfassungsgerichts als „Heimstatt aller Bürger" verstehen, unabhängig von ihrem religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis. Der Staat darf sich daher nicht mit einem bestimmten religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis identifizieren, sondern muss allen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften neutral und tolerant gegenüberstehen. Also auch dem Islam und den Muslimen.

Die

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