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Zornröschen und der böse Froschkönig: Märchenparodie

Zornröschen und der böse Froschkönig: Märchenparodie

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Zornröschen und der böse Froschkönig: Märchenparodie

Länge:
287 Seiten
3 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Okt. 2021
ISBN:
9783754173831
Format:
Buch

Beschreibung

Dem Königreich droht Ungemach: Eine frustrierte alte Gewitterhexe treibt ihr Unwesen im Märchenland und sühnt nach bitterer Rache, weil der König sie als einziges Mitglied des dreizehnköpfigen Hexenclubs nicht auf die Geburtstagsfeier seiner erstgeborenen Tochter Rosemarie eingeladen hat. Die beleidigte Leberwursthexe sieht rot und belegt die kleine Märchenprinzessin mit einem schrecklichen Fluch, der sich am Tage ihrer Volljährigkeit erfüllen soll. Dessen nicht genug, bleibt auch des Königs zweitgeborene Tochter Schneewittchen, nicht vom Zorn des rachsüchtigen Dragoners verschont.
Das alles sollte aber erst der Beginn eines verheerenden, nie da gewesenen Rachefeldzugs gegen das Königshaus sein.
Zu allem Übel treiben sich noch ein grimmiger Gruselkobold, ein ziemlich böser Wolf und ein grottenhässlicher Monsterfrosch in der Nähe des Schlosses herum, die ebenfalls nichts Gutes im Schilde führen …
Herausgeber:
Freigegeben:
23. Okt. 2021
ISBN:
9783754173831
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Zornröschen und der böse Froschkönig - Alexander Otto

Episode I

Episode I

1

Vor Urzeiten (also schon verdammt lange her) waren einmal irgendein König und irgendeine Königin, die irgendwo im Nirgendwo, in irgendeinem mächtig prächtigen Märchenschloss wohnten, welches von irgendwelchen Dornenhecken, allerlei Rosengewächsen und anderen botanischen Augenweiden umgeben war. Obwohl die Zeiten rosig waren und es ihnen an nichts mangelte, lastete schwerer Mut auf ihren Gemütern. Denn ihr größter Wunsch war ihnen bisher verwehrt geblieben.

Weil sie sich schon seit einer gefühlten halben Ewigkeit ein Kind herbeisehnten, aber immer keins bekommen hatten, jammerte das frustrierte Königspaar jeden Tag gebetsmühlenartig im Duett: »Ach, wenn wir doch ein Kind hätten … Ach, wenn wir doch ein Kind hätten … Ach, hätten wir doch bloß ein kleines Baby …«

Hätte der schlafmützige König mal besser jeden Tag die Königin vernascht, statt sich tagtäglich den dicken Wanst vollzuschlagen und sich literweise Korn, Bier, Schnaps und Apfelwein in die Birne zu kippen, dann hätte es auch schon längst geknuspert in der Backstube. (Mal ganz davon abgesehen, dass dem König Impotenz II, der ganze Stress und Ärger, den man als omnipotenter Alleinherrscher nun mal so hat, ganz gewaltig auf die Kronjuwelen ging.) Tja, und die junge Königin, welche Frigiede hieß, war der fleischgewordene Inbegriff der sexuellen Unlust. Nomen est Omen: Ihr Name war Programm und von Matratzensport hatte sie noch nie etwas gehört. (Wie soll man auch Lust auf etwas haben, das man nicht kennt und daher gar nicht weiß, auf was man überhaupt Lust haben soll?)

Weil es eben nun mal so war, wie es gewesen ist, streute die undeflorierte Königin drei mal täglich Zucker auf die Fensterbank und wartete jeden Tag sehnsüchtig auf den Klapperstorch. Meister Adebar wollte aber ums Verrecken nicht kommen; genauso wenig wie dieser verfressene Trunkenbold von König, der getreu dem Motto lebte: »Lieber zuviel gegessen, als zu wenig getrunken.« (Um zu kommen muss man als Grundvoraussetzung nicht nur wissen wie der Rammler läuft, sondern erst mal den dicken Schwellkopf frei haben. Wenn ein impotenter Rasselbock mehr Bock hatte, als unser schlaffer König hier, dann ist das mehr als nur ein bisschen traurig. Und mit einer prüden Gemahlin an seiner Seite, die weder von Tuten noch von Blasen einen blassen Dunst hatte und dazu noch unter einer manischen Klapperstorchneurose litt, war natürlich kein Blumentopf zu gewinnen. Somit waren all ihre saft- und kraftlosen Bemühungen bis dato fruchtlos verlaufen.)

Man mag es kaum glauben, aber der Wunsch des Königs und der Königin sollte tatsächlich schon bald in Erfüllung gehen.

Und das kam so: An einem sonnigen Sonntagmorgen im Spätsommer geschah es, dass sich die Königin nackig machte –, aber natürlich nicht, um mit dem König in die Kiste zu springen und das Lattenrost mal ordentlich krachen zu lassen –, sondern um in dem See baden zu gehen, welcher halbmondförmig um das prachtvolle Schloss drum herum lag. Wie an jedem Kirchtag tauchte die Königin ins kühle Nass ein, um dort in den tiefen Gewässern nach Kinderseelen Ausschau zu halten. Die Ärmste glaubte, dass die Seelen von Kindern in dem See herumschwimmen würden; und irgendwann käme der Klapperstorch vorbeigeflogen, um für sie ein Baby aus dem Schlossgartenteich zu angeln.

Als die splitterfasernackige Königin an jenem besagten Sonntagmorgen wieder auftauchte und betrübt feststellen musste, dass sie wieder mal nicht gefunden hatte, wonach sie suchte, planschte sie mit ihrem blanken Hintern ganz deprimiert und lustlos im seichten Wasser am Beckenrand herum, während sich in der Tiefe etwas regte …

Ganz still und leise näherte sich eine Kreatur, die so schauderhaft aussah, dass jeder, der diese verunstaltete Laune der Natur jemals erblickt hatte, einen hysterischen Schreikrampf bekam und panisch die Flucht ergriff. Dieser schmuddelige, schleimige Mutant sah dermaßen versifft, ungepflegt, abstoßend und unappetitlich aus, dass die meisten ihn vermutlich noch nicht mal beim Ausbruch einer Hungersnot in der Bratpfanne hätten brutzeln wollen.

In der Nähe der Königin, kroch das grüne Warzengetier an Land und hüpfte auf einen abgesackten, tief liegenden, von Schilfrohren umgebenen, breiten Randstein. Mit großen Glubschaugen luchste die korpulente Kröte gut getarnt über den Rand und schaute der molligen Madame genüsslich beim Baden zu. Die betrübte Königin schwelgte gedankenverloren in schwermütiger Lethargie und hatte nichts von dem kurzen Beben bemerkt, das der bullige Specklurch beim Aufprall verursacht hatte.

Es verging eine ganze Weile, als der Mutantenfrosch plötzlich mit tiefer, dröhnender Stimme quakte: »Hallöchen Popöchen!«

Die Königin zuckte erschrocken zusammen und sah sich hektisch in allen vier Himmelsrichtungen um.

»Hier unten, ich bin hier unten, Frau Königin!«

Die Königin drehte sich einmal im Kreis herum und als sie plötzlich den monströsen Ochsenfrosch am Ufer erblickte, wurde sie ganz blass. Reflexartig schlug sie ihre Hände vor ihrem entblößten Oberkörper über Kreuz zusammen, presste ihre Oberschenkel mit gebeugten Knien zusammen, drehte ihr gebärfreudiges Becken seitlich von dem Ungetüm weg und kreischte mit hysterischer Stimme: »Sieh mich nicht an! Hau ab, du Mistvieh! Geh weg!«

»Hey, nur keine Panik«, entgegnete der Frosch gelassen. »Du bist nicht die erste Nackige, die ich zu Gesicht bekomme.«

»Das ist mir egal. Dreh dich gefälligst um, du unverschämter Sittenmolch!«

Die Königin hatte ja schon einige Frösche zu Gesicht bekommen, aber eine derart widerwärtige und Ekel erregende Spezies war ihr noch nicht über den Weg gehüpft. Obwohl der Frosch so grässlich hässlich war und so grauenvoll aussah, schämte sich die nackte Königin mehr vor diesem Froggel, als dass sie sich vor ihm fürchtete. Im Gegensatz zum gemeinen, einfältigen Pöbel, war der Königin klar, dass Ochsenfrösche, Kröten und Unken nun mal nicht dem menschlichen Schönheitsideal entsprechen. Und nur weil dieses grottengrässliche, abartige Ding da, aussah wie unter aller Sau und dazu aus allen Poren stank wie eine Jauchegrube, sagte das doch nichts über seinen Charakter aus. Dass dieser grüne Plumpsack dort offensichtlich dazu in der Lage war in vollständigen ganzen Sätzen zu sprechen und sich auszudrücken wusste, sprach ja außerdem dafür, dass dieses Tier über ein gewisses Bildungsniveau verfügte. (Davon mal abgesehen, dass Laberfrösche zu jener Zeit nichts Außergewöhnliches waren. Plappernde Amphibien gehörten genauso zum Alltag, wie Laberfische, Laberbärchen, Laberbäumchen, Laberrhabarber oder Labertaschen.)

Letztendlich war die Königin sogar ein wenig erleichtert gewesen, dass es doch nur ein harmloser Wasserpatscher war, der dort friedlich und ganz entspannt auf seinem Stein hockte und ganz bestimmt nichts Böses im Schilde führte.

Die Königin atmete einmal tief durch und wandte sich gefasst dem Frosch zu. »Sag mal, wo kommst du denn auf einmal her? Ich habe mich fast zu Tode erschrocken! Hockst du etwa schon lange da?«

»Och, noch nicht lange. Bin eben erst gekommen … Tut mir aufrichtig leid, Frau Königin, ich wollte dich nicht erschrecken. Das Wetter ist einfach zu schön, um die Zeit nicht für ein Sonnenbad zu nutzen, nicht wahr?« Der Frosch kletterte schwerfällig und ächzend hinauf auf einen höheren Randstein und rückte näher an die Königin heran.

»Ja, ein wirklich wunderherrlicher Tag heute. Ich hoffe, du nimmst mir meinen hysterischen Anfall von vorhin nicht übel?«

»Weiber halt … Ich bin’s ja nicht anders gewohnt. Von daher, mach dir keinen Kopf.«

»Das tut mir leid.«

»Ich kann’s verstehen. Sieh mich doch nur an! Was will man schon erwarten von so einem schleimigen, breitmäuligen Fliegenfänger, der den lieben langen Tag in dreckigen Morasten und Algentümpeln herumdümpelt und sich wie ein wildes Schwein in irgendeiner Matschepampe herumsuhlt? Es heißt zwar, Algen und Schlammkuren halten jung und straffen die Haut, bla, bla, bla …, aber du siehst ja selbst, was es in meinem Fall gebracht hat. Ich würde vor so einem adipösen Schwabbelspeckmonster wie mir, auch ganz schnell wegrennen …, wenn ich nicht so dick und fett und pomadig wäre; und so schnell aus der Puste.«

»Ach, so dick bist du doch gar nicht. Da hab ich schon schlimmeres gesehen«, sagte die Königin mit einem aufmunternden Lächeln und dachte dabei an ihren dicklichen König.

»Na ja, ich bin gerade auf Diät. Aber ein paar Pfunde müssen schon noch purzeln.«

»Es muss hart sein, so einsam zu sein.«

»Mit der Zeit gewöhnt man sich dran – Und wie läuft’s bei dir so?«

»Och, na ja …«

»Verzeiht mir meine Indiskretion, Frau Königin. Ich weiß doch eh schon längst was Euch bedrückt und was Euch schlaflose Nächte bereitet.«

»Wovon redest du?«

»Ach, es geht mich ja eigentlich nix an. Ich hab das auch nur so ganz nebenbei am Beckenrand mitbekommen …«

»Ach ja, was denn?«

»Ja, also …«

»Ja, was denn nun?«, unterbrach die Königin den Frosch ungeduldig.

»Jetzt lass mich doch mal ausreden, verdammt noch mal!«

»Entschuldige. Dann rede doch endlich! Spucks aus! Was hast du mitbekommen, was?«

»Na, was wohl? Dass du dir ein Baby wünschst.«

»Woher willst denn du das wissen?«, sagte die Königin verdutzt.

»Na ja, an sonnigen Sonntagen wie diesen hüpfe ich manchmal auf einen Stein, um ein Sonnenbad zu nehmen. Mal die Alltagssorgen vergessen, bisschen relaxen und die Seele baumeln lassen. Und wenn man hier so rumsitzt und vor sich hin schwitzt; sein Leben chillt und sich die Froschschenkel grillt, bekommt man zwangsläufig so Einiges mit, was da oben in Euren königlichen Gemächern abgeht …, oder was nicht.«

»Ach, mein kleiner, quakender Freund, du hast ja Ohren wie ein Maulwurf.«

»Der Vergleich hinkt vielleicht etwas, aber danke fürs Kompliment.«

»Wir haben es momentan wirklich nicht leicht. Ach, wenn wir doch bloß …«

»Jo, ein Kind hätten.« Der Frosch verrollte gelangweilt die Augen und dachte bei sich: So langsam kann ich’s nicht mehr hören.

»Ach, das wäre so schön, so wunderschön. Aber der Klapperstorch will einfach nicht kommen, obwohl ich doch regelmäßig Zucker auf die Fensterbank streue. Was mache ich bloß falsch?«

»In der Regel klappert es sowieso selten bis gar nicht, wenn du verstehst was ich meine. Und wer sagt denn überhaupt, dass es an dir liegen muss? Ich meine, es geht mich zwar einen feuchten Fliegenfurz an, aber wenn ich dir mal einen kleinen Tipp geben darf: den Klapperstorch, den gibt’s nur im Märchen.«

»Was sagst du da?!«, rief die Königin empört. »Klar gibt es den Klapperstorch in echt!«

»Aha? Hast du vielleicht schon mal einen gesehen, du Blitzbirnchen? Ich jedenfalls nicht.«

»Gesehen habe ich ihn noch nie, aber ich weiß ganz genau, dass der Klapperstorch irgendwo da draußen herumflattert und bestimmt irgendwann auch mal zu uns geflogen kommt.«

»Irgendwann mal …«, sagte der Frosch mit halb offenen Augenlidern und hochgezogenen Augenbrauen. »Tzzzsss, du bist mir vielleicht ein Schneewittchen. Da kannst du bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag warten, sag ich dir.«

»Er wird bestimmt bald kommen … demnächst … Ich weiß es ganz genau. Der ist schon längst überfällig!«

»Verrate mir doch mal, woher du wissen willst, dass es den Klapperstorch gibt, wenn du diesen schrägen Vogel noch nie gesehen hast, hä?«

»Das hab ich mal gehört.«

»So, so, das hast du mal gehört … Mädchen, Mädchen … Du solltest wirklich nicht jeden unsinnigen Schwachfug glauben, den irgendein dahergelaufener Dummschwätzer von sich gibt. Das sind alles an den Haaren herbeigezogene Ammenmärchen.«

»Wieso sollte sich jemand so etwas ausdenken?«

»Tja, manche Leute haben halt eine blühende Fantasie und den lieben langen Tag nichts Besseres zu tun, als einen Haufen gequirlter Scheiße zu labern und Lügenmärchen am laufenden Meter zu verzapfen. Die Leute plappern einfach alles nach, wie stupide Papageien. Genau deswegen verbreiten sich fabelhafte Märchen wie die Seuche.«

Die Königin sah den Frosch verständnislos an. »So, so. Ist das so?«

»Jede Lüge wird irgendwann zur Wahrheit, wenn man sie oft genug wiederholt. Dieser ganze Mist breitet sich unter dem gemeinen, bildungsresistenten Pöbel und dem geistig verirrten Vagabundengesindel aus, wie die Pest, die Cholera und die Syphilis. Diese einfältigen Einfaltspinsel geben ihr gefährliches Halbwissen an andere gutgläubige Naivlinge weiter, die den unsinnigen Schwachsinn wiederum anderen hirnlosen Papageien erzählen, die ihren Schnabel ebenfalls nicht halten können, verstehst du was ich meine?«

»Ja … Nein!«

»Der Gesellschaft mangelt es an Aufklärung und Bildung, das hab ich schon immer gesagt. Meinetwegen darf auch gerne jeder Dorftrottel seine Meinung haben, dann soll er sie aber wenigstens für sich behalten. Würden sich die Leute mal die Mühe machen richtig zuzuhören, kritisch zu hinterfragen und erst das Hirn einschalten, bevor sie reden und ihren verbalen Müll in der Nachbarschaft abladen … Ach, was reg ich mich überhaupt auf … Die meisten Leute glauben sowieso nur das, was sie glauben wollen; da kann ich mir bis in alle Ewigkeit einen Wolf labern … Versteht mich nicht falsch, Frau Königin. Ich will dir gar keinen Vorwurf machen. Aber jedem, der nicht geistig völlig umnachtet im Dunkeln tappt, sollte doch einleuchten, dass so eine Märchenfantasiegestalt aus der Fabel nicht durch die Wallapampa fliegt und kleine Säuglinge an kinderlose Pärchen verteilt, die keine Ahnung von der Vögelei haben!«

»Es mag gut sein, dass der König und der andere Pöbel da, keine Ahnung von Vögeln haben. Ich aber weiß ganz genau, dass es den Klapperfrosch gibt! Und nichts und niemand kann mich von meiner felsenfesten Überzeugung abbringen.«

»Jetzt überleg doch mal ganz scharf, Prinzessin und streng mal dein Köpfchen an …«

»Königin! Nicht Prinzessin!«

»Na schön, meinetwegen. Also, Fräulein Königin, selbst wenn es einen Klapperstorch gäbe und der klappernde Flattervogel mit seinen wackeligen Stelzen es tatsächlich auf die Kette bekommen würde das doppelte oder gar das dreifache seines eigenen Körpergewichts, entgegen der Schwerkraft, bis in die oberste Etage Eures Schlosses zu schleppen, würde immer noch die Gefahr bestehen, dass dieser ominöse, sagenumwobene Vogel den tropfnassen Frischling im Flug verliert und das Kind schreiend in den Tümpel fällt, aus dem es das klapprige Federvieh zuvor mit Mühe und Not herausgefischt hat. Mal ganz davon abgesehen, dass Störche total wasserscheu sind und überhaupt nicht schwimmen können … Also, bevor du dir dein Köpfchen zermarterst und dich weiter deinen Illusionen hingibst, verrate ich dir jetzt mal ein kleines Geheimnis …«

»Was denn, hm?«

»Der Klapperstorch …«

»Ja?!«

»Also, der Klapperstorch heißt in Wirklichkeit gar nicht Klapperstorch.«

»Ach nein? Wie heißt er denn bitteschön dann? Vielleicht Rumpelstilzchen?«

Der Frosch krümmte sich vor lachen. »Rumpel… Was?!«

»Stilzchen!«

»So einen bescheuerten Namen hab ich ja noch nie gehört. Nein! Der Klapperstorch heißt in Wirklichkeit – und jetzt halt dich fest – Klapperfrosch. Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied, was meinst du?«

»Wirklich?!«

»Jup!«

»Und du sprichst auch ganz bestimmt nicht die Unwahrheit?«

»Ich würde es niemals wagen Euch zu belügen, Euer Hoheit.«

»Na gut, also wenn das wirklich stimmt, was du da quakst, dann würde das ja bedeuten … Oh, mein Gott! Dann bist du der Klapperfrosch?!«

»Bingo!«, sagte der Frosch mit einem breiten, selbstgefälligen Grinsen, drückte ein Auge zu und streckte die Zunge heraus.

»Jetzt brat’ mir doch einer einen Storch!«

»Ich wage zu bezweifeln, dass man von diesem knochigen Federviehzeug satt wird. Für meinen Geschmack ist da viel zu wenig Fleisch dran.«

»Ach, ich freu mich so, lieber Klapperfrosch. Endlich bekomme ich ein süßes, kleines Baby!«

»Jo, vielleicht kann ich dir dabei ein wenig auf die Sprünge helfen.«

»Was heißt denn hier vielleicht? Du hast doch eben gesagt, du bist der Klapperfrosch?!«

»Immer mit der Ruhe, mein Mäuschen. Du musst schon bisschen was dafür tun und selbst Hand anlegen, damit es irgendwann klappert in der Kiste. Der Klapperfrosch kann dir nur die Pforte zum Glück öffnen, hindurchgehen musst du schon selbst.«

»Was für eine Pforte? Und was meinst du mit Hand anlegen? Ich bin verwirrt.«

»Die Frage ist nicht gänzlich unberechtigt. Noch wichtiger wäre allerdings die Frage, wann dein schlaffer König endlich aus dem Quark kommt. Wir wollen ja nicht, dass das Kind in den Brunnen plumpst und jämmerlich absäuft.«

»Du sprichst in Rätseln, kann das sein? Aber ich glaube, ich weiß schon was du mir verklickern willst … Also ähm, der Klapperstorch ist ja in Wirklichkeit kein Vogel, sondern ein Frosch, richtig?«

»Korrekt!«

»Und weil Frösche nicht fliegen können, kann der Klapperfrosch das Baby demzufolge nicht im Flug verlieren …«

»Deine weibliche Logik, Euer königliche Hoheit, fängt allmählich an, mich zu faszinieren. Und weiter?«

»Und deswegen kann das Kind auch nicht in den Blunnen prumpsen … in den Plumpsen brunnen …«

»Schon gut, ich weiß schon was du meinst.«

»Ach, was bist du für ein neunmalkluger, siebengescheiter Schlaubi-Frosch. Was ich aber immer noch nicht verstehe: Was hat der König mit der ganzen Sache zu tun?«

»Na ja, weißt du …, ein Blümchen, das nicht gegossen wird, geht irgendwann ein wie eine Primel in der glühend heißen Mittagssonne.«

»Hä? Was hat das nun wieder zu bedeuten?«

»Gehe ich recht in der Annahme, dass dir der Begriff Blümchensex nichts sagt?«

»Das hab ich ja noch nie gehört! Also Blümchen kenne ich …«

»Pass auf, Liebchen. Wir fangen jetzt mal ganz von vorne an. Als erstes kläre ich dich auf, über die Sache mit den Blumen und den Bienen. Wenn du die elementaren Grundlagen der Fortpflanzung verstanden und das Basiswissen vollständig verinnerlicht hast, dann besteigen wir die nächste Stufe und dringen etwas tiefer in die Materie ein. Was hältst du davon?«

»Was immer du quakst. Hauptsache, ich bekomme endlich mein Baby!«

»Mach es dir bequem und entspann dich. Deine Klamotten kannst du ruhig ausgezogen lassen.«

»Das würde dir so passen.«

»Du bist wie gesagt nicht die erste, die mir im Evakostüm vors Visier gesprungen ist. Aber ganz wie Eure Majestät wünschen …« Der Frosch wandte seinen Blick von der Königin ab, hielt sich eine Flosse vor seine geschlossenen Augen und reichte ihr das Badetuch, während in der Ferne das Glockengeläut einsetzte.

»Oh mein Gott, schon so spät?! Ich muss mich für den Sonntagsgottesdienst fertig machen …« Die klatschnasse Königin stieg aus dem Wasser und wickelte sich hektisch in ihr Badetuch ein.

»Beten und fromme Sprüche werden dir garantiert nicht bei der Lösung deines Problems helfen. Der Zorn Gottes wird schon nicht gleich über dich kommen, wenn du einmal nicht dabei bist. Und jetzt pflanz dich endlich fort … äh, da hin«, sagte der Frosch streng und sprach anschließend mit hypnotischer Stimme weiter. »Konzentriere dich voll und ganz auf den Klang meiner Stimme und höre mir ganz genau zu.«

Bereitwillig setzte sich die Königin neben den Frosch auf den Stein und lauschte gebannt und gespannt den Worten des Klapperfroschs. »An manchen Tagen fliegt die Biene, summ, summ, summ, nur sinnlos in der Gegend rum. An anderen Tagen sucht sich das Bienchen die schärfste Pimpernelle, die es find’, um sie nach allen Regeln der Kunst zu bestäuben; manchmal langsam, manchmal stürmisch und geschwind, wie der Wind …«

Aus Jugendschutzgründen wollen wir an dieser Stelle nicht tiefer ins Detail gehen. Mit etwas blühender Fantasie, kann man sich jedoch lebhaft vorstellen, was es für ein Akt gewesen sein muss, einer unbestäubten Blüte, die von Bienenstichen keinen blassen Schimmer hatte (und für die das Kamasutra bis dato ein exotisches Buch mit sieben Siegeln war) den Geschlechtsakt zu erklären. Zum Glück war der Klapperfrosch ein eiskalter Profi und Meister seines Fachs, der sein Handwerk wie kein anderer verstand. Der Frosch zog sein Ding knallhart und gnadenlos durch, ohne Rücksicht auf Verlust der Jungfräulichkeit der keuschen Königin, der so manches Elend erspart geblieben wäre, wenn ihr trantütiger König in die Gänge gekommen und an die ehelichen Beischlafpflichten seiner Frau appelliert hätte, statt deren Klapperstorchfetisch stillschweigend zu dulden.

Da musste erst so ein klappernder Knallfrosch dahergehüpft kommen, der das Kind beim Namen nennt und die Königin aus ihrem Dornröschenschlaf weckt.

Als der Klapperfrosch kurz vor Sonnenuntergang seine Aufklärungspredigt beendet hatte, war die Königin sichtlich erschüttert und peinlich zutiefst berührt. »Und so einen versauten Schweinekram muss man wirklich machen, nur um ein Kind zu bekommen?«

»Tja …«

»Das ist ja

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