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Pferdesoldaten 14 - Rache für Sand Creek

Pferdesoldaten 14 - Rache für Sand Creek

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Pferdesoldaten 14 - Rache für Sand Creek

Länge:
324 Seiten
4 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
13. Sept. 2021
ISBN:
9783753198866
Format:
Buch

Beschreibung

Während sein Vater Matt gegen die Konföderation kämpft, kommt auch sein Sohn, First-Lieutenant Mark Dunhill, nicht zur Ruhe. Im Frühjahr 1864 erheben sich die Stämme der Sioux und Cheyenne, um Rache für das Sand Creek Massaker zu üben. Als Mark nach Fort Sedgwick versetzt wird, muss er feststellen, dass der Stützpunkt überrannt wurde. Während man auf Verstärkung hofft und sich der Übermacht entgegen stemmt, wird Colorado zum Schauplatz blutiger Auseinandersetzungen zwischen Weißen und Roten.
Herausgeber:
Freigegeben:
13. Sept. 2021
ISBN:
9783753198866
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

Pferdesoldaten 14 - Rache für Sand Creek - Michael Schenk

1. Hinweis

Pferdesoldaten 14

Rache für Sand Creek

Military Western

von

Michael H. Schenk

© M. Schenk 2021

Die Handlung dieses Romans lehnt sich an die Geschichte des Rachefeldzuges von Cheyennes, Sioux und Arapahoe an, der eine Folge des unmenschlichen Sand-Creek-Massakers war und ganz Colorado und Teile der benachbarten Staaten betraf. Es handelte sich um eine ganze Kette von Einzelaktionen, bei denen oft kleinere Kriegstrupps aktiv waren. Im Falle der Stadt Julesburg und des dortigen Militärstützpunkten Rankin (später Sedgewick) vereinigten sich hingegen rund eintausend Krieger. Die damaligen Ereignisse sind nur sehr lückenhaft dokumentiert und teilweise auch sehr widersprüchlich. Ich habe daher für diesen Roman den fiktiven Ort Stevensburg und das ebenso fiktive Camp Elliot als Handlungsort verwendet, wobei mir die realen Ereignisse als Anhalt dienten, um eine eigene spannende Geschichte zu erzählen. Interessierte finden jedoch in der historischen Anmerkung Angaben zu den realen Ereignissen.

Die Karten im Roman zeigen das reale Territorium von Colorado im Jahr 1864, wobei ich hier die fiktiven Orte Stevensburg und Elliot eingebunden habe. Die Karten von Stevensburg und seiner Umgebung sind natürlich fiktiv, ebenso wie die des Camps Elliot. Sein Aufbau entspricht aber der zweiten Ausbauphase des realen Camp Rankin, welches später zu einem großen und offenen Fort ohne Befestigung ausgebaut wurde.

Michael H. Schenk

2. Kriegsrat am Cherry Creek

Der Cherry Creek war ein kleiner Nebenfluss des Cheyenne River und lag inmitten des Indianergebietes von Colorado. Hierher verirrte sich nur selten ein Weißer und seit einigen Wochen wagten sich selbst erfahrene Trapper nicht mehr in diese Gegend. Nur jene, die mit den Stämmen gut befreundet waren oder verwandtschaftliche Beziehungen pflegten, wurden noch geduldet und dies aus gutem Grund. Das Massaker der dritten Colorado-Freiwilligenkavallerie unter Colonel Chivington an einem friedlichen Winterlager der Cheyenne und Arapahoe an der Biegung des Sand Creek sorgte nicht nur für Unruhe unter den Stämmen, sondern auch für den Wunsch, Rache an den Weißen zu nehmen.

Seit Wochen waren Boten der verschiedenen indianischen Gruppen unterwegs. Der berühmte und wortgewaltige Medizinmann Thundering Words rief zur Zusammenkunft am Cherry Creek auf.

Es war mitten im Winter und der Neujahrstag des Jahres 1865 stand bevor. Es war die Zeit der Winterlager und wärmenden Feuer und doch folgten viele Krieger der Aufforderung. In kleinen und größeren Gruppen kamen sie zum Cherry Creek. Da waren die Kämpfer der südlichen und nördlichen Cheyenne, geführt von Roman Nose. Unter ihnen die Elite, die sogenannten Dog Soldiers, mit ihren Anführern Tall Bull und Wild Buffalo. Da sammelten sich zwei Gruppen der Lakota-Sioux, die Brule unter Chief Spotted Tail und die Oglala unter Pawnee Killer. Krieger der nördlichen Arapahoe schlossen sich an, bis ihre Zahl die Tausend weit überschritt.

Auf der großen Lichtung standen die Wigwams und Zweighütten dicht an dicht, jede Unterkunft von fünf oder sechs Männern belegt, denn im Kriegslager waren Frauen nicht geduldet. Waffen und Vorräte wurden vorbereitet, Pflanzenteile und besondere Erden zu Farben vermischt, welche später die Männer und ihre Pferde schmücken und schützen sollten, während man auf das Ergebnis jener Beratung wartete, in der die führenden und erfahrensten Anführer über den Pfad des Krieges entscheiden sollten.

Im Augenblick sprach Thundering Words. Als Brule gehörte er zum Volk der Lakota, doch vor vielen Jahren hatte er sich zur Wanderschaft zwischen den indianischen Völkern entschlossen und war unter den Stämmen wohl bekannt und geachtet. Er war gerühmt für seine Heilkunst, seinen tiefen Glauben und die Macht seiner Worte. Seine Erscheinung war beeindruckend. Der Medizinmann war hochgewachsen und schlank, fast hager. Der Blick seiner Augen dominierte sein dunkles kupferbraunes Gesicht. In den beiden Zöpfen und dem übrigen Haupthaar schimmerten silbrige Strähnen. Auf dem Kopf trug er eine Mütze aus Fell, an deren Seiten die gekrümmten Hörner eines Büffels herausragten. Seine Lederkleidung war mit mystischen Symbolen bestickt und wurde fast vollständig von einem wärmenden Mantel aus Büffelfell verdeckt. An seinem Gürtel hingen eine Reihe von kleinen Täschchen und Beuteln. In der Hand hielt er einen Medizinstab mit gebogenem Oberteil.

Thundering Words war ein Mann des Friedens und hatte manchen Konflikt beschwichtigt, darunter auch solche mit dem weißen Mann, doch an diesem Tag sprach er nicht von Verständnis und Versöhnung. Häuptlinge und Unterhäuptlinge saßen im Kreis um ein Feuer, welches kaum die Kraft hatte, die Männer zu wärmen. Während man den Worten des jeweiligen Redners lauschte, kreiste das Kalumet.

„Ihr wisst, dass ich ein Mann des Friedens bin, fuhr der alte Medizinmann in seiner Rede fort. „Ihr wisst, dass ich immer sagte, wir müssen mit den Weißen in Frieden leben, denn ihre Zahl gleicht jener der Blätter, die im Herbst fallen. Ihr wisst, dass ich stets beschwor, von den Weißen zu lernen und Handel zu treiben, denn wer miteinander handelt, der bekämpft einander nicht. Ja, ihr alle wisst, was ich über so viele Jahre beschwor.

„Und viele Jahre waren deine Worte gut und wahr, stimmte einer der Häuptlinge zu. „Doch nun haben die Weißaugen den Frieden erneut gebrochen und sie taten es auf sinnlose und grausame Art.

„Ja, auf sinnlose und grausame Art, wiederholte Thundering Words bekräftigend, „und ihr alle wisst, dass ich dabei war. Ich selbst und viele andere überlebten nur, weil die Soldaten zu betrunken waren, um uns alle zu töten.

Die Stimme von Broken Arrow, dem Kriegshäuptling der Arapahoe, klang bedrückt. „Ist es wahr, dass sie den Müttern die Kinder aus dem Leib schnitten und ihnen die Brüste abtrennten, um Trophäen daraus zu machen?"

„Ja, es ist wahr."

Man hatte es ihnen bereits berichtet und doch war es etwas anderes, es nun nochmals aus dem Mund eines Augenzeugen zu hören. Grimmiges Schweigen herrschte im Kreis, während die Pfeife weitergereicht wurde.

Schließlich sprach Tall Bull, der Kriegshäuptling der Dog Soldiers der Cheyenne. „Eine solche Tat darf nicht ungesühnt bleiben. Sie schreit nach Rache."

Left Hand, Chief der Arapahoe, nickte beifällig. „Wir alle sind hier versammelt, da wir bereit sind, den Speer der Rache und das Kriegsbeil zu erheben."

Chief Lone Bear deutete um sich. „Seht euch um, meine Brüder und Vettern. Es ist Winter und nicht die Zeit des Krieges. Schnee bedeckt das Gras und die Ponys finden nur wenig Futter. Schnee verrät die Spuren der Krieger. Die Kälte macht die Glieder schwach. Es ist die Zeit der wärmenden Feuer und der sanften Arme unserer Weiber. Lasst uns auf das Frühjahr warten."

„Lone Bear spricht wie ein altes und zahnloses Weib", zischte Spotted Tail.

Der Chief der Brule-Sioux machte eine beschwichtigende Geste zu Lone Bear. „Nein, niemand bezweifelt den Mut unseres Bruders. Was Lone Bear sagt, das gilt es zu bedenken. Er hat recht, dass der Winter nicht die Zeit des Kriegers ist. Dennoch haben die Weißen das friedliche Lager von Black Kettle im Winter angegriffen. Weil sie genau wussten, dass es nicht die Zeit des Kriegers, sondern die der wärmenden Feuer und sanften Weiber ist."

„So grausam die Tat der Langmesser auch war, so führte ihr Adlerhäuptling Chivington sie klug, denn er wusste, dass unsere Krieger nicht mit einem Überfall rechneten, sagte Tall Bull bedächtig. „Selbst die meisten Weißen denken, dass man in der Zeit von Eis und Schnee keinen Krieg führt. Wir sollten uns das ebenso zunutze machen, wie Chivington und seine Soldaten dies taten.

Pawnee Killer von den Oglala nahm die Pfeife an sich, nahm zwei Züge und gab sie an Lone Bear weiter. „Die Weißen werden mit unserer Rache rechnen, doch Tall Bull spricht klug. Sie werden erwarten, dass wir im Frühjahr reiten, und jetzt nicht vorbereitet sein."

In der Runde erhob sich zustimmendes Gemurmel.

„Wir haben hier fast fünfzehnhundert Krieger versammelt, stellte der alte Long Bow fest. „Wir werden den Schnee mit dem Blut der Weißen rot färben.

Thundering Words räusperte sich und sah die Augen aller auf sich gerichtet. „Ja, ein guter Plan. Doch unterschätzen wir die Weißen nicht. Bedenkt ihre große Anzahl. Sie werden Soldaten schicken. Viele Soldaten. Langmesser, Marschiere-viel und ihre Wagenkanonen."

„Doch das wird Zeit brauchen, hielt Wild Buffalo, ein Unterhäuptling der Dog Soldiers dagegen. „Außerdem kämpfen die meisten ihrer Soldaten im großen Krieg der Weißen. Die Zeit ist günstig, sie anzugreifen und aus unserem Land zu vertreiben.

Lone Bear wurmte es, dass man ihm die wärmenden Feuer und sanften Weiber vorhielt und wollte seinen Ruf als mutiger Kämpfer herausstellen. „Ja, die Zeit ist günstig und wir können siegen. Wenn wir klug vorgehen. Greifen wir nur an einem Ort an, so werden die Weißen ihre Soldaten zusammenrufen und sich uns dort entgegenstellen. Greifen wir jedoch an vielen Orten zugleich an, so wissen sie nicht, wohin sie sich wenden sollen."

„Unsere Macht wäre geteilt", gab Left Hand zu bedenken.

„Auch die Weißen müssten ihre Macht teilen, um ihre Siedlungen und Wege zu schützen. Tall Bull ließ ein bösartiges Lachen hören. „Wir hingegen können uns auswählen, wo wir angreifen, und unsere Krieger dort konzentrieren. Während die Weißen nicht wissen, wo sie uns mit Übermacht entgegentreten können, wird es uns möglich sein, ihnen an jedem Ort mit überwältigender Zahl zu begegnen.

Erneut war zustimmendes Gemurmel zu vernehmen.

„Wir sollten viele kleine Kriegstrupps bilden und ein paar größere, und im ganzen Land angreifen, meinte Tall Bull. „Das wird die Weißen verwirren.

Eine bislang schweigsame Gestalt erhob ihre Stimme. Es war George Bent, halb Franzose und halb Cheyenne, der zur Händlerfamilie in Bent´s Fort, einem alten Handelsposten, gehörte. Er war ebenfalls ein Überlebender des Massakers am Sand Creek. „Greift Ranches, Kutschen und Trecks an und die Mörder werden sich in ihren Städten verkriechen und auf ihre Soldaten warten. Doch wenn wir ihre Städte selbst angreifen, so werden sie in Panik geraten, ihre Häuser verlassen, um sich in Sicherheit zu bringen und so zu leichter Beute."

George Bent trug eindeutig indianische Züge und zugleich einen schmalen Oberlippenbart, was ihn von den üblicherweise bartlosen Indianern abhob. Er war mit einer Cheyenne verheiratet und hatte als Zeuge vor dem Militärgericht gegen Colonel Chivington ausgesagt. Die Tatsache, dass Chivington und seine Mordsoldaten nicht bestraft worden waren, hatte in ihm die Gewissheit wachsen lassen, dass das indianische Volk keine Gerechtigkeit vor einem weißen Gericht erfahren würde, und so war er fest entschlossen, gemeinsam mit den Kriegern für Rache und Gerechtigkeit zu sorgen.

Tall Bull hatte noch nie Sympathien für die weißen Invasoren empfunden und es fiel ihm schwer, George Bent zu akzeptieren, doch in diesem Fall vereinte sie der Wunsch nach Vergeltung. „Unser Bruder spricht wahr. Wir müssen sie aus ihren Häusern vertreiben und sollten nicht nur die kleinen Ranches überfallen. Nein, wir müssen ihre Städte niederbrennen. Nur dann werden sie begreifen, dass kein Mord ungesühnt bleibt und sie nirgends Sicherheit finden."

Thundering Words räusperte sich und die Blicke wandten sich ihm zu. „Ja, brennen wir ihre Häuser nieder. Töten wir ihre Männer und Soldaten. Doch wir sollten ihre Frauen und Kinder verschonen."

„Höre ich da die Stimme des Mannes des Friedens?", fragte Tall Bull mit leisem Spott in der Stimme.

Spotted Tail schüttelte den Kopf. „Mein Bruder hört die Stimme eines klugen Mannes. Frauen und Kinder sind wertvolle Geiseln. Kein Soldat wird ein Lager angreifen, in dem er gefangene Frauen und Kinder weiß. Mit Geiseln können wir die Soldaten zum Verhandeln zwingen."

„Und wir können mit ihnen handeln, fügte Left Hand hinzu. „Wir können sie gegen moderne Waffen tauschen oder gegen andere Dinge, die wir benötigen.

„Ein Grund mehr, die Siedlungen anzugreifen, ließ sich Bent erneut hören. „Dort gibt es Geschäfte und Lagerhäuser, die wir plündern können. Dort finden wir alles was nötig ist, damit unsere Krieger und die Winterlager mit unseren Weibern und Kindern keine Not leiden müssen.

„Dann lasst uns beraten, wo wir zuschlagen. Tall Bull deutete um sich. „Wir sind viele Krieger und dies ist ein großes Land. Er sah Bent an. „Unser Bruder kennt die Weißen vom Handel und er hat sicherlich einen Ratschlag für uns."

George Bent lächelte kalt. „Den habe ich in der Tat, meine Brüder und Vettern. Große Städte wie Denver sind zu stark für uns, gleichgültig, mit wie vielen Kriegern wir gegen sie vorgehen. Sie sind zu leicht zu verteidigen. Doch entlang des Oregon Trails gibt es kleinere Siedlungen und den Trail selbst. Wir haben so viele Krieger, dass wir an vielen Orten auf hunderte von Meilen angreifen können. Wenn wir die dortigen Siedlungen zerstören und den Trail sperren, so wird das den Feind hart treffen."

„Jetzt, im Winter, macht es keinen Sinn den Oregon Trail zu sperren, knurrte Wild Buffalo. „Die Siedlertrecks brechen erst im Frühjahr auf. In dieser Jahreszeit finden wir dort allenfalls eine armselige Kutsche.

Das Lächeln von Bent vertiefte sich. „Ihr wisst, dass die grauen Soldaten und die blauen Soldaten ihren großen Krieg führen. Ein Krieg ist sehr teuer. In Kalifornien wird noch immer Gold gefunden und die Union lässt es zu jeder Jahreszeit über den Oregon Trail nach Osten transportieren."

Thundering Words stieß ein leises Seufzen aus. „Gold verwirrt die Sinne der Weißen und lässt sie alles andere vergessen. In ihrer Gier kennen sie keine Grenzen."

„Gerade deshalb wird es sie schwer treffen, wenn es uns gelänge, ein oder zwei Goldtransporte abzufangen oder zumindest zu verhindern, dass sie ihr Ziel erreichen", stimmte Bent indirekt zu.

„Dann greifen wir entlang des Oregon Trails an, schlug Spotted Tail vor. „Wir sind viele und so schlage ich vor, dass wir uns aufteilen. Entlang des Trails und des South Platte River. Die Krieger der Brule und Oglala wenden sich dem Ort Julesburg im Osten zu, die der Cheyenne dem Westen und unsere Vettern, die Arapahoe, greifen in der Mitte an.

„In Richtung auf den Osten wird der Feind immer stärker. Ich schlage vor, dort die Hauptmacht unserer Krieger in den Kampf zu führen", sagte Wild Buffalo prompt.

Spotted Tail nahm die Pfeife entgegen. Der Tabak in dem kleinen Kopf war aufgebraucht und er langte an einen Beutel an seinem Gürtel, um sie neu zu stopfen. „Lasst uns beraten. Danach schließen wir alle Vorbereitungen ab und brechen auf, um Rache für Sand Creek zu nehmen."

Am folgenden Tag brachen fünfzehnhundert Krieger auf, teilten sich in verschiedene Gruppen und machten sich daran, Blut mit Blut zu vergelten.

3. Neujahr auf dem Oregon Trail

Die Abteilung bewegte sich gemächlich auf dem Oregon Trail entlang nach Westen. Der Weg führte durch mehrere Staaten und im Augenblick befand man sich jenseits der Grenze von Colorado in jenem Gebiet, welches als Territorium von Dakota bezeichnet wurde. Vor drei Wochen hatte man Julesburg verlassen und seitdem kein anderes menschliches Wesen zu Gesicht bekommen. Es handelte sich um die Kompanie „H" des fünften Regiments der Freiwilligenkavallerie aus Wisconsin. Eine Truppe, die sich nun schon oft im Kampf gegen Indianer und Gesetzlose bewährt hatte und die sich trotz ihrer Verdienste eher als Strafkompanie ansah.

Der Befehl war eindeutig: „Kompanie ‚H‘ des fünften Regiments der Wisconsin Freiwilligenkavallerie hat sich nach Fort Bridger in Utah zu begeben und sich dort beim Kommandanten zum Dienst zu melden." Unterzeichnet war die Order von General Grant.

Diese Weisung verhinderte erneut, dass sich die Truppe endlich wieder mit ihrem Regiment zusammenschloss, welches gegen die Konföderation des Südens kämpfte. Mancher der Freiwilligen verfluchte inzwischen den Umstand, sich nicht, wie eigentlich bei Freiwilligen üblich, für zwei oder drei Jahre, sondern die gesamte Dauer des Krieges verpflichtet zu haben.

Dabei hatte die Kompanie, seit der Aufstellung des Regiments, erhebliche Verluste hinnehmen müssen. Es waren nur noch siebenundzwanzig Männer von jenen übrig, die sich in Wisconsin unter ihrem Wimpel gesammelt hatten. Die anderen waren gefallen oder durch Krankheit oder Verwundung ausgefallen. Die Kavalleristen waren stolz darüber, dass nicht ein Einziger desertiert war und empfanden sich inzwischen als verschworene Gemeinschaft, ja, fast schon als Familie.

Eine Familie, die in den vergangenen Wochen Zulauf erhalten hatte. Durch genesene Verwundete anderer Einheiten und einige wenige Freiwillige war sie wieder auf siebenundvierzig Reiter angewachsen, die dem kleinen schwalbenschwanzförmigen Wimpel folgten, der dem Sternenbanner der Union nachempfunden war, bei Ersterem waren die in Gold aufgemalten Sterne jedoch in zwei konzentrischen Kreisen angeordnet, mit vier Sternen in den Ecken des „Union genannten blauen Feldes. Ebenfalls in Gold schimmerte gelegentlich der Buchstabe „H im Zentrum des blauen Feldes.

Es war mitten im Winter und Colorado wurde von Schnee bedeckt. Der Oregon Trail schien sich endlos durch das Land zu erstrecken. Im Grunde war er kaum mehr als ein Pfad, den zahllose Räder, Hufe und Füße in den Boden gestampft hatten. Im freien Grasland zog er sich fast schnurgerade dahin, im Bereich der Wälder und der vielen Berge gab es Bogen und enge Serpentinen. Immer wieder fanden sich zurückgelassene Wagen, die der Belastung nicht standgehalten hatten. Möbel und Gepäck waren aufgegeben worden, um die Fahrzeuge zu erleichtern. Knochen von Tieren fanden sich am Trail und ebenso die Gräber von Siedlern, die es nicht geschafft hatten. Manchmal stieß man auf eine provisorische Holztafel oder einen sorgfältig aufgeschichteten Steinhaufen, die den weiteren Weg markierten, denn der Verlauf des Oregon Trails wurde immer wieder verändert, wenn ein Treck ein leichteres Wegstück entdeckte.

Auf der derzeitigen Etappe des Trails lag der Schnee nicht sehr hoch, denn er führte zwischen ausgedehnten Waldstücken entlang, die sich größtenteils aus Nadelbäumen zusammensetzten, die vor Wind und Schneeverwehungen schützten. Dennoch achtete Mark Dunhill strikt darauf, die Männer und die Pferde möglichst zu schonen. Verletzungen und Erfrierungen drohten bei Pferd und Reiter und so tat man in der Truppe alles, um diesen Gefahren zu begegnen.

Abgesehen von der kleinen Vorhut aus zwei Soldaten ritten die Männer in einer langen Reihe hintereinander. Das erlaubte es den Pferden, in den ausgetretenen Spuren der vorderen Reiter zu folgen. Der Schnee war an der Oberfläche verharscht und das Einsinken der Hufe konnte zu Verletzungen führen. So schnitten die Kavalleristen einige Decken in Streifen und umwickelten die Fesseln ihrer Reitpferde damit, was diese Gefahr erheblich reduzierte.

Für die Männer zu sorgen, war hingegen deutlich schwieriger. Im Gegensatz zu den weißen Stulpenhandschuhen der Offiziere, die in der Winterausführung warm gefüttert waren, konnten die Unteroffiziere und einfachen Reiter ihre Hände nur schützen, indem sie die langen Ärmelstulpen ihrer Mäntel nach unten schlugen. Die gelb gefütterten Capes der himmelblauen Feldmäntel waren geschlossen, um etwas mehr Wärme an den Körpern zu halten. In der Stadt hatten Mark und die anderen Männer ihre begrenzten Dollars zusammengelegt und Wollhandschuhe und dicke Schals erworben, was gegen die beißende Kälte half. Die Ersatzsocken steckten in den ungefütterten Stiefeln und sollten Erfrierungen der Zehen ebenso verhindern, wie das stündliche Führen der Pferde, was den Reitern zu etwas Bewegung verhalf.

Es war später Nachmittag und würde bald dunkeln. Mark Dunhill schärfte daher der Vorhut ein, nach einem geeigneten Lagerplatz für die Nacht Ausschau zu halten. Immerhin waren sie auf den Marsch im Winter vorbereitet, da ihnen die Quartiermeisterei Zelte und zusätzliche Handpferde zugestanden hatte. Wenn man den Boden der Zwei-Mann-Zelte mit Zweigen von Nadelbäumen auslegte und andere Zweige außen an die Seiten der A-förmigen Behausungen stellte, ließ sich die Kälte der Nacht auch ohne Feuer oder Ofen aushalten.

Mark war mit sechzehn Jahren als Hornist in das Regiment eingetreten und noch im gleichen Jahr, aufgrund besonderer Tapferkeit, zum Second-Lieutenant befördert worden. Inzwischen war er erfahren genug, um zu wissen, dass es nicht der Verdienst seines Mutes war, der den General zu dieser außergewöhnlichen Ernennung veranlasste, sondern dass es damals nicht gut um die Sache der Union stand und die Armee ihre Helden benötigte, um die Moral aufrecht zu erhalten. Inzwischen war er aufgestiegen und nach der Schlacht von Gettysburg, im Jahre des Herrn 1863, sah es endlich so aus, als werde die Union den Sieg davontragen. Nun brach das Jahr 1865 an und die Union drängte die Konföderierten überall zurück. Doch der Feind war zäh und erfinderisch und so konnte niemand mit Sicherheit sagen, wann das Gemetzel ein Ende finden werde.

Da Außenstehende gelegentlich befremdet auf die Jugend des Offiziers reagierten, ließ Mark sich nun einen Vollbart stehen, der jedoch zu wünschen übrig ließ. Seine jungenhaften Gesichtszüge waren einfach zu auffällig. Zwar dienten in beiden Armeen schon Zwölfjährige als Trommler und Musiker, aber ein Offizier war nun einmal etwas ganz anderes. Die Kompanie hatte ihren jungen Anführer allerdings schätzen gelernt, der sich um ihr Wohlbefinden kümmerte und etliches von seinem Sold in bessere Verpflegung und Ausrüstung seiner Männer investierte. Zudem war er klug genug, auf den Rat erfahrener Männer zu hören und hatte auch von seinem Vater viel gelernt.

Matt Dunhill war Berufsoffizier, Major der fünften U.S.-Kavallerie und Träger der Tapferkeitsmedaille. Sie beide sahen sich nur höchst selten und noch rarer war eine Zusammenkunft mit beiden Elternteilen. So beschränkte sich ihr Kontakt in den vergangenen zwei Jahren nahezu ausschließlich auf Briefe. Mark wusste, dass sein Vater das besondere Vertrauen von General Grant besaß, und vermutete inzwischen, dass Matt auf den General einwirkte, um den Sohn von den blutigen Gemetzeln des Bürgerkrieges fern zu halten.

Drei Männer waren in Julesburg zur Truppe gestoßen und bereiteten First-Lieutenant Mark Dunhill einige Bauchschmerzen, da er nicht richtig einschätzen konnte, wie zuverlässig diese Neulinge wohl sein mochten. Sie machten den Eindruck von Satteltramps und waren vielleicht sogar vor dem Gesetz

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