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Algorithmus: (Richard-Tackert-Reihe-Bd. 8)
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eBook162 Seiten2 Stunden

Algorithmus: (Richard-Tackert-Reihe-Bd. 8)

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Über dieses E-Book

Manch ein Außenstehender würde vermutlich behaupten wollen, dass sich ein fast sechzigjähriger Kriminalbeamter in seiner Freizeit besser nicht mit so ungewöhnlichen Aktivitäten wie Demos, dem Christopher-Street-Day oder Auseinandersetzungen mit Nachbarn widmen sollte.
Aber nicht so Richard Tackert.
Er würde diesen Leuten entgegnen, dass schon viel zu häufig ein Fall gelöst wurde, weil genau dieses ein Bestandteil der Ermittlung war.
Nämlich sein Leben zu leben und sich nicht zu verbiegen.
Dass hin und wieder der Zufall eine Rolle spielt, wie im aktuellen Fall, würde er aber für sich behalten.
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum17. Juni 2019
ISBN9783748554042
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    Buchvorschau

    Algorithmus - Wolfgang Glagla

    Algorithmus

    Wolfgang Glagla

    Copyright: © 2019 Wolfgang Glagla, Merianweg 13, 30655 Hannover

    www: wolfgang-glagla-autor.jimdofree.com/

    Umschlaggestaltung: Copyright: © 2019 Wolfgang Glagla

    Verlag: epubli - ein service der neopubli GmbH, Berlin

    ISBN: 978-3-748554-04-2

    Dieses ist ein Roman. Handlung und Personen sind frei erfunden. Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder toten Personen wäre rein zufällig und nicht gewollt.

    Wir müssen der Wandel sein, den wir in der Welt zu sehen wünschen.

    Mahatma Gandhi

    Wolfgang Glagla

    Algorithmus

    Kriminalroman

    1

    Das Gebäude Stenhusenstraße 3-7 war vollständig eingerüstet. Weite Teile Putz waren aus der Fassade rausgeschlagen. Einige Fenster fehlten, wurden durch milchige Plastikplanen ersetzt und erweckten den Eindruck, als wollten die Mauern ihr Leid herausschreien.

    Man sah weder einen Bauarbeiter noch Bewohner oder Passanten.

    Über allem waberte eine seltsame Kombination aus Bedrohung und Friedfertigkeit.

    Ein hoher Drahtzaun umrundete das Objekt und diente unter anderem zur Befestigung eines auffälligen Banners, dass Interessierte darüber informierte, dass hier die WOMOVA GmbH Sanierungsarbeiten durchführte.

    Auf überdimensionierten, zahlreich angebrachten Warnschildern war zu lesen, dass sich Unbefugte fernhalten sollten.

    Die Häuserzeile gehörte zu weiteren zwölf Bauten, - verteilt auf drei Stadtteile - die in den 60er Jahren im Auftrag der Landeshauptstadt Hannover im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus ins Leben gerufen wurde.

    Nachdem bereits um die Jahrtausendwende dieser Wohnraum seine Eigenschaft als Sozialwohnung verloren hatte, die Wirtschaftlichkeit immer häufiger in Frage gestellt wurde und der Schuldenberg der Stadtkasse stetig anwuchs, entschloss man sich zum Verkauf.

    Sehr zur Freude von Spekulanten.

    Um 18.31 Uhr ging in der Zentrale der Polizeidirektion ein Notruf ein.

    Eine Frau namens Carolin Freitag meldete, in der Stenhusenstraße 7 den offensichtlich gewaltsam zu Tode gekommenen Mieter Dieter Kunze in dessen Wohnung vorgefunden zu haben.

    Tackert und Sven machten sich umgehend auf den Weg. In einem zweiten Fahrzeug folgten die beiden Kolleginnen Sonja Raabe und Nicola Kleinschmitt.

    Nach knappen zwei Stunden vor Ort traten alle vier den Rückweg ins Präsidium an, wo eine erste Besprechung stattfinden sollte.

    »Warum ist Jan nicht dabei?«, fragte Sonja, als sie gemeinsam in Tackerts Büro saßen. »Oder hat er schon Feierabend gemacht?«

    Gemeint war Jan Ackermann, der als fünfter die Ermittlergruppe um den Hauptkommissar Richard Tackert vervollständigte.

    »Jan ist mit dem Laptop beschäftigt. Und es ist Eile geboten, wenn ich ihn richtig verstanden habe. Da eröffnet sich wohl eine einmalige Gelegenheit«, machte Tackert es spannend.

    »Auf dem Laptop des Toten gibt es eine App, mit der man sein eigenes Smartphone steuern kann. Also, man hat Zugriff auf das eigene Handy. Und Jan will jetzt, solange das Gerät noch eingeschaltet ist, über diese App die Kamera aktivieren. Zum jetzigen Zeitpunkt müssen wir davon ausgehen, dass der Täter das Handy an sich genommen hat und die Chance, ihn über das Gerät möglicherweise zu identifizieren, können wir uns natürlich unmöglich entgehen lassen.«

    »Wie?«, fragte Nicola ungläubig. »Ist Jan problemlos in den Rechner gekommen? War der Laptop echt nicht passwortgeschützt?«

    »Doch«, schaltete sich Sven ein. »Aber seine Lebensgefährtin wollte ja auch an dem Treffen teilnehmen, war also vor Ort. Und als sie mitbekommen hat, dass wir das Gerät mitnehmen, hat sie uns darauf hingewiesen, dass sie das Passwort kennt.«

    »Das ist ja unglaublich«, meinte Nicola.

    »Aber dann wissen wir doch auch, wo sich das Smartphone jetzt befindet?«

    »Ja«, bestätigte Tackert. »Aber das hilft uns nicht weiter. Es bewegt seit über einer Stunde in der Innenstadt. Ist also sinnlos, da was in die Wege zu leiten. - Okay, fassen wir zusammen, was wir bisher haben: Um 18.00 Uhr war am heutigen Tag in der Wohnung des Opfers ein Treffen anberaumt. Thema war zum wiederholten Male der Widerstand gegen die Immobilienfirma, die seit zehn Monaten versucht, die verbliebenen vier Mieter - von ursprünglich dreißig - aus ihren Wohnungen rauszuekeln. Bei den vier Bewohnern handelt es sich neben unserem Opfer noch um Jules und Carolin Freitag aus Nr. 7, Uwe Grieswald aus Nr. 5 und Martina Zenker, ebenfalls aus Nr. 5. - Als Dieter Kunze heute zur vereinbarten Zeit auf mehrfaches Klingeln nicht reagierte, entschließt sich das Ehepaar Freitag, die einen Schlüssel zur Wohnung besitzen, nachzusehen. Zu diesem Zeitpunkt trifft auch Natalia Sasse, die Lebensgefährtin Kunzes ein. Sie ist Anwältin und hat die Gruppe in rechtlichen Belangen beraten. Nicht ganz unwichtig erscheint vielleicht, dass das Opfer der führende Kopf der Gruppe war. Alle Maßnahmen wie Öffentlichkeitsarbeit, Verhandlungen mit Behörden oder den Stadtwerken wegen einer nicht vorhandenen Wasserversorgung und so weiter, liefen über ihn. Er war es auch, der sich mit allen Mitteln dem Psychoterror der WOMOVA GmbH als Erster entgegenstellte, andere Mieter ermutigte, sich nicht alles gefallen zu lassen, und Ideen parat hatte, wenn neue Schikanen auf sie zukamen. Im Moment deutet einiges darauf hin, dass das Opfer durch einen einzelnen Schlag mit dem an Tatort sichergestellten Baseballschläger zu Tode kam. Schröder schätzt vorerst den Todeszeitpunkt auf ca. 17.00 Uhr. Genaueres werden wir hoffentlich morgen wissen. Zum jetzigen Zeitpunkt entwickelt sich der Verdacht, dass zwischen den Vorkommnissen der letzten Monate hinsichtlich angestrebter Zwangsräumungen durch die WOMOVA und dem gewaltsamen Tod Kunzes ein Zusammenhang bestehen könnte. Die restlichen Bewohner berichten übereinstimmend von Bedrohungen oder Einschüchterungsversuchen durch Schlägertypen, mutmaßlich von den Immobilienfritzen beauftragt. Das heißt: Wir sollten noch heute Abend alles an Informationen zur WOMOVA … aber auch über Dieter Kunze zusammentragen. Außerdem brauchen wir eine Liste der Mieter, die in den letzten zwölf Monaten ausgezogen sind.«

    »Und was ist mit der Familie Freitag, mit Grieswald und der anderen? Wie heißt die noch gleich? Die sollten wir auch überprüfen …«

    Nach einem kurzen Blick auf seine Notizen sagte Tackert: »Martina Zenker heißt sie. Natürlich werden die auch überprüft …«

    Auf dem Gang hörte man Schritte und kurz darauf stand Jan im Raum.

    »Kommt mal mit rüber. Das müsst ihr euch angucken. Nach einigen misslungenen Versuchen habe ich was. Äh, was ziemlich Außergewöhnliches. Das müsst ihr selber sehen. Das glaubt mir sonst keiner. Außerdem befürchte ich, dass wir nichts mehr erreichen werden. Das iPhone ist ausgestellt, vielleicht der Akku leer oder was weiß ich … Jedenfalls ist die Verbindung tot.«

    2

    Alle vier starrten irritiert auf die Bilddatei, die Jan aufgerufen hatte. Nach und nach veränderte sich bei jedem der Gesichtsausdruck.

    Sonja und Nicola fingen an zu schmunzeln, Sven musste sich zusammenreißen, um nicht laut loszulachen, und Tackert überlegte, ob sich Jan hier einen dämlichen Scherz erlaubte.

    Das Foto zeigte den Kopf einer Ente, die offensichtlich neugierig den seltsamen Fremdkörper untersuchte und zielgenau in die Kamera blickte.

    »Geiles Selfie«, lachte Sven los. »Gestochen scharf. Erstklassiges Fahndungsfoto.«

    Tackert hörte gar nicht hin, sondern überlegte, wie das zustande gekommen sein könnte.

    »Hast du noch mehr Fotos?«, fragte er Jan. »Also nicht von der Ente, sondern was Brauchbares?«

    »Nee. Alles was ich davor aufgenommen habe ist das Dach eines Autos, - gleich zweifach - eine sieben Sekunden Videodatei mit dem hannoverschen Abendhimmel, im Hintergrund Teile des Rathausdachs … eine Gruppe Baumkronen, zwei Versuche ohne jedes Ergebnis und eben die Ente, die aber nun wirklich gut getroffen ist. – Ich tippe auf den Maschpark. Ich habe zwei Streifenwagenbesatzungen hingeschickt. Vielleicht haben wir Glück.«

    »Gut«, sagte Tackert lapidar. »Schon irgendwas auf dem Handy entdeckt, was wichtig sein könnte?«

    »Noch nicht. Und wie es aussieht, wird das auch eine Weile dauern. Ziemlich viel drauf, auf dem Ding.«

    »Okay. Dann mach für heute Schluss.«

    Als einziger junger Familienvater innerhalb der Gruppe achtete Tackert darauf, dass die Dienststunden bei Jan nicht ausuferten.

    »Nicola kann das hier erstmal bis morgen übernehmen.«

    Alle machten sich wieder an ihre Arbeit und zwei Stunden später ordnete der Hauptkommissar den Feierabend an.

    Für die bevorstehenden Aufgaben am morgigen Tag schienen sie ausreichend gerüstet und konnten hoffentlich erste Ergebnisse einfahren.

    Nur Kunzes Handy hatten sie nicht gefunden.

    Trotzdem schmunzelte Tackert auf dem Nachhauseweg einige Male vor sich hin, als er an das Foto denken musste.

    ***

    Die niedersächsische Niederlassung der WOMOVA GmbH hatte ihren Sitz in der Angerstraße im Stadtteil Bemerode. Ein in großen Flächen verglaster, moderner Bau strahlte auf zwei Etagen Macht und Wohlstand aus. Fast arrogant thronte das Gebäude zwischen schlichten Fassaden in schlichten Farben.

    Tackert und Sven waren nicht angemeldet und mussten sich an der Rezeption mit einer schlechtgelaunten brünetten Frau mittleren Alters rumärgern. Patzig und mit arrogantem Unterton erklärte sie den beiden Beamten, dass weder Herr Dr. Schreiner, noch Frau Friesen zu sprechen seien. Im Hintergrund hockte ein Muskelprotz, dessen uniformähnliche Kleidung auf den Job eines Securitymitarbeiters hinwies.

    »Und ohne eine Erklärung, in welcher Angelegenheit Sie die Geschäftsleitung zu sprechen wünschen, schon gar nicht. Herr Dr. Schreiner und Frau Friesen haben Termine, die eingehalten werden müssen und möchten nur in dringenden Ausnahmesituationen gestört werden. Ausnahmslos. Und da Sie mir nicht verraten wollen, wie sich diese Situation darstellt, sehe ich keine Möglichkeit, so kurzfristig ein Gespräch möglich zu machen. Tut mir leid, meine Herren.«

    Ta