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Frauen und ihr Erbe
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eBook224 Seiten2 Stunden

Frauen und ihr Erbe

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Über dieses E-Book

Im Wesentlichen befasst sich das Sachbuch mit der Frage nach dem Gender von Menschen, nach dem historisch Gewachsenen von Frauen- und Männerentwürfen in ihrem Menschenleben. Zahlreiche Facetten der weiblichen Rolle "Mutter" werden dargestellt. Es werden auch bedeutende Beiträge zum Diskurs des Frauen- und Männerbildes, des Menschenbildes aus der Geschichte (Hegel, Kant, Judith Butler, Maria Montessori) herangezogen. Ich befasse mich damit, eine möglichst eigenständige Positionierung herauszuarbeiten und besonders die Frage der Fruchtbarkeit, der Reprodiktion der Gesellschaft und der Rollenverteilung zwischen Frauen und Männern für das Individuum und für die Gesellschaft zu untersuchen.
SpracheDeutsch
Herausgeberneobooks
Erscheinungsdatum11. März 2021
ISBN9783753182216
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    Buchvorschau

    Frauen und ihr Erbe - Marianne Peternell

    1Vorwort

    Frauen und ihr Erbe?

    Der Titel „Frauen und ihr Erbe" lässt auf Tradition schließen. Eine Tradition aber, die, was das Textuelle, die schriftliche, aber auch die materielle, greifbare Überlieferung betrifft, jedoch so gut wie nicht existiert, kann nicht wahrhaft Tradition genannt werden.

    „Man konnte nicht zur Landkarte gehen und sagen Columbus entdeckte Amerika und Columbus war eine Frau; oder einen Apfel nehmen und bemerken, Newton entdeckte das Gesetz der Gravitation und Newton war eine Frau.; oder in den Himmel schauen und sagen, es fliegen Flugzeuge über uns und Flugzeuge wurden von Frauen erfunden." (Virginia Woolf: Ein Zimmer für sich allein, Berlin 1978)

    Doch jeder Mensch hat eine Mutter und die Mutter ist eine Frau, über deren Leben verschiedentliche Vermutungen und Beobachtungen angestellt werden. Doch über die Mutter soll man nicht sprechen. Große Leistungen von Frauen werden heutzutage vor allem in den traditionell männlichen Wirkungsräumen gewürdigt, also vornehmlich im naturwissenschaftlichen und im technischen Bereich. Vereinzelt gibt es durchaus große Wissenschaftlerinnen wie Madame Curie, große Pädagoginnen wie Maria Montessori und viele andere, die heute bereits aufgelistet werden.

    Das Problem aber, vor dem die Frauen stehen, wenn sie ihren Spiegel, ihr Bild in der Überlieferung suchen, ist die Tatsache, dass sie auf die Massivität des Schweigens stoßen. Der Versuch, eine eigene weibliche Kulturgeschichte zu konstruieren, läuft Gefahr, wenn dieser Versuch die Geschichte weiblicher Geschichtslosigkeit vernachlässigt, in die Ausbildung von Frauenmythen zu verfallen, die als unwissenschaftlich gebrandmarkt werden.

    Tradierte unbegriffene Vorurteile betreffend die Anthropologie und die Biologie bzw. den Biologismus, d.h. die Ableitung vorgeblich zwingender menschlicher Verhaltensformen aus biologischen Gegebenheiten können sowohl die Frauenforschung selbst beeinträchtigen wie auch die Kritik an der Frauenforschung in eine Schieflage bringen, sodass offene Fragen gar nicht mehr zu stellen sind. Beispielsweise wäre die Formulierung ‚Frauen wurden in der Geschichte nachweisbar immer unterdrückt’ bereits ein Wegweiser in die Deutung, warum dies auch so sein müsse. Denn auch das Schweigen steht nicht im leeren Raum. Denn viele Philosophen der abendländischen Geschichte wie sogar Kant und Hegel haben formuliert, dass Frauen an einer Kulturgeschichte gar keinen Anteil nehmen könnten.

    Daher muss es auch statthaft sein, gerade angesichts der Aussparung des Weiblichen aus der Überlieferung und angesichts des Ausschlusses der Frauen aus den kulturellen und politischen Positionen, die Geschichte prägten und angesichts sogar der Verdrängung dieser Absenz des Weiblichen in der Geschichte das eigene Sosein als ein Gewordenes, als ein, wenn auch nicht Überliefertes, so doch auf verschiedenen Wegen Tradiertes zu rekonstruieren zu versuchen. Es muss statthaft sein, das eigene Selbstbild als vollwertiges Menschenwesen in die Geschichte zu werfen wie eine Frage, um zu sehen, ob die Geschichte mit ihren Quellen und Überlieferungen diesen Entwurf auch trägt, im Bemühen sich selbst quasi einzuholen und mit einem mehr an Wissen aus dem Exkurs in die Geschichte zurückzukehren. Zweifellos wird es dabei nötig sein, besonders an dem Ausgesparten zu kratzen, an dem Nicht-Überlieferten, die Fragen neu zu formulieren, um Antworten zu suchen, die so noch nicht gegeben sind. Mein Bemühen um weibliche Präsenz in Geschichte und Gegenwart führt mich auf allen Wegen zum vielschichtigen Begriff der Mutter, die in vielen Variationen Geschichte und Gegenwart geprägt hat und das durchaus machtvoll. Auch wenn heutzutage der Begriff Mutter manchen ein Relikt aus der Vorzeit zu sein scheint, nicht mehr als der Name einer Betreuungsperson in Kinderzeiten, der man dafür dankt, die aber leicht ersetzbar ist, ist doch dieser Begriff ein seltsam zentrales Gestirn, umwölkt von vielen, auch zerstörerischen Ideologien wie der aus der Nazizeit. Man meint, in der Nazizeit wären Mütter hoch angesehen gewesen, verehrt bis zum Mutterkreuz. Aber tatsächlich gab es einen warmen Händedruck, ein Abzeichen als Dank, dass man dem Führer viele Soldaten geschenkt hat und Mädchen, die wieder „erbgesunde Soldaten hervorbringen werden. Die Erziehungskultur der Nazis war tatsächlich eine hartherzige und zielte darauf ab, eine „harte Jugend hervorzubringen, die auch bereit sein sollte zu Grausamkeit. Die NS-Erziehungsratgeber von Johanna Haarer („Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind und „Unsere kleinen Kinder) zeigen abschreckende nationalsozialistische Maximen. „Haarers Erziehungskonzept zielt auf die Einordnung in die Volksgemeinschaft, auf militärische Tugenden wie Mut, Opferbereitschaft, Disziplin, Führungsstärke, Gehorsam, Pflichtgefühl, Ordnung, Sauberkeit, Schmerz- und Gefühlsunterdrückung, Verachtung von Schwäche. Die Mutter wird für die gelungene Heranzüchtung solcher Charaktereigenschaften verantwortlich gemacht und bei Misslingen schuldig gesprochen(Gudrun Brockhaus: Muttermacht und Lebensangst – Zur Politischen Psychologie der NS- Erziehungsratgeber Johanna Haarers, S. 63 in „Mütterliche Macht und väterliche Autorität. Tel Aviver Jahrbuch für deutsche Geschichte XXXVI (2008))

    Ich werde es wagen, mich dem Begriff der Mutter (und in dem Zusammenhang auch dem Begriff Vater) auf neue Weise zu nähern. Denn Psychologen und Psychologinnen wissen schon seit Langem über die prägende Bedeutsamkeit der ersten Erfahrungen im Kinderleben mit der Mutter wie auch dem Vater Bescheid, weshalb ihre Rolle nach wie vor besonders bedeutsam und kulturprägend ist, auch wenn im deutschen Diskurs die Nazizeit einen Bruch darstellt, über den man sich noch nicht ausreichend verständigt hat. Heutzutage ist allein die Erwähnung, dass Mütter kulturprägend sind, verdächtig, dass der Sprecher/die Sprecherin der politisch Rechten angehört. Es ist ähnlich wie beim Begriff „Heimat, den Alexander van der Bellen als Linker provokant ins Zentrum seiner politischen Bewerbung ums Bundespräsidentenamt gestellt hat. Zum ersten Mal gibt es nun ein Buch von linken Intellektuellen mit dem Titel „Unser Land (2020) aus dem Falter-Verlag, die den Begriff „Heimat nicht den Vilimskys und den Gabaliers, also der Rechten überlassen wollen. Aber auch schon Peter Turrini und Wilhelm Pevny haben mit ihrer Alpensaga der österreichischen „Heimat ein Denkmal gesetzt.

    Ich möchte den Begriff der Mutter, der Mütterlichkeit, des Vaters, der Väterlichkeit ebenfalls nicht der Rechten schenken. Mütter haben wir alle, es geht nicht darum, das Kind mit dem Bade auszuschütten und Frauen das Muttersein abzugewöhnen, bzw. sie möglichst rasch nach der Geburt wieder in der Arbeitswelt haben zu wollen, weil sie sonst in Gefahr geraten könnten, als reaktionär zu gelten.

    In seltsamer Korrelation zu der aus der Überlieferung ausgesparten Geschichte der Frauen steht die Geschichte des einfachen Volkes, das ebenfalls kaum auf Überlieferung verweisen kann. Es wurde zwar versucht, Alltagskultur beispielsweise des Mittelalters durch Quellenforschung zu rekonstruieren. Der Weg jedoch ist auch hier blockiert und sperrig, da tatsächlich kaum überliefert wurde, wie das Leben des Volkes sich tatsächlich vollzog, welchen Überzeugungen und Glaubensvorstellungen und Riten es de facto folgte und wie es sein Leben verwirklichte. Es gibt aber auch hier bereits Forschungsergebnisse. Die jüngste Geschichte des Faschismus wurde mittels Dokumentationen durch Zeitzeugen in dieser Hinsicht relativ umfassend erarbeitet, wenn auch in der historischen Tiefendimension noch nicht ausreichend erfasst. Besonders die Frauen- und Männerkonstruktionen der Nazizeit sind von so bedeutenden Theoretikern wie Klaus Theweleits „Männerphantasien angeschaut, aber noch nicht ausführlich genug erfragt worden. Denn sonst käme man nicht auf die Idee, die Verführbarkeit des Volkes durch Populisten auf seine „Dummheit und auf seine Neigung zum Reaktionären und Faschistoiden zu reduzieren. Hier ist noch viel Arbeit zu leisten.

    Auch die Geschichte der Männer ist eine sehr vielfältige. Sie als eine der geglückten und ihr volles menschliches Potential ausschöpfendes herrschendes Geschlecht aufzufassen, an dessen Produktionen und Lebensformen die Frauen jetzt nur noch Anschluss suchen müssten, geht ebenfalls an der Realität weit vorbei. Die Suche nach dem wahren Menschenbild, nach dem wahren Männer- und Frauenbild steht auch für Männer an.

    In Wahrheit ist es dringend nötig, den Begriff des Menschen und der Entfaltung all seiner/ihrer wesenhaften Anlagen in historischer Tiefendimension gegen alle Unterdrückung zur Geltung zu bringen, um weiteren gesellschaftlichen Deformationen und Fehlentwicklungen wirksam entgegen treten zu können.

    Ich befasse mich in meiner Arbeit nicht mit Menschen aus dem Transgenderbereich oder mit den vielfältigen kulturellen Varianten von Frauenleben, sondern versuche über Menschen zu sprechen, die die reproduktive Kraft des Empfangens und Austragens von Kindern von Natur aus als Potential in die Wiege gelegt bekommen haben und in der großen Mehrheit als Frauen bezeichnet werden können.

    2Weibliche Konstruktion heute

    In unseren Tagen haben sich die Debatten in neuer Weise entfaltet, der Einzug der Frauen in die kulturellen, wissenschaftlichen und politischen Institutionen bleibt nicht ohne Folge.

    Als Werk von nachhaltiger Wirkung sei hier Judith Butlers „Das Unbehagen der Geschlechter herausgegriffen. Butler verwendet den Begriff der Performativität ähnlich wie John L. Austin, der Sprache auch von der Seite des Sprachhandelns untersucht hat. Er bezeichnete Sprechakte als „performative Sprechakte, die das, was sie benennen, gleichzeitig in Kraft setzen. Worte als „performative Akte beschreiben nicht in erster Linie, sondern vollziehen und stellen Wirklichkeit her: „Ich erkläre euch zu Mann und Frau. ist ein explizit performativer Sprechakt, man kann jedoch auch Sätze wie den Satz „Der Animismus ist tot als performatives Sprachhandeln begreifen. Sprache erzeugt und konstruiert demnach Wirklichkeit, wie z. B. die Aussage „Es ist ein Junge einem bezeichneten Körper eine Kategorie wie etwa Geschlecht zuordnet. Performativität erzeugt durch das wiederholte Zitieren von Normen und durch Berufung auf Autorität, bzw. durch die wechselseitige Verstärkung innerhalb einer Gruppe die Wirkung von Materialität, und kann daher nicht als einzelner, absichtsvoller Akt verstanden werden, sondern vielmehr als eine sich ständig wiederholende und zitierende Praxis. Auf dieses machtvolle Sprachhandeln auch im persönlichen engen Bereich werde ich später noch zurückkommen.

    Laut Butler erzeugen Sprechakte durch diese Praxis des Sprachhandelns eine Wirklichkeit, verschleiern gleichzeitig aber ihre Geschichtlichkeit und ihren Bezug auf Konvention.

    In ihrem Buch „Das Unbehagen der Geschlechter meint Judith Butler, dass Frauen nicht als Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen und Interessen anzusehen sind, da ethnische, kulturelle, klassenspezifische Differenzen zwischen Frauen von übergeordneter Bedeutung wären, was sicher teilweise wichtig ist. Außerdem wäre das binäre System männlich-weiblich ein Konstrukt, das die Auffassungen des Patriarchats verfestige. Dem stünden die feministischen Forderungen nach Gleichheit grundsätzlich entgegen. Sie versteht also die Zuschreibung von männlich und weiblich als performative Akte, die Materialität erst durch die Machtverhältnisse im Patriarchat erhielten, beruft sich auf prinzipielle Gleichheit über das kulturgeschichtlich geformte ‚gender’ hinaus bis in das biologische Geschlecht „sex hinein und macht dem Feminismus den Vorwurf, unter Berufung auf ein besonderes Weibliches die patriarchalen Begriffe zu übernehmen, umzukehren und zu verhärten. Butler formuliert also, dass Körper durch die Macht genormter, stets wiederholter, intensiver Sprechakte performativ erzeugt wurden und werden. Sie fragt sich, wie ein Körper, eine Identität oder ein Subjekt besondere Bedeutung erlangen kann, das Andere dabei jedoch ausschließt. Butler meint, dass Ursache dafür eine gesellschaftliche Vorstellungsmatrix sei, die von binärer Körperdifferenz ausgeht. Die Unterwerfung unter diese verlange, dass andere, nicht einzuordnende Formen von Körpern verworfen werden. Das Verworfene seien nicht lebbare Möglichkeiten des sozialen Lebens, die aufgrund ihrer Ausschließung das Subjekt konstituierten. Zurückgewiesene, nicht lebbare Körper würden zur Bedingung derjenigen, „die sich mit der Materialisierung der Norm als Körper qualifizieren, die ins Gewicht fallen." (Körper von Gewicht, S. 40) Was an machtvollen Interventionsmöglichkeiten bliebe, sei Performativität als die Macht des Diskurses, Wirkungen durch ständiges Wiederholen hervorzurufen. Real betreibt sie dieses Intervenieren als radikale Dekonstruktion des Gegensatzpaares männlich-weiblich an und für sich.

    Kritikerinnen wie Seyla Benhabib dagegen postulieren, das weibliche Selbstgefühl sei viel zu wenig entfaltet, als dass eine solche Position wahrhaft wirksam werden könnte.

    Gegen die Theorie Butlers möchte ich einbringen, dass die menschliche wie schon die tierische Gesellschaft auf zweigeschlechtlicher Fortpflanzung beruht. Es ist anzuerkennen, dass an der Erschaffung von Nachwuchs nicht nur ein Körper, sondern zwei voneinander unterschiedliche Körper beteiligt sind. Meiner Meinung nach muss Gender nicht rigid, sondern fließend gedacht werden. Wären die Gendergrenzen durchlässiger, wären Geschlechtsumwandlungen nicht nötig, da dadurch die Anerkennung der Anatomie als Schicksal erfolgt.

    Im Wesentlichen bewegt sich die Debatte heute weiterhin im Widerstreit von Egalitätstheorem(Gleichheit von Mann und Frau) und dem auf Geschichte zurückgreifenden Differenztheorem (Unterschied zwischen Mann und Frau). Für mich ist klar, dass beides richtig ist. Einerseits gibt es selbstverständlich die Gleichheit zwischen Mann und Frau als Menschen, aber mit unterschiedlicher Geschichte und andererseits gibt es ihre Unterschiedlichkeit als Geschlechtswesen, die für die Reproduktion der Gattung sorgen. Das Problem in der Geschichte des Feminismus mit der Theorie von der Verschiedenheit der Geschlechter beruht darauf, dass vielfach daraus eine Diskriminierung der Frau erfolgt ist. Aber nicht hierarchisierend …kann man sehr wohl die wirklichen Besonderheiten jedes Geschlechtes anerkennen, ohne deswegen zuzulassen, dass diese Unterscheidung automatisch zur Ungleichheit und zur Diskriminierung im Bereich von Status und Rolle führen.(Thibault in: Sullerot/Thibault, a.a.O., S.225)

    Neu ist, dass die Debatte um den Begriff der Geschlechterdifferenz weit auszugreifen beginnt und sich mit der Frage nach dem Naturbegriff, der Frage nach dem Begriff des Anderen, sowie mit der Frage nach dem Begriff des Subjekts verknüpft, wie dies in der männlich dominierten Geschichte der Philosophie schon seit der Antike der Fall ist.

    3Die Aufklärung in Europa als Basis unserer Neuzeit

    Um 1800 gab es in Europa eine Länder übergreifende Bewegung: Die Aufklärung, das Streben, den eigenen Verstand selbständig zu gebrauchen und aus Abhängigkeiten zu erlösen.

    Im Wollen, in der Absicht der Aufklärer äußerte sich die Idee der anzustrebenden Gleichheit aller Menschen und Völker, die Idee der Erlösung von jeglicher Unterdrückung.

    Parallel zu dieser Haltung der europäischen Intellektuellen zur Welt, die in einem Ideal von Toleranz und Freiheit zur weltumspannenden Freude findet, die daran gehen will, die Welt durch Bildung sich und damit dem Wesen der Vernunft und der Logik anzuverwandeln, entfaltet sich eine ungeheuer rege Tätigkeit an Bildungsmaßnahmen für das Volk, es entwickeln sich die Pädagogik und Schulen für Kinder, Erziehungs- und Bildungsratgeber für Frauen entstehen, Lesezirkel und Salons für das gebildete Gespräch.

    Schaut man genauer hin, wird deutlich, was die Aufklärer damals gelebt und gedacht haben, die Hintergrundmatrix für das Bildungsstreben wird sichtbar.

    Bei Hegel findet sich die Vorstellung, dass der Geist aus Natur herausgetreten sei, die ihm als Verstreutes und Vereinzeltes rein äußerlich erscheine.

    Die Welt dieser begrifflichen Logik setzt andere voraus, die dieses Bezugssystem teilen und sich darin geborgen und aufgehoben sehen, solche, die dieses Verhältnis zur Welt aus eigener Erfahrung bestätigen können. Sie erleben nun die Freude, dass sie sich und dieses Verhältnis zur Welt absolut setzen können. Ich imaginiere also das Tun einer Gruppe von Menschen, Denkern, die diese Beschreibung als wahr in sich vorfinden, die Welt als außen, als Vereinzeltes, Verstreutes, Zufälliges erfahren, mit dem sie primär nichts zu tun haben, das sie als von sich abgetrennt erleben und an das sie nun so heran gehen, dass sie ihre eigene in sich vorgefundene Logik, die sie möglichst weit ausgebildet haben, nun in diesem Äußeren vorzufinden und in Form von Begriffen und Beschreibungen zu bannen suchen, um so Schritt für Schritt in der Erkenntnis voranzukommen.

    Imaginieren wir aber einen Bauern, der

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