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Der Kampf ums Recht oder Das unsichtbare Böse, 2. Band
Der Kampf ums Recht oder Das unsichtbare Böse, 2. Band
Der Kampf ums Recht oder Das unsichtbare Böse, 2. Band
eBook388 Seiten5 Stunden

Der Kampf ums Recht oder Das unsichtbare Böse, 2. Band

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Über dieses E-Book

Im zweiten Band lesen wir: Deutsch-Deutsche Verhältnisse, (Prozesse in beiden deutschen Staaten), Bundesverfassungsgericht und Parteien(über Parteiverbote), Die RAF und ihre Folgen(RAF und die Stasi), Prozess gegen Honecker und Genossen (u.a. die Mauerschützenprozesse), Mordprozess (Berühmte Mord-Prozesse), Was sind das nur für Menschen? (Täterprofile und Erscheinungen), Giftmord (Berühmte Giftmorde) und Ein Mordfall und die Polizei (Der Fall Gäfgen und die Folterandrohung sowie Polizeiübergriffe) welches dann das Buch beendet.
SpracheDeutsch
Herausgeberepubli
Erscheinungsdatum11. Dez. 2021
ISBN9783754930953
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    Buchvorschau

    Der Kampf ums Recht oder Das unsichtbare Böse, 2. Band - Walter Brendel

    Was im 1. Band stand

    Im 1. Band haben wir folgende Themen behandelt:

    Einleitung

    1. Kapitel: Justiz im Zeichen des Kreuzes

    2. Kapitel: Prozesse um das Allgemeine Preußische Landrecht

    3. Kapitel: Kriegsgericht

    4. Kapitel: Prozesse zwischen den Epochen

    5. Kapitel: Kindermord und der § 218

    6. Kapitel: Hochstapler-Prozesse

    7. Kapitel: Berühmte Gefangene

    8. Kapitel: Justiz im III. Reich

    9. Kapitel: Waldheim-Prozesse und das Oberste Gericht der DDR

    Kommen wir nun zum 2. Band über die Geschichte und des Kampfes um das Recht.

    10. Kapitel: Deutsch-Deutsche Verhältnisse

    Das Verfahren gegen Schalck-Golodkowski

    Das Urteil war gesprochen und Alexander Schalck-Golodkowski Schalck, der kurz vor der Urteilsverkündung die Saalwachtmeister per Handschlag begrüßte, blieb Staatsmann. Mit dem Anflug eines leichten Lächelns kommentierte der schwergewichtige ehemalige Staatssekretär und Chef-Devisenbeschaffer der DDR die Bewährungsstrafe: „Ich akzeptiere das Urteil nicht. Er habe für einen Staat gearbeitet, „der völkerrechtlich anerkannt war und wo die Politiker, angefangen bei dem Bundeskanzler bis zu Ministern und Staatssekretären, unsere Gäste waren. So habe er sich die Wiedervereinigung nicht vorgestellt.

    Die Begründung des Urteils der 5. Großen Strafkammer war zuvor so unspektakulär wie der gesamte Prozess ausgefallen. Ganze 20 Minuten brauchte der Vorsitzende Richter Burckhard LeViseur, um die Strafe für die Einfuhr von Waffen und Nachtsichtgeräten zu begründen. Die einmalige Stellung Schalcks in der DDR und in den deutsch-deutschen Beziehungen wurde nur am Rande erwähnt. Kein Wort darüber, dass Schalck der effizienteste Kaufmann in der maroden DDR-Planwirtschaft war, kein Wort zu dem Milliardenkredit von 1983, den er mit Franz-Josef Strauß ausgehandelt hatte. Die größte Mühe verwandte die Strafkammer darauf, darzustellen, wegen der Einfuhr welcher Waffen nun Schalck im Einzelnen zu bestrafen sei.

    Auch während der 21 Verhandlungstage wurden die Geheimnisse um den DDR-Außenhandelsbereich Kommerzielle Koordinierung, den Schalck jahrzehntelang geleitet hatte, nicht gelüftet. Da war es schon eine kleine Sensation, wenn etwa ein Zeuge, ein ehemaliger Angestellter Schalcks, sagte, sein Chef habe sich persönlich um die Verteilung der importierten Westwaffen gesorgt.

    Die größte Aufmerksamkeit erregte ein Verhandlungstag im Oktober, der gar nicht stattfand. Er wurde eigens abgesetzt, um Schalck eine Reise nach China zu ermöglichen. Dort weilte der sozialistische Wirtschaftsfachmann mehrere Tage an der Spitze einer Delegation von Westmanagern.

    So recht wurde auch nicht klar, wer nun die 69 Waffen und 246 Nachtsichtgeräte bekam. Sicher - die Jagdgewehre waren für die SED-Prominenz bestimmt. Ein Zeuge: „Die sind ja jeden Tag auf die Jagd gerannt. Aber die Nachtsichtgeräte? Die Anklage war in ihrem Plädoyer noch der Ansicht, sie sollten „das Gefängnis DDR vor Ausbrechern schützen. Nach dem Urteil bekannte aber Schalck überraschend, die Geräte hätten dem Ministerium des Innern zur Kriminalitätsbekämpfung gedient. Schließlich habe es ja viele Autodiebstähle gegeben - was freilich bislang unbekannt war.

    Die 2. Kammer des Zweiten Senats des BVerfG hat eine Verfassungsbeschwerde des Dr. Alexander Schalck-Golodkowski nicht zur Entscheidung angenommen. Die Verfassungsbeschwerde betraf seine strafgerichtliche Verurteilung wegen Verstoßes gegen Embargo-Vorschriften:

    Im Januar 1996 verurteilte das Landgericht Berlin (LG) den Beschwerdeführer wegen Verstoßes gegen Art. VIII Militärregierungsgesetz Nr. 53 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr mit Strafaussetzung zur Bewährung. Nach den Feststellungen beschaffte der Beschwerdeführer als Leiter des Bereichs „KoKo" und als Devisenhändler in den Jahren 1986 bis 1989 illegal über einen in der Bundesrepublik ansässigen Waffenhändler 228 Nachtsichtbrillen im Wert von rund 4,8 Millionen DM, die überwiegend für die Luftwaffe der NVA bestimmt waren, sowie Waffen im Wert von rund 50.000,-- DM. Die nach dem MRG Nr. 53 erforderlichen Genehmigungen waren nach den Feststellungen des LG nicht eingeholt worden. Sie wären angesichts des militärischen Charakters der Gegenstände, die unter das COCOM-Embargo der Nato-Staaten gegen Länder des Warschauer Pakt-Systems fielen, auch nicht erteilt worden. Die vom Beschwerdeführer gegen dieses Urteil eingelegte Revision verwarf der Bundesgerichtshof (BGH) im Juli 1997.

    Gegen beide strafgerichtliche Entscheidungen erhob der Beschwerdeführer Verfassungsbeschwerde und rügte insbesondere die Verletzung von Art. 2 Abs. 2 S. 2 GG („Die Freiheit der Person ist unverletzlich). Zur Begründung hat er u.a. vorgetragen, die Vorschriften des MRG Nr. 53 genügten nicht den verfassungsrechtlichen Anforderungen an die Bestimmtheit von Strafnormen. Außerdem stehe der strafrechtlichen Ahndung ein Verfolgungshindernis entgegen. Dies ergebe sich aus der „Spionageentscheidung des BVerfG vom 15. Mai 1995.

    Die Kammer hat die Verfassungsbeschwerde nicht zur Entscheidung angenommen. Sie hat keine hinreichende Aussicht auf Erfolg.

    Das BVerfG hat bereits in der Vergangenheit mehrfach entschieden (zuletzt durch Beschluss des Ersten Senats vom 3. November 1982; BVerfGE 62, 169ff), dass die Voraussetzungen der Stafbarkeit nach Art. VIII MRG Nr. 53 ausreichend bestimmt sind. Die Herstellung der deutschen Einheit lässt die Frage der Tatbestands-bestimmtheit in keinem anderen Licht erscheinen.

    a) Auch die Rüge der fehlenden Strafgewalt der Bundesrepublik Deutschland greift nicht durch.

    Das souveräne Recht der DDR, Handelsbeschränkungen der Bundesrepublik Deutschland zu unterlaufen, engt das souveräne Recht der Bundesrepublik, sich dagegen mit strafrechtlichen Sanktionen zur Wehr zu setzen, nicht ein.

    Sowohl die für die NVA der DDR bestimmten Nachtsichtgeräte wie auch die Pistolen und Revolver waren Waffen und Kriegsgerät im Sinne des Außenwirtschaftsgesetzes. Darauf, wie diese Güter tatsächlich eingesetzt wurden, kommt es nicht an. Der Export von solchen Waren, die jedenfalls auch militärisch nutzbar sind, gefährdet sicherheitspolitische Interessen Deutschlands und ist damit geeignet, das friedliche Zusammenleben der Völker zu bedrohen. Das Rechtsgut der Friedensstaatlichkeit (Art. 26 GG) hat Verfassungsrang.

    b) Der Bestrafung des Beschwerdeführers steht auch kein Verfolgungshindernis entgegen.

    Der BGH hat zu Recht darauf hingewiesen, dass das vom BVerfG im Zusammenhang mit der Spionagetätigkeit statuierte strafrechtliche Verfolgungshindernis (Urteil vom 15. Mai 1995, BVerfGE 92, 277) auf Embargo-Verstöße der vorliegenden Art nicht anwendbar ist. Der Export von militärischen oder militärisch nutzbaren Gütern ist nicht - wie Spionage - rechtlich ambivalent, sondern rechtfertigt im Hinblick auf den bezweckten Schutz des friedlichen Zusammenlebens der Völker unter Verhinderung von Störungen internationaler Beziehungen ein allgemeines sozial-ethisches Unwerturteil.

    Wie sagte Erich Honecker bei seinem letzten ARD-Interview in Moskau: „Der Alex hat seine Sache gut gemacht!"

    Dabei wollte die DDR-Justiz bereits gegen Schalck tätig werden. „Der Spiegel hatte in einen aufsehenerregenden Bericht über Schalck und den Bereich „Kommerzielle Koordinierung im November 1989 berichtet, worauf die Volkskammerabgeordneten am 1. Dezember 1989 Auskunft darüber verlangten, ob Schalck in der Schweiz über geheime Konten in Millionenhöhe verfügte. Hier hätte der Generalstaatsanwalt der DDR reagieren müssen. Es wäre die letzte Chance gewesen, den Devisenschieber zu verhaften. Denn in der Nacht vom 1. zum 2. Dezember schlief Schalck ein letztes Mal in seiner mit Kostbarkeiten überladenen Villa in der Berliner Manetstraße 16. Am 3. Dezember wurde das Ermittlungsverfahren eingeleitet. Von einer geplanten Dienstreise zu Kanzleramtsminister Seiters kehrte Schalck nicht mehr zurück. An DDR-Ministerpräsidenten Modrow schrieb er: „Aufgrund meiner Beweggründe bitte ich Dich um Dein Verständnis, dass ich kurzfristig meinen Urlaub antreten möchte. Diese Entscheidung fällt mir unbeschreiblich schwer. Ich fahre nicht in die BRD, Westberlin oder NATO-Staaten... Gib mir persönlich die Chance über fast 40 Jahre im Dienst unseres Staates nachzudenken. Ich verspreche Dir und meinem Staat, dass ich gegenüber niemanden über meine Kenntnisse sprechen werde......"

    Der Fall des Werner Weinhold

    1975 beherrschte sein Fall die Nachrichten in Ost und West: Der NVA-Deserteur Werner Weinhold hatte bei seiner Flucht in den Westen im Dezember 1975 zwei DDR-Grenzer erschossen, angeblich aus Notwehr.

    Nördlich von Coburg, an der Grenze zwischen Bayern und Thüringen, verlief in den Jahren der deutschen Teilung die Frontlinie zwischen Warschauer Pakt und Nato. Hier mussten zwei junge DDR-Grenzsoldaten ihr Leben lassen, weil sie dem Republikflüchtling Weinhold offenbar den Weg in die Freiheit versperren wollten.

    Der 21-jährige Gefreite Klaus-Peter Seidel wurde mit vier, sein um ein Jahr jüngerer Kamerad Jürgen Lange mit sieben Schüssen aus einer Maschinenpistole niedergestreckt. Beide verbluteten noch am Tatort. Der Todesschütze war selbst Soldat, Wehrpflichtiger im 14. Panzerregiment der Nationalen Volksarmee in Spremberg. Der am 8. August 1949 in Dresden geborene Werner Weinhold wurde bei der NVA als Kraftfahrer eingesetzt. Was seine Vorgesetzten lange Zeit nicht wussten: Weinhold war bei seinem Eintritt in die Armee bereits sechsmal vorbestraft - wegen Autodiebstahls in 54 Fällen. Als seine Ehefrau sich Ende 1974 von ihm trennt, scheint für Weinhold der Zeitpunkt gekommen, sich abzusetzen. Die Ausreise in die BRD, betont der notorische Kfz-Klauer bei einem späteren Fernsehauftritt in der ARD, sei schon immer sein „Wunsch und sein Bestreben" gewesen. Am 15. Dezember soll aus dem Wunsch Wirklichkeit werden: Weinhold bricht eine Munitionskiste auf, entwendet einen voll getankten Trabi und desertiert mit einer Maschinenpistole und 360 Schuss Munition. In der Nähe von Wüstenbrand wird er auf der Autobahn von einer Krad-Staffel der Polizei gestellt. Er zieht seine Waffe, bedroht die Polizisten und fährt davon. Am späten Nachmittag erreicht der Fahnenflüchtige das unmittelbare Grenzgebiet in der Nähe von Hildburghausen. Er stellt das Fluchtauto auf dem Hof einer LPG ab und setzt seinen Weg zu Fuß fort. Erst am darauf folgenden Tag findet die Polizei den Wagen, obwohl bereits eine Großfahndung ausgerufen wurde.

    Es gelingt Weinhold, in einer Scheune im Sperrgebiet unterzukommen - er ist jetzt gerade mal zweieinhalb Kilometer von seinem Ziel entfernt. Doch längst sind drei Regimenter, Ausbildungseinheiten sowie Pioniere in Alarmbereitschaft versetzt - insgesamt 8000 Mann versuchen, alle Fluchtrouten lückenlos abzuriegeln. Im Grenzdorf Eishausen haben ein Bataillonsstab und die 10. Kompanie des Grenzregimentes 9 ihr Quartier. Die Soldaten sind verantwortlich für einen zehn Kilometer langen Grenzstreifen. Auf Posten 401 schieben Klaus-Peter Seidel und Jürgen Lange in der mondhellen und mit knapp minus 20 Grad Celsius klirrend kalten Dezembernacht Wacht.

    Gegen 2.25 Uhr hören deren Kameraden einige schnell aufeinander folgende Schüsse, von denen nicht klar ist, aus welcher Richtung sie kommen. Die DDR-Grenzer machen sich auf die Suche. Hauptmann Uwe Auerswald findet schließlich die beiden jungen Soldaten von Schüssen durchsiebt auf dem Boden. Über Lautsprecher wird der noch im Sperrgebiet vermutete Todesschütze aufgefordert, sich zu ergeben, andernfalls werde man ohne Vorwarnung auf ihn schießen. NVA-Einheiten durchkämmen den Wald, untersuchen die Sperranlagen - erfolglos.

    Erst bei Tagesanbruch entdeckt man im Grenzgebiet nahe des Tatorts Spuren auf kleineren Schneeflächen, die von Kriminaltechnikern anhand des Schuhprofils als die von Weinhold identifiziert werden. Die Erkenntnis kommt jedoch zu spät: Werner Weinhold ist erfolgreich getürmt und erreicht wenig später die Wohnung seiner Verwandten im westfälischen Marl. Hier wird er verhaftet, nachdem die DDR-Behörden den Vorfall öffentlich gemacht haben.

    In der ersten Vernehmung gibt der neue Bundesbürger zu, geschossen zu haben, jedoch nachdem die Soldaten das Feuer auf ihn eröffnet hätten. Jenseits des Eisernen Vorhangs werden am 19. Dezember die Leichen obduziert - man rekonstruiert anhand der Körperhaltung beim Auftreffen der tödlichen Kugeln den Tathergang. Weil Seidels Schuh einen Durchschuss aufweist, gehen die Kriminologen davon aus, dass er während der tödlichen Begegnung gesessen hat. Jürgen Lange lag - vermutlich schlafend - auf dem Bauch, als ihn die Kugeln trafen.

    Die Generalstaatsanwaltschaft der DDR gibt einen Steckbrief heraus, in dem 100.000 Mark Ost für die Ergreifung des „Doppelmörders" ausgeschrieben sind.

    Am Abend des 21. Dezember wird Weinhold bei Verwandten im westfälischen Marl festgenommen. In der ersten Vernehmung schon gibt er die tödlichen Schüsse auf das Postenpaar zu, behauptet aber seinerseits beschossen worden zu sein, also in Notwehr gehandelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft eröffnet ein Ermittlungsverfahren wegen Totschlages in zwei Fällen. Die DDR besteht auf Weinholds Auslieferung. Das kommt für die bundesdeutsche Seite aber nicht in Frage, da unter anderem in der DDR noch die Todesstrafe gilt.

    Entgegen der Forderung, ihn an die DDR auszuliefern, wird Weinhold 1976 am Schwurgericht Essen des zweifachen Totschlags angeklagt. Der Prozess gegen Weinhold, ein knappes Jahr nach der Tat, dauert gerade mal 1 1/2 Tage. Weil keine Zeugen aus der DDR geladen sind und die Tötung nicht erwiesen werden kann, ist das Gericht in Beweisnot - der Todesschütze wird freigesprochen. Im Gerichtssaal werden Weinhold Blumen überreicht.

    Jenseits der Mauer bricht ein Sturm der Entrüstung los: Das „Neue Deutschland nennt die Entscheidung des bundesdeutschen Gerichts einen „Freibrief für Gewalt.

    Im September 1977 hebt der Bundesgerichtshof das Urteil auf und verweist den Fall zur Neuverhandlung an das Landgericht in Hagen. Die Hagener Staatsanwälte und Richter geben sich alle Mühe um mit den DDR-Behörden eine Kompromisslösung zu finden, bei der beide Seiten politisch ihr Gesicht wahren können. Die DDR beschließt einen Westberliner Rechtsanwalt, Reymar von Wedel, mit der Nebenklage zu betrauen. Da es für die zuständigen Organe unvorstellbar ist, die eigentlichen Tatortzeugen - allesamt Offiziere der Grenztruppen - vor ein bundesdeutsches Gericht reisen zu lassen, wird der Gedanke geboren, diese von einem Gericht in der DDR richterlich vernehmen zu lassen. Das geschieht im April 1978. Die dabei entstandenen „Dresdener Protokolle bilden die Grundlage der Verurteilung Weinholds. Das Urteil: 5 1/2 Jahre Haft... „Er war nicht im Recht, als er schoss. Die Soldaten Seidel und Lange waren nicht im Unrecht als sie getroffen wurden heißt es in der Urteilsbegründung.

    Anhand kriminologischer Gutachten von DDR-Experten scheint bewiesen, dass entgegen der Aussage von Weinhold aus den Waffen der beiden getöteten Grenzer kein Schuss abgegeben wurde. Weinhold verbüßt seine Strafe zu zwei Dritteln und kommt 1982 wegen guter Führung vorzeitig frei. Bis zu seiner Entlassung im Juli wird der Gefangene mehrmals in andere Vollzugsanstalten verlegt, weil er wiederholt Morddrohungen erhält.

    So sollte der Republikflüchtling laut Informationen eines Mithäftlings noch 1981 aus seiner Gefängniszelle im sauerländischen Attendorn von der Stasi entführt werden. Und tatsächlich: Bei Öffnung der Akten des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) fand man einen detailliert ausgearbeiteten Mordplan für den Staatsfeind Nummer eins.

    Ausgerechnet der im April 1999 verstorbene DDR-Ministerpräsident und heimliche Kontrahent Honeckers, Willi Stoph, wollte das geplante Kapitalverbrechen seines Ministeriums für Staatsicherheit offenbar verhindern: Angeblich bat er den damaligen Staatssekretär im Bonner Ministerium für innerdeutsche Beziehungen, Dietrich Spangenberg, dem DDR-Flüchtling Werner Weinhold größtmöglichen Schutz zuteil werden zu lassen. Ein MfS-Killerkommando sei unterwegs, um den NVA-Deserteur auf dem Boden der Bundesrepublik bei einem „inszenierten Unfall" aus dem Weg zu räumen.

    Die Mordaktion sollte offenbar potenzielle Überläufer aus den Reihen der Grenztruppen abschrecken. Darüber, warum sie nicht in die Tat umgesetzt wurde, kann nur spekuliert werden - vermutlich wollte das MfS die Kreditwürdigkeit bei westlichen Banken nicht durch die mögliche Aufdeckung einer solchen Tat gefährden. Werner Weinhold ist dem Regierungsattentat entkommen und lebt noch immer in Marl. Bis heute behauptet Weinhold, in Notwehr gehandelt zu haben, obwohl die Aktenlage eindeutig zu belegen scheint, dass er die zwei Grenzposten hinterrücks getötet hat - im Schlaf. Der Fall Weinhold war ein einzigartiges Kapitel deutsch-deutscher Geschichte und geprägt von den Begleitumständen des „kalten Krieges".

    Der Mann ohne Gesicht

    Am 19. Januar 1923 wird Markus Johannes Wolf wird in Hechingen/Süd-Württemberg als Sohn des jüdischen Dramatikers und Arztes Friedrich Wolf geboren. Zusammen mit der Familie geht Wolf ab 1933 in die Emigration, anfangs in die Schweiz und nach Frankreich, ab 1934 in die Sowjetunion. Er arbeitet ab 1943 als Redakteur, Sprecher und Kommentator beim „Deutschen Volkssender in Moskau. Nach Kriegsende kehrt Wolf zusammen mit der „Gruppe Ulbricht zurück nach Deutschland und tritt 1946 in die SED ein. Ab 1953 arbeitet er als Leiter der Hauptabteilung XV, die den außenpolitischen Nachrichtendienst der DDR umfasst. Ab 1956 wird die Abteilung in Hauptverwaltung Aufklärung (HV A) des Ministerium für Staatssicherheit (MfS) umbenannt. Wolfs Spionagestrategie liegt vor allem im Eindringen in die westlichen Führungszentren und dabei besonders der bundesdeutschen Gesellschaft. Seine Agenten sollen auf bürgerlichem Wege in einflussreiche Stellungen gelangen und ihre Spionagetätigkeit erst aufnehmen, wenn sie dieses Ziel erreicht haben. Wolf unterstehen rund 4.000 Auslandsagenten, die er mit der „Präzision eines Schachspielers führt, wie Beobachter bekunden. Ab 1956 ist er Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit. Für Wahlen in das Zentralkomitee (ZK) der SED hat Wolf nie kandidiert. 1974 wird einer der ersten Agenten, die Wolf rekrutiert hat, der Kanzleramtschef Günter Guillaume, wird enttarnt. Die sogenannte Guillaume-Affäre führt zum Rücktritt Bundeskanzler Willy Brandt. Bei einem Besuch in Stockholm 1978 kann Wolff erstmals nach zwei Jahrzehnten photografiert werden. Bis dahin galt er im Westen als „Mann ohne Gesicht. 1986 tritt Wolf auf eigenen Wunsch aus dem aktiven Dienst im MfS zurück und wird schriftstellerisch tätig. Nach der Widervereinigung flüchtet Wolf über Österreich in die UdSSR, da in der Bundesrepublik ein Haftbefehl gegen ihn vorliegt. 1991, bei seiner Rückkehr nach Deutschland wird er direkt nach der Grenzüberschreitung festgenommen. Nach kurzem Aufenthalt in der Untersuchungshaft darf Wolf sich bis zur Urteilsverkündung durch das Gericht wieder frei bewegen. Bei den Vernehmungen gibt Wolf keine früheren Mitarbeiter preis. Wolf wird 1993 zu sechs Jahren Haft wegen Landesverrates und Bestechung verurteilt. Das Urteil bleibt vorläufig, da das Bundesverfassungsgericht zur Frage der Strafbarkeit von Spionen eines untergegangenen Staates noch keine Entscheidung gefällt hat. Wolf genießt Haftverschonung. Im Oktober 1995 erfolgte die Aufhebung des Urteils von 1993 im Revisionsverfahren durch den 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofes. Der Fall wird zur Neuverhandlung an die untere Instanz zurückverwiesen. Das Bundesverfassungsgericht hat im Mai den Beschluss veröffentlicht, dass DDR-Bürger nur eingeschränkt für ihre frühere Spionagetätigkeit strafrechtlich verfolgt werden können. 1996 erhebt das Oberlandesgericht Düsseldorf Anklage gegen Wolf wegen des Verdachtes der Körperverletzung und der Freiheitsberaubung. Wolf wird 1997 wegen Freiheitsberaubung in vier Fällen zu zwei Jahren Haft, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden, und einer Geldstrafe verurteilt. 1998 wird Wolf wegen Aussageverweigerung im Spionageprozess gegen den SPD-Politiker Gerhard F.. für drei Tage in Beugehaft genommen, weil er in einem Strafverfahren wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit gegen den Angeklagten F. die Aussage als Zeuge verweigert hat. Auf die Beschwerde des Zeugen Wolf hat der 3. Strafsenat des Bundesgerichtshofs am 17. Januar 1998 die Vollziehung der Beugehaft ausgesetzt. Er hat nunmehr in der Sache entschieden.

    Nach der Strafprozessordnung darf kein Zeuge zu einer Aussage gezwungen werden, durch die er sich der Gefahr aussetzen würde, wegen einer Straftat verfolgt zu werden. Für Markus Wolf besteht unter bestimmten Umständen noch die Gefahr der Strafverfolgung durch die Justiz der Bundesrepublik Deutschland, weil er seine Tätigkeit als Spionagechef der DDR auch außerhalb der DDR ausgeübt hat und insoweit nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts das verfassungsrechtliche Verfahrenshindernis nicht ohne weiteres eingreift. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Markus Wolf wegen Anstiftung oder versuchter Anstiftung zum Landesverrat durch F., in dessen Sache er die Aussage verweigert hat, noch strafrechtlich belangt werden kann. Denn ein solches  - noch nicht verjährtes - Verbrechen war nicht Gegenstand der Anklage des Generalbundesanwalts gegen den Zeugen Wolf in dem vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf abgeschlossenen Strafverfahren. Dem Zeugen Wolf steht, wie meist bei Tatbeteiligten, ein umfassendes Auskunftsverweigerungsrecht zu. - Beschluss vom 25. Februar 1998 - StB 2/98 –

    Er war immer im Dienst der Partei. Sein Leben war erfolgreich und kompliziert. Wolf, früher das Vorbild für Dunkelmänner in Spionagethrillern, sieht sich selbst schon seit 1987 mehr als Schriftsteller, als Agentenführer. Die Geschichte ist schwierig, aber ihr Held ist es auch. Er war nicht nur Zeuge. Er war Akteur an entscheidender Stelle. Markus Wolf war Generaloberst und Chef der HVA. „Der Mann ohne Gesicht" wurde er im Westen genannt. Ganz gleich wer an der Macht war, Markus Wolf nahm daran Teil. Markus Wolf ist eine der interessantesten und umstrittensten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Der stellvertretende Minister für Staatssicherheit und Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung befehligte mehr als 4.000 Spione. Sein berühmtester Angestellter: Günter Guillaume, der Agent, der Kanzler Willy Brandt zu Fall brachte.

    Tag X - Günter Guillaume

    In Bonn nahm am 24. April 1974 die westdeutsche Spionageabwehr Günter Guillaume unter Spionageverdacht fest. Der Mann im Dunstkreis des Bundeskanzlers, sein persönlicher Referent, ist ein Top-Agent der Stasi. Willy Brandt zieht die Konsequenzen. Beide waren bereits ein Jahr lang observiert worden. Noch im letzten Brandt-Urlaub in Norwegen sah Guillaume alle für den Kanzler eingehenden Faxe. Die Umstände und politischen Verantwortungen für den späten Zugriff der Ermittlungsbehörden sind bis heute nicht restlos geklärt. Innenminister war damals Hans Dietrich Genscher.

    Guillaume war 1956 als angeblicher Flüchtling von der DDR-Staatssicherheit in die Bundesrepublik eingeschleust worden. Er sollte zu einem der erfolgreichsten sogenannten Kundschafter für den Frieden werden. DDR-Spionagechef Markus Wolf hatte seinen dicksten Fisch direkt neben dem Bundeskanzler platziert. Zuvor durchlief der Agent eine scheinbar normale Karriere, war SPD-Mitglied geworden und arbeitete ab 1970 in der Abteilung Wirtschaftspolitik im Kanzleramt. Ab 1972 saß Guillaume dort, wo ihn Ostberlin hinhaben wollte, bei Willy Brandt.

    Der völlig konsternierte Regierungschef übernahm in einem kurzen Brief an Bundespräsident Gustav Heinemann die politische Verantwortung „für Fahrlässigkeiten im Zusammenhang mit der Agentenaffäre Guillaume" und erklärte seinen Rücktritt. Brandt war menschlich tief enttäuscht über die Verantwortlichen in der DDR, mit denen er auf dem Weg der Entspannungspolitik war.

    Willy Brandt am 07.05.1974: Am Abend des 6. Mai habe ich dem Bundespräsidenten meinen Rücktritt erklärt und damit die politische und persönliche Verantwortung für Fahrlässigkeit im Zusammenhang mit der Agentenaffäre übernommen. Günter Guillaume wird vom Oberlandesgericht Düsseldorf zu 13 Jahren Haft wegen Landesverrats verurteilt. Nur acht wird er absitzen müssen. Noch während Guillaume hinter Gittern sitzt, wird diese Villa in der DDR für seine Rückkehr vorbereitet. Die Stasi richtet den exklusiven Ruhesitz am Bötzsee bei Berlin für den verdienten Top-Spion her. 1981 wird Guillaume in die DDR abgeschoben. Dort erwartet ihn der Karl-Marx-Orden. Die Stasi feiert den Spion in einem Film. Und: Guillaume darf endlich auch seine Villa beziehen. Monatsmiete 330 Mark Ost.

    Der Zusammenbruch der DDR ändert für den Spion im Ruhestand nicht viel: Zwar schlägt der Versuch fehl, das Anwesen zum Schnäppchenpreis von gut 90.000 Mark zu kaufen, doch der Rausschmiss bleibt ihm erspart.

    Pierre Boom ist 17, als das Bundeskriminalamt seine Eltern Christel und Günter Guillaume im Frühjahr 1974 vor seinen Augen verhaftet. Christel Guillaume, Angestellte bei der Hessischen Landesvertretung, und Günter Guillaume, Referent des Bundeskanzlers Willy Brandt, werden des Landesverrats beschuldigt und im Dezember 1975 zu langen Haftstrafen verurteilt. Brandt zieht die bekannten Konsequenzen aus der „Affäre Guillaume".1975 siedelt Pierre in die DDR über. Seine Eltern werden 1981 aus der Haft in die DDR entlassen. Zum Jahreswechsel 1987/88 stellt Boom einen Ausreiseantrag und kommt im Mai 1988 zusammen mit Frau und Kindern wieder in die Bundesrepublik. Er nimmt den Mädchennamen seiner Mutter an. Pierre Boom lebt heute als freier Journalist in Berlin. Er erinnert sich:

    Am 24. April 1974 stürmten morgens um 6.32 Uhr 20 BKA-Beamte die elterliche Wohnung und verhafteten die Eltern wegen dringenden Verdachts des Landesverrats. „Es waren Ferien und ich durfte ausschlafen. Sehr früh am Morgen war Unruhe in der Wohnung. Meine Zimmertür war angelehnt. Ich habe wahrscheinlich eine Weile gebraucht, bis ich richtig wach war, und bin dann aufgestanden, zur Tür gegangen – der ganze Flur war voller Menschen, hauptsächlich Männer, alle in Zivil, aber in Anzügen. Ich dachte: „Was ist denn da los? – aber in dem Moment, es waren wahrscheinlich nur Minuten, drehte sich schon jemand zu mir um und sagte: „Herr Guillaume, gehen Sie bitte in Ihr Zimmer zurück und ziehen Sie sich an. Ich erinnere mich, dass ich mich aufs Bett gesetzt habe, zum Fenster gegangen bin, und da sah ich unten, wo normalerweise keine Autos parken durften, überall Autos, zivile. Ich glaube, mich auch zu erinnern, dass unten vorm Haus Uniformierte, bewaffnete Uniformierte Aufstellung genommen hatten. Das hat dann die Verwirrung noch vergrößert."

    Die Eltern wurden in der DDR als „Kundschafter des Friedens" geehrt, hielten Vorträge, erhielten Auszeichnungen.

    „Es gibt ja die Regel, wenn ein Agent auffliegt, ist er „verbrannt, er wird zum Sicherheitsrisiko. Richtig in den Apparat hineinlassen wollten sie meine Eltern nicht. Mein Vater hätte sich auch ein politisches Amt vorstellen können, im Außenministerium zum Beispiel. Allerdings hätte der ehemalige Kanzlerspion wohl kaum eine politische Funktion auf internationalem diplomatischem Parkett wahrnehmen können. Meine Eltern haben das nicht wirklich verstanden und fühlten sich nicht gebraucht, fehl am Platz.

    Günter Guillaume stirbt 1995 in Berlin. Kein anderer Spion hat das Verhältnis der Bundesrepublik zur DDR so belastet wie Guillaume. Die Politik der Verständigung ging dennoch weiter.

    Politiker, Geheimdienstchef und Krimineller

    Am 28. Dezember 1907 wird Erich Fritz Emil Mielke wird in Berlin-Wedding als zweites von vier Kindern einer Arbeiterfamilie geboren. 1925 erfolgte sein Eintritt in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Am 9. August 1931, als bei einer Demonstration auf dem Berliner Bülowplatz die Polizeihauptleute Lenk und Anlauf hinterrücks erschossen werden, wird Mielke als Bereitschaftsführer des Parteiselbstschutzes und mutmaßlicher Schütze des Mordes angeklagt. Er flieht in die Sowjetunion. Er wird 1934 in Deutschland in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Im Juni 1945 kehrt er nach Kriegsende zurück nach Berlin. Er wird Mitglied der KPD und nach deren Zusammenschluss mit der SPD 1946 der SED. Er wird Leiter der Polizeiinspektion Berlin-Lichtenberg. 1947, am 7. Februar: Das Amtsgerichts Berlin-Mitte erlässt Haftbefehl gegen Mielke wegen Doppelmordes an den Polizisten Anlauf und Lenk im Jahre 1931. 1950 bis 1953 wird er Staatssekretär und stellvertretender Minister im Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zu dessen Aufbau er entscheidend beigetragen hat. 1957 bis 1989 fungiert er als Minister für Staatssicherheit. Als Leiter des Staatssicherheitsdienstes baut Mielke das Spitzel- und Überwachungssystem, das alle Lebensbereiche der DDR-Bürger durchdringt, weiter aus. Am 7. November 1989 tritt Mielke als Minister für Staatssicherheit zusammen mit der Regierung Stoph zurück und am 8. November erfolgt der Rücktritt zusammen mit dem gesamten Politbüro des SED. Am 17. November beschließt die Volkskammer die Aufhebung des Abgeordnetenmandats Mielkes. Am 3. Dezember erfolgt der Ausschluss aus dem ZK und der SED. Wegen Schädigung der Volkswirtschaft kommt Mielke am 7. Dezember in Untersuchungshaft, wo er am 9. März 1990 aus gesundheitlichen Gründen aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Im Juli erfolgt Haftbefehl gegen Mielke wegen Errichtung von Isolierlagern und Unterstützung von RAF-Aussteigern in der DDR. Er wird in die Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen eingeliefert. Im Oktober 1990 wird er zunächst in die Untersuchungshaftanstalt Moabit überstellt. Am 19. Oktober Haftbefehl wegen Vertrauensbruch und Untreue. Von 1990 bis 1992 erfolgte die Inhaftierung in der Justizvollzugsanstalt Plötzensee. Im März 1991 ergeht Haftbefehl wegen versuchten Mordes durch Unterstützung von RAF-Terroristen und im Mai 1991 Haftbefehl in Zusammenhang mit den Mauerschüssen. Im November kommt es zum Haftbefehl wegen der Todesschüsse an den Polizeioffizieren Anlauf und Lenk im Jahre 1931. 1992, am 4. Januar: Mielke kommt wieder in die Untersuchungshaftanstalt Moabit, wo am 9. Februar der Prozess am Berliner Landgericht wegen der Todesschüsse 1931 beginnt.

    Das Verfahren wurde auf der Grundlage der Originalanklageschrift aus dem Jahre 1934, noch versehen mit den Radnotizen des Nazistaatsanwalts, und der Vernehmungsprotokolle von Gestapo und SA geführt. Die Berliner Staatsanwaltschaft machte sich nicht einmal die Mühe, die Anklage abzuschreiben - sie wurde lediglich kopiert. In der Hauptverhandlung wurde demzufolge erst einmal davon ausgegangen, dass die nazifaschistische Justiz 1934 rechtsstaatlich funktionierte. Der Verteidigung

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