Genießen Sie von Millionen von eBooks, Hörbüchern, Zeitschriften und mehr - mit einer kostenlosen Testversion

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei: Ein Karnevalsroman (nicht nur) für Männer
Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei: Ein Karnevalsroman (nicht nur) für Männer
Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei: Ein Karnevalsroman (nicht nur) für Männer
eBook386 Seiten5 Stunden

Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei: Ein Karnevalsroman (nicht nur) für Männer

Bewertung: 0 von 5 Sternen

()

Über dieses E-Book

Vier Männer aus Bremerhaven - darunter ein gebürtiger Kölner - verbringen fünf Tage in Köln. Ausgerechnet zu Karneval. Die drei "echten" Nordlichter wurden vom Exil-Kölner in der Theorie bestens vorbereitet. Und trotzdem erleben sie etliche skurrile Situationen.
Vergessen werden sie die Sing-Tanz-Kostüm-Schunkel-Flirt-Lach-Schmerz-Liebes-Tage nie mehr.
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum2. Mai 2020
ISBN9783752947199
Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei: Ein Karnevalsroman (nicht nur) für Männer
Vorschau lesen

Ähnlich wie Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei

Ähnliche Bücher

Ähnliche Artikel

Verwandte Kategorien

Rezensionen für Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei

Bewertung: 0 von 5 Sternen
0 Bewertungen

0 Bewertungen0 Rezensionen

Wie hat es Ihnen gefallen?

Zum Bewerten, tippen

    Buchvorschau

    Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei - Michael Zeihen

    Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei

    Titel Seite

    Für ...

    Die Planung

    Üben, Üben, Üben

    Ein Vulkanier kommt selten allein

    Zwischenstopp Bremen

    Außer Rand und Band

    180

    Es fährt ein Zug nach nirgendwo

    Nackte Tatsachen

    D´r Zoch kütt

    Bremerhaven is calling

    Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei

    Nachwort

    Titel Seite

    Michael Zeihen

    Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei

    Buch

    Jochen, Malte, Sven und Ralf machen sich von Bremerhaven aus auf den Weg nach Köln. Nicht einfach so: Karneval steht im Rheinland an, und wenn eine Stadt in Deutschland für Karneval steht, dann ist das Köln. Ralf, der gebürtige Kölner, hat seine Freunde in harten und feuchtfröhlichen Trainingseinheiten auf den Wahnsinn in seiner Heimatstadt vorbereitet. Besser gesagt: Er hat es versucht. Was die Trainingslager gebracht haben, werden die sechs Tage in der Hochburg der Jecken zeigen. Das Quartett reist mittwochs an und tritt Veilchendienstag wieder die Rückreise in den Norden an. Dazwischen liegen fünf merkwürdige Tage und Nächte, von denen sich die Mittvierziger noch in Jahren vorschwärmen werden. Sofern sie sich noch an alles erinnern können ...

    Immerhin schaffen sie es, in kompletter Besetzung wieder in Bremerhaven anzukommen. Zwischendurch sieht es nämlich nicht danach aus...

    Aber wie heißt es in Paragraph 3 des kölschen Grundgesetz:

    Et hät noch immer jot jejange.

    Autor

    Michael Zeihen, 1965 in Leverkusen geboren. Industriekaufmann, Sozialpädagoge, Speeddating-Organisator a.D., Sportjournalist, Vater von zwei pubertierenden Söhnen.

    „Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei ist nach „Wir müssen reden – Sofort! sein zweiter Roman.

    Michael Zeihen

    Am Aschermittwoch ist (nicht) alles vorbei

    Roman

                      Für meine Karnevalsfreunde

    Impressum

    Texte: © Copyright by Michael Zeihen

    Umschlaggestaltung: © Copyright by Marion Stein-Harder

    Verlag: M. Nehiez

        51379 Leverkusen

        michael.zeihen@gmx.net

    Ein Service der neopubli GmbH

    Die Planung

    September 2018. Ein schöner Herbst nach einem wahnsinnig heißen und langen Sommer. Malte, Ralf, Sven und Jochen saßen mal wieder zusammen. Es war Doppelkopf-Time. Einmal im Monat traf sich das Quartett abwechselnd bei einem der vier zuhause. Zuhause hieß in diesem Fall Bremerhaven. Außer Ralf waren alle in Bremerhaven geboren. Malte, Sven und Jochen gingen sogar in die selbe Schule und hatten dort 1994 ihr Abitur gemacht. Die drei kannten sich seit der 5. Klasse, waren von Anfang an unzertrennlich.

    Ralf stieß erst im Jahr 2000 hinzu, als er von Köln nach Bremerhaven umzog und dort direkter Nachbar von Sven wurde. Als sich Sven und Ralf bei einem Grillabend zum Einstand von Ralf in der Nachbarschaft kennenlernten und ins Gespräch kamen, wurde nach dröffzehn Astra-Flaschen deutlich, dass beide nicht nur 1975 geboren waren, sondern neben Fußball auch noch Doppelkopf als gemeinsames Hobby pflegten. Sven lud Ralf danach zu seiner Doppelkopf-Runde ein. Das bereits bestehende Quartett – damals komplettierte Uli die Runde

    – und Ralf waren sich auf Anhieb sympathisch und fortan ergänzte Ralf die Runde. Ein Jahr darauf zog es Uli beruflich in die USA; nun gab es nur noch das auch heute noch bestehende Quartett.

    Normalerweise verprassten die vier das Geld, was sie an einem Spieleabend in die Kasse packten, alle zwei Jahre auf einem gepflegten drei- bis fünf-Tage-Städtetrip. Berlin, Hamburg, München, Prag, Wien, London, Barcelona, Brüssel, Madrid. Natürlich ohne Partnerinnen. Wäre ja noch schöner gewesen, die traute Männlichkeit in der Runde auf den Touren aufgeben zu müssen ...

    Mittlerweile aber waren sowieso nur noch Sven und Ralf verheiratet; Malte und Jochen lösten ihre ehelichen Bindungen gerichtlich. Beide hatten danach jedoch neue Beziehungen, aktuell, im Herbst 2018, war Jochen wieder Single.

    „Was machen wir eigentlich nächstes Jahr? Irgendeine Idee?"

    Sven blickte erwartungsvoll in die Runde. Er war heute Gastgeber und hatte wie immer eine ganze Palette an Süßigkeiten und Salzgedöns aufgefahren. Zum Kartenspielen gab es neben den ganzen Schalen, Flaschen und Gläsern eigentlich kaum noch Platz. Aber es ging.

    Ralf kratzte sich am Kopf, bevor er antwortete. Ralf kratzte sich immer am Kopf, bevor er irgendetwas von Bedeutung äußerte. Also musste jetzt etwas Wichtiges kommen. Diesen Zusammenhang hatten seine Freunde bereits nach kurzer Zeit entschlüsselt.

    „Spuck´s aus, Alter!"

    Jochen schlug Ralf auf die Schulter. Ein leichter, kumpelhafter Schlag von Jochen konnte bei körperlich-sensiblen Menschen durchaus zu heftigen Schäden führen. 2 Meter groß, 110 Kilo schwer und Hände in der Größe einer Familienpizza: Jochen war eine Urgewalt.

    „Mensch Jo, frag mich lieber, bevor du mir die Schulter brichst."

    „Weichei".

    Jochen grinste Ralf an. Der kratzte sich wieder am Schädel.

    „Aaalso, isch komm ja aus Köln," meinte Ralf, der meistens von den anderen Ralle gerufen wurde.

    Alle nickten. Wusste jeder und war mitunter immer noch zu hören. Unterschiede zwischen „ch und „sch nimmt der Kölner oder der Rheinländer an sich nicht so ernst: Kirche und Kirsche sind das Gleiche. Zumindest sprachlich. Da machte Ralf

    keine Ausnahme. Auch nach vielen Jahren im Norden nicht.

    Ralf blickte in die Runde und sagte: „Wie wäre es, wenn wir zu Karneval nach Kölle fahren?"

    Malte ließ sofort die Schultern hängen, seine Antwort war höchst pessimistisch: „Das kriege ich zuhause nie durch. Nina liest immer die Berichte über den Kölner Karneval und sagt jedes Jahr, dass da wohl alles drunter und drüber geht; jeder mit jedem knutscht und auch poppt."

    „Ach Quatsch, so schlimm ist´s da gar nicht. Natürlich gibt’s viele Läden, wo wirklich die Post abgeht und man in der Regel, wenn man nicht will, auch nicht alleine nach Hause oder sonst wo hin geht. Aber die kann man ja meiden. Dafür gibt’s genügend andere Schuppen, wo einfach nur gefeiert wird. Außerdem können wir auch auf Sitzungen gehen, da läuft es gemäßigter ab."

    Ralf verteidigte das Feiern in seiner Heimat.

    Sven und Jochen waren begeistert. Sven, weil er von Ralf im Laufe der Jahre unendlich viele Geschichten gehört hatte; Jochen, weil er unendlich viele kussfreudige Frauen vor seinem geistigen Auge sah.

    „Geile Idee, Alter".

    Jochen schlug Ralf wieder auf die Schulter.

    „Du Hammerwerfer, hör auf dem mit Scheiß. Du hast doch noch nicht mal eine Haftpflicht, wenn du mir die Schulter kaputt machst," meinte Ralle und schlug die Pranke seines Kumpels zur Seite.

    „Ach Jung, die mache ich dir auch wieder ganz".

    Jochen konnte unbewusst drohen.

    „Ist es nicht schon ein bisschen spät für die Planung? Wann fängt das in Köln an?", wollte Sven wissen. Er war, wie immer, planerisch direkt bei den wichtigen Punkten.

    Ralf hatte sich vorbereitet.

    „Wieverfastelovend is am 28. Februar. Un Ruusemondach am 4. März."

    Die anderen drei starrten ihn verständnislos an.

    „Was ist wann?", fragte Malte als erster.

    „Weiberfastnacht ist am 28. Februar und Rosenmontag am 4. März. Versteht ihr mich jetzt? Wir würden am 27. Februar aufbrechen, damit wir an Weiberfastnacht direkt starten können. Und zurück ginge es Dienstag, den 03. März. So wären wir an Aschermittwoch wieder zuhause."

    „Sach das doch direkt, mäkelte Jochen, „sprechen die bei euch alle so komisch? Das ist ja wie im Ausland.

    „Jungs, wenn wir wirklich nach Köln wollen, müssen wir ins Trainingslager gehen. Oder besser gesagt: Ihr müsst", erwiderte Ralf.

    „Hä?", jetzt wusste auch Sven nicht mehr weiter.

    „Also Saufen können wir doch alle schon, auch wenn die Bier-Plörre bei euch sehr gewöhnungsbedürftig ist. Weißt du noch, wie schnell wir das Fass Kölsch damals bei deinem Einstand geleert haben? Und die Gläser erinnern wirklich an die Reagenzgläser aus dem Chemie-Unterricht damals beim alten Schlesinger. Was sollen wir denn sonst trainieren?"

    „Die Sprache, ihr Blödbeutel. Im Karneval wird nicht nur Kölsch getrunken, sondern auch gesungen. Und da versteht ihr Null. Genau das werden wir trainieren. Ich habe schon eine Song-Liste mit allen Texten zusammengestellt. Wenn ihr in den Kneipen nicht mitsingen könnt, macht´s keinen Spaß und ihr kommt auch nicht so gut in Kontakt mit anderen Menschen."

    „Aber das will ich doch auch gar nicht", meinte Malte.

    „Ob du willst oder nicht; das passiert einfach. Aber wenn du immer deinen Ehe-Ring vorzeigst oder am besten noch ein Kostüm trägst, das dich als Ehemann ausweist, solltest du halbwegs ungeschoren davon kommen."

    Malte wirkte geschockt: „Halbwegs ungeschoren? Was heißt das denn?"

    „Mensch Malte; da kannste ohne Ende Frauen kennenlernen. Jungs, das kann eine so geile Woche werden", schien dagegen Jochen direkt aufbrechen zu wollen.

    „Jetzt haltet den Ball mal flach", insistierte Ralf beruhigend und legte vor jeden seiner Kumpels eine Kladde.

    „Doko-Tour 2019 – Kölle Alaaf", stand auf dem Deckblatt.

    „Blättert mal die erste Seite auf, da habt ihr eine Übersicht der Songs. Danach kommen alle Songtexte in der gleichen Folge. In der Klarsichthülle ist ein Stick mit allen Songs in der gleichen Reihenfolge, wie sie auf der Liste stehen. Da könnt ihr zu Hause üben."

    Malte warf einen Blick auf die Liste.

    „Man Ralf, das sind ja 30 Lieder! Wie sollen wir das denn schaffen?"

    Ralf blieb gelassen.

    „Ihr werdet sehen, dass es riesig Spaß macht, diese Songs zu singen. Wenn ihr erst mal drin seid, wird’s ein Selbstläufer. Ihr werdet auch ein bisschen von der Kölner Seele verstehen, wenn ihr in die Lieder abtaucht. Es sind schnelle und langsame, fröhliche und traurige oder melancholische Stücke dabei; so wie das Leben eben ist. Und sie sind aus den letzten Jahrzehnten."

    Alle starrten auf die Song-Liste. Ralf kratzte sich wieder am Kopf. Dieses Mal sprach Sven: „Na los, du bist noch nicht fertig, Was kommt noch?"

    Ralf schaute in die Runde.

    „Jungs, das war nur ein Vorschlag. Aber wir sollten uns heute Abend entscheiden. Denn es ist tatsächlich schon recht spät, wenn ich noch eine gute Unterkunft für uns auftreiben will. Die soll ja zentral sein, so dass wir schnell überall hinkommen. Entscheiden wir uns heute Abend für Köln, dann versuche ich kurzfristig, für uns eine Hütte klarzumachen. Also: Wollen wir diskutieren oder können wir uns zügig einigen?"

    Jochen schlug mit seiner Faust auf den Tisch: „Ich bin dabei."

    Sven gab ihm High Five: „Ich auch! Ich wollte schon immer mal zum Kölner Karneval."

    Jetzt schauten alle Malte an. Ihm war sichtlich unwohl in seiner Haut.

    „Malte, deine Nina kriegen wir schon hin. Gibt es etwa seriösere Mitreisende als uns? Wir passen auf, dass dich kein Einhorn oder eine Prinzessin vernascht."

    Malte schaute gequält: „Jungs, es ist ja nicht so, dass ich keinen Bock hätte. Aber Nina ist dermaßen eifersüchtig; sie würde mich am liebsten noch nicht mal ins Stadion gehen lassen. Wenn ich ihr mit Köln komme, wird sie ausrasten."

    „Hmm, das ist wirklich ein Problem. Wir kennen sie ja. Da müssen wir uns noch was überlegen. Aber prinzipiell bist du dabei, oder?"

    Jetzt grinste auch der Bedenkenträger. Zwar immer noch etwas gequält, aber er grinste. Malte war ein supernetter Typ, aber er stand nun mal ziemlich unterm Pantoffel. Sobald die Jungs aber auf Tour waren, sah man wieder den alten Malte. Den Kopf voller Blödsinn und dann auch wieder unbeschwert. Nina tat ihm einfach nicht mehr gut.

    „Natürlich lasse ich euch nicht allein ins Rheinland, das ist doch klar."

    Da allgemeine Übereinstimmung herrschte, kam von Sven, der als heimlicher Chef der Runde fungierte, der Befehl: „Klatscher. Er zählte runter: „3, 2, 1. Nach der „1", schlug sich jeder des Quartetts mit der flach ausgelegten Innenseite seiner rechten Hand gegen die eigene Stirn. Dieses Ritual gab´s schon seit Schulzeiten; Ralf übernahm es sofort nach seiner Eingliederung.

    „So Jungs, zur Feier des Abends habe ich direkt ein paar Kölsch einfliegen lassen und die Songs auf mein Handy gespielt, so dass wir sie heute Abend als Premiere über meine Boombox laufen lassen können."

    Ralf verteilte die Kölsch-Flaschen, die Jochen mit einer fließenden Bewegung sofort an der Tischkante öffnete. Da der Tisch im Keller von Svens Haus eh schon verranzt war, machten die kleinen, neuen Macken den Kohl auch nicht mehr fett.

    „Prost, Jungs; auf eine geile Tour nach Köln."

    Der Spruch kam überraschenderweise von Malte, traf aber genau den Nerv der anderen. Die Flaschen schepperten über der Tischmitte zusammen und als die ersten Schlücke genommen wurden, ertönte: „Superjeile Zick" von Brings aus Ralfs Boombox. Perfektes Timing. Der Song war die Nr. 1 auf der Liste, die Lieder von den Bläck Fööss, den Höhnern, Cat Ballou, den Räubern, den Paveiern, Brings, Klüngelköpp, Kasalla, Querbeat, Willy Millowitsch, de Boord, Wicky Junggeburth, Miljö, der Micky Brühl Band, Jupp Schmitz und et fussisch Julche enthielt.

    Die Liste

    Superjeile Zick Brings

    Leev MariePaveier

    Drink doch eine metBläck Fööss

    StääneKlüngelköpp

    PirateKasalla

    Et jitt kei WoodCat Ballou

    Nie mehr FastelovendQuerbeat

    Ich bin ne RäuberHöhner

    Zo Fooss noh Kölle jonnMicky Brühl Band

    Rut sin de Ruse De Boore

    Eimol Prinz zo sinnWicky Junggeburth

    Su lang die Leechter noch brenne Miljöh

    En unserem VeedelBläck Fööss

    Schenk mir dein HerzHöhner

    Su lang mer noch am lääve sinBrings

    Hück steit de Welt stillCat Ballou

    Heimat esPaveier

    Kölsch statt KäschMiljö

    Mir sin kölsche MädcherEt fussisch Julche

    Denn wenn et Trömmelche jeht DeRäuber

    Mer bruche keinerBläck Fööss

    Blootwoosch, Kölsch un e

    lecker MädcheHöhner

    Kölsche Jung Brings

    Buenos Dias, MatthiasPaveier

    Kölsche Jung Willy Millowitsch

    Viva ColoniaHöhner

    Colonia TropicalQuerbeat

    Do bes die StadtBläck Fööss

    Hey KölleHöhner

    Am Aschermittwoch ist

    alles vorbeiJupp Schmitz

    „Jungs, das sind jetzt nur meine Vorschläge und die sind natürlich durch meinen persönlichen Geschmack entstanden. Aber ich denke, die Liste ist nicht schlecht. Damit kommen wir, und vor allem: kommt ihr, schon gut über die Runden. Bevor wir gleich mit dem Spielen anfangen, muss noch eine andere Sache besprochen werden, die genau so wichtig ist, wie das Lernen der Songs", erzählte Ralf.

    „Was kommt denn jetzt noch?", fragte Jochen, der schon eifrig den ersten Song mitsummte.

    „Kostüme", meinte Ralf nur.

    „Jeder von uns braucht mindestens drei Kostüme, wenn wir von Donnerstag bis Dienstag unterwegs sind. Also überlegt euch, was ihr anziehen wollt und kümmert euch rechtzeitig darum. Es gibt etliche Online-Shops, auf die wir zurückgreifen können. Richtige Karnevalskostümgeschäfte gibt’s bei uns nun mal nicht. Wir können auch überlegen, ob wir an einem Tag mit einem Gruppenkostüm unterwegs sein wollen. Das ist oft auch sehr witzig. Aber da kann jetzt jeder selbst kreativ werden. Bis Ende des Jahres sollten wir die Kostüme beisammen haben, danach werden die Lieferzeiten länger und länger, je näher es auf Karneval zugeht. Und ein kleiner Tipp am Ende: Achtet darauf, dass nicht zu viel Polyester an den Kostümen ist, denn das stinkt beim Schwitzen fürchterlich. Am besten sind reine Baumwollsachen. Und je weniger Stoff, desto besser in den Kneipen, da es drinnen oftmals Temperaturen wie in der Sauna hat. Habt ihr noch Fragen?"

    „Was wird uns der Spaß kosten?"

    Malte war´s, der diese Frage stellte.

    „Ich denke mal, dass wir pro Person inklusive Bahnfahrt, Unterkunft, Feiern und Verpflegung auf ungefähr 1.200 Euro kommen werden", antwortete Ralf, der auch die Kosten schon mal kalkuliert hatte.

    „Puh, das ist ja nicht gerade wenig, stellte Malte fest. „Was haben wir denn jetzt in der Kasse? Die Frage von Malte richtete sich an Sven, der Kassenführer war.

    „Wir haben aktuell 2.820 Euro in der Kasse. Ganz werden wir auf den Gesamtbetrag nicht mehr kommen, aber der ist ja auch recht großzügig geschätzt, oder, Ralf?"

    Ralf nickte und führte aus: „Ich habe für die Unterkunft 100 Euro pro Tag berechnet. Das wären bei sechs Übernachtungen 150 Euro insgesamt pro Person. Für das Bahnticket 150 Euro pro Person, für Verpflegung und Tickets 150 Euro pro Person und Tag."

    „150 Euro pro Tag?" Malte wieder.

    „Ja, wenn wir beispielsweise auf eine Sitzung wollen, ist das nicht günstig. Aber das können wir in den nächsten Wochen bis zum Jahresende klären. Ich schaue mal, was an guten Veranstaltungen ansteht und was die kosten. Das, was wir vorher besorgen, können wir ja, wenn wir wollen, so bezahlen. Dann bleibt die Kasse unangetastet", schlug Ralf vor.

    „Was kommt denn noch in die Kasse rein?", wollte Jochen wissen. Sven überlegte.

    „Wir haben jetzt inklusive des heutigen Abends noch sechs Spielabende vor uns. Das sind sechsmal 160 Euro, macht also 960 Euro. Dazu noch die Einsätze von ungefähr 200 Euro, so kommen zu den aktuellen 2.820 Euro noch 1.160 Euro hinzu. Dann hätten wir als Summe 3.980 Euro. Es wären also 820 Euro noch offen; für jeden bedeuten das knapp 200 Euro. Ich denke, das geht; oder?"

    Alle nickten. Damit war der Punkt auch geklärt.

    Bevor es ans Zocken ging, schlug Ralf vor, dass man spaßeshalber schon mal „Superjeile Zick und „Zo Fooß noh Kölle jonn mitsingen könne. Die anderen waren einverstanden. Ralf begründete die Wahl der beiden Lieder.

    „Die habe ich für unseren Start heute ausgewählt, weil ich denke, dass wir in Köln wirklich eine supergeile Zeit haben werden und wir dafür auch zu Fuß nach Köln gehen würden. Beides sind sehr bekannte Lieder. „Superjeile Zick" ist ein Party-Tanz-Song; „Zo Fooß noh Kölle jonn" drückt die Sehnsucht nach dieser Stadt aus. Hört und fühlt euch da mal rein."

    Zweimal hörten sie die Songs, um ein Gefühl für die Melodien und die Sprache zu bekommen. Wie Ralf es erwartet hatte, taten sich alle mit dem kölschen Dialekt verdammt schwer. Aber sie versuchten es tapfer, brachen jedoch immer wieder in lautes Lachen aus.

    „Ich werde das nie lernen", rief Sven, nachdem er mehrfach hintereinander mit der Aussprache total daneben lag.

    „Boah, wie spricht man das denn alles aus? Die Texte müssten in Lautschrift sein, das würde es leichter machen," beschwerte sich Jochen. Die anderen drei beschwerten sich postwendend über ihn, da Jochen überhaupt nicht singen konnte. Er traf nur selten den richtigen Ton, da fiel es nicht weiter ins Gewicht, dass auch seine Texte alles waren, nur nicht kölsch.

    „Mensch, Jo, mit dir werden wir noch ne Menge Arbeit haben. Am besten nimmst du Einzelstunden bei mir. Einmal die Woche", zog Ralf seinen Kumpel auf.

    „Von mir aus gerne, solange ich immer etwas zum Ölen meiner Stimmbänder bekomme. Am besten Kölsch, damit sich meine Leber an die Plörre gewöhnt."

    Jochen hielt schon wieder ein leeres Kölschglas in der Hand.

    „Jung, du weißt gar nicht, wie gut so ein Kölsch schmeckt, wenn man Karnevalslieder singt", meinte Ralf nur.

    Malte und Sven hatten offensichtlich weniger Probleme mit dem Treffen der Töne, aber die kölsche Sprache fiel auch ihnen weiterhin nicht leicht. Dafür das Kölschtrinken.

    „Da habe ich mir was eingebrockt", dachte Ralf, musste dabei aber grinsen.

    „Ey, du Honk, lachst du mich etwa aus, wenn ich mir die Zunge beim Aussprechen dieser komischen Wörter verknote?"

    Jochen schaute Ralf drohend an, musste aber selbst lachen, da er genau wusste, dass Singen wirklich nicht zu seinen Stärken gehörte.

    Während die Jungs nach dem Verzehr der wie üblich bestellten Pizzen vom Pizzabäcker des Vertrauens anfingen zu zocken, liefen die kölschen Lieder weiter. Und später dann noch mal von vorne. „Was man unbewusst mithört, prägt sich dennoch irgendwie ein. Andere lernen auf diese Art Fremdsprachen, meine Kumpels dagegen kölsches Liedgut. Ist ja auch ne Art von Fremdsprache", lautete die Hoffnung von Ralf.

    Um 00.00 Uhr war wie immer Schluss. Sven, Schreiber und Geldeintreiber der Truppe, rechnete aus, wer was zu zahlen hatte. Wie so oft musste Ralf am meisten latzen, weil er der Unkonzentrierteste beim Spielen war.

    „Na, Ralle, füllste wieder die Kasse? Aber´s dient ja alles einem guten Zweck", stellte Jochen fröhlich und kölschbeseelt fest. Abschließend ließ er wieder eine seiner Pranken auf Ralfs Schulter krachen.

    „Jung, spätestens auf unserer Tour werde ich mich für deine diversen Prügelattacken bitter rächen. Warte ab", versuchte Ralf, seinen Kumpel zu beeindrucken. Doch der lachte nur und malträtierte dieses Mal Ralfs Rücken mit einem ordentlichen Hieb.

    Malte und Sven grinsten und waren froh, dass sie nicht Jos Opfer wurden.

    „Ich habe da schon eine Idee, was ein Gruppenkostüm angeht", meinte Ralf, als sich alle zum Aufbruch bereit machten.

    „Was denn?", wollte Malte wissen. Auch er hatte schon ein wenig Schlagseite.

    „Wir gehen als Leuchttürme. Das passt zu uns Küstenkuschlern und ist auch originell. Allerdings ist das eher ein Kostüm für die Straße; inner Kneipe dürfte das zu warm und zu voluminös sein", unterbreitete der Ex-Kölner seinen Vorschlag.

    Nach und nach nickten die Nordlichter. Sven hatte noch eine Frage: „Müssen wir die Kostüme selbst machen oder können wir uns fertige Kostüme kaufen?"

    „Es gibt fertige Leuchttürme, die wir aber noch individuell für uns gestalten können. Beispielsweise mit einem Bezug zu Bremerhaven. Wir könnten das Stadtwappen nehmen und es mehrfach auf das Kostüm pappen. Was haltet ihr davon?"

    Ralf schaute fragend in die Runde.

    „Gibt´s die denn auch in meiner Größe? Ich will nämlich nicht so ´n Teil im Hochwasserformat haben", meldete Jo Bedenken an.

    „Keine Sorge, die gibt es in allen Größen. Selbst ein Mutant wie du passt da rein", meinte Ralf. Als Jochen drohend eine Pranke erhob, duckte sich Ralle schnell weg.

    „Ich warne dich, meine nordische Eiche", versuchte er, seinen Freund zu bremsen. Jo ließ grinsend seinen Arm sinken.

    „Ich schicke euch morgen auf Whatsapp ein paar Bilder, dann können wir uns immer noch entscheiden. Sollten wir uns dieses Kostüm zulegen, dann hätten wir immerhin schon eine Verkleidung."

    Abschließend machte Ralf noch Vorschläge, was das Lernen der Songs anging.

    „Ich denke, wir sollten uns mindestens einmal im Monat treffen und eine Stunde Songs einüben. Unabhängig von unserer Zockerei. Das nächste Mal wären wir bei dir dran, Malte. Meint ihr, wir kriegen es hin, dass wir uns eine Stunde vor unserem eigentlichen Starttermin zusammenraufen können und dann diese Stunde nur fürs Singen nutzen?"

    Sven nickte sofort, Malte kurz darauf. Nur Jochen überlegte länger.

    „Ich kann´s noch nicht definitiv sagen, Jungs. Ihr wisst ja, dass ich meinen Feierabend nicht immer so planen kann, wenn Aufträge fertiggestellt werden müssen. Ich versuche aber, es hinbekommen", gab auch Jo sein Okay.

    „Dann wäre ja alles geklärt. Der Gastgeber sorgt für Kölsch, wie auch immer er das anstellt. Ich würde sagen, es sollte jedes Mal ein anderes Kölsch sein, damit wir einen Überblick bekommen und nächstes Jahr in Köln dann unser Lieblingsbier zum Selbstverzehr kaufen können. Ach ja: Der Gastgeber wählt auch immer die Lieder aus, die an dem Abend geprobt werden sollen. Drei sollten dicke reichen, denke ich", erklärte Ralf.

    Wieder waren die anderen einverstanden. Dann war endgültig Aufbruch angesagt.

    Sven brachte seine Freunde noch zur Haustür, wo sich alle umarmten und dann nach Hause gehen wollten oder gefahren werden sollten. Maltes Freundin Nina saß schon einige Minuten vor dem Haus im Auto, um ihn abzuholen. Sven, Ralf und Jochen beobachteten, wie Malte in den Wagen stieg.

    „Ich wette, die beiden fangen an zu diskutieren, bevor der Motor an ist. Malte wird, weil er einen im Tee hat, sofort von der Tour berichten. Und Nina wird ausrasten. Wer hält dagegen?", fragte Sven grinsend in die Runde.

    „Ich halte dagegen. Der Motor wird schon laufen, bevor sich Nina zu Malte wendet und wütend aufs Lenkrad haut. Oder alternativ zum Lenkrad Malte aufs Bein schlägt", lautete Jochens Annahme.

    Ralf hob beide Hände in die Luft.

    „Ich sage nichts dazu, schließlich habe ich ihm die Suppe eingebrockt. Unstrittig ist wohl, dass Nina das größte Hindernis auf unserem Weg nach Köln sein wird."

    Die drei drehten sich wieder dem Wagen zu und warteten gespannt ab, was sich innen drin abspielen würde. Sie sahen, dass Malte zu Nina sprach und wild zu gestikulieren begann.

    „Ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass er so gestenreich unterwegs sein kann. Das hat von hier aus schon Ähnlichkeit mit Gebärdensprache", kicherte Jo.

    Nun war wohl Nina an der Reihe, denn Malte schwieg und schaute hilfesuchend zu seinen Freunden. Er zuckte mit den Schultern. Auch aus der Entfernung war deutlich zu erkennen, dass Ninas Gesichtsausdruck immer saurer wurde. Nun starrte auch Nina zu den draußen Stehenden, schüttelte ihren Kopf und tippte sich mit dem Zeigefinger der rechten Hand an ihre Stirn. Dann startete sie den Motor. Jetzt sprach Malte wieder, erneut untermalt von ausladenden Gesten. Nina fing nun auch an, zu gestikulieren.

    „Es wird spannend, kommentierte Sven, „soll ich uns Stühle und noch´n Bier holen?.

    „Mach. Aber mach schnell", antwortete Jo, während er seine Augen nicht vom Spektakel im Opel Corsa ließ. Sven raste ins Haus zurück und kam 30 Sekunden später mit drei aufeinandergestapelten Gartenstühlen sowie drei obenauf liegenden Flaschen Astra wieder.

    Die drei machten es sich wenige Meter vom Corsa entfernt bequem. Jo öffnete die Pullen in Rekordzeit mit seinem Feuerzeug.

    „Auch wenn jetzt der Motor läuft; die beiden hatten schon begonnen, als die Karre noch still stand. Also Wette gewonnen. Was war eigentlich der Einsatz?", fragte Sven triumphierend in die Runde.

    „Wir hatten keinen Einsatz", meinte Jo nur und verfolgte wie hypnotisiert die umherwirbelnden Arme im Corsa.

    Auf einmal hielt sich Malte die Nase. Blut schoss ihm zwischen den Fingern hervor.

    „Hat sie ihm echt einen auf seinen Zinken gegeben? Ich fasse es nicht, rief Ralf entsetzt. Während Sven und Jochen immer noch gebannt waren, sprang Ralf aus dem Stuhl hoch, riss die Beifahrertür auf und brüllte: „Habt ihr noch alle Tassen im Schrank, euch hier vor allen Leuten zu prügeln?

    Nina war plötzlich kleinlaut: „Ich wollte ihn gar nicht treffen, es war ein Versehen."

    Von Malte kamen nur merkwürdige Geräusche: „Hfffffffff, oooooooooh, hffffff, aaaaaaaah."

    „Och, mein Schatz, es tut mir so leid. Das war keine Absicht. Mein Armer, soll ich dich ins Krankenhaus fahren?", wechselte Nina von der Furie zu Mutter Theresa.

    „Ich glaub, meine Nase ist gebrochen. Mindestens", jammerte Malte, während das Blut weiter seine Finger hinunterlief, die er nach wie vor an sein Riechorgan presste.

    „Sven, hol mal Zewa, wenn ihr so was im Haus habt", rief Ralf zu seinem Kumpel. Der rannte erneut ins Haus, brauchte dieses Mal aber deutlich länger, um dem Auftrag nachzukommen. Wo Stühle und Bier waren, wusste der Hausherr anscheinend besser. Kurz darauf kam er aber zurückgelaufen; in der Hand eine Packung mit Tüchern. Er reichte Malte eines der Tücher, die dieser dann teils gegen und teils in seine Nase presste. Aus dem leisen Jammern wurde aber plötzlich ein lautes Stöhnen und Klagen.

    „Aaah, das brennt fürchterlich."

    Sven sah sich die Packung, die er noch in den Händen hielt, genauer an.

    „Scheiße, das sind ja Desinfektionstücher. Sorry, Malte."

    Er riss Malte das Tuch aus den Händen, beziehungsweise aus der Nase, was sein Freund mit einem Schmerzensschrei kommentierte. „Auuuuuuu! Bist du jetzt vollkommen bescheuert, Sven? Du hast mir die halbe Nase abgerissen".

    Jetzt mischte auch Nina mit, die heilfroh war, dass jemand anderes zur Zielscheibe wurde.

    „Mensch Sven, so blöd kann man doch gar nicht sein."

    Der hörte das doppelte Lamento schon nicht mehr, weil er wieder auf dem Weg ins Haus war, um dieses Mal die richtigen Tücher zu holen.

    „Ihr Deppen, macht doch was. Euer Freund verblutet und ihr steht da nur dämlich rum", motzte Nina nun Richtung Ralf und Jochen.

    „Na ja, verbluten wird er schon nicht. Es ist ja nur die Nase", meinte Jo und ließ sich wieder auf seinen Stuhl fallen.

    „Dann mach du was, Ralf. Schließlich war die Tour nach Köln deine Idee. Also hast du wenigstens eine Teilschuld."

    Ralf war perplex: „Hä? Was habe ich? Wer hat denn seinem Freund eine gelangt? Du oder ich?"

    Nina war der Ansicht, dass sie die Oberhand gewann. Abschätzig musterte sie Ralf.

    „Das wäre hier doch gerade nicht passiert, wenn du nicht auf die Schnapsidee gekommen wärst. Malte würde allein nie so etwas machen. Er weiß ganz genau, was ich von Karneval in Köln halte. Da wird nur geknutscht und fremdgevögelt", meinte Nina.

    Mittlerweile war auch Sven wieder zurück, dieses Mal mit den richtigen Tüchern. Er reichte Nina gleich die ganze Rolle. Sie verarztete ihren Malte mehr schlecht als recht. Er sah nun eher aus wie eine Mumie. Eine unglückliche Mumie.

    „Nina, sag mal. Woher weißt du denn, was Karneval in Köln

    Gefällt Ihnen die Vorschau?
    Seite 1 von 1