Erfreu Dich an Millionen von E-Books, Hörbüchern, Magazinen und mehr

Nur $11.99/Monat nach der Testversion. Jederzeit kündbar.

Der Tanz der Bienen

Der Tanz der Bienen

Vorschau lesen

Der Tanz der Bienen

Länge:
686 Seiten
8 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
13. Dez. 2016
ISBN:
9783738096125
Format:
Buch

Beschreibung

Der triste Praxisalltag des Arztes Levi Krongold, wird plötzlich durch das Auftauchen eines schizophrenen Patienten, Herrn Maus, auf den Kopf gestellt. Dieser kündigt den baldigen Weltuntergang an, was er aus dem Verhalten eines Bienenschwarmes erkannt haben möchte. Krongold schickt den lästigen Patienten umgehend weiter in die Psychiatrie, zu seinem ehemaligen Lehranalytiker und Klinikchef Prof. Herold. Doch wenig später wird Herold ermordet im Garten der Psychiatrie aufgefunden mit einem Brandmal auf der Stirn. Ein Mord, der nicht nur für Krongold ohne Folgen bleiben wird. Das Verhängnis nimmt seinen Lauf!
Herausgeber:
Freigegeben:
13. Dez. 2016
ISBN:
9783738096125
Format:
Buch

Über den Autor


Ähnlich wie Der Tanz der Bienen

Ähnliche Bücher

Ähnliche Artikel

Buchvorschau

Der Tanz der Bienen - Levi Krongold

Der Autor

Levi Krongold studierte Medizin in Köln und praktizierte lange Zeit in eigener Praxis in Bonn und Berlin.

Als Schriftsteller tritt er in seiner zweiten Profession nach einem Berufsleben voller reichhaltiger Erfahrungen in die Öffentlichkeit. Sein Metier ist der liebevoll ironische Blick auf das verwickelte Seelenleben des Menschen.

Im vorliegenden 2. Roman, einem Mordfall, dem Weltuntergang und anderen Kleinigkeiten, befasst er sich auf kurzweilige und spannende Weise mit dem Denkbaren und Undenkbaren auf dem Hintergrund teilweise realer Begebenheiten.

Prolog

Es ist noch ein wenig Zeit, doch wir müssen uns beeilen.Hör mir gut zu, denn eine weitere Gelegenheit wird es nicht geben, um Dir mitzuteilen, wie alles kam und kommen wird.

Hast Du Vorstellungsvermögen?

Wie würdest Du Dich fühlen, wenn Du, sagen wir, wie ich, in einem Sprechzimmer einer Arztpraxis sitzt oder in einem Büro oder hinter einem Schalter?

Du rufst: Der Nächste bitte! Zum hunderttausendsten Mal in Deinem Leben. Der Nächste!

Machen Sie schon voran, in zwei Stunden ist Feierabend. Machen Sie es kurz, ich will nach Hause.

Der Nächste ist ein junger Mann, der wirklich Herr Maus heißt.

Ehrenwort.

Er heißt Maus, M und aus. Er sieht auch so aus.

Auf der Straße hättest Du ihn glatt überrannt, so unscheinbar ist er in seinem mausgrauen Mantel, seinen mittelblonden, glatten Haaren, seiner Kassenbrille und seinen mausgrauen kleinen Augen. Aber jetzt ist er eben der Nächste und jetzt setzt er sich vor Dich hin oder stellt sich hin und Du schaust ihn gar nicht an, denn er ist irgendwie nicht wirklich da. Er ist die Imagination von jemandem, der da sein könnte.

Du erwartest wieder so ein Klagelied von gesammelten und für Dich vorbereiteten Schmerzen, von vielfach ausgesprochenen Wünschen, von überflüssigen Beschwerden und er sagt:

Wissen Sie, ich möchte Sie warnen!

Du hältst den Kuli schreibbereit in der Hand, um Dir eine Notiz zu machen, die einmillionste überflüssige Notiz Deines Lebens, damit Du sie zu den anderen Notizen legen kannst. Für alle Fälle.

Vielleicht wirst Du Dich ja später noch mal daran erinnern müssen oder es macht einfach nur einen schlechten Eindruck, nur dazusitzen und in die Leere hinter dem Nächsten zu blicken, deshalb hast Du Dir den Trick mit den Notizen ausgedacht.

Du lässt Dir die Worte einmal kurz durch den Kopf gehen und blickst zum ersten Mal heute den Nächsten an.

Wie bitte?

Ich bin gekommen, um sie zu warnen!

Jetzt wird Dir ein wenig unbehaglich und Du richtest Dich in Deinem Stuhl auf.

Ein Verrückter, der gleich das Messer oder die Pistole zieht?

Du schaust zur Tür. Du bist allein mit ihm. Dein Weg zur Tür ist weiter als seiner.

Du legst unauffällig Deine Hand auf den Telefonhörer.

Fassung bewahren, ruhig bleiben.

So, wovor bitte?

Wissen Sie, die Welt geht in wenigen Tagen unter. Wir werden alle sterben. Sie auch. Deshalb will ich Sie warnen.

Ein Lächeln stiehlt sich in Dein Gesicht. Ein Verrückter. Na ja, es gibt genug Verrückte. Wenn er nur nicht doch noch ein Messer zieht.

Du blickst in sein argloses Gesicht. Er sieht Dich ernsthaft besorgt durch seine runden Brillengläser an.

Du könntest jetzt Verschiedenes antworten, aber er stört Dich in Deinem Rhythmus, in Deinem Ablauf und in zwei Stunden ist Feierabend und es warten noch andere Leute draußen mit ihren traurigen Geschichten.

Du wippst nervös mit Deinem rechten Fuß, nachdem Du Dich zurückgelehnt hast und Herrn Maus betrachtest. Wie bekomme ich den Bekloppten jetzt hier schnellstmöglich wieder raus?

Durch dessen Gesicht geht ein trauriges Lächeln.

Es ist wichtig, dass Sie das wissen!

Du nickst.

Es gibt unzählige Verrückte, die schon zum unzähligsten Mal den Untergang der Welt beschworen haben. Ganze Bibeln sind darüber verfasst worden.

Warum muss der jetzt gerade hier bei Dir sitzen und Dich durch seine billige Brille anschauen, als müsstest Du jetzt vor Angst vergehen?

Du ertappst Dich dabei, wie Du nickst, auf Deinen Kugelschreiber blickst, dessen Spitze untätig auf dem Papier aufliegt und einfach antwortest: Ja, ich weiß.

Ach, das wissen Sie?

Warum in aller Welt, scheltest Du Dich, musst Du so was Blödes sagen? Jetzt hast Du ihm auch noch den Vorwand für einen Dialog gegeben?

Aber Du hast diese Worte tatsächlich formuliert.

Du nickst.

Das weiß ich schon lange. Vielen Dank.

Herr Maus entspannt sich.

Das ist gut. Wissen Sie, ich habe es den ganzen Tag mit mir herumgetragen. Heute Morgen, als ich die verrückten Bienen wieder vor meinem Fenster tanzen sah, da wusste ich es plötzlich. Und ich habe mich gefragt, ob die anderen es auch wissen. Aber sie haben sich nichts anmerken lassen. Haben so getan, als wenn sie es nicht wahrhaben wollten.

Na ja, verständlich. Wer möchte auch schon gerne darüber nachdenken?

Es ist wie ein Zwang. Du beobachtest Deine Worte, wie sie Deinen Mund verlassen, ohne von Dir wirklich formuliert worden zu sein.

Herr Maus wird unsicher.

Wissen Sie es wirklich?

Jetzt ist es zu spät. Du kannst nicht mehr zurück. Natürlich. Das ist nichts Besonderes.

Und haben Sie gar keine - Angst?

Du schüttelst den Kopf und fragst Dich, ob Du wirklich keine Angst hast?

Nein, es beginnt Dir Spaß zu machen.

Ich schon, ich habe Angst, sagt Herr Maus. Er ist erst 27 Jahre alt, hast Du inzwischen mit dem Blick auf seine Personalien in seiner Akte entdeckt. Ein junger Verrückter also.

Und jetzt sagst Du plötzlich noch etwas Merkwürdiges:

Wissen Sie, es ist gut, dass Sie hierher gekommen sind, um es mir zu sagen.

Ja, meinen Sie?

Du nickst.

Ja.

Aber wieso?

Dich beschäftigt nur eine Frage: Wie bekomme ich ihn dazu, von hier direkt in die Psychiatrie zu gehen, ohne dass Du aus Deinem Stuhl aufstehen musst und Dinge tun musst, die Du nicht tun möchtest?

Weil das Entscheidende ist, dass Sie hierher gekommen sind, um mich zu treffen.

Sie zu treffen?

Ja, mit mir zusammen zu treffen.

Herr Maus ist verblüfft und schweigt ungläubig.

Aber, das wusste ich nicht!

Nein, niemand weiß das.

Was?

Das wir einzig und allein hier sind, um zu einem gewissen Zeitpunkt mit gewissen Menschen zusammen zu treffen.

Du beobachtest selbst Deine Worte staunend von innen.

Herr Maus schweigt. Es ist ihm deutlich anzusehen, dass er nachdenkt.

Ich wusste aber gar nicht, dass ich hier hingehen musste. Ich wusste ja gar nicht, wo ich anfangen sollte!

Und deswegen sind Sie erst einmal zum Arzt gegangen!, half ich ihm.

Ich bin ja Arzt. Jedenfalls habe ich einen weißen Kittel an, mit Vergangenheit, auch wenn mir jetzt mein Schreibtisch plötzlich lächerlich banal vorkommt. Oder sagen wir, Du bist beim Sozialamt beschäftigt oder bei der Postbeschwerdestelle. Das ist alles irgendwie dasselbe.

Im Prinzip. Verstehst Du?

Sie meinen, es war gleichgültig, wo ich zuerst hingehe?, fragt Herr Maus.

Nein, nicht gleichgültig. Es war notwendig, mich hier zu treffen. Es musste so sein.

Herr Maus nickt und Du faltest behaglich die Hände über Deinem Bauch und spielst mit den Daumen Karussell.

Schnapp, Falle zu. Maus drin!

Witzig nicht? Falle zu, Maus drin. Der Mann heißt Maus, wirklich.

Weil, jetzt kommt der entscheidende Satz und der ist wieder nicht von Dir, aber Du kennst ihn schon.

Ich habe Sie erwartet.

Herr Maus ist verunsichert.

Erwartet?

Du nickst.

Weil ich Ihnen jetzt sagen muss, wo Sie weiter hingehen müssen.

Wohin ich jetzt gehen muss?

Jawohl.

Herr Maus wartet mit geweiteten Augen.

Zum nächsten Punkt. Verstehen Sie?

Nein.

Herr Maus versteht nicht.

Sie müssen einen bestimmten Mann aufsuchen. Müssen ihn treffen.

Wen denn?

Herrn Herold. Der arbeitet in einer Klinik. Sagen Sie einfach, Sie kommen von mir und warnen Sie ihn auch.

Herrn Herold, meinen Sie?

Ja. Der ist der Leiter der städtischen Psychiatrie und Du stellst Dir bereits vor, wie er reagieren wird, wenn Herr Maus vor ihm sitzt, so wie jetzt vor Dir und es wird Dir wirklich behaglich zumute.

Herr Maus ist beeindruckt und notiert sich die Adresse auf einem Zettel, den er sich von Dir ausleiht, natürlich auch mit Deinem Kugelschreiber. Den gibst Du nicht gerne aus der Hand.

Er ist so etwas wie ein Stück Deines Körpers geworden und fühlt sich beschmutzt an, als Du ihn zurücknimmst.

Danke, sagt Herr Maus im Aufstehen.

Hätte er nur seinen eigenen Kugelschreiber dabei gehabt.

Er hält die Türklinke gerade in der Hand, da dreht er sich noch einmal um und fragt vorsichtig:

Aber was werden Sie unternehmen, wegen der Welt?

Du stutzt. Was will er denn noch?

Nichts!

Nichts?

Nein, sie wird untergehen.

Aber wir werden alle sterben!

Das ist unwichtig. Hauptsache Sie treffen Herrn Herold, dann ist vielleicht noch was zu retten.

Er nickt.

Und wen treffen Sie?, fragt er leise?

Du schaust Herrn Maus an und Dein Lächeln erstirbt Dir auf den Lippen.

Den Nächsten, flüsterst Du. Den Nächsten.

1. Kristine

Und zwei gute Freunde

Wenige Tage später hätte ich die Geschichte normalerweise wieder vergessen. Nun gut, nicht ganz. Ich fand sie selbst so genial, dass ich sie zwei oder drei Freunden erzählte, denen ich unter Gelächter versichern musste, dass es sich wirklich so zugetragen hatte.

Herr Maus war nämlich wirklich von mir schnurstracks in die Psychiatrie gefahren, mit der BVG, und natürlich dortgeblieben. Diagnose: Schizophrenie. Freiwillige stationäre Aufnahme.

Kein Grund also, noch dran zu denken.

Allerdings wurde der Leiter der Psychiatrie, Herr Prof. Herold, kurze Zeit später in einem Waldstück auf dem Gelände der Psychiatrie mit einem Brandzeichen auf der Stirn tot aufgefunden.

Genau, mit einem frisch in die Stirn eingebrannten Zeichen, und zwar nicht mit einer Zigarette oder so, sondern ganz offensichtlich richtig mittels eines Brandeisens.

Die Polizei stand offenbar vor einem Rätsel, wie der Artikel vermeldete.

Ich erkannte den Professor gleich wieder, auf dem Zeitungsfoto. Als Täter kam ein Patient in Verdacht, mit dem er, ganz entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten, ein Gespräch im Garten der Psychiatrie geführt hatte, eben auf einem Spaziergang durch das Gelände der Psychiatrie und dieser Patient war niemand anderes als Herr Maus, wie ich von Schwester Kristine erfuhr.

Die Mitteilung jedoch, dass Herr Maus offensichtlich der Letzte war, mit dem Prof. Herold Kontakt gehabt hatte, erschütterte mich tief.

Erstens war Herr Herold mein Lehranalytiker gewesen, mit dem ich in meiner eigenen Ausbildung zum psychosomatischen Arzt viele Stunden verbracht hatte, um ihm zu erzählen, welche verwinkelten Gedankengänge und Gefühlsregungen mich in meinem Innersten bewegten.

Das schafft Verbindung, wie zu einem Freund. - Mehr noch, wie zu einem Vater. Sogar zu einem echten Vater - der wirklich mal zuhört. Schon deshalb erschütterte mich diese Nachricht.

Zweitens geht ein Psychiater seit 1920 nicht mehr mit seinen Patienten spazieren.

Und drittens, hätte ich Herrn Maus nicht in dieses seltsame Gespräch verwickelt, so wäre Herr Prof. Herold wohl noch am Leben.

Und dieses Schuldgefühl nagt bis heute an mir.

Herr Maus blieb im Übrigen verschwunden.

Schwester Kristine war schon vor Jahren in meiner eigenen Praxis als Mitarbeiterin tätig, bevor ich mich aus finanziellen Gründen verkleinern musste. Sie wechselte dann auf meine Vermittlung hin als Schwesternhelferin in die geschlossene Männerstation in eben dieser Psychiatrie.

Wir hatten immer noch einen guten Kontakt und außerdem ist Kristine recht hübsch und fröhlich, so dass es Spaß machte, sie ab und an zu besuchen.

Sie hat einen unehelichen Sohn, der ihr jetzt schon über den Kopf gewachsen ist, wörtlich wie bildlich, und eine fixierte Vorstellung von ihrem Traummann, der sich aber einfach nicht in ihrem Leben einstellen möchte. Groß und stattlich muss er sein, Typ Offizier oder so, kantiges Gesicht. Na ja.

Ich suchte Kristine natürlich sofort auf, indem ich während meiner nachmittäglichen Hausbesuchstour einen kleinen Abstecher in der Psychiatrischen Klinik machte. Glücklicherweise hatte sie gerade Spätdienst.

Ich habe immer so ein ungutes Gefühl, wenn ich eine Psychiatrie besuche. Irgendwie kommt mir die Absurdität des menschlichen Lebens besonders deutlich zum Bewusstsein, sobald ich die Treppen zum Hauptportal emporsteige. Meist vorbei an rauchenden, blassgesichtigen Menschen mit verhaltenen Gesten, abwesenden oder durchdringend starrenden Blicken, ungepflegten Haaren und diesen typischen tippelnden Schritten. Das kommt von den Medikamenten.

Ganz schlimm wird es auf der geschlossenen Station. Eine ziemlich massive Eingangstür verwehrt dem Besucher den Zutritt. Auf das Läuten öffnet ein Pfleger oder eine Schwester selbst die Tür. Dann halte ich meist den Atem an. Denn in meiner eigenen Psychiatriezeit war dies genau der Moment, wo der eine oder andere Insasse versucht hat, dem fürsorglichen Zugriff der Medizin zu entweichen, wie ein Fisch dem Netz, in dem er ein Loch findet.

Einer lief im Nachthemd sogar durch die geschlossene Eingangstür in der Haupthalle und die ist aus massiven Glas. Seltsamerweise, ohne Verletzungen davon zu tragen. Zwei Tage später brachte ihn die Polizei wieder zurück. Sie konnten ihn nicht mehr in einer Einzelzelle halten, denn er hatte dort so ziemlich alles demoliert was irgendwie abzureißen, durchzubrechen oder zu zertrümmern war.

Glücklicherweise bekamen sie heraus, dass es ein entwichener Psychiatriepatient war. So konnten sie sich diesen Ärger vom Hals und aus dem eigenen Haus schaffen.

All das ging mir immer wieder durch den Kopf, ebenso wie das Signal, wenn ein renitenter Patient mittels körperlicher Überzeugung in die Fixierung ins Bett gebeten werden musste.

Das ging in etwa so:

Ein Patient glaubte sich plötzlich für das Leid der Welt verantwortlich. Er kam beispielsweise von einem Arbeitsversuch auf dem Friedhof zurück und rannte außer sich vor Erregung und Schuldgefühlen in seinem Krankenzimmer auf und ab. Meine Versuche als junger Assistenzarzt, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, scheiterten kläglich. Er konnte weder einsehen, dass die Welt sowieso und an sich schlecht ist, noch verstehen, dass er selbst nicht schuld daran sein konnte, weil ich ja schon Schuld daran war.

Im Gegenteil, meine Versuche, ihn zu beruhigen, führten schließlich dazu, dass er auf mich zusprang und mich zu erwürgen gedachte, was ich in letzter Sekunde verhindern konnte, indem ich ihm recht gab.

Durch diesen Angriff auf eine Respektsperson, die auch ein junger Assistenzarzt darstellt, wurde eben eine Strafmaßnahme zwecks Verabreichung einer anti-psychotischen Spritze notwendig. Auf ein besonderes Codewort hin hatten sich alle Angestellten der Station um den uneinsichtigen Delinquenten zu scharen, ihn in eine Ecke des Krankenhausflures zu treiben und sich auf Signal auf ihn zu stürzen, um den sich heftig Wehrenden in das dafür bereits vorbereitete Bett mit den Arm- und Beinfesseln zu begleiten.

Ich erlebte diese Situation stets in mir und außerhalb von mir, war also agierender und seltsam unbeteiligter Zuschauer zugleich.

Psychiatrie ist so eine Art Spiel. Sag mir deine Sicht der Welt und ich bring dir meine bei. Sobald du die akzeptierst, dann geht es dir besser und du brauchst nicht mehr im Treppenhaus vor den Nachbarn zu masturbieren oder dich durch umgedrehte Stühle fremdstrahliger Beeinflussung zu erwehren.

Bloß, mein eigenes Leben spielte sich eben auch im Irrenhaus ab, Tag für Tag, Stunde für Stunde und als ich das begriff, war der Aufenthalt für mich dort beendet.

Deswegen hatte ich auch einige Skrupel, Kristine dahin zu empfehlen.

Kristine ist aber eher praktisch orientiert, voller Mitleid und auch mit der richtigen Portion Schadenfreude, so dass sie gerne und kichernd die neuesten Anekdoten des Stationsalltags zum Besten gibt.

Ich traf sie gerade dabei, wie sie die Dienstpläne für die nächsten Wochen sichtete.

Sie hatte in der Tat Interessantes zu berichten.

Erst einmal war natürlich der Tod des Professors ohnehin tagelang Gegenstand von Spekulationen in den Gazetten. Insbesondere wegen des Brandmals auf der Stirn.

Es musste frisch eingebrannt worden sein, nicht älter als einige Minuten, aber da muss der Professor noch gelebt haben!

Ein merkwürdiges Zeichen. Wie eine Medaille. Etwa fünf Zentimeter groß und rund, so dass es die ganze Stirn ausfüllte. Herr Herold hatte nur noch wenige Haare und eine typische Stirnglatze.

Darauf konnte man mit etwas Phantasie ein Symbol erkennen: ein Kreis, in dem sich ein Quadrat befindet, das wiederum ein Kreuz enthält.

Ein rätselhaftes Symbol, das mir merkwürdig bekannt vorkam.

Der Gerichtsmediziner vermutet Tod durch Schock, denn weitere Zeichen von Gewalteinwirkung waren nicht zu entdecken.

Kristine wunderte sich aber noch über eine andere Auffälligkeit. Der Professor hatte scheinbar ein ungewöhnliches Interesse für Herrn Maus entwickelt und zwei oder sogar dreimal habe sie mitbekommen, dass er mit Herrn Maus über Lottozahlen redete.

Man stelle sich das einmal vor!

Natürlich konnte sie aus den Bruchstücken, die sie bei den kurzen Begegnungen auf dem Anstaltsflur aufschnappen konnte, nicht mehr als Gesprächsfetzen verstehen. Aber einmal habe sie den Professor ganz deutlich den Satz sagen hören: Guter Freund, ich bin sicher, dass jede Lottozahl eine Koordinate hat in einem vierdimensionalen Raumzeitgefüge. Die ganzen Wahrscheinlichkeitsberechnungen sind der falsche Ansatz. Worauf Herr Maus nickte, aber schwieg.

Sie habe ihr Tablett mit den Abendpillen für die Patienten fast fallen lassen vor Verwunderung, denn, da sie den beiden nachschaute, übersah sie faktisch einen Abstelltisch für Geschirr und rannte dagegen.

Herr Maus sei von dem fraglichen Spaziergang gar nicht mehr zurückgekommen.

Soweit war ja wohl auch der Stand der Ermittlungen der Polizei.

Wenn ich eins weiß, dann dass Prof. Herold wohl nie Lotto gespielt hat. Er fand es irrational. Nannte es die Zusatzsteuer für Idioten. Im Übrigen konnte man seine Meinung nur erahnen, da er sich meist in professioneller Zurückhaltung übte, das heißt, ein Spiegel für die Klienten sein wollte. Mit anderen Worten, die ganze Situation erscheint mir völlig abgedreht.

Abends habe ich mit Philipp und Hartmut die ganze Sache nochmals durchgespielt.

Philipp ist ein alter Kumpel von mir, Apotheker, der relativ sachlich an die Dinge rangeht. Hartmut ist als Gynäkologe eher der Bauchmensch.

Ich versuche mal, Teile des Gespräches aus dem Gedächtnis wiederzugeben. Also, nach dem dritten Kilkenny meinte Philipp so in etwa: Sowieso alles Quatsch. Woher sollte er denn das Brandeisen haben?

War's denn ein Brandeisen?, fragte Hartmut und schaute mich an, als wenn ich dabei gewesen wäre.

In der Zeitung stand, er hatte ein Brandmal auf der Stirn und Kristine bestätigt es, antwortete ich.

Ach, Kristine muss mal wieder kommen und meine Hemden bügeln, fiel es Philipp dabei ein. Nun lebt der mit zwei Frauen in wilder Liaison, aber keine von denen schafft es, Philipps Hemden zu bügeln und er selbst hat keine Zeit oder kein Talent. Tanzen kann er auch nicht. Kristine aber und bügeln kann die auch. Ich wollte Kristine eigentlich mal mit Philipp verkuppeln, weil die immer noch solo ist, nach ihrer Scheidung, und Philipp war auch nicht richtig unter der Haube. Aber wer nimmt schon eine Frau mit einem pubertierenden Kind, wenn er ganz klar im Kopf ist? Philipp jedenfalls nicht. Dabei ist Kristine recht hübsch und gut gebaut, wie gesagt.

Hartmut hat auch so ein Pech. Er war eine Zeitlang mit seiner Sprechstundenhilfe befreundet. Die erinnerte mich vom Gesicht her an das Modell auf einem Werbefoto einer Kosmetikfirma für Faltenunterspritzung. Wie üblich hatte die Dame auf dem Foto es überhaupt nicht nötig, sich irgendwo unterspritzen zu lassen. Das Foto stand lange Zeit auf meinem Schreibtisch. Das brauche ich schon deshalb, weil ich jeden Tag so viel Elend zu sehen bekomme. Wenn mich wieder mal ein mitleidheischendes Gesicht um eine 7-tägige Krankmeldung bat, dann schaute ich es an und dachte, was für ein Scheißjob das so ist in einer Praxis.

Jedenfalls war Martina, so hieß Hartmuts Freundin, vom Gesicht her fast wie dieses Modell. Jung und schön. Hartmut war schon über fünfzig. Und sein Pech war, dass Martina gerne mit schnellen Motorrädern durch die Gegend gefahren wäre, aber nicht genug Geld verdiente, um sich selbst eins zu kaufen und Hartmut dieser Vorliebe nichts abgewinnen konnte. Außerdem war Martina in Wirklichkeit in einen Waldarbeiter aus Neuseeland verliebt, der ein wirklicher Prolet gewesen sein muss, aber mit Motorrad und ungeheuer männlich. Nur leider ist Neuseeland weit. Hartmut aber war nah, leider ein bisschen wie der Esel I-Ah aus Winnie the Pooh und eben ein Gefühlsmensch mit dem Hang zu Selbstmitleid.

Kurz und gut. Es war seit Kurzem aus zwischen den beiden und Hartmut nicht nur solo, sondern auch seine Hauptkraft in der Praxis los.

Außerdem ist es nicht einfach, ein Brandmal fachgerecht aufzubrennen, meinte er grübelnd.

Klar, du brauchst wenigstens ein Kohlebecken, um das Brandeisen heiß zu machen, erklärte ich, an einen Western denkend, den ich vor hundert Jahren mal gesehen habe.

Nicht unbedingt, entgegnete Philipp. Ein Lötbrenner tut es auch.

Aber auf jeden Fall mehr als einen, meinte Hartmut.

Wieso?, fragte ich.

Na, würdest du still halten, wenn dir jemand mit einem Brandeisen was auf die Stirn drücken wollte?

Branding?, grinste Philipp. Vielleicht war der Professor pervers?

Quatsch!, rief ich entrüstet aus, denn es handelte sich ja nicht um irgendeinen x-beliebigen Professor, sondern um meinen Lehranalytiker. Aber ehrlich gesagt, sicher war ich mir da nicht.

Wieviel meinst du?, fragte ich Philipp, müssen denn dabei gewesen sein?

Also mindestens zwei.

Du meinst, Herr Maus hatte einen Verbündeten?

Philipp zuckte mit den Schultern.

Das glaubte ich nun wieder nicht. Also ein bisschen Menschenkenntnis habe ich nun doch und Herr Maus war eindeutig Schizo. Diese Leute arbeiten nicht in sozialen Verbänden.

Eher besteht ihre Haupttätigkeit darin, sich sozial unbeliebt zu machen. Darüber steht in den Psychiatrielehrbüchern übrigens so gut wie nichts.

Wir waren nach weiteren Kilkennys schließlich zu der Meinung gekommen, dass Herr Maus damit überhaupt nichts zu tun haben konnte. Und ich für meinen Teil wäre auch froh darüber gewesen. Weil, dies hätte gleichzeitig meine Exkulpierung dafür bedeutet, dass ich Herrn Maus zu Prof. Herold geschickt hatte.

Leider gibt es da einen kleinen Umstand, der sich selbst mit 1,2 Promille im Blut nicht wegdiskutieren lässt. Nämlich der, dass mir das Brandmal, das Zeichen auf der Stirn des Professors, durchaus nicht unbekannt war.

Nicht nur das, ich habe den erheblichen Verdacht, dass ich der Urheber eben dieses Zeichens bin!

2. Levi

Der Kuli

Versuchen wir, den Faden wieder aufzunehmen.

Immerhin stellt sich nach wie vor die Frage, wer war der Mörder von Prof. Herold?

Dieser Frage ging selbstverständlich auch die Polizei nach. Es versteht sich von selbst, dass ich wenige Zeit später von einem freundlichen Beamten zur Zeugenaussage über Herrn Maus gebeten wurde, der immer noch flüchtig war.

Er kam sogar in meine Praxis und das fand ich sowohl komisch als auch ungewöhnlich. Komisch schon deshalb, weil er sich eben auf den Stuhl setzte, auf dem auch Herr Maus gesessen hatte, und ungewöhnlich, weil ich fand, er hätte mich auch auf die Polizeistation einladen können.

Aber nun saß er da und war eben der Nächste, wurde zur Unperson. Seine mausgraue Zivilkleidung passte sehr gut zu der ganzen Geschichte und statt Antworten bekam er nun meine nichtssagenden Ausflüchte zu hören, die er aber eifrig notierte. Schließlich versagte ihm sein Kuli den Dienst und er fragte nach einem meiner Stifte, die ich stets wohl sortiert vor mir auf dem Schreibtisch in einer Lederschale liegen habe. Ich konnte nur durch eine schnelle Bewegung verhindern, dass er ungefragt den Kuli ergriff, den sich auch Herr Maus ausgeliehen hatte, was ihn etwas irritierte.

Dieser Kuli war mir heilig. Denn er war zwar durch Herrn Maus entehrt worden, aber eben auch geheiligt. In ihm lag vielleicht die Antwort auf weit dringlichere Fragen als: Wann kam Herr Maus in Ihre Praxis, welchen Eindruck machte er auf Sie und würden Sie Ihre Aussagen auch vor Gericht wiederholen wollen?

Ich nahm den Kuli mit einem schnellen Griff an mich und steckte ihn vorsichtig in meine Brusttasche, so dass der Polizist gezwungen war, einen anderen zu nehmen.

Er stutzte, zog die Augenbrauen hoch und ich interpretierte seinen Gesichtsausdruck so, dass er andeuten wollte, Ärzte seien allesamt ein wenig seltsam, wenn man es genau nimmt.

Ich ertappte mich dabei, dass ich den Kuli wieder hervorzog und während des ganzen Gespräches anstarrte wie einen Gegenstand vom Mond. Zwischenzeitlich überhörte ich sogar einige seiner Fragen, so dass er gezwungen war, sie zu wiederholen, wodurch sein Gesicht einen etwas mürrischen Ausdruck annahm.

Ich schrak auf, als ich bemerkte, dass es wohl schon eine ganze Zeit still gewesen sein musste. Ich blickte ebenso gespannt auf den Kuli, den ich in meinen Händen drehte wie er. Als sich unsere Blicke trafen, fragte er: Was ist damit?

Womit?

Mit dem Kuli?

Ach nichts!, beeilte ich mich zu sagen und legte ihn, vielleicht etwas zu schnell, wieder in die Schale zurück.

Aha - Macht ihnen etwas Sorgen?

Nein, nein, log ich und er zuckte mit den Schultern. Schönen Dank für die Auskunft, wenn Ihnen noch etwas einfällt, dann rufen Sie mich doch bitte im Polizeipräsidium an.

Ich versprach es.

Es gibt nur eines, was ich nicht verstehe. Wie kann ein Zeichen, dass ich selbst erfunden habe, auf der Stirne des Professors erscheinen?

Vielleicht ist der Kuli ja die Antwort.

Heute nach der Sprechstunde werde ich ihn mitnehmen.

Der Nächste bitte, rief ich in die Sprechanlage.

3. Burn out

Und zwei Penner

In den nachfolgenden Tagen schlief ich ziemlich schlecht und grübelte viel, jedoch vergeblich über diesen seltsamen Mord.

Geradezu verweilte ich mehr und mehr in einem Zwischenreich zwischen Wachen und Träumen, war immerzu müde und nahm alles wie von Ferne her war.

Beispielsweise erinnere ich mich nicht einmal mehr der nachfolgenden Tage. Der Schreibtisch meines Sprechzimmers schien auf eine merkwürdige Weise unwirklich geworden zu sein. Es war zwar immer noch ein Schreibtisch, aber er erschien auf absurde Weise zu kurz, der Abstand zum Nächsten zu gering, um ein wirklicher Schutz vor der unguten Einflusssphäre mitleidheischender Patienten zu sein. Auch ragten meine Beine zu weit darunter hervor, denn in der Mitte zwischen den beiden Seitenteilen war nichts wie Luft ohne jede Grenze zu den Beinen des Gegenübers.

Gleichfalls schienen meine Augen in Mitleidenschaft gezogen zu sein, nein, nicht das anatomische Auge an sich, sondern der Seheindruck, welchen es vermittelte. Er war wie in einem Aquarium ohne Taucherbrille. Es vermittelte nur noch einen undeutlichen Eindruck von dem Geschehen in meiner Praxis, die Gesichter wollten sich nicht mehr einstellen, sondern verschwammen zu schemenhaften Fratzen, auf denen nur noch erstarrte, erschrockene Gesichtszüge zu vermuten waren.

Ja, ich fragte mich tatsächlich manchmal, ob ich eigentlich nur weiter träumte, dass ich arbeite oder nicht, zwickte mich ungeduldig in den Arm, ohne wirklich Schmerz zu empfinden, oder bohrte mir mit dem Kugelschreiber Löcher in die Haut.

Es half nichts. Der Zustand blieb.

Schließlich gab ich es auf, auch weil mir von meiner Umgebung deutlich gemacht wurde, dass ich wohl urlaubsreif sei und man mir nahelegte, einige Tage auszuspannen.

Ganz gegen meine Gewohnheiten lief ich zu Fuß nach Hause. Das ist an sich nicht weit, sondern nur etwa 2 Kilometer, aber normalerweise bin ich zu faul dazu und nehme das Auto. Dann sah ich sie plötzlich, die Bienen. Die schwirrten im Gebüsch hinter einer beschmierten, wohl ehemals rot gestrichenen Parkbank, auf der zwei Penner saßen. Der eine, mit einer Flasche Bier in der Rechten, die halb leergetrunken zwischen seinen Beinen baumelte, beim Versuch aufrecht sitzen zu bleiben und nicht hinunter zu rutschen, während in der anderen Hand ein noch glimmender abgelutschter Zigarettenstummel das Nikotinbraun der Fingerkuppen vermehrte und ein zweiter Pennbruder, etwas beleibt, gleichwohl ebenso stinkend und verlumpt, der sich gemütlich zurückgelehnt hatte und eine dicke Zigarre rauchte.

Ich hätte wohl beide nicht bemerkt, während ich an der Ampel auf Grün wartete, weil sich die Parkbank in meinem Rücken befand, hätte der dickere nicht folgenden Satz gesagt: Ich hab früher auch Kippen geraucht, mach ich aber nicht mehr. Und weißt du warum nicht? Weil ich mich so viel mehr darauf freuen kann, gemütlich eine schöne Zigarre zu rauchen! Der andere rülpst und murmelt etwas Unverständliches. Das ist mir wie Weihnachten und Geburtstag in einem, fährt der beleibtere fort, der dicke rote Wangen hat und Wurstfinger, in denen eine halb abgerauchte Zigarre klemmt, die er genüsslich inhaliert.

Das heißt für mich Leben. Sich auf was freuen können! Auf meine Zigarre!

Der andere rutscht jetzt doch von der Parkbank, indem er kopfüber nach vorne sinkt und böse aufschlägt. Die Ampel ist jedoch gerade Grün geworden und alle anderen Passanten haben es sehr eilig, rüber zu kommen.

Ich weiß nicht, ob es antrainierter Reflex war oder die Art, wie der Dicke den Satz formuliert hat, der mich bewog, mich umzudrehen und die beiden anzuschauen. Es war ein deutlich ausgesprochener, ganzer, zusammenhängender Satz mit so viel Zufriedenheit darin, wie ich sie selten in letzter Zeit vernommen habe.

Einen kurzen Moment betrachte ich die beiden zerlumpten Gestalten, den Runtergesunkenen und den anderen, den Zigarre rauchenden, da sehe ich diesen merkwürdigen Bienenschwarm über ihnen im Gebüsch, die zwischen den unscheinbaren, kleinen Blüten hin und her schwirren und merkwürdige Muster bilden, die kurz Bestand haben, um sich dann wieder aufzulösen und sich von Neuem zu bilden. Unbestimmte Muster von großer Schönheit und Zartheit.

Herr Maus fällt mir wieder ein und ich beginne zu ahnen, dass er vielleicht recht haben könnte.

4. Bruderschaft Erasmus von Rotterdam

Das Geheimnis

Herrschaften, fassen wir einmal zusammen, was wir bislang an Fakten vorliegen haben! Die knarrige Stimme des Großmeisters durchschnitt die betretene Stille im Raum. Nur das Scharren unruhiger Füße auf dem Eichenparkett wies auf die nervöse Spannung der Anwesenden hin, die sich hier versammelt hatten, in aller Eile und zu ungewöhnlicher Stunde, es war kurz vor 2 Uhr morgens. Schlaftrunken die einen, die der Ruf des Großmeisters aus dem Bett befohlen hatte, mürrisch die anderen, die sich gerade bereit machten, sich nach durchgearbeitetem Abend endlich zur Ruhe zu begeben.

Aus antiken Eichenmobiliar, liebevoll und aufwändig restauriert, stieg der Geruch vieler Jahrhunderte auf und vermischte sich mit dem essigsauren Duft alter Steinsäulen. Das heisere Räuspern einiger Anwesender warf ein trockenes Echo von den holzvertäfelten Wänden zurück, an denen alte Porträts ehrwürdiger Meister in ersterbenden Farben hingen, die ausdruckslos aus toten Augen die Runde der Anwesenden prüfend und ernst zu durchdringen schienen.

Nein, wohl war den Anwesenden nicht zumute, denn der ungewöhnliche Tot eines ihrer Mitglieder, des Berliner Psychiatrieprofessors Herold warf Fragen auf, unangenehme Fragen, die durch bittere Vermutungen und Verdächtigungen genährt wurden.

Noch nie in der langen, nahezu 500-jährigen Geschichte des Ordens Erasmus von Rotterdam war einer der Meister auf diese Weise hingerichtet worden.

Noch niemals!

Was wissen wir schon?, räusperte sich säuerlich einer der Anwesenden mit schütterem grauen Haar.

Ich habe gleich davor gewarnt, das Siegel zu benutzen!, fiel ihm ein anderer ins Wort, dessen blasses faltiges Gesicht, eingefallen durch die Entbehrungen freiwilliger Askese oder aber fanatischer Studiersucht, eine bogenförmig gekrümmte Nase aufwies.

Ein unwilliges Raunen ging durch die Runde.

Ach was!, empörte sich ein Dritter, Wir sind alle nur zum Narren gehalten worden. Da ist nichts dran, gar nichts!

Mäßigen Sie sich!, hob der Großmeister beschwörend die Hände, da der Disput in einen offenen Streit auszuarten drohte.

Brüder!, meldete sich nun eine kräftige sonore Bassstimme, die einem Mitglied des Ordens gehörte, dessen stämmige, beleibte Gestalt sich nur unwillig in die engen, hölzernen, kunstvoll geschwungenen Stuhllehnen einfügen wollte, Brüder, ich bitte Euch, wir wissen rein gar nichts! Es muss unsere heilige Aufgabe sein, nun endlich Wissen und Klarheit in die Angelegenheit zu bringen, anstatt mit unnützen Spekulationen die späte Stunde zu verbringen.

Zustimmendes Brummen von der ein oder anderen Seite war zu vernehmen, was der Großmeister mit einem unwilligen Stirnrunzeln zur Kenntnis nahm. War er im Begriff seine Autorität über die hier Versammelten einzubüßen?

Nun, danke Bruder Pankratius, hob er denn auch sofort an, um dem anderen keine Chance für einen weiteren Satz zu lassen, Es ist eine gewisse Eile geboten! Und ..., er verharrte einen Moment, um zu prüfen, dass auch wirklich jeder ihm genügend Aufmerksamkeit schenkte, und ... es ist nicht ausgeschlossen, dass dies nicht der letzte Mord sein könnte, der unsere Bruderschaft betrifft. Entsetztes Murmeln ging durch den Raum, was der Großmeister mit selbstgefälligem Wohlwollen quittierte. Allerdings musste er sich eingestehen, dass genau dies die Angst gewesen war, die ihn veranlasst hatte, alle anderen Verschworenen der Gemeinschaft zu so später Stunde noch zusammen zu rufen, dass es die Angst war, es könne als Nächsten ihn selbst treffen!

Genau genommen hatte er seit dem Erscheinen der Zeitungsmeldung über den mysteriösen Mord kein Auge mehr zugetan, war übermüdet und voller verzweifelter Grübeleien.

Wieso meint Ihr, verehrter Großmeister, war nun die zittrige Stimme des Ordensältesten zu vernehmen, dass sich eine derartige Tragödie wiederholen könnte?

Malt nicht den Teufel an die Wand!, brummte ein anderer unwohl.

Ja, erklärt Euch!, rief es aus der Runde.

Herrschaften, hob nun der Großmeister an und merkte, dass ihm die Angst die Kehle zuzuschnüren begann. Er zwang sich zur Ruhe. Es stand nicht nur seine Autorität, sein Status auf dem Spiel, nein, er fürchtete zum ersten Mal um sein Leben.

Herrschaften, ist denn nicht offensichtlich, dass es sich um eine finstere Intrige handelt? Ein mörderischer Machtkampf?

Die anderen schauten ihren Großmeister sprachlos an. Hatte er den Verstand verloren? Sicher, es gab Konkurrenz unter den Orden vor allem um die Besetzung wichtiger Positionen in Wirtschaft und Politik, aber auch die Wahl des Hierophanten und Leiters aller vereinigten Bruderschaften Europas stand bevor, aber Mord?

Der Großmeister räusperte sich, um seinen Hals frei zu bekommen. Es ist das Siegel, Herrschaften, was mir Sorgen macht. Das Siegel, welches uns durch dunkle Kanäle offenbart wurde und welches jetzt als zynisches Zeichen auf die Stirn unseres geliebten Vizegroßmeisters gebrannt wurde. Herrschaften, ist das nicht Warnung genug?

Die anderen schwiegen betroffen. In der Tat war dies wohl mehr als ein Zufall.

Das Siegel hatte inzwischen bei Lichte betrachtet durch seine bloße Existenz mehr Schaden angerichtet als jedes andere Symbol vorher. Es hatte genau genommen die Bruderschaft zersetzt, das Denken verwirrt, den Zusammenhalt, geschmiedet aus gemeinsamen Studien alter Traditionen und Riten, zerrüttet.

Der Streit hatte schon begonnen, als es zum ersten Mal aufgetaucht war.

Der Großmeister versuchte, sich zu erinnern.

Es war kurz vor dem spanischen Osterfest, der Semana Santa, nahe Alozaina in einem versteckten Ort Namen Jorox, auf der Hochebene La Mesa.

Ostern versammeln sich dort im Laufe des Nachmittags am Samstag die Einwohner, schmücken Kreuze mit Altären, Dekorationen und Blumen, die dann in den Straßen von Alozaina gezeigt werden. Die Wallfahrt wird am Sonntag gefeiert, wenn das Heilige Kreuz mit Spiegeln und Glas versehen und geschmückt mit Blumen nach Jorox getragen wird. Nach Tanz und Gebeten genießen die Pilger einen Tag auf dem Land mit Lebensmitteln und traditionellem Fandango.

Allerdings hatte der Ort auch eine ältere maurische Tradition und noch davor war die La Mesa eine heilige Stätte archaischer Religionen mit so manchem Blutopfer gewesen.

In Anbetracht der kultischen Bedeutung dieses Ortes und dessen großer spirituellen Energie, genährt auch durch die Kraft kleinerer kalter Gebirgsbäche, die früher einmal verschiedene Mühlen antrieben, begab man sich jährlich zum Treffen der europäischen Bruderschaften am Tage vor dem eigentlichen Fest, um geheime mystische Kulte zu zelebrieren, die in die graue Urzeit zurückreichen mussten.

Einer der älteren spanischen Brüder blieb mit dem Fuß an einem flachen lockeren Stein hängen, so dass er unweigerlich gefallen wäre, hätte man ihn nicht umgehend gestützt.

Ein Mitbruder hob die kleine Steinplatte auf, um das Hindernis aus dem Weg zu räumen, ... da lag das Siegel darunter. Eine mattgrau glänzende Medaille mit diesem merkwürdigen Zeichen, mit diesen Schriftzeichen und Zahlen auf beiden Seiten. Hebräische und griechische Schriftzeichen und römische Zahlen, I, V, VI und XV. Im Zentrum des Siegels, einem kleinen Kreis, glitzerte ein kleiner Diamant, wie man damals glaubte. Am oberen Ende der Medaille war ein Loch angebracht, ganz offensichtlich, um eine Kette oder Ähnliches befestigen zu können.

Doch als der Bruder es aufheben wollte, da verbrannte es ihm die Handfläche. Es war so heiß, dass niemand der Anwesenden es ohne Schutz anfassen konnte.

Und nicht nur dass, nachdem es endlich heimlich und schnell geborgen war, eingepackt in schützendes Asbest, so stellte sich heraus, dass es radioaktiv strahlte und tödlich für jeden war, der sich längere Zeit in seiner Nähe aufhielt.

Damals war es äußerst schwierig, den Fund geheim zu halten, um ihn vor der Welt und auch den anderen Bruderschaften zu verbergen, bis man das Rätsel um seine Herkunft und Bedeutung gelöst hatte.

Welche Hoffnung auf unsterblichen Ruhm war für den Großmeister damit verbunden gewesen, nur getrübt durch den Tod der Brüder, die das Siegel gefunden und berührt hatten!

 Seitdem ruhte es tief in den Bleikammern des Ordens. Aufgrund der radioaktiven Strahlung war es äußerst gefährlich, ungeschützt die Bleikammer nochmals zu betreten.

Nur ein Foto beider Seiten durfte einem engeren Kreis der wissenschaftlich tätigen Brüder zur Grundlage der Studien über die Bedeutung der Symbolik dienen. Und jetzt schien das gut geschützte Geheimnis durch einen heimtückischen Mord verraten, an die Öffentlichkeit gezerrt.

Ist ... es ... denn noch dort?, fragte der Bruder mit der sonoren Stimme in die schweigende Runde.

Ratlos blickten die Anwesenden einander an. Niemand würde es wagen, in die Gruft zu steigen, um nachzuschauen. Niemand, dem das Leben noch lieb war!

5. Herr Maus

Flucht

Seine schmerzende, verbrannte Hand zitterte vor Angst, als er sie vorsichtig aus der Mülltonne mit den Essensabfällen wieder herauszog. Was er für eine tote Ratte gehalten hatte, entpuppte sich im fahlen Licht der Hoflaterne glücklicherweise als die Reste einer alten, bräunlichen Banane, die er mit Heißhunger verzehrte.

Beim Kauen bemühte er sich, kein unbedachtes Geräusch zu machen, was IHN anlocken könnte. ER suchte nach ihm, das war ihm klar.

ER, von dem nur die Augen zu spüren waren. Neugierige Augen, böse Augen, die ihn verfolgten, bei jeder Bewegung, bei jedem Gedanken. Augen die ihn durchdrangen, bis er glaubte, ganz nackt zu sein.

Jetzt suchte ER nach ihm, weil ER auf ihn aufmerksam geworden war, weil ER ihn bemerkt hatte.

Was sollte er nur tun? Er wagte nicht, aus dem Schatten der Mülltonne hervorzukriechen. Der Hof war zwar nur wenig erhellt, dennoch konnte ein geübtes Auge jede Bewegung erkennen.

Er beobachtete die Lichter in den wenigen hofseitigen Fenstern des Wohnblockes, in dem er sich in seiner Not versteckt hielt. Glücklicherweise war die größere Gemeinschaftstonne heute früh geleert worden, so hätte er einen sicheren Schlafplatz heute Nacht.

Er stank nach Schmutz und Urin, aber das störte ihn nicht. Ihn störte der Rhythmus, in dem die Treppenhausbeleuchtung aufflammte und wieder erlosch, wenn jemand den Hausflur betrat. Gewiss wurde er beobachtet und wahrscheinlich gab ER geheime Botschaften zu anderen über die Treppenhauslichter. An - Aus, Pause, Pause, An..., Aus..., An..., Aus..., Pause..., Pause..., Pause..., ein Morsecode, gewiss. Dann flammte in unregelmäßigen Abständen ein Licht in einem höher gelegenen kleinen Toilettenfenster auf, um sich mit den Treppenhauslichtern zu einem weiteren Code zu verbinden.

Er durfte sich nicht verraten!

Vorsichtig suchte er tastend mit den Fingern seiner rechten Hand nach den Knöpfen, die er sorgfältig vor sich aufgereiht hatte, um seine Verfolger abzulenken und nahm sie einer nach dem anderen geräuschlos auf, um sie in die Manteltasche seines verschlissenen Mantels zurückzustecken. Vielleicht würde er sie noch brauchen, wer weiß?

Er lächelte in sich hinein. ER war gewitzt, sein Verfolger, aber er selbst war auch nicht dumm. Er würde IHN mit verschiedenen Maßnahmen in die Irre leiten.

 Als Erstes würde er IHN mit einer Geheimbotschaft verwirren. Seine Knöpfe waren ein Teil davon, doch offenbar waren sie nicht gesehen worden.

Das machte aber nichts, besser eine unnötige Maßnahme, als sich überraschen lassen.

ER hatte ihn gesehen! Nur kurz hatte er sich umgewandt, weil die Stimme ihn wieder und wieder beleidigt hatte. Warum ließ die Stimme ihn nicht ihn Ruhe, warum tat sie ihm das an? Er fürchtete die Stimme, er verfluchte sie, es half nichts. Sie verspottete und beschimpfte ihn, sie verfluchte ihn wieder und wieder. Wie oft hatte er vor Verzweiflung geweint?

Zuletzt hatte sie ihn gewarnt, ihn angefleht, ihm zugeflüstert. Im Gespräch mit dem Professor hatte sie ihm befohlen. Töte ihn, töte ihn oder er wird dich töten! Er weigerte sich mit aller Kraft, er wollte nicht töten, hatte noch nie getötet. Er war noch immer stark, konnte sich noch immer widersetzen. Wenn sie ihn nur schlafen ließe!

Dann war ER gekommen, von dem er nur den Blick spürte und hatte ihn gesehen. Er war gerannt und gerannt, ohne sich umzusehen. Auch als er über den Zaun stieg, sah er sich nicht um, denn er wusste, dass er IHN anlocken würde mit seinen Blicken. ER war ihm nicht gefolgt, soweit er wusste. Aber sicher würde ER ihn suchen.

Er spürte diese Augen ständig auf sich ruhen, wesenlose Augen, boshafte Augen, verwirrte Augen.

So blieb er, wo er war, hinter der Mülltonne im Schutz der Dunkelheit des Hinterhofes.

Vorsichtig kletterte er in die große Mülltonne, nachdem er den Deckel zurückgeschoben hatte, und legte sich zurecht. Seine geröteten, brandigen Handflächen schmerzten so sehr, dass er sie nicht zu schließen wagte. Dennoch musste er vor Erschöpfung sofort eingeschlafen sein.

Geweckt wurde er durch das entfernte Geräusch einer sich öffnenden Tür. Schritte, die sich näherten. Er war sofort hellwach und versuchte, seinem Versteck zu entkommen, indem er den Deckel des Müllcontainers aufschieben wollte. Zu spät. Er sah durch den schmalen Spalt, den er offen gelassen hatte, eine Männerhand den Griff fassen und der Deckel wurde mit einem Ruck aufgeschoben. Ein Abfallkorb mit Unrat drohte über ihm entleert zu werden. Er sprang auf, um zu fliehen. Ein kurzer erschreckter Laut des Mannes, überrascht, als er schnell aus der Tonne kletterte, ließ ihn einen Moment verharren.

Es war ein junger Mann, nicht unsympathisch, der ihn fassungslos anstarrte und in seiner Bewegung erstarrt war.

Mein Gott, haben Sie mich erschreckt!

Er fühlte, wie er erstaunt angeschaut wurde, erstaunt, aber nicht wütend. Das dämpfte seine Angst ein wenig.

Was machen Sie denn in der Mülltonne?, fragte der Mann.

Er wollte weglaufen, aber irgendetwas im Blick des Mannes tröstete ihn, etwas Bekanntes, aber auch unerträgliches, Mitleid.

Diese Situation kannte er und er schaltete schnell um. Er ließ die Schultern hängen und bemühte sich, ein wenig hilflos zu schauen, als er leise antwortete: Nix, hab hier geschlafen, entschuldigen Sie, ich wollte Sie nicht erschrecken. Ich geh auch sofort weg. Entschuldigen Sie vielmals.

Er drehte sich langsam um, bewusst langsam, um dann noch einmal mit traurigem Hundeblick zurückzuschauen. Der andere reagierte wie erhofft.

Warten Sie mal, Sie haben in dieser Mülltonne geschlafen? Haben Sie denn kein Zuhause?

Herr Maus blickte ihn routiniert traurig an und schüttelte den Kopf.

Oh mein Gott, na kommen Sie erst mal rein. Sie müssen ja halb erfroren sein!

Herr Maus zögerte, die Stimme lachte und flüsterte ihm einige beleidigende Worte zu, die er nicht genau verstand. So war es immer, er verstand die Stimme häufig nicht, aber der Ton, in dem sie die Worte sagte, machten ihm deutlich, dass sie ihn einen Abschaum nannte.

Als der junge Mann ihn weiterhin freundlich anblickte, während er den Mülleimer nun doch in die leere Tonne entleerte, da lächelte er sein scheues Lächeln, sein mausgraues, und stammelte: Na schon, war nicht gerade warm heute Nacht.

Der Mann nahm ihn mit in das Haus, von dem Herr Maus nur die Hofseite kannte. Es stellte sich als ein Studentenwohnheim heraus, mit einer Küche im Souterrain. Da es noch früh war, schien noch kaum jemand wach zu sein. Studenten schlafen lange.

Eine große Gemeinschaftsküche mit vor Schmutz starrenden, an einer Wand aufgereihten kleinen, zweiflammigen Gasherden.

Der junge Mann, der sich als Jürgen vorstellte, Soziologiestudent, fragte ihn nach seinem Namen und lächelte, als er ihn nannte, Martin Maus. Er hasste sich für diesen Namen.

Martin Maus, das Mäuschen, der Doofe, wie sie ihn in der Schule gehänselt hatten, das doofe Mäuschen. Seinen Zorn über die feige Übermacht der Mitschüler hatte er begraben hinter einer Mauer des Schweigens, der Regungslosigkeit, der Empfindungslosigkeit, der gespielten Passivität, wenn sie ihn herumschubsten, ihm nachstellten, um ihn zu quälen.

Sie spielten mit ihm wie Katzen, die ihren Opfern die Beine abbeißen und sich an deren Hilflosigkeit ergötzen, bevor sie sie mit einem Biss erlösten.

Hilfe brauchte er nicht zu erwarten, von niemanden. Er kannte nur das mühsam zurückgehaltene Lächeln der Lehrer, die wütenden Anschuldigungen der Eltern, die ihn eine ›Schande‹ nannten. Das Wehr dich! seines Vaters, welches in dessen Ohrfeigen zermahlen wurde wie grobe Kiesel zu Sand.

Von niemandem hatte er etwas zu erwarten. Auch dieser hier würde sich über ihn hermachen, ihn zertreten wie eine Kakerlake, wenn er sich in seinem Mitleid erschöpft hatte.

›Bohr ihm die Augen aus, du Drecksack‹, sagte seine Stimme, die den Klang eines aufsässigen Kindes angenommen hatte. Herr Maus weigerte sich, zuzuhören, was nur weitere wütende Tiraden der Stimme nach sich zog. Er hielt sich die Ohren zu, obwohl er wusste, dass dies nicht helfen würde. Die Stimme zerfraß ihn von innen.

Ist ihnen nicht gut?, hörte er die besorgte Stimme des Studenten. Glücklicherweise brauchte er nicht zu antworten, da in diesem Moment ein zweiter Student im Morgenmantel und übernächtigt wirkend in die Küche geschlurft kam, einen Moment stutzte, zum riesenhaften Gemeinschaftskühlschrank weiterging und dessen Tür öffnete. Er wischte sich murrend mit dem Handrücken über den Mund, als ihm eine

Sie haben das Ende dieser Vorschau erreicht. , um mehr zu lesen!
Seite 1 von 1

Rezensionen

Was die anderen über Der Tanz der Bienen denken

0
0 Bewertungen / 0 Rezensionen
Wie hat es Ihnen gefallen?
Bewertung: 0 von 5 Sternen

Leser-Rezensionen