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SCHREIBEN SIE DOCH EINEN BRIEF AN FIDEL!: REISEN IN EIN TRAURIGES LAND

SCHREIBEN SIE DOCH EINEN BRIEF AN FIDEL!: REISEN IN EIN TRAURIGES LAND

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SCHREIBEN SIE DOCH EINEN BRIEF AN FIDEL!: REISEN IN EIN TRAURIGES LAND

Länge:
195 Seiten
2 Stunden
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Sept. 2016
ISBN:
9783738084306
Format:
Buch

Beschreibung

Dieses Buch ist für politisch und gesellschaftlich Interessierte geschrieben, die gerne reisen, aber nicht den Cluburlaub mit All Inklusive bevorzugen, sondern auf eigene Faust Erlebnisse suchen. Das in sarkastischer, humorvoller und lockerer Atmosphäre geschriebene Buch macht Lust auf Kuba. Je länger man liest, desto kritischer und nachdenklicher wird dieses Buch. Der Leser lernt im ersten Kapitel die Insel kennen, mit all ihren sowohl positiven als auch negativen Schattierungen. Wer noch nie in Havanna war, bekommt einen Eindruck von der Schönheit dieser Stadt, aber auch von der Morbidität, bekommt einen Eindruck von der Kultur und den Menschen auf Kuba, selbst die Liebe kommt nicht zu kurz.
Der Titel des Buches ist deshalb von mir so gewählt, weil mir auf Kuba mehrmals empfohlen wurde, doch einen Brief an Fidel zu schreiben. Mein Brief, den ich dann auch geschrieben habe, wurde leider von Fidel Castro nicht beantwortet.
Jeder Teil des Buches steht unter einem anderen Motiv, dadurch lernt man die Insel von allen Seiten kennen, die Menschen, die Exekutive, die Geschichte, auch die vom Protagonisten vermutete Zukunft des Landes.
Dieser Roman soll weder dazu beitragen, die Verhältnisse auf Kuba zu verbessern, das gelingt mir sowieso nicht, noch soll es ein Reisebericht sein, die gibt es en Mas, er soll einfach nur unterhalten ...

Also, "SCHREIBEN SIE DOCH EINEN BRIEF AN FIDEL!" auf den E - Book - Reader geladen, ab ins Flugzeug und hin, lassen Sie sich infizieren!
Herausgeber:
Freigegeben:
15. Sept. 2016
ISBN:
9783738084306
Format:
Buch

Über den Autor


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Buchvorschau

SCHREIBEN SIE DOCH EINEN BRIEF AN FIDEL! - Thomas Hergert

Zitat

Wer die ganze Nacht tief und fest schläft,

hat wohl tagsüber Anspruch auf ein wenig Ruhe.

(Kubanische Weisheit)

Erster Teil April 1989

Ein Haus am Strand für mich allein

>>Alles Wassa da undn<< sächselt die blonde Marielu vor sich hin, was sie als Deutsche aus dem anderen deutschen Staat verrät. Normalerweise berlinere ich nicht, trotzdem höre ich mich sagen:

>>Na dit is doch wohl klar, wir sind ja ooch seit zwee Stunden übam Atlantik!<<. Schon seit Jahren hatte ich mir vorgenommen, mein vorlautes Mundwerk besser zu kontrollieren, gelungen ist es mir nie. Marielu, eigentlich Marie-Luise, aber sie bestand auf Marielu, Marie-Luise klingt so altmodisch, meinte sie und ich sitzen in einer Iljuschin 62 der DDR-Fluggesellschaft INTERFLUG, die fünf Stunden zu spät von Berlin Schönefeld gestartet war, der Zielflughafen ist Havanna, José Marti. Vor zwei Stunden kannte ich den Namen meiner Sitznachbarin noch nicht, aber ich wusste bereits, dass sie auf der Insel Kuba lebt und mit einem Kubaner verheiratet ist, den sie in der DDR kennengelernt hatte. Wir schreiben das Jahr 1989 – die Mauer steht.

Ich war vom Berliner Omnibusbahnhof am Funkturm nach Schönefeld zum Flughafen in Ost–Berlin gefahren, die Spannung und Erwartung steigerte sich bei mir ins Extreme. Bei Tchibo hatte ich mir am Tag vor der Abreise eine Tasche gekauft und das Flugticket und die anderen Unterlagen in den Seiteneinschub dieser Tasche gesteckt, kaum saß ich in dem Transferbus,

guckte ich zum vielleicht fünften Mal nach, ob alles Wichtige

drin war, Reisepass, Flugticket, Hotel - Voucher etc. –

NICHTS WAR DRIN – LEER!

Ich war alarmiert, Puls 160! Den Koffer und die Tasche geschnappt und raus aus dem Bus, in den ich keine zwei Minuten vorher eingestiegen war. Der Busfahrer öffnete geduldig mit hochgezogenen Augenbrauen die Tür, stellte den Kopf schräg und ließ mich kommentarlos wieder raus.

Noch einmal nachgucken, das konnte ja nicht sein, ich hatte doch alles eingepackt. Kalter Schweiß trat blitzschnell auf meine Stirn. Wenn ich noch einmal zurück muss, komme ich zu spät, denn zwei Stunden vor dem Abflug soll ich da sein.

ALLE UNTERLAGEN WAREN WIEDER DA!

Ein Albtraum? Ich stand neben meinem gelben Koffer, gelb deshalb, weil man den nicht so gerne klaut und auf dem Gepäckband leichter schon aus der Ferne von den üblicherweise schwarzen Koffern unterscheiden kann, man braucht nicht auf das Band zu starren, wie das Kaninchen auf die Schlange.

Der Transferbus stand noch an der Ampel an der gegenüberliegenden Kreuzung, also winken und hin. Diesmal war der Fahrer des Busses noch geduldiger mit mir, denn er öffnete die Tür wieder, war mit einem Ellenbogen auf das Lenkrad gelehnt, stützte mit der Hand den Kopf ab und fragte:

>>Naaa, noch keene Jachtwurscht jejessen heute wat?<< Ich wollte erklären, aber der Busfahrer:

>>Na setz da ma, aber n Koffa ausm Jang, sons kommta durch ...!<< So sind se, die Busfahrer in Berlin. Diese Eselei war mir sehr peinlich und ich schämte mich ein bisschen, irres Gefühl, eigentlich zwei Gefühle auf einmal, Scham und Freude über die „wiedergefundenen Papiere. Des Rätsels Lösung für die „verschwundenen Reiseunterlagen war simpel, denn die Tasche hatte auf beiden Seiten den exakt gleichen Einschub, was ich einfach nicht gesehen hatte, ich hatte also in meiner Aufregung nur auf der falschen Seite nachgesehen.

Erste Körperkontakte haben Marielu und ich beim Essen, denn sie stößt mir beim Schneiden des Hühnchens, den Ellenbogen in die Rippen. >>Hühnchen heißt Pollo ...<<, erklärt Marielu, weiß ich zwar schon, sage aber trotzdem >>Ah, soo ...<<. Sie ist Ingenieurin und hatte auf Kuba die Aufgabe, ein Computerprogramm zu erarbeiten, was dieses Programm bewirken soll, weiß ich nicht. Sie war nach Ost-Berlin geflogen, in die Hauptstadt, wie sie sagt, um Literatur zur EDV zu suchen, musste aber mit leeren Händen die Heimreise nach Kuba antreten, denn in Ost–Berlin gab es nichts in Sachen EDV.

Da sitzen wir nun nebeneinander in unseren roten Haus-pantoffeln oder besser Flugzeugpantoffeln, mit dem Aufdruck INTERFLUG und wissen nicht recht, was wir miteinander reden sollen. Marielu guckt aus dem Fenster, als erwarte sie eben doch jeden Augenblick etwas anderes da unten zu sehen als eben „Wassa".

Ich schiele zu ihr rüber und stelle mir ihren kubanischen Mann vor: groß, schwarz, bullig, deshalb ihre gelb gefärbten Haare, denke ich, Schwarze mögen das – blöder Gedanke, diszipliniere ich mich.

Nach zirka acht Stunden Flug landen wir auf dem Flughafen in

Gander, Neufundland, Kanada. Marielu kann genau sagen, wie lange der Zwischenaufenthalt in Gander dauern wird.

>>Fünfundvierzig Minuten bis zwei Stunden<<, sagt sie.

>>Weshalb diese Zeitspanne?<<

>>Auf Neufundland müssen alle Passagiere aussteigen und

manchmal fliegt jemand nicht mehr weiter.<<

>>Ja, fliegt er dann wieder zurück?<< frage ich naiv

nach.

>>Nein, die entscheiden sich dann für eine andere Rich-tung, heißt: manchmal hauen welche ab ...<< Den letzten Teil des Satzes spricht sie etwas leiser, als wolle sie vermeiden, jemanden zum „Abhauen" zu animieren.

Mit meinen leichten Schuhen marschiere ich über das vereiste Rollfeld – hatte ich nicht bedacht, in Berlin waren es plus 15 Grad, in Gander minus 8 Grad, auf Kuba bestimmt um die plus 30 Grad – zu dem flachen Gebäude, in dem wir eine Stunde auf den Weiterflug warten sollen.

Eigentlich nur aus Langeweile trinke ich den zigsten schlechten Automatenkaffee, dazwischen Mineralwasser, ich werde noch einen Herzkasper bekommen. Nach etwa zwei Stunden geht es wieder ins Flugzeug, zweimal werden alle Passagiere durchgezählt, ob alle an Bord sind oder nicht, weiß ich nicht, wenn jemand abgehauen wäre, hätte man dieses auch nicht bekanntgegeben, zum Beispiel in Form einer Durchsage wie: „Meine Damen und Herren, hier spricht der Flugkapitän, zwei DDR-Flüchtlinge haben uns leider verlassen, wir wünschen den beiden Flüchtlingen alles Gute im kapitalistischen Kanada." Marielu jedenfalls sitzt wieder neben mir. Eine weitere halbe Stunde später sind wir wieder in der Luft, bekommen, wie beim ersten Start, Bonbons gegen den Druck in

den Ohren.

Marielu schläft mit offenem Mund. Niemals konnte ich bei Flügen oder im Bus oder im Zug schlafen, ich beneide sie, ich löse stattdessen Rätsel. Später muss ich sie wecken, denn wir müssen ein Formular mit aus meiner Sicht unsinnigen Fragen ausfüllen, alle auf Spanisch abgefasst: Wann und wo geboren, wie lange ...., wie viel Geld .... Zehn Fragen, für die ich eine halbe Stunde brauche, ich komme mir vor wie ein Analphabet, Marielu hilft mir aber.

Noch etwa fünf bis sechs Stunden bis Havanna. Die Zeit scheint endlos.

Marielu gibt mir ihre kubanische Adresse, ich sage zu, mich in Berlin – West nach Büchern für sie umzusehen und ihr welche zuzuschicken, wenn ich fündig werde.

Endlich, eine saubere Landung. Bis die Tür aufgeht, vergehen noch einmal gefühlte zwanzig Minuten. Durch schmale Gänge, über Rolltreppen, niemand spricht, erreichen etwa hundertundfünfzig blasse, weil übermüdete Gesichter den durch brummende Neonlampen grell erleuchteten, hellphosphorgrün gestrichenen - toll! - Raum der Passkontrolle. In drei Reihen stehen wir an, Marielu habe ich aus den Augen verloren, vordrängeln bringt nichts, die Koffer kommen sowieso erst später. Nach über einer Stunde des Wartens bin ich dran. Lautes Hämmern der Stempel in den Pass, Kopf drehen, nach vorne gucken, andere Seite zeigen, alle Anweisungen durch Vormachen mittels Kopfbewegungen durch den Uniformierten. Endlich ein gesprochenes Wort:

>>Solo?<<,

>>Si!<<, kein `gracias´ des Kontrolleurs bei der Rückgabe des Passes und das Klicken der Klapp - Tür gibt den Weg in eine noch hässlichere, schwach gelb beleuchtete Halle frei, die so aussieht, als hätte ein Raucherclub seit Jahren darin getagt. Dort warte ich mindestens eine weitere Stunde auf

meinen gelben Koffer.

Bloß nach draußen, erste kubanische Luft schnuppern und

ein Taxi nach Varadero, es ist ein Uhr in der Nacht kubanischer Zeit, der typische Flughafengeruch von Öl, Kerosin, Schmutz, Meeresluft, der durch die Wärme noch verstärkt wird, dringt in meine Nase, ich kann nicht sagen, ob ich den Geruch mögen oder ekelhaft finden soll. Pfeifendes Dröhnen nicht abgestellter Düsen in meinen Ohren führt dazu, dass ich lauter spreche als eigentlich notwendig. Ich bin gut gelaunt, wie immer nach einer geglückten Landung, denn nun soll das dreiwöchige Abenteuer beginnen, ich bin gespannt.

* * * *

Um halb zwei Uhr sitze ich seit bereits zwanzig Minuten auf dem Rücksitz eines schwarz-gelben Taxis, eines Fiat Lada, in Richtung Varadero, gelenkt von Maximo.

>>Do you speak English?<<, hatte ich ihn schon am Flughafen gefragt.

>>No!<< war seine knappe Antwort, deshalb versprach es

in den nächsten zwei Stunden nicht sehr kommunikativ zu werden. Bis jetzt haben wir durchgehalten, kein Wort miteinander gesprochen, ist mir auch ganz recht, denn somit kann ich die Schwärze der Nacht draußen andächtig genießen, eine Finsternis, die nur durch die Lichtkegel des Taxis durchbrochen wird, außerdem kann ich meine Sinne auf das vor mir Liegende fokussieren. Andererseits hatte ich mir doch schon im Flugzeug erhofft, vom Taxifahrer einiges über die Insel zu erfahren – ist eben nicht. Gegen die Hitze hatte Maximo alle Scheiben heruntergedreht.

Plötzlich spricht er doch zu mir, ich schrecke auf:

>>... afuera hace mucho Calor<<, sagt er unvermittelt in einem Tonfall, als hätten wir uns bis jetzt angeregt unterhalten.

>>Danke für den Hinweis - ist mir noch gar nicht aufgefallen - ich wundere mich schon, weshalb mein Hemd so durchgeschwitzt ist<< antworte ich, er versteht mich nicht, das ist gut so, denn ich veräpple ihn ja, außerdem finde ich es gar nicht so schlimm mit der Wärme. Das Reden über das Wetter scheint international zu sein, jedenfalls, wenn man sonst nichts zu bereden hat, ich tendiere dazu, es dann lieber sein zu lassen, vielleicht bin ich ja ein Stinkstiebel.

Gegen die Müdigkeit singt er laut und falsch den kubanischen Song im Radio mit, trifft nicht einen Ton, mit der linken Hand klopft er den vermuteten Rhythmus auf das Wagendach, trifft nicht ein einziges Mal den Takt, komischer Kubaner, denke ich, sonst haben die doch den Rhythmus im Blut, jedenfalls glaubte ich das immer. Mit der Rechten fährt er sich von Zeit zu Zeit durch das gegelte Haar, für den kurzen Augenblick fährt der Wagen dann führerlos durch die Nacht.

Die Verschlussklappe des Handschuhfachs hängt schief in der Halterung und wird von einer Schnur gehalten, weil anscheinend ein Scharnier fehlt. Auf dem Armaturenbrett, das einen langen Riss aufweist, wie er da reingekommen ist, weiß ich nicht, ein großer Strauß Plastikblumen, der schon durch die Sonneneinstrahlung verblasst ist, die Blumen sollen den Riss kaschieren, ist aber nicht gelungen, darunter das Taxameter mit den Displays „a pagar U.S.Dollar und „suplementos U.S.Dollar., das aber nicht eingeschaltet ist, denn ich hatte ja einen Voucher. Alles, aber restlos alles klebt, die schwarzen Plastiksitze sind heiß, wie gern würde ich mir jetzt wenigstens einmal die Hände waschen.

Aus dem Seitenfach der Fahrertür ragt eine rote Zahnbürste, die allerdings so aussieht, als ob der Fahrer darauf geschlafen hätte, außerdem kann man die Anzahl der grauen Borsten an einer Hand abzählen, was er mit dieser Zahnbürste machen will, weiß ich nicht.

Bis Varadero sind es etwa 140 Kilometer, eine Strecke, die man normalerweise nicht mit einem Taxi zurücklegt, sondern man fährt mit einem Transferbus, im Jahre 1989 kennt man dieses auf Kuba vielleicht noch nicht, denn der Tourismus ist nur mäßig entwickelt und es kommen hauptsächlich Besucher aus der DDR auf die Insel, ganz wenige Westdeutsche und einige Kanadier.

Während der Fahrt tauchen mehrmals im Scheinwerferlicht einzelne Männer auf, die einfach so am Straßenrand stehen und sofort wieder hinter uns in der Dunkelheit verschwinden, was sie dort machen, ist mir unerklärlich, denn zu sehen gibt es nichts, es ist stockfinster, für einen Abendspaziergang ist es wohl auch etwas zu spät, vielleicht ist ja zuhause das Klo verstopft, denke ich.

Soldaten stoppen uns. Maximo steigt aus, der Unterhal-tung zwischen ihm und den Soldaten kann ich nicht folgen. Die Tür des Taxis wird wortlos geöffnet, was wohl heißen soll: aussteigen! Wegen der Dunkelheit sehe ich nahezu nichts, mir ist ein wenig mulmig, denn wir befinden uns mitten auf einer Landstraße in einem Waldstück, es ist fast zwei Uhr in der Frühe, der Kofferraumdeckel ist geöffnet, ein Soldat nickt in Richtung meines Koffers,

>>Abrir!<<, wieder eine Vokabel mehr, danke dafür. Unter Taschenlampenlicht, neben vier mit Maschinenpistolen bewaffneten Herren in martialischer Uniform, öffne ich das Zahlenschloss meines Koffers, ein Wunder, dass ich meinen Geburtstag unter diesen Bedingungen nicht vergessen habe, gesprochen wird nichts, ich bekomme etwas Angst, selten kommt man als unbescholtener Bürger einer Maschinenpistole so nahe, aber auch wegen der Dunkelheit, manchmal wird mir der Lichtstrahl der Taschenlampe direkt ins Gesicht gehalten, so dass ich geblendet bin. Ich hebe die oberen Schichten des Kofferinhalts an, um zu Beweisen, dass ich weder Drogen, noch pornographisches, noch konterrevolutionäres Waffenmaterial in meinem

Koffer habe.

>>Nur saubre Wäsche, Sir!<<, höre ich mein vorlautes Mundwerk, was diesmal der Mulmigkeit geschuldet ist, ich es mir deshalb auch nicht nachtrage. Hätte man mich im Reisebüro „Tropicana-Touristik" in Berlin über solche Kontrollen nicht informieren müssen? – vielleicht – zu spät. Jetzt fällt mir die Invasion an der Schweinebucht aus dem Jahre 1961 ein, spätestens seit diesem Ereignis sind die Kubaner paranoid – vielleicht haben sie ja Recht.

Nachdem sich nun meine Harmlosigkeit herausgestellt hat, geht es weiter, viel zu schnell, denn um ein Haar wären wir mit einem anderen Wagen zusammengeprallt, der plötzlich aus der Dunkelheit in einer Kurve am Straßenrand auftaucht, der mittels eines dünnen, völlig verrosteten Wagenhebers aufgebockt ist, zwischen den Hinterrädern ragen zwei Beine hervor, jemand repariert in der nächtlichen Finsternis, hoffentlich nicht das Getriebe, denn dann liegt er wahrscheinlich nächste Woche noch drunter. Warndreieck, Warnlampe – Fehlanzeige.

Eine halbe Stunde später werden wir wieder von Soldaten gestoppt, das gleiche Prozedere noch einmal. Diesmal lasse ich die Schlösser des Koffers geöffnet, bis Varadero ist es immerhin noch fast eine Stunde.

Es riecht sehr merkwürdig, denn man bohrt nachts nach Öl, ein leicht schwefliger Geruch, der mich aber nicht weiter

stört, außerdem wurde darauf hingewiesen. Maximo will auf dem

Weg noch an einer Bar haltmachen, ich lehne ab, denn erstens bin ich müde und zweitens vermute ich dahinter lediglich den Versuch, mir ein paar Dollars aus der Tasche zu locken, kein Taxifahrer der Welt will mit seinem Fahrgast in eine Bar gehen, es sei denn, der Fahrgast ist weiblich. Auf der restlichen Strecke werden wir noch zweimal angehalten, beim letzten Mal brauche ich aber nicht mehr auszusteigen.

Endlich angekommen, ich bin der einzige Gast, jedenfalls in dieser Nacht, werde ich herzlich empfangen. Eine dunkelhäutige Schönheit nimmt meine Daten auf, entvouchert mich, wobei sie immer wieder beim Schreiben zu mir hochschaut und lächelt, als wäre ich ein Alien von einem anderen Planeten mit drei Augen, ein

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