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Der Herr des Krieges Teil 3: Teil 3 "Over the Hills and Far Away"
Der Herr des Krieges Teil 3: Teil 3 "Over the Hills and Far Away"
Der Herr des Krieges Teil 3: Teil 3 "Over the Hills and Far Away"
eBook228 Seiten3 Stunden

Der Herr des Krieges Teil 3: Teil 3 "Over the Hills and Far Away"

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Über dieses E-Book

Napoleon kocht vor Wut: seine Marschälle haben bei Talavera wieder eine grauenhafte Niederlage eingesteckt. Der französische Kaiser schwört, dass er Arthur Wellesley, jetzt Lord Wellington, jeden Knochen im Leib brechen wird. Während Bonaparte noch flucht und eine schlecht geplante britische Expedition in Nordeuropa mit einem gewaltigen Reinfall endet, baut Arthur mit Hilfe der Portugiesen heimlich eine gewaltige Befestigungsanlage, um wenigstens Lissabon vor den Franzosen und ihre Verbündeten zu schützen und seine Rückzugslinie zu sichern. Gleichzeitig kämpft er mit dem Mut der Verzweiflung gegen eine Überzahl von Feinden um seinem Chefspion Pater Jack Robertson und dem " Quartett " die Zeit zu geben, in einer gefährlichen und streng geheimen Nacht-und-Nebel Operation das Terrain für eine grosse Offensive nach Spanien vorzubereiten. Der Weg über die Grenze und nach Frankreich ist weit, gefährlich und blutig, doch Arthur und seine Kampfgefährten fangen langsam an daran zu glauben, dass sie das "Monster" Napoleon am Ende vielleicht doch besiegen können, um so diesen grauenhaften und endlos langen Krieg zu beenden.
SpracheDeutsch
Herausgeberneobooks
Erscheinungsdatum29. Apr. 2017
ISBN9783742788719
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    Buchvorschau

    Der Herr des Krieges Teil 3 - Peter Urban

    Kapitel 1 Freneida

    In der letzten Novemberwoche kam Wellington mit seinem 33. Regiment, dem Stab, dem Nachrichtendienst und den Ärzten in Freneida an. Niemand verstand so richtig, was er diesem trostlosen kleinen Nest in den Bergen eigentlich abgewinnen konnte, denn dem Sieger von Salamanca stand jeder Adelspalast Portugals weit offen. Doch Arthur wußte genau, warum er ausgerechnet an einem Ort überwinterte, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagten: Zum einen lag Freneida nahe der Frontlinie, direkt am Agueda. Wenn die Franzosen sich rührten, dann war er der Erste, der es erfuhr. Dann hielten ihm Abgelegenheit und Unzugänglichkeit all die leidigen und nutzlosen Störenfriede vom Hals, die ihn in Lissabon oder Oporto belästigt hätten: Dem Intriganten, dem Speichellecker, demjenigen, der um Vergünstigungen nachsuchte war der lange Weg hinauf in die Beira einfach zu anstrengend! Die drei Tage Zeitverzögerung zwischen Lissabon und seinem Winterquartier, gaben ihm zudem Zeit, alle Briefe, die er schrieb oder erhielt, sorgfältig zu überdenken. Und außerdem war die Gegend wunderbar, um mit einer Meute Hunde auf die Jagd zu reiten. Genau wie seine Leoparden, brauchte auch Wellington reichlich zu Essen, ein warmes Bett, angenehmen Zeitvertreib und ein bißchen Frieden, um sich von den Anstrengungen und Entbehrungen des Jahres 1812 zu erholen. Freneida war, in seinen Augen, hierfür ein idealer Ort.

    Seit dem Vorjahr hatte sich das kleine Bergdorf, hoch oben in der Beira, in seinem äußeren Aspekt auch kaum verändert: Immer noch war alles ein bißchen zerfallen und bejahrt. Die wenigen Straßen zierten ein paar Löcher mehr, die die Einwohner notdürftig mit Steinen zugeworfen hatten und die Überreste der uralten Wehrburg, die Freneida umgaben wie eine Stadtmauer, hingen noch schiefer in der Landschaft als 1811. Die höchste Stelle der Ansiedlung zierte derselbe kreisrunde Wachturm mit dem Storchennest, in dem dasselbe Paar Schwarzstörche nistete, mit dem alle bereits bei ihrem ersten Aufenthalt auf dem Hochplateau Bekanntschaft gemacht hatten. Um das Dorf lagen auf Terrassen kleine Obstgärten, die sorgsamer gepflegt wurden als die Bauernhäuser. Sie wurden von Steinmauern gesäumt, die älter waren als die zerfallene Wehrburg und gleich hinter Freneida eröffnete sich eine weite, ursprüngliche Berglandschaft. Adler, Geier und andere große Raubvögel drehten ihre Kreise am Winterhimmel. Die meisten der umliegenden Gipfel überzog bereits eine schneeweiße Kappe. Die ganze Gegend war ein ständiger Wechsel zwischen schroffem Gebirge, Wäldern und kleinen Seen, reich an Wild und Fischen.

    Zufrieden fand Arthur sein vertrautes Quartier des Vorjahres wieder und der Besitzer mußte nicht einmal mehr überredet werden, es dem alliierten Oberkommandierenden für die Dauer eines Winters abzutreten: Selbst in den abgelegenen Bergen der Beira hatte man das Grollen der Kanonen von Salamanca deutlich vernommen. Das Haus war eigentlich nichts Besonderes. Es ähnelte einer großen Bauernküche, mit dem Unterschied, daß darunter noch ein Stall lag. Außer der Küche und dem Stall gab es drei winzige Kämmerchen, einen zweiten, etwas kleineren Stall, den obligatorischen Obstgarten mit Apfelbäumen und einen Zugbrunnen im Innenhof. Vielen kam das Winterquartier, das Wellington sich ausgewählt hatte, notdürftig und spartanisch vor. Er selbst fand es gemütlich und familiär. Erleichtert ließ er sich in sein weiches, sauberes Bett in einem der drei kleinen Kämmerchen des ersten Stocks fallen. Er hatte den großen Schlüssel in der groben Holztür zweimal umgedreht und zuvor jedem seiner Adjutanten und allen Offizieren des Stabes geschworen, daß er sie eigenhändig teeren und federn würde, falls sie während der nächsten acht Tage auch nur auf die Idee kämen, sich mit einem Stück Papier in der Hand zu nähern. Während er sich unter seiner warmen Federdecke wie eine Katze zusammenrollte, war John Dunn bereits damit befaßt, die Schweine aus dem Erdgeschoß auszuquartieren und den größten Raum des Bauernhauses wieder in ein Arbeits- und Besprechungszimmer zu verwandeln, Paddy Seward begrüßte überschwenglich seine kleine Freundin Manuela, Vater Jack Robertson zog bei seinem Kollegen, dem Pfarrer von Freneida ins Pfarrhaus hinter dem Marktplatz ein, Kopenhagen und Elmore knabberten in ihrem vertrauten, trockenen Stall selig an frischem, fein duftendem Heu, während sie ihre müden Hufe im sauberen Stroh ausruhten, und Lady Lennox bemühte sich energisch darum, die letzten Spuren eines anstrengenden Feldzuges aus hüftlangem, dunkelbraunem Haar zu entfernen, um sich wieder in ein ansprechendes weibliches Wesen zu verwandeln.

    Pünktlich, eine Woche später, tauchte ein gutgelaunter, ausgeruhter und umgänglicher alliierter Oberkommandierender beim ersten gemeinsamen Abendessen des Stabes und der Offiziere des 33. Regiments auf. Das sogenannte ‚große Besprechungszimmer’ war in eine Art Speisesaal verwandelt worden. Der Geruch nach Hausschweinen hing zwar immer noch ein bißchen in allen Ritzen und Winkeln, doch niemand störte sich daran. Um einen langen Tisch aus ausgehängten Türen und Brettern, der sich unter einer Last aus Schüsseln und Terrinen bog, drängelten sich fast 40 Personen. John Dunn hatte bei allen Nachbarn Stühle ausborgen müssen. Tom Picton war mit seinen jungen Adjutanten und Oberst John Colborne, den er von Black Bob Craufurd geerbt hatte, aus Moimento de Beira herübergeritten, um dem Jefe ein paar Tage Gesellschaft zu leisten und ein wenig auf die Jagd zu gehen. General Castaños und Don Julian Sanchez hatten ebenfalls beschlossen, den Abschluß eines anstrengenden, aber erfolgreichen Jahres gemeinsam mit ihren Freunden zu feiern. Arthur bemerkte, daß Lady Lennox zusammen mit Picton und McGrigor in einer Ecke des großen Raumes stand, angeregt mit den beiden alten Herren diskutierte und sich gut zu amüsieren schien. Die Drei lachten und ihre Portweingläser schlugen aneinander. Sarah trug das enge, dunkelgrüne Samtkostüm, in dem er sie so gerne sah, hatte ihre kleinen

    Perlen in den Ohren und das dunkle Haar locker hochgesteckt. Sie sah bezaubernd aus. Als sie ihn entdeckte, zwinkerte sie ihm spitzbübisch zu. Seine ganze Familie war versammelt. Es war an der Zeit, alle Mißverständnisse und Unstimmigkeiten der letzten Wochen zu begraben und gemeinsam in die Zukunft zu schauen. Lord Wellington gab Sergeant Dunn ein kurzes Zeichen, dann blickte er entwaffnend in die Runde: „Ladys and Gentlemen! Ich kann Ihnen mitteilen, daß 1812 trotz des Rückzuges auf Ciudad Rodrigo ein gutes Jahr für unsere Armee war! Wir haben weit mehr erreicht, als ich zu hoffen gewagt habe. Unsere Verluste halten sich in angemessenen Grenzen. Die britische Regierung ist sehr zufrieden mit uns allen, und viele Probleme, mit denen wir in den ersten Jahren dieses Krieges konfrontiert wurden, haben sich in Luft ausgelöst! Zwei der Waschfrauen des 33. Regiments boten allen Anwesenden Champagner an. Mary Seward nahm ein wenig verlegen ihr Glas vom Tablett. Robin hatte bei Salamanca nicht nur einen feindlichen General gefangengenommen, sondern auch den Adler eines französischen Regiments erbeutet. Sie war nun die Frau eines Majors. Man lud sie in die Offiziersmesse ein und behandelte sie mit Respekt. Sie hatte sogar ein junges spanisches Dienstmädchen, das ihre Wäsche wusch und ihr alle groben und anstrengenden Arbeiten abnahm, und Rob teilte sich mit einem anderen Offizier einen Burschen. Mary trug zwar, weil es so praktisch war, wochentags immer noch eine rote Soldatenjacke und einen schwarzen Rock, aber nun war es eine Jacke, die man eigens für sie genäht hatte und nicht mehr eine Abgetragene von Rob. Und in Madrid hatte Major Seward ihr vom Preisgeld sogar ein hübsches schwarzes Kleid aus richtigem Samt geschenkt. Sie trug es, wenn sie in die Kirche ging, oder in die Offiziersmesse eingeladen wurde. Während sie vorsichtig das schwere Kristallglas, genau wie Donna Ines und Lady Lennox am Stiel festhielt und abwartete, was folgen würde, bemerkte Mary aus dem Augenwinkel, daß Lord Wellington sie amüsiert beobachtete. Bereits in Madrid hatte er sich einen Spaß daraus gemacht, sie und Rob ähnlichen Prüfungen zu unterziehen. Einmal war er sogar so weit gegangen, Major Seward und seine Gemahlin zu einem Empfang des Bürgermeisters, mit anschließendem Ball abzukommandieren und bei der Vorstellung im Prunksaal des alten Rathauses an der Plaza Mayor mit fast sadistischer Freude jedem spanischen Notabeln, den er in die Finger bekam, Robs Heldentaten bei Badajoz und Salamanca zu schildern und hinterhältig darauf hinzuweisen, daß Miss Seward hervorragend Spanisch sprach. Fast im Reflex warf die schottische Bauerntochter dem irischen Adelssprössling einen strafenden Blick zu. Arthurs Grinsen wurde noch breiter. Seit Badajoz war er sich sicher, daß es kein Fehler gewesen war, einen einfachen Mann aus den Rängen so schnell, so weit nach oben zu befördern, obwohl er im Regelfall nicht die allerbeste Meinung vom Charakter seiner Soldaten hatte. Wenn sie ihm entglitten und wie bei Badajoz oder während des Rückzuges auf den Agueda zu reißenden, unkontrollierbaren Bestien wurden, war er in seiner Wortwahl nicht gerade zimperlich: „Ihr seid der Abschaum der Erde!, urteilte er dann; eisig, distanziert, überlegen, verachtungsvoll. In diesen Momenten hörten die Leoparden die Stimme eines Mannes, der über eine unüberbrückbare Kluft zwischen sich und den Ungebildeten hinweg sprach. Was die Mehrheit seiner Männer anbetraf, hatte Arthur mit diesem vernichtenden Urteil meist auch Recht, denn sie entstammten der untersten Schicht der britischen Bevölkerung und waren nur in den regulären Dienst eingetreten, weil sie ansonsten keinen Ausweg mehr gesehen hatten, um überhaupt einen Lebensunterhalt zu verdienen oder ungestraft der Justiz zu entkommen. Doch mehr als 25 Jahre des ständigen, engen Zusammenlebens mit diesem ‚Abschaum der Erde’ hatten ihn gelehrt, daß man, wenn man es verstand, die Spreu vom Weizen zu trennen weiß, von Zeit zu Zeit Einen fand, der es wert war, seinen Weg nach oben zu machen. Der General wußte, mit welchen Vorurteilen diese Männer oft von Seiten der Ränge und auch von Seiten ihrer neuen Offizierskollegen aus der Oberschicht oder dem Adel zu kämpfen hatten. Sie gehörten nicht mehr zur einen Gruppe und würden nie richtig von der anderen akzeptiert werden. Dazu war die britische Gesellschaft zu sehr in zwei Klassen gespalten. Aus diesem Grund hatte er sich in Indien zurückgehalten, wenn es um Beförderungen einfacher Soldaten ins Offizierskorps ging. Er hatte damals noch nicht die Macht gehabt, zu schützen, wo Schutz notwendig war. Heute jedoch war seine Stellung in der britischen Armee und in der Gesellschaft seines Landes so einzigartig und abgehoben, daß niemand mehr wagte, ihm zu widersprechen. Die raren Perlen, die er in seinem riesigen Schweinestall fand, den man gemeinhin als das anglo-alliierte Feldheer bezeichnete, beförderte er nun, wenn er das Gefühl hatte, daß sie eine Bereicherung für das Offizierskorps darstellten. Er wußte, daß der Respekt, den man ihm zollte, sich auch auf seine Schützlinge übertrug. Rob war sein erstes Experiment gewesen!

    Wellington erinnerte sich noch genau daran, wie sein Regiment an Sergeant Seward gekommen war: Er hatte anstelle seines ältesten Bruders, der der Hoferbe war, Dienst in der Yeomanry des County Paisley geleistet. Viele brave Bauernsöhne taten dies, wenn sie den Hof des Vaters nicht übernehmen konnten. Es war ein Weg, um ein bißchen Geld dazuzuverdienen, ohne die Heimat verlassen zu müssen. Meist reichten fünf Jahre Dienst aus, um genug für eine ordentliche Pacht angespart zu haben. Kurz bevor das 33. Regiment sich auf den Weg nach Indien machen sollte, hatten die Landstreitkräfte dann unter einem großen Mangel an Unteroffizieren gelitten. Sie hatten damals jungen, bewährten Männern aus den sogenannten Home Forces angeboten, mit dem Dienstrang eines Sergeanten in die reguläre Truppe überzuwechseln, wenn sie Lesen, Schreiben und Rechnen konnten, zwei Jahre Dienst und einen guten Leumund vorwiesen. Es war einer der ersten Reformversuche des Herzogs von York gewesen, nachdem er von Lord Amherst den Posten des Oberkommandierenden der Landstreitkräfte übernommen hatte. Rob war ein abenteuerlustiger, kräftiger, junger Bursche gewesen. Die Aussicht, ein wenig die Welt zu sehen, bevor er sich endgültig niederließ und Schafe züchtete, hatte ihn dazu veranlaßt, sich freiwillig für den Dienst in einem Hochlandregiment zu melden. Das 93. Regiment von Lord Wemyss of Wemiss, das unweit von Grennock, in Glasgow seinen Stammsitz hatte, benötigte dringend Sergeanten. Der Rekrutierungsoffizier teilte Seward dieser Einheit zu. Doch irgend jemand aus der Militärverwaltung machte dann einen dummen Schreibfehler und auf dem Marschbefehl des frischgebackenen Unteroffiziers wurde aus der Zahl 93 plötzlich die Zahl 33. Als Rob, seinen Marschbefehl in der Tasche, das Gepäck in der Hand, gefolgt von seiner siebzehnjährigen Ehefrau Mary beim Garnisonskommandeur von Glasgow vorsprach, drückte der ihm – ohne groß nachzudenken – eine Transportorder für das Postschiff nach Irland in die Hand. Vierzehn Tage später meldete der Sergeant sich pflichtbewußt, wenn auch ein wenig erstaunt bei Oberstleutnant Wesley in der Garnison von Dublin zum Dienst. Das 33. sah ganz und gar nicht nach einem schottischen Regiment aus. Arthur bemerkte natürlich sofort den Fehler. Doch Seward hatte einen guten Eindruck auf ihn gemacht und dem 33. mangelte es genauso sehr an Unteroffizieren, wie dem 93. Nachdem der Zahlmeister sich davon überzeugte, daß Rob wirklich vernünftig Lesen, Schreiben und Rechnen konnte, war der Oberstleutnant noch weniger bereit, einen ordentlichen, jungen Sergeanten wieder zu seinem richtigen Regiment zurückzuschicken. Die Freiwilligen aus der Yeomanry wurden höflich behandelt. Sie waren ein rares Gut, um das die Obristen der regulären Armee sich stritten. Wesley machte da keine Ausnahme. Sehr diplomatisch wurde Rob gefragt, ob es ihm etwas ausmachen würde, beim 33. in Irland zu bleiben, oder ob er darauf bestand, daß man ihn zurück nach Glasgow in die heimatlichen Berge schickte. Weniger diplomatisch ließen Robs künftige Kameraden anklingen, daß bald eine abenteuerliche Reise nach Indien bevorstand. Er und Miss Mary waren jung und unternehmungslustig. Sie waren aus ihrer Heimat noch nie herausgekommen und wollten etwas anderes sehen als Grennock. Sie erklärten dem Oberstleutnant, daß sie eigentlich lieber bleiben würden. Das 33. Regiment hatte sich nach dieser Entscheidung zwar noch schriftlich mit den Kollegen aus Glasgow herumstreiten müssen – das 93. wollte seinen Sergeanten zurückhaben, das 33. berief sich auf den Marschbefehl –, doch am Ende schrieb Oberstleutnant Wesley sehr höflich an General Wemyss of Wemyss und man einigte sich gütlich. Rob blieb in Irland. Die Schotten suchten sich einen anderen Mann und alle waren zufrieden! Schnell stellte man fest, daß man einen guten Griff getan hatte. Bei Seringapatam bewies der Schotte dann, daß er sich nicht nur vernünftig um die Regimentsbuchhaltung kümmern konnte, sondern auch ein guter Frontsoldat war. Bei der Rückkehr aus Indien war er bereits, anstelle von John Dunn, Sergeant-Major und Zahlmeister des 33., den Weg nach Hamburg und nach Dänemark machte er als Stabsunteroffizier von General Wellesley. Als Rob nach Fuentes de Onoro ganz alleine General Eblé, den Kommandeur von Almeida gefangen nahm und damit die Fehler von zwei Offizieren im Generalsrang gutmachte, akzeptierten sowohl Offiziere als auch Mannschaften überraschend widerstandslos Lord Wellingtons Entscheidung, ihn zum Leutnant zu befördern. Bereits als Sergeant-Major war er in seiner ruhigen und ausgeglichenen Art der gute Geist des Regiments gewesen. Als Leutnant änderte er seinen Arbeitsstil um keinen Deut. Seine Leistungen vor Badajoz und bei Salamanca sprachen danach bereits für sich selbst. Außerdem konnte man weder den Schotten noch seine Frau dem zuordnen, was gemeinhin als Unterschicht bezeichnet wurden. Sie stammten beide aus alten bäuerlichen Familien, die über eigenes Land verfügten und nur den Laird zum Herren hatten. Beide konnten Lesen und Schreiben, und tief geprägt vom kalvinistischen Glaubensgut, verabscheute Rob das, was gemeinhin ein Problem in den Streitkräften war: Den Alkohol! Nun mußte Arthur seinem Protegé und Miss Mary nur noch ein paar alte Verhaltensformen aus Grennock abgewöhnen und die beiden würden schon bald der Stolz des Regiments sein. Und an dem Tag, an dem ihr kleiner Paddy sein Fähnrichspatent bekam, hatten dann sicher bereits alle vergessen, daß sein Vater nur der Sohn eines Bauern aus den wilden schottischen Bergen war. In Madrid hatten die Sewards sich tapfer geschlagen, als er sie mit den Notabeln der alten, spanischen Hauptstadt konfrontiert hatte. Trotz der schwierigen Bedingungen des Feldzuges, beobachtete er, wie sorgsam Mary und Rob sich um die Erziehung ihres einzigen Kindes kümmerten. Die Drei waren es wert, daß man für sie Schicksal spielte! Der General wandte seine Aufmerksamkeit erneut seinen zahlreichen Gästen zu: „Der südliche Teil Spaniens ist nun von den Franzosen befreit. König Joseph hat zwar versucht, Madrid wieder einzunehmen, doch seine Niederlagen haben ihn so diskreditiert, daß nicht einmal der fanatischste Afrancescado noch an ein Haus Bonaparte in Spanien glaubt. Große Teile Nordspaniens werden von den irregulären Armeen Minas y Espozas und Mendizabals kontrolliert und, er griff in seine Rocktasche und zog ein Schreiben von Robert Castlereagh hervor, „General Bonaparte hat im Verlauf seines letzten Abenteuers fast 600.000 Mann verloren! Der Feldzug gegen Zar Alexander war ein Fehlschlag. Die ‚Grande Armée’ ist auf dem besten Weg, in Rußland zugrunde zu gehen! Der Korse hat am 14. September den Rückzug aus einem zerstörten Moskau angeordnet. Ihre russischen Kameraden Kutuzov, von Wittgenstein, Barclay de Tolly und Chichagov treiben den Feind auf die Grenze zu. Er hob sein Glas: „Hoffen wir, daß dieser furchtbare Krieg bald zu Ende geht. Mit ein bißchen Glück werden wir den nächsten Winter bereits in den Pyrenäen verbringen!"

    Wellingtons Eröffnung, was Napoleon Bonapartes Fehlschlag in Rußland anbetraf, hatte den gewünschten Effekt. Laut und aufgeregt fingen alle Anwesenden an, durcheinanderzuschnattern. Man hörte den glockenhellen Ton aneinanderschlagender Kristallgläser. Der Verlust von mehr als einer halben Million Soldaten im Osten bedeutete, daß Frankreich nicht in der Lage war, große Truppenkontingente zur Verstärkung König Josephs über die Pyrenäen zu

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