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Apostelchips: Kampf um Seltene Erden - Wirtschaftskrimi
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Apostelchips: Kampf um Seltene Erden - Wirtschaftskrimi
eBook279 Seiten3 Stunden

Apostelchips: Kampf um Seltene Erden - Wirtschaftskrimi

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Über dieses E-Book

Es ist hinreichend bekannt, dass Seltene Erden für die High-Tech-Industrie das bedeuten, was Erdöl für die Chemische und Pharmaindustrie bedeutet.
Die vorhandenen Importzwänge für Seltene Erden – 90 Prozent – lässt die Gefahr einer Monopolisierung am Horizont erscheinen.
Die zu erwartenden Versorgungsengpässe von bis zu sieben Elementen der Seltenen Erden bis 2014 und die derzeit hohen Preise bieten zum ersten Mal den Anreiz, Seltene Erden effizient zu nutzen, sie durch Alternativoptionen zu ersetzen und Recyclingstrukturen in Europa zu schaffen.

In diesem Spannungsfeld ist der Wirtschaftskrimi "Apostelchips" entstanden.

In Zusammenarbeit mit einem Forscher ist es der Firma Harry Steig gelungen, eine patentierte digitale Produktfamilie zur berührungslosen Analyse von Flüssigkeiten jeder Art zu entwickeln. Die Anwendungsgebiete liegen auch in der Analyse von Chemikalien, die beim Recycling von digitalem Schrott, ein wachsender Markt, anfallen.
Der Roman öffnet den Blick für den Kampf um Marktanteile.
SpracheDeutsch
Herausgeberneobooks
Erscheinungsdatum26. Mai 2013
ISBN9783847630203
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    Buchvorschau

    Apostelchips - Gert Podszun

    Hinführung

    Hinführung

    Es ist hinreichend bekannt, dass Seltene Erden für die High-Tech-Industrie das bedeuten, was Erdöl für die Chemische und Pharmaindustrie bedeutet.

    Die vorhandenen Importzwänge für Seltene Erden – 90 Prozent – lässt die Gefahr einer Monopolisierung am Horizont erscheinen.

    Die zu erwartenden Versorgungsengpässe von bis zu sieben Elementen (Dysprosium, Europium, Lanthan, Neodym, Praseodym, Terbium, Yttrium,) der Seltenen Erden bis 2014 und die derzeit hohen Preise bieten zum ersten Mal den Anreiz, Seltene Erden effizient zu nutzen, sie durch Alternativoptionen zu ersetzen und Recyclingstrukturen in Europa zu schaffen.

    In diesem Spannungsfeld ist der Wirtschaftskrimi „Apostelchips" entstanden.

    1

    An der Ziegelmasch 1 in Alfeld, zwischen den Abfallcontainern der dortigen Filiale eines Handelsunternehmens gab es kurz vor Arbeitsbeginn einen hellen Aufschrei. Die Filialleiterin hatte gerade geprüft, ob die Container voll waren und ob loses Material neben ihnen lag. Es war sauber. Sie war zufrieden. Bis sie diesen Fund machte. Ein männlicher Körper lag zwischen zwei Containern, ein schmaler Körper, in einen grauen Anzug gehüllt. Dünn, der Mann, dachte sie, als sie die Polizei anrief, um den Fund zu melden. Natürlich habe ich nichts angefasst. Ich werde es auch nicht tun. Ja, ich kann den Bereich absperren. Dann müssen die von der Entsorgung eben später kommen.

    Der Beamte stellte keine weiteren Fragen, er wollte nur sicher gestellt wissen, dass niemand den Bereich betreten würde. Wegen der Spurensicherung. Die Filialleiterin wies umgehend die Mitarbeiter an, das Gelände hinter den Verkaufsräumen bis auf weiteres nicht mehr zu betreten. Sie wunderte sich, dass sie selbst gar nicht mehr aufgeregt war. Sie schaute auf die Autos, die auf der Landstraße, an der die Filiale liegt, vorbeifuhren. Auf der anderen Seite der Landstraße gab es einen Buschstreifen, der die Sicht auf den dahinter liegenden Bach versperrte. Vor diesen Büschen parkten manchmal Kunden. Solche, die es besonders eilig hatten.

    Inzwischen war die Filiale geöffnet. Die ersten Kunden schoben ihre Einkaufswagen in den Verkaufsraum.

    Es ist die Regel, dass bei ungeklärten Todesfällen, das war offenkundig einer, neben allen anderen auch die Kriminalpolizei benachrichtigt wird. Alle Informationen über diesen bislang nicht zu identifizierenden Mann landeten schließlich in dem Dokument, das die zuständige Kommissarin der Mordkommission in die Hände bekam. Maria Fels mochte ihren Nachnamen, weil sie glaubte, dass an diesem Felsen die bösen Dinge des Lebens zerschellen würden. Zerschellen, das war ihr Lieblingswort geworden. So sollte auch in diesem Fall die Unklarheit an ihrer Arbeit zerschellen. Fels verpflichtete sich selbst, indem sie sehr hartnäckig recherchierte und entsprechend auf die Suche ging. Hier zunächst auf die Suche nach der Todesursache. Der Mann, den man hinter diesem Geschäft zwischen den Containern auf dem Boden gefunden hatte, war eigentlich gesund. So der zuständige Arzt. Er konnte auch bis jetzt keine Fremdeinwirkung feststellen. Kein Einstich. Kein Gift. Keine Einnahmen von Drogen. Kein Suchtverdacht. Ein kerngesunder Mann. Maria Fels suchte nach einem Ausweis oder Papieren, die einen Hinweis auf die Adresse oder die Heimat des Mannes geben würden. Ein Toter redet ja nicht. Einen Ausweis schien es nicht zu geben. Die Fotografien der Spurensicherung zeigten unter anderem den Anzug des Toten und das in der Jacke eingenähte Label. Das muss ich vergrößert sehen. Vielleicht ergibt sich da eine Spur. Sie meinte, einen polnischen Namen gefunden zu haben. Wie kann sich ein Mensch ohne Papiere und Ausweis oder Brieftasche in einem fremden Land bewegen? Ich muss der Sache nachgehen. Der ist nicht einfach tot umgefallen. Das verlangt nach einer Klärung. Vielleicht haben die Kollegen etwas übersehen. Hat man die Kleidung, den Stoff des Anzuges, ausführlich untersucht? Ich gehe der Sache nach. Hat man gar kein Mobiltelefon gefunden? Das trägt doch heute jeder. Die Container dürfen nicht abgefahren werden. Vielleicht hat dieser Mann im letzten Moment sein Mobiltelefon weggeworfen oder verloren. Oder man hat ihn bestohlen. Merkwürdig, dass es bis jetzt keine Zeichen von einer körperlichen Auseinandersetzung oder Fremdeinwirkung gab.

    Die Untersuchung vor Ort dauerte wegen der Einbeziehung der Containerinhalte lange. Es war ja denkbar, dass eine fremde Person Gegenstände des Toten dort hätte entsorgen können. Nach dem Abtransport der Leiche wurde die Bekleidung erneut untersucht. In der Sicherheits-Innentasche des Sakkos wurde ein kleines dünnes ledernes Mäppchen in der Größe einer Kreditkarte gefunden. Darin befanden sich Visitenkarten einer polnischen Bank. Narodowy Bank Polski. Der Name des Mitarbeiters der Bank lautete Krysztof Rybinski. Sein Titel war Agent der Bank. Eine Adresse in Deutschland war nicht angegeben.

    Maria Fels gab die Personaldaten an die polnische Bank weiter, um mehr über den Auftrag des gestorbenen Polen zu erfahren. Unmittelbar danach wurde in dem pathologischen Bericht bestätigt, dass der Mann eigentlich kerngesund war. Es gab kein klares Indiz für die Ursache des plötzlichen Todes.

    Wider Erwarten kam die Reaktion von der polnischen Bank in sehr kurzer Zeit. Darin war die Rede von einer Venture Capital Finanzierungshilfe für einen Herrn Stanislaw Kuszynski, der sich an einer Aktiengesellschaft beteiligen wollte. Der zuständige Agent für den deutschen Markt, Herr Rybinski, sei mit der Bearbeitung der Finanzierung beauftragt gewesen.

    Fels studierte die bisherigen Informationen. Ich muss erst wissen, was das für ein Geschäft sein sollte. Die Leiche wird noch nicht freigegeben. In der Pathologie stellte man sich neue Fragen. Warum hatte man die Visitenkarten nicht schon am Fundort entdeckt?

    2

    Harry Steig hatte sich entschlossen, Holz zu hacken. Das tat er immer, wenn er ein Problem zu lösen hatte. Das Problem trug einen Namen: Josephine Li Mei. Es war gerade ein paar Stunden alt. Josephine, Harry duzte sie seit einiger Zeit. Sie war Repräsentantin einer international tätigen Handelsgesellschaft in Konzerngröße, die insbesondere mit hochwertigen Rohstoffen, Edelmetallen und Seltenen Erden handelte. Seine Firma kaufte seit Jahren bei diesem Konzern ein. Josephine hatte ihn am Vormittag besucht und mitgeteilt, dass die Lieferkonditionen für Seltene Erden sich ändern würden, die Preise also erhöht würden.

    Harry erinnerte sich. Er kannte sie seit einigen Jahren. Die von ihr genannten Einkaufskonditionen waren über lange Zeit ziemlich konstant und akzeptabel. Er hatte Li Mei vom ersten Moment an in sehr angenehmer Erinnerung. Spontan hatte er sie wenig später bei einem ihrer dienstlichen Besuche zu einem gemeinsamen Abendessen eingeladen. Sie hatten dann des Öfteren im Kastens Hotel Luisenhof gemeinsam übernachtet. Harry hatte sich erlaubt, dort das Turmzimmer für gemeinsame Nächte zu buchen. Er hatte den Eindruck, dass Josephine diese Tage und Nächte immer über die Maßen genoss. Er sah darin zwar keine Garantie für die Stabilität der Konditionen, hoffte es aber insgeheim. Es war eine Verquickung von Geschäft und Gefühl. Nun hatte sie ihm quasi gekündigt. Sie gab vor, keine Chancen mehr zu haben, die Konditionen zu halten. Eine Konzernanweisung. Das war ihre einzige Erklärung.

    Harry war zwiefach enttäuscht. Er überlegte, ob er das Turmzimmer für den heutigen Tag stornieren sollte. Oder sollte er es nicht tun? Souverän sein? Was würde Josephine denken und fühlen? Sie würde doch denken, dass er nur wegen seiner Firma und der Einkaufskonditionen mit ihr zusammen gewesen war. Das könnte sogar noch Folgen haben für die nächsten Vertragsverhandlungen. Zudem hatte er ihr viele Firmeninterna erzählt. Sie war unter anderem im Besitz eines vollständigen Organigramms. So kannte sie alle wichtigen Mitarbeiter. Er musste das Problem lösen. Das konnte er am besten beim Hacken von Holz.

    Er liebte dieses Spaltgeräusch und den danach kurz aufsteigenden Duft des Holzes, welcher ziemlich schnell verflog.

    Er konnte nicht an der Tatsache vorbei denken, dass die Erhöhung der Einkaufspreise einen erheblichen Einfluss auf die Situation seiner Firma haben würde. Die Messtechnik Harry Steig AG, deren Vorstandsvorsitzender und Hauptanteilseigner er seit Jahren war.

    Ein dicker alter Baumstumpf diente ihm als Hackklotz. Die zu dicken Aststücke wurden sorgfältig in die Mitte des Hackklotzes gesetzt. Dann schwang er konzentriert die Axt. Die Holzscheite krachten unter seinen kräftigen Axtbewegungen und flogen auseinander. Der Duft des frisch gespaltenen Holzes mischte sich mit seinem Schweiß. Männersache. Er roch das gerne. Nein, er würde sich nicht aus Versehen in ein eigenes Bein hacken, um die Problemlösung zu verschieben. Er würde die Situation meistern.

    Er hatte sich zwei Optionen für die Zukunft seiner Firma gesichert. Einmal die Verbindung zu Professor Dr. Stiller, ein hervorragender Forscher auf dem Gebiet der Seltenen Erden. Er würde am nächsten Tag einen wegweisenden Vortrag über die Zukunft der Firma halten. Und darüber hinaus eine Vereinbarung mit McCartinson über die Beteiligung an einer neuen Quelle für Seltene Erden. Und diese Seltenen Erden sind ein Schlüsselelement für die geplante Entwicklung seiner Firma. Er wäre dann weniger oder gar nicht mehr von dem Handelskonzern abhängig.

    Josephine, dachte er, und ein weiterer Axthieb gab ihm ein Gefühl von Souveränität. Er hatte sich entschieden. Er würde Josephine wie immer am Abend begleiten. Er schichtete die Scheite auf, duschte sich und teilte seiner Frau mit, dass er am Abend noch eine dienstliche Besprechung haben würde.

    3

    Fast wäre Dieter Jens zu spät zu dem Termin gekommen. Rechtzeitig vor Beginn hatte Frau Essig, Assistentin des Chefs der Steig AG, ihn daran erinnert. Er klappte sein Laptop zu, klemmte ihn unter einen Arm und sprang eifrig die Treppe hinunter zum Sekretariat. Unterwegs knöpfte er sein Jackett zu.

    „Sie wollten doch den Professor abholen, Herr Jens!"

    „Ich habe noch gelesen. Vorbereitung auf den Vortrag."

    „Ist ja recht, aber Sie müssen jetzt los, sonst sind wir alle zu spät."

    Jens kannte den Weg zum Hotel Luisenhof. Den Professor kannte er noch nicht persönlich, aber er hatte ein Bild von ihm. Es war verabredet, dass der Professor vor dem Haupteingang des Hotels Luisenhof warten würde. Jens erkannte ihn vom Bild sofort. Er trug einen beigefarbenen Mantel, in der linken Hand hielt er eine Aktentasche mit schwer zu definierender Farbe. Jens winkte ihm zu und schaute in Richtung Lobby. Er hatte den Eindruck, als stünde dort ein kleiner Mann, der dem Professor nachschaute. Entweder war es ein Zufall des morgendlichen Lichtspiels oder aber die hellen Augen von diesem Mann, deren starkes Funkeln Jens im Gedächtnis blieb.

    Der Marketingchef persönlich! Guten Morgen.

    Mehr als diese kurze Begrüßung gab der Professor während der Fahrt nicht von sich. Er schaute stur auf die Straße und hielt seine Tasche auf dem Schoß fest.

    Auf der Luisenstraße gab es einen kurzen Stau. Jens blickte in den Rückspiegel und meinte den kleinen Mann aus der Lobby in einem roten Kleinwagen hinter sich zu sehen. Der bog in Richtung Hauptbahnhof ab. Sie erreichten die Firma nur wenig später als geplant. Stiller ging schnurstracks in das Büro von Steig, als wenn er es bereits kennen würde. Jens eilte in den Besprechungsraum und öffnete sein Laptop. Er war bereit.

    Glücklicherweise machte der Chef keine Bemerkung über die kurze Zeitverzögerung. Er legte prinzipiell größten Wert auf Pünktlichkeit. Jens schaute auf seine Schuhe, die er seit zwei Tagen nicht mehr geputzt hatte und schob sie unter den Stuhl zurück. Professor Dr. Stiller hatte seinen Mantel abgelegt. Von Harry Steig und Frau Essig begleitet, betrat er den Besprechungsraum. Sein Platz war neben dem Chef reserviert. Der Beamer summte. Steig prüfte die Anwesenheit der geladenen Mitarbeiter mit einem kritischen Rundumblick, zeigte sich zufrieden und stellte den Gast vor.

    „Meine Damen und Herren, wie Sie wissen, wandelt sich die Welt. Das hat auch Einfluss auf unsere Arbeit und unsere Produkte im Bereich der Messtechnik. Unser Gast, Professor Dr. Stiller, hat nach langer Forschungs- und Entwicklungsarbeit mit unserem Hause und in Zusammenarbeit mit internationalen Konzernen und Universitäten für uns eine Produktkonzeption entwickelt, die wesentliche Bereiche der Messtechnik und der Zukunftstechnologie „Augmented Reality revolutionieren wird. Ich freue mich, dass unser Gast eine Einführung in diese innovative Welten geben wird. Zu Ihrer Information teile ich Ihnen noch mit, dass Professor Stiller noch wenige Tage in der Stadt sein wird. Er hält eine Gastvorlesung an der Universität. Herr Professor, bitte!

    Stiller. Ein ziemlich unscheinbarer, eher kleiner Mann. Hohe Stirn. Brillenträger. Leicht gebräuntes Gesicht. Seine Aktentasche lag vor ihm auf dem Tisch. Zeigte klare Spuren langjähriger Benutzung. Spuren seiner Hände. Altes Hautfett. Messingschloss. Sein anthrazitgrauer Anzug war augenscheinlich schon seit längerer Zeit sein Begleiter. Leichter Glanz vom Bügeln. Er stand auf, rückte die Brille mit den runden Gläsern und dem silbergrauen Stahlrahmen zurecht, startete die Präsentation von seinem Laptop über den Beamer. Die Mitarbeiter hörten:

    „Technologien zur Identifizierung von Flüssigkeiten in geschlossenen Behältnissen sind vornehmlich für die chemische Industrie, aber auch für die Abfallwirtschaft von außerordentlicher Wichtigkeit. Uns ist es nach einigen Jahren der Forschung gelungen, ein System zu entwickeln, mit dem Flüssigkeiten, egal welcher Art, in geschlossenen Behältnissen identifiziert werden können. Dies ist möglich, ohne auf traditionelle Weise Proben zu entnehmen oder die Flüssigkeiten unmittelbar zu berühren. Zum Beispiel ist es einfach, Blutbestandteile bei Menschen oder Tieren zu analysieren, ohne eine konkrete Probe zu nehmen, wie es derzeit bei Laboruntersuchungen üblich ist."

    Jens mochte Blut nicht. Er hatte als Kind oftmals Nasenbluten. Er hörte weiter zu.

    „Praktisch geht das so. Man hält eine entsprechende Vorrichtung, wie etwa diesen neu entwickelten Sensor, hier sehen sie einen Prototyp, " - ein graues Gerät, einem schnurlosen Telefonhörer ähnelnd, wurde in die Luft gehalten - „an die Haut oder die Außenwand eines flüssigkeitführenden Systems und erhält umgehend die Analyse des Inhalts. Das wäre unter anderem auch eine Diagnosehilfe für Ärzte und Krankenhäuser, um etwa Blutkrankheiten zu behandeln oder den Zuckergehalt zu bestimmen. Sicherlich auch ein Potenzial zur Kostensenkung.

    Weitere Anwendungsgebiete sind in der Chemie- und Pharmaindustrie wie auch in allen Entsorgungsbereiche, in denen es um flüssige Stoffe unterschiedlicher Viskosität geht, zu finden. Das Arbeitsprinzip ist identisch. Die Behältnisse der Flüssigkeiten müssen nicht geöffnet werden. Der Sensor wird lediglich an die Wandung gehalten und liefert die gewünschte Analyse sofort. Weitere Anwendungsgebiete liegen in der Ferndiagnose von Flüssigkeiten, wie etwa Flüsse oder Seen, was aber die heutige Veranstaltung sprengen würde.

    Die Herstellung dieser neuen Messgeräte und Sensoren passt ideal in das Profil Ihrer Firma, der Steig AG. Das ist auch der Grund, warum ich heute bei Ihnen sein darf.

    Für die Produktion dieser Messgeräte ist selbstverständlich spezielles Know-how erforderlich. Ihnen ist bekannt, dass dafür Bausteine erforderlich sind, die ohne die Verfügbarkeit von Seltenen Erden, also Metallen seltener Erden, auch Seltenerdemetalle, oder Rare Earth genannt, nicht produziert werden können. Das gilt auch für einen weiteren Unternehmenszweig, in dem hier im Hause hervorragende Arbeit für die Zukunftstechnologie AR geleistet wird. Das ist aber heute nicht unser Schwerpunkt. Nur noch eine kurze Anmerkung.

    Die Bedeutung Seltener Erden nimmt immer mehr zu. Seitdem China, das derzeit mit etwa 90 Prozent den weltweit größten Anteil an der Verfügbarkeit dieser Metalle stellt, den Export stark eingeschränkt hat, steigen die Preise dieser Rohstoffe stark an. Unter dem Begriff Seltene Erden werden Metalle einer bestimmten Gruppe des Periodensystems zusammengefasst, die für die Industrie sehr wichtig sind. Unter anderem werden Seltene Erden bei der Herstellung von Mobiltelefonen, Laptops, Fernsehern, Hybridfahrzeugen, bestimmten Waffen- und Radarsystemen, Röntgenapparaten und Photovoltaik-Anlagen benötigt. Der wachsende Einsatz dieser Metalle spricht neben einem zu erwartenden Angebotsengpass für einen weiteren Preisanstieg. Davon profitieren natürlich Förderunternehmen.

    Mir ist bekannt, dass die bisherigen Laborarbeiten in Kooperation mit ihrem Hause erfolgreich waren, wenngleich dies auch in erweiterter Zusammenarbeit mit einem ihrer Lieferanten, der Firma Dorn, zustande gekommen ist. Man muss Spezialisten eben ihren Platz geben."

    Steig bedankte sich nach weiteren Ausführungen des Gastes und dem abschließenden Frage- und Antwortspiel für dessen Vortrag und beendete die Sitzung mit einem Schlusswort:

    „Diese Präsentation zeigt uns neue Wege für den Bereich Messgeräte auf. Dafür sprechen auch schon erste Reaktionen vom Markt. Das bringt neue Anforderungen, die wir zu kanalisieren haben. Das hat selbstverständlich auch Einfluss auf unsere Organisation. Damit gebe ich bekannt, dass wir die zukünftige Marktbearbeitung auf höchster Ebene personifizieren werden. Herr Jens als Direktor Marketing wird den Bereich Chemie- und Pharmaindustrie sowie Entsorgung übernehmen und Herr Doering übernimmt weiterhin den Bereich Medizin, Krankenhäuser und Laborunternehmen. Weitere Fragen oder Anregungen werden wir in Einzelgesprächen erörtern. Falls jetzt keine weiteren Fragen bestehen, nehmen Sie bitte die Unterlagen, die Professor Stiller für uns vorbereitet hat, an sich und studieren sie, damit wir bei den nächsten Gesprächen einen gleichen Informationsstand haben."

    Die Sitzung war damit beendet.

    Jens nahm die angesprochenen Unterlagen an sich. Er konnte gerade noch sehen, dass der Professor Schuhe trug, deren Absätze schief abgelaufen waren. Sein Laptop begleitete ihn zurück zu seinem Büro.

    Es wurde Zeit, den Akku zu laden.

    4

    Braunschweig, Donaustraße. Unleserliche Hausnummer. Zweite Etage. Vier-Zimmer-Wohnung. Klingelschild. Krysztof Rybinski. Agent. Als Mieter dieser Wohnung blickte er auf eine lange Zeit als Steward bei der polnischen Fluggesellschaft Polskie Linie Lotnicze LOT zurück. Vor fünf Jahren wurde sein Arbeitsverhältnis beendet, nachdem er viele Jahre im internationalen Flugverkehr weltweit unterwegs gewesen war. In jedem Zielort der LOT hatte er sich als geschäftstüchtiger Geist bemüht, Chancen für zukünftige Geschäfte zu erkennen und je nach Lage der Umstände auch zu nutzen. Das Ergebnis seiner Suche erstreckte sich auf zwei Schwerpunkte. Einerseits hatte er ein Vorstandmitglied er polnischen Bank Narodowy Bank Polski kennengelernt und diesen mit seinen guten deutschen Sprachkenntnissen davon überzeugt, dass er als freier Mitarbeiter die Interessen dieser Bank in Deutschland vertreten können würde. Seit diesem Treffen nannte er sich Agent der Bank und arbeitete daran, sie bekannt zu machen.

    Andererseits hatte er in Südamerika und in Ländern des Vorderen Orients Verbindungen geknüpft, die ihm die Möglichkeiten einräumten, Kurierwege für unterschiedliche Drogen zu organisieren. Ein einträgliches Nebengeschäft, bei dem man sich die Hände nicht schmutzig machen konnte. Rybinski verstand sich bei diesem Geschäft als reiner Vermittler von logistischen Wegen. Seine Methode war simpel. Er besuchte verschiedene Stellen, an denen sich Menschen trafen, um Briefe oder

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