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Menschenfleisch: Der Kannibale von Rotenburg
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eBook138 Seiten1 Stunde

Menschenfleisch: Der Kannibale von Rotenburg

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Über dieses E-Book

Armin M. (* 1. Dezember 1961 in Essen) ist ein wegen Mordes und Störung der Totenruhe zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilter deutscher Computertechniker. Er wurde als "Kannibale von Rotenburg" bekannt, weil er Teile der Leiche seines Opfers gegessen hatte. Nach dem Tod seiner Mutter im Jahr 1999 suchte er über das Internet per Kontaktanzeige Menschen, die bereit waren, sich als Kannibalismusopfer zur Verfügung zu stellen. Im Februar 2001 lernte er dabei den damals 43-jährigen Diplom-Ingenieur Bernd Jürgen B. kennen, der bis zuletzt in leitender Position bei der Siemens AG in Berlin angestellt war und nach Angaben eines Zeugen bereits in der Berliner Stricherszene den Wunsch nach Verstümmelung geäußert hatte. Am 9. März 2001 trafen sich M. und B. am Kasseler Bahnhof und fuhren zu Ms'. Haus in Rotenburg-Wüstefeld. M. gab wiederholt und ohne sich selbst zu widersprechen an, B. habe dort in das Abtrennen des äußeren Teiles seines Penis und den versuchten Verzehr seines Geschlechtsteils sowie in die einige Stunden später folgende Tötung durch M. eingewilligt. In einem Interview stellte M. den Ablauf wie folgt dar: B. wünschte sich ursprünglich ein Abreißen seines Fleisches durch Bisse. Nachdem dieser Plan trotz Bemühungen misslungen war, schluckte B. zehn Schlaftabletten und Hustensaft, um eine Müdigkeit hervorzurufen, damit der Plan mit einem Messer fortgeführt werden könne. Nach der Abtrennung seines Penis mit einem Messer durch M. ließ sich B. mehrere Stunden ausbluten. Spätestens mit einem Stich in den Hals beendete M. das Leben von B. Danach zerlegte M. die Leiche und fror Fleischstücke für den späteren Verzehr ein.
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum21. Dez. 2021
ISBN9783754934265
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    Buchvorschau

    Menschenfleisch - Walter Brendel

    I. Teil

    Ein einzigartiger Fall in der deutschen Kriminalgeschichte: Armin M., 41, aus Rotenburg an der Fulda, angeklagt wegen Mordes zur Befriedigung des Geschlechtstriebes; er schlachtete und verspeiste seinen Freund Bernd B.

    Aus dem Kofferradio säuselt leise Musik, als Armin M. seinen Freund umarmt. Er streicht ihm über die Arme, liebkost seinen Hals und die Wangen. Mach dir keine Sorgen, flüstert er. Die Abendsonne senkt sich über dem alten Gutshof. Es ist ein Freitag im März, kurz vor Ostern im Jahr 2001. Die Männer zünden sich Zigaretten an. An den Wänden des Raumes glauben sie Umrisse von Tieren zu erkennen. Wie Kinder, die in einen Himmel voller Wolken schauen. Da, siehst du den Steinbock?, fragt Bernd B. Oder ist es ein Esel? M. lacht. Kurze Zeit später holt er von nebenan ein Schlachtermesser, um den Freund zu töten.

    Das Zimmer, in dem es passieren wird, ist eine ehemalige Räucherkammer. Der Ruß hat dunkle Spuren an den Wänden hinterlassen. Vier mal drei Meter misst das Verlies, fensterlos, erhellt von Neonlicht. Es riecht nach dem Moder eines jahrhundertealten Hauses. In der Ecke steht ein Bett aus rostigem Eisen, drei blaue Matratzenteile, darüber eine fleckige Steppdecke. In der Mitte des Raumes ein Biergartentisch. Die Fesseln, das Beil und ein Messer sind nebenan. Armin M. Schlachtraum liegt im zweiten Stock. Eine Bluttat ohne Beispiel.

    Stundenlang kuscheln M. und B. in dem Verschlag und liebkosen sich. Sie haben sich endlich gefunden. Es sind die Minuten vor einer Tat, die beide herbeigesehnt haben: Armin M. wird Bernd B. erstechen, ausnehmen, zerlegen und aufessen. Zuvor wird er die Genitalien seines Opfers abschneiden, die sie gemeinsam verspeisen wollen. Es ist ein Verbrechen, das einzigartig ist in der deutschen Kriminalgeschichte.

    Armin M. ist acht Jahre alt, als die Männer aus seinem Leben verschwinden. Zuerst der älteste Bruder, der zum Studieren nach Berlin geht. Dann der Vater, der sich von seiner 19 Jahre älterer Ehefrau trennt. Zuletzt der liebste Bruder, der auch nach Berlin zieht, weil die Mutter sich überfordert fühlt. Nur Armin bleibt in dem kleinen Haus in Essen-Holsterhausen. Er erlebt, wie eine verbitterte Frau ihre dritte gescheiterte Ehe beklagt. Und den Hass auf alle Männer schürt.

    Nach außen ist er ein normaler Junge, gut in der Schule, vor allem in Mathe. Ein Junge, der sich manchmal prügelt und zu Hause gern Modellhäuser bastelt. Der ein bisschen schüchtern und verklemmt daherkommt, in seinem weißen Hemd mit Pünktchen darauf und der kurzen Lederhose. Es ist Anfang der 70er Jahre, die anderen Jungs tragen längst Jeans.

    Mittags verabschiedet sich Armin von den Kumpels: Er müsse zu Hause helfen. Die Mutter sitzt auf dem Sofa, klagt über Kopfschmerzen und gibt Anweisungen: waschen, Fenster putzen, spülen, den Müll runter bringen, da noch in der Ecke wischen. Zu den Freunden sagt sie oft Sätze wie: Minchen war nicht brav. Er hat Hausarrest. Minchen darf nicht mit zum Spielen. Und Minchen schweigt und lächelt, wie er das immer macht.

    Armin hat schon früh aufgegeben, sich gegen die Demütigungen der Mutter zu wehren. Der Übermacht ist er nicht gewachsen. Sie formt ihn zu einem Menschen ohne eigene Identität. Zu einem, der allen gefallen will, der irgendwie keine eigene Meinung hat, der immer nachgibt, sagt ein Bekannter. Der jüngste Sohn ist der letzte Mann, den Waltraud M. an sich ketten kann.

    Auf Familienfotos sieht man die Mutter so gut wie nie lachen. Ihr Blick wirkt düster und entschlossen. In Waltrauds Universum zählt offenbar nur sie selbst. Irrsinnig vor Eifersucht zeigt sie eine Bekannte ihres Mannes wegen Mordes an. Der Vorwurf ist aus der Luft gegriffen. Bei klärenden Gesprächen reagiert sie mit hysterischen Anfällen und täuscht eine Ohnmacht vor.

    In kleinen Heften schreibt sie ihre Familiengeschichte auf und lässt sie drucken. Von Schlachten der Vorfahren erzählt sie, in den napoleonischen Kriegen und im Ersten Weltkrieg, von ihrer Flucht als junge Frau im Zweiten Weltkrieg. Über ihre Söhne und Ehemänner verliert sie kein Wort.

    Sie war halt schrullig, sagt M. zum stern, als der ihn in der Untersuchungshaft besucht. Im Polizeiverhör hat er ausgesagt, die Mutter sei innerlich verhärtet gewesen, nachdem der Vater weg war und die Familie auseinander brach. Da habe sie sich nicht mehr für ihre Kinder interessiert. Es wirkt nicht so, als berühre M. das sonderlich.

    Schon als Kind lebt er in der Nacht seinen Traum von einer richtigen Familie. Wenn er allein im Bett liegt, spricht er zu einem jüngeren Bruder, den es nicht gibt. Frank nennt er ihn. Wie den netten Kerl aus der Schule. Frank wird die Person seines Vertrauens. Ein Partner, der zuhören kann und nicht widerspricht. Er erzählt ihm, wie er sich nach dem Vater sehnt. Welche Jungs aus der Schule er sympathisch findet. Dass er besonders jenen Bruder vermisst, mit dem er sein Zimmer teilte. Mit dem sechs Jahre Älteren habe er erste sexuelle Erfahrungen gesammelt, behauptet M. nach seiner Festnahme. Der Bruder bestreitet das, auch der Staatsanwalt wird M. die Geschichte nicht glauben. Er habe sie erfunden, um mit dem angeblichen Missbrauch seine perversen Neigungen zu rechtfertigen.

    Armin ist etwa zwölf Jahre alt, als er das erste Mal in der Fantasie einen Klassenkameraden zerstückelt und verspeist. Der wird mich nie wieder verlassen, denkt er, endlich habe ich jemanden, der immer bei mir ist. Der Junge habe beim Gedanken an Menschenfleisch Nähe, Geborgenheit und Sicherheit empfunden, vermutet der Psychiater, der für die Staatsanwaltschaft Kassel ein Gutachten erstellte.

    Die Suche nach Liebe verknüpft Armin im Unterbewusstsein mit Szenen, die er aus seinem Alltag kennt: Bei den Nachbarn hat er schon oft Hausschlachtungen mitangesehen. Er hat dabei geholfen, die Tiere auszunehmen: Schweine, Enten, Hühner, Gänse, ein Reh, ein Wildschwein. Schlachten ist etwas Normales für ihn.

    Die wüsten Gedanken, die ihm nachts den Schlaf rauben, werden ihn nie wieder verlassen. Später, wenn er seine sexuellen Begierden im Internet verbreitet, wird M. den Tarnnamen Franky tragen. Er ist 18 Jahre alt, als er mit der Mutter umzieht. Seit den 60er Jahren besitzt die Familie im Hessischen einen alten Gutshof. Ein monströses Fachwerkhaus mit 44 Zimmern, für 40000 Mark erstanden, mit morschen Balken und einem Pferdestall im großen Garten, von weiten Wiesen umgeben.

    Eine landschaftliche Idylle in Wüstefeld am Rande der Kleinstadt Rotenburg, nahe an der Fulda. Armin war als Kind oft mit Freunden da, sie nannten es das Geisterhaus, weil es so düster war und muffig roch. Es gab Ponys, eine Katze und einen Hund. Armin mochte Tiere.

    Die Mutter stattet das Haus nach ihrem Geschmack aus: antike Möbel, Gründerzeit und Biedermeier. Zu viel Inventar, als dass Übersicht herrschen könnte in den verwinkelten Zimmern. Blümchentapeten. Die meisten Räume werden zu Gästezimmern. Die Betten sind immer frisch bezogen, falls Besuch zum Übernachten kommt. Aber es kommt keiner.

    Auf die Türen der Zimmer malt Waltraud M. poetische Namen: Sonnenglanz heißt ihr Schlafzimmer, Frühtau ihr Ankleideraum. Oben unterm Dach, auf fast 25 Quadratmetern, baut sie eine Modelleisenbahn auf. Mit Fachwerkhäusern in allen Größen, alten Schlössern, Bauernhöfen und vielen Tieren. Menschen sieht man keine, auch nicht auf den Gemälden an den Wänden. Das Zimmer, in dem die Eisenbahn steht, heißt Schau ins Land.

    Waltraud M. ist höflich zu den seltenen Gästen, die zum Nachmittagskaffee kommen, und herrisch zu ihrem Sohn, der den Haushalt erledigt. Sie schickt Armin vor, wenn die Nachbarn mal wieder am Feiertag Rasen mähen. Und beim Rapsblütenfest des Dorfes steht sie um 22 Uhr in der Festscheune und brüllt, dass es zu laut sei. Den erwachsenen Sohn schickt sie vor aller Augen nach Hause ins Bett.

    Armin, gewohnt zu dienen, verpflichtet sich 1981 für zwölf Jahre bei der Bundeswehr, macht die Ausbildung zum Unteroffizier und Verwaltungsfachangestellten. Er ist die meiste Zeit in Rotenburg stationiert, jeden Abend fährt er nach Hause. Zuletzt dient er als Oberfeldwebel in der Materialgruppe des Panzergrenadierbataillons 52. Sechs Kameraden, vier Unteroffiziere und zwei zivile Mitarbeiter sind ihm unterstellt.

    Er ist ein korrekter Soldat, immer zehn Minuten zu früh bei der Arbeit, ein Vorgesetzter ohne Härte. Genehmigt jeden Antrag auf früheren Dienstschluss. Hilft seinen Mitarbeitern beim Renovieren. Springt bei der Hochzeit des Sohnes eines Untergebenen als Kellner ein. Und nimmt auf Ausflügen der Truppe seine Mutter mit. Sie übernachten zusammen im Doppelzimmer.

    Für die Zeit nach dem Bund träumt er von einer Karriere als Selbstständiger. Plant mit einem der Brüder, in dem Gutshof eine Computerschule einzurichten. Fängt an zu renovieren, bis das Geld ausgeht. Später will er eine Internetfirma für Arzneimittel gründen. Es bleibt bei den ehrgeizigen Plänen. Den Mut, sie umzusetzen, hat Armin M. nie. Beim Kasseler Rechenzentrum TSG bekommt er einen Job als Techniker im Außendienst. Er repariert für Banken Geldautomaten, Computer und Bildschirme, gilt als zuverlässig und fleißig, schafft mehr als jeder andere. Von den knapp 3000 Mark Nettolohn kauft er sich alte Autos, neben dem Computer sein einziges Hobby. Zwei Trabis, ein Wartburg, ein alter Mercedes Benz 108. Im Garten nimmt er sie auseinander, richtig zusammengebaut werden sie nie. Den Rest des Geldes gibt er zu Hause ab.

    Wenn der Alltag vorüber ist, begibt sich M. in die Welt seiner Kindheitsfantasien. Er liest Bücher, die von Kannibalen handeln: über Robinson Crusoe und Jeffrey Dahmer, den legendären Serienmörder und Menschenfresser aus den USA. Er nimmt Berichte im Fernsehen auf, über den Vietnamkrieg und Fritz Haarmann, den Vampir von Hannover, der in den 20er Jahren mehr als 20 junge Männer brutal ermordete. M. schneidet Fotos von Körperteilen aus Katalogen und klebt sie auf einen gezeichneten Grill. Er zerlegt Barbiepuppen in ihre Einzelteile. Die bewahrt er in einem Tresor auf, damit sie die Mutter

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